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Rezensionen von Ele95:

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England 1066


Die Kinder des Earls, historischer Roman von Felicitas Dietrich, 568 Seiten, epubli-Verlag
Auf dem Cover sind einzelne Bilder des berühmten Wandteppichs von Bayeux zu sehen, die auf dem Teppich dargestellten geschichtlichen Ereignisse sind in diesem Buch festgehalten.
Godwin, der Earl von Wessex, ist sehr ehrgeizig, aber auch um den König und das Reich bemüht.

So versucht er für sich und seine Söhne, im Kronrat für die Familie und das Reich, hilfreiche Entscheidungen zu treffen. Dafür macht er sich zahlreiche Feinde. Während die Kinder Godwins zu Mördern Verrätern und gekrönten Häuptern werden, intrigiert Godwin gegen die normannischen Denkweisen. Dreizehn Jahre später ist sein Sohn Harold König in England. Doch William der normannische Herzog macht dieser Ära ein Ende.
Das Buch teilt sich in einzelne Kapitel die mit Jahreszahlen überschrieben sind, dadurch ist ein zeitlicher Überblick zu jeder Zeit gewährleistet. Auf der ersten Seite eine Karte aus der Zeit der Handlung, anschließend eine ganz besonders interessante Seite über die Aufstellung, der Heere bei der Schlacht von Hastings. Eine weitere Seite stellt die verwandtschaftlichen Verbindungen der Figuren, durch einen Stammbaum dar. Diese Darstellungen fand ich sehr hilfreich und wurden immer wieder gerne von mir zu Rate gezogen. Da im Roman sehr viele verschiedene Charaktere agieren, hat mir auch das Personenregister am Buchanfang, etliche Male geholfen. Besonders gefreut habe ich mich über den Abspann am Ende des Buches, dort erfährt der Leser, wie es nach der Schlacht 1066 mit den Figuren weiter geht und sich die Geschichte weiterentwickelt.
Dieses Buch hat mich sehr lange und gründlich beschäftigt. Immer wieder habe ich parallel die wahren historischen Geschehnisse nachgelesen und verglichen, auch eine Darstellung des Teppichs, der Szenen zeigt, die im Buch beschrieben sind, habe ich immer wieder begutachtet. Ich bin überrascht wie genau sich die Autorin immer wieder an die tatsächlichen Ereignisse hält, genau so könnte es gewesen sein. Ein tolles Buch, ich habe die Lektüre sehr genossen.
Auch die Beschreibung der Figuren hat mich komplett überzeugt. Meine Lieblingsfigur Harold, besonders die Szenen mit Edith seiner Gemahlin und mit seinem besten Freund Richard/Ulf, hat mir gefallen, er wird gerecht, liebevoll, mutig und treu beschrieben. Sicher wäre er als ein guter König in die Geschichte eingegangen. Eduard der Bekenner und seine langjährige Regentschaft sind sehr ansprechend geschrieben, ich habe wirklich sehr viel über diese geschichtsträchtige Zeit auf eine angenehme und unterhaltsame Art erfahren.
Obwohl man den Ausgang der Geschichte kennt, habe ich immer wieder mit den Angelsachsen gehofft, die letzten hundert Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Besonders diese letzte und bekannte Schlacht ist hervorragend geschildert, die Aufstellung der Heere, die Rüstungen und die Waffen, ständig hatte ich das Gefühl auf dem Schlachtfeld anwesend zu sein. Die Autorin hat mir mit ihrem Roman ein Stück lebendig gewordene Geschichte beschert. Jeder kennt Wilhelm den Eroberer und die Schlacht von Hastings, doch wie es dazu kam und nähere Details sind in diesem Buch sehr anschaulich aufgezeichnet. Die Lektüre kann ich den Lesern, die diese Ära interessiert nur empfehlen. Von mir 5 Sterne.

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Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte

Durch das große Feuer von Alice Winn

Durch das große Feuer, historischer Roman von Alice Winn, Ebook, im Eisele Verlag
„Im Krieg sieht man junge Männer sterben und hört alte Männer reden“
Christian Regelien
England 1914 im Eliteinternat, die beiden Schüler Henry Gaunt und Sidney Ellwood fühlen sich zueinander hingezogen, eine schwierige Zeit um gleichgeschlechtliche Liebe zu leben.

Trotz dieser Gefühle die Beide zueinander empfinden können sie sich die gegenseitige Zuneigung nicht eingestehen. Viel mehr beschäftigt die Internatsschüler die Nachrichten aus der ganzen Welt, ein Krieg beginnt und in ihrer Schülerzeitung werden die gefallenen und verwundeten Mitschüler wie Helden gefeiert. Auch von den Lehrern werden der Krieg und der Einsatz fürs Vaterland verherrlicht, kurz nacheinander melden sich beide bei der britischen Armee, dort kreuzen sich ihre Wege immer wieder. Sie finden in ihrer Beziehung eine gewisse Art von Trost.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert, welche sich in 46 Kapitel aufteilen. Manche Kapitel sind mit Datum und Ort gekennzeichnet um die zeitliche und örtliche Übersicht zu gewährleisten. Die Geschichte wird in mehreren Zeitebenen (Rückblicke) und aus verschiedenen Handlungssträngen aus der Sicht von Ellwood bzw. Gaunt erzählt. Es war zu keiner Zeit schwierig die Übersicht über das gesamte Geschehen zu behalten. Immer wieder sind englische Phrasen oder auch Sätze in griechischer Sprache oder französisch eingefügt die kursiv gekennzeichnet sind. Dazwischen immer wieder Auszüge und Artikel aus der Schülerzeitung „The Preshutian“ und anderer Tageszeitungen.
Erst vor kurzem habe ich den oscargekrönten Film „Im Westen nichts Neues gesehen“, dieses Buch steht diesem Film in nichts nach. Viele Fakten waren ähnlich, die grausamen Kämpfe auf den Schlachtfeldern sind hier im Buch so echt beschrieben, dass es mich direkt mit an die Front genommen hat, unglaublich gut hat es die Autorin geschafft, Kopfkino entstehen zu lassen, eine gute Recherchearbeit kann ich nur bestätigen. Die einfühlsamen Liebesszenarien sind mit äußerst viel Fingerspitzengefühl geschildert, nichts zum Fremdschämen, keine Peinlichkeiten vorhanden. Obwohl diese jungen Männer voller Vorfreude und Vaterlandsliebe in den Krieg gezogen sind, und aus ihren hehren Träumen sehr bald gerissen wurden, hatte ich niemals das Gefühl, dass hier Krieg verherrlicht werden soll. Ein Antikriegsbuch unbedingt. Hier die Partei für eine der kriegsführenden Parteien zu ergreifen ist nicht nötig, so empathisch hat es Alice Winn geschafft zu schreiben, das hat mich restlos begeistert. Doch bei den ergreifenden entsetzlichen Front- und Schützengräben-Darstellungen, ist mir immer wieder die Sinnlosigkeit und Grausamkeit eines Krieges bewusst geworden. Ich habe viel über den ersten großen Krieg gelernt, habe mich auch zusätzlich über das Kriegsgeschehen informiert. Ich fühlte mich bestens unterhalten.
Die Liebesgeschichte die hier der Leser dazubekommt, könnte schöner nicht sein, auch das hat mich tief berührt. Alle Figuren sind hervorragend geschildert, eine enorme Weiterentwicklung der beiden Protagonisten ist deutlich erkennbar. Der Leser ist dabei, wie aus Jugendlichen, Männer werden. Eine absolute Stärke des Buches. Mir hat „Durch das große Feuer“ sehr gut gefallen. Der Autorin ist ein starkes Debüt gelungen.
Ein gewisses Maß an Abgebrühtheit sollte der Leser mitbringen, die Grauen des Krieges und die Beschreibungen der Verletzungen sind sehr deutlich. Trotzdem eine absolute Leseempfehlung. Von mir 5 Sterne.

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Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte
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Alto Adige

Das Land, von dem wir träumen von Anna Thaler

Das Land von dem wir träumen, Historischer Roman von Anna Thaler, EBook, Knaur-Verlag
Auftaktband zur Südtirol-Saga
Zwei der Bruggmoser-Söhne sind im 1. Weltkrieg gefallen, die Italienisierung von Südtirol schreitet voran, Ludwig der Bruggmoser- Bauer passt sich der neuen Regierung an, er ändert seinen Namen in Ponte, das ärgert nicht nur seine Tochter Franziska, sondern auch seine Nachbarn und das ganze Dorf.

Leopold der Hoferbe wird seine Eindrücke aus dem Krieg auch nicht mehr los und versucht mit Alkohol dagegen anzukämpfen, die Mutter wird mit dem Verlust ihrer Söhne nicht fertig und fällt in eine tiefe Depression. So hängt es an Franziska, der einzigen Tochter, den beiden Zwillingen Josepha und Johanna, entfernte Verwandte, und dem Knecht Wilhelm, den Hof zu halten.
Franziska hat Lehramt studiert, darf aber ihren Beruf nur in italienischer Sprache ausüben, Unterricht in deutscher Sprache und alles Deutsche ist verboten. Doch Franziska rebelliert gegen die Faschisten, in einem verlassenen Turm gründet sie eine illegale Katakombenschule.
Das Buch besteht aus 20 Kapiteln, passend zum Inhalt betitelt. Die Jahreszeiten mit Jahreszahlen teilen das Buch in diverse Teile von Frühjahr 1925 bis Februar 1928. Zu Beginn des Buches befindet sich ein hilfreiches Personenregister, auf welches ich am Anfang, öfters zurückgegriffen habe. Kursive dargestellt sind Gedanken und italienische Phrasen.
Ich habe mit schon eingehend mit der Geschichte Südtirols und auch den geheimen Deutschschulen beschäftigt, leider habe ich hier zu viel erwartet.
Franziska und ihre jüdische Freundin Leah, die Tochter eines jüdischen Goldschmiedes aus Meran, sind gut charakterisiert, bei ihnen war eine gute Weiterentwicklung erkennbar. Andere Figuren blieben leider im Dunkeln, besonders Wilhelm, der Knecht, der im angeblich im Bayrischen vor dem Krieg einen Bauernhof besaß, Leopold der Bruder und der Grund für seinen Alkoholmissbrauch, die Gründe ihres Vaters für die Bereitschaft sich ohne Bedenken italienisieren zu lassen, das hat mir gefehlt. Auch die Zwillinge Johanna und Josepha sind mir fremd geblieben. Da hätte ich mir mehr Informationen gewünscht, so dümpelt das Buch zu zwei Dritteln dahin, um im letzten Drittel endlich spannend zu werden. Als die Mutter am Ende für eine überraschende Wendung sorgt, hat das Buch enorm an Tempo zugenommen. Die Ereignisse haben sich geradezu überschlagen. Auch der geheime Unterricht konnte für mich keine Spannung erzeugen. Jederzeit war es aber möglich, dem Plot zu folgen. Dieser erste Teil ist mir insgesamt wie ein endloses Vorwort zur gesamten Trilogie vorgekommen, trotzdem sind die Personen nicht genügend charakterisiert worden. Ich hoffe jedoch, dass es in den anschließenden Bänden so rasant weitergeht, wie Band eins geendet hat. Viele Geschehnisse ( z.B. Flugblätter ) sind ohne weitere Verwicklungen im Sande verlaufen.
Gefehlt hat mir auch die bildmalerische Beschreibung des Settings, da ich das Passeier- und das Etsch-Tal als eine der schönsten Flecken auf Erden schätze, wobei das Buch mit den Worten angepriesen wird, dass die Autorin selbst ihr Herz an die wunderschöne Natur Südtirols verloren hat. Davon habe ich nicht viel bemerkt.
Dadurch, dass das Buch so vielversprechend endet, werden ich auch den nächsten Teil der Südtirol-Saga lesen, interessante Verwicklungen sind auf alle Fälle vorprogrammiert. Da ist noch Luft nach oben. Von mir 3 Sterne.

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Alto Adige
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In Almuts Küche

Am liebsten sitzen alle in der Küche von Julia Karnick

Am liebsten sitzen alle in der Küche, Roman von Julia Karnick, 352 Seiten erschienen bei dtv.
Eine humorvolle Erzählung über drei ungleiche Freundinnen. Über die Kostbarkeit von Freundschaft, und dass es mit Anfang 50 noch nicht zu spät ist, um Spaß zu haben.
Almut trennt sich von ihrem Mann, der sich eine jüngere Geliebte zugelegt hat.

Die Kinder bis auf die jüngste Tochter, denen sie ihre gesamte Jugend geopfert hat sind längst aus dem Haus. Überflüssig und alleine weiß sie nichts Rechtes mit sich anzufangen. Da lernt sie Tille kennen, alleinerziehend, Urologin mit einem pubertierenden Sohn, die nebenan wohnt. Die dritte in der Runde Yeliz, eine kinderlose Werbefachfreu, die mit einem dänischen Tischler verheiratet ist. Die drei werden Freundinnen und treffen sich regelmäßig, Donnerstagabend bei Almut, zum gemeinsamen Essen und um ihre Probleme zu besprechen, dabei finden die drei, auf den ersten Blick so verschiedenen Frauen heraus, dass es einen Mann gibt, der allen dreien das Leben schwer macht.
Das Buch besteht aus einzelnen m Kapiteln, die in idealer Leselänge geschrieben sind, die Titel der Kapitel sind dem jeweiligen Inhalt angepasst. Als Erzählstil hat die Autorin die auktoriale Form gewählt, die Leser sind somit in der Lage, jederzeit den Überblick über das gesamte Geschehen zu erhalten. Die einzelnen Kapitel sind größtenteils aus der Sicht einer einzelnen Freundin geschrieben. Lustige und lebhafte Dialoge, beleben das Buch enorm, Türkische und dänische Phrasen hätte ich mir durchgehend übersetzt gewünscht. Situationskomik ohne platt zu wirken, Spannung ganz besonders zum Ende und die teils freche, moderne Sprache, haben mich fasziniert, haben mich bestens unterhalten und mich nur so durchs Buch fliegen lassen. Des Öfteren musste ich über besonders lustige Szenen lachen. Die ganze Geschichte wirkt wie aus dem prallen Leben gegriffen.
Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt. Heiter und humorvoll wird das Leben der drei Frauen geschildert, die Damen handeln authentisch und nachvollziehbar, der Plot ergab Sinn, war gut aufgebaut und das Ende fand ich genial. Das Buch ist der Beweis, dass Frauen in diesem Alter auch so richtig Spaß haben können. Meine Lieblingsfigur war Tille, die Urologin, die Kapitel die ihr gewidmet waren, fand ich am unterhaltsamsten, besonders die Szenen aus ihrer Praxis. Sie ist frech, steht im Leben, nur im Umgang mit ihrem Sohn hat sie Probleme, doch auch sie entwickelt sich im Lauf der Geschichte, die größte Veränderung hat jedoch Almut geschafft, mit ihr konnte ich mich hervorragend identifizieren. Auch Yeliz hatte an Unterhaltung einiges zu bieten, die Grätsche zwischen der erfolgreichen Karrierefrau, Ehefrau und Frau mit türkischen Wurzeln schafft sie meist ganz geschickt.
Gerne wäre ich an den Donnerstagabenden in der Runde um Almuts Küchentisch dabei gewesen. Das Buch hat mir Freude gemacht und mich gut unterhalten. Ein absolutes Frauenbuch, nicht nur für die Generation 50+. Eine Leseempfehlung und 4 Sterne.

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In Almuts Küche
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Pygmalion-Mythos

Galatea von Madeline Miller


Galatea, Ebook von Madeline Miller by Eisele eBooks
Göttlich antiker Feminismus.
Hoch auf einer Klippe auf Zypern, eine Frau eingesperrt und bewacht von Schwestern und Ärzten. Ein Mann der sie täglich besucht. Sie erstarrt zu Stein und wird unter seinen Händen wieder lebendig. Der Bildhauer Pygmalion hat eine Statue geschaffen, so makellos, dass er sich in sie verliebt.

Die anderen Frauen der Insel sind ihm zu verdorben, er sucht das Reine das Unschuldige. Die Göttin Venus erhört seine verzweifelten Gebete und erweckt sie zum Leben.
Ich habe „Circe“ und das „Lied des Achill“ der Autorin der Autorin schon lange auf meinem Wunschliste, auch die ausgezeichneten Rezension haben mich neugierig gemacht, da vorliegendes Buch weniger umfangreich ist, habe ich hiermit begonnen.
Zuerst einmal fand ich die eigentliche Erzählung sehr kurz, das Vorwort der Autorin, die Übersetzung der Ovid-Geschichte und das Nachwort des Philologen machen insgesamt mehr Text aus. Mir haben die Vor-und Nachworte gut gefallen und mich bestens informiert und zum Nachdenken angeregt, aber m.M. nach wäre es so umfangreich nicht nötig gewesen. Es gibt zu viele Wiederholungen des Geschehens. Was mich dagegen sehr begeistert hat, sind die Illustrationen von Thomke Meyer.
Anders als in der bekannten Ovid-Ausführung bekommt hier die belebte Elfenbeinstatue einen Namen – Galatea, dafür wird ihr Schöpfer nur „Der Gatte“ genannt. Nicht alles wird hier erzählt es bleibt für die Leser Raum zur eigenen Interpretation, vor allem weil die Geschichte aus der Sicht von Galatea geschildert wird. Das Rollenspiel das „er“ bei seinen Besuchen vollzieht finde ich schon pervers. Galateas Wünsche und Sehnsüchte werden ignoriert. Die Gefühle Galateas fand ich nachvollziehbar geschildert. Miller hat damit einem Klassiker einen feministischen Touch gegeben.
Eine neue Interpretation der mythischen Überlieferung, interessant. In guten Worten geschildert, für mich hätte es ein wenig mehr sein dürfen, der Preis dafür komplett überzogen.
Dafür 3 Sterne und eine Lese-Empfehlung

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Pygmalion-Mythos
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Ein sehr seichter Familienroman

Sommerschwestern von Monika Peetz

Die Sommerschwestern, Roman von Monika Peetz, 295 Seiten, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.
Noch einmal treffen sich die vier Thalberg-Schwester auf den Wunsch ihrer Mutter in Bergen, dem Ort in Holland an dem sie in ihrer Kindheit regelmäßig die Familienferien verbracht haben.
Auf Bestreben Henriettes treffen die vier „Sommerschwestern“ in Bergen, einem Ort in Holland, in dem die Familie früher regelmäßig Urlaub gemacht hat, zusammen.

Zwanzig Jahre sind vergangen seit dem letzten Urlaub bei dem der Familienvater tödlich verunglückte, die vier Schwestern haben sich vollkommen auseinandergelebt. Jede hat ihre eigenen Geheimnisse und Sorgen und die Mutter überrascht sie auch noch mit einer großen Überraschung.
Das Buch besteht aus 33 Kapiteln, jedes mit einer Überschrift die den Inhalt beschreibt. Die Autorin hat als Stilmittel die auktoriale Erzählweise gewählt, und somit gewährleistet, dass der Leser den Überblick behält. Jedoch wird in der Hauptsache aus der Sicht von Yella berichtet, diese Schwester kann man deshalb auch am besten kennenlernen. Der Roman wird durch holländische Phrasen und Gerichte belebt, die in kursiver Schrift erscheinen und ein wenig Hollandfeeling aufkommen lassen. Der Erzählstil ist bildhaft und flüssig, doch hätte ich mir manchmal eine etwas genauere Beschreibung des Geschehens gewünscht.
Sofort habe ich ins Buch gefunden und Lesefluss hat sich auch unmittelbar eingestellt. Dennoch sind mir alle Schwestern fremd geblieben. Yella die mittlere der Schwestern lernt man dabei etwas näher kennen. Die jüngsten der Familie die Zwillinge Amelie und Helen, sind so unterschiedlich wie es Schwestern und gerade Zwillinge nur sein können, eine tiefere Charakterisierung hätte ich mir gewünscht. Nicht immer handeln die Figuren nachvollziehbar, das Gefüge und das Verhältnis der Schwestern zueinander zu vertiefen hätte dem Roman gutgetan. Auch die Mutter ist mir in der Geschichte fremd geblieben. Ganz schlimm und unsympathisch fand ich Doro die Älteste der Geschwister, eine ganz fiese und gemeine Person. Spielt die Familie gegeneinander aus, haut ihre eigene Schwester Yella in die Pfanne, bleibt der jüngsten Amelie Geld schuldig, obwohl die sowieso immer knapp bei Kasse ist. Erst ca. 100 Seiten vor dem Ende kommt noch etwas Spannung auf. Ein gemütliches Urlaubsfeeling kam bei mir jedoch nicht auf, das Gezänk der Schwestern hat mich genervt, so richtig nett gehen sie nicht miteinander um, m.M. nach ist das vor allem Doro und Henriette, der Mutter vorzuwerfen, die egozentrisch und schwierig ist.
Auch wenn es zum Schluss noch einmal emotional wird, bleibt ein Gefühl, dass einfach viel mehr in der Geschichte drin gewesen wäre. Die Spannung kam leider auch zu spät. Zuerst dümpelt die Story gemächlich vor sich hin und am Ende überschlagen sich die Ereignisse. Der Roman kommt mir absolut unrealistisch vor. Von mir deshalb 2,5 bzw. 3 Sterne.

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Ein sehr seichter Familienroman
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Von der Muse geküsast

Gala und Dalí - Die Unzertrennlichen von Sylvia Frank

Gala und Dali, Roman von Sylvia Frank, 445 Seiten, erschienen im Aufbau Taschenbuch Verlag.
Ein bewegender Roman über ein ungleiches Paar.
Gala Éluard begleitet ihren Ehemann Paul nach Spanien. Dort will er einen jungen vielversprechenden Künstler treffen, Salvador Dali. Für Dali ist es Liebe auf den ersten Blick, doch auch Gala fühlt sich immer mehr zu dem unbeholfenen, schüchternen Mann hingezogen.

Dennoch folgt Gala Paul wieder zurück nach Frankreich. Als Dali eines Tages, in Paris wieder auf Gala trifft, kommen die beiden zusammen und werden unzertrennlich. Sie ist seine Muse und Gala will, dass Dalis Kunst aller Welt offenbar wird.
Ein Roman der viel mehr ist als ein Liebesroman, ist dem Autorenduo Sylvia Frank hier gelungen. Der Roman teilt sich in drei Teile, die in 38 Kapitel gegliedert sind. Da einige Kapitel mit Ort und Jahreszahl untertitelt sind, ist es leicht sich in den Zeitabläufen zurechtzufinden. Kurze und flüssige Kapitel lassen den Leser nur so durchs Buch gleiten. Die herrlichen bildhaften Landschaftsbeschreibungen, die guten Schilderungen der Personen und der flüssige Erzählstil machen das Lesen zum Vergnügen. Immer wieder war ich überrascht wie viele Seiten ich in kurzer Zeit schon wieder verschlungen habe. Das Autorenduo hat die Multiperspektive als Erzählform gewählt, abwechselnd kann man lesen, was im Kopf von Gala, bei Dali und auch bei anderen Charakteren vorgeht, zu jeder Zeit ist somit auch der Gesamtüberblick über das Geschehen gewährleistet. Gedanken, französische und spanische bzw. katalanische Phrasen, sowie Briefe sind in kursiver Schrift gedruckt und auf diese Weise deutlich gemacht.
Die Figuren, auch die Nebenfiguren sind tiefgründig charakterisiert, die beiden Protagonisten sowieso, Galas Beweggründe und Überlegungen, Dali zu fördern und ganz groß rauszubringen waren somit gut nachvollziehbar. Besonders faszinierend fand ich die Gefühle und Gedanken die sich der Künstler beim Schaffen seiner Werke gemacht hat. Das war für mich ein Highlight im Buch. Obwohl sich die Reihe „Berühmte Paare und große Geschichten“ nennt, war die Liebesbeziehung der beiden im Buch eigentlich nicht im Vordergrund. Das Buch beschreibt den Zeitraum von 1929 – 1931. Was die beiden einander waren und wie dringend sie sich brauchten, kommt hervorragend nachvollziehbar an die Oberfläche. Gala hat mit Dali vermutlich das getan, was man „ganz groß herausgebracht“ nennt. Auch hat sie ihn oft genug zu seinen Werken inspiriert. Dass dies aus Liebe und nicht aus monetären Gründen geschah, steht fest, denn dafür, hat sie ihr Luxusleben, ihren Wohlstand und gesellschaftliches Ansehen an der Seite von Éluard aufgegeben. Die Schaffensphase der Kunstwerke habe ich gerne verfolgt und auch mit Recherchen im Internet begleitet. Die Leichtigkeit, Exzentrik und Verrücktheit Dalis hat mich fasziniert. Ich habe viel über den Künstler gelernt. Dali war, wie so manch anderer bildender Künstler, exzentrisch. Gala hat ihn geerdet und sein ganzes Leben lang inspiriert, sie ist im Buch meine Lieblingsperson.
Ich habe dieses einfühlsame und emotionale Buch sehr genossen. Habe auch viel über den Surrealisten Dali und seine Werke gelernt und mich weiter informiert. Ein ganz großes Lob dem Autorenehepaar für die, nach eigenen Angaben, oft schwierigen Recherchen, eine Leseempfehlung und fünf Sterne.

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Brillantes Abschlussfeuerwerk

Die Seele des Bösen – Todesliebe von Dania Dicken


Die Seele des Bösen – Todesliebe, Profiler-Thriller von Dania Dicken, Ebook Hrsg. ‎ Independently published.
Der Abschlussband, Teil 20, der spannenden Sadie Scott Reihe.
Matt hat es geschafft, verschiedene Preise und eine Ausstellung seiner Fotografien in einer renommierten Galerie. Sadie ist mit Recht stolz auf ihn.

Dort trifft sie auf ihren früheren Kollegen Nick Dormer, der mit den Agenten vom hiesigen FBI versucht, einen kannibalistischen Serienmörder zu finden. Gerne lässt sich Sadie dazu überreden beratend bei der Profil-Erstellung mitzuwirken. Sehr schnell ist sie dadurch zusammen mit LAPD- Detective Nathan Morris, tiefer in den Fall verwickelt als ihr lieb ist.
Dieser Abschlussband hat es in sich. Diese unerträgliche Spannung, die sich schnell aufbaute, war wirklich nicht mehr zu übertreffen. Auch der Einstieg war einfach und genial gemacht, die meisten liebgewonnenen Weggefährten von Matt und Sadie waren dabei, sofort hat sich Lesefluss eingestellt. Wieder war ich von der Schreibweise der Autorin begeistert. Der flüssige und vor allem bildhafte Erzählstil, hat mich komplett überzeugt. Es war so spannend, dass ich das Lesegerät nicht mehr aus der Hand legen konnte. Mehr als einmal bin ich als hartgesottene Leserin, an meine Grenzen gekommen, definitiv ist Band 20 der Sadie Scott Reihe, nichts für zartbesaitete Gemüter.
Besonders gefallen haben mir die Verhandlungsszenen von Sadie und auch ihrer Tochter Libby mit dem Täter, die Autorin weiß, worüber sie schreibt, dies ist ihrer psychologischen Ausbildung zuzuschreiben. Der Übergang zu den Libby-Thrillern der Autorin ist dadurch meisterhaft gelungen. Libby ist schon seit ein paar Bänden der Serie, meine Lieblingsfigur, da ihr im Verlauf der Reihe eine gewaltige Entwicklung zuzuschreiben ist. Dania Dicken hat in ihren Büchern nur tief charakterisierte Figuren. Und sind sie nicht sympathisch, dann sind sie hochinteressant, gefährlich oder wahre Scheusale.
Den Fans der Reihe möchte ich diesen Abschlussband mit Paukenschlag ganz eindringlich ans Herz legen, die ganze Reihe ist es wert gelesen zu werden und dieser Teil ist der krönende Abschluss. Auch die angeführten realen Fallbeispiele sind die Highlights in D. Dickens Büchern. Immer wieder haben sie mich zu weiterführenden Recherchen animiert. Die Kapitel aus Tätersicht haben mir Gänsehaut verursacht, so real beschrieben, dass es wie ein Film vor meinen Augen ablief.
Eigentlich hätte ich den letzten Band noch langsam und genussvoll schmökern mögen, es war unmöglich. Von mir 5 verdiente Sterne.

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Vom Handwerk zur Fabrik

Die Seifenmanufaktur – Der Duft des Neubeginns von Farina Eden

Die Rezeptur der Träume, 2. Teil der Seifenmanufaktur von Farina Eden, E book, erschienen bei Piper ebooks.
Duftende Seifen und das Schicksal einer Familie, die Seifenproduktion geht in ein neues Jahrhundert.
Hanna, die Gründerin der Seifenmanufaktur Schmieger übergibt die Manufaktur und die Seifenproduktion in die Hände ihres Sohnes Anton.

Nachdem die Manufaktur bis auf die Grundmauern abbrennt, scheint das Ende des Familienunternehmens gekommen. Antons Verlobte Helen lässt sich jedoch nicht entmutigen, durch das Geld ihrer Eltern kann eine neue große Fabrik zur Seifenherstellung entstehen. Kann die Ehekrise zwischen Anton und Helen oder womöglich der 1. Weltkrieg alles zerstören?
In kürzester Zeit habe ich den 2. Teil der Seifensieder-Saga gelesen. Schon mit der im Prolog geschilderten Läuterung von Henriette, schließt vorliegende Geschichte an den Vorgängerband an, Lesefluss hat sich sofort eingestellt. Die Autorin schreibt flüssig und im auktorialen Stil, zwei Zeitebenen ermöglichen es dem Leser die nächste Seifenherstellergeneration zu beobachten, durch den Henriette-Strang der ca. 30 Jahre früher spielt ist die Verbindung und somit der Zeitsprung genial hergestellt. 39 Kapitel umfasst die Geschichte, der Überblick ist durch die überschriebenen Namen und ebenfalls das genaue Datum gewährleistet.
Die Autorin ist auch in diesem Teil wieder sehr nah dran an ihren Figuren, die authentisch handeln, es ist dem Leser gut möglich sich mit ihnen zu identifizieren. Es war erneut fesselnd, Lissi, Helen und die anderen Figuren durch Rothenburg o. d. Tauber zu begleiten, da ich mich dort sehr gut auskenne, eine bildhafte Schilderung kann ich feststellen. Eine hervorragende Recherchearbeit kann ich der Autorin nur bestätigen, Fakten über Rothenburg sind im Anhang angefügt. Die Seifenfabrik, die ihrem Roman als Vorlage diente, war die Aula Seifenfabrik in Rothenburg 1840 als kleine Siederei gegründet, vollzog der Handwerksbetrieb in der Georgengasse Nr. 5 Ende des 19. Jahrhunderts die Entwicklung hin zu einer Fabrik, die noch bis in die 1970er-Jahre existierte. Die im Buch geschilderte Künstlerin, hat ein reales Vorbild, auch dies ist im Anhang beschrieben.
Lesefluss hat sich bei mir auf den ersten Seiten eingestellt und ich konnte das Buch erst aus der Hand legen, als die letzte Seite erreicht war. Und doch hat mir der erste Band etwas besser gefallen, Spannung und Dramatik waren dort etwas mehr enthalten, trotzdem freue ich mich nun schon auf den abschließenden 3. Band der Serie.
Wer gerne Generationsromane mit realem Hintergrund liest, ist hier bestens aufgehoben. Von mir 4 Sterne.

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Ich sag Sie das, wie es ist

Wo kommen wir denn da hin von Günter Habicht

Wo kommen wir denn da hin, von Günter Habicht alias Torsten Rhode, 240 Seiten erschienen im Ullstein Verlag.
Der Habicht hat ein Buch geschrieben. Na da werden sie was zu lachen haben meint auch Renate Bergmann.
Günter Habicht ist Busfahrer und wird von seiner Firma mit 63 in Rente geschickt, auch seine Brigitte ist nun zuhause und ist mehr als genervt von ihrem Mann.

Dabei meint er es ja nur gut und will helfen, wo immer er nur kann. Er hat zu allem eine Meinung und die tut er auch kund. Das kommt nicht unbedingt bei allen gut an. Die Nachbarschaft und auch seine Gattin sind genervt von seinen Aktionen, seine Devise: „ Ein guter Mensch gibt gerne Acht, ob nicht ein andrer was Böses macht.
Der Autor hat in seinem Buch, den personalen Erzählstil aus Sicht Günter Habichts gewählt, der Leser ist somit direkt bei seinen Erlebnissen dabei. Die Leseabschnitte sind in angenehmer Länge und beginnen in kursiver Schrift. Humorvolle Dialoge, zum Teil im Berliner Dialekt, beleben die Geschichte.
Ich habe schon einige Bücher des Autors gelesen, die Renate Bergmann-Bücher finde ich sehr vergnüglich und spaßig. Leider fand ich Günters Erlebnisse und Aktionen nicht so unterhaltsam als die der Online-Omi. Ein kleines Schmunzeln konnten mir die Ausführungen jedoch entlocken. Der Habicht ist ein Korinthenkacker und Nörgler, anders kann man es nicht formulieren. Solche Menschen kann ich nicht leiden und deshalb war ich auch vom Roman nicht immer begeistert. Seine Erlebnisse als Campingplatz-Ordner, im Baumarkt oder beim Arzt sind allenfalls als „nett“ zu bezeichnen. Geschmunzelt habe ich eigentlich nur, als er mit Brigitte zu IKEA fährt weil sie dringend einen Badezimmerschrank und etliche „Stehrumchens“ benötigen, oder als er sein Fichtennadelschaumbad mit dem Toilettenreiniger verwechselt. Den“ Habicht“ stören falsch befüllte Mülltonnen, Falschparker und Menschen die auf der Straße mit ihrem „Wischmobiltelefonen“ kommunizieren. Situationskomik war dabei nur wenig zu finden.
Insgesamt hatte ich das Buch schnell gelesen, der Geschichte konnte ich jederzeit folgen eine kurzweilige Unterhaltung für einen regnerischen Nachmittag.
Für Leser die humorvolle leichte Unterhaltung suchen geeignet, von mir 3 Sterne.

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