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Rezensionen von LEXI:

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Die Stadt der Verdammten – wenn Alpträume Realität werden

Die beliebte Lehrerin Cora Gunderson aus Minnesota hat ein großes Herz, sie ist eine freundliche Romantikerin, die ihre poetischen Gedanken gerne zu Papier bringt. Seit einiger Zeit jedoch leidet sie an starken Migräneanfällen und träumt von loderndem Feuer. Und völlig unvermittelt wird Cora zur Massenmörderin.

Mit einem Auto voller Benzin rammt sie ein Hotel, in der darauffolgenden Explosion sterben viele Menschen, darunter auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jeder, der Cora kannte, ist angesichts dieser unerklärlichen Tat fassungslos, doch die Fakten sprechen für sich. Als das FBI die Angelegenheit übernimmt, weckt deren auffällig nachlässige Vorgehensweise das Misstrauen des County Sheriffs Luther Tillman. Der gesetzestreue und selbstbewusste Mann war ein langjähriger guter Freund Coras, und strengt daher auf eigene Faust Recherchen an. Doch damit bringt er nicht nur sich selber, sondern auch seine Ehefrau und seine beiden Töchter im Teenageralter in allergrößte Gefahr.

Die FBI-Agentin Jane Hawk gilt als Abtrünnige und ist abgetaucht. Ihr Wissen über bestimmte mächtige Leute ist brandgefährlich. Um ihrer habhaft zu werden, wird sie des Diebstahls von Militärgeheimnissen bezichtigt und aufgrund einer angeblichen Bedrohung der nationalen Sicherheit erbarmungslos gejagt.

In Iron Furnace, Kentucky, treffen Jane und Luther schließlich aufeinander, und versuchen ab diesem Zeitpunkt, diesen Verschwörungsfall unfassbaren Ausmaßes gemeinsam aufzudecken. Doch es gibt niemanden, dem sie noch trauen können – sowohl FBI, als auch CIA, die gesamte Legislative und Exekutive, scheinen in diese Verschwörung involviert zu sein. Es beginnt ein atemberaubender Wettlauf mit der Zeit…

Vor vielen Jahren war Dean Koontz mein favorisierter Autor von Spannungsromanen, dessen Werke ich ausnahmslos alle gelesen hatte. Nachdem er sich jedoch verstärkt dem Übernatürlichen zuwandte und diese Elemente vor allem in seinen Buchreihen „Frankenstein“ und „Odd Thomas“ dominierten, nahm ich keines seiner Bücher mehr zur Hand. Zu meiner großen Freude konnte ich in dieser vorliegenden Neuerscheinung den brillanten Thrillerautor wiederfinden, der mir mit seinen früheren Werken so viele außergewöhnliche und aufregende Leseerlebnisse beschert hatte. Der Schreibstil des Autors ist umwerfend - detailverliebt, mit bildhafter Sprache und von der ersten bis zur letzten Seite von hohem Spannungsbogen durchdrungen, der den Leser in die Geschichte hineinzieht und mitreißt. Nervenkitzel und Anspannung geben sich in diesen beinahe schon alptraumhaft anmutenden Szenarien die Hand. Mein einziger (winziger) Kritikpunkt sind die Kraftausdrücke, derer sich Dean Koontz bedient. Da sich die Verwendung jedoch im Rahmen hält, wird dieser Störfaktor keinen Einfluss auf meine Bewertung haben.

Koontz erzählt seine Geschichte in verschiedenen Handlungssträngen und beschäftigt sich darin abwechselnd mit den einzelnen Protagonisten, bis dem Leser nach und nach die Zusammenhänge offenbart und die losen Enden schließlich verknüpft werden. Der Autor erzählt von intellektuellen Fanatikern, die eine Möglichkeit entdeckten, Menschen zu manipulieren, sie ihres freien Willens zu berauben und vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Die heutigen Möglichkeiten der digitalen Überwachung, die in dieser spannenden Abhandlung Janes und Luthers abenteuerliche Flucht erschweren, werden dem Leser drastisch vor Augen geführt und eindringlich ins Bewusstsein gerufen.

Was ich an diesem Autor bereits seit meiner ersten Lektüre schätze ist die Gepflogenheit, sich seinen handelnden Personen sehr ausführlich zu widmen. Die Charakterzeichnungen sämtlicher handelnder Figuren weisen stets sehr hohe Authentizität auf. Im vorliegenden Buch hat abgesehen von den beiden Protagonisten ganz besonders auch Bernie Riggowitz mein Herz gewonnen. Der liebenswürdige alte Witwer darf in seinen alten Tagen noch einmal ein aufregendes Abenteuer erleben und Fluchthelfer für Jane Hawk spielen. Als bekennender Hundeliebhaber darf in vielen Büchern von Dean Koontz auch ein Hund eine winzige Nebenrolle einnehmen. In diesem Fall handelte es sich um die Therapiehündin „Miss Dixie“, eine kleine, dynamische Persönlichkeit mit seelenvollem Blick in Gestalt einer gescheckten Langhaardackel-Hündin.

Fazit: „Gehetzt“ war ein großartiges Leseerlebnis, das mich von der ersten, bis zur buchstäblich allerletzten Minute gefesselt und ausgezeichnet unterhalten hat. Ich freue mich unsagbar, dass Dean Koontz wieder zu seiner früheren Form zurückgefunden hat und möchte mir nun unbedingt auch „Suizid“, den Vorgänger und ersten Teil dieser Reihe um Jane Hawk, zu Gemüte führen.

Gerne vergebe ich klare und uneingeschränkte fünf Bewertungssterne für diesen rasanten Thriller!

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Ein Mord im Bergischen Land

Der Hunger der Lebenden von Beate Sauer

Im Bergischen Land wird auf einem Anwesen die brutal ermordete Gutsbesitzerin Ilse Röder aufgefunden. Die wunderschöne und charmante Frau war vor ihrer Heirat Kommissarin bei der Weiblichen Polizei in Köln, besaß ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und arbeitete gerne mit Kindern und Jugendlichen.

Doch Ilse hatte auch eine dunkle Vergangenheit, und ihre Geheimnisse kommen nur sehr langsam ans Licht.

Friederike Matthée mag die Arbeit als Polizeiassistentin bei der Weiblichen Polizei in Köln. Aufgrund des aktuellen Personalmangels wird sie von ihrer Vorgesetzten mit der Vernehmung der Mordverdächtigen beauftragt. Friederike sieht darin eine willkommene Gelegenheit, sich in ihrem Job zu bewähren.

Franziska Wagners Akte weist ein langes Vorstrafenregister auf. Die Einundzwanzigjährige wurde von einem Hofknecht mit der Tatwaffe in Händen neben der Leiche entdeckt, sämtliche Indizien sprechen für ihre Schuld. Doch Friederikes Intuition rät ihr, auch in andere Richtungen zu ermitteln. Ein schwieriges Unterfangen für eine junge Polizeiassistentin, die keine Erfahrungen aufzuweisen hat und deren Vorgesetzte sich rasch auf Franziska als Täterin festgelegt haben. Als plötzlich der Mord an drei britischen Kampffliegern aufgedeckt wird, beordert die Royal Military Police den Ermittler Richard Davies nach Deutschland. Mit seiner Unterstützung verfolgt Friederike verschiedene Spuren. Und plötzlich erweist sich dieser Fall noch weit komplexer, als es zunächst den Anschein hatte.

Beate Sauer wählt als Schauplatz ihres Kriminalromans das Bergische Land bei Odenthal, wo im Juni 1947 besagter Mord an Ilse Röder verübt wurde. Die Handlung konzentriert sich in erster Linie auf die Zeit nach dem Kriegsende, wo die Protagonistin ihre Ausbildung bei der Polizei durchläuft. Die Lebensmittelrationierungen und die große Armut der Bevölkerung innerhalb der britischen Besatzungszone werden dem Leser anschaulich vor Augen geführt. Der Schreibstil der Autorin ist hervorragend. Beate Sauer erzählt in eindringlichen Worten, sehr flüssig und einnehmend. Sie führt den zu Beginn in die Handlung eingebrachten Spannungsbogen kontinuierlich bis zum Ende fort, und wartet mit einigen interessanten Fährten, aber auch mit Überraschungen auf. Der Fall, der zunächst ganz klar scheint, erweist sich als äußerst verwickelt und reicht tief in die Vergangenheit zurück. Das Polizeiliche Jugendschutzlager in der Uckermark mit ihren brutalen Bestrafungen und Erziehungsmethoden spielt eine wesentliche Rolle im Leben einiger handelnder Figuren. Sowohl die Protagonisten, als auch die Nebenfiguren dieses Buches wurden ausgezeichnet charakterisiert, sie wirken lebhaft und weisen hohe Authentizität auf. Friederike Matthée und Richard Davies wird die größte Aufmerksamkeit zuteil – die beiden ermitteln bereits in ihrem zweiten gemeinsamen Fall. Beate Sauer gewährt immer wieder kleine Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt ihrer beiden Protagonisten, sowohl auf privater, als auch auf beruflicher Ebene. Richard Davies erwies sich für meinen Geschmack als sehr vielschichtige Persönlichkeit. Seine ruhige Gelassenheit, seine Integrität und der etwas ungeschickte Umgang im zwischenmenschlichen Bereich machten ihn für mich zutiefst sympathisch und überzeugend. Seinen furchtbaren Erinnerungen an die Vergangenheit stehen großer Mut und starke Willenskraft entgegen. Er möchte keinesfalls zulassen, dass der Nationalsozialismus, der ihm bereits die Kindheit genommen hat, auch sein gesamtes weiteres Leben bestimmt. Um etwaige Spoiler zu vermeiden, werde ich auf Nebenfiguren, die eine bedeutende Rolle im Buch spielen, nicht näher eingehen. Trotz alledem möchte ich an dieser Stelle das kleine Waisenkind Elli Berneike anführen, derer Franziska Wagner sich angenommen hatte. Das kleine, zerlumpt gekleidete blonde Mädchen, das in einer Fabriksruine in Köln-Mühlheim hauste, hat mein Herz im Sturm erobert. Und zu meiner großen Freude weckte dieses Kind auch den Beschützerinstinkt von Friederike Matthée.

Fazit: „Der Hunger der Lebenden“ war ein bemerkenswerter Roman, der mich in die schreckliche Welt des Krieges und die Zeit danach entführte. An Friederikes Seite durfte ich ein wenig in den Alltag des Jahres 1947 eintauchen und die hoch interessanten Ermittlungen verfolgen. Aufgrund des ausgezeichneten Schreibstils, der überzeugenden Charaktere und des geschickt konstruierten Kriminalfalls würde ich dieses Buch auf jeden Fall als ganz großes Lesehighlight bezeichnen. Ich freue mich bereits auf weitere Werke dieser Autorin, die für mich eine grandiose Neuentdeckung darstellt.

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Ein Mord im Bergischen Land
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Auf das Herz kommt es an

Das Mädchen mit dem Schmetterling von Kristin Hannah

Als im kleinen Städtchen Rain Valley nahe des Olympic National Forest, am Rande des Regenwaldes, plötzlich ein verwahrlostes kleines Mädchen auftaucht, sucht die örtliche Polizei nach einer Vermisstenmeldung oder Hinweisen auf eine Entführung. Doch das traurige, zerbrechliche Mädchen spricht nicht, und es scheint auch von niemandem vermisst zu werden.

Sie kam eines Tages auf der Suche nach etwas Essbarem aus den unberührten, unerforschten Wäldern. Aufgrund ihres wilden und zutiefst rätselhaften Verhaltens wird eine Spezialistin hinzugezogen. Julia Cates ist Kinderpsychologin und ihre besondere Gabe, mit traumatisierten Kindern umzugehen, macht sie zur idealen Therapeutin für das „Wolfsmädchen“, wie die kleine Unbekannte bald genannt wird. Julia macht es sich zu ihrer ganz persönlichen Aufgabe, diesem Kind zu helfen. Durch ihre hartnäckigen und liebevollen Bemühungen sowie ihre fachliche Eignung verzeichnet sie bald auch erste Erfolge. Doch kurz nachdem Julia zur temporären Pflegemutter für ihren Schützling bestimmt wird, taucht plötzlich der leibliche Vater auf, der das Kind zurückfordert. Sowohl für das kleine Mädchen, als auch für Julie und alle Menschen in Rain Valley, denen dieses Schicksal nahe geht, bricht eine Welt zusammen.

Kristin Hannahs Geschichte eines Wolfskindes, das inmitten eines hunderttausende Hektar großen und unerforschten Waldgebiets festgehalten wurde, hat mich regelrecht gefesselt. Durch die Protagonistin Julia erfährt man fachliche Hintergründe über diese „wilden Kinder“, sie thematisiert jedoch auch andere mögliche Ursachen wie beispielsweise Autismus für das seltsame Verhalten dieses Kindes. Darüber hinaus erzählt die Autorin die Geschichte zweier Schwestern, die sich nach dem Tod der Eltern ein wenig entfremdeten, sich jedoch trotz äußerlicher Unterschiede gar nicht so unähnlich sind. Julia Cates und Ellen Barton erhalten durch ihre Bemühungen um das Wolfsmädchen eine neue Chance, ihre geschwisterliche Beziehung aufzufrischen.

Die handelnden Personen dieses Buches empfand ich als ausgezeichnet charakterisiert. Julia Cates wird als intelligente Frau dargestellt, der durch ihre Hochsensibilität ein ganz besonderer Zugang und eine hervorragende Eignung für ihren Beruf gegeben ist. Sie leidet an einem beruflichen Rückschlag und hat zudem eine zerbrochene Beziehung zu bewältigen. Ihre Schwester Ellen ist eine umwerfend schöne und extrovertierte Persönlichkeit. Sie sorgt als Polizeichefin für Recht und Ordnung in Rain Valley. Das Auftauchen des Wolfsmädchens stellt sie vor die bislang größter Herausforderung ihres beruflichen Lebens. Ellen stehen in Cal Wallace, Penelope Nutter und Earl Huff drei äußerst sympathische Kollegen zur Seite. Der seit sechs Jahren in Rain Valley niedergelassene Arzt Dr. Max Cerrasin ist ein gutaussehender Einzelgänger, der ebenfalls mit einem traumatischen Ereignis aus seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. Kristin Hannahs authentische Charakterzeichnung erzeugte sogar entgegen der gegen ihn sprechenden Fakten Verständnis für die Forderungen des leiblichen Vaters. Die Autorin versteht es, die Beweggründe und Emotionen ihrer Figuren auf beeindruckende Art und Weise darzustellen. Der kleinen Protagonistin, die von ihren Betreuern schließlich Alice genannt wird, flog mein Herz vom ersten Moment an zu. Ich habe dieses kleine, hilflose Wesen mit ihren vielen körperlichen und emotionalen Narben auf der Stelle ins Herz geschlossen.

Die Ungewissheit über die Herkunft, den bisherigen Aufenthaltsort und die Identität jener Person, die das Kind irgendwo in den Tiefen der Wälder festgehalten hat, erzeugte einen durchgehenden Spannungsbogen im Buch. Die Kombination mit dem wunderschönen Schreibstil, der Kristin Hannah zu eigen ist, machte diesen Roman zu einem wahren Pageturner.

Fazit: „Das Mädchen mit dem Schmetterling“ war eine tief berührende Lektüre, die mir ausgezeichnet gefallen hat. Die Tatsache, dass dieses Buch bereits vor einigen Jahren unter einem anderen Titel erschienen ist, hat mich persönlich nicht gestört, da ich „Wohin das Herz uns trägt“ nicht gelesen habe.

Ich kann dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehlen!

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Auf das Herz kommt es an
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Das Kastanienmädchen aus den Bergen

Die Tochter der Toskana von Karin Seemayer

„Ich werde das alles nie wiedersehen. Ich werde niemals mehr die Nebel am Monte Ventasso aufsteigen sehen, von denen die Alten sagen, dass in ihnen die Feen tanzten.“

Antonella Battistoni stammt aus dem kleinen Dorf Cerreto in den Apuanischen Alpen. Die hübsche Schäferstochter soll in Kürze Paolo, den wohlhabenden Sohn des örtlichen Müllers heiraten.

Als dieser jedoch seinen wahren Charakter offenbart, bleibt dem Mädchen angesichts der Unnachgiebigkeit ihres Vaters nur noch der Weg in die Flucht. An der Seite eines gutaussehenden Fremden, den sie im Wald getroffen hat, macht sie sich auf den Weg nach Genua, um ihre Tante Einede aufzusuchen und eine Anstellung zu finden. Auf dem langen und beschwerlichen Weg in die Freiheit, der von Aufregung und Abenteuern geprägt ist, behandelt Marco Michele di Raimandi sie stets wie ein Gentleman. Er ist höflich, zuvorkommend, und möchte seine Begleiterin wohlbehalten zu ihrer Tante nach Genua bringen. Dass die beiden jungen Menschen sich ineinander verlieben, war weder vorhersehbar, noch passt es in deren Lebenspläne. Marcos Vergangenheit stellt zudem ein unüberwindliches Hindernis für ihre Liebe dar, und nach der Enthüllung seiner wahren Identität scheint eine gemeinsame Zukunft ausgeschlossen…

Karin Seemayer beschreibt in eindrucksvollen Worten und sehr einnehmendem Schreibstil das Leben des Bauernmädchens Antonella in dem kleinen Dorf in den Bergen. Die Situation der Menschen, ihr Lebensalltag, ihre Hoffnungen, Wünsche und Träume werden ausgezeichnet vermittelt. Die Autorin erzählt vom Streben ihrer jungen Protagonistin nach Bildung, dem großen Wunsch, lesen und schreiben zu lernen. Antonella darf auch ihre Leidenschaft für das Kochen nicht ausleben. Sowohl die Berufswahl, als auch die Wahl des zukünftigen Ehemannes werden durch den Vater getroffen. Die Charakterisierung der handelnden Figuren war ausgezeichnet – man konnte sich in die Personen hineinversetzen, deren Überlegungen und Handlungen wirkten höchst authentisch. Durch den männlichen Protagonisten Marco wurde dem Leser ein Einblick in die Welt des Adels gewährt. Karin Seemayer schildert das Leben in der sogenannten besseren Gesellschaft und erwähnt auch die Verpflichtungen und Zwänge, denen die Söhne und Töchter aus gutem Hause unterworfen waren. Ebenso wie Antonella hatte auch Marco sich sein Leben anders vorgestellt, und auch ihm wurden Unverständnis und Unnachgiebigkeit entgegengebracht. Auf dem langen Weg nach Genua kreuzten interessante und liebenswerte Nebendarsteller den Weg der beiden Flüchtenden. Karin Seemayer widmete sich jeder Person mit großer Aufmerksamkeit und bereicherte die Geschichte durch lebendig wirkende und sehr überzeugende Figuren.

Die historischen Fakten waren vortrefflich recherchiert und mit der Handlung verwoben. Die Autorin skizziert die politische Situation und gibt einen kleinen Einblick in die Carbonari als bedeutendste der Geheimbünde in den italienischen Staaten des 19. Jahrhunderts. Sie thematisiert auch die von Guiseppe Mazzini gegründete Vereinigung namens „Giovine Italia“ und den Kampf für ein freies Italien, für Gerechtigkeit, ein leichteres Leben für die Bauern, niedrige Steuern und Handel. Die gesamte Geschichte beinhaltet nicht zuletzt dadurch einen konstanten Spannungsbogen, der am Ende des Buches schließlich in ein atemberaubendes Finale mündet. Antonella und Marco müssen viel Mut und Einfallsreichtum aufwenden, um alle Hindernisse zu überwinden.

Da mir nicht nur die beiden Protagonisten, sondern auch die meisten Nebenfiguren ans Herz gewachsen sind, würde ich mich über ein Wiedersehen im nächsten Band unglaublich freuen. Zu gerne möchte ich erfahren, wie es den Mitgliedern der Familien Battistoni und di Raimandi nach dem Verschwinden ihrer Kinder ergangen ist und ein wenig mehr über Antonellas bester Freundin Francesca, den hünenhaften Seemann Guiseppe Garibaldi oder Marcos besten Freundes Fabrizzio Barrati lesen. Es wäre auch interessant zu erfahren, was mit Einede Morelli geschehen ist, jener Tante, die bereits im Alter von sechzehn Jahren ihr Dorf verlassen hat, um als Köchin in Genua zu arbeiten. Und ich würde in Karin Seemayers nächstem Buch auch gerne wieder die kleine Hütte des Köhlers Nunzio und seiner liebenswerten Frau Valeria in Ghiare sowie die mütterliche und liebenswerte Aminta besuchen.

Fazit: „Die Tochter der Toskana“ ist ein beeindruckender und atmosphärischer Roman, der mir nicht zuletzt durch den wunderschönen Schreibstil der Autorin und deren authentisch gezeichneter Figuren großes Lesevergnügen bereitet hat. Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen und ich empfehle es nur allzu gerne weiter.

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Das Kastanienmädchen aus den Bergen
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„Ist dir je in den Sinn gekommen, dass du zu so viel mehr geschaffen wurdest?“

Weil du siehst, wie schön ich bin von Rachel Hauck

Als Maggie Boyd in den Ruhestand tritt, verkauft die alte Dame ihren Schönheitssalon an die erfolgreiche Stylistin Ginger Winters, die nach zwölf Jahren wieder in ihr Heimatstädtchen Rosebud zurückgekehrt ist. Gingers Talent, durch ihre Arbeit die Schönheit von Frauen zutage zu bringen, ist bereits legendär.

Sie avancierte zur persönlichen Stylistin einer berühmten Persönlichkeit, mit der sie durch die Welt reiste. Nun möchte Ginger jedoch auf eigenen Beinen stehen und renoviert mit großem Einsatz Maggies ehemaligen Salon, als unvermittelt ihre Jugendliebe Tom Wells auftaucht. Er brach Ginger vor zwölf Jahren das Herz und kam nun ebenfalls zurück nach Rosebud, um als Pastor eine Gemeinde zu gründen. Die ehemalige Anziehungskraft zwischen Ginger und Tom ist durch die jahrelange Trennung zwar nicht erloschen, doch Ginger kann weder an Toms Zuneigung, noch an ihren eigenen Wert glauben. Seit einem fürchterlichen Brand in ihrer Kindheit ist ihr Körper durch schwere Brandwunden entstellt und Ginger spricht sich selbst das Recht auf Glück und Liebe ab. Ob Toms beharrliche Zuneigung und sein sanfter Versuch, sie von Jesu Liebe zu all seinen Kindern zu überzeugen Erfolg haben wird?

Rachel Hauck hat mit diesem kleinformatigen dünnen Büchlein eine bezaubernde Liebesgeschichte geschrieben, die an die bekannten Märchen vom hässlichen Entlein und Aschenbrödel erinnern. Sie legt das Hauptaugenmerk auf die Wertigkeit der inneren Schönheit eines Menschen und gibt dem Glauben großzügigen Raum in ihrer Geschichte. Die handelnden Figuren wurden allesamt sympathisch und authentisch dargestellt, wobei der Fokus jedoch auf den beiden Protagonisten liegt. Aufgrund der geringen Seitenanzahl wird den Nebenfiguren eher weniger Aufmerksamkeit zuteil, ihre sorgfältige Charakterzeichnung ließ sie aber dennoch glaubwürdig erscheinen. Sehr gerne hätte ich mehr über Toms Großvater „Pop“ erfahren, dessen Weisheit und Seelenruhe Tom stets Trost in im Leben gab. Auch die ewige Optimistin Ruby-Jane war eine vielversprechende Figur, von der ich ebenfalls gerne mehr gelesen hätte. Als Gingers beste Freundin kennt sie deren Sorgen und Emotionen nur allzu genau und steht ihr nicht nur als Angestellte, sondern auch als Mut Macherin und Trösterin zur Seite. Sie scheut sich zu alledem nicht, sensible Themen anzusprechen und Ginger ins Gewissen zu reden. Einzig die abrupte Veränderung der Einstellung und des Verhaltens einiger Mitglieder der Hochzeitsgesellschaft sowie das etwas überhastete Ende konnten mich nicht vollends überzeugen.

Anhand des Klappentextes und des aussagekräftigen Coverfotos wird der Verlauf dieser Geschichte bereits im Vorfeld angedeutet, und dadurch birgt das Buch keine allzu großen Überraschungen. Mir hat sehr gut gefallen, dass Rachel Hauck trotz der Kürze in diesem Roman viele wichtige Botschaften transportiert und allen voran die Gewissheit vermittelt, dass wir geliebte Kinder Gottes sind, er seine Hand schützend über uns hält und uns führt, auch wenn wir dies in Momenten des Schmerzes und des Leids nicht immer erkennen mögen. Der einnehmende und flüssige Schreibstil der Autorin und die an einigen Stellen perfekt platzierte Situationskomik machten diese Lektüre darüber hinaus zu einem reinen Vergnügen.

Fazit: In ihrer Neuerscheinung „Weil du siehst, wie schön ich bin“ vereint Rachel Hauck eine romantische Liebesgeschichte zum Träumen, die Bewältigung eines tragischen Kindheitstraumas, das für Tiefgang sorgt, sowie den Weg zum Glauben an Jesus und ist daher trotz der geringen Seitenanzahl ein Garant für sehr gute und tiefgründige Unterhaltung.

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Sei das Mädchen, das ein Risiko eingeht!

Zurück auf Anfang von Melissa Tagg

„Du weißt, welche Fakten eine Liebesgeschichte ausmachen. Aber dir selbst hast du nie zugestanden, es auch zu erleben.“

Seit Kate Walkers Beziehung zum eleganten College-Professor Gil vor einigen Jahren in die Brüche ging, glaubt die junge Frau nicht mehr an die Liebe. Sie baut einen festen Schutzwall um ihr Herz und lässt fortan niemanden mehr emotional an sich herankommen.

Leider erlebt auch ihre Karriere als Drehbuchautorin eine starke Flaute, und Kate erhält laufend Ablehnungen für ihre Buchprojekte. Der Hilferuf ihrer Familie nach einem schlimmen Tornado veranlasst Kate dazu, für eine Weile nach Hause zurückzukehren. Als Kates Bruder Logan auch seinen besten Freund, den NFL-Quaterback Colton Greene, um Hilfe bittet, entschließt der attraktive kalifornische Footballstar sich ebenfalls, nach Maple Valley zu reisen. Auch Coltons Träume sind zerplatzt, seine Karriere wurde durch eine schwere Sportverletzung beendete. Als sich seine Freundin Lilah auch noch einem anderen Mann zuwendet und Colton verlässt, stürzt dieser in eine tiefe Lebenskrise. Darüber hinaus quälen ihn dunkle Schatten aus der Vergangenheit und eine Auszeit in Maple Valley soll ihm Klarheit über seine Zukunftspläne verschaffen. Als Kate in ihrem Elternhaus auf den Hausgast Colton trifft und die beiden sich ein wenig näher kennenlernen, eröffnet sich sowohl für Kate, als auch für Colton, neue Möglichkeiten. Doch Kate möchte kein Risiko mehr eingehen…

„Wieder zurück auf Anfang“ erzählt von zwei Menschen, die in ihrer Vergangenheit tiefe emotionale Verletzungen erleiden mussten und diese Ereignisse noch immer nicht verarbeiten konnten. Sowohl Kate, als auch Colton, stehen an einem Scheideweg ihrer Karriere, die Zukunft erscheint für beide ungewiss.

Die Autorin präsentiert durch Kate Walker und Colton Green zwei wundervoll charakterisierte Protagonisten, deren bewegtes Innenleben sie hervorragend darzustellen vermochte. Melissa Tagg bringt deren Ängste, Zweifel und Hoffnungen hinsichtlich ihrer beruflichen und privaten Neuorientierung überzeugend zum Ausdruck, sie stellt den beiden zudem auch sehr sympathische Nebenfiguren zur Seite. Ich habe den gesamten „Walker-Clan“, aber auch die Familie von Kates Agenten Marcus auf der Stelle ins Herz geschlossen. Selbst die etwas verrückte Kaffeehausbesitzerin Megan sammelte mit fortschreitendem Handlungsverlauf durch ihr verletzliches Inneres hinter der ruppigen Fassade immer mehr Sympathiepunkte. Ich schaffte es noch nicht einmal, den Antagonisten Gil als solchen zu betrachten – sein weiterer Lebensweg ließ vielmehr tiefes Mitleid und Bedauern in mir aufkommen.

Ich empfand den flüssigen und einnehmenden Schreibstil der Autorin kombiniert mit den in die Handlung eingebrachten Aspekt des Glaubens als Bereicherung. „Wieder zurück auf Anfang“ hat mir ausgezeichnet gefallen, ein wunderschönes und emotionales Leseerlebnis verschafft und mich aufgrund einiger humorvoller Passagen auch sehr gut unterhalten.

Fünf Bewertungssterne und eine uneingeschränkte Weiterempfehlung für diese berührende Familien- und Liebesgeschichte!

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Sei das Mädchen, das ein Risiko eingeht!
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Das kleine Haus in den Cotswolds

Neues Glück in Willow Cottage von Bella Osborne

Die hübsche Geschäftsleiterin Elizabeth Thurlow-Browne aus London trifft eine spontane romantische Entscheidung: sie ersteigert bei einer Auktion ein Cottage. Beth kündigt ihren gut bezahlten Job und macht sich mit ihrem Sohn Leo auf den Weg nach Dumbleford. Der Blick über eine Dorfwiese auf eine paradiesisch anmutende Landschaft im Herzen der Cotswolds kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei Willow Cottage um eine baufällige Ruine handelt.

Doch Beth lässt sich weder von den spleenigen Einwohnern des Ortes, noch vom Zustand ihres neu erworbenen Häuschens entmutigen. Sie findet Mittel und Wege, ihre Neuerwerbung zu renovieren, und schließt ganz nebenbei auch noch Freundschaften. In Jack Selby trifft sie auf einen attraktiven und hilfsbereiten Mann, der nicht nur großes handwerkliches Geschick besitzt, sondern sich darüber hinaus auch auf Renovierungen versteht. Doch bevor Beth bereit ist, neu anzufangen, muss sie zunächst die Schatten ihrer Vergangenheit hinter sich lassen.

Bella Osborne erzählt in ihrem Roman „Neues Glück in Willow Cottage“ von einer jungen Frau, die aus ihrer Beziehung zu einem dominanten und kontrollsüchtigen Mann ausbricht. In einfühlsamen Worten und mit ihrer wunderschönen und bildhaften Sprache gelang es der Autorin, mich vom ersten Augenblick an für diese Geschichte zu begeistern. Man kommt im Verlauf dieser Lektüre nicht umhin, sich in die beeindruckende Landschaft der Cotswolds und deren liebenswerten Bewohner zu verlieben. Der einnehmende Schreibstil wird darüber hinaus durch eine gehörige Portion Humor aufgewertet, und durch die Aktivitäten des hasserfüllten Antagonisten Nick entsteht ein gewisser Spannungsbogen. Da auch die Romantik nicht zu kurz kommt, wurde diese Lektüre zu einem richtigen Pageturner.

Die Figuren dieses Buches empfand ich als höchst authentisch dargestellt. Sowohl den beiden Protagonisten Jack und Beth, als auch sämtlichen Nebenfiguren, wurde große Aufmerksamkeit zuteil. Ihre liebevolle Zeichnung ließ mir die Bewohner von Dumbleford binnen kürzester Zeit ans Herz wachsen. Ich amüsierte mich über die schrullige Shirley mit dem eigenartigen Trolley, die im Verlauf der Seiten einige Überraschungen für mich bereithielt. Doch nicht nur der spleenigen alten Dame, sondern auch dem alten Ernie, der seinen Platz unter der knorrigen Weide vor Willow Cottage derart resolut behauptet, flog mein Herz in Windeseile zu. Beths Freundin Carly Wilson brachte mich mit ihrer schrägen und quirligen Art oftmals zum Schmunzeln. Carlys Lebensgefährte Fergus war jedoch mit Abstand jene Figur, die ich am meisten unterschätzt hatte. Der große, schlaksige Mann, der sein Geld mit Computerspielen verdient, stets in eigenartigen Jogginghosen und T-Shirts herumläuft und ein großer Kindskopf zu sein scheint, avancierte im Verlauf der Handlung zu meinem liebsten Nebendarsteller. Zu meinem großen Vergnügen mangelt es diesem Buch auch nicht an tierischen Protagonisten – Shirleys taube Katze „Mittens“ und Jacks Mastiff „Doris“ sind ein Garant für eine Menge Humor und Turbulenzen.

Fazit: Ich empfand diesen bezaubernden Roman als richtiges Lesehighlight. „Neues Glück in Willow Cottage“ ist eine wunderschöne, Herz erwärmende Geschichte mit sympathischen Figuren, Romantik und aufregenden Verwicklungen, gespickt mit einer gehörigen Dosis Humor. Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen!

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Kriminalhauptkommissar Faber und sein Team ermitteln in Pilsum

Tödliches Pilsum. Ostfrieslandkrimi Faber und Waatstedt ermitteln von Elke Nansen

Als im Juni 2018 in Pilsum, Ostfriesland ein teurer Firmenwagen aus einem Kanal gefischt wird, deutet alles darauf hin, dass es sich bei dem Besitzer des Wagens um einen seit über fünf Jahren vermissten Mann handeln könnte. Das vermeintliche Entführungsopfer Dr. Robert Gerber galt als brillant und war einer der führenden Köpfe eines Chemieunternehmens.

Richard Faber, der Chef des Kriminal- und Ermittlungsdienstes in Emden beschließt, den Fall neu aufzurollen. Er macht sich gemeinsam mit seinem Team auf die Suche nach neuen Spuren. Ein weiterer Mordfall sowie einige brisante Erkenntnisse bringen Tempo in die Untersuchungen, und Ungereimtheiten beim Tod von Gerbers kleiner Tochter kurz vor dessen eigenem Verschwinden lassen auf die Existenz eines sogenannten „Todesengels“ schließen, einer Person, die im medizinischen Bereich tätig ist und aktive Sterbehilfe leistet. Doch wie sich bald herausstellt, sind die Hintergründe in diesem verzwickten Fall weit dramatischer, als Richard Faber es sich auch nur im Entferntesten auszumalen vermochte.

„Tödliches Pilsum“ war mein erstes Buch dieser Autorin und hat mich sehr positiv überrascht. Der Schreibstil ist einnehmend, und die wunderschönen, beinahe bildhaften Schilderungen der beschaulichen Landschaft Ostfrieslands trugen ebenfalls zu meinem Lesevergnügen bei.

Bereits der Prolog wartet mit einer Szene in einem Krankenhaus auf, die viele Jahre später der Auslöser für einige der nachfolgenden Handlungen dieses Buches sein sollte. Die Identität der beteiligten Personen bleibt jedoch lange ungewiss, ein Faktor, der unter anderem für die Spannung dieses Krimis verantwortlich zeichnet. Es wurde und wird zwar gemordet, doch Elke Nansen verschont ihre Leser mit einer allzu blutigen Darstellung der Morde und deren Schauplätze. Die Geschichte lebt vielmehr von den handelnden Figuren, die große Authentizität und einen hohen Sympathiefaktor aufweisen. Die beiden Protagonisten Kriminalhauptkommissar Richard Faber und Kommissarin Rike Waatstedt arbeiten mit einem mehrköpfigen Team zusammen, wobei ihnen besonders Kommissar Tamme Hehler und Dr. Philipp Schorlau als starke Nebenfiguren zur Seite stehen. Speziell im Umgang der Akteure mit dem Ermittler und EDV-Experten Tamme, von der Mannschaft aufgrund seines Äußeren liebevoll „Wikinger“ genannt, wird ein gewisser Humor ins Spiel gebracht. Philipp Schorlau ist nicht nur kompetenter Chef-Forensiker, sondern darüber hinaus auch guter Freund des Kriminalhauptkommissars. Sein weiches, herzliches Inneres versucht der Pathologe durch arrogantes, manchmal auch zynisches Gehabe zu tarnen. Die Autorin liefert eine hervorragende Charakterzeichnung der Ermittlungsbeamten und versteht es perfekt, auch alle anderen in diesen Fall involvierten Personen mit hoher Glaubwürdigkeit auszustatten. Besonders Augenmerk wird dabei auf die Familie des Entführungsopfers Robert Gerber gelegt, deren Leben durch die beiden dramatischen Ereignisse in der Vergangenheit völlig durcheinandergebracht wurde. Trotz der großen Anzahl höchst interessanter und vielschichtig gezeichneter Nebendarsteller konnte „Opa Knut“ die meisten Sympathiepunkte bei mir sammeln. Dem urigen und pfeifenrauchenden alten Ostfriesen mit dem großen Herzen ist eine kriminalistische Kombinationsgabe zu eigen, und er liebt seine Enkeltochter Rike Waatstedt über alles.

Um etwaige Spoiler zu vermeiden und die Spannung nicht vorwegzunehmen, möchte ich auf nähere Details zu diesem vielschichten Mordfall verzichten. Der geneigte Leser darf sich jedoch auf einen unerwarteten und – zumindest aus meiner Sicht – völlig überraschenden Ausgang dieses Krimis freuen, der mich hervorragend unterhalten und mir ausgezeichnet gefallen hat.

Ich kann dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehlen und freue mich bereits auf weitere Werke aus der Feder Elke Nansens.

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Kriminalhauptkommissar Faber und sein Team ermitteln in Pilsum
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Lass uns nach Benton County fahren. Bringt mich nach Hause!

Tödliches Pilsum. Ostfrieslandkrimi Faber und Waatstedt ermitteln von Elke Nansen

Die achtzigjährige Hazel Mae Blackwell lebt in Kendrickson, Nevada und musste bereits in sehr jungen Jahren einen schmerzlichen Verlust erfahren. Ihre kleine dreijährige Schwester Maggie verschwand unter ihrer Obhut beim Beerensammeln im Wald und wurde nie wiedergesehen. Nicht nur Hazel, sondern die gesamte Familie war zutiefst traumatisiert und erholte sich nie wieder von diesem schrecklichen Ereignis.

Margaret Diane De Ford arbeitete als Lehrerin in Little Rock, Arkansas und kommt nicht gut mit ihrer Mutter Hazel aus. Sie war bereits in jungen Jahren eine richtige Rebellin, lehnte sich gegen die Fürsorge ihrer Mutter auf, fühlte sich überwacht, kontrolliert und bevormundet. Margaret Diane ist darüber hinaus eifersüchtig auf die innige Verbindung zwischen ihrer Tochter Meghan und deren Großmutter Hazel, die ihre Enkelin mit Zuneigung und Aufmerksamkeit überschüttet.

Als Meghan De Ford aufgrund eines Autounfalls längere Zeit krankgeschrieben wird, beschließt sie, ihre sechswöchige Zwangspause von ihrem Job bei der Kriminalpolizei bei ihrer über alles geliebten Großmutter zu verbringen. Sie empfindet die vor ihr liegende kostbare Zeit mit Hazel als ein Geschenk des Himmels. Völlig überrascht stellt sie bei ihrer Ankunft in Kendrickson fest, dass auch ihre Mutter Margaret Diane beschlossen hat, Hazel zu besuchen. Lange unterdrückte Emotionen und schwelende Verletzungen kommen nun an die Oberfläche, und die Situation scheint aussichtslos und verfahren. Beim Betrachten alter Bilder aus Hazels Kindheit konfrontiert Meghan ihre Großmutter mit einer Aufnahme, die deren ruhige Gelassenheit ins Wanken bringt. Die alte Dame spricht zum ersten Mal seit über siebzig Jahren von ihrer verschollenen Schwester Maggie und dem großen Schmerz, den sie bereits ihr gesamtes Leben lang mit sich herumschleppt. Ihre tiefe Verzweiflung und ihre Trauer wecken in Meghan das Bedürfnis, den größten Herzenswunsch ihrer Großmutter zu erfüllen: Hazel möchte noch einmal in den winzigen Ort namens Cumpton nach Benton County fahren, das alte Farmhaus wiedersehen, das einmal ihr Zuhause war, und das Grab ihrer lange verstorbenen Eltern besuchen. Sie wünscht sich zudem nichts sehnlicher, als ihre schmerzlich vermisste Schwester noch einmal in die Arme schließen zu dürfen. Doch die Chancen, Spuren in einem über siebzig Jahre alten Fall zu finden, sind mehr als gering.

Kim Vogel Sawyer erzählt in ihrem Roman die berührende Geschichte von drei Frauen, die lernen mussten, mit großen Verletzungen, tiefem Schmerz und tragischen Verlusten zu leben. Sie berichtet von einer Mutterliebe, die sehr intensiv und stark ist, von einer rebellischen Tochter, die sich gegen die emotionale Umklammerung ihrer Mutter wehrt, und von einer Enkeltochter, die alles in ihrer Macht stehende versucht, für die beiden Menschen, die sie am meisten liebt, als Friedensstifterin zu fungieren. In einem wunderschönen und einnehmenden Schreibstil rollt die Autorin in Form von Rückblicken in Hazels und Margaret Dianes Vergangenheit behutsam die damaligen Ereignisse nach und nach auf. Zu Beginn der einzelnen Kapitel weisen Namen in schwungvollen Lettern als Überschrift stets darauf hin, welcher der drei Hauptpersonen sich Kim Vogel Sawyer nun widmet. Darüber hinaus tragen Angaben zu Zeit und Ort der Handlung zu einer raschen Orientierung im Buch bei. Mir haben Kim Vogel Sawyers ruhige, bedächtige Art zu erzählen und ihre Gewichtung auf die Gefühlswelt von Hazel, Margaret und Meghan ausgezeichnet gefallen.

Die Ungewissheit über das Schicksal der verschollenen Schwester Maggie erzeugt einen gewissen Spannungsbogen, der Fokus liegt jedoch eindeutig auf der Beziehung zwischen den drei Protagonistinnen. Deren liebevolle Charakterisierung zeugt von hoher Authentizität. Sowohl die würdevolle und rüstige Hazel, die als Inbegriff selbstloser Liebe dargestellt wurde, als auch ihre Enkelin Meghan, sind mir sofort ans Herz gewachsen. Margaret Diane war eine Figur, der ich anfangs eher ablehnend gegenüberstand. Sie machte jedoch die größte Wandlung in dieser Geschichte durch und überraschte mich durch ihre bemerkenswerte Einsicht. Der christliche Glaube hat einen sehr hohen Stellenwert inne – ein Aspekt, den ich als unglaubliche Bereicherung empfand und der diesem Buch zusätzliche Tiefe verlieh.

Fazit: „Zu Hause wartet die Hoffnung“ stellte für mich ein herausragendes Lese-Highlight dar und hat mich zutiefst berührt. Kim Vogel Sawyer erzählt eine ergreifende Geschichte von Liebe, Schmerz, und der Kraft der Vergebung, die getragen von einem unerschütterlichen Glauben an Gott letztendlich Großes bewirkt. Eine ausgezeichnete Lektüre, die ich sehr gerne weiterempfehle.

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Kriminalhauptkommissar Faber und sein Team ermitteln in Pilsum
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Ein kleines Schimpansen-Mädchen in Nöten

Tödliches Pilsum. Ostfrieslandkrimi Faber und Waatstedt ermitteln von Elke Nansen

Die elfjährige Klara, der zehnjährige Tim und der gleichaltrige Alex sind sehr gute Freunde und verbringen den Großteil ihrer Freizeit miteinander. Im Zuge einer Berg- und Tal-Runde mit dem Fahrrad entdecken sie am Straßenrand ein verletztes Schimpansen-Mädchen mit traurigen Augen. Die drei Kinder wenden sich vertrauensvoll an den Tierarzt Doktor Schneider, der das gebrochene Bein des Äffchens eingipst und den Kindern Ratschläge zur Fütterung des kleinen Findlings gibt.

Die kleine „Purzel“ darf vorübergehend in einem Holzschuppen bei Klaras Elternhaus einziehen. Doch die drei Freunde müssen nun noch die offene Tierarztrechnung begleichen. Nachdem ihr erspartes Taschengeld und die Einkünfte aus kleinen Hilfstätigkeiten immer noch nicht ausreichen, scheint der plötzliche Fund einer wohlgefüllten Brieftasche die Lösung all ihrer Probleme zu sein. Oder doch nicht? Und auf einmal erfahren die Kinder zu alledem auch noch, dass es sich bei Purzel um ein entflohenes Affenkind aus dem Zirkus handelt, dessen Mutter es schmerzlich vermisst und sehr um ihr verlorenes Baby trauert.

Michael Elsaß erzählt in diesem entzückenden Kinderbuch die Geschichte eines entlaufenen Äffchens, das verletzt am Straßenrand liegt und von den drei Freundin Klara, Tim und Alex gerettet wird. Mitgefühl, Tierliebe und die Einschätzung, was richtige und was falsche Handlungen sind, stehen im Zentrum dieser Geschichte. Die Wahl der Schriftform, die Größe der Lettern sowie den Zeilenabstand empfand ich als äußerst lesefreundlich und kindgerecht. Die Illustrationen von Ellen Krieger stellen den Inhalt bildhaft aus der Sicht eines Kindes dar, und sind angesichts der farbenfrohen Bilder ein richtiger Blickfang im Buch. Die Vorstellung der Hauptfiguren dieses Kinderbuches gleich zu Beginn des Buches in Form von Farbzeichnungen und einer kleinen Kurzbeschreibung bildet darüber hinaus auch einen sehr schönen und informativen Einstieg.

Mein einziger Kritikpunkt ist die mangelhafte Verarbeitung dieses Büchleins, bei dem sich bereits bei vorsichtigem Umblättern einzelne Seiten aus dem Buchrücken lösten. Schade.

Fazit: „Purzel, das Äffchen“ ist eine lehrreiche Geschichte, die ihre junge Zielgruppe unterhält, und darüber hinaus auch zum Nachdenken anregt. Sie vermittelt den Kindern Respekt und Wertschätzung Menschen, Tieren und hilflosen Lebewesen gegenüber, und legt eine starke Gewichtung auf Zusammenhalt, Ehrlichkeit und das Übernehmen von Verantwortung. Mir haben sowohl der Inhalt, als auch die süßen Illustrationen sehr gut gefallen und ich empfehle dieses Kinderbuch gerne weiter.

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Kriminalhauptkommissar Faber und sein Team ermitteln in Pilsum