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Rezensionen von Lilli33:

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Einerseits intensiv, andererseits distanziert

Laute Nächte von Anne Freytag

Einerseits intensiv, andererseits distanziert

Nachdem Kennis Freundin Jasmin bei einem Autounfall ums Leben kam, flüchtet er von München nach Wien, wo ihn keiner kennt, wo er neu anfangen will. Tatsächlich fühlt er sich in der WG mit Paul, Elif, Julia und später auch noch Harry bald heimisch.

Und trotzdem will es ihm nicht gelingen, Jasmin loszulassen.

Lange Zeit steht die tote Jasmin Kennis neuem Liebesglück im Weg. Wir dürfen ihn dabei begleiten, wie er sich nach und nach von ihr löst. Das ist ein schmerzhafter und langer Prozess, sodass es nicht verwundert, dass der Roman in drei Teile gegliedert ist, die im Abstand von mehreren Jahren handeln.

Ich liebe Anne Freytags Geschichten, die meistens sehr intensiv und berührend sind. Auch „Laute Nächte“ macht hier keine Ausnahme. Trotzdem war ich nicht so sehr mit dem Herzen dabei wie bei früheren Roman der Autorin. Ich kann nicht einmal sagen, woran es genau liegt. Möglicherweise an der Stimme des Sprechers Pascal Houdus, obwohl er seine Sache wirklich sehr gut macht. Vielleicht kam ich auch nicht so nah ran, weil der Protagonist männlich ist. Egal, das Buch war es trotzdem wert, gehört zu werden, auch wenn für mich persönlich das I-Tüpfelchen fehlte. Ich habe keine Minute davon bereut, zumal Anne Freytag mich wieder einmal mit absolut großartigen Sätzen und Gedanken begeistern konnte.

Das Hörbuch gibt es als ungekürzte Lesung bei SAGA Egmont. Es läuft über 7 Stunden und 42 Minuten.

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Einerseits intensiv, andererseits distanziert
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Wieder sehr amüsant

Mord ist die beste Beseitigung von Volker Klüpfel

Wieder sehr amüsant

Kaum ist der Fall mit dem Kind (in »Wenn Ende gut, dann alles«) abgeschlossen, als Tommi (widerwillig) und Svetlana (nur allzu bereitwillig) in einen neuen Fall stolpern. Per Reiseruf wird Gabriele Zorn gesucht, und genau die fährt gerade vor Tommis Wohnmobil her. Doch als sie der Frau auf einen Parkplatz folgen, ist das Auto leer und Gabriele Zorn spurlos verschwunden.

Während Tommi krampfhaft versucht, endlich sein Buch zu schreiben, wittert Svetlana, die ukrainische Putzfrau, ein handfestes Verbrechen. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass sie damit ganz richtig liegt.

Neben vielen witzigen Szenen entwickelt sich der Kriminalfall stetig und mit sich steigernder Spannung vorwärts. Dabei hat Svetlana stets die Nase vorn und durchschaut die Zusammenhänge um einiges schneller als Tommi. Die „Zusammenarbeit“ der beiden hat mich immer wieder zum Lachen gebracht. Ich liebe die Wortspiele um Svetlanas verdrehtes Deutsch, wobei die beiden manches Mal grandios aneinander vorbeireden.

Ich mag beide Hauptfiguren sehr gern, sie sind mir schon sehr ans Herz gewachsen. Und auch Tommis Vater Leo ist ein besonderer Charakter, den ich nicht missen mag.

Der Fall hat einige überraschende Wendungen und ist in sich abgeschlossen. Man kann das Buch gut ohne Vorkenntnisse lesen, mit macht es aber eventuell noch mehr Spaß.

Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf ein Wiedersehen mit Tommi und Svetlana in Band 3.

Die Reihe:
1. »Wenn Ende gut, dann alles«
2. Mord ist die beste Beseitigung

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Ein Wettlauf gegen die Zeit

Noch fünf Tage von Helena Falke

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Lis Castrop ist eine Spitzenköchin und sorgt als Privatköchin für das leibliche Wohl der schwerreichen Familie Harman. Doch beim Silvesterdinner geht etwas schief: Die Harmans sterben durch Gift im Essen. Auch Lis hat etwas davon abbekommen. Ihr Tod ist unausweichlich, doch es bleiben ihr geschätzt noch fünf Tage, um ihre Angelegenheiten zu regeln, vor allem die Zukunft ihrer zwölfjährigen Tochter Cosima, die Lis unmöglich dem alkoholkranken leiblichen Vater überlassen kann.

Da Lis selbst unter Mordverdacht steht, sieht sie sich gezwungen, den wahren Mörder selbst zu ermitteln. Gar nicht so einfach, wenn man ans Krankenhausbett gefesselt ist und jeden Tag mehr abbaut. Doch Lis bekommt Hilfe von der Krankenschwester Esme …

Die Erzählung aus Lis’ Perspektive sorgt dafür, dass man sich gut mit ihr identifizieren kann. In der ihr verbleibenden Zeit erinnert sich Lis an Episoden aus ihrer Vergangenheit und der der Harmans, ruft sich Gespräche in Erinnerung, die irgendeinen Bezug zu dem Mord haben könnten. So lernen wir eine Menge Freunde und Feinde kennen, von denen etliche ein Mordmotiv haben könnten. Allerdings wirkt die Geschichte dadurch ein wenig zerhackt, da Lis sich mal an dies und mal an das erinnert.

Dadurch, dass sich die gesamte Handlung über fünf Tage nur in einem einzigen Krankenhauszimmer abspielt, hatte ich unterschwellig das Gefühl, dass nicht allzu viel passiert. Es sind allein Lis’ Erinnerungen, die die Handlung vorantreiben, aber kaum wirkliche Aktionen. Vor allem hat mich Lis’ Sorge um ihre Tochter berührt. Diese ist sehr authentisch dargestellt und sehr gut nachvollziehbar.

Eine gute Idee der Autorin ist das Voranstellen der jeweils aktuellen Uhrzeit bei jedem neuen Kapitel und die sehr häufige Erwähnung der noch verbleibenden Stunden bis zu Lis’ erwartetem Ende. So erlebt man als Lesende den Wettlauf gegen die Zeit hautnah mit, was für ein bisschen Spannung sorgt.

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Tödliche Spiele

The Crane and the Nightjar von Ada Bailey

Tödliche Spiele

„Nebelverhüllt“ ist der Auftaktband einer Dilogie von Ada Bailey, der mich positiv überrascht hat. Die Autorin war mir bis dato unbekannt.

Zara Nightjar ist eine begnadete Kartenspielerin. Als sie zusammen mit dem mysteriösen Crane nach einem verbotenen Spiel verhaftet wird, ist ihr Leben keinen Pfifferling mehr wert.

Es ist nur die Frage, ob sie in den Erzminen zugrunde geht oder den Krählen zum Fraß vorgeworfen wird. Oder hat sie noch eine Chance, wenn sie die tödlichen Prüfungen des grausamen Königs besteht?

Das Buch ist durchweg spannend, ich bin nur so durchgerauscht, weil ich unbedingt wissen musste, wohin das alles führt und wie es mit unseren Protagonist*innen weitergeht. Der Schreibstil ist recht dynamisch und leicht zu lesen. Dabei mochte ich vor allem Zara sehr gern. Sie hat das Herz am rechten Fleck, will niemandem etwas Böses (na ja, zumindest nicht ohne Grund) und steht für Schwächere ein. Sie hat in ihrem Leben schon viel Schlimmes erlebt, ohne den Lebensmut zu verlieren oder verbittert zu werden.

Meist wechseln die Kapitel zwischen Zara und Crane hin und her, wobei beide Perspektiven in der 1. Person geschrieben sind. Einige Kapitel sind auch aus der Sicht von Nebenfiguren. Obwohl man so direkt an Zaras und Cranes Seite durch die Handlung spaziert und das Gefühl hat, die beiden gut kennen zu lernen, bleiben ihnen genügend Geheimnisse, die erst nach und nach ans Tageslicht kommen. Und ich wette, auch für Band 2 sind noch welche übrig.

In der Geschichte gibt es zwar auch Magie, die mir gut gefiel, aber noch mehr Gewalt. Wer in dieser Hinsicht empfindlich ist, sollte die Finger von dem Buch lassen, denn stellenweise ist es wirklich sehr brutal und blutig. Eine solch explizite Darstellung von gewaltsamen Toden hätte meiner Meinung nach nicht sein müssen. Die düstere Atmosphäre, die das Buch durchzieht, hätte auch ohne dies bestanden.

Der Plot-Twist am Ende sowie der Cliffhanger haben es wirklich in sich. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung.

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Unaufgeregt, aber schön

Gern gesehene Gäste von Thommie Bayer

Unaufgeregt, aber schön

Matteo war schon immer ein Einzelgänger. Sich auf andere Menschen einzulassen fällt ihm schwer; viele gesellschaftliche Konventionen sind ihm ein Rätsel. Doch der Fünfundzwanzigjährige ist ganz zufrieden mit seinem Leben als Zimmermann. Als er zusammen mit seinem Kollegen William ein altes Haus im Elsass renoviert, gerät er in den Bann des charismatischen Schriftstellerehepaares Keira und Eric.

Trotz des großen Altersunterschieds verstehen sich Keira, Eric und Matteo prächtig. Matteo ist voll Bewunderung für die Arbeit der beiden, für ihre Zuneigung zueinander. In ihrer Nähe fühlt er sich einfach wohl. Als Matteo Eric auf einer Lesereise begleitet, meint er, hinter die Fassade zu blicken. Seine Bewunderung bekommt Risse.

Wie man es von Thommie Bayer gewohnt ist, kommt auch dieses nur 208 Seiten umfassende Buch auf leisen Sohlen daher. Ganz unaufgeregt lässt der Autor uns auf die Leben dreier Menschen blicken, auf ihre Freundschaft, auf die Liebe zur Literatur, zu Tieren und zu anderen Dingen. Vor allem Matteo ist mir dabei sehr ans Herz gewachsen. Dieser junge Mann ist so durchdrungen von Güte, dass es einem ganz warm ums Herz wird. Mir gefiel seine Entwicklung im Verlauf der Handlung sehr gut.

„Gern gesehene Gäste“ ist ein feines Buch, das ich gerne weiterempfehle, auch wenn mir das i-Tüpfelchen zur 5-Sterne-Bewertung fehlte.

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Achtung: Trigger!

Die Namen von Florence Knapp

Achtung: Trigger!

1987. Gordon schickt seine Frau Cora zum Standesamt, um den Namen ihres neugeborenen Jungen eintragen zu lassen. Nach alter Familientradition soll das Kind wie der Vater heißen, wie der Großvater und all die Männer davor. Doch Cora, die sich schon viel zu lange viel zu viel gefallen lässt, hat einen kurzen rebellischen Moment und wählt einen anderen Namen.

In der Folge spaltet sich die Handlung in drei Stränge, die das Leben der Familie und vor allem das des Jungen beleuchten, wie es hätte verlaufen können, je nachdem ob er nun Bear heißt, was seine neunjährige Schwester Maia sich wünscht, Julian, Coras Favorit, oder eben doch Gordon. Abwechselnd werfen wir einen Blick auf die Entwicklung der Familie in der Perspektive der verschiedenen Namensträger, Bear, Julian und Gordon. Dabei machen wir immer wieder Sprünge von sieben Jahren. Auf Dauer fand ich das sehr verwirrend. Ich musste mir immer wieder klarmachen, um welchen Namensträger es gerade geht und in welchem Sieben-Jahres-Abschnitt ich mich gerade befinde. Erschwerend wirkt hier, dass andere Charaktere zum Teil auch in allen drei Handlungssträngen vorkommen, sich aber ganz anders verhalten. Es ist verwirrend, wenn in einem Strang eine Figur bereits gestorben ist, im anderen sieben oder vierzehn Jahre später aber noch lebt. Mir schwirrte davon jedenfalls der Kopf.

Die Idee zu Florence Knapps Debütroman ist durchaus gut, aber die Autorin wollte meines Erachtens zu viel hineinpacken, sodass manchem Aspekt leider die Tiefe fehlt. Im Aufbau hätte ich mir mehr Klarheit gewünscht und vor allem eine deutliche Triggerwarnung, denn was Cora von ihrem Ehemann erleiden muss, ist schier unerträglich, zumal es ausführlich beschrieben wird.

Die Ausgangssituation mit dem gewalttätigen Ehemann/Vater ist für alle drei Lebensvarianten gleich, und so ist die Stimmung auch in allen drei Handlungssträngen recht düster. Mich hat das zu sehr runtergezogen. Ein bisschen mehr Gutes und Hoffnungsvolles wäre schön gewesen.

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Unausgegorener Fantasy-Auftakt

The House Witch 1 von Delemhach Emilie Nikota

Unausgegorener Fantasy-Auftakt

Ich habe mich von dem tollen Cover und dem interessanten Klappentext, aber auch noch von der Leseprobe blenden lassen. Leider konnte mich das Buch dann nicht begeistern.

Der junge Finlay Ashowan kommt als neuer Koch an den Königshof. Was niemand erfahren soll: Fin ist eine Hexe.

Doch er stellt sich so ungeschickt dabei an, sein Geheimnis zu wahren, dass ganz schnell ganz viele Leute davon wissen. Und es passiert … nichts. In diesem Stil werden Dinge aufgebauscht, ohne dass irgendeine Konsequenz daraus resultiert. Es werden viele, viele Seiten gefüllt, die man besser weggelassen hätte, um eine interessante, straffe Story zu erzählen. So musste ich den roten Faden zwischen all den nebensächlichen Szenen immer wieder von Neuem suchen, was ziemlich ermüdend und ernüchternd war.

Dabei waren die Figuren größtenteils toll und ich wollte gerne an ihrem Schicksal teilhaben, aber die oft ausufernden Beschreibungen und der für mich langweilige und zuweilen holperige Erzählstil verhinderten dies. Manche Sätze wirkten wie von einem Fünftklässler. Etliche Fehler, Ungereimtheiten und pubertärer Humor vermiesten mir das Lesen zusätzlich. Auch die Alkoholexzesse, die die Autorin wohl witzig fand, fanden bei mir keinen Anklang.

Die Idee zu diesem Buch ist klasse, es sind auch durchaus gute Ansätze vorhanden, aber insgesamt ist die Umsetzung doch eher dürftig. Es passiert recht wenig, und am Schluss ist genau ein loser Faden zu Ende geknüpft. Alles andere muss auf die nächsten Bände warten oder versickert vielleicht auch einfach nur im Nirwana. Das fand ich ziemlich enttäuschend.

Es handelt sich bei dieser Reihe um cosy Fantasy. Ich mag cosy, wenn es trotzdem spannend ist und handwerklich gut gemacht. Spannung sucht man bei diesem Buch aber leider vergeblich. Und was das Handwerkliche angeht, ist definitiv noch Luft nach oben.

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Ein Schloss voller Geheimnisse

Red as Royal Blood von Elizabeth Hart

Ein Schloss voller Geheimnisse

Ruby kam als elternloses Baby ins Schloss, wo sie von der Köchin aufgezogen wurde. Später muss sie als Dienstmagd arbeiten. Die Höhepunkte ihrer Tage sind die heimlichen Schachspiele mit Prinz Rowan. Doch dann stirbt der König und hat sie in seinem letzten Willen zu seiner Nachfolgerin ernannt.

Kein Wunder, dass Ruby von den Kindern des Königs und seiner Witwe angefeindet wird. Sie selbst ist auch gar nicht so glücklich in ihrer neuen Rolle, versucht aber das Beste daraus zu machen. Als ihr klar wird, dass der König starb, sondern ermordet wurde, macht sie sich auf die Suche nach dem Mörder und gerät dabei selbst in Lebensgefahr.

Ruby ist eine tolle Protagonistin. Sie ist unheimlich tough, loyal und gütig. Auch Intelligenz wird ihr nachgesagt, wobei ich hier manchmal meine Zweifel bekam, wenn sie mal wieder zu vertrauensselig ist, obwohl sie schon zig Mal gewarnt wurde, dass sie niemandem im Schloss vertrauen darf. Denn fast jeder im Schloss hat ein Geheimnis, fast jeder lügt, und die wenigsten haben irgendwelche Skrupel, wenn es um den eigenen Vorteil geht.

Für mich war fast jeder zu irgendeinem Zeitpunkt mal verdächtig. Doch das Bild wendete sich ständig und schwupps, war der nächste Verdächtige auf dem Plan. Doch nicht nur die Mördersuche war ein ständiges Hin und Her, sondern auch die verschiedenen Romanzen. Es dauerte recht lange, bis sich hier herauskristallisierte, wer mit wem … Das fand ich ganz gut so.

Vieles ist verzwickt und man fragt sich anfangs (oder auch später noch) ungläubig, ob sich das wohl auflösen kann. Aber Elizabeth Hart schafft es, eine zufriedenstellende Lösung zu präsentieren. Am Ende ist alles geklärt.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Es ist flott geschrieben und sehr unterhaltsam. Das Erzähltempo ist hoch; da kommt keine Langeweile auf. Es wird nicht groß ausgeschmückt, sondern auf den Punkt erzählt, und zwar aus Rubys Ich-Perspektive. So kann man sich gut in die Protagonistin hineinversetzen und mit ihr mitfühlen und miträtseln. Einige für die Handlung unwesentliche Logikfehler trüben das Lesevergnügen kaum.

Die Story will einfach unterhalten und für ein paar spannende Lesestunden sorgen. Allzu Tiefgründiges sollte man nicht erwarten. In einem Einzelband mit relativ großer Schrift und 380 Seiten kann man einfach nicht so viel unterbringen. Für Jugendliche ab ca. 14 Jahren und jung gebliebene Erwachsene kann ich das Buch absolut empfehlen.

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Beziehungsdrama mit Thrillerelementen

Ultramarin von Ann-Christin Kumm

Beziehungsdrama mit Thrillerelementen

Schon lange ist Lou in Raf verliebt, aber Raf entzieht sich ihm immer wieder. Doch Lou kann einfach nicht von ihm lassen, auch wenn Raf ihm noch so weh tut. Zusammen mit Rafs Schwester Sophie verbringen sie seit Jahren die Sommer miteinander. Doch dieses Mal kommt statt Sophie Nora mit nach Dänemark - eine unbekannte Variable in der Beziehung, die alles durcheinander bringt.

Ann-Christin Kumms Debütroman ist interessant aufgebaut und auch durchaus lesenswert. Die toxische Beziehung zwischen Raf und Lou ist bedrückend. Man will die beiden mal so richtig durchschütteln, damit sie künftig die Finger voneinander lassen. Für meinen Geschmack wurden die Figuren ein bisschen zu schwarz-weiß dargestellt.

Der Schreibstil ist eigentlich sehr ansprechend, teilweise fast poetisch. Aber beim Hörbuch fielen mir sich wiederholende Formulierungen besonders auf: …sagte ich, … sagte Raf, … sagte er. Das mag eventuell als Stilmittel gedacht sein; mich hat es gestört.

Da Lou als Ich-Erzähler von den Ereignissen im Sommer in Dänemark erzählt und auch immer wieder in vergangene Jahre zurückspringt und dabei die Entwicklung der Beziehung zu Raf beleuchtet, hatte ich viel mehr Emotionen erwartet. Die Erzählung ist jedoch eher lakonisch und distanziert.

Das Hörbuch erschien im März 2026 bei Der Audio Verlag. Es ist ungekürzt und hat eine Lauflänge von 6 h 10 min. Gesprochen wird es von Jannik Schümann.

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Intelligent aufgebauter "Soft-Thriller"

Beth is dead von Katie Bernet

Intelligent aufgebauter „Soft-Thriller“

„Beth is Dead“ ist der erste veröffentlichte Roman der US-amerikanischen Autorin Katie Bernet nach etlichen Absagen. Zum Glück hat sie nicht aufgegeben und es immer wieder versucht, denn dieses Buch ist bisher mein Highlight des Jahres.

Inspiriert von „Little Women“ von Louisa May Alcott aus dem 19.

Jahrhundert hat Bernet eine unglaublich dichte Story um eine Familie mit vier jugendlichen bzw. gerade erwachsenen Töchtern ersonnen. Wie im Original heißen sie Meg, Jo, Beth und Amy. Ob es darüber hinaus Parallelen gibt, kann ich nicht sagen, da ich die Vorlage nicht kenne. In der neuen Version ist der Vater Autor und hat einen Roman über seine Töchter veröffentlicht. Dabei ließ er Beth am Ende sterben. Und am Neujahrstag tritt genau dies auch in der Wirklichkeit ein. Beth ist tot.

Die Polizei, aber auch die überlebenden Schwestern versuchen herauszufinden, wer Beth ermordet hat. Dabei geraten sie selbst, ihr Vater, ihre Freunde und andere in Verdacht. Die Lesenden können hier sehr gut selbst miträtseln. Aber die Fakten werden nur ganz langsam nach und nach offenbart. Meg, Jo und Amy erzählen in eigenen Kapiteln über das Vorher und das Nachher. Beth kommt natürlich nur im Vorher zu Wort.

Die Dynamik innerhalb der Familie und auch innerhalb von Freundschaften außerhalb der Familie wird hier intensiv dargestellt. Einerseits besteht ein unerschütterlicher Zusammenhalt zwischen den Schwestern, doch hat jede auch ihre Geheimnisse, die sie nicht mit den anderen teilt. Jedes davon könnte theoretisch mit dem Mord an Beth zu tun haben. Falsche Fährten gibt es dadurch zuhauf. Praktisch in jedem Kapitel erwartet die Lesenden eine neue Wendung. Aber keine Sorge, man kann dem Ganzen sehr gut folgen.

Ich empfand die Figuren als hervorragend ausgearbeitet. Die Schwestern könnten kaum unterschiedlicher sein, was die Story so interessant macht. Mir fiel es leicht, mich in alle vier hineinzuversetzen. Obwohl Meg, Jo und Amy zum Teil egoistische Züge tragen, mochte ich sie sehr, denn Katie Bernet konnte mir vermitteln, dass sie in ihrem Innersten auch ganz viel Gutes verbergen.

Durch die häufigen Perspektiv- und Zeitwechsel, oft mit Cliffhanger, entsteht ein unglaublicher Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte. Gespannt wie ein Flitzebogen habe ich diesen Thriller verschlungen. Ich fand ihn äußerst intelligent konstruiert, sodass man zwar mitermitteln kann, aber nicht zu früh auf den Täter gestoßen wird.

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