Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Marie aus E.:
Kein Buch für schnellen Konsum
Mathilde und Marie von Torsten Woywod
Ein kleiner Ort in Belgien, nicht mal vierhundert Einwohner, aber dafür einen unglaubliche Buchhandlung pro Kopf Quotienten.
Hierhin verschlägt es Marie, eine junge Französin zufällig, als sie aus ihrem alten Leben flüchten wollte.
Welch Glücksfall für Marie, dass sie in Redu landet - aber auch ein großes Glück für die Menschen, die in Redu leben.
Marie wird sehr schnell zu einem wertvollen Teil der Dorfgemeinschaft.
Das Buch hat ein ganz eigenes Erzähltempo, das für mich sehr ungewohnt ist. Es passiert schon etwas, aber so ganz gemächlich, unaufgeregt und ohne Effekthascherei. Das muss man ein Stück weit auch aushalten können, mir fiel das schwer. Es waren viele schöne Einzelszenen, aber das große Ganze, das das Buch zusammenhält und trägt, das hat mich nicht abgeholt. Dabei gibt es den roten Faden, nicht falsch verstehen, es ist keineswegs ein Aneinanderstückeln von Einzelszenen.
Ich konnte nur beim Lesen nicht am Ball bleiben, habe manchmal die Seiten nur überflogen, die gewisse Faszination einer Handlung war da bei mir nicht gegeben, obwohl ich die Idee des Buches nach wie vor wunderschön finde.
Aber so ist das manchmal, jedes Buch muss auch ein wenig zur aktuellen Lebenssituation passen.
Die Leidenschaft des Autors für Bücher und Buchhandlungen kommt jedenfalls auf jeder Seite herüber.
Das Böse lauert im Garten und der Gärtner ist nicht immer der Mörder
Mord im Nacktschnecken-Milieu von Elke Schwarzer
So ganz war mir ja nicht klar, was mich bei dem Buch erwartet. Aber nachdem Nacktschnecken mein absoluter Gruselgegner in meiner noch recht jungen Gartenkarriere sind, musste ich hier zugreifen. Und habe es nicht bereut, ganz im Gegenteil.
Das Cover ist neben dem Titel schon das erste Indiz, dass wir es hier mit einem spannenden, düsteren und trotzdem humorvollen Buch zu tun bekommen.
Hochwertig gestaltet und bis auf den unsäglichen orangen Spiegel-Bestseller-Aufkleber auch ein echter Hingucker.
Im Buch geht es dann mit zwanzig Kriminalfällen zur Sache. Von "Wenn die Blüten Trauer tragen" zu "Giftmord am Holunder" und dem "Apokalytischen Schneckenreiter".
Das ist wirklich köstlich, ich mag den Humor der Autorin sehr.
Aufgebaut sind die "Fälle" nach einheitlichem Muster:
Tatort, Indizien, Zeugen, dann Verdächtige, detaillierte Täterbeschreibung, Verdächtige, Täter und Motiv. Dazu gibt es viele Fotos und für mich die Erkenntnis, dass Lernen und Bio ja auch wirklich Spaß machen können.
Für Gartenfreund*innen mit Humor ein Buch, das sie so garantiert noch nicht in ihrer Gartenbuchsammlung haben. Ganz großes Kino!
Fesselnder Abschluss der Trilogie
Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel von Alena Schröder
Wie bereits die beiden Vorgängerbände ist auch hier das Cover wieder ein Hingucker.
Aber viel wichtiger: auch die Handlung hat mich gleich wieder völlig gefesselt.
Für Quereinsteigende ist das Lesen auch ohne Vorkenntnisse gar kein Problem, man kann gut folgen. Perfekt wird es natürlich, wenn man diese kennt.
Das Buch spielt wieder in zwei Zeitebenen.
Einmal in Güstrow, beginnend am Kriegsende und dann weiterspielend in der Nachkriegszeit im ostdeutschen Teil Deutschlands. Hier bilden drei Frauen eine Schicksalsgemeinschaft und ihr Leben berührt sehr.
In Berlin treffen wir dann im Jahr 2023 Hannah wieder, die schon aus den Vorgängerbänden bekannt ist. Ihr Vater will nach dreißig Jahre ohne Kontakt auf einmal an ihrem Leben teilhaben, gleichzeitig zieht ihre beste Freundin aus und Hannah muss sich neu sortieren.
Das Buch schafft es, dass mich beide Erzählstränge gleichermaßen fesseln, interessieren und berühren. Das ist eine hohe Kunst, meist habe ich bei solchen Gestaltungen einen klaren Favoriten und die andere Erzählebene ist mehr ein Anhängsel, hier nicht.
Die Charaktere sind authentisch, alle weiblichen Personen auf ihre Weise liebenswert oder zumindest respektabel.
Die Männer hingegen - sowohl in Vergangenheit als auch in der Gegenwart, tja.
Einzig kleine Irritation: die Verknüpfung der zwei Ebene über eine Bildersuche fand ich seltsam und nicht wirklich überzeugend.
Ich habe hier sowohl Hörbuch als auch die gedruckte Ausgabe zu Hause und möchte keines davon missen.
Das Hörbuch wurde von Julia Nachtmann gesprochen und sie hat es geschafft, allen Charakteren eine Stimme zu geben.
Ich habe ihr total gern zugehört, für mich ist sie hier die perfekte Besetzung.
Die acht Stunden fünfundfünzig Minuten sind viel zu schnell vergangen.
Ich lese selten Bücher ein zweites Mal, aber die Trilogie kommt in das immerwährende Bücherregal und darf nicht weiterziehen.
Mein Januarhighlight!
Zäher Start, rasanter Abschluss
Minnesota von Jo Nesbø
Ein neuer Nesbø, ein Stand-Alone und mal nicht eingebettet in eine Reihe. Zumindest nach derzeitigem Stand, wer weiß. Lust hätte ich ja schon, den Ermittler Bob noch ein wenig weiterzuverfolgen.
Das Buch spielt in zwei Zeitebenen und das hat mir das Ankommen im Buch auch etwas erschwert, ich habe mich mit der Zuordnung anfangs schwergetan und auch nach Abschluss des Buches ist mir nicht klar, wozu es die Gegenwartsschiene gebraucht hat.
Ort der Geschehnisse ist Minnesota im Jahr 2016 und passender hätte die Ortswahl gar nicht sein können. Minnesota ist auch aktuell wieder in den Schlagzeilen, leider mit keinen fiktiven Geschehnissen wie hier im Buch.
:Skandinavisch verlässlich hat Ermittler Bob Oz natürlich ein schweres Paket zu tragen. Seine kleine Tochter ist gestorben und Bob kommt (verständlicherweise) nicht damit klar.
Alleine seine Arbeit gibt ihm nach einen kleinen Resthalt, doch auch da sieht es nach einer Suspendierung schlecht aus.
Auch wiederum thriller-klischee-typisch lässt Bob sich davon natürlich nicht abhalten, sondern ermittelt einsam trotzdem vor sich hin. Und wer hätte es gedacht, natürlich versorgen ihn die Kollegen auch weiterhin mit Infos.
Soweit, so routiniert und leider auch wenig einfallsreich plätschert es ein wenig vor sich hin.
Mich hat das Buch bis etwa zur Hälfte leider nicht wirklich abgeholt. Es war nicht schlecht, aber hat sich aus der Thrillermasse nicht herausgehoben und hat mich nicht wirklich gepackt.
Dann hat es aber an Fahrt aufgenommen und die Auflösung und das Ende hat mich sehr mit der anfänglichen Flaute versöhnt. Das war spitze!
Insgesamt also doch wieder ein guter Nesbø.
Überzeugt durch Atmosphäre
Die weiße Nacht von Anne Stern
s ist der Berliner Hunger- und Kältewinter 1946.
Die Stadt liegt in Trümmern und es fehlt an allem. Es ist eisig kalt und die Bücher, die der Bücherverbrennung durch die Nazis getrotzt haben, müssen nun verfeuert werden, damit man nicht erfriert.
Inmitten der Trümmer zieht die junge Fotografin Lou los, um nach Motiven Ausschau zu halten.
Dabei entdeckt sie eine Frauenleiche.
Neben Lou als eine der beiden Hauptfiguren gibt es noch Kriminalkommisasar König - ein zuerst etwas poltrig und verschlossen wirkender Typ, bis man ihn im Laufe des Buches näher kennenlernt.
Das Buch überzeugt gar nicht so sehr mit seinem Kriminalfall - das klassische Whodunit stand irgendwann für mich gar nicht mehr so sehr im Vordergrund. Vielmehr ist es die Schilderung des Hungerwinters, die so eindrücklich stattfindet, dass ich eine Ahnung davon bekommen habe, wie sich das Leben damals anfühlte. Sofern man sich das - übersatt vom Weihnachtsessen und in einer warmen Wohnung überhaupt anmaßen kann, das zu schreiben. Das Buch spielt auch um die Weihnachtszeit, so dass es als Winterlektüre sehr passend ist.
Der zweite Pluspukt ist neben der äußeren Beschreibung die der Inneren. Der Umgang mit dem im Krieg Erlebten, mit persönlicher Schuld und der Ignoranz der Überlebenden, die sehr oft einfach genauso wie vor dem Krieg weitergemacht haben.
Das lässt mich schon auch nachdenklich zurück - sehr gut, wenn das Unterhaltungsliteratur leistet!
Insgesamt erinnert mich das Buch etwas an die Fernsehserie Babylon Berlin.
Einen halben Stern Abzug gibt es, weil es noch eine Parallelhandlung gibt, die in aber nicht aufgelöst wird, das ist sicherlich dem Reihenauftakt geschuldet, ich mag das aber nicht.
4,5 Sterne und ich freue mich auf weitere Bände.
Winterliches Abenteuer nicht nur für Campingfans
OTTO fährt los - Weihnachten in Finnland von Madlen Ottenschläger
Ich liebe die Reihe um den fröhlichen und liebevollen Campingbus Otto und der Winter-Weihnachtsband hier ist mit einer der Schönsten.
Es geht in den hohen Norden, nach Finnland und es gibt so viel zu
entdecken.
Otto und seine menschliche Familie schaffen es, dass ich mich beim Betrachten der wunderschönen Illustrationen voll von liebevollen Details und dem Lesen des Textes so fühle, als wäre ich selbst verreist.
Gleichzeitig lernt man ein paar Brocken Finnisch, auch das ist schön.
Man sieht die Nordlichter, trifft Sami, geht Eisbaden und in die Sauna und feiert den Advent und Weihnachten auf finnisch.
Und immer ist da Otto und passt auf sein Familie auf, einfach schön.
Zudem ist er noch so heimelig und behaglich geschmückt.
Für alle Winterfans, Weihnachtsfans, Schneefans, Campingfans und Entdeckerfans ein Kinderbuch, das man jeden Winter wieder und wieder anschauen und lesen wird.
Große Bücherliebe!
Weihnachtsgrinch trifft Weihnachtsmagie
Christmas Cake und Glitzerschnee von Ursi Breidenbach
Jenny ist der Weihnachtsgrinch schlechthin. Und da landet sie ausgerechnet im Advent in Edinburgh. Einer Stadt, die sich voll in den Weihnachtszauber wirft: Weihnachtsmärkte, Mistelzweige, Weihnachtsmusik überall.
Jenny ist beruflich dort und forscht - im beruflichen Umfeld ist sie davon einigermaßen verschont, denkt sie zumindest.
Aber sie hat eine ihr noch unbekannte Familie in Schottland und die trifft sie. Und damit auch den gutaussehenden, überaus liebenswerten Schotten Callum - ihr ahnt, wohin die Reise geht?
Auf den ersten Blick ist so eine zuckersüße Weihnachtsgeschichte ja recht einfach zu schreiben. Winterstimmung, ein Konflikt, Liebe, Happy End, fertig. Leider täuscht das, die richtige Dosis macht es aus und es kann ganz schön daneben gehen.
Hier ist aber alles vom Feinsten. Erst mal das Setting, Edinburgh im Advent muss magisch sein, nach dem Buch möchte ich das mal mit eigenen Augen sehen. Man spürt beim Lesen, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt.
Die schottische Familie von Jenny ist zudem so herzlich, das liest sich authentisch und so, als ob es sie alle tatsächlich im Real Life gibt.
Was mir besonders gefallen hat, waren die vielen kleinen Details, die die Geschichte mit Leben gefüllt haben. Die Bastelarbeiten von Jennys Oma oder Callums kreatives Arbeiten.
Ein richtig schönes Buch, um sich schnell in Weihnachtsstimmung zu bringen - allerdings mit der kleinen Nebenwirkung, dass man sofort nach Edinburgh reisen möchte.
Happy Weihnachtsapokalypse
Ring the Bells von C. K. McDonnell
Es wird besinnlich in der Redaktion der Stranger Times. Weihnachten naht und Banecroft ist Abstinenzler geworden.
WAS??? Nein, natürlich nicht! Es geht auf Weihnachten zu, ja, aber es ist natürlich null besinnlich, aber dafür höchst übersinnlich. Und obwohl Weihnachtsmänner hier einen großen Auftritt haben, droht statt Weihnachtwunder die Auslöschung der Menschheit.
Uff. Starker Tobak.
Endlich gibt es eine Wiederlesen mit den lieb gewordenen Charakteren aus der Zeitungsredaktion. Alle sind wieder mit an Bord und zusätzlich bekommen bisherige Randfiguren mehr Gewicht und neue Charaktere kommen dazu. Sehr vergnüglich!
Überhaupt ist es das abgefahrenste Weihnachtsbuch, das ich jemals gelesen habe. Vielleicht ist McDonnell doch etwas von der Magie der Weihnacht ergriffen worden, dieses Mal gab es sogar einen ergreifenden Moment. Aber keine Bange, ansonsten ist es wie gewohnt schräg und gespickt mit dem speziellen britischen Humor. Hier könnte ich gar nicht mehr aufhören, die Lieblingszitate-Liste fortzuführen, wenn ich denn eine hätte.
Lediglich gegen Ende wurde es für mich ein wenig zäh und der Witz zündetet nicht mehr so wie gewohnt. Ich kann es gar nicht genau benennen, woran es lag, irgendwie war für mich die Luft da raus und ich war dann tatsächlich froh, dass der Showdown ratzfatz von statten ging.
Insgesamt aber wieder ein Highlight und ich hoffe sehr, dass es bald weiter geht in der verrücktesten Zeitungsredaktion.
Der Tag, an dem Barbara starb von Richard Hooton
Margaret ist 89, verwitwet und zunehmend vergesslich. Als ihre Nachbarin und Freundin Barbara ermordet wird und eine Aufklärung durch die Polizei nicht in Sicht ist, nimmt Margaret zusammen mit ihrem Teenie-Enkel selbst die Ermittlung auf. Denn Barbara hat ihr kurz vor ihrem Tod etwas wichtiges gesagt, nur kann sich Margaret einfach nicht erinnern.
Das Buch ist trotz Mord und Ermittlungen kein klassischer Krimi.
Es geht um Margaret, ihre Trauer um den verstorbenen Mann und die Beschwerden des Alters sowie das Gefühl, seiner Familie zunehmend zur Last zur fallen.
Das alles nimmt großen Raum ein - aber auf eine warmherzige und schön lesbare Weise. Das habe ich so zwar nicht erwartet, hat mir aber gut gefallen, ich konnte mich gut in Margaret hineinfühlen und es ist auch gut, mal in die Lebenswelten von alten Menschen einen Einblick zu bekommen.
Besonders mochte ich den Enkel James, der definitiv ein Oma-Kind ist und stets zu Margaret hält, auch wenn seine Mutter und Margarets Tochter zunehmend genervt von dem steigenden Betreuungsaufwand ist (was man aus ihrer Perspektive schon auch sehr gut nachvollziehen kann).
Aber natürlich geht es nicht nur darum, sondern auch um die Aufklärung des Mords. Hier hat das Buch aber seine Schwächen, das zog sich im Mittelteil doch ganz schön. Einen Spannungsbogen gab es nicht wirklich - hier ist noch Luft nach oben.
Insgesamt habe ich das Buch gern gelesen, gemächlich und mit Pausen, aber dennoch.
Wenn man gemütliche Bücher mag, kann ich es empfehlen, wenn man einen spannenden Krimi erhofft, eher nicht.
Erschreckend
Heimat von Hannah Lühmann
Jana und ihr Mann und die zwei kleinen Kinder ziehen von der Stadt auf das Land und verwirklichen sich ihren Traum vom eigenen Haus.
Der Preis dafür ist hoch.
Janas Mann muss täglich weit pendeln und Jana arbeitet nicht mehr und fühlt sich am neuen Wohnort in der Neubausiedlung fremd und einsam.
Als sie Karolin kennenlernt, möchte Jana unbedingt ihre Freundin werden. Sie stalkt schon fast obsessiv Karolins Insta Account und wird schließlich in die Clique um Karolin aufgenommen.
Karolin lebt konservativ. Sie ist Hausfrau und Mutter von fünf Kindern, ihr Mann der Ernährer und Familienoberhaupt. Perfekte Inszenierung auf Social Media inklusive.
Unter dem Begriff Tradwife habe ich bislang nur die US-Frauen subsumiert, die ultrakonservativ und für mich rückwärtsgerichtet in einer völlig anderen Welt leben. Nein, die Welt ist ja identisch, das Weltbild aber nicht.
Das Buch spielt in einer nahen Zukunft, alles sehr realistisch gezeichnet und Karolin wirkte auf mich gar nicht so wie mein Bild eines typischen Tradwifes. Sie ist eine Macherin.
Allerdings ändert sich das im Verlauf des Buches bzw. ich habe eine erweiterte Definition erweitert.
Ich fand das Lesen sehr gruselig. Die düstere Zukunftsversion und das Erkennen, wie schnell man unter gewissen Parametern doch anfällig wird für rechtes Gedankengut oder es zumindest verharmlost, das zeigt das Buch sehr gut auf.
Insgesamt sowohl spannend als auch sehr nachdenklich machend.
Gerade auch, weil es Janas eigenständiger Weg ist, sie nicht von ihrem Mann dahin getrieben wird, ganz im Gegenteil, dieser distanziert sich eindeutig.
Ich habe zusätzlich zum Buch auch das Hörspiel gehört und dies konnte mich nicht ganz so begeistern wie das Buch. Es ist ungekürzt, aber die Sprecherin fand ich etwas anstrengend. Trotzdem auch hier noch fünf Sterne, weil der Inhalt so gut ist und die Sprecherin auch nicht schlecht ist, das sind nur Abzüge in der B-Note.











