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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

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Zu wenig Schmetterlingsgefühle, zu wenig Backstube

Sie hörte sich gut, die Beschreibung zu diesem Roman. Dass es darin nur zum Teil um das Praktikum in einer Konditorei geht und und fast mehr um die Erlebnisse mit den Treffern auf einer Datingplattform, war mir nicht klar.

Ich dachte, dass es ausschliesslich ums Backen geht, dekoriert mit ein bisschen Liebe.

Halt was fürs Herz. Ums Backen geht es zum Teil zwar auch, aber nicht so genussvoll, wie ich mir erhoffte. Im Gegenteil. Der Chefkonditor Sven ist äusserst wortkarg und gibt ausschliesslich einsilbige Anweisungen, wie Nina etwas vorbereiten oder backen soll.

Arztsekretärin Nina nimmt das gut an und gibt nicht auf, mit der Zeit findet sie einen Zugang zu Sven. Doch so richtig probieren und geniessen mit allen Sinnen kann Nina auch nicht. Viel zu stark hört sie noch die Stimme ihrer Mutter in ihrem Kopf, die äusserst fies zu ihr und ihrer Tante war. Das Back-Gen hat Nina eindeutig von ihrer Tante vererbt bekommen, die selbst bei ihrer Beerdigung nicht gefeit war vor bissigen Kommentaren von Ninas Mutter.

Vielleicht erträgt Nina ihren feigen Chef Professor Wolff und den gemeinen Oberarzt nur deshalb, weil sie schon seit jeher von ihrer Mutter immer wieder aufs Neue beleidigt wurde? Irgendwann wird es aber auch Nina zu viel und als sie eines Tages vor einer Konditorei steht, die nach einem Praktikanten sucht, nimmt die Chefsekretärin spontan einen Monat unbezahlten Urlaub und beginnt, wie oben erwähnt, an der Seite des maulfaulen Sven ihr Back-Praktikum.

Derweil meldet Ninas Freundin Kirsten sie bei einer Dating-Platform an. Während Nina nun abends ihren Account nach interessanten Vorschlägen durchforstet und sich zudem noch um ihre schwangere Freundin Sonja kümmert, gewöhnt sie sich nur langsam an Sohn Leonards weiblichem Besuch in ihrer Zweier-WG.

Im Laufe der Geschichte tun sich noch mehr Betätigungsfelder für Nina auf. Neben den bereits Erwähnten gibt es noch einen nervigen Nachbarn, ihren Ex-Mann, ihre Dates, einen Kunden, der das Alter seiner Lebensgefährtin nicht weiss und immer wieder die Stimme ihrer Mutter in ihrem Kopf. Das Erzähltempo ist schnell, aber durch die viel zu vielen Baustellen bleibt alles oberflächlich und der Genuss auf der Strecke. Die Bäckereistory mit nur einer zu betüddelnden Freundin und statt dem Datingdings nur das Max-Dings - der Roman hätte mir besser gefallen.

Dass es darin um Liebe in diversen Ausprägungen geht und dass davon fast alle Charaktere betroffen sind, kommt rüber. Mir war das aber zu viel. Weil ständig irgendeine der Baustellen zu bedienen war, gab es viel zu wenig Emotionen und zu wenig Tiefe. Das Back-Thema verliert sich in dem ausufernden Dating-Thema.

Fazit: Oft amüsant, aber viel oberflächliches Beziehungsgedöns und zu viele Nebenschauplätze, dafür zu wenig Sehnsucht, zu wenig Schmetterlinge im Bauch und viel zu wenig duftende Backstube.
3 Punkte.

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Bleibt in Erinnerung

Sehnsucht nach Mill River von Darcie Chan

An einem Winterabend fahren die beiden Stadtpolizisten durch die schneebedeckten Strassen von Mill River. Trotz Schneegestöber sehe Kyle und Leroy hier und da durch Fenster in die lichterhellten Wohnungen einiger Einwohner. Es ist als sässe man bei ihnen im Auto und sie erzählten uns die Geschichten der Buch-Protagonisten.

Auch Pfarrer Michael schaut aus dem Fenster, hinauf zu Marys Villa auf dem Hügel. Er kennt die Geschichte des Hauses, die Freuden und das Leid, das darin geschehen war und noch immer geschieht. Die meisten Einwohner von Mill River haben Mary noch nie gesehen, doch Mary kennt sie - durch Erzählungen ihres Freundes Michael. Manchmal geschehen kleine Wunder in Mill River. Doch nur Michael und Mary kennen die Wahrheit darüber.

Durch die zwei Erzählstränge im Buch - einer erzählt die Gegenwart und einer die ungewöhnliche Lebensgeschichte der 80-jährigen Mary - erfahren wir Leser immer mehr über die Geschehnisse in der kleinen Stadt. Der Autorin gelingt es trotz viel Dramatik ruhig zu schreiben. Am Ende des Buches staunen nicht nur die Bewohner von Mill River über die Frau, die in der Marmorvilla auf dem Hügel wohnte.

Eigentlich ein ganz normaler Roman, der in einer Kleinstadt spielt. Aber:

Dieses Buch hebt sich von den üblichen "Kleinstadtleben"-Romanen deutlich ab. Es geht in die Tiefe. Es berührt. Das Buch bringt einen dazu, sich Gedanken darüber zu machen, wie es wäre wenn es da "oben" jemanden gibt, der sich um einen sorgt, auch wenn man kaum etwas über diese Person weiss.

Und noch fünfeinhalb Jahre nachdem ich diesen Roman las, denke ich oft an Mary und Mill River - "Sehnsucht nach Mill River" ist ein Buch das einem im Gedächtnis bleibt.

Nun, im April 2019, erscheint ein zweiter Teil, zumindest ein weiterer Roman von Darcie Chan, "Sommer der Versöhnung", der ebenfalls in Mill River angesiedelt ist. Ich bin gespannt, ob man darin bekannte Gesichter antreffen wird und ob der mir auch so lange nach geht wie der vorliegende herzbewegende Roman "Sehnsucht nach Mill River".

Fazit: Ein ganz tolles und absolut feinfühliges Buch!
4.5 Punkte.

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Bleibt in Erinnerung
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Was Miss Marple für England ist, ist Papst Petrus für Rom und den Vatikan

Jubilate! von Johanna Alba; Jan Chorin

Das Warten hat ein Ende, der neue Papst-Krimi ist da!

In diesem fünften Band reist Papst Petrus nach Castel Gandolfo, damit er bei der Feier zu Kardinal Federicos 85. Geburtstag dabei sein kann. Federico hat den Papst eingeladen und ihm dabei von seiner Absicht erzählt, am Fest bekannt zu geben, wer nach seinem Ableben das Familienvermögen erbt.

Doch Federico hat ihm die Bedingungen verschwiegen, die alle überrascht: Contessa Giulia erbt nur, falls sie innert einer Woche heiratet.

Für alle ist es ein Schock: die Höhe des Vermögens, das Giulia erben soll; dass einige leer ausgehen; eine Frau als Oberhaupt des Familienclans. Am meisten jedoch für Giulia, die nicht heiraten will, weil sie doch den Papstsekretär und Mönch Francesco liebt. Noch während Giulia ihre Gefühle sortiert, wird ein Anschlag auf sie verübt. Das Krisenteam - bestehend aus Papst Petrus, Francesco, Giulia und ihrer Tante Eugenia - heckt einen Plan aus, um herauszufinden wer hinter dem Anschlag steht und dem nicht passt, dass Giulia erbt.

Giulias Verwandte, sogar der Gärtner und die Haushälterin - sie alle scheinen Geheimnisse zu haben, Geld zu brauchen, neidig zu sein und haben deshalb alle einen Grund Giulia die Erbschaft streitig zu machen.

Währenddessen kämpfen die Haushälterinnen von Papst Petrus und Kardinal Federico ganz in der Nähe um die Vorherrschaft in ihrem Beginen-Orden. Die Schwesterschaft sucht eine neue Äbtissin, worauf sich Schwester Immaculata innerlich schon als Siegerin wähnt. Doch dann lässt sich auch die neue und jüngste Ordensschwester Rosalia zur Wahl aufstellen. Mit Konkurrenz hätte Immaculata nie gerechnet und sieht rot.

Was niemand ahnt: selbst Papst Petrus ist in Gefahr. Eine streng patriarchalische Organisation innerhalb der katholischen Kirche mag seine laxe Haltung nicht und will ihm schon längst eins auswischen.

Wie immer erwarten den Leser witzige Situationen (z.B. wenn Tante Eugenia bei den Beginen eincheckt), Verfolgungsjagden (z.B. Francesco zu Fuss durch den geheimen Garten), Observationen (z.B. der Papst inkognito in Rom), viel Spass und Spannung. Der fünfte Band der Papst-Krimis ist fesselnd bis zuletzt, denn wirklich alle Beteiligten könnten etwas im Schilde führen. Wer am Schluss jubiliert, müsst ihr euch selbst erlesen, es lohnt sich. Ich wurde bestens unterhalten, habe oft gelacht und mitgefiebert - ich liebe die Serie und wurde noch nie enttäuscht!

Wer beim Lesen gerne Musik hört, kann sich für das ultimative Italien-Feeling bei Spotify oder Youtube die vom Autor extra für die Papst-Krimis erstellte Playlist anhören.

Fazit: Was Miss Marple für England ist, ist Papst Petrus für Rom und den Vatikan! Genial und extremst spannend bis zum letzten Satz!
5 Punkte.

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Was Miss Marple für England ist, ist Papst Petrus für Rom und den Vatikan
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Der bisher spannendste Fall

Canterbury Rock von Gitta Edelmann

Im vierten Fall für Ella wird Alex telefonisch bedroht. Doch er selbst hat den Anrufer nie am Telefon, immer nur Ella. Erst verheimlicht es sie, und als sie es ihm sagt, wiegelt Alex ab. Das belastet ihre Beziehung. Als dann auch noch Lucas, der australische Ex-Mann von Ella auftaucht, hängt der Haussegen definitiv schief.

Ella beginnt nachzuforschen und landet schlussendlich in London.

Mir gefiel, dass man nun endlich Ellas Ex-Mann Lucas kennen lernte und erfährt, was der Grund für ihre Heirat und spätere Scheidung war. Aber auch Alex Vorleben kommt nicht zu kurz. Durch seine Schwester Kathy, die nach einem Sturz ihren Fuss verstaucht hat und das Gefühl hat, gestossen worden zu sein, erfährt Ella viel über Alex früheres Leben und seine Ex-Freundinnen.

"Canterbury Rock" ist unterhaltend und dabei flüssig zu lesen, ein leichter Krimi für zwischendurch.

Fazit: Mal abgesehen von den ewigen Komplikationen zwischen Ella und Alex ist es der bisher spannendste und geheimnisvollste Fall für Ella.
4 Punkte.

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Der bisher spannendste Fall
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Ein abruptes und enttäuschendes Ende

Canterbury Symphony von Gitta Edelmann

Nach dem bisher spannendsten Fall der Serie, "Canterbury Rock" (Band 4), freute ich mich sehr auf "Canterbury Symphony", der Ella nach Schottland führt.

Leider spielt sich der Cosy-Krimi fast ausschliesslich im Altersheim in Portree auf der Isle of Skye ab. Abgesehen von kurzen Spaziergängen in die Stadt oder einen kleinen Ausflug in die Berge ist der Krimi sehr statisch.

Ella soll herausfinden, ob Cannys Tante Flora langsam vergesslich wird oder ob wirklich etwas an Floras Aussage dran ist, bestohlen worden zu sein. Mehr oder weniger unauffällig befragt Ella die Bewohner und Angestellten des Altersheims. Es stellt sich heraus, dass Flora recht hat. Verdächtige gibt es zuhauf.

Als man denkt, jetzt sind die Befragungen abgeschlossen und es geht nun endlich los mit den genaueren Nachforschungen, ist der Krimi auch schon zu Ende. Der Leser weiss wer der Täter ist, sobald Ella etwas Bestimmtes tut. Denn am Anfang wird auf einigen Seiten ein Thema breit getreten und man ahnt, dass diese Beschreibungen bei der Auflösung eine Rolle spielen werden. So war es dann auch und deswegen blieb die Spannung komplett aus.

Die Charaktere - Bewohner und Angestellte des Scorrybreac House - hätten Potential für mehr Inhalt gehabt, an ihnen lag es nicht, die waren alle richtig toll gezeichnet. Ich hatte aber das Gefühl, dass die Autorin möglichst schnell fertig werden wollte mit der Geschichte. Als ob sie in Gedanken schon bei ihrer nächsten Serie ist, die sich hier wohl ankündigt und Ella gedanklich schon begraben hat.

Nach dem tollen vierten Band freute und hoffte ich auf einen genau so tollen fünften Band, doch der entpuppte sich als (wahrscheinlich) letzter Teil der Kent-Krimi-Serie und wirkte sehr lustlos geschrieben.

Fazit: Leider ein zu abgewürgtes und damit ein enttäuschendes Ende des Falls - oder gar der Serie - und wirkt auf mich insgesamt wie zu unmotiviert geschrieben.
3 Punkte.

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Ein abruptes und enttäuschendes Ende
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"Das OM der Bienen"

Das Honigmädchen von Claudia Winter

Der neue Roman von Claudia Winter ist zwar auch amüsant wie "Glückssterne" oder "Aprikosenküsse", geht aber wie "Die Wolkenfischerin" noch eine Spur tiefer.

Camilla hat eine Scheidung hinter sich, einen stressigen Job im Feinkostgeschäft ihres Vaters, eine Tochter im besten pubertären Alter, einen neuen tunichtguten und lauten Nachbarn, eine Vorladung zur Schulrektorin vor sich und danach ein grosses Problem mehr.

Um dem Problem zu entkommen, schlägt ihr Vater vor, dass Camilla mit Marie nach Südfrankreich fahren soll. Da sie ja immer meine, das Geschäft mit diesem Imker lohne sich nicht, weil er a) nicht zuverlässig liefert und b) die Preise viel zu hoch angesetzt hat, könne sie sich gleich vor Ort umschauen und mit dem Inhaber übers Geschäft reden.

Ohne eine andere Wahl zu haben lässt sich Camilla drauf ein. Nichtsahnend, dass ihr nerviger Nachbar sie schon bald begleitet. In Lorsacq angekommen, will sie am liebsten gleich umkehren, denn von im Schweinestall schlafen hat niemand was gesagt. Und auch Henri, der Imker, ist ein komischer und ruppiger alter Kauz. Doch sie bleibt, vorerst.

Wie Camilla und Marie sich auf das Abenteuer einlassen, noch viel mehr als bisher an ihre Grenzen kommen und sich herausfordern lassen hat Autorin Claudia Winter toll geschildert. Mit Hilfe von Manon, Nikos, Tobias und Henry, Raphael lernt Camilla nicht nur das Dorfleben, sondern auch die Geschichte von Henry kennen. Erst gegen Ende findet sie heraus, weshalb ihrem Vater die Zusammenarbeit mit Henry so wichtig ist.

Die Charakter sind so verschieden wie Tag und Nacht und prägen das Dorfleben, genau wie ein nie enden wollender Nachbarschaftsstreit. Camilla und Marie wollen zur Versöhnung beitragen, doch sie müssen erst mal bei sich selbst anfangen. Das machen sie auch und der Autorin ist es im Grossen und Ganzen gut gelungen, die komplizierte Beziehung zu glätten. Dennoch wurde mir Camila als zu schuldig an Maries Verhalten dargestellt, manchmal war sie einfach auch zu lieb zu Marie. Früher schon miteinander reden hätte viel gebracht, doch dann wäre diese Geschichte nicht diese Geschichte.

Henry ist eine ganz spezielle (und total gelungene) Figur, mit vielen Ecken und Kanten und man ahnt, dass das nicht alles sein kann, dass dahinter viel versteckt ist. Die Gemütszustände der restlichen Charakter fand ich nachvollziehbar geschrieben - mein Herz gehört dem Griechen Nikos! Vielleicht hätte ich gerne noch ein bisschen mehr über den geheimnisvollen Tobias erfahren. Von sich selbst gibt er nicht viel preis, und doch ist Tobias so etwas wie ein Dolmetscher der durch die Geschichte führt: einer, der Zusammenhänge erkennt und Probleme übersetzt.

Der luftige und bildhafte Sprachstil von Claudia Winter ist wahnsinnig schön, jede einzelne Zeile kann man sich wie ein Löffel Blütenhonig auf der Zunge zergehen lassen. Beim Lesen hörte ich die Bienen umher schwirren und spürte die flirrende Hitze. Die Bienenszenen sind wunderbar erzählt, von ihnen hätte ich noch wesentlich mehr lesen können.

Fazit: Am liebsten hätte ich mich in Henrys Garten gesetzt, dem "OM der Bienen" gelauscht und "Das Honigmädchen" gleich dort gelesen. Wunderschön geschrieben!
5 Punkte.

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"Das OM der Bienen"
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Verzwickt und verzwackt

Das Honigmädchen von Claudia Winter

Es ist September in Vasserols. Die Schulferien sind zu Ende und die Winzer hoffen auf eine gute Ernte, damit bald guter Wein in den Fässern reifen kann.

Doch dann wird auf einem Weingut in einem Fass eine Leiche entdeckt. Maurice Viale, der gerade erst aus dem Urlaub mit seiner Tochter Cathérine heimgekehrt ist, hat keine Sekunde Zeit, sich zuhause um die Familie und Gastschüler Tim zu kümmern.

Er muss sich um die Mordermittlung kümmern; dazu kommt ein Tankstellenüberfall, bei dem Rosalie und Vincent Zeugen waren.

Die an Trisomie 21 erkrankte Schwester des Toten verfrachtet Maurice kurzerhand zu Rosalie, die wenig begeistert darüber ist. Sie hat ja noch ihren Friseursalon zu führen und keine Lust zu babysitten, auch wenn es nur für ein paar Tage ist. Philine ist sich aber gewohnt alleine zu sein, daher gestaltet sich das Zusammenleben doch nicht so schlimm - ausser dass Philine Vincent nicht mag, der immer häufiger bei Rosalie zu Besuch ist.

Vincent kann das verkraften, er freut sich gerade riesig, dass Maurice nun endlich etwas auf seine Meinung als ehemaliger Gerichtsmediziner legt, und darf halboffiziell bei der Mordermittlung helfen. Natürlich können Vincent und Rosalie es nicht lassen und "besuchen" einige Personen aus dem Umfeld des toten Patrice Meunier auf eigene Faust.

Dieser dritte Teil der Rosalie-Serie ist enorm spannend! Der Mordfall ist Teil eines perfiden Plans, das merkt man erst als die Ermittlungen auf Hochtouren laufen. Daneben kommen einige häusliche Probleme der Hauptfiguren zum Vorschein, die mindestens so fesselnd sind. Nicht zu vergessen die Nachforschungen zu den Überfällen, die ein mit einer Clownmaske maskierter Töfflifahrer verübt.

Es passiert so viel und alles ist derart spannend, so dass man den Krimi einfach in einem Schnurz durchlesen muss, um möglichst schnell mit den Ermittlern die diversen Spuren richtig einordnen und kombinieren zu können. Allerspätestens das brisante Finale am Schluss bringt alle zum mitfiebern.

"Rosalie und das Land des Lichts" von Julie Lescault hat mir richtig gut gefallen. Der Krimi bietet interessante Verstrickungen, viel Regionalkolorit und einen hohen Spannungsbogen. Tolle Charaktere, deren Beziehungen oft für Konflikte sorgen und die sich in Gesprächen nichts schenken, runden das Gesamterlebnis ab.

Einziger Wermutstropfen: Rachid, der fast während der ganzen Zeit in Paris weilt, habe ich vermisst.

Fazit: Zwei verzwickte und bis zum Ende fesselnde Fälle für Rosalie und ihre Familie - echt gut!
5 Punkte.

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Die Weltschmerzheulsuse

Madame Piaf und das Lied der Liebe von Michelle Marly

Wer sich für französische Musik interessiert, kommt an Edith Piaf nicht vorbei. Wer kennt nicht ihr trotziges "No, je ne regrette rien", welches sie am Ende ihres Lebens aus tiefstem Herzen in die Welt heraus schmetterte?

In "Madame Piaf und das Lied der Liebe" geht es aber um ein anderes Lied.

Eines, das Edith enorm am Herzen lag, das ihre Liebe zu Yves Montand ausdrücken sollte. In Michelle Marlys Roman wird erzählt, wie Edith Yves kennenlernte. Edith reizte es, dass Yves nicht so vorhersehbar reagierte - alsbald legen beide ihre Vorurteile dem anderen gegenüber ab, Edith wird Yves Lehrerin, wenig später verlieben sie sich.

Voller Liebe zu Yves hat Edith bald die Melodie und einige Textfetzen von "La vie en rose" im Kopf. Aber niemand in ihrem Umfeld glaubt, dass daraus ein Hit werden kann. Doch sie bleibt dran, auch wenn Edith ganz andere Sorgen hat: als Kollaborateurin angeklagt, bangt sie um die Freiheit.

Die Autorin bringt die Leser dazu, mit beiden mitzufiebern. Oft möchte man Edith auf die Seite nehmen und ihr gut zureden. Denn Ediths mangelndes Vertrauen in andere Menschen hindert sie daran, sich vollumfänglich auf Yves einzulassen. Sie glaubt leider auch mehr an die Kraft des Weines als an die Kraft der Liebe. Die Piaf hat ihren eigenen Kopf, dagegen kommen nicht mal ihre lebenslange Freundin Simone Berteaut und ihre Sekretärin Andrée Bigard an.

Die "Weltschmerzheulsuse" - wie Yves Edith im Roman nannte - führte ein tragisches Leben. Michelle Marly legt uns einen Ausschnitt daraus vor, so leidenschaftlich und innig geschildert, dass man sich Ediths Leben nach 1947 sehr gut vorstellen kann.

Der starke Glauben der Sängerin, den sie laut Autorin hat, berührte mich sehr. In der deutschsprachigen Welt ist die heilige Therese von Lisieux wenig bekannt, umso mehr bei den Katholiken Frankreichs und den Romands. Ich war selbst einmal an der Grabstelle und kann die Faszination dieser französischen Heiligen zwar nicht nachvollziehen aber verstehen. Besonders, da die heilige Therese von Lisieux solch eine grosse Rolle in Ediths Leben spielt - wieso das so ist, wird im Roman erklärt.

Wer sich nicht mehr an die Lebensdaten von Edith Piaf erinnern kann, dem empfehle ich, sie erst nach dem Lesen von "Madame Piaf und das Lied der Liebe" nachzuschlagen. So bleibt die Spannung konstant erhalten.

"No, je ne regrette rien" - nach der Lektüre dieses Romans, der nur eine Handvoll Jahre ihres Lebens wiedergibt, glaubt man Madame Piaf jedes einzelne Wort dieses Chansons und bedauert, trauert fast, dass das einzigartige Liebeslied "La vie en rose" erst auf den letzten Seiten von diesem schönen und hochinteressanten Romans den verdienten Erfolg hat. Ein Kompliment an Michelle Marly, die uns nach Coco Chanel auch den Spatz von Paris, die bemerkenswerte französische Sängerin Edith Piaf, näher brachte.

Fazit: Nein, ich bedauere nichts, vor allem nicht das Lesen dieser aussagekräftigen Geschichte!
5 Punkte.

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Die Weltschmerzheulsuse
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Netter Mallorca-Roman

Das kleine Café am Meer von Anja Saskia Beyer

Als ich den Klappentext las, hatte ich Lust diesen leichten, sommerlichen Roman zu lesen. Lust auf Sommer macht diese Geschichte um Hannah, Sam, Lucia und Greta auf jeden Fall!

Hannah und Greta arbeiten beide in der Modebranche in Berlin und haben die Nase voll von ihrem Job. Ihre Träume verlaufen im Sand.

Anstatt dass ihre Arbeit gewürdigt wird, müssen sie sich von Designern herum stressen und anschreien lassen, und dann verabschiedet sich auch noch Hannahs Freund auf Nimmerwiedersehen.

Als Hannah von ihrer Freundin Lucia eine Nachricht erhält, ergreift sie spontan die Gelegenheit und fliegt nach Mallorca. Auf der Insel bekommt sie gegen stundenweise Arbeit in einer kleinen Pension gratis Logis/Kost. Dass ihr neuer Chef Sam gar nicht so nervig ist wie angenommen, erstaunt sie. Nur doof, handelt es sich bei Sam um Lucias Freund.

Die Story der vier Frauen ist nett und unterhaltend. Hannah, Greta und Lucia kämpfen mit diversen Problemen in ihrem Leben. Die Insel, das Café und die Zeit zusammen entschleunigt die Freundinnen und gibt ihnen Zeit, sich zu überlegen, wie sie ihre Zukunft gestalten möchten.

Sam verbirgt etwas. Jeden Nachmittag verschwindet er für einige Stunden und niemand weiss, wo er sich aufhält. Sein Geheimnis sorgt für ein bisschen Spannung. Sam ist der wichtigste Mann im Roman. Es kommen zwar weitere Männer wie Yann, Peter oder Clooney vor, sie sind aber mehr Verzierung. Ihr Verhalten sorgt manchmal für lustige Szenen in der Geschichte.

Sprachlich fand ich den Roman zu wenig ausgefeilt. Zu oft wird betont, wie alt Hannah und Greta sind; dann spielen einige Dinge, die anfänglich aufgebauscht werden, später keine Rolle mehr. Wie zum Beispiel die Geschichte um eine verwechselte Handtasche. Als Leser überlegt man sich schon, wie Hannah dann doch noch zu ihren Schlüsseln, zum Portemonnaie und ihrem Handy gekommen ist und denkt hier über einen logischen Fehler gestolpert zu sein, aber dann liest man drei Seiten später den Schluss der Taschengeschichte, die dort in zwei Sätzen belanglos abgeschlossen wird.

Am meisten bedauerte ich, dass der im Klappentext erwähnte Orangenblütenhonig keine Rolle im Roman spielt. Orangen sind wichtig für die Geschichte. Am Ende bekommt der Leser sogar das Rezept für den in einem Restaurant getrunkenen Orangen-Caipirinha (Danke dafür!), aber der Honig kam nicht vor. Dabei war für mich der Honig ein Grund dafür, den Roman zu lesen. Nicht nur deshalb hätte man für meinen Geschmack das Orangenthema noch stärker und bewusster einbinden können, anstatt Wert auf die Handtaschenstory oder eine doofe Verfolgungsjagd zu legen.

Fazit: Unterhaltender Mallorca-Roman mit leichten Schwächen im Schreibstil.
3.5 Punkte.

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Dynamische erzählte Familiengeschichte vor wundervoller Kulisse

Die Stunde der Inseltöchter von Sarah Morgan

Von Sarah Morgan sind wir uns Freundinnen-Serien gewöhnt. Nun hat sie einen neuen Weg eingeschlagen und einen Einzelband herausgebracht.

Schon das Cover lässt ahnen, dass die Geschichte ein wenig anders verläuft, als bisherige Sarah-Morgan-Romane. Dem Cover mit dem eher grauen, bewölkten Himmel und dem leicht unruhigen Meer fehlt die Leichtigkeit und macht nachdenklich.

Und tatsächlich, von Anfang liegt etwas in der Luft auf der Insel vor Massachusetts. Es sind Geheimnisse, ganz viele, die endlich ans Tageslicht kommen wollen.

"Die Stunde der Inseltöchter" handelt von zwei Schwestern. Die eine wohnt in London mit Mann und Kind, die andere auf der amerikanischen Insel mit Mann und Kinderwunsch.

Lauren freut sich, bald als Innendekorateurin tätig zu sein. Gerade bereitet sie in London gerade das Geburtstagsfest für ihren Mann vor. Schon seit einigen Wochen scheint Tochter Mack komisch drauf zu sein, auch Ed ist anders als sonst, müde und reizbar.

Jenna ist jünger als Lauren, heiratete ihre erste und grosse Liebe Greg und blieb auf der Insel sesshaft, arbeitet als Lehrerin und mag ihren Job. Sie hat einen unbändigen Kinderwunsch, der ihr Leben extrem belastet.

Nancy hat keine gute Beziehung zu ihren beiden Töchtern. Als Malerin war sie oft unterwegs, zuhause war sie beschäftigt. Spass hatten ihre Kinder nur mit ihrem Vater. Auch Jahre später ist der Besuch der Mutter eher ein Muss als ein Vergnügen.

Jede der Frauen erzählt ihre Geschichte selbst, abwechselnd kommen sie in den Kapiteln zu Wort. Sie kennen sich sehr gut, und doch gelang es allen Geheimnisse voreinander zu haben. Als das Schicksal unverhofft zuschlägt, vereint es die Frauen in ihrem Elternhaus, einem Kapitänshaus auf Martha's Vineyard. Wie in einem Dominospiel werden, kaum wird das erste Geheimnis gelüftet, weitere Dominosteine zu Fall gebracht.

Wie die einzelnen Familienmitglieder und das nähere Umfeld damit umgehen, hat die Autorin schön geschildert. Die Verletzlichkeit der Charaktere, den Mut mit allem Neuen von vorne zu beginnen, zwischen Neuem und Alten zu stehen, zweite Chancen zu packen - das alles bringt Sarah Morgan enorm gut aufs Papier.

Während das, was bisher verschwiegen wurde und nun ans Licht kommt, Dramatik bietet, sorgt das Setting auf der Insel mit Strand, Meer und Schiffen für eine gewisse Heiterkeit und versteckten Optimismus. Für mich ist es der intensivste Sarah-Morgan-Roman bisher, ich habe ihn regelrecht verschlungen.

Fazit: Mit Leidenschaft erzählte dynamische Familiengeschichte vor einer wundervollen Kulisse.
5 Punkte.

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