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Rezensionen von LEXI:
Der Schwur auf den weißen Ahorn
Der Ahorn im Sturm von Mina Baites
Der Schwur auf den weißen Ahorn
„Viele Jahre muss der Ahornbaum wachsen, neue Äste und Zweige bilden und seine Wurzeln tief in der Erde verankern, bevor er stark genug ist, den Stürmen des Lebens zu trotzen. Euer Vater ist wie der Stamm – er hat die Fabrik gegründet. Stellt euch vor, ihr seid die drei kräftigsten Äste, die den Baum krönen und sich weiter und weiter verzweigen.
Es mögen Zeiten kommen, in denen es unser Ahorn schwer hat, bei Unwetter zur überleben. Es liegt an euch, ob er einmal ein stolzer Baum wird, der andere überragt. Nur wenn ihr in schweren Zeiten fest zusammenhaltet und weise Entscheidungen trefft, wird die Firma durch eure Kinder und Enkel fortbestehen. Versprecht uns und euch, dass ihr diese Worte immer im Herzen tragt.“
Theodor, Georg und Rosa Breitenbach sind mit diesem Gelöbnis eine lebenslange Verpflichtung eingegangen. Der schwerkranke Firmenpatriarch Hermann Breitenbach wünscht sich sehnlichst, seine beiden jüngeren Kinder Georg und Rosa noch einmal wiederzusehen, die nach Colorado auswanderten, um im Bergbaustädtchen Rico eine Tochterfabrik zu gründen. Aus Georg Breitenbach ist mittlerweile ein erfolgreicher Unternehmer geworden, Rosa hat sich nach ihrer Heirat mit Wendelin Ehrlich ebenfalls in Colorado niedergelassen und einer Tochter das Leben geschenkt. Die Freundschaft der bezaubernden kleinen Julia mit dem Indianerjungen Chesmu wird aber nicht gerne gesehen. Als ein tragisches Ereignis die Familie erschüttert und die Folgen der Wirtschaftskrise spürbar werden, entschließt sich Georg, nach Deutschland zurückzukehren, und Theodor bei der Leitung der „Schuherzeugung Breitenbach“ zu unterstützen. Rosa kann sich ein Leben in Deutschland nicht mehr vorstellen und bleibt mit ihrer Familie in Amerika, vermisst ihre Geschwister jedoch schmerzlich. Während die Brüder um das Überleben des Familienunternehmens kämpfen, machen Indianerüberfälle, Dürrzeiten und Hunger das Leben von Rosa und ihrer kleinen Familie schwer.
Im zweiten Band ihres Familienepos führt Mina Baites die Geschichte der Unternehmerfamilie Breitenbach fort und schildert in abwechselnder Folge die Ereignisse in der Stammfabrik in Berlin sowie in der Tochterfabrik in Rico/Colorado. Während in Deutschland Theodor mit seiner zweiten Frau Vanda, seinem Sohn Felix und seinen beiden Töchtern Isa und Caroline die zentralen Figuren darstellen, liegt das Hauptaugenmerk in Colorado auf Georg Breitenbach und seiner Schwester Rosa. Ein weiterer Handlungsstrang thematisiert die Geschicke der Indianer, wobei dem Stamm der Núu-ci großzügig Raum gegeben wird. Als Hauptakteur fungiert Akule mit seinen beiden Ehefrauen Onawa und Nituna sowie seinem Sohn Chesmu, dem eine tragende Rolle im Buch zuteil wird. Der ungewöhnlich hohen Anzahl handelnder Figuren ist ein ausführliches Personenregister gewidmet, das die Orientierung im Buch enorm erleichtert und dazu beiträgt, die Übersicht über die verschiedenen Charaktere zu bewahren. Obgleich die einzelnen Figuren sehr gut dargestellt wurden, blieben einige von ihnen für meinen Geschmack zu blass - von Roses Freundinnen Florence und Dorothea, aber auch ihrem Ehemann Wendelin, erfuhr man leider nur wenig. Ich fand es jedoch schön, dass auch die Lebensgeschichte des Antagonisten Kaspar Meißner aus dem ersten Band kurz weiterverfolgt wurde. Wichtige Nebenfiguren aus dem Vorgänger, wie beispielsweise Miss Laura Golding, Blind Katy, Jessi Chocolate, Fat Liddy, Johnny Weizman alias Levy Weißmann, fanden leider nur kurz Erwähnung.
Der einnehmende Schreibstil und die ins Buch eingebrachten Emotionen haben mir auch im zweiten Band dieses Familienepos großes Lesevergnügen bereitet. Die bildhaften Beschreibungen der Landschaft und des Lebens im fernen Colorado bezogen mich stark in die Geschichte der Breitenbachs ein, wobei die Autorin diesmal auch eine gewisse Spannung aufbaute. Im Erzählstrang, der sich mit dem Reservat der Weeminuche befasst, brodelt es zwischen den Ureinwohnern und den weißen Eroberern, es kommt zu Unmut und schließlich zur Eskalation. Durch die Freundschaft von Rosas Tochter Julia mit dem Indianerjungen Chesmu erhält man Einblicke in das Denken und Handeln des Stammes, ihre Rituale und ihren Glauben.
Fazit: Ich empfand „Der Ahorn im Sturm“ als würdigen Nachfolger der Familiensaga um die Schuherzeugung Breitenbach, dessen Handlung vorrangig in der Neuen Welt stattfand. Erst in späterer Folge verlagert sich der Fokus auch auf die Ereignisse in Deutschland, die Weltwirtschaftskrise und die Konflikte mit den indianischen Ureinwohnern liefern eine interessante Rahmenhandlung. Der flüssige Schreibstil, die bildhafte Sprache und eine gut konstruierte Handlung haben mir sehr gut gefallen, über einige Charaktere hätte ich allerdings gerne mehr erfahren. Ich freue mich bereits auf den dritten Band dieser Reihe!
Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens
Der wundersame Adventskalender von Mina Baites
Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens
„Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens – Glaube, Hoffnung und Liebe – gehen verloren, weil wir uns von ihnen entfernen – Schritt für Schritt, ganz langsam, unmerklich.“
Martin Harnack arbeitet seit Jahren an einem Buch, der Stress bei seinem Forschungsprojekt ist nur einer der Auslöser für seine familiäre Krise.
Als er am Heiligen Abend immer noch keine Weihnachtsgeschenke für seine Ehefrau und seine drei Kinder gekauft hat, betritt er in seiner Verzweiflung einen heruntergekommenen Antiquitätenladen. Der bärtige alte Inhaber überreicht ihm als Lösung für all seine Probleme einen eigenartigen blechernen Kasten. Nachdem der gestresste Familienvater die Kurbel dieses mechanischen Adventkalenders betätigt, erfüllen sich seine Wünsche – jedoch auf völlig andere Art und Weise als erwartet. Martin erlebt einen Perspektivenwechsel und nach und nach reift in ihm die Erkenntnis, dass er in seinem Leben in letzter Zeit auf falsche Prioritäten gesetzt hat.
Thomas Franke hält in diesem wunderschönen Weihnachtsroman seinem Protagonisten Martin Harnack einen Spiegel vor. Durch den wundersamen Adventkalender wird er behutsam mit seinen Versäumnissen und Fehlern konfrontiert und bekommt die einmalige Gelegenheit, Dinge zum Besseren zu verändern. Er macht heilsame Erfahrung und erkennt, dass „Das Wunderbare an Wundern ist, dass sie sich weder herbeiwünschen, noch wiederholen lassen. Sie geschehen an den seltensten Orten, in den unwahrscheinlichsten Augenblicken und lassen jene, die am wenigsten damit gerechnet haben, wundersam verändert zurück.“
Der Autor konzentriert sich in diesem Buch in erster Linie auf seinen Protagonisten Martin und dessen Familie. Martins Ehefrau Swenja, seine Söhnen Anton und Ben, sowie seine Tochter Leonie stehen im Zentrum des Geschehens. Der Alltag der Familie Harnack, familiäre und berufliche Spannungsfelder sowie Martins wachsende Einsichten werden in einfühlsamen Worten, an mancher Stelle auch überaus humorvoll, beschrieben. Die lebendige Charakterzeichnung der handelnden Figuren und die heilsamen Erkenntnisse des Protagonisten haben mir ausnehmend gut gefallen. Tiefsinnige Zitate bereichern diese zauberhafte Geschichte, die eine wundervolle Einstimmung auf die bevorstehende Adventzeit darstellt:
„Es gibt Momente, da hat man das Gefühl, die Stimme Gottes zu hören. Erstaunlicherweise ist sie ganz leise und unaufdringlich, kaum mehr als ein Flüstern. Und nicht selten ist es so, dass sie uns an etwas erinnert, was wir eigentlich schon wissen. Mir ist klar geworden, dass ich tief in mir drin längst wusste, dass ich auf der falschen Spur war. Ich wusste, dass meine Prioritäten nicht die richtigen waren.“
„Die tiefste Gotteserfahrung machen wir nicht in den außergewöhnlichen Momenten unseres Lebens, sondern im Gewusel unseres Alltags, wenn wir an uns, unseren Mitmenschen und den Umständen zu verzweifeln drohen – und wenn Gott ganz leise, fast unhörbar in uns flüstert: ich bin da. Ich bin mit dir in diesem ganzen Chaos. Hab keine Furcht, vertraue mir.“
Der durch die außergewöhnlichen Aktivitäten des mechanischen Adventkalenders aufkommende kleine Spannungsbogen bleibt bis zuletzt aufrecht. Obgleich man als Leser relativ rasch den Ausgang der Geschichte ahnt, bangt und hofft man mit Martin Harnack, der versucht, die Liebe, den Zusammenhalt und die Harmonie in seiner Familie zu retten. Ich fühlte mich durch diesen wunderschönen Roman ausgezeichnet unterhalten, einzig die Tatsache, dass sich in diesem Weihnachtsbuch aus einem Christlichen Verlag der Vulgärsprache bedient wurde, fand ich unangebracht und enttäuschend.
Fazit: Mit „Der wundersame Adventskalender“ präsentiert Thomas Franke eine tiefgründige Weihnachtsgeschichte, die auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben hinweist und Prioritäten neu erkennen lässt. Der Autor regt dazu an, Wertschätzung zu zeigen und für glückliche familiäre Beziehungen und liebevolle Menschen an seiner Seite dankbar zu sein.
Ich empfehle dieses Buch sehr gerne weiter.
Eine Liebe, die nicht sein darf, und ein verbotenes Weihnachtsfest
Tanz mit mir, Aurelia von Titus Müller
Eine Liebe, die nicht sein darf, und ein verbotenes Weihnachtsfest
John Annesley wurde nach dem Tod seines trunksüchtigen Vaters von seinem puritanischen Onkel Nehemia aufgezogen. Das Leben der überzeugten Puritaner war geprägt vom protestantischen Glauben, von Ernsthaftigkeit, Nüchternheit und Enthaltsamkeit, der Einfluss der Puritaner auf das Alltagsleben in England war unglaublich stark.
Als John durch seinen Beruf als Wasserträger einer wunderschönen und ungezähmten Tochter aus gutem Hause namens Aurelia begegnet, treffen zwei völlig konträre Welten aufeinander. Aurelia sprüht vor Lebensfreude und liebt das Leben. Sie vermisst ihre geliebten Theaterbesuche, aber auch das wunderschöne Fest der Geburt Jesu – Dinge, die von den Puritanern streng verboten wurden. Aurelia möchte aus ihrem vorbestimmten Leben ausbrechen. „Mein Leben ist wie ein Theaterstück. Ich soll die Rolle der braven Bürgerstochter spielen, die Bühne betreten, mein Verslein aufsagen, heiraten und der Familie keine Schande bereiten. Aber das war die falsche Rolle für sie. Der Autor musste das Stück verändern, Aurelias Passagen mussten neu geschrieben werden.“
Titus Müller veranschaulicht in dieser Erzählung die Einschränkungen durch die Vorherrschaft der Puritaner in England und deren Reformation der Kirche nach calvinistischen Grundsätzen. Die beiden Protagonisten entstammen unterschiedlicher Herkunft und haben auch eine konträre Einstellung zum Glauben. Während John sich bemüht, den strengen Anforderungen seines puritanischen Onkels gerecht zu werden, möchte Aurelia das Leben vor all diesen Verboten zurückhaben. In Form von Begegnungen und Dialogen zwischen den handelnden Figuren gewährt der Autor Einblicke in die radikalen Ansichten und Vorgehensweisen des Puritanismus. John hinterfragt zum ersten Mal den Glauben seiner Zieheltern, ermöglicht es Aurelia zugleich aber, seine Sichtweise kennenzulernen. Der Hartnäckigkeit der jungen hübschen Frau ist es letztendlich geschuldet, dass John sich dazu bereit erklärt, das Weihnachtsfest mit Aurelia vorzubereiten und zu feiern.
Der Autor beschränkt sich in dieser Erzählung auf eine überschaubare Anzahl handelnder Figuren. Das größte Augenmerk liegt auf den beiden Protagonisten, während Aurelias und Johns Angehörigen lediglich eine Nebenrolle zuteilwird. Titus Müller verwob eine zarte Liebesgeschichte mit sehr gut recherchierten historischen Fakten über den Puritanismus im sechzehnten Jahrhundert. Er thematisiert eine verbotene Liebe, die durch die Gesellschaft, den Erwartungen der Eltern und den religiösen Unterschieden bereits vorab zum Scheitern verurteilt ist. Der Autor präsentiert seine Geschichte in zwei Erzählperspektiven, er besitzt einen flüssigen Schreibstil, seine Ausführungen werden durch interessante historische Fakten bereichert. Ich möchte besonders die authentische Charakterzeichnung der handelnden Figuren und das interessante Thema hervorheben, das diese im Grunde ernste und nachdenklich stimmende Erzählung zu einem ganz besonderen Leseerlebnis machte.
Fazit: „Tanz mit mir, Aurelia“ trägt speziell in der Vorweihnachtszeit dazu bei, den Ursprung dieses Festes zu hinterfragen. Vielleicht dient es sogar als Motivation, die Feier von Christi Geburt besinnlicher zu begehen und die Traditionen um Weihnachten mit anderen Augen zu betrachten.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen - gerne gebe ich hier fünf Sterne und eine Leseempfehlung!
Tu es le soleil de ma vie - du bist die Sonne meines Lebens!
Die Liebesbriefe von Montmartre von Nicolas Barreau
Tu es le soleil de ma vie - du bist die Sonne meines Lebens!
„Der alte Friedhof von Montmartre - hier, zwischen verwitterten Statuen, eingesunkenen Grabsteinen, über die sich die Patina des Vergessens gelegt hatte, und frischen Blumen, die einem entgegenleuchten und die auch welken und am Ende ihre Farbe verlieren würden, spielte die Zeit keine Rolle mehr und die Erde war zum Stillstand gekommen.
"
Für den Schriftsteller Julien Azoulay bricht eine Welt zusammen, als seine geliebte Ehefrau Hélène im Alter von dreiunddreißig Jahren einem Krebsleiden erliegt. Er zieht sich zurück, schwelgt in Selbstmitleid und hält sich für den unglücklichsten Menschen auf der ganzen Welt. Einzig seinem vierjährigen Sohn Arthur zuliebe steht Julien jeden Morgen auf und erfüllt seine Vaterpflichten. Eine Schreibblockade verhindert zudem, dass er sein Versprechen Hélène gegenüber einlöst, deren letzter Wunsch es war, für jedes Jahr ihres kurzen Lebens posthum einen Brief von Julien zu erhalten. Der Lebensmittelpunkt des jungen Witwers befindet sich fortan auf einem kleinen, sehr alten Friedhof in Montmartre im Norden von Paris, wo er einst die Liebe seines Lebens kennenlernte, und nur wenige Jahre später zu Grabe tragen musste. Sowohl die Bemühungen seiner fürsorglichen Mutter Clémence, noch die Versuche seines besten Freundes Alexandre, ihn aus seiner Lethargie zu holen, scheitern. Hélènes beste Freundin Cathérine Balland teilt Juliens Trauer und ist zu jeder Zeit sowohl als Freundin, als auch als Wohnungsnachbarin unaufdringlich und warmherzig für ihn und seinen kleinen Sohn da. Und plötzlich taucht während eines Besuches an Hélènes Grab ein burschikoses elfenhaftes Wesen auf, das mit ihrem silberhellen Lachen und ihrer herzlichen Zugewandtheit dem verzweifelten Witwer den Kopf zurechtrückt. Als seine Briefe im Geheimfach beim Grab verschwinden und an ihrer Stelle symbolische Antworten zurückgelassen werden, steht Julien vor einem großen Rätsel. Denn niemand weiß von diesem Versteck und dem Versprechen, das seine verstorbene Frau ihm auf dem Sterbelager abgenommen hat…
Als Garant für romantische und zu Herzen gehende Unterhaltung hat Nicolas Barreau mich mit diesem Buch auch diesmal nicht enttäuscht. Das tragische Schicksal von Hélène und das emotionale Trauma, dass ihr Tod bei ihrem Ehemann auslöst, werden vom Autor eindrucksvoll beschrieben. Der einnehmende Schreibstil und die starken Gefühle des Protagonisten, die authentisch und berührend zum Ausdruck gebracht werden, haben mich als Leser unverzüglich in diese Geschichte einbezogen. Der Fokus liegt auf dem Protagonisten Julien, der die schwerste Zeit seines bisherigen Lebens durchmacht und nicht mehr daran glaubt, jemals wieder Nähe, Liebe und Glück in seinem Leben zu erfahren. Juliens Familie, sein bester Freund Alexandre, Hélènes Freundin Cathérine, eine aufmerksame und warmherzige Steinbildhauerin namens Sophié, Juliens Verleger Jean-Pierre Favre und der kleine Arthur stellen die Nebenfiguren dieses Buches dar. Der Autor widmet sich liebevoll der Charakterzeichnung seiner handelnden Figuren, die Interaktionen zwischen den Akteuren wurden überzeugend dargestellt. Durch das unerklärliche Verschwinden von Juliens Briefen und die rätselhaften Botschaften an Hélènes Grab wird ein gewisser Spannungsbogen in die Geschichte eingebracht, der bis zur Auflösung dieses Rätsels aufrecht erhalten bleibt.
"Ich wette, wenn du den letzten Brief geschrieben hast, wird dein Leben eine Wendung zum Guten genommen haben." Dieser letzte Wunsch von Juliens Ehefrau wurde im Verlauf des Buches auch zu meinem – und die Art und Weise, wie der Autor seinen Protagonisten wieder Schritt für Schritt ins Leben zurückführt, hat mich tief beeindruckt. Ich finde es lediglich schade, dass der Klappentext beinahe den gesamten Inhalt dieses Buches verrät – bis auf den Namen jener Person, die für die kleinen Zeichen auf dem Friedhof verantwortlich ist und die sich in den Protagonisten dieses Buches verliebt hat.
Ich habe dennoch jede einzelne Seite dieses Buches genossen und möchte für dieses wunderschöne und berührende Buch, das mir ausgezeichnet gefallen hat, eine klare Leseempfehlung aussprechen.
Eine schicksalhafte Begegnung auf Carnton
Weihnachten auf Carnton von Tamera Alexander
Eine schicksalhafte Begegnung auf Carnton
„Der Herr wird Ihnen im richtigen Moment geben, was Sie brauchen, Mrs. Prescott. Das macht er immer. Sie müssen nur die Augen offenhalten, damit Sie es sehen.“ („Tempy“)
Carrie, die Ehefrau von Oberst John McGavock und Hausherrin auf Carnton, plant eine Spendenaktion zugunsten der Konföderation.
Zum Schutz der an dieser Aktion beteiligten Frauen wird ein verletzter Scharfschütze der Konföderierten Armee nach Carnton beordert, eine Aufgabe, der er sich zu seinem allergrößten Bedauern nicht entziehen kann. Denn der attraktive Jake Winston hält recht wenig von diesem Vorhaben.
Aletta Prescotts Ehemann Warren fiel vor einigen Wochen im Krieg, die hochschwangere junge Witwe verliert darüber hinaus auch noch ihre Stelle als Näherin in einer Textilfabrik und ihr Zuhause. Durch eine glückliche Fügung findet sie eine befristete Anstellung bei den McGavocks, die für das diesjährige Weihnachtsfest in Carnton eine Köchin suchen. Die Begegnung der zwei leidgeprüften jungen Menschen in Carnton verändert ihr beider Leben für immer.
Tamera Alexander sorgt mit ihrer aktuellen Neuerscheinung „Weihnachten auf Carnton“ für ein wundervolles Wiedersehen mit lieb gewonnenen Figuren aus ihrem Roman „Ich gab ihm mein Wort“. Auf der Carnton-Plantage werden Oberst John McGavock, seine Ehefrau Carrie sowie deren Kinder Winder und Hattie von der warmherzigen und mitfühlenden Chefköchin Cecilia, die stets nur „Tempy“ genannt wird, umsorgt. Auch die Hauslehrerin und Gouvernante Elizabeth Clouston, die im Vorgängerroman als Protagonistin auftrat, erhielt in diesem Buch eine kleine Nebenrolle. Mit Aletta Prescott und Jake Winston schuf die Autorin zwei liebenswerte, schicksalsgeprüfte Hauptfiguren. Während Jake sich nicht mit seiner Beeinträchtigung als Folge seiner Kriegsverletzung abfinden kann, muss Aletta den Verlust ihres geliebten Ehemannes, ihres einzigen Einkommens und ihres Zuhauses bewältigen. Alettas sechsjährigem Sohn Andrew wird in diesem Roman ebenfalls eine gewichtige Rolle zuteil. Als Nebenfiguren agieren Alettas Freundin Mary Nell Goodall sowie die hochnäsige Konditormeisterin Katharina Boudreaux, mit dem Präsidenten der Franklin-Bank Herbert Cornwall betritt ein unsympathischer und unangenehmer Zeitgenosse den Schauplatz. Die zierliche schwarze Köchin Tempy avancierte zu meiner liebsten Nebenfigur, ich schloss die alte Frau nicht zuletzt wegen ihres freundlichen Wesens und ihrer herzlichen Wärme sofort in mein Herz. Anhand des Klappentextes ist dem Leser bereits vorab klar, was ihn in diesem „Kleine-Auszeit-Roman“ erwartet, die Umsetzung dieser berührenden Geschichte ist der Autorin trotz der relativ geringen Seitenanzahl dieses Buches hervorragend gelungen.
Der wunderschöne Schreibstil Tamera Alexanders, überzeugende handelnde Figuren, der Glaube als wichtiger Bestandteil dieses Buches und große Emotionen sorgen dafür, dass man diese Lektüre nicht mehr aus der Hand legen möchte. Ich fand die Charakterzeichnung von Aletta Prescott und Jake Winston hervorragend, ihre Gefühls- und Gedankenwelt wurde überzeugend zum Ausdruck gebracht. Mit „Weihnachten auf Carnton“ hat die christliche Romanautorin Tamera Alexander sich erneut in mein Herz geschrieben und mir allergrößtes Lesevergnügen bereitet.
Völlig begeisterte fünf Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung!
Weihnachtsgeschichten
Kerzenschein und Tannenduft von Ursula Schröder
Weihnachtsgeschichten
„Wenn Gott seinen Sohn auf diese Welt schickt, um sich mit den Menschen zu versöhnen, dann ist es ja wohl nur angemessen, dass wir seinem Beispiel folgen, indem wir das Richtige tun.“
In diesen ganz besonderen Weihnachtsgeschichten von Ursula Schröder geht es um mehr als die äußerlichen Elemente des Weihnachtsfestes.
Der Autorin war es ein Anliegen, die Botschaft der Geburt Jesu Christi als Grund dafür, dass wir Weihnachten feiern, klar zum Ausdruck zu bringen. Im vorliegenden Buch präsentiert sie eine kleine Sammlung von insgesamt dreiundzwanzig kurzen Geschichten zu diesem Thema, die benötigte Lesezeit wird bei jeder Geschichte gleich unter dem Titel angeführt.
Der interessierte Leser erfährt von stressiger Geschenkesuche und Einkäufen in letzter Minute und von familiären Ereignissen zur Weihnachtszeit, die zu tieferen Einsichten führen. Man liest von Analogien zur Schwangerschaft Marias, der Reaktion ihres Verlobten Josef und der Herbergssuche und darf einen ganz besonderen Holzhacker kennenlernen. Der Wunsch, einmal „richtig Weihnachten zu feiern“ kommt auf – und damit verbunden die Erkenntnis, dass ein Weihnachtsfest ohne Glauben und ohne eine christliche Gemeinschaft nur eine leere Hülle darstellt. Verletzte Seelen, Wunder wirkende Back- und Brat-Tipps und ein völlig unvollkommener Weihnachtsbaum sind ebenso Themen dieses Buches wie Bräuche und Symbole zur Weihnachtszeit. Jene Geschichte, die mich am meisten berührte, war der Bericht über einen Kunstschnitzer namens Jürgen, der ganz besondere Krippenfiguren für seine Weihnachtspyramiden herstellt und von einer Familie mit einem außergewöhnlichen Kind einen Auftrag erhält.
Da das Weihnachtsfest bei diesen Kurzgeschichten das zentrale Thema darstellt, dominiert im Buch eine ruhige und beschauliche Atmosphäre, die den Leser an vielen Stellen zum Nachdenken bringt. Die Autorin vermochte es nicht, mich mit ihrem Schreibstil zu begeistern oder nachdenklich zu machen. Ihr ist es zudem nur bei wenigen Geschichten gelungen, mich in die jeweilige Handlung zu involvieren und emotional einzubeziehen.
Das Coverfoto dieser gebundenen Ausgabe zeigt ein kleines Mädchen, das mit einer hell leuchtenden Laterne im Schnee auf einen Wald zugeht, der Buchtitel ist durch die glänzenden geschwungenen Lettern in roter Farbe ein markanter Blickfang.
Fazit: Die Kurzgeschichtensammlung „Kerzenschein und Tannenduft“ stimmt den Leser auf die bevorstehende Weihnachtszeit ein und weist auf den eigentlichen Anlass dieses Festes hin. Durch die Kürze der einzelnen Geschichten stellt es eine optimale Lektüre vor dem Einschlafen dar. Für mich persönlich war es jedoch ein Buch, das einem nicht in Erinnerung bleibt und welches man rasch wieder vergisst. Ich kann aus diesem Grund nur eine eingeschränkte Leseempfehlung dafür aussprechen.
Er ist wirklich gekommen… sogar zu mir!
Zwei kleine Mäuse auf der Suche nach dem großen König von Max Lucado
Er ist wirklich gekommen… sogar zu mir!
„Wer hätte das gedacht?“ rief Nick staunend. „Für diesen König ist niemand zu klein oder zu unwichtig!“ Über Minis Gesicht rollte eine Freudenträne. Sie jubelte: „Er ist wirklich gekommen… sogar zu mir!“
Die zwei kleinen Mäusegeschwister Nick und Mini bemerken eine große Aufregung in Betlehem.
Gemeinsam unternehmen sie einen Ausflug in die Stadt und beobachten die vielen Menschen, die anlässlich der Volkszählung angereist sind. Dabei treffen sie auf einen Esel, der einen ganz besonderen König sehen möchte. Die Kunde von diesem König macht in der Tierwelt die Runde, doch niemand kann so recht glauben, dass ein großer und mächtiger Herrscher ein paar kleinen Tiere seine Aufmerksamkeit schenken wird. Dennoch suchen sie ihn in allen Winkeln und Ecken der Stadt – und finden ihn letztendlich in einem Stall in Betlehem, weich gebettet in eine Futterkrippe.
In diesem hochwertigen Bildband erzählt Max Lucado die Geschichte von Jesu Geburt aus der Sicht der Tiere. Seine beiden Protagonisten sind ein niedliches kleines Mäuse-Geschwisterpaar, die der kindlichen Zielgruppe dieses Buches vermittelt, dass jeder Mensch und jedes noch so kleine Lebewesen auf dieser Erde wertvoll und von Gott geliebt ist: „Jesus ist zu euch allen gekommen. Zu jedem Einzelnen von euch“.
Die Geschichte ist zum Vorlesen gedacht, die kindgerechte Erzählung ist darüber hinaus durch ausdrucksvolle und farbenprächtige Illustrationen von Bruno Merz auch optisch ein wahrer Blickfang.
Zuletzt möchte ich noch auf die erste Buchseite hinweisen, in der die beiden kleinen Mäuse-Protagonisten ein großes weißes Feld für eine handschriftliche Widmung präsentieren – ein liebevolles Detail, welches zeitlebens auf den Schenker hinweist und das ich bereits als Kind in meinen ersten Büchern über alle Maßen geschätzt habe.
Fazit: „Zwei kleine Mäuse auf der Suche nach dem großen König“ ist ein wunderschöner Bildband in höchst ansprechender und hochwertiger Aufmachung, der Kindern in altersgemäßer Sprache und entzückenden Bildern die Weihnachtsgeschichte nahebringt.
Begeisterte fünf Sterne und eine ganz klare Kaufempfehlung!
JESUS – BEST GIFT EVER
Zwei kleine Mäuse auf der Suche nach dem großen König von Max Lucado
JESUS – BEST GIFT EVER
Dieser außergewöhnliche Adventskalender für die gesamte Weihnachtszeit bis zum 6. Januar besticht bereits auf den ersten Blick durch ein schlichtes, edel wirkendes Design. Dezente, zum Thema passende Schwarz-Weiß-Fotos und kurze, prägnante Zitate in englischer Sprache, dargestellt in geschwungenen weißen und goldenen Lettern, gestalten die Vorderseite eines jeden Kalendertages.
Auf der Rückseite der einzelnen Blätter findet man auf schlichtem weißem Hintergrund entsprechende Zitate oder Verse aus der Lutherbibel in schnörkellosem, beinahe asketisch wirkendem Druck und schwarzer Farbe.
Die optische Aufmachung und farbliche Gestaltung dieses spiralisierten Aufstellkalenders gefallen mir ausgezeichnet. Auch die Tatsache, dass es sich hierbei ausnahmsweise einmal nicht um Hochglanzpaper wie bei so vielen Kalendern handelt, empfand ich als sehr positiv. Auf diese Weise wird der Kalender beim täglichen Blättern der einzelnen Seiten nicht durch hässliche Fingerabdrücke verunstaltet – ein Faktor, den ich bei vielen anderen Hochglanzprodukten stets als Mangel empfinde. Die Tatsache, dass dieser Kalender weit über die Adventszeit hinaus reicht und erst mit dem sechsten Tag des neuen Jahres endet, ist ein weiterer Pluspunkt dieses wunderschönen und elegant wirkenden Produktes.
Fazit: Mit „Grace & Hope“ ist ein ganz besonderer Adventkalender bei mir eingezogen, der mich in der Zeit vor Weihnachten und darüber hinaus begleiten und mich täglich mit stimmungsvollen Bildern und tiefsinnigen Worten erfreuen wird.
Begeisterte fünf Sterne!
Eine tödliche Bedrohung auf Talbot Island
Zwei kleine Mäuse auf der Suche nach dem großen König von Max Lucado
Eine tödliche Bedrohung auf Talbot Island
Als Tennyson Marlena Kent in einem Wettschwimmen mit ihrer Cousine und besten Freundin Julia ihre Kräfte misst, verschwindet diese spurlos, auf einer Boje klebt Blut. Der Fund von Julias Leiche ist für Teni das furchtbare Finale einer unglückseligen Kette von Ereignissen.
Nachdem sie die Liebe ihres Lebens verloren hat, ihre Eltern bei einem Unfall starben und ihr Verlobter sie kurz vor der Hochzeit verließ, steht sie nach dem tragischen Tod ihrer allerbesten Freundin und Verwandten kurz vor dem Zusammenbruch. Doch Julias Ableben war kein Unfall, und der Mörder ist nun auch hinter Teni her. Als Mitarbeiterin der Umwelt- und Wasserschutzpolizei besteht die mutige junge Frau darauf, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen. Gemeinsam mit Callen Frost, einem Ermittler des Bundesamts für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe, setzt sie alles dran, die Umstände von Julias Ableben aufzuklären. Doch Callen ist mehr als nur ein Ermittler und Brandexperte – er war Tenis große Liebe und entpuppt sich in dieser Situation als Fels in der Brandung. Doch wird die junge Frau mit den blaugrünen Augen und dem rotblonden Haar es schaffen, ihrem attraktiven ehemaligen Seelengefährten zu verzeihen und ihm eine neue Chance geben? Und wird Callen es gelingen, den wichtigsten Menschen in seinem Leben vor einem rücksichtslos vorgehenden Verfolger beschützen zu können?
Dieser „Kleine Auszeit Roman“ aus der Feder von Dani Pettrey vereint die Geschichte einer großen Liebe, die unglücklich endete, mit einem adrenalingeladenen Kriminalfall. Der anonym agierende Mörder im Hintergrund hält den Spannungsbogen dieses Buches hoch, die zarte Annäherung zwischen den ehemaligen Liebenden stellt die romantische Seite dieses Buches dar. Der Glaube ist ein wichtiges Thema im Buch – die Zuversicht auf Gottes Souveränität und Führung durchdringt den Protagonisten Callen, während Teni nach dem Tod der Eltern ihre Beziehung zu Gott auf Eis legte.
Der einnehmende Schreibstil der Autorin war mir bereits aus zahlreichen anderen Werken bekannt und hat mich auch im vorliegenden Kurzroman für sich eingenommen. Die Figuren sind sehr gut dargestellt, ihre Charakterzeichnung besticht durch Authentizität. Die Gedanken und Emotionen der handelnden Personen wurden überzeugend zum Ausdruck gebracht und im Buch in kursiver Schrift dargestellt. Das größte Augenmerk liegt auf den beiden Protagonisten Tennyson und Callen, die Anzahl der Nebenfiguren dieser Handlung bleibt überschaubar. Sowohl Tennyson, als auch Callen, haben mit ihrer Vergangenheit noch nicht abgeschlossen, der Leser erhält Einblicke in ihre inneren Kämpfe, Hoffnungen, Wünsche und Sehnsüchte. Mit Darren, Marybeth, Jared und Jacob Connor betreten höchst unangenehme Zeitgenossen die Bühne, und während der freundliche alte Hafenarbeiter Darren für Argumente zugänglich scheint, sorgen seine Ehefrau Marybeth und die beiden Söhne für böses Blut. Auch Tenis Ex-Verlobter Alex und dessen Freund Lenny scheinen einiges zu verbergen und nicht ganz die Wahrheit zu sagen. Ob Freund oder Feind stellt sich erst im Verlauf dieser Geschichte heraus.
Der Autorin gelang es trotz der Kürze ihrer Geschichte, Verdachtsmomente einzustreuen und falsche Fährten zu legen. Das Buch punktet zudem mit einer äußerst lesefreundlichen Schriftgröße und großzügigem Zeilenabstand, das gebundene handliche Kleinformat und das schlicht gehaltene Buchcover zeigen das gleiche Erscheinungsbild wie die anderen Bände dieser Reihe.
Fazit: Mit „Mörderische Gischt“ von Dani Pettrey präsentiert der Francke-Verlag ein weiteres Werk aus seiner Reihe der Kleinen-Auszeit-Romane, das mich hervorragend unterhalten und mir sehr gut gefallen hat. Ich empfand sowohl die inhaltliche, als auch die sprachliche Umsetzung als gelungen und empfehle diesen Kurzroman gerne weiter.
Ein jahrzehntelang ungelöster Vermisstenfall
Verborgen im Gletscher von Arnaldur Indriðason
Ein jahrzehntelang ungelöster Vermisstenfall
Nachdem eine Gruppe deutscher Touristen auf dem zweitgrößten Gletscher Islands namens Langjökull eine Leiche im Eis entdeckt, gibt es erstmals eine Spur zu einem vor über dreißig Jahren spurlos verschwundenen Mann namens Sigurvin. Die damalige ergebnislose Suche prägte den mit dem Fall betrauten Kriminalpolizisten Konráð, und obgleich er bereits in den Ruhestand trat, bietet er seine Mithilfe bei der Aufrollung dieses Falles an.
Konráð studiert erneut die alten Unterlagen zu diesem Fall, befragt erneut die Zeugen von damals, und entdeckt schließlich auch Zusammenhänge mit einem anderen ungeklärten Fall.
Der isländische Autor Arnaldur Indriðason lädt den Leser in diesem ruhigen, beschaulichen Kriminalfall ein, sich an der Seite des pensionierten Ermittlers Konráð erneut auf Spurensuche zu begeben. Die einzelnen Ansätze, Befragungen und Nachforschungen werden akribisch beschrieben, zwischendurch erhält man immer wieder Einblicke in das Privatleben des verwitweten Polizeibeamten. Konráðs Erinnerungen an seine Ehe mit seiner großen Liebe Erna, aber auch jene an den nie geklärten Mord an seinem Vater im Jahre 1963, nehmen einen gewichtigen Part in dieser Geschichte ein. Der Mordfall Sigurvin wird nur sehr langsam aufgerollt, unzählige Hinweise verfolgt, Verdächtige und Zeugen erneut unter die Lupe genommen. Das gemächliche Erzähltempo wies für meinen Lesegeschmack ein paar Längen auf und es gelang dem Autor nicht, Spannung aufzubauen und mich zu fesseln. Die Geschichte plätschert eher vor sich hin und nimmt erst gegen Ende des Buches etwas an Fahrt auf. Die Auflösung erfolgte dann für mein persönliches Empfinden zu rasch, es verbleiben offene Handlungsstränge und aus meiner Sicht fehlende Konsequenzen für die Verantwortlichen hinsichtlich nachlässiger Ermittlungsarbeit in der Vergangenheit.
Dem Protagonisten Konráð wurde in diesem Krimi die größte Aufmerksamkeit zuteil. Während ein Verdächtiger namens Hjaltalin, die Leiterin der Kriminalabteilung der Reykjaviker Polizei namens Marta sowie der Polizist Léo einen gewissen Stellenwert im Buch innehaben, blieben mir die anderen Charaktere dieses Buches in gewisser Weise fremd, es kam auch keinerlei Sympathie für auch nur eine der handelnden Figuren auf.
Auch in sprachlicher Hinsicht konnte mich die Geschichte nicht überzeugen, und der bereits erwähnte Mangel an Spannung sowie die blassen Charaktere, die mich als Leser nicht ausreichend einbezogen, aber auch der vermehrte Einsatz derber Ausdrücke und Flüche, verleideten mir darüber hinaus das Lesevergnügen.
Fazit: Ich empfand „Verborgen im Gletscher“ als Krimi mit einigen Schwächen, der meinem persönlichen Lesegeschmack leider nicht entsprochen und mich vielmehr enttäuscht hat. Für mich beinhaltete er etwas zu viele Rückblicke in die Vergangenheit des Protagonisten, und viel zu wenig Spannung bei der Aufrollung des ungelösten alten Vermisstenfalles. Ich kann daher nur eine eingeschränkte Leseempfehlung aussprechen.









