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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

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Toller Trilogie-Abschluss

Sehnsucht nach Whale Island von Miriam Covi

Endlich lernen wir den dritten Sohn der Camerons kennen. Glenn, der bisher immer abwesend war, weil er in Halifax lebte. Wie wir hier erfahren, war das nicht "einfach so", sondern hatte seine Gründe, die hier nach und nach aufgedeckt werden und zwischendurch für eine Prise Drama sorgen.

Viola hingegen landet nach einem Unfall im Spital in Harbor, wo sie Skye und Glenn kennenlernt.

Skye lädt Viola ein, zu ihr nach Whale Island zu kommen. Die Einladung nimmt Viola gerne an und ist kaum auf der Insel, auch schon fasziniert von ihr. Dabei kann sie die ganze bunte Cameron-Familie kennenlernen. Am besten kommt Viola mit Glenn aus. Die beiden haben etwas gemeinsam: beide sind noch auf der Suche nach dem richtigen Beruf und haben bisher ähnliche Erfahrungen gesammelt.

An einer Aussage, die Skye über ihren Bruder Glenn tätigt, hält Viola fest. Daraus entsteht ein grosses Missverständnis - einerseits waren sie Szenen darüber witzig, andererseits wurde es, als es geklärt war, zu oft noch wiederholt.

Violas Familiengeschichte ist heftig in der Vergangenheit, nimmt aber gute Züge in der Gegenwart an und ist super spannend - da hat die Autorin die Fäden wunderbar geplant!

Skye und Ian - auch da geht was, das bleibt aber eher so eine Nebenbei-Geschichte. Der Grossteil dreht sich um Viola und Glenn und ihre Verbindungen, die äusserst spannend zu entdecken sind. Violas Geschichte passt wunderbar zu denjenigen von Stella und Greta.

Wie bereits in den vorherigen Bänden wird abwechselnd erzählt aus der Sicht von Viola und Glenn. Richtig nett ist das Wiedersehen mit den bisherigen Weggefährten in dieser Trilogie, seien es die Menschen, die Tiere oder der inselbekannte Nebel wie auch die Stürme.

Die Geschichte, so schön sie auch ist, wollte aber nicht aufhören - ich fand, sie wurde bei mehreren Themen ziemlich in die Länge gezogen, deshalb gefielen mir die ersten beiden Bände besser.

Fazit: Einige Überraschungen warten auf die Leserinnen - ein toller Abschluss der Trilogie, ein bisschen in die Länge gezogen, aber trotzdem schön.
4 Punkte.

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Toller Trilogie-Abschluss
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Überzeugt durch überraschende Zutaten

Sternenmeer von Alexander Oetker

Genauso wie Luc sich freut - das Kribbeln spürt - wenn er einen neuen Fall bekommt, so geht es auch mir, wenn ich einen neuen "Luc Verlain"-Krimi in der Hand halte.

Dieses Mal, passend zum fast zeitgleich erschienenen (viel mehr als ein) Kochbuch "Chez Luc", dreht sich alles ums Thema Kulinarik.

Ein Restaurantkritiker wird in einem Drei-Sterne-Restaurant vergiftet. Sofort wird vermutet, dass die eben genossene Foi Gras Schuld ist - der Entenzüchter, ein Sohn des Sternekochs, wird nämlich bedroht.

Luc beendet seinen Vaterschafturlaub vorzeitig, mit diesem Kribbeln eines neuen Falles in den Fingern und auch Anouk lässt sich den Fall nicht entgehen. Zum ersten Mal ermitteln sie als ganze Familie gemeinsam.

Schnell steht fest, dass die Vergiftungs-Sache viel komplizierter ist als gedacht, weil sich der zweite Sohn des Sternekoch verdächtig macht. Aber auch die angestellten Köche, allen voran der Sous-Chef oder die neueste Köchin im Team, könnten ihre Finger irgendwie mit im Spiel haben.

Alexander Oetker lässt die Polizeibrigade genau ermitteln und lässt sie mal hier, mal da vorwärts kommen oder stecken bleiben. Sorgt mit Aubry, den er wieder mitmischen lässt, für genügend Pfeffer. Hugo wäre dieses Mal der Zucker und die kleine Aurélie das Sahnehäubchen.

Wie es ein Chefredakteur Luc und Anouk vermittelt, sollte jedes Gericht für eine versteckte Geschmacks-Überraschung sorgen, mit der man nicht rechnet - übertragen auf Kriminalromane sollte ein guter Krimiautor dasselbe mit seinen Fällen machen. Somit könnte sich Oetker in die Riege der Drei-Sterne-Köche einordnen, denn genau das macht auch Oetker mit seinen Fällen: immer noch eine Überraschung einbauen, die man nicht vorhergesehen hatte. Der Fall ist spannend und interessant und mit dieser Spezialzutat gefüllt, deshalb gibt es von mir fünf Sterne für "Sternenmeer".

Und weil bald Weihnachten ist (an anderen Zeitpunkten im Jahr gibt es ja noch Geburtstage, Beförderungen, Genesungen, Pensionierungen und vieles mehr zu feiern): Am besten man verschenkt das Kochbuch "Chez Luc" nicht alleine, sondern in Kombination mit "Sternenmeer" - oder umgekehrt. Beim sechsten Fall bekommt man auf jeden Fall Hunger und beim Kochbuch Lust auf Luc's Fälle.

Fazit: Um im Küchenjargon zu bleiben: "Sternenmeer" überzeugt mit bestens dosierte Gewürzen und überraschenden Zutaten. Im Gegensatz zur Sterneküche aber erschwinglich für jede/n!
5 Punkte.

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Überzeugt durch überraschende Zutaten
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Edinburgh im Schnee

Weihnachten in der kleinen Buchhandlung von Jenny Colgan

"Weihnachten in der kleinen Buchhandlung" gehört zwar zur "Happy Ever After"-Reihe, kann aber unabhängig von der Reihe gelesen werden. Gemeinsam haben sie nur die Buchhandlung und Schottland - und einige kurze Auftritte von Ramsay, einmal sogar mit den Jungs Patrick und Hari.

Was könnte besser zur Adventszeit passen als eine Buchhandlung und einen anwesenden, aber doch abwesenden Besitzer, hier in der Gestalt von Mister McCredie, der lieber selbst die Bücher behält, als sie verkauft.

Die Autorin stellt ihm Carmen zur Seite, die, nachdem sie ihren Job in einem Kaufhaus verliert, ein Jobangebot ihrer Schwester Sofia in Schottland missbilligend annimmt. Als Kurzwaren-Verkäuferin hat Carmen zwar keine Ahnung über die Arbeit in einer Buchhandlung, doch als sie eben jene betritt, sieht selbst sie, dass es kein Wunder ist, dass die Kunden fern bleiben. Mit viel Elan, aber trotzdem mit einem Groll im Magen gegen ihre Schwester, versucht sie das Beste aus der Situation zu machen und Schwung in den Laden zu bringen.

Nicht nur in den Laden bringt sie Schwung mit, sondern auch ins gestylte Haus ihrer erfolgreichen Schwester Sofia, die schon immer ganz anders war als Carmen. Jene ist mit dem vierten Kind schwanger, der Ehemann gerade beruflich im Ausland, wird durch eine Nanny, die yogagestählte Studentin Skylar, mit den Kindern unterstützt. Chips essen kommt nicht in Frage und auch die Fernsehzeit ist für die Kids streng begrenzt, und was sie sehen wird sowieso von Skylar und Sofia zensiert. Für die beiden ist das kein Schwung, sondern Chaos, das Carmen verströmt.

Da wundert es niemanden, dass Carmen sich in der Buchhandlung und deren Nachbarschaft in der Edinburgher Altstadt immer wohler fühlt. Sie freundet sich mit einem Dendrologen (Baumforscher) an, aber auch mit einem sehr speziellen Ratgeber-Autoren, deren Absichten Carmen schnell klar wird. Aber witzig ist der Typ halt doch!

Die schöne Geschichte um Carmen und die Buchhandlung wird durch das tolle Setting, das adventliche Edinburgh im Schneegestöber, unterstützt. Diesem Zauber kann man sich als Leserin kaum entziehen und nur zu gerne würde man durch die Strassen Edinburghs flanieren und sich eine heisse Schokolade gönnen und sich die Nase am Schaufenster von Carmens Buchhandlung platt drücken. Gefolgt von einem Besuch im Innern der Buchhandlung natürlich.

Jenny Colgan hat eine tolle weihnachtliche Geschichte aufs Papier gebracht, humorvoll, aber auch mit vielen tiefergehenden Inputs.

Den Hexenladen nebenan hätte es für mich nicht gebraucht, ein Dekoladen hätte meiner Meinung nach besser gepasst. Aber das ist ein Detail, das nicht so viel Raum einnimmt. Weniger zur Seite schieben konnte ich Okes Herkunft Brasilien und seinem Weltbild als Quäker, also seinem Glauben (den er dann doch nicht so richtig hat, sondern mehr traditionell so denkt weil er so aufgewachsen ist). Quäker und Brasilien passt für mich nicht zusammen, die Autorin hätte beides weglassen und ihn einfach nur einen Baumforscher sein lassen können. Colgan geht es mit seiner Herkunft wohl einfach nur um die Rituallosigkeit, doch das hätte sie sicher auch anders hinbekommen.

Wenn man diese beiden Kritikpunkte zur Seite legt, ist es ein sehr schöner Weihnachtsroman, der mit seiner Atmosphäre und den unterschiedlichen Figuren überzeugt. Wer sich nach Schnee und Christkindlimarkt-Feeling sehnt, weil beides zu Weihnachten einfach dazu gehört, der muss sich "Weihnachen in der kleinen Buchhandlung" unbedingt schnappen und lesen. Damit man sich u.a. Mister McCredie in (vererbter, uralter) Rentierfellkleidung nicht verpasst - ich konnte ihn mir bildlich vorstellen, perfekter geht ein britischer Buchhändler-Weihnachtsmann nicht.

Der beste Zeitpunkt um den Roman zu lesen ist im November, denn dann startet er auch. Und endet an Weihnachten rum, aber da verrate ich ja nicht etwas Überraschendes.

Fazit: Weihnachtsatmosphäre in Edinburgh erleben? Spart euch das Flugticket und liest stattdessen diesen bezaubernden Roman.
4 Punkte.

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Viel mehr als nur ein Kochbuch

Chez Luc von Alexander Oetker

Nachkochen konnte ich bisher leider noch kein Rezept aus diesem grossartigen Buch - gross im wahrsten Sinne des Wortes, ich bekomm es nämlich kaum auf ein Foto. Meine Familie isst nicht gerne Fisch und Meeresfrüchte und bei den anderen Rezepten müsste ich als Allergikerin zu viel ändern. Einige Rezepte habe ich mir aber notiert und die werde ich bei passender Gelegenheit nachkochen - oder backen.

Dennoch, also wenn man wie ich, nur etwa eine Handvoll Gerichte nachkochen kann, ist dieses Buch trotzdem ein grosser Genuss, weil es eben so viel mehr als nur ein Kochbuch ist.

Autor Alexander Oetker lässt seinen Protagonisten Kommissar Luc zusammen mit seinem Vater auf eine Reise gehen - für einmal jagen sie keinen Kriminalfällen nach, sondern gutem Essen.

Und diesem wird in diesem "Aquitaine-Kochbuch" fürstlich gehuldigt. Alexander Oetker spricht, wie Luc es ja auch oft macht, mit Winzern, Köchen, Fischer, Metzgern und vielen weiteren Menschen, die ihren Beruf lieben und beste Produkte erzeugen oder diese zu exzellenten Gerichten verarbeiten.

Neben einigen Szenen aus den Luc Verlain-Krimis werden wie in einem Bildband Stimmungsbilder präsentiert und Rezepte ins rechte Licht gesetzt.

Viel zu schade, um das Buch einfach als Coffee Table Book, quasi als Dekoration, hinzustellen, es will immer wieder zum Schmökern in die Hand genommen werden.

Fazit: Ein inspirierendes Kochbuch für die einen, ein tolles Erinnerungsbuch für Frankreich-Reisende und wunderschöner Bildband für die anderen. Ein Geschenk für sich selbst oder jeden anderen Gourmet und Frankreich-Fan in der Familie und im Freundeskreis.
5 Punkte.

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Aktueller Stand der Bibelarchäologie

Die Bibel hat recht von Michael Hesemann

Lange ist es her, seit ich Werner Kellers "Und die Bibel hat doch recht" gelesen habe. Der Titel des vorliegenden Buches hat mich auch sofort daran erinnert. Erschienen ist Kellers Buch 1955 - nicht nur die Welt hat sich seither extrem verändert, auch die Möglichkeiten der Archäologie. Deshalb reist 67 Jahre danach Michael Hesemann quasi nochmals an Stationen der Bibel, und kann so Kellers Buch ergänzen.

Er erzählt zum Beispiel wie erst kürzlich, also in den vergangenen zehn Jahren, nachgewiesen wurde, wo das in der Bibel erwähnte Sodom liegt, wie sich Genesis-Kapitel mit der Klimaforschung in der mittleren Bronzezeit decken, was es mit der Stadt Ramses, dem bisher gedachten Ausgangspunkt für den Exodus, auf sich hat, mögliche Ursachen der zehn Plagen und vieles mehr.

Viele Fotos und Abbildungen vervollständigen das umfangreiche und extrem detailreiche Buch. Man kann Hesemann nicht wie (teilweise damals) Keller oder anderen Verfassern von bibelarchäologischen Büchern nicht vorwerfen, die Ergebnisse nur aus christlicher Sicht zu begutachten. Im Gegenteil, er geht auf viele Studienergebnisse ein und schreibt auch, wenn etwas, zum Beispiel der absolut genaue Zeitpunkt des Exodus, noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit bewiesen worden ist.

"Die Bibel hat recht" ist enorm interessant. Es empfiehlt sich das Buch kapitelweise zu lesen, damit man die vielen Informationen auch verarbeiten kann. Damit man, wenn man es ausgelesen hat und später vielleicht nochmals etwas nachschauen oder darin blättern will, ohne nochmals alles genau nachzulesen, sind einige Textstellen separat nochmals dick gedruckt.

Beim Seite-für-Seite-lesen haben mich diese Stellen leider gestört. Ebenfalls störte mich, dass die der Text in zwei Spalten dargestellt wird. Das ist beim Lesen sehr unangenehm. Man muss immer wieder oben beginnen, anstatt es am Stück lesen zu können und ist nicht sehr augenfreundlich. Das Text-Layout ist deshalb nicht sehr zeitgemäss, da trösten die vielen tollen Abbildungen auch nicht darüber hinweg. Aber bekanntlich kommt es auf den Inhalt drauf an.

Fazit: Sehr informatives und spannendes Buch zum aktuellen Stand der Bibelarchäologie.
4 Punkte.

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Aktueller Stand der Bibelarchäologie
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Detaillreiches Fachwissen

Die letzten Geheimnisse des Orients von Daniel Gerlach

Mit seinem neuen Buch "Die letzten Geheimnisse des Orients" bereist der Nahostexperte Daniel Gerlach antike Stätten im Orient und bringt durch sein profundes Fachwissen den Lesern diese oft sagenumwobenen Orte näher.

Von Tunesien, Kairo, Petra, Jerusalem Babylon, Amara, Harran, Antakya, Ephesus, Istanbul und einigen weiteren Stätten weiss er viel Interessantes zu berichten.

Dabei benutzt er viele einprägsame Vergleiche aus heutiger Weltsicht, die den Text auflockern.

Detailreich berichtet Gerlach über religiöse Minderheiten wie zum Beispiel die Drusen oder Zoroastrier, aber auch über antike Mysterienkulte wie der des Mondgott Sin. Er holt oft aus, um den Hintergrund der nachfolgenden Begebenheiten zu erläutern, was die Lektüre noch bedeutender macht.

Diese Reise zu den Spuren der drei Weltreligionen gefiel mir sehr gut. Am liebsten hätte ich bei jedem Kapitel Sekundärliteratur hinzugezogen, um das neue Wissen zu festigen und anderes zu repetieren. Doch dann wäre ich wohl monatelang dran gesessen. Deshalb meine Empfehlung: einmal durchlesen und danach die einzelnen Kapitel nach Wunsch noch selbst vertiefen.

Fazit: Ein empfehlenswertes Buch für alle Archäologie-, Geschichte- und Religionsliebhaber!
4 Punkte.

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Weiter so?

Die Freischwimmerin von Preethi Nair

Vor vielen Jahren hab ich die Bücher von Preethi Nair sehr gerne gelesen, weshalb ich ihren neuesten Roman auch lesen wollte. Wie ihre früheren Leserinnen ist auch die Autorin älter geworden, weshalb ihre "jüngste" Protagonistin auch nicht mehr so jung ist, wie jene in den älteren Büchern.

Anhand ihres 40jährigen Hochzeitstages, bei der ein grosses Fest für sie organisiert wird, inklusive Zeremonie im Tempel, die sie nie hatte, fragt sich die 59jährige Bhanu, ob sie ehrlich aus ganzem Herzen diese Zeremonie durchstehen kann und sie damit ihr Ehegelöbnis erneuern will. Während dies für ihren Mann, der öfters fremdging, kein Problem darstellt und er wohl ohne mit der Wimper zu zucken mitmachen würde. Doch Bhanu trauert ihrem Leben und den damit verbundenen Möglichkeiten nach.

Nach diesen ersten Überlegen erzählt sie ihr Leben von Anfang an bis zu dem Punkt, an dem sie kurz vor der Zeremonie steht.

Man versteht wie Bhanu so wurde wie sie ist. Eine indische Frau, die ihre indischen Traditionen lebt, obwohl ihr diese selbst oft zuwider waren. Sie hat alles geschluckt, nicht nur 40, sondern 59 Jahre, also ihr ganzes Leben lang. Doch nun ist der Zeitpunkt an dem sie nicht mehr kann und sie weiss, dass sie sich nun entscheiden muss, wie sie die verbleibenden Jahre verbringen will.

Bhanu trauert auch ihrer vergangener grosser erster Liebe nach. Immer noch ist diese Hoffnung in ihr, dass ihr Leben mit dem anderen glücklicher verlaufen wäre und vielleicht, wenn sie sich nur trauen würde, es auch jetzt endlich zum Happy End kommen könnte - nicht nur in ihren Selbstgesprächen mit ihm, ihr geheimes inneres Parallelleben sozusagen. Statt eben jenem Happy End, ist sie seit 40 Jahren mit ihrem Ehemann zusammen. Diese jahrzehntelange Beziehung forderte sie heraus, mittlerweile sind sie im besten Falle noch Freunde. Ihr wurde übel mitgespielt, Bhanu liess es geschehen. Sie versteckt sich seit jeher und sagt nichts, geht nicht aus sich raus, sagt ihre Meinung nicht, nur um andere nicht zu verschrecken oder noch böser werden zu lassen.

Bhanus Verhalten liefert viele Denkanstösse. Preethi Nair zeichnet Bhanus Leben akkurat nach, so dass man als Leserin ihre Verhaltensweise teilweise verstehen kann, viele Entscheidungen aber nicht. Bis zum Ende bleibt es nicht nur für die Leserinnen, sondern auch für Bhanu offen, wie es weitergeht. Es ist eine ruhige Geschichte, deswegen nicht uninteressant und bietet einen Einblick in die indische Kultur, bzw. in jene der Inder, die nach Grossbritannien eingewandert sind.

Einzig die Szenen in Tansania hätten für mich irgendwo sein können, dort fühlte ich mich noch immer wie in Indien, denn aufgrund der Beschreibungen waren diese Szenen irgendwie staatenlos.

Fazit: Ein Roman über eine Inderin, die immer eine Aussenseiterin war und es doch allen recht machen wollte.
4 Punkte.

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Weiter so?
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Todesengel auf Gerechtigkeitssuche

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens von Pierre Martin

Ich bin mir noch nicht sicher, was ich von der neuen Krimi-Reihe von Pierre Martin halten soll. Wie "Madame le Commissaire" ist "Monsieur le Comte" super ausgebildet und braucht seine speziellen Fähigkeiten aber nur in gewissen Situationen. Viel mehr als an die Kommissarin - die übrigens einen kurzen Gastauftritt hat - erinnert mich Lucien an Yann Solas Perez, auch Restaurantinhaber aus Leidenschaft, aber sein Hauptjob ist ein anderer.

Perez ist Schmuggler, Monsieur le Comte Lucien de Chacarasse Auftragskiller.

Zumindest wenn es nach seinem Vater und seinem Onkel Edmond geht. Lucien hätte nie gedacht, dass der erste Auftrag so kurz nach dem Tod seines Vaters eintrifft. Denn töten will er nicht, so viel steht fest. Wie er diesen und auch die folgenden Aufträge managt, erleben die Leser und Leserinnen hautnah und unterhaltend mit. Mental unterstützt wird Lucien von der Haushälterin Rosalie, tatkräftig von Sekretärin Francine.

Nur mit dem ungeliebten Onkel Edmond läuft es nicht so gut. Der scheint an der Familientradition festzuhalten, kein Wunder, denn Edmond kassiert ordentlich ab. Doch auf den letzten Seiten gelingt es Lucien Edmond zu zeigen, dass mit ihm nicht zu spassen ist und man ihn nicht unterschätzen sollte.

Bis dahin ist "Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens" ein mal etwas anderer, skurriler und sehr unkonventioneller Krimi, angesiedelt in Villefranche in der Nähe von Nizza an der Côte d'Azur. Ein Krimi, bei dem es nicht um die Auflösung von Straftaten geht, sondern um die Vermeidung derselbigen - im besten Fall so gelöst, dass die bösen Auftraggeber selbst bestraft werden.

Monsieur le Comte Lucien ist auf seine Art sympathisch, manchmal leicht abgehoben und im Grundsatz einfach ein Mann, der trotz perfekter Kinderstube und durchaus mit genügend Misstrauen ausgestattet, den Reizen schöner Frauen nicht widerstehen kann.

Die vielen "Aufträge" machen den Krimi sehr abwechslungsreich und schön schwarzhumorig. Wer nicht zum Schmunzeln kommt, ist selber schuld. Doch ich frage mich, wie Lucien dem Familienmotto in den nächsten Bänden treu bleiben kann. Lucien ist ein Todesengel auf Friedensmission, bzw. auf Gerechtigkeitssuche. So wie die Fälle hier ablaufen kann es nicht reihenweise weitergehen, sonst würde es schnell langweilig. Für zwei Bände kann es so funktionieren, aber ich frage mich, ob Pierre Martin auf diese Weise die Leserschaft auf längere Sicht bei der Stange halten kann. Deshalb bin ich auf die nächsten zwei Bände gespannt.

Fazit: Töten oder nicht, das ist hier die Frage. Lesen oder nicht, hingegen keine. Das Vergnügen diesen ersten Band zu lesen, sollte man sich gönnen.
4 Punkte.

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Schöne Herbstlektüre

Neubeginn im kleinen Strickladen in den Highlands von Susanne Oswald

Nach dem Tod ihrer Mutter wird Amely von Maighread nach Callwell geholt, damit sie sich bei ihnen erholen kann. Langsam geht es ihr wieder besser, doch sie kann sich nicht vorstellen, jemals wieder Wolle zu färben. Zurück in ihr altes Leben möchte sie auch nicht. Für eine Beziehung mit Peter fühlt sich Amely auch nicht bereit, obwohl jeder sieht, dass die beiden sich lieben.

Zum Glück befindet sich Amely in Callwell, denn Maighread, Chloe, Joshua, Scott und die drei Grossmütter lassen Amely nicht im Stich und führen sie langsam wieder aus der Trauer heraus, so dass Amely nicht mehr nur träumen, sondern ihre Träume bald auch umsetzen kann.

Mir hat dieser vierte Band besser gefallen als der dritte. Die Geschichte um Amely hat zwar keine grossen Höhen und Tiefen und ist vorhersehbar, aber sie ist einiges gefälliger als in "Neues Glück". Am Ende steht ein "Neubeginn in den Highlands" bevor, aber anders als der Titel es sagt, nicht direkt im kleinen Strickladen.

Den Strickladen würde ich aber definitiv gerne besuchen - all die Wollkostbarkeiten, die Maigread so glustig in ihrem Laden anbietet, würde ich gerne anfassen, um zu schauen, ob sie wirklich so kuschlig weich und die Farben so schön sind. Und vielleicht würde sie mich sogar dazu überreden, wieder einmal die Stricknadeln in die Hände zu nehmen.

Diese Fortsetzung lässt sich locker an einem herbstlichen Nachmittag lesen. Susanne Oswalds gemütlicher und flüssiger Schreibstil setzt sich auch in diesem Band durch. Gerne würde man den Frauen beim Stricken zuschauen oder ihnen beim Färben der Wolle helfen.

Fazit: Eine schöne Herbstlektüre für alle Strick- und Wollfans.
4 Punkte.

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Schöne Herbstlektüre
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Einblick in Frankreichs Kochtöpfe im 19. Jahrhundert

Neubeginn im kleinen Strickladen in den Highlands von Susanne Oswald

Erst dachte ich ja, dass diese Reihe in der Gegenwart stattfindet - auf dem Klappentext und auf den ersten Seiten weist nichts darauf hin, dass "Lebe deinen Traum" eben doch ein historischer Roman ist. Zudem war die Sprache so modern, dass man auch später, wenn man die Zeitspanne kennt, nicht merkt, dass die Story vor über 120 Jahren, ab 1880, am Canal du Midi in der Nähe von Carcasonne angesiedelt ist.

Ich hätte mir eine an die Zeit angepasste Sprache gewünscht.

Fabienne liebt es mit ihrer Mutter zu kochen und die Schiffer zu verköstigen. Doch bald schon steht sie allein am Herd und wird immer unglücklicher. Nicht wegen dem Kochen, nur wegen den Umständen. So wundert es auch nicht, dass sie sich bald auf und davon macht.

Bis dahin plätschert der Roman vor sich hin. Erst als ein zweiter Erzählstrang beginnt, der sich um eine "Flamencotänzerin" dreht und sich Fabienne mit ihr anfreundet, wird die Geschichte temporeicher. Ab da konnte ich dann den Roman auch kaum mehr aus der Hand legen.

Fabienne kommt ziemlich rum im Lande und gemeinsam mit ihr lernen wir die Geschichte der kochenden Frauen in Frankreich kennen. Das Land ist berühmt für ihre Champagner-Witwen, aber dass damals Frauen und Mütter, die "mères", für ihre Küche bzw. Restaurant bekannt waren und ausgezeichnet wurden, war mir nicht bekannt.

Alles rund ums Kochen fand ich sehr interessant, auch alles Historische rund um den Kanal. Andere Dinge konnten mich aber nicht überzeugen. Jemand, der bloss ein paar Wochen Flamencounterricht genommen hat, ist nicht in der Lage vor Publikum aufzutreten und regelmässig schon mal gar nicht. Da mag die Begabung noch so gross sein, das ist schlicht nicht möglich in so kurzer Zeit. Die Figur der "Tänzerin" ist eh schwierig. Anfangs mochte ich sie, doch dann ganz schnell nicht mehr. Ich bin gespannt, ob ihr ihre Art nicht bald im Wege steht und zum Verhängnis wird.

Zum Glück ist Fabienne um einiges sympathischer und auch viele ihrer Weggefährten sind interessante Figuren.

Trotz meiner Kritikpunkte habe ich Fabienne gerne auf ihren Fahrten auf dem Kanal, auf der Aude und auf sämtliche anderen Reisen begleitet und litt und fieberte an bestimmten Stellen mit ihr mit. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und ob ihre Träume und Wünsche eines Tages in Erfüllung gehen.

Fazit: Ereignisreicher Auftakt und unterhaltende Reise durch Frankreichs Küchen mit "Mademoiselle bon appétit".
4 Punkte.

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