Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Hennie :
Reife Liebe
Leo und Dora von Agnes Krup
„Leo und Dora“ handelt in erster Linie von Leopold Perlstein. Er ist die Hauptfigur in dem Roman, der im Sommer 1948 spielt. Leo, ein einstmals erfolgreicher Wiener Schriftsteller, lebt schon seit zehn Jahren als Exilant in Palästina. Doch es gelingt ihm nicht in seiner neuen Heimat Fuss zu fassen, geschweige denn ein Buch zu schreiben.
Deshalb folgt er dem Rat seiner Agentin Alma und fährt nach Amerika. Er soll in deren Landhaus im kleinen Ort Sharon in Connecticut den Sommer verbringen und seine Schreibblockade überwinden. Aber es soll anders kommen! Das gesamte Anwesen brannte in der Nacht vor seiner Ankunft ab und Leo muss notgedrungen mit dem Gästehaus Roxy vorliebnehmen. Das Roxy empfindet er sofort mit allem als Zumutung, einschließlich Dora, die das Haus führt. Aber ausgerechnet dieser Ort und diese Frau wird sein Leben verändern.
Für dieses Buch interessierte ich mich wegen der hübschen Illustration auf dem Cover. Die beiden Vögel, wie sie sich einander zuwenden, fand ich schön und auch ein wenig altmodisch. Nachdem ich die Geschichte gelesen habe, finde ich es passend.
Der Roman beschreibt in unaufgeregter, beschaulicher Weise die bewegten Lebensläufe von Leo und Dora. Agnes Krup stellt ihre Personen mit detailgetreuer Genauigkeit dar. Das verfolgt sie bis in die Nebencharaktere hinein. Als Beispiel führe ich hier die schwäbelnde Köchin Kniffel an. Ich konnte mir die Menschen in ihrer Charakterisierung gut vorstellen. Leo ist zu Beginn ein mürrischer grießgrämiger Mann, der die Geselligkeit des Ortes vergeblich zu vermeiden sucht. Ob er will oder nicht, er muss sich irgendwie arrangieren. Beim Strohmandeln (ein Kartenspiel aus dem österreichischen Zweig der Tarock-Familie für zwei Spieler) mit Dora beginnt er langsam „aufzutauen“.
Mir hat die ruhige, feinsinnig und mit hintergründigem Humor erzählte Geschichte gut gefallen. Allerdings kommt sie ohne große Gefühlsausbrüche daher, obwohl beider Vergangenheit voll von Dramatik ist.
„Leo und Dora“ zeigt vor allem in charmanten Ereignissen, wie Liebe auch jenseits der Jugendjahre noch wunderschöne Wendungen ermöglicht. Alles wird erreichbar, wenn man es zuläßt.
Eine Wohlfühlgeschichte mit Unterhaltungswert
Heimvorteil Roman. Gebunden. von Fröhlich Susanne
Das ist eine Geschichte mitten aus dem Leben. Da haben wir Jutta, 68 Jahre alt, 3 Kinder, der Mann seit 10 Jahren tot. Nachdem ihr von ihren Kindern in einer ziemlich schroffen Art nahegelegt wird, sich mal nach einem Altersheim umzusehen, beginnt sie nachzudenken. Mit Fritzi, der Schwimmlehrerin, lernt Jutta gleichzeitig eine zupackende junge Frau kennen, die es hervorragend versteht, sie endlich aus der Reserve zu locken.
Sie begibt sich mit ihr auf eine Tour, wo sie verschiedene Möglichkeiten entdecken wird, den Lebensabend zu verbringen. Da darf sie traurige und lustige Erfahrungen machen. Und vielleicht ergibt sich die letzte Gelegenheit für eine schöne Liebesbeziehung?...
Die Geschichte wollte ich lesen, weil Jutta im gleichen Alter ist wie ich. Der Schreibstil von Susanne Fröhlich gefällt mir sehr. Sie kann sich gut in die Thematik einfühlen. Obwohl sie das eine und andere Mal die Charaktere stark überzeichnet, hat mir die warmherzige Erzählung insgesamt gefallen.
Fazit:
Wohlfühlgeschichte - auch wenn man älter ist, gibt es noch hoffnungsvolle Perspektiven wie das Buch zeigt.
Schmerzhafte, gefährliche Suche nach Viola
Violas Versteck von Marc Raabe
Der Berliner Polizist Tom Babylon sucht seit 23 Jahren seine Schwester Viola. Obwohl sie beerdigt wurde, glaubt er nicht an ihren Tod. Das ist das Hauptthema seit dem 1. Band „Schlüssel 17“. Er ist überzeugt davon, dass sie lebt. Nachdem er in seinem Elternhaus ein Foto findet, dass wahrscheinlich die erwachsene Viola mit ihrer Tochter zeigt, bekommen seine Vermutungen neue Nahrung.
Wo kann sie nur sein? Tom intensiviert seine Suche...
Es beginnt mit einem aufregenden Prolog in einer Berliner U-Bahn-Station. Die grausamen Szenen, die mit dem Tod dreier Menschen enden, werden sich erst nach und nach erschließen. Dazwischen erlebt man Tom mit Amnesie in einer Londoner Klinik und Sita Johanns in einer abgeschiedenen Psychatrie in den Allgäuer Alpen. Wechselnde Zeitsprünge und Perspektiven machen die Handlungsstränge unfassbar spannend.
Die Erzählstruktur ist äußerst komplex und das von Beginn an. Um das Geschehen umfassend zu verstehen, empfehle ich, alle Bände gelesen zu haben. Natürlich läßt sich der Thriller auch alleinstehend lesen, aber die vielen Feinheiten um die Entwicklung der zahlreichen Figuren fehlen dann. Ich finde es genial, wie der Autor die Fäden der Handlung vereinigt und seine lebendigen Charaktere in einen logisch nachvollziehbaren Kontext bringt. Sie bleiben in meiner Erinnerung. Sehr gerne würde ich Tom Babylon, Sita Johanns, Bene Czech in einer weiteren Folge begegnen. Es gäbe noch so viel zu erzählen!
Fazit:
Danke für die sehr unterhaltsamen Lesestunden. Es waren nicht viele, trotz der 624 Seiten, weil es so atemlos spannend war.
Ich mag den klaren, treffenden Schreibstil Marc Raabes, die gut gesetzten Dialoge.
Ein genialer Thriller, der immer dicht am Geschehen bleibt und die Spannung stets aufrecht erhält bis zum Finale.
Der vermutlich letzte Thriller der Reihe (wäre sehr schade!) erfüllt wie schon die drei Vorgänger alle Ansprüche, die ich an dieses Genre stelle.
Ich gebe meine Empfehlung für alle Thrillerfans. Ganz klar und eindeutig: Fünf von fünf Sternen!
Übermittlung wertvoller Botschaften
Aurora und die Sache mit dem Glück von Sarah Weeks
Aurora st ein liebenswertes, freundliches Mädchen, das etwas seltsam ist und verschiedene Marotten pflegt. Deshalb wird sie von ihrer Mutter von klein auf betüttelt und umsorgt. Deshalb meint der Vater:
„Sie wird nie lernen, auf eigenen Füßen zu stehen, wenn du immer da bist, um sie aufzufangen, bevor sie fällt.
“ (S. 29)
Sie selbst weiß, dass sie komisch ist. Sie lebt in der Kleinstadt Liberty und dort hat sie ihren Ruf weg.
(S. 35 ) "Ich war sonderbar, aber nicht autistisch.“ Ihr bester Freund heißt Duck. Sie liebt den kleinen Hund.
Sarah Weeks gelang es eine wunderbare Geschichte zu schreiben. Mit der heranwachsenden Aurora stellt sie eine Protagonistin vor, die wertvolle Erfahrungen macht über den Zusammenhalt in der Familie, über das Glück eine solche zu haben, über den Wert von Freundschaft, Gemeinsamkeit, Solidarität u.v.mehr. Sie erzählt das mit einer herrlichen Leichtigkeit. Ich flog nur so durch die Seiten und fieberte mit Aurora mit, ob sie ihr Hündchen wiederfindet oder ob sie ihre Eifersucht auf die Pflegetochter Heidi überwindet.
Das Schönste zum Schluß ist das versöhnliche Happyend!
Das Cover mit dem hellblauen Hintergrund finde ich schön. Im Mittelpunkt befindet sich ein Bettelarmband, das wie die Dinge, die daran hängen eine mehr oder weniger tragende Rolle im Buch spielen (außer natürlich die Buchstaben des Hanser-Verlages!). Ganz zentral sieht man Aurora selbst von hinten mit einer roten Kappe und rechts unten ein Glöckchen, das auch wichtig ist.
Das Buch übermittelt wertvolle Botschaften. Es ist eine tolle Geschichte für Jugendliche und alle Junggebliebenen! Ich vergebe meine Höchstbewertung.
Was hat sich verändert?
Aurora und die Sache mit dem Glück von Sarah Weeks
Für mich als Ostdeutsche und in den 50er Jahren Geborene war es eine interessante Zeitreise in das Westdeutschland der 70er und 80er Jahre.
Die umfangreiche Geschichte gefiel mir gut, auch weil die Protagonisten ausführlich vorgestellt werden. Da sind in erster Linie die beiden zehnjährigen Mädchen Caro Stern und Minka Schönwetter.
Beide stammen aus gutsituierten Elternhäusern und haben jeweils mehrere Geschwister. Vater Stern führt als Generaldirektor die örtliche Schokoladenfabrik und Vater Schönwetter ist der Bürgermeister von Mainheim. Die dritte Hauptfigur wird uns mit der Vollwaise, der Vietnamesin Claire vorgestellt, die als „Boatpeople" in die Bundesrepublik kam und im Kinderheim des Ortes ihre neue Heimat findet. Es sind also im wesentlichen die drei Mädchen neben vielen anderen wichtigen Charakteren, die in dem über 600 Seiten starken Roman die Hauptrollen spielen. Wir begleiten sie ab 1972 bis 1983, wo sie ihren Platz im Leben und ihre Berufung gefunden haben.
Für mich war es die erste Begegnung mit einer Geschichte von Katharina Fuchs. Ihr Schreibstil und die Darstellung ihrer Charaktere in dem geschichtlichen Kontext sagen mir sehr zu. Ich vermochte mir ein lebendiges Bild der kleinen Stadt Mainheim und ihrer Bewohner anhand ihrer plastischen Schilderungen machen. Das sind z. B. die besonderen Luftverhältnisse im Ort, die sich je nach Windrichtung ändern. Einmal ölig und süßlich durch die Schokoladenfabrik Cassada oder beißend, brennend für die Atemwege durch die Schadstoffe des Pharmaunternehmens Ruberus AG. Sechs Männer und indirekt eine Frau bestimmen die Geschicke des Ortes und damit auch die Lebensläufe der Bewohner. Obwohl die Chemiedämpfe der Ruberus AG die Bürger Mainheims quälen, wird nichts unternommen. Es gibt keinen Widerspruch, keine Proteste, nur Fenster und Türen zu. Sie schweigen, sie dulden. Es wird hingenommen!
Der Roman unterteilt sich in 3 große Abschnitte (I. Buch: Mainheim, 27. April 1972; II. Buch: Mainheim, September 1976; III. Buch: 1980). Dazwischen erfährt man ausführlich durch Kapitelüberschriften mit den Namen der handelnden Personen in ausführlicher Weise über die Geschehnisse der Zeit einschließlich der Infos über Mode, Musik, Einrichtungsgegenstände und bekannte Label für Konsum und Haushalt. Die ganz großen Themen der damaligen Zeit finden viel Raum in der Erzählung: Umwelt- und Naturschutz, Tierversuche, Medikamentenexperimente an Kindern, die Wahlen, das Ende der Brandt-Ära und des Vietnamkrieges, Demonstrationen, die Besetzerszene, die neue Partei Die Grünen und Petra Kelly ...
Das breite Spektrum ist sehr beachtlich und teilweise beklemmend wegen der Brisanz, der Aktualität. Vieles wird angesprochen und meine vorrangige Feststellung aus dem Roman ist, dass wir in all den Jahren nicht viel erreicht haben trotz der Erkenntnis von Minka auf S. 601: "Wir können nicht darauf warten, dass die Zeit etwas verändert, wir müssen es selbst tun".
Meine Empfehlung für die Lektüre, die sich mit der Zeitgeschichte befasst. Ich bewerte mit vier von fünf Sternen.
Fast anarchische Zustände
Im Schatten der Wende von Frank Goldammer
Mittendrin im heißen Wendeherbst 1989 – so beginnt der neue Krimi von Frank Goldammer. Der junge Polizist Tobias Falck wird von seiner Weiterbildung aus Aschersleben abberufen, um die kritische Lage der Demonstrationen mit seinen Genossen der Volkspolizei in Leipzig, unter Kontrolle zu halten.
Seine Gefühle, seine Ängste bei diesem Einsatz, die drohende Eskalation werden eindrücklich und fassbar geschildert. Nach der kurzen Einführung erfolgt ein Rückblick ins Frühjahr 1988 und man erhält Einblicke in den Arbeitsalltag von Volkspolizei-Obermeister Falck in seiner Heimatstadt Dresden. Ich finde das als einen geschickten Schachzug von Frank Goldammer, um die damaligen Gegebenheiten in der DDR zu verdeutlichen. Es handelt sich ja nur um wenige Monate, in denen sich große gesellschaftliche Veränderungen ereigneten.
Kurz nach dem Fall der Mauer tritt Tobias Falck als Leutnant seinen Dienst beim Kriminaldauerdienst an. Die Rechtsgrundlagen in der veränderten Situation sind unsicher und die Herausforderungen an die Kriminalisten erweisen sich bald als sehr hoch. Die Kriminalität entwickelt sich rasant. Plötzlich haben sie es mit schwersten Delikten zu tun: Drogenhandel, Prostitution, Mord auf offener Straße. Leichen verschwinden spurlos vor ihren Augen. Dazu kommt plötzlich eine westdeutsche Kommissarin, die in Dresden einen Serienkiller vermutet. Das Team gerät immer mehr unter Druck.
Der Autor verbindet geschickt die geschichtlichen Ereignisse der Wendezeit mit den Kriminalfällen. Dabei zeigt er eine realistische Sicht auf die Lage der Menschen in ihren Lebensumständen, auf die Orientierungslosigkeit der Jugend und ihr Abgleiten in die Kriminalität, auf den desolaten Zustand der Bausubstanz und der gesamten Infrastruktur. Das ist gut recherchierte Zeitgeschichte.
Nach der Reihe um den sympathischen, geradlinigen Max Heller, die mir sehr gefiel, begegne ich nun einem neuen Typus Polizist. Tobias Falck wurde in der DDR ausgebildet und schwor seinem sozialistischen Staat die Treue. Doch der kam ihm fast über Nacht abhanden.
(S. 86) „In den letzten Tagen hatte sein Bild von der DDR Flecke und Kratzer bekommen. Was er früher als kleine Unzulänglichkeit betrachtet hatte,…, hatte hier auf einmal eine andere Bedeutung bekommen. Hier waren kein Aufbau und kein Fortschritt. Hier sah man nur Stillstand und Verfall.“
Wie der junge Mann damit zurechtkommt, wie er die neue Situation verarbeitet, wurde gut dargestellt. Es geht allzu vieles drunter und drüber. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung der Reihe und auf die Entwicklung der Charaktere der Kollegin Steffi Bach und des Vorgesetzten Edgar Schmidt. Vielleicht gibt es auch eine weitere Begegnung mit der Kommissarin aus Frankfurt am Main, Sybille Suderberg! Ich bin sehr gespannt auf Band 2.
Fazit:
„Schatten der Wende“ ist eine hervorragend aufgebaute Geschichte und interessant erzählt. Der Autor bleibt authentisch, beschönigt nichts an der Realität, übertreibt aber auch nicht. Ich kann das als ostdeutsche Zeitzeugin beurteilen.
Der Protagonist Tobias Falck wurde nachvollziehbar charakterlich dargestellt, seine langsame Erkenntnis, die Wandlung in seinen Ansichten wird ersichtlich, sein Selbstvertrauen wächst.
Der große Maler und seine Muse
Gala und Dalí - Die Unzertrennlichen von Sylvia Frank
„Gala und Dalí – Die Unzertrennlichen“ gehört zur Serie "Berühmte Paare – große Geschichten" des Aufbau Verlages. Es ist der erste Band. Ein Autorenehepaar schrieb gemeinsam unter dem Namen Sylvia Frank die Liebesgeschichte des berühmten Malers und seiner Muse.
Das Buch beginnt im Jahr 1929.
Gala folgt ihrem Mann Paul Éluard nach Cadaqués, in ein kleines katalanisches Fischerdorf. Er und seine Surrealistenfreunde aus Paris wollen Salvador Dalí treffen, einen hoffnungsvollen jungen Künstler. Das Schicksal entscheidet, dass Gala und Dalí sich ineinander verlieben und bald gemeinsam ihr Leben verbringen...
Ich mag ja eigentlich keine Herz-Schmerz-Geschichten, keine Rührseligkeit, kein Liebesgesülze. Aber das hier Niedergeschriebene ist mir doch zu wenig Leidenschaft. Zumal das erste Aufeinandertreffen von Gala und Dalí mehr erhoffen ließ.
Was ich schön herausgearbeitet fand, ist die Heimatverbundenheit Dalís und wie Gala, die ja durch Paul Eluard ein Luxusleben gewöhnt war, sich da mit ihm einig ist.
In den „Anmerkungen" des Autorenpaares wird betont, dass es sehr schwierig war, mit den bekannten biographischen Daten umzugehen. Das merkt man dem Buch leider auch an. Wollten sie eine Autobiographie oder einen Roman schreiben? Wo Fakten fehlen, hätte man doch die Phantasie spielen lassen können. Nachweislich war Dalí ein Narziss oder hatte zumindest narzisstische Züge. Das klang in Ansätzen an, hätte aber noch mehr hervorgehoben werden können. Das Geschehen um Gala und Dalí wird zwar chronologisch korrekt erzählt, wie ich durch eigene Recherchen feststellen konnte, aber wirkt dadurch für mich viel zu sachlich. Mir bleiben die Charaktere von Gala und Dalí irgendwie fremd, unnahbar. Ich kann sie nicht richtig fassen. Die gelegentlichen Emotionen erscheinen mir aufgesetzt und Salvadors Handlungen sind hin und wieder sehr befremdlich. Die Lebendigkeit fand ich in der kulinarischen Vielfältigkeit des katalanischen Landstrichs, der Darstellung von Folklore (Beschreibung von Tanz, speziellen Musikinstrumenten und Kostümen) und in der Landschaftscharakteristik. Dagegen verblassten die menschlichen Charaktere. Hier fehlte mir der Facettenreichtum.
Mir ist die gesamte Geschichte um die Beiden zu wenig emotional, teilweise unterkühlt. Ihre Gemeinsamkeit (siehe Untertitel: „Die Unzertrennlichen“) kommt für mich nicht zum Ausdruck. Gala kümmert sich um alles. Dalí widmet sich in introvertierter Weise seiner Kunst.
Fazit:
Der Schreibstil ist gut, die Schriftgröße angenehm. Das Cover finde ich passend für das Thema und für die Zeit der Handlung (von 1929 bis 1931) .
Der Umschlagtext verspricht u. a. eine bewegende Liebesgeschichte. Das kann ich leider nicht bestätigen.
Ich hoffe sehr, dass Band 2 der Reihe mir mehr zusagt. Leider nur drei von fünf Sternen!
Unerschöpflicher Quell an Ideen
Das große Buch der Collagen von Maria Rivans
Maria Rivans ist eine zeitgenössische britische Künstlerin, die für ihre Collagenästhetik im Scrapbook-Stil bekannt ist. (Quelle: Thalia)
Mit ihrem wunderbaren Collagenbuch (Größe: 31 cm x 23,5 cm) gibt sie für alle Interessierten Inspiration, Anleitung und wertvolle Hinweise. Sie zeigt viele attraktive Beispiele für die Collagenkunst, ein kreatives, buntes Spiel mit Formen, Farben, abwechslungsreichen Motiven und verschiedenen Hintergrundwelten.
Die Künstlerin empfiehlt aus ihrer Erfahrung eine Liste von Werkzeugen und Materialien zur Erstellung der Collagen. In einer Schritt für Schritt-Anleitung gibt sie Tipps und Hinweise zum Aufbau der Bilderwelt und verrät Kniffe und Tricks zum guten Gelingen.
Schöne, wertvolle Anregungen in großer Anzahl wecken die individuelle Phantasie, der keine Grenzen gesetzt sind. Meine eigene Ideenwelt wird hier richtig „befeuert“. Passende Bilder für Collagen lassen sich überall finden, bspw. auf Flohmärkten, bei Haushaltauflösungen, in Zeitschriften, Flyern, Prospekten...
Ich werde wahrscheinlich die 1500 Abbildungen nicht anrühren, um das Buch nicht zu zerstören. Meine Enkeltöchter sollen noch ihre Freude daran haben. Ich habe in meinem Alter keine künstlerischen Ambitionen mehr, sondern nutze andere Quellen, um Collagen zu erstellen – für ganz persönliche Überraschungen zu Jubiläen von Verwandten, Freunden und Kollegen.
Ich empfehle dieses tolle Buch für alle, ob Kinder oder Erwachsene, zum Basteln, Kleben und kreativen Gestalten. Viel Spaß dabei!
Unheilvolle Alliance
Das Loft von Linus Geschke
„Die, die wir lieben, sind immer die, die uns am meisten wehtun können, weil nur sie Zutritt zu unserem Herzen haben.“ (Letzte Seite, ohne Zahl, nach 347)
Drei junge Menschen, Sarah, Marc und Henning, bewohnen zusammen ein exquisites Loft in Hamburg. Die beiden Männer sind seit längerem Freunde.
Sarah und Marc lernten sich später kennen und sind ein Liebespaar. Oberflächlich betrachtet scheint alles paletti, aber zwischen Henning und Sarah schwelen Konflikte fast von Beginn an. Sie werden ständig größer und unversöhnlicher. Eines Tages ist die gemeinsame Küche über und über mit Blut besudelt, eine Menge, die klarmacht, dass hier jemand zu Tode gekommen sein muss. Bald stellt sich heraus, es ist tatsächlich Hennings Blut. Er ist verschwunden. Von ihm gibt es nicht eine Spur. Sarah und Marc rücken in den Fokus der Polizei. Sie sind die Hauptverdächtigen in dem Mordfall ohne Leiche.
Die unerklärliche Geschichte ist unterteilt in 5 Abschnitte mit jeweils einem vorangestellten Zitat von Voltaire.
In ständig abwechselnden Kapiteln kommen Sarah Hauptmann und Marc Lammert zu Wort. Sie sind ein Paar, das sich sehr liebt. Es ergeben sich tiefe Einblicke in ihr Leben. Die Sichtweisen, ihre Blickwinkel sind mitunter unterschiedlich. Dazu kommen die Berichte aus dem Polizeipräsidium durch das verschiedenartige Ermittlerduo Bianka Rakow und Peter Höger.
Die Spannung steigt mit jedem neuen Detail und ebenso die Zweifel an den Aussagen. Wer sagt die Wahrheit? Wie ist nur das Rätsel um Henning zu lösen? Wer brachte ihn um? Wo ist seine Leiche? Es gibt noch eine Menge mehr an Fragen, auf die es erst am Ende des Thrillers eine Antwort geben wird. Nur langsam kommen die wirklichen Beziehungen zwischen den Dreien ans Licht, ihre Charakterzüge nehmen Gestalt an. Ausgangspunkt bzw. die Ursache für das grausige Geschehen im Loft bildet der gemeinsame Urlaub in Nicaragua.
Wie der Autor im Klappentext schon voraussagt, gibt es (fast) keine Chance für die Lesenden herauszufinden, was mit Marc, Sarah und Henning geschah. Aufmerksamkeit beim Lesen ist gefragt! Durch die fortwährenden Perspektivwechsel bleibt der Spannungsbogen hoch, bis es zum Ende hin nochmal kulminiert. Wie die ganze Story ausgeht, überraschte mich sehr. Das war ohne Frage ein schrecklicher Tod, aber für den verantwortungs- und rücksichtslosen Menschen hatte ich kein Mitleid.
In beeindruckender Weise wurden die verschiedensten Gefühle (Qual, Schmerz, Liebe, Haß, Erkenntnis), vor allem die von Sarah und Marc, herausgearbeitet. Emotionen spielen die herausragende Rolle, sowohl die positiven als auch die negativen. Es ist schon erstaunlich, wozu Menschen fähig sind! Und auch, wie es der Autor schafft, das alles in eine fesselnde Lektüre zu verwandeln.
Für mich war es das erste Buch von Linus Geschke. Es hat mir gut gefallen. Ich vergebe die Höchstbewertung und empfehle es für alle Thrillerfans!
Der gepeinigte Peiniger
Der fürsorgliche Mr. Cave von Matt Haig
Liegt wirklich ein Fluch über dem Leben des Antiquitätenhändlers Terence Cave? Im Kleinkindalter verlor er seine Mutter durch Suizid, dann kam seine Ehefrau durch einen Einbrecher ums Leben und schließlich stürzt sein Sohn Reuben von einer Straßenlaterne und stirbt. Schließlich verbleibt ihm nur Reubens Zwillingsschwester Bryony.
Sie will und muss er beschützen! Das ist seine Pflicht und Aufgabe. Doch Cave nimmt der 15 jährigen durch seine grenzüberschreitende, distanzlose Fürsorge die Luft zum Atmen.
Die ganz große Katastrophe bahnt sich an. Die Leserschaft erfährt die Entwicklung aus der Sicht des Vaters in Briefform oder in der Art eines Tagebuches, das er an die Tochter richtet. Er ist tief traumatisiert, von fürsorglich wie es der Titel ausdrückt, kann keine Rede sein. Für die Ratschläge, die Hilfeangebote und die gutgemeinten Hinweise von seiner Schwiegermutter Cynthia bleibt er immun. Er lebt in seiner eigenen Welt. Seine Handlungsweisen sind extrem übergriffig. Sie wirkten auf mich krank, völlig daneben und ließen mich teilweise fassungslos zurück. Sein Wahn steigert sich bis zur Eskalation und endet schließlich in weiteren entsetzlichen Ereignissen.
Auf S. 72 bezeichnet der Autor seinen Protagonisten als "Terence, der gepeinigte Peiniger". Ich finde, das trifft es ganz ausgezeichnet.
Das war leider ein Lesestoff, den ich am liebsten abgebrochen hätte.
Matt Haig steckte sicherlich selbst in einer depressiven Phase als er diese Geschichte 2008 niederschrieb. „Die Mitternachtsbibliothek“ von ihm hat mir dagegen gut gefallen. Das Buch polarisierte zwar auch, wenn man sich die Rezensionen anschaut.
„Der fürsorgliche Mr. Cave“ brachte mir leider keinen Lesegenuß. Das Buch zog mich runter und hatte für mich eine sehr negative Aura. Gerade jetzt in Pandemiezeiten keine Lektüre, die ich empfehlen möchte.
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen!










