Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Welcher Duft war es?
Mademoiselle Coco und der Duft des Mörders von Michelle Marly
Parfüm, und was ein Duft alles vermag, ist das Thema in diesem zweiten Band der "Mademoiselle Coco"-Reihe von Michelle Marly. Eigentlich ist Coco Chanel gerade daran, alles Geschäftliche rund um ihr erstes Parfüm Chanel No 5 auszulagern. Mit den Herren Wertheimer stehen Vertragsabschlüsse an.
Soll sie sich darüber noch mit ihren Anwälten austauschen oder einfach unterschreiben?
Sie hätte wohl besser Ersteres getan, aber sie ist mit den Gedanken ganz woanders: eine Kundin wird hysterisch, als sie glaubt, in einem Herrn, der das Modegeschäft gerade verlässt, den Verlobten ihrer Schwester zu erkennen. Oder eher zu erriechen, denn das Parfüm hätte er getragen. Am Tag der Hochzeit stand die Kundin alleine vor der Kirche. Ihre Schwester wird seither vermisst und auch der Verlobte ist verschwunden.
Coco, die ihre Nase nicht nur gerne zum Kreieren von Düften benutzt, sondern dieselbige auch gerne in andere Angelegenheiten steckt, versucht nun herauszufinden, wo das Paar, welches im Geschäft eine Bestellung tätigte, wohnt. Nur leider steht Kommissar Hollande auch schon in den Startlöchern. Trotzdem versucht Coco abseits von Hollandes Revier noch weiteren ungeklärten Vermissten- und Todesfällen von Frauen auf die Spur zu kommen. Begleitet wird sie dabei von Misia Sert, aufgefangen von Jean Cocteau. Denn die beiden Frauen lassen kaum ein Fettnäpfchen aus und begeben sich so manches Mal in Gefahr.
Es war wieder interessant mit Coco Chanel in Paris und und Umgebung unterwegs zu sein. Zwischendurch empfand die Geschichte aber ein wenig in die Länge gezogen, was wohl daran lag, dass ich mir - schneller als Coco - einiges zusammenreimen konnte. Band 1 fand ich zudem spannender. Dennoch habe ich die Geschichte gerne gelesen und freue mich auf Band 3, der bereits im Juni erscheint.
Fazit: Gemütlicher Cosy-Krimi - mit Coco Chanel einem Heiratsschwindler auf der Spur!
Knapp 4 Sterne.
Was Musik vermag, wenn Worte fehlen
Für Polina von Takis Würger
Die Mutter von Hannes ist seit der Geburt der Kinder mit der Mutter von Polina befreundet. Für Hannes ist Polina eine Vertraute seit jeher. Er spricht nicht viel und ist verschlossen, sie wiederum spricht viel und ist neugierig auf die Welt. Nur beim Klavier spielen kann Hannes seine Gefühle in Melodien verwandeln.
Sein Talent, Klavier zu spielen, bringt ihn an viele Orte, bringt ihm aber auch Ärger ein. Irgendwann trennen sich die Welten von Polina und Hannes, der mittlerweile in Polina verliebt ist, sie bleiben in Kontakt. Doch dann hört Hannes eines Tages auf Klavier zu spielen, und trägt sie stattdessen umher: er wird Klavierträger, lernt viele unterschiedliche Menschen kennen, kommt fast aus sich heraus, so wie nie zuvor jedenfalls. Doch von Polina hört er kaum mehr etwas, was ihm zu schaffen macht. Und deshalb fasst er einen Plan, wie er sie aufspüren will.
Hannes als Figur kann man begreifen, er kommt trotz Eigenheiten sympathisch rüber, Polina hingegen ist ein Luftibus. Nicht nur die gemeinsamen Jahre in ihrer Kindheit und auch nicht die Liebe zur Musik sind das Verbindende zwischen den beiden, sondern auch ein geschenkter Teppich. Dieses Element hat mir als Teppichhändlertochter besonders gut gefallen.
Dieser melancholische Roman besticht durch seine interessanten Charaktere, die einzigartige Verbindung der Figuren, immer geprägt von leiser Hoffnung. Und es ist auch eine Geschichte über das, was Musik vermag, wenn Worte fehlen.
Fazit: Eine berührende Geschichte über Freundschaften und die erste, nie vergessene Liebe.
5 Sterne.
Weihnachtliches Schottland
You Make Me Feel Like Christmas von Emma Bishop
Emma Bishop hat für ihren Weihnachtsroman erneut den Schauplatz Schottland gewählt. Diesmal keine kleine Insel wie in der "Isle of Mull"-Reihe, sondern eine kleine Ortschaft namens Fairlie - mit einer Bibliothek. Dort arbeiten unter anderem Annie und Sybil, die leider keinen Kontakt mehr mit ihrem Sohn hat.
Als sie ins Spital muss, sucht Annie Sybils Sohn Marc, der erfolgreich in London arbeitet und lebt. Er kommt daraufhin in sein Heimatdorf zurück, und möchte sich endlich mit seiner Mutter, die er quasi nicht kennt, aussprechen.
Nun ist die Leserschaft im Vorteil, denn sie kennen beide Sichten, die von Sybil und die von Marc. Annie blickt langsam auch durch, doch pocht sie darauf, dass Marc sich Sybils Schilderung selbst anhört. Doch Sybil muss sich erst noch schonen und so vergehen einige Wochen, die Marc vor Ort verbringt. Er übernimmt einige von Sybils Schichten in der Bibliothek, während die anderen Mitarbeiterinnen versuchen, Annie und Marc zu verkuppeln, was beim Lesen oft zum Schmunzeln führt. Als ob sie nicht von sich aus flirten könnten, aber beide sind nunmal gerne Singles und haben ihre jeweiligen Gründe dafür, trotzdem verbringen sie gerne Zeit zusammen.
Gemeinsam mit Annie und Marc erleben wir die Weihnachtszeit in Fairlie. Marc überlegt sich mit der Zeit tatsächlich, ob es hier nicht doch lebenswerter wäre als in London. Beim Lesen würde man sich jedenfalls sofort für Fairlie entscheiden, denn Emma Bishops Schreibstil beschreibt die Ortschaft, die weihnachtlichen Aktivitäten der Bewohner und deren Zusammenleben stimmungsvoll.
Der Buchtitel stammt von einem Lied, das im Roman eine Rolle spielen wird. Ich hab es mir gleich auf meine Christmas Songs Playlist gepackt und während dem Lesen öfters gehört.
Sehr schön fand ich die vor jedem Kapitel stehenden Zitate, die alle etwas mit Büchern oder Lesen zu tun haben. Das passt hervorragend zu der Geschichte, denn die Bibliothek und das Bücher schreiben nehmen viel Platz ein in diesem kurzweiligen Roman.
Fazit: Ein schöner weihnachtlicher Schmöker.
4 Sterne.
Grossartig erzählt
Lindt & Sprüngli (Lindt & Sprüngli Saga 1) von Lisa Graf
Lange hab ich die Lektüre des ersten Bandes der "Lindt & Sprüngli"-Trilogie heraus gezögert. Doch nach Beenden von "Zwei Familien, eine Leidenschaft" muss ich dafür nicht mehr auf den zweiten Band warten, sondern kann ihn gleich anhängen und weiterlesen. Das mach ich sehr gerne, denn dieser erste Band hat mir total gut gefallen.
Lisa Graf erzählt die Anfänge von "Lindt & Sprüngli", die Firma, die es so heute nicht mehr gibt, sondern (später auf die Söhne und) in zwei Firmen aufgeteilt: "Lindt & Sprüngli" und "Sprüngli". Die Lindt-Schoggi ist heutzutage weltweit bekannt. Sprüngli ebenso, und zudem - mittlerweile mit vielen Filialen - DIE Adresse in Zürich für höchsten Schoggi-Genuss.
Mit vielen schweizerdeutschen Wörtern versehen macht es enormen Spass die Geschichte von Rudolf Sprüngli zu lesen. Von klein auf hat Rudolf die fixe Idee, Schoggi herzustellen und gibt nicht locker, bis ihm dies gelingt. Dabei hat er einige Schwierigkeiten zu bewältigen. Die grösste aber ist wohl, seinem sturen und altmodischen Vater Paroli zu bieten und an seinen Ideen festzuhalten. Die Leserschaft ist dabei, wenn Rudolf Katharina kennenlernt und auch bei ihr nicht aufgibt, denn sie ist schon von Kindertagen her seine Auserwählte.
Höchst interessant fand ich auch die Szenen, in denen das alte Zürich beschrieben wird, das sich mit den Jahren unablässig veränderte. Erst konnte der Vater die einfache Bäckerei übernehmen, später lief Rudolf drei Stunden Fussmarsch an der Pfnüselküste entlang zu seiner ersten Schoggi-Fabrik nach Horgen. Es ist heute auch kaum vorstellbar, dass man sich damals über Hotelier Baur lustig machte, der an unbeliebter Stelle ein gehobenes Hotel eröffnete und das Eckhaus in der Nähe Rudolf - für seine Vergrösserung des Ladengeschäfts wie auch für das erste Sprüngli-Café - zum Mieten anbot. Heute ist die Lage piekfein, an der Bahnhofstrasse und direkt am Paradeplatz gelegen.
Betreffend den eingesetzten Dialekt-Wörter möchte ich noch erwähnen, dass ich noch keinen Roman gelesen habe, in der diese so gut gepasst haben und obwohl es deren viele sind, wirken sie nicht wie andernorts aufgesetzt, sondern äusserst passend. Da hat die Autorin nicht nur den Dialekt, sondern auch die historischen Begebenheiten sehr akkurat recherchiert.
Ich kann diesen Band uneingeschränkt empfehlen. Es ist ein unterhaltender Schmöker für alle Schoggi-, Zürich- und Historien-Fans.
Fazit: Grossartig erzählter erster Teil der Geschichte des traditionellen "Lindt & Sprüngli"-Unternehmen.
5 Sterne.
Wo kauf ich jetzt meinen Christbaum?
Lichterzauber in New York von Mary Kay Andrews
Die Adventszeit in New York kann man mit "Lichterzauber in New York" von Mary Kay Andrews ganz nahe miterleben. Ihre 34jährige Protagonistin Kerry soll aufgrund eines Spitalaufenthalts des Vaters ihren fünf Jahre älteren Bruder dabei unterstützen, Christbäume in New York zu verkaufen.
Schon als Kind war Kerry dabei, als die ganze Familie im kleinen Wohnwagen wohnte und auf "ihrem" Platz ihre Tannenbäume von der eigenen Farm in North Carolina verkaufte.
Schon ewig war Kerry nicht mehr dabei, auch "Spammy", dem kleinen Wohnwagen sieht man das Alter an. Doch in der New Yorker Nachbarschaft wartet man bereits auf die Familie, man kennt und hilft sich. Nur Murphy ist mies drauf, er beschwert sich immer wieder, dass der Verkauf der Bäume nicht so gut wie sonst läuft, aber goutiert die kreativen Bemühungen von Kerry, die zusätzlich Kränze gestaltet und weitere tolle Ideen umsetzt, gar nicht. Dabei kurbelt sie das Geschäft damit an. Dies sind nicht die einzig schlechten News, denn auch andere Baumverkäufer wollen an ihrem Platz verkaufen.
Zum Glück ist da der kleine Austin und der alte Heinz, mit denen Kerry zusammen zeichnet und Spass hat. Auch Patrick, der Vater von Austin, ist ein Highlight in dieser Zeit. Doch Kerry sollte an Weihnachten ja wieder zurück. Nur zurück wohin? Auch ein neuer Job wäre wichtig für sie.
Diese Geschichte über Freundschaft und sich-umeinander-sorgen ist sehr schön erzählt und hat genau die richtigen weihnachtlichen Vibes. Den eigenen Christbaum will man nach der Lektüre am liebsten bei Kerry und Murphy kaufen - was natürlich nicht möglich ist. Man hofft aber, den Baum bei Menschen wie Kerry kaufen zu können und nicht einen Stand wie den von den Brody-Brüdern erwischt.
Die Atmosphäre nimmt einen von Anfang an mit. Tolle Charaktere und der gewohnte mitreissende Schreibstil von Mary Kay Andrews inklusive dem kleinen Geheimnis um Heinz machen diesen Weihnachtsroman zu einer perfekten Lektüre in der Adventszeit.
Fazit: Weihnachtliche Stimmung und gemütliche Lesestunden sind mit dieser schönen Geschichte rund um den Christbaumverkauf garantiert.
5 Sterne.
"Alles war genau richtig."
Der Klang von Wind und Wellen von Anne Barns
Im zweiten "Amrum"-Band erzählt Anne Barns die Geschichte von Julia, die nach einer Trennung bei ihrem Grossvater wohnt. Obwohl sie weiss, dass es nicht immer so bleiben kann und sie sich eigentlich eine eigene Wohnung suchen sollte, geniesst sie ihre WG sehr. Doch nach dem Tod ihres Grossvaters soll das Haus auf Geheiss ihrer Tante so schnell wie möglich verkauft werden.
Nun ist wirklich Zeit vom Haus Abschied zu nehmen, doch noch kann sie sich nicht entscheiden, wohin sie will. Um Abstand zu nehmen und zur Ruhe zu kommen, gleichzeitig aber auch mehr über die Lebensgeschichte ihres Grossvaters zu erfahren, reist sie mit einem alten Foto nach Amrum.
Julia lernt man sehr gut kennen, sie wirkt sofort sympathisch. Für Leserinnen des ersten Bandes gibt es ein Wiedersehen mit Maren, vorher bereits mit Jella, der Mutter von Maren, und Mattes, den grossen blonden Friesen, in den Julia als Teenie verknallt war, der aber vergeben ist.
Auf Amrum war Julia schon oft als Kind, doch nicht mehr seit sie 15 Jahre alt war. Schnell lernt sie dort neue Menschen kennen, Sönne zum Beispiel oder ihre Herbergsmutter Frau Ingwersen. Jetzt im Spätherbst hat es eh fast keine Touristen mehr, und Julia geniesst das ruhige Leben auf der Insel. Man will ihr verschiedene Jobs andrehen, doch sie entscheidet sich im Naturschutzzentrum Wal-Führungen zu geben, die ihr viel Spass machen. Auch ihr Lieblingshobby Backen kommt nicht zu kurz. Dazwischen sinniert Julia über ihr Leben nach.
Es gibt auch hier wieder einen Vergangenheitsteil. Der spielt ab 1856 und erzählt die Geschichte von Ingeline, Thulke und ihren Töchtern Mina und Hille. Dabei erfährt man sehr viel Informatives über das Leben damals auf Amrum. Für mich hätte es die Vergangenheitsgeschichte nicht gebraucht, sie ist nett, müsste aber nicht unbedingt sein.
Ansonsten hat mir dieser zweite Band spätestens ab dem ersten Drittel schon viel besser gefallen als "Der Duft von Kuchen und Meer", da Julia einfach super sympathisch rüberkommt, nahbar ist und ihre Gedanken und Gespräche auch viel mehr in die Tiefe gehen. Sehr einfühlsam von Anne Barns beschrieben. Es ist eine ruhige, eher stille und sehr sanfte Geschichte, die ich sehr sehr gerne gelesen habe.
Fazit: Um es mit der Protagonistin Julia zu sagen: "Alles war genau richtig! (epub S.175/282)
5 Sterne.
Besuch in Berlin
Wenn ich eine Wolke wäre von Volker Weidermann
Volker Weidermann fasst in "Wenn ich eine Wolke wäre" Mascha Kalekos späte Jahre zusammen. Zuerst wird ganz kurz ihr Leben bis zur Ausreise nach Amerika im Jahre 1938 geschildert, auch die Jahre in Amerika.
Ausführlich erzählt der Autor dann aber über jene Zeit im Jahr 1956, in der Mascha nach Deutschland zurückkehrt, "ihre" Stadt Berlin und weitere deutsche Städte besucht und neu entdeckt.
Kurz reist sie nach Amerika zurück, bevor sie sich mit ihrem Mann Chemjo 1959 in Israel niederlässt. Sie besucht aber einmal im Jahr Europa, v.a. die Schweiz und Deutschland, um Verlegerkontakte zu pflegen.
In dieser Zeit erlebt sie so vieles: das geteilte Berlin, das Wiedersehen mit ihrer Schwester Lea, den Tod ihrer Eltern, ihres Sohnes, später auch den von Chemjo. Ebenso erfährt man vieles Interessantes über die Entwicklung der Buchverlage und der Kontakt mit den Verlegern in den Nachkriegsjahren und über die anderen Künstler, mit denen Mascha in Kontakt stand.
Es ist nicht nur Maschas Geschichte, sondern auch eine Art Dokumentation über das, was die geflüchteten Menschen bei einem Besuch oder ihrer Rückkehr in Deutschland erwartete. Die dortigen Erlebnisse lösen vielfältige und unterschiedliche Gefühle bei Mascha aus, die sie in ihren Briefen an Chemjo und in ihren Gedichten verarbeitet. Immer wieder werden an passender Stelle ihre Gedichte wiedergegeben, was das zuvor Gelesene sogleich vertiefen lässt.
Fazit: Feinfühlig erzählt Volker Weidermann Mascha Kalekos Geschichte, mit ihren Gedichten achtsam unterlegt. Leseempfehlung!
4 Sterne.
Herrlich schräg
Der Doktor und der liebe Mord von René Anour
Wenn man sich das Cover dieses Tierarzt-Krimis genau anschaut, erkennt man, dass es deutlich in Richtung Humor geht. Auch der Klappentext verrät selbiges. Doch dass es in Richtung schwarzer Humor geht, merkt man erst beim Lesen der ersten Kapitel. Mich erinnerte dieser Tierarzt-Krimi an die "Monsieur Comte"-Reihe von Pierre Martin.
Auch dort geht es um Auftragsmorde und der "Killer" will hier wie da eigentlich gar nicht morden. Doch von Anfang an:
Der scheue Tierarzt Severin Herr arbeitet in einer Praxis auf einem Gutshof, der altersschwache Tiere aufnimmt. Sein Chef, Professor Thalheim, ist arrogant, intrigant und ein Besserwisser. Das wird ihm - endlich! - zum Verhängnis, als er sich wieder einmal in eine Behandlung einmischt. Der Professor ist tot, glücklicherweise. Aber Severin denkt, er wäre schuld an Thalheims Tod. Damit dessen ungewöhnlicher Tod nicht auffällt, lässt sich Severin einiges einfallen.
Um den Hof zu halten, braucht Severin aber Geld, viel Geld. Wie er zu diesem kommen soll, für das hat eine Mitarbeiterin, Putzfrau Jedna, eine ihrer Meinung nach super Idee: er soll inoffiziell als Auftragskiller arbeiten, was ihm gar nicht gefällt. Der erste Auftrag lässt auch nicht lange auf sich warten. Doch Severin will erst die Unschuld dieser Person beweisen, bevor er sich auf den Deal einlässt. Derweil hat er dazu noch Kommissarin Helene Sommerfelt-Stur an der Backe, die skeptisch ist, was die Unschuld der Gutshof-Mitarbeitenden betrifft. Viel lieber hätte Severin mit dem umgänglichen Kommissar Albin zu tun, doch der kommt nur selten allein vorbei.
Es ist ein wirklich schräger Krimi mit vielen originellen Figuren. Severin Herr ist ein einfühlsamer Arzt, der sich um die Tiere und auch die Besitzer kümmert, das Herz hat er am rechten Fleck. Jedna ist undurchschaubar. Tierarzt-Gehilfe Tristan kommt daher wie ein hartherziger Rocker, ist aber äusserst sensibel und tierlieb. Von Tierpfleger Leopold hätte ich gerne ein bisschen mehr erfahren.
Der Schauplatz "Gnadenhof" ist gut gewählt, inhaltlich alles gewollt eine Spur zu überdreht. Der unterhaltende Krimi spielt in der kalten Jahreszeit, von daher wäre jetzt die perfekte Lesezeit für "Der Doktor und der liebe Mord". Und ihr habt keine Ahnung, wie oft ich mir den Titel falsch notierte: an den "lieben Mord" konnte ich mich einfach nicht gewöhnen, bei mir wurde immer "das liebe Vieh" daraus :-)
Fazit: Ideenreicher, schwarzhumoriger und unterhaltender Krimi. Wer in der Adventszeit eine nicht ganz so besinnliche, aber trotzdem zur Saison passende Lektüre lesen möchte, liegt hier goldrichtig.
4 Sterne.
Ein Blick genügt
Herzlauschen von Nicole Swidler; Uli T. Swidler
Als Sopranistin Tessa in Berlin auf der Bühne steht, geht es ihr nicht so gut. Sie versucht es zu überspielen, doch ein Zuschauer in der ersten Reihe scheint direkt in sie hinein zu sehen. Tessa findet seinen Blick und dass er immer wieder in sein Notizbuch zu zeichnen scheint, jedoch respektlos und äusserst verwirrend.
Trotzdem ist sie berührt und geht ihm später inkognito in eine Bar nach. Dort merkt sie, dass Paul gehörlos ist, aber beide schaffen es nicht, sich anzusprechen.
Dennoch werden sie sich wiedersehen, auch wenn Tessa tags darauf wieder nach New York fliegt, wo sie lebt. Ihr Manager Fabian, der seit 27 Jahren mit ihr arbeitet, hat Tessa einen straffen Auftrittsplan verschafft und wartet auf die Zusage auf ein grosses, neues Projekt. Sie fühlt sich davon bedrängt, möchte gerne mal eine Pause machen, doch Fabian scheint dies nicht zu verstehen.
Die Kapitel sind abwechselnd aus Sicht von Tessa und Paul erzählt. Während für Tessa Musik und Töne das ganze Leben sind, aus dem Paul ausgeschlossen ist, erkennt er dafür auf einen Blick die Charaktere der Menschen. Diese beiden gegensätzlichen Figuren sich gegenüberzustellen, ist ein toller Schachzug des Autorenpaares, Nicole und Uli Swidler.
Was für die eine Figur völlig normal ist, ist für die andere Figur eine riesige Herausforderung. Einige Szenen, die in New York spielen, zeigen dies deutlich. Wie sich die beiden dennoch annähern und welche Vergangenheit die beiden haben, erzählen die Swidlers sehr feinfühlig und respektvoll.
Es ist ein Roman, der noch lange nachhallt und die Leserinnen und Leser tief berührt. Mich erinnerte er stark an den Film, die Musik und das Buch "Jenseits der Stille", in dem es unter anderem auch um Gehörlosigkeit geht und noch jahrelang in Erinnerung bleibt. Sicherlich wird dies "Herzlauschen" auch gelingen, das hab ich so im Gefühl, denn am liebsten würde man allen von diesem Roman vorschwärmen, und dabei gleich den ganzen Inhalt schildern, denn da ist noch so viel mehr verarbeitet als bisher verraten.
Fazit: "Herzlauschen" überzeugt durch authentische Charaktere und einen gefühlvollen Schreibstil, der durch die interessante Geschichte trägt.
5 Sterne.
Gute und schlechte Dates
1000 letzte Dates von Anna Dushime
Bereits beim Vorwort musste ich bei diesem Satz laut lachen: "Das ist für mich der endgültige Beweis, dass man sich seine Sexualität wahrlich nicht aussuchen kann, denn sonst stünde ich ganz sicher nicht auf Männer". Rasant und schonungslos geht es weiter.
"Daten macht Spass, wenn man es nicht zu ernst nimmt".
Das ist das Fazit von Autorin Anna Dushime, die ihre gefühlt "1000 letzte Dates" Revue passieren lässt. Sie ist Mitte Dreissig, hat einen Sohn und lebt getrennt vom Vater des Kindes in Berlin.
Erst plaudert sie allgemein ein wenig über einige bemerkenswerte Dates, dann erstellt sie subjektive Toplisten. In welchen deutschen Städten datet es sich am besten? Welche Locations (wie Kneipen, Bars, etc.) eignen sich am besten für ein Date? Welches ist der beste Tag für ein Date? Die Autorin erzählt weiter von Singlebörsen wie Hochzeiten oder Arbeitsplätze, über Freundschaft plus, Dating Apps, wer ihrer Meinung nach Getränke und Essen beim Date bezahlen sollte, Schönheits-OPs und sehr vieles mehr.
Anna Dushime macht das auf eine äussert humorvolle, aber auch brutal ehrliche und persönliche Art und Weise. Langweilig wird es nie, denn das Buch ist äusserst witzig geschrieben.
Es hat meiner Meinung nach nur ein Manko, als Gen X-Vertretung bin ich wohl einfach zu alt dafür und hab leider oft nur Bahnhof verstanden bei den unendlich vielen englischen Wörtern aka "Berliner-Hypster-Speech". Wer diesen Slang versteht hat und/oder unter Vierzig ist, hat wahrscheinlich keine Mühe damit.
Fazit: Gute und schlechte Dates - an diesen und ihrer Erkenntnis daraus, lässt die Autorin die Leser:innen in "1000 letzte Dates" humorvoll teilhaben.
3.5 Sterne.











