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Rezensionen von PMelittaM:
Empfehlenswerter Ratgeber
Ihr Geld für eine bessere Welt: Der Leitfaden für nachhaltige Anlagen von Thomas Öchsner
Nachhaltigkeit, also nie mehr verbrauchen als nachkommen kann, wird in Zeiten einer beginnenden Klimakrise immer wichtiger. Nachhaltig zu investieren bedeutet, auf Firmen und Projekte zu setzen, die nachhaltig sind, sich also für Umwelt, und im besten Fall auch soziale Aspekte, wie zum Beispiel Verzicht auf Kinderarbeit, einsetzen.
Ob eine Anlagemöglichkeit allerdings wirklich nachhaltig ist, ist oft schwer zu sagen, denn manche Firmen betreiben Greenwashing, setzen sich also in ein grüneres, sprich nachhaltigeres, Licht, als sie tatsächlich sind. Zudem gibt es oft das Best in Class-Prinzip, was auch nicht unbedingt bedeutet, dass die Angebote wirklich nachhaltig sind.
So wird man in diesem Buch auch nicht nur über nachhaltige Anlageformen aufgeklärt, man erfährt auch viel darüber, wie man die einzelnen Anbieter beziehungsweise Emittenten auf Nachhaltigkeit prüfen kann, genauso wie darüber, welche Risiken bei den einzelnen Formen jeweils bestehen. Am Ende sollte man gut einschätzen können, was einem wichtig ist, und welche Anlagemöglichkeiten daher am ehesten zu einem passen. Dabei spricht der Autor keine Empfehlungen aus, dafür ist der Finanzmarkt zu schnelllebig, er zeigt aber auf, wo man sich jeweils aktuell informieren könnte.
Wer nachhaltig anlegen möchte, hat einige Möglichkeiten, die aber nicht alle gleich empfehlenswert scheinen. Dieses Buch gibt einen umfassenden Überblick über dieses sehr komplexe Thema, für das man sich Zeit lassen muss.
Was wäre wenn ...
Die Namen von Florence Knapp
Gordon Atkin ist ein beliebter und geachteter Arzt. Doch zu Hause wird er zum Monster, demütigt, misshandelt und isoliert seine Ehefrau Cora. Nach der Geburt des Sohnes schickt er Cora zum Amt, den Vornamen registrieren zu lassen. Für ihn ist klar, der Junge kann nur Gordon heißen, der Name hat seit Generationen Tradition in seiner Familie.
Doch für Cora sind zwei weitere Namen möglich. Sie selbst würde Julian wählen, während der Wunsch der neunjährigen Tochter Bear ist.
Und so trennt sich der Roman in drei Erzählstränge auf. Über 35 Jahre, beginnend am Tag der Registrierung des Namens im Jahr 1987, erfahren die Leser:innen, wie sich die Wahl des Namens auf Bear, Julian, Gordon und seine Familie auswirkt. Je nach Name sind die Ereignisse, die auf die Familien zukommen, sehr unterschiedlich.
Ich liebe solche Gedankenspiele. Was wäre, wenn man wichtige Entscheidungen anders getroffen hätte, wie hätte sich das Leben dann entwickelt? Man kann sich vorstellen, dass manche Entscheidung zu einem ganz anderen Leben geführt hätte.
So eine Entscheidung wirkt sich zudem oft nicht nur auf einen selbst aus, sondern auch auf das Umfeld, die Familie, aber vielleicht auch auf andere Personen. Auch hier gibt es Menschen, die das Leben von Coras Sohn und seiner Familie in jedem oder fast jedem Strang kreuzen, mal ist es nur ein kurzes Treffen und dann geht man getrennte Wege, mal ist es eine engere Beziehung, die sich aufbaut. In allen drei Geschichten gibt es auch zeitliche Fixpunkte, wie zum Beispiel die Lockdowns während der Covid-19-Pandemie
Ich habe alle drei Erzählstränge sehr gespannt gelesen, und fand jeden auf seine Art interessant. Die Ausgangssituation, die häusliche Gewalt, ist bei allen drei gleich, und hat seinen Einfluss auf jeden Strang, aber auch hier gibt es unterschiedliche Entwicklungen. Manchmal ist es kaum auszuhalten, was man lesen muss, und, da das leider aus dem Klappentext auch nicht deutlich wird, und es keine Triggerwarnung gibt, möchte ich hier eine aussprechen. Mich persönlich haben die drei Lebensgeschichten emotional sehr berührt.
Die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere, basierend auch auf den unterschiedlichen Entwicklungen, erscheint mir sehr gelungen. Man kann deutlich erkennen, wie sich die unterschiedlichen Erfahrungen ausgewirkt haben und wie sie verarbeitet wurden. Auch die unterschiedliche Beeinflussung der Menschen außerhalb der engeren Familie, ist interessant und passend.
Im Anhang erfährt man etwas über die Bedeutung vieler Namen, die man in diesem Buch vorfindet, auch die Anmerkungen der Autorin sollte man lesen, denn hier erfährt man, was die Autorin inspiriert hat, vor allem bezüglich der Kunsthandwerker, die in einem der Erzählstränge eine Rolle spielen.
Ich liebe Gedankenspiele, die Überlegungen anstellen, wie sich bei anderen Entscheidungen ein Leben anders entwickelt hätte, und so passte dieser Roman sehr gut zu mir. Ich habe ihn mit großer Spannung gelesen, wurde aber auch emotional berührt. Florence Knapps Romandebüt ist für mich ein Lesehighlight.
Komplex und sehr spannend
Nightweaver von R. M. Gray
Vor sechs Jahrhunderten wurden die Nightweaver ihrer Flügel beraubt und aus Elysia verbannt, sie eroberten die Welt der Menschen, so dass sich diese auf das Meer zurückzogen und fortan als Piraten lebten. Aster Oberon lebt mit ihren Eltern und sechs Geschwistern auf dem Schiff Lightbringer, bis dieses eines Tages von Nightweavern überfallen wird, ihr Bruder Owen wird getötet, der Rest der Familie gefangen genommen.
Sie haben Glück, werden nicht hingerichtet sondern von der adeligen Nightweaver-Familie Castor als Bedienstete aufgenommen. Aster kann den Tod ihres Bruders nicht vergessen und schwört Rache.
Man kann es vielleicht schon ahnen, die Welt, die die Autorin erschaffen hat, baut auf Religion auf, es gibt einige Anspielungen darauf, so denkt man bei den Nightweavern an gefallene Engel. Ich empfand das recht interessant, zumal es ausufert. Interessant ist auch das Magiesystem, das teilweise sehr brutale Auswirkungen hat.
Man lernt die Charaktere gut kennen, erzählt wird durchgehend aus Asters Ich-Perspektive, durch sie erfährt man viel über ihre Familienmitglieder, aber auch über die Familie Castor und andere Bedienstete. Mir ist Aster ein bisschen zu verbissen, im Gegensatz zu ihr konnte ich gut verstehen, warum sich ihre Familie nun bedeckt hält. Auch andere Gedanken und Handlungen Asters konnte ich nicht immer nachvollziehen, gerade einem der Castor-Söhne gegenüber, für den sie schnell mehr empfindet als sie möchte. Auch diese beiderseitige Anziehung kommt mir ein bisschen zu schnell, und wirkt etwas aufgesetzt.
Ich habe mich schnell in die Geschichte eingelesen, habe mir meine Gedanken gemacht, und war auch emotional dabei. Die Geschichte beginnt schon spannend, und wird immer spannender, das eine oder andere habe ich voraus ahnen können, aber lange nicht alles. Die Geschichte ist aber auch komplex und ziemlich gewaltsam und blutig, Blut spielt hier generell eine recht große Rolle.
Der Roman hat mir spannende Lesestunden beschert. Natürlich will ich unbedingt weiterlesen, denn „Nightweaver“ ist der Auftakt einer Trilogie. Der zweite Band ist derzeit, Ende April 2026, bereits erschienen, der dritte angekündigt.
Band 3 bringt neben der Hauptstory weitere Geschichten mit
Fables, Band 3 - Märchenhafte Liebschaften Fables von Bill Willingham
Der dritte Band der Fables-Reihe enthält mehrere Geschichten. Zunächst ist man mit Jack, dem mit der Bohnenstange, im amerikanischen Bürgerkrieg unterwegs, danach geht die Hauptstory weiter, dort müssen die Fables zuerst ihr Geheimnis bewahren und eine Intrige meistern, die Snow White und Bigby Wolf sehr gefährlich wird.
In einer Abschlussgeschichte erfahren wir, wie es mit einem Teil der kleinen Menschen aus Liliput, dem Land, das Gulliver bereiste, weiterging, nachdem die Märchenwelt von ihrem Feind bedroht wurde.
Mir hat vor allem die Haupthandlung, die an den Geschehnissen auf der Farm anschließt, gut gefallen, da sie die Geschichte spannend und nicht ohne Humor voran treibt. Die zusätzlichen Geschichten bieten neue Informationen und haben ihren eigenen Charme.
Der dritte Band der Reihe führt zum einen die Hauptgeschichte spannend fort, bringt aber auch zusätzliche Geschichten mit.
Ich bin auf Band 2 gespannt
Nightingale von Danielle Weidig
Gerade aus den Flitterwochen zurück, soll nun Lydia Nightingales neues Leben als Countess beginnen. Schon am ersten Tag wird sie in einen Mordfall verwickelt, und ihr Ehemann Nigel bald als Täter verdächtigt. Was bleibt ihr anders übrig, als selbst zu ermitteln und den Fall zu lösen. Zum Glück steht ihr dabei Godfrey Goodfellow, der Butler ihrer Schwiegermutter zur Seite.
Ein britischer Cosy Crime, der in der heutigen Zeit spielt, sich aber trotzdem in Adelskreisen bewegt, dazu der Start in eine neue Reihe, das machte mich zusätzlich zum Klappentext neugierig.
Zunächst hatte ich ein bisschen Probleme mit dem Erzählstil, zu viel ging es um die Beschreibung des Äußeren, die Kleidung und vor allem das Make up, doch dann las ich, dass Lydia von Beruf Kosmetikerin und Maskenbildnerin ist, und so konnte ich es zumindest akzeptieren, im weiteren Verlauf wird es auch weniger.
Lydia ist mir sympathisch, aber mein Favorit unter den Charakteren ist ganz klar der Butler, der durchaus die butlerübliche Verhaltensweisen an den Tag legt, aber auch darüber hinaus gehen kann, und zum Beispiel die Zeit nutzt, wenn seine Chefin anderweitig beschäftigt ist, und seine Dienste voraussichtlich nicht benötigt. Außerdem besitzt er die eine oder andere nützliche Fähigkeit, kennt sich an den Örtlichkeiten aus, und ist ziemlich liebenswert. Dass er zudem gerne Sprichwörter, diese aber grundsätzlich falsch, benutzt, lässt einen immer wieder schmunzeln.
Lydias Schwiegermutter, die für das junge Paar ihr bisheriges Domizil im Castle aufgegeben und in ein Herrenhaus gezogen ist, hat natürlich gewisse Allüren, man kann sie aber mögen, auch wenn sie Probleme gerne in Sherry ertränkt. Das Personal der Familie und einige Bewohner:innen des nahegelegenen Örtchens spielen ebenfalls eine Rolle, manche wird man sicher wiedertreffen.
Die Polizei, in Form von Liam Lawson, der Lydias Ehemann von Kindheit an kennt und anscheinend nicht so richtig mag, schießt sich schnell auf Nigel ein. Ihn auf andere Spuren zu bringen ist nicht so einfach, zumal wirklich einige Indizien auf Nigel hindeuten. Am Ende wird der fall einigermaßen nachvollziehbar aufgeklärt.
Dieses Ende allerdings hat mir den Roman etwas verleidet. Viel zu früh erfährt man die Auflösung, und dann wird über viele Seiten hinweg erklärt, was passiert ist, natürlich von dem:der Täter:in hochstpersönlich. Das Drumherum zu diesen Erklärungen, ich möchte das aus Spoilergründen nicht näher ausführen, soll wohl spannend sein, ist es vielleicht auch für einige, mich konnte es nicht überzeugen, mir war das Ganze viel zu langatmig und wirkte auf mich etwas weit hergeholt und nicht immer logisch. Die Motivation konnte ich schon erkennen, aber das Drumherum empfand ich als eher albern.
Ich bin gespannt, ob im nächsten Band, der schon am Ende diesen Bandes seinen Auftakt hat, noch einmal auf die Geschehnisse zurück gekommen wird. Ich würde es begrüßen, auch um zu erfahren, wie es für manche aus- beziehungsweise weiterging.
Der erste Band der Reihe konnte mich, trotz seines weniger ansprechenden Endes, unterhalten. Ich mag das Setting und besonders den die Protagonistin bei ihren Ermittlungen unterstützenden Butler. Ich vergebe hoffnungsvolle 3,5 Sterne, die ich, wo nötig, aufrunde, und bin auf Band 2 gespannt.
Trent Dalton hat mich wieder überzeugen können
Lola im Spiegel von Trent Dalton
Seit es denken kann, ist das Mädchen mit seiner Mutter auf der Flucht, es kennt seinen Namen nicht, denn Namen sind gefährlich und könnten auf ihre Spur führen. Seit einigen Jahren leben sie in einem Autowrack in der Brisbaner Moon Street, zusammen mit anderen Getriebenen, wie das Mädchen sie nennt, alle obdachlos, haben sie hier eine kleine Familie gebildet.
Eines Tages passiert ein Unglück, und das Leben des Mädchens stellt sich auf den Kopf.
Vor ein paar Jahren las ich „Der Junge, der das Universum verschlang“, war total begeistert und wollte natürlich mehr von Trent Dalton lesen. Auch in „Lola im Spiegel“ wird aus der Ich-Perspektive erzählt, dieses Mal von einem namenlosen Mädchen, wieder sind die Verhältnisse, in denen die Hauptfigur lebt, schwierig, aber nicht ohne Menschen, denen sie sich anvertrauen kann. Einer davon ist ein junger, ebenfalls obdachloser Alkoholiker, den die Protagonistin als ihren besten Freund ansieht. Aber es gibt auch andere, in der Regel wie sie obdachlos oder besser wohnungslos, denn alle haben ein gewisses Obdach, ein Auto, eine Höhle, auf jeden Fall einen Ort, an den sie sich zurückziehen können. Neben den obdachlosen Nachbar:innen gibt es noch Lola, die das Mädchen hin und wieder in einem alten Spiegel entdeckt, eine junge Frau im roten Kleid, die zu einer Vertrauten wird.
Bei der Gelegenheit kommt der Autor auch auf die sehr große Wohnungsnot in der australischen Stadt Brisbane zu sprechen, Wohnungen sind rar, es gibt sehr viel weniger als benötigt werden. Das ist ziemlich erschreckend. Und in so einer Situation ist es auch nicht einfach, für den eigenen Lebensunterhalt sorgen zu können, zumal, wenn man wie das Mädchen und ihre Mutter namenlos auf der Flucht ist. Und so verzahnen sie sich mit einem anderen Submilieu Brisbanes, dem des Verbrechens. Die Mutter, und später auch die Tochter, arbeiten für ein Frau, die nicht nur einen Meeresfrüchte-, sondern auch einen Drogenhandel betreibt. Hoffen darf man trotzdem, und so hat auch das Mädchen seine Träume, sie ist künstlerisch sehr begabt, zeichnet, was sie erlebt,und wird daher im Roman auch immer wieder die Künstlerin genannt.
Alle Charaktere sind gut ausgearbeitet, einige davon recht skurril, aber die meisten haben auch ihre ganz eigenen Päckchen zu tragen. Wir betrachten sie aus Sicht der Künstlerin, diese hat aber auch als Künstlerin eine gute Beobachtungsgabe.
Erzählt wird der Roman auf besondere Art. jedes Kapitel wird durch eine Zeichnung der Künstlerin eingeleitet, der Titel des Kapites ist sogleich der Titel der Zeichnung. Diese sehr ausdrucksstarken Zeichnungen hat Paul Heppell beigesteuert.
Fängt der Roman zunächst relativ gemächlich an, steigert sich nach und nach die Spannung, die letzten circa 100 Seiten habe ich regelrecht atemlos gelesen. Ich denke, der Roman wird aus mehreren Gründen noch länger in mir nachhallen.
Trent Dalton konnte mich wieder absolut überzeugen, eine spannende Protagonistin, mit der man mitfühlen kann, weitere interessante Charaktere, eine fesselnde Geschichte und ein guter Schuss Gesellschaftskritik ergeben einen sehr lesenswerten Roman, der sicher noch länger nachhallen wird.
Für mich der bisher beste Band der Reihe
Widdersehen von Leonie Swann
Schäferin Rebecca kehrt überraschend mit ihrer Herde nach Irland zurück, die Schafe freuen sich auf ihre heimatliche Weide, doch dort ist nicht alles so, wie in ihrer Erinnerung, die Weide ist mittlerweile eingezäunt, und drei fremde Schafe grasen dort. Dann ist auch noch Rebecca verschwunden, und die Schafe müssen wieder einmal für Aufklärung sorgen.
Der dritte Band der Schafkrimi hat mir bisher am besten gefallen, er glänzt mit viel feinem Humor und natürlich mit seinen Schafen, von denen jedes sein eigenen Fähigkeiten hat, und alle zusammen werden benötigt, den Fall zu lösen. Es macht Spaß, zu lesen, was Schafe so alles denken könnten, wie sie uns Menschen sehen, man muss sie einfach mögen, diese Schafherde.
Die Menschen sind dabei nur Nebenfiguren, manchmal ganz hilfreich, manchmal auch störend, immer ein bisschen begriffsstutzig, und hin und wieder auch sehr gefährlich. Zu Beginn des Romans gibt es daher kein Dramatis Personae sondern ein Dramatis Oves, also ein Verzeichnis der handelnden Schafe. Aus Frankreich ist auch die Ziege Madouc mitgekommen, die sich als Schaf auf Probe bewähren muss, und deshalb natürlich hier auch mit aufgelistet ist.
Erzählt wird größtenteils aus Sicht der Schafe. Ist die Geschichte zunächst noch relativ gemütlich zu lesen, wird sie zunehmend spannender, und am Ende wird alles nachvollziehbar gelöst.
Wer die Vorgängerbände nicht kennt, kommt trotzdem gut klar, denn die Geschichte ist eigenständig, und alles, was man vielleicht wissen sollte, wird erwähnt. Es schadet aber natürlich auch nichts, wenn man die vorherigen Bände gelesen hat, zumal der erste Band gerade verfilmt wurde.
Nach dem für mich nur mittelmäßigen Vorgänger fühlte ich mir hier wieder gut unterhalten, auch der Humor kam bei mir gut an, ich hätte den Schafen bei ihren Betrachtungen und Erkenntnissen noch länger folgen können. Auch einer der menschlichen Charaktere, den sich die Schafe nach Rebeccas Verschwinden als neuen Schäfer auserkoren haben, hat mir mit seiner gelassen Art gut gefallen, sollte es einen weiteren Band geben, würde ich mich freuen, ihn dort wiederzutreffen.
Dieser dritte Band der Reihe ist für mich der bisher beste Band. Er punktet mit viel Humor und liebenswerten tierischen Protagonist:innen, ist aber auch spannend zu lesen.
Wow, hat mich der Roman geflasht!
Don't Let The Forest In von CG Drews
Andrew freut sich sehr, dass die Ferien endlich zu Ende sind, und er wieder ins Internat kann. Nicht, weil er die Schule und den Unterricht so toll findet, sondern weil er endlich seinen Freund Thomas, für den er sehr tiefgehende Gefühle hegt, wiedersehen wird. Doch Thomas ist anders als sonst, und Andrew erfährt bald auf brutale Weise, warum das so ist.
Wow, dieser Roman hat mich sehr schnell gepackt, und noch nicht einmal am Ende wieder losgelassen. CG Drews schreibt unglaublich eindringlich, oft sehr poetisch, wenn auch manchmal grausam poetisch, they malt regelrecht mit Worten. Wir erleben die Geschichte ganz aus Sicht Andrews, erfahren seine tiefsten Gefühle und Gedanken, sind bei ihm, wenn er schlimmes erlebt, hoffen mit ihm und für ihn, und fragen uns manchmal, was real ist, und was nicht. Am Ende konnte ich mich nicht gut lösen, musste das Gelesene erst einmal sacken lassen, und denke immer noch darüber nach. Nicht jede meiner Fragen wurde beantwortet, vieles ist interpretierbar, und gerade das finde ich hier sehr passend und spannend.
Neben den schon erwähnten gemalten Worten, gibt es auch mehrere Illustrationen im Buch, die manche der Wesen zeigen, denen Andrew und Thomas begegnen, und die von ihrer eigenen Fantasy erdacht wurden, denn Andrew schreibt düstere Märchen, von denen man auch ein paar zu lesen bekommt, und Thomas malt, besonders gerne die Wesen aus Andrews Märchen, auch von denen erhält man, wie schon erwähnt, Kostproben. So düster wie diese Märchen und Zeichnungen ist auch der Roman und sind ebenfalls Andrews Gedanken.
Neben den beiden spielen weitere Charaktere eine, wenn auch wesentlich kleinere Rolle. Da ist zum Beispiel Dove, Andrews Zwillingsschwester, die sich ebenfalls verändert hat. Oder Lana Lang, ja, ich musste auch an Superman denken, Doves Freundin, die versucht, sich um Andrew zu kümmern, was nicht immer einfach ist. Und dann gibt es noch die Gang, die sich einen Spaß daraus macht, Thomas und vor allem Andrew zu mobben, was wenige Konsequenzen hat, da der Drahtzieher aus einer sehr reichen Familie stammt. Lehrpersonal wird auch erwähnt, nur wenige spielen aber eine Rolle.
Die Geschichte ist sehr düster, darauf muss man sich einlassen. Auch, dass man ständig unsicher ist, was real ist, und was nicht, ist eine Herausforderung. Mich hat der Roman sehr berührt, er ist eindringlich und die Charaktere wecken Emotionen, ich habe ihn nahezu atemlos gelesen. Besonders gelungen ist die poetische Sprache, die das Lesen zum Vergnügen macht, auch wenn die Handlung auf Grund der Düsternis der Ereignisse nicht immer ein Vergnügen ist. Für mich ist der Roman eines meiner Jahreshighlights.
Sehr spannend
Ein dunkles Versteck von Saskia Calden
Der vierte Band der Reihe wird aus drei weiblichen Ich-Perspektiven erzählt, die einer Frau, die von einem Stalker bedrängt wird, die einer Frau, die entführt wurde, und die der Protagonistin der Reihe, Evelyn Holm.
Evelyn Holm hat es auch in diesem Band nicht ganz einfach, sie muss nicht nur den Mord an einer Frau, der vor ihrem Tod schlimmes geschehen ist, aufklären, sie bekommt auch eine neue Kollegin, die auffällig an Evelyns Vergangenheit interessiert ist, und es werden Informationen über die Ermittlung an die Presse weitergegeben, die noch nicht veröffentlicht werden sollten.
Ich habe bisher erst einen Band der Reihe gelesen, den unmittelbaren Vorgänger, also den dritten Band, der mich vor allem immer wieder überraschen konnte, dies zeigt sich auch hier, im Grunde kann man sich auf nichts wirklich verlassen, alles könnte auf den Kopf gestellt werden, und das macht den Roman sehr spannend. Ich habe ständig mitgerätselt und überlegt, wo sich die Wendungen verstecken könnten.
Auch in diesem Band kamen mir die Charaktere nicht wirklich nahe, mit einer Ausnahme, das Entführungsopfer. Die Qualen, die diese Frau durchstehen musste, und ihre Hoffnung, doch noch befreit zu werden, überleben zu können, haben mich berührt. Abgesehen davon hatte ich mehr als einmal ein mehr oder weniger vages Gefühl von Unlogik, manches erklärte sich allerdings im Laufe der Geschichte, und so fand ich die Auflösungen am Ende auch okay, besonders gut gefallen hat mir die unerwartete Abschlusspointe. Für mich bleiben ein, zwei Fragen offen, die aber nur unmittelbar mit den Ermittlungen zu tun haben, und hoffentlich in den nächsten Band mitgenommen werden.
Wer packende Thriller mag, die mit unerwarteten Wendung aufwarten, wer dabei nicht unbedingt Charaktere benötigt, die berühren, der ist bei dieser Thrillerreihe richtig. Ich hatte spannende Lesestunden und bin auf weitere Bände gespannt.
Konnte meine Erwartungen nur zum Teil erfüllen, daher 3,5 Sterne
Die Unternehmerin von Amsterdam von Simone van der Vlugt
Purmerend, Niederlande, 1892: Nach dem Tod ihres Vaters entdeckt Lydia Oorthuys Unterlagen, die darauf hindeuten, dass dieser eine Käsefabrik gründen wollte. Da Lydia ihr Leben sinnvoller verbringen möchte als das, was ihrem Stand und ihrem Geschlecht von der Gesellschaft vorgegeben wird, greift sie diese Idee auf.
Als Frau kann sie allerdings kein Unternehmen gründen, sie braucht einen Mann an ihrer Seite, zumindest als Gesellschafter, und so spricht sie den Bauern Huib Minnes an, den ihr Vater schon als Betriebsleiter eingeplant hatte. Huib dachte schon immer sehr fortschrittlich und hat auch schon als einer der wenigen eine Milchzentrifuge angeschafft, so dass sie sich einig werden und in Purmerend eine Käsefabrik gründen.
Nach einem Zeitsprung tritt 1913 Lydias Tochter Nora in den Vordergrund, die übereilt eine Heirat eingeht, die Ehe entwickelt sich aber nicht so, wie erwartet. Mit ihrem Mann lebt Nora in Belgien, als 1914 der erste Weltkrieg beginnt.
Der Titel des Romans hatte mich in die Irre geführt, ich erwartete einen ganz anderen Roman, in dem es vor allem darum geht, dass eine Frau Unternehmerin wird, mit den Herausforderung und Problemen, die damit einhergehen, gerade auch zur damaligen Zeit. Tatsächlich war das nur der kleinere Teil der Geschichte. Lydia steht weniger als die Hälfte des Romans im Mittelpunkt, danach wechselt es auf ihre Tochter, die so gar nichts mit der Fabrik am Hut hat. Während mir Lydia sofort sympathisch war, mochte ich Nora mit ihrem Standesdünkel deutlich weniger, was sich zum Glück im Laufe der Geschichte zum Positiveren entwickelt hat.
Der Roman war insgesamt eine echte Herausforderung für mich. Zunächst sehr langatmig, konnte er mich dann, als es mit der Fabrik konkreter wurde, fesseln. Nach dem Zeitsprung hat die Fabrik kaum noch eine Bedeutung für die Geschichte, sie dreht sich vor allem um Nora und ihre Liebesgeschichte, was mich wieder langweilte. Der erste Weltkrieg war für Belgien eine Katastrophe, und Nora muss ihr Leben anpassen, was wieder zu einer interessanteren Wendung führt. So war die Geschichte für mich ein Auf und Ab, mal hatte ich kaum noch Lust weiterzulesen, dann wieder war es interessant und spannend. Gut gefallen haben mir der feministische Aspekt, der sowohl bei Lydia als auch bei Nora eine Rolle spielt, sowie der historische Hintergrund.
Interessant ist auch das Nachwort der Autorin, dem man unter anderem entnehmen kann, wie viele handelnde Charaktere tatsächlich historisch belegt sind, das waren mehr, als ich erwartet hatte, und so wurden Teile des Romans rückwirkend noch ein Stück spannender für mich. Irritiert haben mich im Nachwort Verweise auf das Cover, die das niederländische betrafen und nicht auf das deutsche zutrafen, ich finde, das hätte der Verlag anpassen müssen. Den Originaltitel einfach ins Deutsche zu übersetzen, nämlich Die Käsefabrik, hätte zudem besser gepasst. Im Anhang findet sich auch ein Quellenverzeichnis.
Der Roman konnte mich nicht durchgehend überzeugen, im Gegenteil, er erfüllte meine Erwartungen nur zum Teil. Immer wieder hatte ich wenig Lust weiter zu lesen, um dann wieder gefesselt zu sein. Ein Pluspunkt ist die gute Recherche. Ich vergebe 3,5 Sterne, die ich, wo nötig, aufrunde.











