Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PMelittaM:
Die Reihe hat bessere Bände zu bieten
Trügerisches Lavandou von Remy Eyssen
Eine verzweifelte Mutter erscheint in der Gendamerie von Le Lavandou und meldet, dass ihre vierjährige Tochter und ihr siebenjähriger Sohn aus ihrem Auto verschwunden sind, als sie kurz etwas im Supermarkt besorgen wollte. Eine sofort eingesetzte Suchaktion bringt keinen Erfolg, und kurz darauf gibt es eine Lösegeldforderung.
Der neunte Band der Reihe macht es den Ermittler:innen nicht leicht, Fälle, bei denen Kinder betroffen sind, sind immer besonders bedrückend, auch für die Leser:innen, zumindest mir geht es so. Der Protagonist der Reihe, der Gerichtsmediziner Leon Ritter, hofft daher auch, außer für DNA-Spuren und ähnlichem, möglichst nicht einbezogen werden zu müssen.
Es gibt einige Erschwernisse, dafür aber eine ganze Reihe Verdächtiger, die nach und nach aber wieder von der Liste gestrichen werden müssen. Es vergeht Tag für Tag und die Ermittlung tritt größtenteils auf der Stelle. Es gibt zwar Ereignisse, die mit dem Fall zu tun haben, aber nicht alle bringen das Team weiter. Die Zeit drängt, man will die Kinder schließlich lebend finden. Wahrscheinlich wäre hier schon weniger mehr gewesen.
Lesen lässt sich das alles gar nicht so schlecht, aber hin und wieder hatte ich doch das Gefühl von Unstimmigkeit, was auch bis zum Ende für mich nicht aufgelöst wird. Gestört hat mich das völlig unnötige und aufgesetzt wirkende „Prickeln“ zwischen Leons Lebensgefährtin und stellvertretender Leiterin der Gendarmerie, Isabelle Morell, und ihrem ehemaligen Geliebten, der als Staatsanwalt der Ermittlergruppe zugeordnet wird. Auch der Showdown war für mich zu viel des Guten. Die Auflösung an sich kann ich aber schon nachvollziehen, ich hatte tatsächlich schon selbst in diese Richtung gedacht, man hätte aber auch weniger spektakulär zum Schluss kommen können.
Leider ist das nicht der erste Band der Reihe, der mir nicht mehr so gut gefallen hat, mir gibt es hier zu viele Unstimmigkeiten, und ich denke, man hätte hier auf das Pseudoproblem Isabelles gut verzichten können, dann lieber weniger Privates. Schade, die Reihe hat deutlich bessere Bände zu bieten.
Dr. Siri und die Hmong - ein lesenswerter fünfter Band
Der Tote im Eisfach von Colin Cotterill
Laos, 1977: Dr. Siri Paiboun ist zu einer Parteiveranstaltung in den Norden des Landes gereist. Dort wird er von einer Gruppe Hmong entführt, die seine Hilfe benötigt. In Vientiane bekommen es seine Mitarbieter:innen Dtui, mittlerweile verheiratet und schwanger, und Geung derweil mit einem Toten zu tun, der erst versehentlich eingefroren wird, und dann auch noch eine Bombe beherbergt, die zum Glück rechtzeitig entdeckt wird.
Doch, wer wollte Siri oder seinem Team an den Kragen?
Siri Paiboun ist nicht nur mit seinen über 70 Jahren nicht nur der älteste sondern auch der einzige Leichenbeschauer des Landes. Immer wieder bekommt er es mit schwierigen Leichen aber auch mit mystischen Gegebenheiten zu tun, beides ist auch hier wieder der Fall. Mir gefällt gut, dass der kulturelle, politische, gesellschaftliche und mythologische Hintergrund des Landes in dieser Reihe immer wieder eine goße Rolle spielt. In diesem Band sind es die Hmong, ein indigenes Bergvolk, das dieses Thema zum großen Teil ausfüllt.
Dr. Siri ist ein liebenswerter aber auch recht skurriler Protagonist, was man im wesentlichen auch von seinen Freund:innen sagen kann. Skurril sind oft auch andere Charaktere sowie das Geschehen selbst. Genau deswegen mag ich diese Reihe auch so sehr.. Dass Siri, und nicht nur er, es faustdick hinter den Ohren hat, kann man auch hier wieder bewundern.
Erzählt wird humorvoll und dennoch spannend und atmosphärisch, Es macht einfach Spaß, die Reihe zu lesen. Dieses ist der fünfte Band, doch es gibt bereits eine Reihe weiterer Bände, auf die ich mich schon sehr freue.
Die Reihe um Dr. Siri ist spannend und unterhaltsam, die Protagonist:innen liebenswert, die Krimifälle interessant und immer etwas skurril, dass man auch noch einiges über Laos, seine Geschichte und Kultur, erfährt, macht sie zusätzlich lesenswert.
Auch Band 4 hat mich überzeugt
West Fantasy. Band 4 von Olivier Peru
Als Nonne wirkt sie unscheinbar und ungefährlich, doch M wurde im Orden der heiligen Katharina zur Assassine ausgebildet. Ihre Aufträge bekommt sie von Vater Sarrak. Ihr neuestes Ziel ist der als Bankier bekannte superreiche und skrupellose Anson H. Renfield, und zur Seite wird ihr die Orkfrau Yaretsi gestellt.
Erzählt wird die Geschichte dieses Mal von M. Yaretsi kennt man bereits aus dem Vorgängerband, hier wird sie von M fast in den Schatten gestellt. Doch M hat mit inneren Zweifel zu kämpfen, und ihr Ziel ist besonders schwierig zu erreichen, den der Bankier verlässt den Eisenbahnzug nie, in dem er lebt, und mit dem er die Eisenbahnstrecke, die er gerade bauen lässt, begleitet, und dieser wird von einem Magier mit Zaubern geschützt.
Eisenbahnbau ist eines der Motive, die in Wild West-Geschichten immer wieder vorkommt, passt also sehr gut in diese Reihe. Der Bankier baut aber nicht nur eine Eisenbahnlinie, er ist auch auf der Suche nach einem Totem, ein Motiv, das die Reihe bereits seit dem ersten Band begleitet. Neue Wesen trifft man dieses Mal nicht, alle vorkommenden tummelten sich schon in einem oder mehreren der drei Vorgängerbände.
Band 4 der Reihe bringt wieder eine spannende Geschichte und gelungene Zeichnungen mit, leider wird dieses Mal auf ein Making of verzichtet. Man kann die Bände der Reihe zwar auch unabhängig voneinander lesen, ich empfehle aber die richtige Reihenfolge.
Der sechste Band konnte mich wieder überzeugen
Böser Wolf von Nele Neuhaus
Im Main wird die Leiche einer Jugendlichen gefunden, aber niemand scheint sie zu vermissen. Eine Fernsehmoderatorin wird gefoltert und dabei lebensgefährlich verletzt, eine weitere Frau stirbt unter Qualen. Trotz Hitzewelle haben die Ermittler des K11 viel zu tun.
Der sechste Band der Reihe nimmt sich eines Themas an, das einen nicht kalt lässt, das aber leider existiert, und das, wie die Autorin in der Danksagung schreibt, nicht vergessen werden darf, auch, oder gerade, weil es oft hinter verschlossenen Türen stattfindet und nicht immer einen Weg nach außen findet: Kindesmisshandlung und -missbrauch.
Dass das das Thema des Romans sein wird, wird schnell klar, die tatsächlichen Ausmaßen erfährt man allerdings erst nach und nach.
Natürlich gibt es auch wieder das eine oder andere Private, vor allem bei Pia Kirchhoff. Eine Enkelin ihres Lebensgefährten kommt zu Besuch, und auf einem Klassentreffen trifft sie ihre alte Freundin Emma wieder. Dass beide nicht umsonst eingeführt werden, kann man sich da fast schon denken.
Der Roman liest sich spannend, von Anfang an machte ich mir Gedanken und war auch schnell emotional beteiligt. Es wird aus mehreren Perspektiven erzählt, nicht nur auf Seiten der Ermittler:innen sondern auch auf Seiten von Opfern oder anderweitig Involvierten. Als Leser:in ahnt oder weiß man so einiges vor den Ermittler:innen. Das hat für mich die Spannung eher noch erhöht, denn man ist nahe bei Menschen, die in Gefahr kommen, während im Kommissariat teilweise noch andere Theorien auf dem Tisch lagen.
Der sechste Band der Reihe dreht sich um ein furchtbares, aber leider reales Thema, für das durchaus mehr Bewusstsein geschaffen werden sollte. Vielleicht trägt der Roman ein bisschen dazu bei.
Hat mich enttäuscht
Noch fünf Tage von Helena Falke
Die Nobelköchin Liselotte Castrop arbeitet bereits seit einigen Jahren für die Milliardärsfamilie Harman, als das Silvesterdinner tödlich endet. Während die vier Familienmitglieder sofort sterben, geben die Ärzte der Köchin noch fünf Tage, in denen sie versucht, dahinter zu kommen, wer das Essen vergiftet hat.
Der Plot klingt originell, ein Opfer, das selbst in Sachen seines eigenen Todes ermittelt, und ich versprach mir spannende Lesestunden. Leider habe ich diese nicht bekommen. Liselotte, von den meisten Lis genannt, ermittelt vom Krankenbett aus, was bedeutet, dass sie in ihren Erinnerungen nach Anhaltspunkten sucht, die jemanden dazu motiviert haben könnten, die Tat zu begehen. Dabei findet sie auch einige mögliche Täter:innen, die sich dann aber nach und nach als unschuldig herausstellen.
Mit Spannung kann der Roman also schon einmal nicht dienen, im Gegenteil, ich empfand ihn, trotz des Zeitdrucks, unter dem Lis steht, als eher langatmig und teilweise sogar langweilig. Was ich dagegen interessant fand, waren die kulinarischen Details. Lis kocht in ihren Erinnerungen sehr viel, und sogar im Krankenhaus kann sie ihr entsprechendes Wissen einbringen. Neben Essen ist, aus gegebenem Anlass, auch der Tod ein Thema, über das viel gesprochen wird, was nachdenklich machen kann.
Womit der Roman leider auch nicht dienen kann, sind Charaktere mit Tiefgang oder wenigsten einer Protagonistin, mit der ich mitfühlen kann, die mir nahe kommt. Obwohl die Autorin Lis selbst in Ich-Form erzählen lässt, blieb diese mir bis zum Schluss ziemlich egal, und das ist wahrscheinlich das schlimmste, was man über ein:en Protagonist:in sagen kann. In Lis‘ Fall drängte zwar die Zeit, es werden Stunden und Tage gezählt, ich kann aber nicht sagen, dass das die Sache spannender machte, zumal Lis selbst wenig Emotionen aufbringt.
Und schließlich die Auflösung, auch sie eher eine Enttäuschung, denn hier ist eher Zufall im Spiel als Lis‘ Ermittlungsarbeit.
Leider hat der Roman meine Erwartungen nicht erfüllen können, lediglich die kulinarischen Momente konnten mich erreichen. Die Protagonistin kam mir nicht nahe und so konnte ich auch nicht mit ihr mitfühlen, außerdem empfand ich den Roman nicht spannend, sondern eher langatmig. Von mir gibt es hier leider keine Empfehlung.
Gelungener Abschlussband
The Boys - Gnadenlos-Edition, Band 6 von Garth Ennis
Es ist soweit, die letzte Schlacht gegen die Supies steht bevor, und Butcher kann sich hoffentlich endlich an Homelander rächen. Doch auch danach ist die Sache für Billy Butcher noch nicht beendet.
Der letzte Band geht noch einmal aufs Ganze und bringt auch ein paar Überraschungen mit sich. Mich hat am meisten überrascht, dass der Band zwei Teile hat und es nach dem Kampf gegen die Supermenschen noch nicht vorbei ist.
Doch auch das passt zur Geschichte, und auch, wenn ich mit dem, was dann noch geschieht nicht wirklich glücklich bin, ist es ein gelungener Abschluss dieser nicht alltäglichen und, ich kann es gar nicht oft genug betonen, nur für Erwachsene gedachten Geschichte.
Der letzte Band rundet die Geschichte gut ab, man sollte die Reihe aber unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen!
Adaption eines Klassikers in die heutige Zeit
Beth is dead von Katie Bernet
Die siebzehnjährige Beth March wird nach einer Silvesterparty tot aufgefunden. Beths Schwester Jo traut der Polizei nicht allzu viel zu und versucht selbst, den:die Täter:in zu ermitteln. Wie sich herausstellt, kämen dafür einige in Frage, sogar Beths eigene Schwestern. Amy, die jüngste, die noch auf der Party einen schweren Streit mit Beth hatte, Meg, die älteste, hinter deren Geheimnis Beth gekommen war, und sogar Jo, der kein gutes Thema für ihren neuen Roman einfallen will.
Und wo ist eigentlich der Vater der Schwestern?
Meg, Jo, Beth und Amy March? Wem das bekannt vorkommt, liegt wahrscheinlich nicht falsch, denn die Charaktere sind entliehen aus dem Klassiker „Little Women“, auf Deutsch „Betty und ihre Schwestern“ von Louisa May Alcott, der mehrfach verfilmt wurde. In meiner Jugend habe ich die Verfilmung mit Katherine Hepburn sehr gemocht, so dass ich neugierig auf diese Adaption des Stoffes war.
Hier wird die Familie nun in die heutige Zeit versetzt, ihre Charaktere haben sie aber im wesentlichen beibehalten. Auch andere Charaktere aus dem oben genannten Roman trifft man hier wieder, wie zum Beispiel Theodore Laurence, Laurie genannt.
Erzählt wird aus den Perspektiven der vier Schwestern, jeweils in Ich-Form. Neben dem aktuellen Geschehen nach Beths Tod gibt es immer wieder Rückblenden, die mit „Vorher“ betitelt werden, so dass auch Beth zu Wort kommen kann, was mich besonders berührt hat. So erfährt man nach und nach, was passiert ist, und nach und nach gibt es immer neue Verdächtige. Am Ende wird der Fall nachvollziehbar aufgelöst. Für mich ist der Roman aber im wesentlichen kein Krimi, sondern eine Charakterstudie der Schwestern und ihrer Beziehung untereinander.
Katie Bernet Adaption des Klassikers von Louisa May Alcott ist in meinen Augen gut gelungen, man erkennt die Charaktere schnell wieder, durch das Versetzen der Geschichte in die heutige Zeit und dem veränderten Plot hat die Autorin aber auch eine ganz eigene Geschichte entwickelt. Zielgruppe der Geschichte sind zwar Jugendliche, aber auch ich als Erwachsene habe sie gespannt gelesen.
Bildhaft und atmosphärisch erzählte Familiengeschichte
Sommerhaus von Rachel Joyce
Vic Kemp verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Malen von Bilder, und das nicht schlecht. Seine vier Kinder verehren ihn und seine Kunst. Ihre Mutter starb kurz nach der Geburt der jüngsten Tochter, so dass Vic sie alleine groß bekommen musste, was mit Hilfe von unzähligen Au-pairs auch gelungen ist.
76 jährig verliebt sich Vic Hals über Kopf in die 27jährige Bella-Mae. Seine Kinder sind entsetzt. Dann erhalten sie erst aus Italien, wo Vic ein Sommerhaus besitzt, die Nachricht, dass er und Bella-Mae geheiratet haben, und nur wenige Wochen später, dass Vic gestorben ist.
Da ich „Miss Bensons Reise“ geliebt habe, war es für mich keine Frage, auch „Sommerhaus“ lesen zu wollen. Erzählt wird aus den Perspektiven der vier Geschwister, Netta ist die älteste, 40 Jahre alt und Anwältin, Susan ist nur ein Jahr jünger und kocht für ihr Leben gern, Gustav, den alle Goose nennen, ist der einzige Sohn, er wäre auch gerne Künstler geworden, eine Lebenskrise hat das aber verhindert. Die jüngste, Iris, 33 Jahre alt, ist eher schüchtern und hat bisher ihren Platz im Leben noch nicht gefunden. Keine:r von ihnen scheint so recht glücklich. Man erfährt aber auch Vics Lebensgeschichte, und, aber erst sehr spät, auch Bella-Maes Sicht der Dinge, die diese noch einmal in ein anderes Licht rücken.
Netta will sich mit dem Tod ihres Vaters nicht abfinden, sie sucht nach Schuldigen, womöglich wurde er sogar absichtlich in den Tod getrieben oder sogar getötet? Natürlich ist da auch sofort Misstrauen gegenüber Bella-Mae, zumal keines der Geschwister sie vor Vics Tod überhaupt kennengelernt hat. Nach und nach erfährt man Hintergründe, zwischen den Geschwistern entwickeln sich Risse, und Wahrheiten kommen auf den Tisch, die vorher verdrängt worden waren.
Rachel Joyce gelingt es sehr gut, ihren Charakteren Leben einzuhauchen und die Leser:innen in deren Gedankengänge und Handlungen mit einzubeziehen, mit ihnen mitzufühlen, auch wenn einem nicht alles behagt. Auch sonst hat man beim Lesen das Gefühl mittendrin zu sein, im hochsommerlichen Italien, auf der kleinen Insel im Ortasee, im Sommerhaus, aber auch im heimatlichen London, erzählt wird sehr bildhaft und atmosphärisch.
Die Hauptgeschichte spielt bereits im Jahr 2015, gegen Ende gibt es dann einen Zeitsprung ins Jahr 2025, in dem man noch einmal einen Blick auf die Geschwister werfen und sehen kann, wie sich ihre Leben verändert haben. Für mich war dieser letzte Blick unbedingt notwendig um den Roman abzurunden.
„Sommerhaus“ wird bildhaft und atmosphärisch erzählt und bringt den Leser:innen die Protagonist:innen sehr nahe. Erst nach und nach ergibt sich ein vollständiges Bild, bis dahin kann man sich selbst Gedanken darüber machen, was passiert sein könnte. Mich hat dieser Roman sehr berührt.
Zusatzband zur Gereon-Rath-Reihe
Westend von Kat Menschik; Volker Kutscher
1973 lebt Gereon Rath in einem Seniorenheim in Berlin. Dort bekommt er die Interviewanfrage eines Historikers, der sich für die Polizeiarbeit in unterschiedlichen Regierungsformen interessiert. Gereon lässt sich darauf ein und bald werden die Fragen persönlicher.
Mit dem zehnten Band endete die Reihe um Gereon Rath 2024, und das weitere Schicksal der Charaktere blieb offen.
Doch es gibt auch noch die drei von Kat Menschik illustrierten Kurzromane, von denen sich der erste mit der jungen Charlotte Ritter befasst, der zweite mit dem vorübergehenden Pflegesohn des Ehepaares Rath, Friedrich Thormann, und nun erfährt man im dritten und letzten doch noch, wie es mit einigen der Gereon Rath mehr oder weniger nahestehenden Personen weiterging. Nicht immer ist schön, was mit ihnen passierte, im wesentlichen ist „Westend“ aber ein guter Abschluss, nun kann und muss man sie alle gehenlassen.
Aufgebaut ist der Roman als Transkript der Aufnahmen des Interviewers, eine gute Idee, die zudem noch eine Überraschung gegen Ende birgt.
Ich habe mich darauf gefreut, noch einmal Gereon Rath zu treffen, und vielleicht auch über die anderen Charaktere mehr zu erfahren. Enttäuscht wurde ich dabei nur hinsichtlich dessen, was manchen von ihnen passiert ist. Dass nicht alles gut ausging, liegt aber in der Natur der Dinge. Insgesamt ist es schön, dass man doch noch erfährt, wie es weiterging, so dass ich den Kurzroman allen Fans der Reihe empfehlen möchte.
Eine interessante Was-wäre-wenn-Geschichte
Die Iden von Rom von Michael Peinkofer
Was wäre, wenn Iulius Cäsar das Attentat an den Iden des März, am 15. März 44 v. Chr. überlebt hätte? Wie hätte sich das Römische Imperium und mit ihm die von ihm beeinflusste Welt verändert? Dieser Frage geht Michael Peinkofer in diesem Roman nach.
Die Vorstellung alternativer oder paralleler Welten fasziniert mich schon lange, die Frage, was wäre, wenn man sich an der einen oder anderen Stelle anders entschieden hätte.
Eine veränderte Entscheidung liegt auch dem Gedankenspiel Michael Peinkofers zu Grunde, eine, die man durchaus auch nachvollziehen kann. Um sie zu erklären und wohl auch, um den Leser:innen die Vorgeschichte noch einmal, für manche vielleicht auch erstmalig, nahe zu bringen, setzt der Roman nicht beim Attentat an, sondern bereits ein Jahr vorher. So kann man auch nachvollziehen, warum überhaupt ein Attentat auf Caesar geplant wurde. Hier lernt man auch schon die meisten der Charaktere, die in diesem Roman eine Rolle spielen, kennen. Zu Beginn gibt es übrigens ein sehr nützliches Personenverzeichnis.
Cäsars Gemütsverfassung nach dem überlebten Attentat, denn stattfinden wird es auch hier, finde ich sehr nachvollziehbar, auch vieles, was danach geschieht, kann man sich vorstellen, der Autor hat nicht ins Blaue hineinfabuliert, sondern blieb auf dem Boden der Möglichkeiten, wenn ich auch manchen Charakter in meinen Augen zu negativ dargestellt fand. Was mich persönlich gestört hat, ist, dass der Roman bereits ein gutes Jahr nach dem Attentat wieder endet. Es gibt zwar noch einen Ausblick in eine spätere Zukunft, ich hatte aber gehofft, dass wir viel länger bei der alternativen Geschichte bleiben. Nachdem ich den Roman gelesen hatte, war meine Enttäuschung zwar nicht mehr so groß, aber ein kleiner Wermutstropfen blieb.
Gut gefallen hat mir übrigens, dass immer wieder die geworfenen, aber noch nicht gefallenen Würfel thematisiert werden, „Alea iacta est“ ist schließlich einer der bekanntesten Sätze, die Cäsar zugeschrieben werden. Leider gibt es keine Fußnoten, die die öfter vorkommenden lateinischen Begriffe erklären beziehungsweise übersetzen, was ein gladius ist, wissen wahrscheinlich viele, aber was clementia, subigitatrix oder pomerium ist, vielleicht nicht. Manches kann dem Kontext entnommen werden, anderes nicht. Auch eine Bibliographie hätte ich mir gewünscht.
Wie ich gesehen habe, wird es von Michael Peinkofer weitere Romane nach diesem Muster geben, darauf bin ich schon sehr gespannt, Möglichkeiten für alternative Historie gibt es schließlich genug.
Michael Peinkofer hat das Was wäre wenn Cäsar das Attentat an den Iden des März überlebt hätte, interessant fortgesponnen, unsere Welt sähe heute womöglich ganz anders aus. Ich persönlich wäre zwar gerne länger an Cäsars Seite geblieben, habe den Roman am Ende aber trotzdem zufrieden zugeklappt, und bin nun auf weitere Gedankenspiele des Autors gespannt.











