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Rezensionen von PMelittaM:

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Noch besser als Band 1

Das Mädchen und der Totengräber von Oliver Pötzsch

Wien 1894: Ein Ägyptologe wird mumifiziert in einem Sarkophag im Kunsthistorischen Museum entdeckt, ein Phantom kastriert und tötet Strichjungen und im neu eröffneten Tiergarten wird ein Tierwärter von einem Löwen zerfleischt – drei neue Fälle für das Sicherheitsbüro und Inspektor Leopold von Herzfeldt.

Aber auch die Polizeifotografin Julia Wolf und der Totengräber Augustin Rothmayer haben es nicht leicht. Während Julia sich immer schwerer tut, die zum Teil schlimmen Tatortfotos zu machen, arbeitet Augustin an einem neuen Buch, dieses Mal über Totenkulte (aus dem auch wieder zitiert wird), und kämpft gleichzeitig darum, das Mädchen Anna bei sich behalten und zur Totengräberin ausbilden zu können, doch das Jugendamt macht ihm das nicht leicht.

Nachdem ich den ersten Band schon sehr mochte, setzt für mich der zweite noch einen drauf. Die Charaktere entwickeln sich weiter und kommen einem immer näher. Mir gefällt auch sehr, wie sie miteinander agieren, ohne die drei Protagonisten wäre manche Aufklärung so nicht möglich. Mein Liebling ist immer noch, und jetzt noch ein bisschen mehr, Augustin Rothmayer, er ist zwar ein alter Grantler, hat aber auch das Herz am rechten Fleck.

Oliver Pötzsch gelingt es immer wieder meisterhaft, den Leser in seine Geschichte zu ziehen, die Charaktere wirken authentisch und berühren. Mir hat es auch viel Spaß gemacht, mitzurätseln. Bei manchen Szenen habe ich mich herrlich amüsiert, andere sind sehr spannend, und ich finde auch die Hintergrundinfos sehr interessant, sei es über das Mumifizieren (das Alte Ägypten hat mich schon immer fasziniert), sei es über das Leben im Wien jener Zeit, das auch die unteren Schichten nicht auslässt (so begeben wir uns hier in den Untergrund, und auch dort leben Menschen) oder die unsäglichen Menschenschauen, die hier eine wichtige Rolle spielen – wobei Pötzsch auch mit Kritik nicht spart. Im lesenswerten Nachwort geht er darauf ein, was Fiktion und was Wahrheit ist.

Die Auflösungen sind nachvollziehbar, und im Nachhinein betrachtet hat der Autor auch ein paar Fährten gelegt, die einen auf die richtige Spur hätten bringen können, aber nicht unbedingt müssen – gut gemacht.

Band 2 steht Band 1 in nichts nach, mir hat er sogar noch besser gefallen, so dass ich mich jetzt noch mehr auf Band 3 freue. Wer gute historische Kriminalromane mag, die den Leser in die entsprechende Zeit entführen, authentische Charaktere und interessante Kriminalfälle bieten, kann hier nichts falsch machen.

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Noch besser als Band 1
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Es lohnt sich, dran zu bleiben

Poesie des Mordens von Steintór Rasmussen

In Kopenhagen stirbt ein bekannter färöischer Schriftsteller, kurz darauf stürzt eine Kunstkritikerin auf den Färöern in den Tod – Mord, Selbstmord, Unfall? Hängen die Tode zusammen? Jákup à Trom, der leitende Ermittler in beiden Fällen hat kein leichtes Rätsel zu lösen, zumal ihn noch persönliche Probleme belasten.

Der Roman ist bereits der dritte um die Frauen eines färöischen Strickclubs, Stricken ist auf den Färöern ein beliebtes Hobby und Strickclubs ein nationales Phänomen. Die Damen des Strickclubs haben Auftritte in verschiedener Intensität, so ist eine von ihnen die Ehefrau Jakups, eine andere Reporterin, und alle nehmen natürlich an der Strickclubparty teil, bei der die Kritikerin Inga Einarsdottir ihren letzten Auftritt hatte.

Ich muss sagen, dass ich zunächst Schwierigkeiten mit dem Roman hatte, es war mein erster der Reihe, und der Erzählstil ist, vor allem für einen Krimi, schon sehr eigenwillig. Der Autor erzählt aus vielen verschiedenen Perspektiven, wobei man die einzelnen Charaktere sehr tiefgründig kennenlernt, sich aber lange fragt, was das nun alles mit den Todesfällen zu tun hat. Zudem macht auch das fast vollständige Fehlen der direkten Rede und manche Wiederholung das Lesen nicht einfacher. Irgendwann aber, knapp vor der Hälfte des Romans, war ich dann in der Erzählung angekommen, manche Verbindungen haben sich geklärt, und derjenige, der sich bereits, in kursiver Schrift und Ich-Form als Täter:in geoutet hat, wurde greifbar, ja, lange vor Schluss wusste man bereits den Namen, nur das Motiv galt es noch zu erfahren – und ein paar Überraschungen gab es schon auch noch. Und hier wurde der Roman zunehmend interessant und das Lesen fiel immer leichter – das Ausharren hat sich gelohnt.

Man erfährt, wie bereits gesagt, viel über die einzelnen Charaktere, auch wenn nicht alles für die Ermittlungen relevant ist, sondern manches vielleicht nur für die Reihe. Ich werde sicher noch mindestens einen weiteren Band lesen und bin gespannt, wie ich manches dann beurteilen werde. Schon allein das Setting auf den Färöer finde ich außerdem sehr interessant. In diesem Roman erfährt man z. B. viel über deren Kunst und Kultur und hat mir direkt Lust gemacht, mich ein bisschen mehr zu informieren.

Manchmal lohnt es sich einfach, an einem Roman dran zu bleiben, auch wenn es zunächst nicht so scheint. Dieser ist für mich so einer. Zunächst schwierig zu lesen, hat er mich dann doch gepackt und letztlich gut unterhalten.

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Es lohnt sich, dran zu bleiben
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Lesenswert und länger nachhallend

Auf der Straße heißen wir anders von Laura Cwiertnia

Karlas Oma hat einen goldenen Armreif einer Frau in Armenien vermacht – doch wer ist diese Frau? Karla überredet ihren Vater Arvi, mit ihr nach Armenien zu reisen und Lilit Kuyumcyan zu finden – es ist gleichzeitig eine Reise in die Vergangenheit der Familie.

Karla ist die Ich-Erzählerin der Geschichte, doch auch Familienmitglieder erhalten eigene Kapitel, der Vater, die Oma und die Uroma, und so wird nach und nach das Schicksal der einzelnen Familienmitglieder aufgedeckt, die als Armenier nicht nur vom Genozid betroffen waren, sondern z.

B. auch als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, später aber nicht darüber sprechen wollten, so dass auch Karla die Geschichte ihrer Familie erst nach und nach erfährt.

Wie wahrscheinlich viele, habe ich zwar schon einmal von diesem Genozid gehört, aber mich noch nie näher damit beschäftigt. Etwas in Form von Einzelschicksalen zu lesen, bringt vieles näher, zumal, das die Autorin auch Armenier in ihrer Verwandtschaft, und womöglich Biografisches verarbeitet hat. Leider gibt es kein Nachwort, dem man mehr entnehmen könnte. Ich jedenfalls habe nach dem Lesen direkt gegoogelt, um weiteres zu erfahren. So finde ich den Roman zusätzlich wichtig, denn auch das Schicksal der Armenier sollte im Gedächtnis bleiben oder überhaupt erst bewusst werden. In diesem Zusammenhang wird dann übrigens auch der Titel des Romans im Roman angesprochen.

Während man in Karlas Kapiteln ihre Verwandten aus ihrer Sicht sieht, bekommen sie in ihren eigenen Kapiteln zusätzliche Facetten, das hat mir gut gefallen, so wird auch deren Handeln klarer. Schade, dass Karla sie nicht so kennenlernen konnte – mich bringt das auch zum Nachdenken, wie viel ich von meinen Eltern und Großeltern vielleicht nicht weiß. Insgesamt hat mich dieser Roman sehr zum Nachdenken gebracht.

„Auf der Straße heißen wir anders“ ist ein lesenswerter Roman, dem ich, nicht nur wegen seiner Thematik, viele Leser:innen wünsche. Die Geschichte(n), die er erzählt, hallen nach.

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Lesenswert und länger nachhallend
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Phantasievoll und gut erzählt

Brüder des Windes von Tad Williams

Die Zida‘ya-Brüder Hakatri und Ineluki folgen der Bitte des menschlichen Prinzen Cormach, die Seinen von einem (Lind)Wurm zu befreien, von dem sich herausstellt, dass er Hidohebhi, der Schwarzwurm, einer der sehr gefährlichen alten Würmer ist. Ineluki tut den Schwur, nicht nach Hause zurückzukehren, bis Hidohebhi vernichtet ist, was nicht nur ihn auf eine schwere Probe stellen wird.

Erzählt wird die Geschichte in Ich-Form von Pamon Kes einem Tinukeda‘ya, die von den Zida‘ya Wechselwesen genannt werden, der der Waffenträger Hakatris ist, und seinen Herrn nicht nur in das gefährliche Abenteuer begleitet, sondern auch mit ihm die Konsequenzen durchsteht, die daraus entstehen. Mir gefällt diese Erzählweise gut, vor allem, weil sie nicht aus Sicht eines der priviligierten Zida‘ya ist, sondern aus der eines bei den meisten weniger Geachteten, der zudem im Laufe der Geschichte auch noch eine neue Sicht auf sich selbst erhält.

Der Roman ist anders als viele andere, denn er hört mit dem Ende der Jagd nach Hidohebhi noch lange nicht auf, fast könnte man meinen, die Geschichte geht danach erst richtig los. Schon vorher gibt es Begegnungen mit anderen Gemeinschaften, was interessant ist, aber erst danach geht das Reisen so richtig los, und man lernt als Leser:in einiges über die einzelnen Kulturen, deren Lebensweisen und Hintergründe, wozu durchaus auch Kritisches gehört.

Die Geschichte spielt, laut Klappentext, tausend Jahre vor dem „Drachenbeinthron“, wer schon öfter in Osten Ard unterwegs war, kennt vielleicht manches schon, bekommt aber eventuell eine neue Perspektive und lernt neue Geschichten und Mythen kennen. Ich selbst habe bisher nur wenige Bücher aus diesem Universum gelesen, finde vieles interessant, was ich hier lese, und freue mich darauf, dem einen oder anderen Namen später noch einmal zu begegnen. Auch für einen Neuling könnte es eine interessante Lektüre sein. Was allerdings fehlt ist eine Art Glossar, dafür ist eine Karte, die den Weg der Charaktere nachvollziehen lässt, vorhanden.

Die Spannung ist in diesem Roman unterschiedlich verteilt, vor allem der erste Teil ist sehr spannend, später lässt die Spannung nach, blitzt aber immer wieder einmal auf. Dennoch finde ich auch den zweiten Teil nicht langweilig, auch er lebt davon, dass man wissen möchte, wie es wohl ausgehen wird. Was aber vielleicht mehr wiegt: Tad Williams kann so schreiben, dass der Leser sich nicht nur dabei, sondern auch mitfühlt, und er kann Charaktere kreieren, die man sich merkt, und die man gerne weiterbegleiten würde.

Tad Williams ist immer lesenswert, und auch dieser Band hat mir wieder einmal Lust darauf gemacht, endlich die mir noch fehlenden Bände aus Osten Ard zu lesen. Er ist aber kein packender Pageturner sondern lässt es in weiten Teilen ruhiger angehen – lesenswert ist er dennoch und gehört in die Bibliothek eines jeden Fans der Osten Ard-Reihe. Empfehlen kann ich ihn aber auch Genrefans, die es nicht durchgehend sehr spannend haben müssen, die „fremde“ Namen und Begriffe nicht abschrecken und die gerne phantasievolle und gut erzählte Fantasy lesen.

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Phantasievoll und gut erzählt
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So könnte es gewesen sein

Mrs Agatha Christie von Marie Benedict

Im Dezember 1926 verschwindet Agatha Christie für elf Tage spurlos, bis heute ist der Grund nicht geklärt. Marie Benedict bietet in diesem Roman einen Erklärungsversuch.

Erzählt wird abwechselnd in zwei Zeitebenen. In Ich-Form und im Präteritum erzählt Agatha selbst in den mit „Das Manuskript“ betitelten Kapiteln, wie sie 1912 ihren späteren Ehemann Archibald Christie kennenlernt und danach von ihrem Eheleben.

Das Geschehen rund um Agathas Verschwinden wird aus Perspektive ihres Ehemannes in Präsens und und der dritten Person erzählt. Archibald, genannt Archie, geriet seinerzeit selbst unter Mordverdacht. Diese Erzählweise finde ich gelungen, auch, weil man sich so zu Anfang gar nicht erklären kann, wie es so weit kommen konnte, im Laufe des „Manuskripts“ dann aber besser versteht.

In einem zweiten Abschnitt wird, nach Auffinden Agathas, die Erklärung geliefert, die Marie Benedict wohl am wahrscheinlichsen hält, und die auch tatsächlich wahr sein könnte. Agathe Christie hat bis zu ihrem Tod selbst keine Erklärung geliefert.

Schon bei „Lady Churchill“ hat mich die Autorin nicht bis zum Ende packen können, und leider ist es mir hier ähnlich ergangen. Zunächst fand ich es noch interessant zu lesen, doch mit der Zeit konnten mich die Figuren nicht mehr packen, und ich fragte mich schnell nach dem Warum. Nicht nach dem Warum Agatha verschwunden ist (das war ja sowieso die Grundfrage) sondern nach dem Warum Agatha und Archie so handeln. Gut, eine Sache wurde erst im zweiten Teil klar, aber das war für mich leider kein Aha-Erlebnis, wie es wohl beabsichtigt ist, eher war ich unzufrieden, weil ich nicht ganz nachvollziehen konnte, was ich da las. Da mich zudem die Charaktere nicht für sich einnehmen konnten, und die Geschichte schließlich auch Längen aufweist, habe ich den Roman am Ende nicht den Lesegenuss gehabt, wie ich ihn erhofft hatte.

Interessant war der Roman trotzdem, zumindest teilweise. Bisher kannte ich zwar die meisten Romane Christies, in meiner Jugend habe ich sie gerne gelesen, aber über ihr Leben wusste ich kaum etwas. Hier habe ich einiges über ihre Herkunft, ihre Sozialisation, ihre erste Ehe und die Anfänge ihres Schreibens erfahren. Auch wenn sicher nicht alles genau so stattgefunden hat, im wesentlichen war es wohl so. Und ich habe Lust bekommen, mal wieder etwas von Christie zu lesen.

Leider hat der Roman meine Erwartungen nicht ganz erfüllt. Ich habe zwar ein bisschen mehr über eine berühmte Autorin erfahren, und auch die Erzählweise auf zwei Zeitebenen finde ich gelungen, aber der Roman hat Längen, die Charaktere können mich nicht komplett überzeugen, und die Auflösung ist zwar möglich, aber nicht überzeugend erzählt.

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So könnte es gewesen sein
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Atmosphärisch und interessant erzählt

Das Gift der Lüge von Ambrose Parry

Edinburgh 1849: Will Raven kehrt nach einem Jahr in Europa als Dr. Simpsons Assistent zurück und stellt fest, dass Sarah mittlerweile Mrs. Banks geworden ist. Er selbst hatte die Beziehung zu ihr abgebrochen, weil er eine Ehe mit einem Dienstmädchen nicht standesgemäß fand. Dennoch müssen beide weiterhin zusammenarbeiten, denn auch Sarah arbeitet noch für Dr.

Simpson, allerdings nun in einer anderen Stellung. Als Will zu einem unklaren Fall hinzugezogen wird, wähnt er sich im Begriff, eine neue Krankheit zu entdecken – oder ist es doch ein Mordfall, wie Sarah vermutet?

Band 1 der Reihe hatte ja bereits gut vorgelegt, und auch Band 2 bietet wieder eine gute Mischung aus Kriminalgeschichte und Medizinhistorie, wozu auch gehört, dass einige der Charaktere, allen voran James Young Simpson, historische Persönlichkeiten sind, die tatsächlich Medizingeschichte geschrieben haben. Dazu kommt noch viel Zwischenmenschliches, wie die Beziehung zwischen Sarah und Will, aber auch Gesellschaftskritisches, wie z. B. die Stellung der Frau. So lässt sich Sarah nicht so ohne weiteres in die Rolle drängen, die ihr in jener Zeit als Frau zugeschrieben wird, und sie ist in diesem Band nicht die einzige, die sich dagegen stellt. Sehr gut hat mir in diesem Zusammenhang Sarahs Ehemann, Archie Banks, gefallen, der sie in diesem Bestreben unterstützt.

Will dagegen muss an seiner Meinung feilen, und er bekommt mehr als eine Gelegenheit dazu. Mir hat sehr gut gefallen, wie tief man in die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden Hauptcharaktere, aus deren Perspektiven erzählt wird, eintaucht, dazu kommt noch die der Täterin, die man schnell kennenlernt, denn sie erzählt ihre Geschichte selbst in Ich-Form, auch hier kommt einiges gesellschaftskritische zum Tragen. Interessant ist, dass diese Frau auch auf einer realen Person basiert, wie man den historischen Anmerkungen im Anhang entnehmen kann.

Ein großer Pluspunkt ist für mich weiterhin, dass man gut teilhaben kann am Alltag eines Arztes jener Zeit, aber auch an den Grenzen, die ihm aus verschiedenen Gründen gesetzt sind. Will setzt sich über manche dieser Grenzen hinweg, am Ende sogar über eine sehr schwerwiegende. Auch der Fall betrifft wieder das medizinische Thema und bietet zusätzliche Einblicke. Insgesamt habe ich mich in die Zeit zurückversetzt gefühlt, die Atmosphäre stimmt.

Das Ende wirft Fragen nach der Zukunft der Reihe auf, ich hoffe, es wird einen dritten Band geben und bin schon sehr gespannt, was mich dort erwartet.

Auch Band 2 ist wieder atmosphärisch und interessant erzählt, die beiden Hauptcharaktere entwickeln sich fort, und die medizinische Thematik ist gut recherchiert. Ich hoffe sehr auf weitere Bände und vergebe wieder volle Punktzahl und eine Leseempfehlung für Genrefans.

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Atmosphärisch und interessant erzählt
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Gelungene Charaktere

Die Totenärztin: Goldene Rache von René Anour

Wien 1908: Doktor Fanny Goldmann kann endlich als Rechtsmedizinerin arbeiten, auch wenn ihr Vorgesetzter das immer noch nicht gerne sieht. Leider ist ihr Leben nicht nur besser geworden, denn die Probleme mit Graf Waidring gehen weiter. Dass sie mehrere ungewöhnliche Fälle obduzieren kann, die für sie und ihren Kollegen Franz auch beruflich interessant sind, wird leider davon überschattet.

Nachdem mir der erste Band des geplanten Vierteilers bereits gut gefallen hat, war ich sehr gespannt auf den zweiten, der nahezu unmittelbar an die Geschehnissen des Vorgängerbandes anknüpft und einiges weiterführt. Am Ende, das darf ich schon verraten, hat manches ein Ende gefunden, aber noch nicht alles, so dass man auf die weiteren Bände gespannt sein kann.

Relativ wichtig ist in diesem Band Gustav Klimt und eines seiner bekannten Gemälde. Das hat mir richtig gut gefallen, hier hat René Anour Fiktion und Historie prima miteinander verwoben, und bot mal wieder Gelegenheit zum Googeln. Gleiches gilt für den Einbezug der Medizin, auch wenn der ein oder andere, auch wegen des bildhaften Erzählstils, die Obduktionsszenen zu anschaulich finden wird, für mich persönlich sind vor allem die medizinischen und medizinhistorischen Aspekte sehr interessant. Man merkt in allem, dass der Autor gut recherchiert hat.

Sehr gelungen sind auch wieder die Charaktere, seien es die aus Fannys privatem oder die aus ihrem beruflichen Leben, egal ob gut oder böse, ja sogar Graf Waidring. Besonders gut hat mir in diesem Band Fannys Kollege Franz, gefallen. Auch die Beziehungen untereinander kommen gut zur Geltung.

Bei einer anderen Sache bin ich hin und her gerissen – Graf Waidring und die Problematik, die er mitbringt, mag ich das oder mag ich das nicht, zumal, wenn ich darauf schaue, wie sie die Geschichte letztlich weiterentwickelt, und was womöglich im nächsten Band passiert? Ich weiß es nicht, mal hat es mich genervt, mal hat es spannende Auswirkungen gehabt, aber im Grund habe ich mir doch öfter gewünscht, der Autor hätte es weg gelassen und eine andere Geschichte erzählt, Fanny und ihr Beruf müssten doch spannend und interessant genug sein.

Und dennoch hat mich der Roman am Ende gut unterhalten gehabt, manche Entwicklung hat mir gut gefallen, wie z. B. die Einblicke in Max Vergangenheit. Und auch bei Schlomo, Fannys unkonventionellem Cousin, gibt es eine Weiterentwicklung, die ich mag. Und die vielen, meist überraschenden Wendungen machen die Geschichte zusätzlich spannend.

Das Bonusmaterial ist überzeugend: Karte des Wiens jener Zeit, Nachwort und Anmerkungen des Autors, Glossar der medizinischen und der österreichischen Begriffe.

Band 2 der Reihe war für mich ein bisschen ambivalent, ich fühlte mich gut unterhalten, vieles ist interessant und spannend, ein Teil davon hat mich aber immer einmal wieder gestört, ich hätte mir die Geschichte ohne diese Ver(w)irrungen gewünscht. Aber auch wenn ich in den weiteren Bänden ähnliche Ver(w)irrungen erwarte, freue ich mich darauf, Fanny, Franz, Schlomo, Max und die anderen Charaktere wiederzutreffen. Dieses Mal vergebe ich „nur“ 4 Sterne, aber auch eine Leseempfehlung für die ganze Reihe.

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Gelungene Charaktere
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Ist mir zu übertrieben, aufgesetzt und klischeehaft

Braves Kind (Thriller) von Gunnar Schwarz

Ein Video geht online, in dem anscheinend eine Kinderleiche zu sehen ist, neben der eine selbstnähte Stoffpuppe liegt. Wenig später wird am selben Ort die Leiche eines kürzlich entführten Politikers gefunden. Sina Claasen und Eric Bartels ermitteln, müssen aber schnell feststellen, dass ihnen Steine in den Weg gelegt werden.

Vor einiger Zeit las ich einen anderen Roman des Autors, der mir gut gefiel, so dass ich mich auf diesen freute – wie man an meiner Bewertung sehen kann, wurde ich hier aber leider enttäuscht.

Das lag zu einem nicht unwesentlichen Teil an den Charakteren, die mir fast durchweg sehr unsympathisch waren, vor allem die Protagonistin, die viele Vorurteile hat und sehr von sich eingenommen ist, zudem gerne Alleingänge macht und dabei oft jenseits des Gesetzes handelt. Gut dass wenigstens ihr Kollege Eric eher zu den sympathischen gehört. So konnte ich letztlich mit keinem der Charaktere mitfühlen.

Zu einem großen Teil lag es auch daran, dass der Roman voll ist mit Klischees, manches unlogisch ist, und vieles nicht echt wirkt. Normalerweise mag ich es z. B. gerne, wenn auch das Privatleben der Ermittler Einzug in den Roman hält. Aber hier wirkt das übertrieben und aufgesetzt. Natürlich hat Sina ein problematisches Eheleben, bei dem man sich fragt, warum die Ehe überhaupt noch besteht, noch schlimmer ist aber der Handlungsstrang um ihre Schwester Maya, hier kam ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus – ich empfand diesen als unnötig, völlig übertrieben und einfach schrecklich. Auch Erics Privatleben wirkt leider aufgesetzt, er ist Junggeselle und wir erleben mit, wie er mit zwei potentielle Partnerinnen Umgang hat, nun, ich hätte darauf verzichten können. Unlogisch finde ich u. a. die Entführung des dritten Opfers. Insgesamt scheint mir einfach der Plot zu schwach gewesen zu sein, um einen ordentlichen Roman zu tragen, so dass aufgefüllt werden musste.

Je weiter ich gelesen habe, desto mehr musste ich mit dem Kopf schütteln und die Augen verdrehen, vor allem wenn dann noch alle Frauen „stöckelten“ – natürlich nicht Sina, weil die ja Doc Martens trägt.

Die Auflösung konnte man sich dann schon fast denken, es gibt nur einen kleinen Twist, der mich aber auch nicht mehr packen konnte. Auch das Ende ist in meinen Augen einfach nur übertrieben, ich kann das alles nicht ernst nehmen.

Tja, dann hoffe ich mal, dass mir der nächste Roman Gunnar Schwarz‘ besser gefällt, denn einen weiteren habe ich noch auf dem Reader. Diesen hier kann ich leider nicht empfehlen und vergebe 1,5 Sterne (aufgerundet wo nötig), weil ich letztlich die Plotidee, sieht man einmal von all dem unnötigen Drumherum ab, gar nicht so schlecht finde.

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Band 2 erzählt Sals Geschichte spannend und blutig weiter

Braves Kind (Thriller) von Gunnar Schwarz

Sal Kakophonie wird mit ein paar anderen von dem Freimacher Zwei-Einsame-Alte-Männer angeheuert, ein besonderes Relikt der Revolutionäre zu stehlen. Dieses befindet sich aktuell im Flaggschiff der zehn Luftschiffe der Eisernen Flotte – auch Zehn Pfeile genannt.

Ich habe diesen zweiten Band direkt im Anschluss an den ersten gelesen, und habe somit die Zusammenfassung der Ereignisse des Vorgängerbandes nicht benötigt.

Für alle, die den ersten Band bereits vor längerer Zeit gelesen habe, ist sie aber sicher sehr nützlich. Auch in Band 2 ist Sals Liste der Namen, an denen sie sich rächen möchte, noch aktuell, aber durch den Auftrag, den sie annimmt, geht die Geschichte einen anderen Weg, was mir gut gefällt. Natürlich gibt es auch hier viel Blut und Chaos, ohne geht es bei Sal wahrscheinlich nicht. Dazu ist das Geschehen wieder sehr spannend und bietet die eine oder andere Überraschung.

Sal hat man ja in Band 1 schon gut kennengelernt, und zumindest manche ihrer Geheimnisse erfahren, über den Kakophon, ihre – irgendwie lebendigen – Pistole weiß man aber noch nicht so viel, ein bisschen mehr wird in diesem Band verraten. Neben Sal trifft man auf einige bekannte Charaktere, wie z. B. die Freimacherin Liette, zu der Sal eine besondere Beziehung hat, aber auch eine ganze Reihe neue, allen voran Sals Mitstreiter:innen, die alle sehr interessant und besonders sind und mir alle gut gefallen haben, da ist z. B. die sehr große Ange, die Zwillinge Yria und Urda, sie eine Portalmagierin, er ein Bannschreiber, oder auch Tuteng, der der indigenen Rasse der Rukkokri entstammt, die man bisher noch nicht kannte.

Die Rahmenhandlung spielt dieses Mal in Jammertal, wo Sal unter chaotischen Umständen strandet. Dieser Teil ist, im Gegensatz zum Rest des Romans nicht in Ich-Form aus Sals Perspektive erzählt. Hier trifft sie den Apotheker Meret und die ehemalige Soldatin Sindra, die beide ebenfalls wichtige Rollen einnehmen.

Natürlich sind neben Sal und den anderen von Zwei-einsame-alte-Männer Angeheuerten nicht nur die Revolutionäre sondern auch das Imperium im Spiel sowie die fanatische Sekte der Edener, und man lernt eine sehr alte Präsenz kennen. Daneben gibt es neue Wesen, wie die Drakken, deren Name nicht umsonst an „Drachen“ erinnert. Sam Sykes baut seine Welt aus Band 1 weiter aus, es gibt einiges neue zu entdecken, das sich gut in das bisherige eingliedert – man darf gespannt sein, was sich der Autor für die weiteren Bände einfallen lässt, die hoffentlich auch auf Deutsch erscheinen werden.

Der zweite Band der Reihe hat mir wieder sehr gut gefallen, wie Band 1 ist er sehr blutig, aber auch sehr spannend, man erfährt einiges neue über die Welt und lernt interessante Charaktere kennen. Wer Band 1 mochte, sollte unbedingt auch Band 2 lesen.

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Leben und Sterben eines interessanten Mannes, der leider unverdient in Vergessenheit geraten ist

Der große Fehler von Jonathan Lee

Am Freitag, den 13.11.1903 wird Andrew Haswell Green 83jährig vor seinem Haus in New York mit fünf Schüssen getötet, der Täter, Cornelius Williams, wird direkt verhaftet, jedoch ist das Motiv unklar, so bleibt u. a. die Frage, welche Rolle Bessie Davis spielt, die Inspektor McClusky nach längerer Suche endlich findet.

Ich kannte tatsächlich Andrew Haswell Green nicht, bevor ich diesen Roman las, dabei hat er in New York einiges erschaffen, so z. B. den Central Parc. Neben der Suche nach dem Motiv erzählt Jonathan Lee auch das Leben dieses Mannes, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte.

Jonathan Lees Erzählung hat mir von Anfang an gut gefallen. Schon die Benennung der einzelnen Kapitel mit den Namen der Eingänge des Central Parcs hat etwas. Der Autor erzählt hochwertig und mit feinem Humor – nicht immer chronologisch – verschiedene Episoden aus Greens Leben, die insgesamt ein gutes Bild auf diesen interessanten Mann werfen, der leider viel zu wenig bekannt ist bzw. unverdient in Vergessenheit geraten ist.

Auch wenn es in diesem Roman um einen Mordfall geht, ein Krimi ist er in meinen Augen nicht, der Fokus liegt auf Andrew Haswell Greens Lebensgeschichte, parallel dazu, aber in geringerem Umfang werden die Geschehnisse nach dem Mord an Green erzählt. Der Autor hat zweifellos gut recherchiert, mir hat allerdings ein Nachwort von ihm gefehlt, das Interview im Anhang ist zwar okay, ich empfand es aber als weniger informativ als erhofft.

Der Roman hat mir gut gefallen, ich habe Neues über New York erfahren und einen interessanten Mann kennengelernt, der leider unverdient in Vergessenheit geriet, und hoffe, dass die Erinnerung an ihn durch diesen Roman wieder neu belebt werden kann, auch wenn dieser nicht immer leicht zu lesen ist, möchte ich ihn doch uneingeschränkt empfehlen und vergebe gerne volle Punktzahl.

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