Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ele95:
Unter Geiern
Rapunzel, mein von Lars Schütz
Rapunzel, mein. Thriller von Lars Schütz, 400 Seiten, erschienen im Ullstein-Verlag.
Fortsetzung von „Der Alphabet-Mörder“
Die Fallanalytikerin Rabea Wyler, hat die Strapazen vom Alphabet-Mörder-Fall noch nicht richtig überwunden, eine posttraumatische Belastungsstörung macht ihr noch immer zu schaffen, ihr Ex-Chef Jan Grall mit dem sie ermittelt hatte wurde vom Dienst suspendiert und hat sich an den Lago Maggiore zurückgezogen um ein Buch zu schreiben.
Noch immer kann die Profilerin nicht akzeptieren, dass zwanzig Jahre zuvor ihre kleine Schwester Marie verschwand, einzig eine abgetrennte Hand ist von dem Mädchen wieder aufgetaucht. In einem Essener Theater wird die Leiche eines Mädchens entdeckt, ohne Hände sie wurde mit ihren eigenen langen blonden Haaren erdrosselt. Rabea sieht Parallelen zum Entführungsfall ihrer Schwester und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Als sie auf die Spur des mutmaßlichen Täters stößt, überschlagen sich die Ereignisse, denn der Täter scheint nur eine Marionette in einem perfiden Spiel zu sein. Sie bittet Jan Grall um Hilfe, können die beiden herausfinden wer hinter dem Rapunzelmord steckt?
Das Buch gliedert sich in vier Teile die mit einer zusammenfassenden Überschrift versehen sind, den Teilüberschriften sind Erklärungen beigefügt. 74 kurze knackige Kapitel ergänzen sich zum Gesamtwerk. Da nach jedem Kapitel, der Ort des Geschehens wechselt, ist die beigefügte Orts- und Datumsangabe äußerst hilfreich. Die Kapitel enden mit Cliffhängern trotzdem fiel es mir nicht schwer das Buch immer wieder aus der Hand zu legen. Lars Schütz wählte für diesen Krimi die auktoriale Erzählweise, trotzdem konnte ich die Beweggründe der einzelnen Charaktere für ihr Handeln nicht immer nachvollziehen. Dazwischen erscheinen Rückblicke und Erinnerungen, diese sind kursiv geschrieben und somit als solche gekennzeichnet. Das Buch hat mich enttäuscht, denn ich hatte Empfehlungen, anhand des wohl besseren ersten Teils. Ich habe mich schwer getan diesen Thriller zu lesen, nicht weil ich den ersten Teil nicht kenne, sondern weil der Plot nicht immer nachvollziehbar war. Es erscheinen Personen und Szenen die für einen guten Aufbau der Geschichte nicht notwendig gewesen wären, etliche Geschehnisse wirken auf mich wie an den Haaren herbeigezogen, ohne zu spoilern kann ich hier auf diese Ungereimtheiten gar nicht eingehen. Wie die finale Rettung der Hauptfiguren von statten geht ist für mich hanebüchen. Auch das Ende kann ich mir so, kaum vorstellen. Alle Figuren blieben für mich fremd. Die Protagonistin handelt übertrieben und unglaubhaft, ständig setzt sie ihren Job und auch ihr Leben leichtsinnig auf Spiel. Spannung wurde zwar aufgebaut und auch immer wieder zunichte gemacht Rockerbanden, Krankenhausgeräte in Privathäusern einschließlich OP-Saal, Libanesen-Mafia , eine Handgranate explodiert in einer Wohnung und es gibt kaum Opfer, Rabea verlässt den Tatort mit dem Hauptverdächtigen ungehindert, alles vorhanden. Des Öfteren habe ich bei der Lektüre den Kopf geschüttelt, die Protagonistin wurde bei ihren Abenteuern mehrfach schwer verletzt und nach einem ordentlichen Abendessen oder einer Dusche ging es wieder weiter. Auch ein genialer Hacker war, wenn benötigt, sofort zur Stelle. Für die Leser des ersten Teils bestimmt eine Möglichkeit, noch offene Fragen zu klären. Das Ende lässt eine Option zu weiteren Folgen. Von mir keine Empfehlung, ich werde auch die Reihe nicht weiter verfolgen. Dafür von mir 2 Sterne.
Ratgeber für Alterspubertierende
Du bleibst mein Sieger, Tiger von Maxim Leo; Jochen Gutsch
Du bleibst mein Sieger, Tiger. Humorvolle Kurzgeschichten von Maxim Leo & Jochen Gutsch, 144 Seiten, erschienen im Ullstein Verlag.
Noch mehr Trost für Alterspubertierende, die Fortsetzung vom Erfolgsband des Autorenduos, Es ist nur eine Phase, Hase. Wieder werden die Sorgen und Nöte der Generation 50+, auf die Schippe genommen.
Den ersten Teil dieses humorvollen Ratgebers habe ich leider nicht gelesen. Werde es aber noch nachholen. Die Kurzgeschichten haben sich gut lesen lassen, denn der Schreibstil ist flüssig und humorvoll. Eine leichte unterhaltsame Lektüre, die mir einen Nachmittag versüßt hat. Des Öfteren musste ich schmunzeln oder zustimmend mit dem Kopf nicken, denn auch ich gehöre wohl zu der Gruppe der Alterspubertierenden. Obwohl es vor allem die Zielgruppe der Männer betrifft, konnte ich den ein oder anderen passenden Abschnitt für mich finden und auch bei meinem Mann entdecken. Etwas enttäuscht hat mich der Umfang des Werkes, wenige Kurzgeschichten. In der Buchmitte, mit grauen Seiten unterlegt, werden Tipps und Tricks angeboten. Die langweilig und allgemeingültig, wie auch wenig hilfreich waren. Mir kam es so vor als sollten, die wenigen Seiten noch dadurch „gestreckt“ werden. Da habe ich vor allem „quergelesen“. Lustig fand ich die Geschichte „Allesfresser“. Frauen kommen in die Wechseljahre, Männer in die Grilljahre. Auch die Vorschläge zur Freizeitbeschäftigung, z.B. beim argentinischen Tango, haben mich amüsiert. Bang, bang Feuer frei fand ich die beste Story in der Sammlung, da konnte ich mich in dem Protagonisten fast wiederentdecken. Dafür ist die Erzählung über die Maulwurfsjagd schlichtweg übertrieben.
Gelernt habe ich durch dieses Buch hauptsächlich, dass es wichtig ist auch wenn man die Lebensmitte überschritten hat, den Humor zu bewahren und nicht alles, vor allem sich selbst nicht so ernst zu nehmen. In finde, dass sich das Buch als Geschenk für ein Alterspubertier eignet und vergebe drei von fünf möglichen Sternen.
Harry rechnet ab
Messer von Maxim Leo; Jochen Gutsch
Messer, Thriller von Jo Nesbø, 575 Seiten, erschienen im Ullstein Verlag.
Harry Hole ermittelt in seinem 12. Fall
Harry Hole, der geniale Ermittler mit dem Bauchgefühl, welches ihn nie im Stich lässt, hat es dieses Mal ordentlich in den Sand gesetzt. Der Alkoholiker hat seinen Job an der Polizeihochschule verloren.
Weil er wieder trinkt und die Finger nicht von anderen Frauen lassen kann, hat sich die Liebe seines Lebens, seine Frau Rakel von ihm getrennt. Harry versinkt im Selbstmitleid und Alkohol. Eines Tages erwacht er blutverschmiert und ohne Gedächtnis, darauf folgt die schlimmste Zeit seines Lebens.
Das Buch ist in 4 Teile unterteilt, die sich in 53 lange Kapitel gliedern. Liedtexte und fremdsprachliche Phrasen erscheinen kursiv und sind somit deutlich vom Text abgegrenzt. Spannende, schlagfertige Dialoge beleben die Erzählung. Der manchmal schwierige Plot, hemmt anfangs den Lesefluss. Einen Satz auf S. 63, der mich ganz besonders berührte, habe ich mir notiert: „ Warum musstest du kommen und mich so einsam machen“.
Der Einstieg ins Buch fiel mir diesmal nicht leicht. Obwohl ich den Vorgängerband Durst vor nicht allzu langer Zeit gelesen hatte, habe ich den Anschluss nicht gleich gefunden. Außerdem ist mir dieser zwar geniale, aber jämmerliche und disziplinlose Protagonist tierisch auf die Nerven gegangen. Den Raubbau, den Hole mit seinem exzessiven Leben, an seinem Körper betreibt müsste ihn schon lange vernichtet haben. Doch noch immer liegen ihm die Frauen zu Füßen, dabei muss er mittlerweile ziemlich eklig sein. Unnötige Rückblicke über die Zeit mit Rakel und Harrys Jugend, die ausführlichsten Beschreibungen über Musik und Filme, langweilige ausschweifende Erzählungen über Afghanistan machten mir das Durchhalten sehr schwer. Der Strang der Svein Finne und auch den Mord an Rakel betrifft, ist dagegen sehr spannend gewesen. Ab der Hälfte des Buches zieht der Thriller jedoch an und die Spannung steigt. Als Mörder habe ich in diesem Stadium der Geschichte wirklich jeden der Charaktere verdächtigt. Der wirkliche Mörder stand schon bald auf meiner Liste wurde aber dazwischen immer wieder fallengelassen. Die letzten 150 Seiten habe ich das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen können, die Ereignisse überschlagen sich, plötzliche Wendungen und dann dieser geniale Abschluss haben mich wieder mit der Geschichte versöhnt. 100 Seiten weniger hätten dem Buch sehr gut getan. Das Buch schließt mit einem offenen Ende, ich wäre aber nicht böse wenn die Reihe um Harry Hole nun hier einen Abschluss finden würde. Es handelt sich bei diesem jüngsten Fall nicht gerade um das Highlight der Serie, einige der Vorgängerbände haben mir besser gefallen. Meine Lieblingsfigur ist Oleg, Rakels Sohn, der erwachsener wirkt als sein Ziehvater Harry. Einige der Personen sind mir schon aus den vorangegangenen Bänden bekannt, deshalb war die Menge an Charakteren überschaubar, im Großen und Ganzen handelten sie authentisch und nachvollziehbar. Ich hatte keine Schwierigkeiten dem eigentlichen Mordfall und dem Svein Finne – Fall zu folgen, lediglich störten mich die o.g. Ablenkungen und Ausschweifungen. Und dass ein 77jähriger in zweieinhalb Minuten eine Frau schwängern und so hervorragend klettern kann ist m. E. nicht plausibel. Dieses Buch als Einstiegsband zu lesen finde ich schwierig. Für die Fans von Harry Hole ist Messer ein Muss. Von mir allein schon für dieses tolle Ende 4 von möglichen 5 Sternen.
Aufbruch und Entscheidung
Die Charité: Aufbruch und Entscheidung von Ulrike Schweikert
Die Charité – Aufbruch und Entscheidung, zweiter Band der Roman-Serie von Ulrike Schweikert, 448 Seiten, erschienen bei Rowohlt Polaris.
Fortsetzung der Charité Reihe – Geschichten von Leben und Tod.
Berlin 1903, die renommierte königliche Charité in Berlin ist in die Jahre gekommen. Ärzte allen voran Virchow plädieren dafür, dass das bekannte Krankenhaus renoviert werden muss.
Der Internist Prof. Dr. Friedrich Kraus wird Leiter der II. medizinischen Klinik. Mit ihm bricht eine neue Zeit an, er vergibt eine Volontärstelle an eine weibliche Bewerberin. Dr. Rahel Hirsch die an der Charité Medizingeschichte schrieb. Sie ist eine tüchtige Ärztin und Forscherin, doch von Gleichberechtigung der Frauen ist man selbst in der Hauptstadt des Kaiserreiches noch weit entfernt. Zusammen mit der Wäscherin Barbara setzt sie sich für die Frauenrechte ein. Doch dann beginnt der 1. Weltkrieg.
Das Werk von Ulrike Schweikert ist in drei Bücher aufgeteilt, bestehend aus Prolog, 30 Kapiteln und einem Epilog der das Schicksal der Protagonistin im weiteren Verlauf der Geschichte erklärt. Die einzelnen Kapitel sind durch Schnörkel in Leseabschnitte aufgeteilt. Dadurch lässt sich das Buch flüssig lesen. Über jedem Kapitel befindet sich eine Jahreszahl und eine zusammenfassende, zum Inhalt passende Überschrift. Briefe, Flugblätter und Tagebucheintragungen erscheinen kursiv, die Autorin erzählt in auktorialer und bildhafter Erzählweise, dadurch ist der Leser ganz nah an der Geschichte. Die lebhaften Dialoge im Dialekt haben mich jedoch im Lesefluss gestört.
Die Schilderung des medizinischen Fortschritts und der Forschungen waren für mich besonders interessant und haben mich gut unterhalten, durch meine Laborarbeit in einer Klinik für innere Medizin sind mir viele Begriffe und Untersuchungen vertraut gewesen. Oft musste ich an meine Mentorin denken, die mir serologische Untersuchungen z.B. nach Wassermann aus ihren frühen Arbeiten schilderte. Auch Paul Ehrlich und Emil Behring sind für mich keine Unbekannten. Der Aspekt der Frauenrechtsbewegung in der geschilderten Zeit sind für mich ein Höhepunkt im Buch, dankbar verfolgte ich den Kampf vieler mutiger Frauen im beginnenden 20. Jahrhundert, die den modernen Frauen den Weg bereitet haben und um die heute selbstverständlichen Werte kämpften, z.B. Gleichberechtigung, Frauenwahlrecht und Studium für Frauen. Die Schilderung der Kämpfe und Zustände im 1. Weltkrieg waren grausam und schonungslos. Dieser Teil, und was Frauen durch die Abwesenheit der Männer leisten mussten, war beachtlich und gut recherchiert. Sehr viele historische wie auch fiktive Personen waren gut charakterisiert und handelten nachvollziehbar, die Guten wie auch die Bösen. Rosa Luxemburg und Carl Liebknecht, Melli Beese, Virchow, Ehrlich und Behring, Kaiser Wilhelm II, Hindenburg, auch berühmte Fliegerasse und Strategen machen das Buch authentisch. Schweikert gibt allen Figuren ihre Geschichte, selbst den fiktiven, Michael ,Barbara, Franz und Marlene sind gut gelungen ihr Schicksal hat mich zutiefst berührt. Die Lektüre hat Spaß gemacht, die Botschaft ist tiefgründig und berührt die Seele, Gesellschaftsbeobachtungen und menschliche Innenansichten waren einwandfrei dargestellt. Ich persönlich jedoch hätte mir mehr Information über die Arbeit an der Charité, Medizinische Fälle und Forschungsarbeit wie im ersten Band gewünscht, dies finde ich, ist hier etwas zu kurz gekommen. Es waren im Buch auch durchaus spannende Elemente vorhanden, die aber im selben Kapitel jeweils abgehandelt wurden, ein Spannungsbogen hat sich deshalb leider nicht ergeben. Vorliegender Band ist sehr gut als Einzelband zu lesen. Voller Vorfreude erwarte ich den drittenTeil. Etwas schwächer als Charité I. Von mir 4 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung.
Überzeugendes Familienepos
Der größte Spaß, den wir je hatten von Claire Lombardo
Der größte Spaß den wir je hatten, Familienroman von Claire Lombardo, 720 Seiten erschienen im dtv – Verlag
Für die vier erwachsenen Sorenson-Schwestern sind ihre Eltern ein nahezu unerreichbares Vorbild.
Nach außen hin scheint die Sorenson Familie perfekt. Doch wenn man genauer hinsieht gibt es Probleme, wie in jeder anderen Familie auch.
Für die vier Sorenson Schwestern hängt die Messlatte sehr hoch, denn die Eltern David und Marylin führen die perfekte Ehe, sie scheinen so glücklich wie am Anfang ihrer Ehe. Als der Teenager Jonah, ein unehelicher Sohn der zweitältesten Schwester in die Familie kommt, bricht der schöne Schein auseinander. Können Wendy, Violet, Liza und Grace ihre Sorgen und Probleme in den Griff bekommen und sind die Eltern wirklich das perfekte Ehepaar?
Ich bin vom Debütroman der Autorin restlos begeistert. Die 720 Seiten in Angriff zu nehmen fiel mir nicht leicht und doch habe ich den Roman in kürzester Zeit gelesen. Die letzten 400 Seiten sozusagen in einem Rutsch. Aufgeteilt war die Geschichte in vier Abschnitten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die Autorin hat sich der auktorialen Erzählweise bedient, dadurch konnte der Überblick für den Leser jederzeit gewahrt werden. Das Setting war so gut beschrieben, dass man es sich stets vorstellen kann.
Es beginnt mit der Hochzeit der ältesten Tochter Wendy. Der Hauptstrang spielt in der Gegenwart, immer wieder jedoch gibt es Rückblicke in die Vergangenheit, die in chronologischer Reihenfolge mit Jahreszahlen überschrieben sind. Zu jeder Zeit war mir der Überblick in der Zeitabfolge klar. Wichtige Gedanken, Aussagen oder Liedtexte erscheinen in kursiver Schrift und sind dadurch deutlich hervorgehoben. Obwohl im Roman viele Personen agieren, war es nicht schwer, trotz dem ständigen Wechsel der handelnden Charaktere, die Übersicht zu behalten und in Lesefluss zu kommen. Überraschende Wendungen und ein unvorhersehbares Ende sorgen für stetige Spannung. Alle Figuren habe ich gemocht, denn Lombardo hat es mühelos geschafft, die anfangs eigenartigen Schwestern z. B. Wendy, so zu charakterisieren, dass man ihre Art absolut nachvollziehen kann ihre Beweggründe sind glaubhaft geschildert. Auch die scheinbar perfekte Ehe, der Eltern war bei näherem Hinsehen jahrelange Schwerstarbeit. Schicksalsschläge und freudige Ereignisse wechseln sich gekonnt ab, schnell hatte ich das Gefühl, selbst ein Teil dieser Familie zu sein. Diese Familie ist authentisch, so oder ähnlich gibt es sie sicherlich irgendwo. Ein Familienepos in klarer Sprache, alle Charaktere haben eine nachvollziehbare Entwicklung hinter sich.
Mein Lieblingscharakter war David, der Vater, der Fels in der Brandung, so einen Ehemann, bzw., Vater wünscht sich jede Frau. Ein Wohlfühlbuch, des Öfteren habe ich geweint aber auch gelacht. Selbst die Ginko-Blätter auf dem Cover haben eine Geschichte in der Story.
Ein Buch welches ich uneingeschränkt empfehlen möchte. Die Autorin werde ich im Auge behalten. Dafür von mir volle Punktzahl – fünf Sterne.
Der Kardinal im Ölfass
Die geheime Mission des Kardinals von Rafik Schami
Die geheime Mission des Kardinals, Roman von Rafik Schami, 432 Seiten, erschienen im Hanser Verlag.
Ein italienischer Kardinal, eine geheime Mission, ein Mord in Damaskus
An der italienischen Botschaft in Damaskus wird ein Fass angeliefert, beim Öffnen des Fasses ergibt sich eine grausige Entdeckung, darin befindet sich die in Olivenöl eingelegte Leiche eines von Rom nach Syrien entsandten Kardinals.
Kommissar Barudi der kurz vor seiner Pensionierung steht, ermittelt. An seiner Seite der aus Italien angeforderte Kollege Commissario Mancini. Die beiden ermitteln zusammen und werden Freunde, ob sie das Geheimnis um den Tod des Kardinals lösen können, schildert dieses Buch.
Der Plot klingt nach Krimi doch der Autor Rafik Schami erzählt viel mehr. Das Buch ist ein Porträt der syrischen Gesellschaft am Rande des bevorstehenden Bürgerkriegs, die Beschreibung einer beginnenden Männerfreundschaft, eine Liebes- und Lebensgeschichte.
Schamis Erzählungen gehen nie den direkten Weg, sie führen über Umleitungen, Seitenstraßen und Sackgassen ans Ziel. Die Liebesgeschichte Barudis mit der Nachbarin ist ein Beispiel, seitenlang beschreiben Tagebucheinträge über seine schon früh verstorbenen Frau, die grenzenlose Liebe und die immerwährende Sehnsucht, seine Einsamkeit. Und plötzlich zaubert der Autor eine, für den Fall völlig unnötige Liebesgeschichte mit der Nachbarin Nariman aus dem Hut.
Mit der Lektüre des Buches habe ich mich schwergetan, eigentlich bin ich anhand der Leseprobe von einem spannenden Kriminalfall ausgegangen. Doch die eigentliche Geschichte handelt von der Kritik an der Regierung, von Clan-Wirtschaft, von korrupten Beamten, von Wunderheilern, Aberglauben und dem damit verbundenen Schwindel. Von mafiösen Strukturen bis in die höchste Kirchenhierarchie. Die Freundschaft mit dem italienischen Commissario, der perfekt arabisch spricht, dagegen, hat mir gefallen. Mancini teilt mit Barudi so manches. Die Liebe zu starkem Kaffee mit Kardamom, zu Falafel und auch die kritische Einstellung gegenüber der jeweiligen Regierung. Die beiden teilen sich nicht nur die Ermittlungen sondern erzählen sich auch aus ihrem Leben. Mancini und Barudi sind beide höchst sympathische Figuren, sie agieren authentisch und nachvollziehbar. Die Vielzahl der Charaktere hat mir die Lektüre jedenfalls erschwert. Dieses Buch flüssig zu lesen ist schier unmöglich solange lese ich i. d. R. an keinem Buch, ich konnte es auch aus der Hand legen und ein paar Tage später erst weiterlesen. Immer wieder habe ich beim Lesen den Faden verloren und musste zurückblättern. Interessant war es, ja, aber nicht besonders spannend. Auch die Auflösung des Falles war kompliziert und für mich unbefriedigend, am Ende war ich so frustriert wie Barudi.
Ein Gesellschaftroman mit kriminalistischem Hintergrund. Eine Empfehlung von mir, hauptsächlich für die Fans des Autors und 3 Sterne.
Kya, das einsame Marschmädchen
Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens
Der Gesang der Flusskrebse, Romandebüt von Delia Owens, 464 Seiten erschienen im Hanser Verlag.
Ein Roman über das harte, einsame Leben des Marschmädchens Kya.
Die Leiche des angesehenen Bewohners von Barkley Cove, Chase Andrews wurde unterhalb eines Feuerwachturms im Sumpf gefunden. War es ein Unfall, oder könnte jemand nachgeholfen haben? Die Bewohner des Küstenstädtchens sind sich einig.
Schuld kann nur Kya, die wilde Bewohnerin des Marschlandes sein. Ihre Geschichte und was wirklich geschah, wird in diesem Buch auf wundervolle Weise erzählt.
Dieses Buch könnte mein Lesehighlight 2019 werden, was für ein starkes Debüt! Die Handlung setzt ein als Kyas Mutter die Familie und den brutalen Vater, einen Trinker verlässt. Schon ab dem ersten Kapitel bin ich in dieser bildmalerischen Geschichte voller Poesie versunken. Die Autorin bediente sich der auktorialen Erzählweise, so gelang es mir jederzeit den Überblick über das Geschehen zu behalten, ganz nah dran an den verschiedenen Personen. Zwei Zeitebenen, in den 50er Jahren und in der Gegenwart, wobei letztere die Ermittlungen um den Todesfall und die Verhandlung beinhalten, erhöhen das Lesetempo und die Spannung. Der Kriminalfall ist so undurchsichtig, dass ich bei der Gerichtsverhandlung, die Seiten so schnell wie möglich gelesen habe. Immer wieder war ich erstaunt, wie viele Seiten weiter ich schon wieder gekommen bin. Ungerne habe ich das Buch aus der Hand gelegt und wenn, dann habe ich über den Roman nachgedacht. Die Karte vorne im Buch und die bildgewaltigen Beschreibungen der Tier und Pflanzenwelt, haben das Marschgebiet von North Carolina vor meinem inneren Auge erstehen lassen. Man merkt dem Geschriebenen unbedingt an, dass es sich bei der Autorin um eine Biologin, die schon dort gelebt hat, handelt. Fauna und Flora des Marschlandes waren perfekt beschrieben. Z. B. das Aussehen und Verhalten der Vögel sind toll geschildert, Delia Owens weiß, wovon sie schreibt. Lebhafte Dialoge in der Sprache der einfachen Leute machten die Erzählung lebendig. Dieses Buch strahlt unglaublich Atmosphäre aus. Die Charaktere handelten nachvollziehbar und authentisch. Wären Jumpin und seine Frau Mabel nicht gewesen, hätte Kya wohl nicht überleben können, sie gehören zu meinen Lieblingsfiguren. Dass Tate während seiner Studienzeit mit Kya gebrochen hat, konnte ich ihm allerdings nicht verzeihen. Unglaublich traurig machte mich die Einsamkeit Kyas, ihr kurzer Schulbesuch, die Beschreibung des Familienlebens und der Verrat derer Menschen, denen sie ihr Herz geschenkt hat. Sogar den Übergang vom Mädchen zur Frau musste sie ganz alleine meistern. Ihre innersten Gedanken z.B. in der Gefängniszelle haben mich ganz tief berührt. Mir hat besonders gut gefallen, dass ich nie das Gefühl hatte, so eine Geschichte schon einmal gelesen zu haben. Stete Wendungen und ein überwältigendes Ende, haben mich überrascht. Die eingefügten Gedichte passen gut zum Geschehen und ergeben eine Melodie – den Gesang der Flusskrebse.
Ich kann dieses Buch nur von ganzem Herzen empfehlen und vergebe dafür fünf Sterne
Gemeinsam sind wir stark
Im Freibad von Libby Page
Im Freibad, Roman von Libby Page, 380 Seiten, erschienen im Ullstein Verlag.
Zwei Frauen retten ein Freibad und gleichzeitig einander.
Rosemary Peterson ist 86 Jahre alt und verwitwet. Die glücklichsten Erinnerungen hat sie an George, ihren verstorbenen Mann, sie denkt auch zurück an ihre Kindheit ihre Arbeit in der Bibliothek.
Nie ist sie aus Brixton herausgekommen, sie hat dort aber viele Freunde und Bekannte. Es verbindet sie alle das örtliche Freibad. Viele wichtige Ereignisse in ihrem Leben sind mit diesem Freibad verbunden. Nun soll das Bad verkauft und zu einem Tennisplatz umgebaut werden. Kurzerhand beschließt sie, etwas dagegen zu unternehmen. Die junge Redakteurin Kate Matthews soll für das Lokalblatt Brixton Chronicle, über die Schließung des Schwimmbades berichten. Kate wohnt noch nicht lange in London, die schüchterne junge Frau hat dort keinen Anschluss gefunden, sie ist sehr einsam und leidet unter Panikattacken. Schnell werden die beiden Freundinnen und beschließen gemeinsam, das Bad zu retten, ist es doch der Mittelpunkt der Nachbarschaft.
Das Buch teilt sich in 68 kurze Kapitel, lebhafte Dialoge, bildhafte Beschreibungen des Settings und auch die handelnden Charaktere sind hervorragend geschildert, so ist es ein Leichtes sofort in Lesefluss zu kommen. Die Artikel im Lokalblatt sind eingerahmt und mit einer großen Schlagzeile versehen, somit deutlich hervorgehoben. Die Autorin bedient sich der auktorialen Erzählweise, die Kapitel sind aus der Sicht der jeweiligen handelnden Person beschrieben. Kate, die von ihrer Schulzeit und Jugend erzählt, von ihren Panikattacken und von einer vergangenen Liebe. Abwechselnd mit Rosemary, aus ihrer Sicht erfährt der Leser die wunderbare Liebesgeschichte von ihr und George und deren glückliche Ehe. Libby Page ist es bestens gelungen großartige Gefühle, Romantik, Einsamkeit und Traurigkeit zu beschreiben, stets habe ich mit den beiden „Hauptdarstellerinnen“ geweint gelacht und mitgefühlt. Ein sehr einfühlsames und emotionales Buch, welches mich bestens unterhalten hat. Viele interessante Charaktere hat die Autorin hier erschaffen. Geoff, Jermaine und Frank, Hope, Jay und auch Ahmed. Sie alle habe ich liebgewonnen und am Ende konnte ich sie nur schwer gehen lassen. Die Freundschaft der beiden ungleichen Frauen wird mir unvergesslich bleiben, es ist schwer zu sagen, wer aus dieser Freundschaft mehr profitiert hat. Rosemary die einsam war und in der Vergangenheit lebte, sie hat wieder eine Aufgabe für die es sich zu kämpfen lohnt. Oder Kate die eine neue Liebe, Selbstbewusstsein, Mut und neue Freunde gefunden hat. Vor allem Kate war meine Lieblingsfigur, sie hat von allen Charakteren die größte Entwicklung gemacht. Dieses Buch beschreibt ruhig, aber sehr emotional was geschehen kann, wenn Menschen zusammen halten und nicht aufgeben, wie wichtig gute Nachbarschaft und Freunde sind und, dass es sich lohnt für etwas zu kämpfen, was einem am Herzen liegt. Das Ende war vorherzusehen, hat mich aber trotzdem überrascht. Libby Page hat in ihrem Werk so schöne Worte gefunden. Einige Sätze haben sich mir eingeprägt, z.B. auf S. 120: „Ein kleines Leben war groß genug für sie, wenn es George beinhaltete.“ oder auf S. 117 „Es ist so schwer, irgendetwas zu bemerken, wenn man immer zu Boden blickt“. Ein tiefgründiger Roman, eine Leseempfehlung von mir und 5 verdiente Sterne.
Begeisternde Karten
Verrückt nach Karten von Libby Page
Verrückt nach Karten, Sachbuch, 256 Seiten, Hrsg. Huw Lewis-Jones, übersetzt aus dem Englischen von Hanne Henninger, erschienen im wbg Theiss – Verlag.
Geniale Geschichten von fantastischen Ländern, begleitet von prachtvollen Karten.
Das wunderschöne Werk ist in 4 Teile gegliedert, von Teil 1 „Täuschend echt“, über „Literarische Karten“ und „Karten erstellen“ bis zum 4.
Teil „Karten Lesen“. Diverse Autoren haben ihre Geschichten zu den herrlichen Karten geschrieben ich bin restlos begeistert. Natürlich sind diese detailreichen Karten, der Hauptbestandteil des Buches, die passenden Geschichten dazu ergänzen diese fantasievollen Bilder hervorragend. 167 Karten, mannigfaltig bunt, handgemalt, gedruckt, auf diversen Materialien, antike, mythologische, anatomische Karten, Vorsatzkarten aus einigen Büchern, jeder wird hier seine Lieblingskarte finden. Zu jeder einzelnen Karte ist auch eine detaillierte Erklärung zu finden, interessant und höchst informativ. Besonders interessant fand ich die Geschichte zu Stevensons Geschichte „Die Schatzinsel“ tatsächlich zeichnete der Autor zuerst eine Karte zur Unterhaltung für seinen Stiefsohn und aus ihr ist später sein Meisterwerk entstanden.
Außerordentlich begeistert haben mich die Karten auf S.30/31 – die Moby Dick Karte, auf S. 107/108 die Islandia-Karte und die Tschuktschenkarte die auf Robbenhaut gemalt ist. Absolut überrascht haben mich die Landschaften im Körperinneren und auch die Karte von der Oberfläche des Mondes, die 1969, für die Apollo 11 Mission, von einem mehrere hundert Köpfe starkem Team der NASA erstellt wurde. Auch Botticelli hat sich auf einer Karte verewigt, die die 9 Kreise der Hölle aus Dantes göttlicher Komödie darstellt.
Reale und auch fiktive Orte sind kartografisch dargestellt worden. Die Weltsicht der Wikinger z.B. Yggdrasil, die große Weltesche, in mehreren Abbildungen. Zu finden ist auch die Karte des Herumtreibers aus den Harry Potter Filmen. Darstellungen vom Mumintal, Mittelerde und Narnia, durften nicht fehlen. Am Ende des Bandes stehen noch Hinweise über die einzelnen Autoren, für weitere Informationen gibt es Tipps zu weiterführender Literatur zum Thema, ein Zitatennachweis, Bildnachweis und ein Register welches bei der Suche nach Autoren, Karten usw. sehr hilfreich ist.
Stundenlang bin ich in diesem Buch versunken, manche der Bilder stehen sog. Wimmelbildern in nichts nach, immer wieder gab es Details zu entdecken. Eigentlich wollte ich dieses Buch nach der Lektüre verschenken, aber definitiv will ich dieses überragende Werk selbst behalten, denn es ist kein Roman zum „Durchlesen und Weglegen“ sondern um es immer wieder aus dem Regal zu nehmen, einzelne Geschichten zu genießen und es bis zum nächsten Mal im Regal zu bewundern, da es mit dem schönen Cover auch dort eine „gute Figur“ macht.
Dieser Band eignet sich bestens als Geschenk, oder auch um sich selbst eine Freude zu machen. Eine absolute Kaufempfehlung und verdiente, von mir gerne gegebene 5 Sterne.
Ermittlung mit den Ohren
Auris von Vincent Kliesch
Auris, Thriller von Vincent Kliesch nach einer Idee von Sebastian Fitzek, 352 Seiten, erschienen im Droemer Knaur Verlag.
Spannender Thriller aus der Zusammenarbeit zweier Bestseller-Autoren.
Mathias Hegel ist akustischer Profiler, genannt „Auris“, ( =lat. das Ohr), schon die Stimme eines Täters genügt ihm, Rückschlüsse auf seine Herkunft, Aussehen und Psyche zu ermitteln.
Doch nun sitzt er selbst in Haft verurteilt für einen Mord an einer Obdachlosen, den er selbst gestanden hat.
Jula Ansorge ist True-Crime-Podcasterin und sie zweifelt an Hegels Schuld, deshalb will sie diesen Fall zum Thema ihres Podcasts machen und den Fall aufklären. Sie will gegen seinen Willen hinter den Grund seines Mordgeständnisses kommen. Je mehr sie in diesem mysteriösen Fall recherchiert desto tiefer begibt sie sich nicht nur selbst in Todesgefahr, sondern auch den Menschen, der ihr am wichtigsten ist.
Am Anfang steht ein Vorwort von Sebastian Fitzek, der beschreibt wie es Zusammenarbeit mit Kliesch und zum Entstehen dieses Thrillers kam, Fitzek erklärt hier die Umstände sehr witzig, trotzdem ist mir nicht ganz klar warum er nicht selbst dieses Buch geschrieben hat.
Dieses Buch habe ich sehr schnell gelesen, 79 kurze knackige Kapitel, Kliesch schreibt in der auktorialen Erzählweise, der Überblick über das Geschehen ist dadurch hervorragend gewährleistet, die schlagfertigen Wortwechsel und der flüssige Schreibstil lockern den Plot auf, Gedanken, Chat-Verläufe sind durch andere Schriftarten hervorgehoben. Klieschs bildmalerische Art zu schreiben, hat die Lektüre mit Bildern im Kopf begleitet, Sätze z. B .auf S. 9: „Die kastaniengesäumte Einbahnstraße war für sorglos abgestellte Kinderfahrräder geschaffen, für verschiedenfarbige Tonnen der mülltrennenden Nachbarn, für Flugblätter an der Baumrinde….. oder: „Das Sonnenlicht fiel aus einem kinderbuchblauen Himmel…“ Mein Lieblingssatz Auf Seite 14: „Wenn man als einziges Werkzeug einen Hammer besitzt, wird jedes Problem zu einem Nagel“.
Die Spannung beginnt schon im ersten Kapitel als „Auris“ es schafft durch seine phänomenalen Fähigkeiten, zwei Kinder aus der Gewalt eines Geiselnehmers, zu befreien, was mich sofort in Lesefluss kommen ließ. Kliesch verfolgt in seinem Werk einen Kurs voller Überraschungen, was nicht immer schlüssig war. Die Charaktere, ausgenommen Elyas, der Bruder von Jula, waren allesamt nicht besonders sympathisch, der Superermittler mit dem Knacks, die taffe Journalistin, mit der eigenen tragischen Geschichte im Hintergrund, alle Klischees wurden bedient. Der Plot ist zwar spannend aber nicht immer nachvollziehbar, das Ende hielt für mich zu viele unvorhersehbare Wendungen bereit, was den Leser m. M. nach komplett überfordert. Die endgültige Aufklärung, blieb der Autor seiner Leserschaft jedoch schuldig. Hier wurde schon der Grundstein für die weitere Zusammenarbeit Hegels mit Jula gelegt. Trotzdem lese ich lieber Thriller in denen auf den letzten Seiten ein befriedigendes Ende auf mich wartet. Leider konnte mich dieses gemeinschaftliche Werk der beiden Thrill-Spezialisten nicht begeistern, für die Fans von Fitzek, oder Kliesch sicher ein Muss, ich selbst werde einen weiteren „Auris-Band“ vermutlich nicht mehr lesen. Von mir 3 Sterne von 5 möglichen.











