Kunden em pfehlungen
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Feministische Fantasy
When Women were Dragons - Unterdrückt. Entfesselt. Wiedergeboren: Eine feurige, feministische Fabel für Fans von Die Unbändigen von Kelly Barnhill
Frauen erhalten die Macht, sich ihrer aussichtslosen Situation zu entziehen, indem sie sich in Drachen verwandeln. Abgesehen von der starken Symbolik und Frauenpower in dieser alternativen Realität der 1950er Jahre, ist es auch eine mitreißende Fantasy-Erzählung über eine Frau und ihre Familie, die zurückbleibt.
Über Tabus und Sprachlosigkeit, über Potentialentfaltung, Ungerechtigkeit, Aufbegehren und natürlich feuerspeiende Drachen.
Der Schreibstil hat mich ohne lange Eingewöhnung mitgerissen und mich mit Alex mitfiebern lassen, die, in der Ich-Perspektive geschrieben, nach dem Warum sucht. Diesen Sog konnte das Buch nicht über die gesamte Länge halten, aber trotzdem mochte ich die unterschiedlichen Etappen und das Ende, das durchaus noch nachklingt. Es ist ein Buch, das zu Gesprächen einlädt und mich nicht so schnell losgelassen hat. Besonders hat mir gefallen, dass Kelly Barnhill märchenhafte Ideen einbringt und Abwechslung bietet, die sowohl zeitgemäß inspiriert und zeitlos begeistert. Dabei haben die Figuren genau das richtige Maß an Komplexität und Vielfalt. Es ist eine fantastische Geschichte weibliche Selbstermächtigung, die erzählerisch und fantasievoll überzeugt. Das Cover finde ich großartig, aber hier verdient vor allem der Inhalt eine Leseempfehlung.
Fantastische Adaption, die sich lohnt
Agatha Christie Classics: Hercule Poirots Weihnachten von Agatha Christie; Isabelle Bottier
Der Krimi-Klassiker von Agatha Christie gehört zu der Comic-Reihe «Agatha Christie Classics» und ist künstlerisch ein hochwertiges Highlight.
«Hercule Poirots Weihnachten» erzählt von einem Familientreffen, einem Mord und den Ermittlungen des berühmten Hercule Poirot an Heiligabend. Ein absolut unvorhersehbarer, spannender und raffinierter Fall für Krimi-Fans, mit allen klassischen Elementen, bei dem das Miträtseln besonders Spaß macht, da man durch den klaren Stil viele Details entdecken kann, was mich dazu bewogen hat, auch mal zurück zu blättern, um mir die Mimik und Reaktionen der Protagonisten oder ihre Aufenthaltsorte nochmal anzusehen.
Nacheinander werden die Verdächtigen verhört und Text und Bilder sind gleichsam bedeutend. Mir hat auch gefallen, dass man durch die authentischen Elemente der 30er Jahre (Kleidung, Einrichtung etc.) in diese Zeit eintaucht und das herrschaftliche Ambiente zur Weihnachtszeit genießen kann, obwohl allen beteiligten nicht sehr weihnachtlich zumute ist. Das Buchformat erinnert an große Bilderbücher für Kinder. Dadurch sind die Darstellungen nicht so klein, während sich die Sprechblasen überwiegend unterordnen. Vorne und hinten findet sich eine Weltkarte mit Agatha Christies Werken. Insgesamt finde ich die Umsetzung fantastisch, weil sie alle Stärken eines Comics ausspielt und das Drama um Simeon Lees Ermordung spannend, stimmungsvoll und unterhaltsam präsentiert. Absolut empfehlenswert und ein wunderbares Lesevergnügen.
Schüchterne Kleinstadtromanze
Meet me in Autumn. Eine Pumpkin spiced Romance von Laurie Gilmore
Jeanie ist die neue Besitzerin des Pumpkin-Spice-Cafés in der Kleinstadt Dream Habour. Gleich daneben gibt es einen Buchladen und neben Pumpkin-Spice-Latte und gemütlichen Schauplätzen erwartet Jeanie ein Buchklub und neue Freundschaften. Bereits im ersten Kapitel begegnet Jeanie Logan, einem stillen Farmer.
Er hilft ihr bei einem Problem und sie kommen sich näher. Allerdings wurde Logan kürzlich das Herz gebrochen und die überbesorgten Kleinstadtbewohner (jeder mischt sich in die Angelegenheiten der anderen ein) raten Jeanie davon ab, diesen freundlichen und rücksichtsvollen Mann wieder zu verletzten. Das sorgt für Unsicherheit auf beiden Seiten und ein ständiges Auf und Ab, obwohl sich beide anschmachten. Außerdem will jemand Jeanie wieder loswerden und macht ihr das Leben schwer, aber das spielt nur eine Nebenrolle. Die Schreibweise ist ebenso seicht wie die Romanze, aber wenn man genau das sucht, dann kann man sich davon einfach berieseln lassen. Wer sich ein Bild machen möchte, sind hier zwei Eindrücke zum einordnen: „Jeanie atmete den Duft von warmem Heu und trockenem Laub ein. Ein Hauch von Holzfeuer und überreifen Äpfeln strich vorbei. Der ganze Ort roch nach Logan. Man sollte den Duft in Flaschen abfüllen. Eau de sexy Farmer.“ „ Er wollte, dass Jeanie ihm gehörte.“ Ich fand das Hin und Her ermüdend und einiges sehr fragwürdig umgesetzt. Für Nebenbei war es akzeptabel, aber ich würde es nicht empfehlen.
Kosmos der Rechtsmedizin
Über Leben und Tod von Florian Klenk
Der Journalist Florian Klenk gibt Einblicke in die spektakulären Fälle, den Arbeitsalltag, Anekdoten und die Familiengeschichte des österreichischen Gerichtsmediziners Christian Reiter. Seine Schreibweise ist von genauen Beobachtungen geprägt, die einem das Gefühl geben, selbst dabei zu sein. Mir haben die Fälle im zweiten Teil des Buches besonders gefallen.
Man erfährt beispielsweise, wie die „Schwarze Witwe“ Elfriede Blauensteiner ihre Männer durch eine Anzeige gefunden und getötet hat, bis Reiter ihr schließlich, durch seine Befunde, Mord nachweisen konnte. Das Studierzimmer von Christian Reiter ist ebenso spannend, denn auch seine Leidenschaft für Maden, spiegelt sich hier wieder und es gibt viele interessante Fakten dazu.
Besonders beeindruckt hat mich der Satz, den Reiter auf die Frage antwortet, was ein menschlicher Leichnam ihm bedeutet, denn für ihn ist es eine Hülle und der leere Abdruck einer Phase der Existenz. „Wer heute bei mir am Tisch liegt, hat gestern noch gelebt.“ Der Flugabsturz in Thailand und die Beschreibungen sind makaber und kaum vorstellbar. Es geht auch um das Versagen des Rechtsstaates, Missstände in der Branche, das „Sparen im System“ und wie wichtig die gerichtsmedizinische Rechtspflege für die Opfer ist, wenn es um die Befunde für Verletzte und Verprügelte geht. Das war nicht nur eine lehrreiche Lektüre, sondern auch eine, die mir neue Sichtweisen über das Leben und den Tod geschenkt hat.
InnSæi als dringend benötigte Superkraft?
Die Kunst des InnSæi von Hrund Gunnsteinsdóttir
nnSæi ist das isländische Wort für Intuition und hat in der Vorstellung viel mit Wasser zutun. „Die beste Möglichkeit, auf dem Ozean des Lebens zu navigieren, ist, sich mit dem inneren Meer vertraut zu machen.“ Poetisch beschreibt es die Welt in uns und unser Wirken im Außen, wenn wir mit einem emphatischen Geisteszustand handeln.
Hrund Gunnsteinsdóttir macht, in einer sehr angenehmen Erzählweise, immer wieder deutlich, dass alles miteinander verbunden ist. Dabei erzählt sie auch aus ihrem Leben. Sie vermittelt anschaulich, wie man InnSæi definiert und wie es von Erwartungen, starrem Denken und Ängsten blockiert wird. Ich fand es beispielsweise tröstlich, wie Schmerz uns zu mehr Menschlichkeit und Weisheit führt. Dazu gibt es auch Geschichten von Menschen, die diese Erfahrungen gemacht haben, was besonders anschaulich war, jedoch fiel es mir trotzdem schwer, deren Erkenntnisse auf mich zu übertragen. Generell ist «Die Kunst des InnSæi» inspirierend. Ich hatte mir jedoch ein paar neue Sichtweisen erhofft, aber wenn man sich schon mit Persönlichkeitsentwicklung und Achtsamkeit beschäftigt hat, findet man wenig Neues. Das ging mir auch im letzten Kapitel des Buches so, wo es um praktische Übungen und Tipps geht, um mit InnSæi in Einklang zu kommen. Viel dreht sich auch um Wahrnehmung und die Verbundenheit mit der Natur und anderen Menschen. Es gibt einige Überschneidungen zu anderen Konzepten, die ich anschaulicher finde.
Horrido!
Wir finden Mörder (Wir finden Mörder-Serie 1) von Osman Richard; Roth Sabine
«Wir finden Mörder» ist das erste Buch von Richard Osman, das ich gelesen habe. Deshalb war ich unvoreingenommen, hatte aber bei Vergleichen mit Dan Browns »Sakrileg« schon eine Erwartung und hoffte, auf den angepriesenen Humor. Der ist dabei, aber Spuren von »Sakrileg« konnte ich beim Lesen nicht finden.
Für mich eher eine irreführende Werbung. Dafür bekommt man ein sehr unterhaltsame Konstellation präsentiert, die sich aus dem pensionierten Polizisten Steve, seiner Schwiegertochter Amy, die als Bodyguard arbeitet und der erfolgreichen Thrillerautorin Rosie zusammensetzt. Die drei haben ein amüsantes Zusammenspiel und ich mochte den wertschätzenden und liebevollen Umgang zwischen Steve und Amy. Er, der „fesche Bursche“, der sein gemütliches Leben in England nur wiederwillig unterbricht und die schöne, mutige Schwiegertochter, die zur Zielscheibe wird, nachdem Influencer ermordet wurden und sie die Fälle aufklären wollen. Die Handlung ist schon etwas abgedreht, wenn ich an den bösen Schurken denke, der sehr selbstsicher im Hintergrund die Strippen zieht und mit ChatGPT Mails im Stil eines freundlichen englischen Gentlemans formuliert. Es gibt einige überspitzte Figuren, einen stetigen Perspektivenwechsel und dank der reichen Rosie tun sich viele Möglichkeiten auf. Für mich war es ein Unterhaltungkrimi mit sympathischen Charakteren, der mit vielen Dialogen und Orten für Abwechslung sorgt. Tatsächlich war es mir jedoch einfach zu viel des Guten und fehlte an Spannung, aber der wunderbare Schreibstil und das amüsante Trio machen diesen Auftakt dennoch lesenswert.
Ganz anders als gedacht
Dem Sturm entgegen von Cecelia Ahern
Die Ärztin Enya leistet Erste Hilfe bei einem Unfall mit Fahrerflucht. Der Junge überlebt, aber Enya zerbricht daran. Cecelia Ahern lässt einem im Ungewissen, was eigentlich dahintersteckt. Das sorgt für eine überraschende Wendung, macht es aber unmöglich, darüber zu schreiben, worum es wirklich geht, ohne zu spoilern.
Die Thematik ist tragisch und fesselnd, greift interessante Fragen auf und erzählt auf sehr emotionale und starke Art von den Folgen. Der Titel passt perfekt, denn Enya steuert dem Sturm entgegen. Mir hat gefallen, dass man Enyas Entwicklung begleiten konnte, die mich nicht kalt gelassen hat. Allerdings war mir einiges zu überzogen und schwer nachvollziehbar. Das war mein erstes Buch von Cecelia Ahern und ich hatte mir etwas anderes vorgestellt. Insgesamt war es mir zu deprimierend und langatmig. Es ist mir zunehmend schwer gefallen, dran zu bleiben und wird bei mir leider keine bleibenden Spuren hinterlassen.
Drei echte Helden riskieren alles
Blutrotes Karma von Jean-Christophe Grangé
„Die Grünschnäbel von Paris konnten noch so sehr glauben, dass sie die Welt auf den Kopf stellten, im Frühjahr 68 gab es nur drei echte Helden, und in dieser Nacht (…) würden sie wieder einmal Kopf und Kragen riskieren.“
Gleich der erste Satz schafft ein atmosphärisches Bild der aufgeladenen Stimmung von dem Studenten Hervé, der bei den Studentenunruhen im Mai 1968 in Paris, mit einem Pflasterstein bewaffnet, an den Protesten teilnimmt.
Seine Freundin Suzanne gehört zu den ersten Opfern junger Frauen. Gemeinsam mit Nicole, einer Freundin von Suzanne und Hervés Halbbruder und Polizisten Jean-Louis beginnen die eigenmächtigen Ermittlung, die das ungleiche Trio bis nach Indien und Rom führt.
Jean-Christophe Grangé nimmt sich ausreichend Zeit, die Hintergründe und Charaktere zu vertiefen, wodurch alles sehr glaubwürdig, tiefgründig und beeindruckend komplex ist. Mit steigender Seitenzahl sorgen nervenaufreibende Verfolgungsjagden, Verstrickungen und Wendungen für zunehmende Spannung. Besonders herausragend ist auch der Schreibstil, der bleibende Vorstellungen im Kopf schafft, die mich schon bei den anderen Werken von Jean-Christophe Grangé begeistern konnten.
Gute Freunde helfen bei jedem Bammel!
Wie man einen Bammel auf Hosentaschengröße schrumpft,2 Audio-CD von Josefine Sonneson
Elli und Jaro wohnen im selben Haus und sind beste Freunde. Jaro hat Angst vor Hunden und Elli Angst vor dem Schwimmen. Die beiden wollen sich gegenseitig helfen, aber dann ist alles doof: im zweiten Stock zieht Tami ein, Elli wird bald eine große Schwester sein und und riesiger Krach sorgt für Funkstille.
Friedel Morgenstern macht dieses Hörbuch als Sprecherin zu einem Hörerlebnis, weil sie den Humor ausdrucksstark in Szene setzt, die Dialoge gelungen betont und Abwechslung reinbringt. Dadurch ist es wunderbar mitreißend und man hört gern zu.
Die Autorin Josefine Sonneson erzählt hier sehr humorvoll und lebendig von altersgerechten Problemen, großen Veränderungen und von Freundschaft. Es geht darum Ängste zu überwinden, um Versöhnung und um Gemeinschaft. Die Ich-Erzählerin Elli umschreibt ihre Erfahrungen bildhaft und nachvollziehbar. Beispielsweise gefriert für Elli die Luft, als Worte ausgesprochen werden, die für sie alles verändern. Ein sehr unterhaltsames Hörbuch für Kinder ab 10 Jahren und so humorvoll, wie der Titel vermuten lässt. Empfehlenswerte Hörerlebnis.
Moderne Detektivgeschichte im Sherlock Holmes-Stil
Sherlock & You, Band 1 - Das Rätsel um das verschwundene Haus von Andrew Lane
«Sherlock & You - Das Rätsel um das verschwundene Haus» ist eine interaktive Detektivgeschichte. Jedes Kapitel endet mit einem Rätsel und nur die Lösung verrät die Seitenzahl und macht es möglich, weiterzulesen. Im hinteren Teil des Buches gibt’s es, um 180 Grad gedreht, drei Tipps für den Lösungsweg, die man nacheinander lesen kann, wenn man nicht weiterkommt.
Anschließend findet man auch die Lösungen.
Es ist das Tagebuch des Urururenkels von dem gleichnamigen Meisterdetektiv und Sinn der Rätsel ist es, dass das Tagebuch von Kriminellen nicht gelesen werden kann. Sherlock ist ebenso clever wie sein berühmter Vorfahre, der für seine detaillierte Beobachtungsgabe und seine nüchternen Schlussfolgerungen bekannt war - zudem verfügt er über beeindruckende Fähigkeiten, wie Karate oder Ju-Jutsu. Zu Beginn der Geschichte erforscht Sherlock die Bahnsteige und Tunnel der Stadt und lernt Verity Watson kennen, die eine direkte Nachfahrin des besten Freundes von Sherlock Holmes ist. Viele solcher Parallelen finden sich in diesem Buch und sind eine echte Freude für Fans. Außerdem entwickelt sich ein anspruchsvoller Fall, der ab der Hälfte so richtig Fahrt aufnimmt. Verity und Sherlock sind ein tolles Team, ebenso wie das literarische Vorbild, ergänzen sie sich gegenseitig.
Was das Buch auch besonders macht, ist die durchgehende Schreibschrift, die man gut lesen kann und die Ich-Form, die spannende Einblicke in Sherlocks Beobachtungsgabe gibt. Wer generell gern Tagebücher liest, wird diese Erzählweise mögen. Außerdem ist die Geschichte spannend, originell und auch humorvoll.
Die Rätsel sind leicht bis knifflig und eine gelungene Abwechslung, auf die man sich beim Lesen freut. Ich freue mich auf den zweiten Fall «Das Rätsel um die verlassene Schule», der im April 2025 erscheint.











