Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Stierle Kelten

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Gertie G.:

voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Stern

Eine Leseempfehlung!

Der Weg der Frauen von Marie Pierre

In ihrem dritten und finalen Band der Trilogie rund um Pauline Martins Mädchenpensionat in Thionville/Diedenhofen wird es noch einmal richtig spannend und turbulent.

Man schreibt das Jahr 1912 und die Schülerin Sophie wird im nahegelegenen Metz bei einer Aktion für Frauenrechte verhaftet. Obwohl Pauline ihre Schülerinnen dazu anhält Zivilcourage zu zeigen, ist sie doch ein wenig entsetzt, da das Mädchen ihr Vertrauen missbraucht hat und durch diese Aktion das Pensionat in Misskredit bringt.

Doch es wäre nicht Pauline, wenn sie dieser Aktion nicht auf den Grund ginge, zumal Sophie völlig verändert an die Schule zurückkehrt.

Daneben taucht unerwartet Roland, ihr Ex-Verlobter in Thionville auf und macht ihr, nunmehr Witwer mit kleinem Sohn recht auffällig den Hof. Das bleibt natürlich Hauptmann „Gnadenlos“, Erich von Pliesnitz, nicht verborgen, der sich, anstatt mit Pauline darüber zu sprechen, diskret zurückzieht. Die Sache mit den Frauen ist ja kompliziert!


Neben den Problemen in der Schule, in der es wegen diffamierender Briefe zu mehreren Abmeldungen kommt, hält dieser letzte Band für Pauline (und uns Leser) einige Überraschungen bereit. Sei es, dass ein neuer Lehrer (ja ein Mann) oder eine neue Schülerin oder eine neue Hausangestellte Unruhe in das Pensionat bringen.

Aber, das müsst ihr schon selbst lesen ...

Meine Meinung:

In diesem dritten Band erleben wir, wie sehr Paulines Bemühungen, ihre Schülerinnen zu mehr Selbstvertrauen zu verhelfen, gefruchtet haben. Dass es manchmal zu unvorhersehbaren Schwierigkeiten kommen kann, zeigt Sophie, die mit ihrer Cousine Emma an einer Demo teilnimmt. Aber auch die anderen Mädchen zeigen Interesse an einer fortschrittlichen Denkweise. So empört sich beispielsweise Ernestine, die eine Karriere als Journalistin anstrebt:

„...“Wieso bitte soll denn eine Frau nicht am Steuer sitzen?“ Beinahe kämpferisch hatte Ernestine sich vor der Klassenkameradin aufgebaut und schaute sie böse an. „Glaubst du etwa, Männer könnten das so viel besser?“...“

Ja, die unkonventionelle Erziehung von Pauline, den Mädchen zu eigenständiger Meinung und selbständigem Denken hinterlassen ihre Spuren. Das muss auch der neue Lehrer erkennen, der zunächst gönnerhaft seine „humanitäre Hilfe für das Entwicklungsgebiet einer Mädchenschule“ anbietet.

Langweilig wird es in Thionville/Diedenhofen nie! Das liegt neben den fein herausgearbeiteten Charakteren und der Zeit, in der die Reihe spielt, auch an Marie Pierres genialen Schreibstil. Flüssig und mit französischen sowie elsässischen Einlässen wirkt dieser historische Roman lebendig und authentisch. Die Haltung der Bevölkerung, die die aktuelle Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich nicht besonders schätzt, wird durch Rolands Bemerkung gut in die Handlung eingeflochten, was wiederum Erich desavouiert:

"Diese Stadt hier, mit ihrem Dreck und Ruß, ihren ungewaschenen Arbeitern und dem ganzen deutschen Militär ist nicht der richtige Ort für Pauline."

Geschickt wechseln wir mehrmals die Perspektive, sodass wir auch Einblick in die Gefühlswelt von Erich oder anderen Protagonisten erhalten.

Wie schon in ihren anderen Büchern versorgt uns die Autorin mit zusätzlichen Informationen wie Stadtplan, einem Glossar und einem umfangreichem Nachwort.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem gelungenen Abschluss dieser Trilogie rund um das Mädchenpensionat in Thionville/Diedenhofen, der mich durch seine Turbulenzen und Protagonisten sowie ernsten Themen bestens unterhalten hat, 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis
Eine Leseempfehlung!
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Stern

Dauerstress für für Pierre Dupin

Bretonische Versuchungen von Jean-Luc Bannalec

Der 14. Fall führt Commissaire Pierre Dupin in die Welt der Schokolade. Noch nie war er so froh über das Klingeln des Smartphones, das einen neuen Fall ankündigt, denn er absolviert eben ein Training gegen seine Angst vor dem Meer, die ein wenig widersinnig ist, liebt er doch das Schwimmen in selbigen.

Aber, was weiß man schon.

Nun, der Fall ist klebrig, denn die Mitbesitzerin einer bekannten, exquisiten, von einem Geschwister-Trio geführten Schokoladenfabrik wird kopfüber in einem Bottich flüssiger Schokolade gefunden. Obwohl alle Befragten einstimmig bekunden, es würde keine Konflikte geben, ist Dupin mehr als misstrauisch. Liebe, Wonne, Waschtrog und dennoch ein Mord? Wenig später ist ein weiteres Drittel der Inhaber, der Bruder, tot und die Anteile an der Firma gehören nun der letzten Schwester. Wollte sie die Firma in ihren alleinigen Besitz bringen? Und warum stirbt nun als dritte noch jene innovative Mitarbeiterin, die in Konkurrenz zum aktuellen Maitre Chocolatier steht?

Meine Meinung:

Wieder gelingt es Jean-Luc Bannalec einen spannenden Krimi rund um Pierre Dupin und seine Kollegen zu spinnen. Obwohl, das muss ich schon bemerken, dass sich die einzelnen Personen nicht weiterentwickeln und das eine oder andere von passionierten Krimi-Lesern durchaus vorhergesehen werden. Dupin ist nach wie nach Kaffee süchtig, hat das eine oder ander Mal Zoff mit seinem Vorgesetzten, vor allem wegen der hohen Kosten, die die eigenmächtig angeforderten Hubschrauber verursachen, und will seinen altersschwachen Citroen XM nicht durch ein neues Modell ersetzen. Diesmal darf Nolwenn tatkräftig direkt an seiner Seite ermitteln.

Dupin und sein Team verfolgen verschiedene Spuren, rasen quer durch Frankreich, um im Baskenland Erkundigungen über die Familie der Toten einzuziehen. Dass der XM mit Motorschaden liegen bleibt, Dupin sich mit den Kollegen vom Rauschgiftdezernat anlegt und letztlich dem Verdächtigen dann trotz seiner Angst vor dem Meer auf selbiges folgt, macht den Krimi spannend. Allerdings halte ich es für grob fahrlässig, nahezu vierzig Stunden ohne ausreichend Schlaf durch Frankreich zu rasen. Nun ja, es ist eine fiktive Geschichte, in der der Arbeitnehmerschutz und die Straßenverkehrsordnung nur marginale Bedeutung haben.

Sehr gut gefallen haben mir die vielen Informationen über die Kakaobohne und die Herstellung von Schokolade. Dabei eine ich nicht, die herkömmliche Schokolade, die man in Supermarkt erhält, sondern die exquisite Handarbeit.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 14. Fall, der Commissaire Dupin, schlaflose Nächte besorgt, 5 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis
Dauerstress für für Pierre Dupin
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternnicht ausgefüllter Stern mit grünen Rand

Ein sommerlicher Krimi

Sylterbe von Sibylle Narberhaus

Sibylle Narberhaus nimmt uns zum 9. Mal auf die Ferieninsel Sylt, auf der sich die Polizei im Normalfall nur mit verschwundenen Fahrrädern oder in den Dünen verloren gegangen Ehemännern beschäftigen muss, mit.

Diesmal verschwindet Leonie Mahnke, eine der beiden Stipendiatinnen, die von der Sylter Stiftung Kunst und Kultur ausgewählt worden sind, drei Monate auf der Insel zu verbringen.

Die Wahl von Leonie ist nicht ganz unumstritten, denn sie ist eine Influencerin, mit der die üblichen kunstbeflissenen Sylter wenig anzufangen wissen. Man fördert im allgemeinen lieber Musikerinnen wie Alina Tottmann, eine begnadete Cellistin.

Just am Abend der künstlerischen Auftaktveranstaltung verschwindet Leonie spurlos. Die Kripo Westerland beginnt mit der Suche nach der Vermissten, die noch dazu die Tochter einer Bekannten von Kripochef Peter Reimers ist, der auf schnelle Ergebnis pocht, die Arbeit aber seinen Mitarbeitern überlässt. Als sich herausstellt, dass Leonie so ziemlich alles tut um Follower zu generieren, fragt sich so mancher aus dem Team, ob das Verschwinden nicht inszeniert worden ist.

Wenig später wird die Vorsitzende der Stiftung ermordet in den Dünen gefunden. Gibt es hier einen Zusammenhang zwischen dem Mord und dem Verschwinden von Leonie?

Die Vermisste bzw. den Mörder zu finden ist Aufgabe von Anna Ehemann Nick und seinem Team. Ob und wie das gelingt, müsst ihr selbst lesen.

Meine Meinung:

Der Krimi ist, wie alle anderen dieser Reihe rund um die Landschaftsgärtnerin Anna Scarren aufgebaut, die auf Grund ihrer Tätigkeit viel auf der Insel herumkommt und viele Leute kennt. Die Neuzugänge im Kripo-Team, Hubsy Westermann und Maurizio Ferrara, haben sich gut eingelebt, auch wenn Hubsy an eine Versetzung aufs Festland denkt, weil ihr der Vermieter die Wohnung gekündigt hat, und bezahlbarer Wohnraum auf Sylt kaum zu finden ist.
Sibylle Narberhaus stellt die Frage in den Raum, ob Influencer wirklich Künstler sind, also bleibende Werke schaffen wie Maler, Bildhauer oder Komponisten- Oder kreisen sie nicht vielmehr um sich selbst kreisen, um ihre mehr oder weniger wichtigen Anliegen, die zum Großteil aus Werbebotschaften bestehen, für die sie bezahlt werden, in die Öffentlichkeit zu bringen. Gleich vorweg, auf diese Frage muss jeder seine eigene Antwort finden.

Fazit:

Ein leichter Sommer-Krimi für Zwischendurch, dem ich 3,5 Sterne gebe., die ich auf 4 Sterne aufrunde.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis
Ein sommerlicher Krimi
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Stern

Macht Lust, die Wanderschuhe zu schnüren

Wandern und Freizeit in Oberösterreich von Claudia Schallauer

Claudia Schallauer, Gesundheitstrainerin, Wanderführerin und Redaktionsmitglied bei den Oberösterreichischen Nachrichten, stellt in diesem Buch 96 Wandertouren in 12 Ausflugsregionen vor. Diese Regionen sind:

Bad Ischl
St. Wolfgang
Unterach
Gmunden
Ebensee
Grünau im Almtal
Hinterstoder
Windischgarsten
Schärding
Freistadt
Grein
Wels

Dabei geht die Autorin immer mit demselben Konzept vor.

Zunächst erhalten wir Auskunft über die Region, sportliches und kulturelles Freizeitangebot, Kulinarik, Übernachtungsmöglichkeiten sowie sehr persönliche, saisonale Tipps bevor es zur Beschreibung der Wanderungen geht. Keine Angst, es gibt Wanderungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, so dass jede oder jeder das Passende findet - sei es Kinderwagentauglich oder anspruchsvoll. Auch drei Regionen überschreitende Weitwanderwege sind dabei.

Zudem weist Claudia Schallauer auf regionale Ermäßigungen und Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Probleme mit Parkraum, der zudem meistens kostenpflichtig ist, hin, was vor allem in touristischen Hotspots wie Bad Ischl zum Tragen kommt.

Zu den einzelnen Touren selbst gibt sie ausführliche Informationen über Gehzeit, zu überwindende Höhenunterschiede und Distanzen. Ergänzt werden diese Auskünfte mit einem passenden Kartenausschnitt sowie QR-Codes und GPS-Koordinaten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem anregenden Wanderführer, der Lust auf Kurzurlaub oder eine ausgedehnte Ferienzeit macht, 5 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis
Macht Lust, die Wanderschuhe zu schnüren
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternnicht ausgefüllter Stern mit grünen Randnicht ausgefüllter Stern mit grünen Rand

Beruht auf einer wahren Begebenheit

Ein unvorhersehbares Ereignis von Urs Hardegger

Diesem Roman liegt die Katastrophe vom 30. August 1965 als sich in den Walliser Alpen vom Allalin-Gletscher zwei Millionen Kubikmeter Eis und Geröll lösten und die Baracken der Arbeiter am Mattmark-Stausee arbeiteten, verschüttete, zu Grunde. 88 Menschen, zwei Frauen und 86 Männer, vorwiegend aus Italien, fanden unter dem Geröllmassen, die sie bis zu 50 Meter tief verschütteten, den Tod.

Wie bei solchen Ereignissen wird nach der Ursache gesucht. Dabei spielen natürlich auch die Haftung sowie die Ansprüche der Hinterbliebenen eine große Rolle. Geologen, Techniker, echte und selbst ernannte Experten geben beim nachfolgenden Gerichtsprozess ihre Meinungen ab. Nicht gehört werden die Einheimischen, die den Allin-Gletscher kennen und schon vor und bei Baubeginn davor gewarnt hatten, die Barackensiedlung nicht unmittelbar in der Falllinie der Gletscherzunge, sondern an anderer Stelle, zu errichten, denn der Berg sei seit langem in Bewegung. Diese Warnungen sind als Verhinderungstaktik, Schwarzmalerei und Aberglauben beiseite gewischt worden. Zudem war der ausgewählte Ort, die billigste Variante für die Baufirma.

»Es war unvorhersehbar. Die Natur hat uns übel mitgespielt. Es gab nicht die geringsten Andeutungen. Kein Mensch konnte so etwas erwarten.«

Das Gericht spricht 1972 die achtzehn Angeklagten frei. Ein Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen. Sie müssen die Hälfte der entstandenen Prozess- und Gutachterkosten bezahlen. Dem Vernehmen nach seien die Schadenersatz- und Rentenansprüche aber abgegolten worden.

Soweit die Tatsachen, die wie Autor Urs Hardegger im Nachwort schreibt, den Gerichtsakten, damaligen Zeitungsberichten sowie Interviews mit ehemaligen Betroffenen entnommen sind.

Meine Meinung:

Um diese Katastrophe herum hat Urs Hardegger einen historischen Roman gewoben, der in mehreren Zeitebenen spielt. Zum einem im Jahr des Unglücks, der Prozesse sowie im späteren Leben des fiktiven Bauingenieurs Hans-Rudolf Hilfinger, der dabei war. Er wird vom schlechten Gewissen geplagt, die Katastrophe nicht verhindert zu haben, und bekommt sein Leben nicht auf die Reihe. 18 Jahre nach dem verhängnisvollen Gletscherabbruch wird ein Manuskript über die damaligen Arbeitsbedingungen und die Katastrophe verfassen. Zu einer Veröffentlichung kommt es auf Grund unglücklicher Umstände nicht. Erst Jahre später, als der Verlagsmitarbeiter Florian Steiger gekündigt wird und seinen Arbeitsplatz räumen muss, findet sich das Manuskript wieder. Nun beginnt Steiger zu recherchieren und trifft auf Ursula, die Hilfinger seinerzeit gedrängt hat, seine Erlebnisse niederzuschreiben und hier im Roman Seraina heißt.

Dieser historische Roman, den ich während einer Tagung in Basel, noch ganz im Bann der Berichterstattung um die Verschüttung des Dorfes Blatten, gelesen habe, zeigt, dass die Gefahr, die von Bergen und Gletschern ausgeht, nicht unterschätzt werden darf. Hier in Blatten und auch in Brienz, konnten die Menschen auf Grund der Beobachtungen von Fachleuten wie Geologen, rechtzeitig evakuiert werden, auch wenn das manchem im Vorhinein nicht so recht gepasst hat. Der Glaube in den Aufbruchsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg, die Natur mit Technik zu beherrschen, ist trügerisch, zumal man auf Grund von finanziellen Aspekten nicht immer alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat und trifft. Das ist auch eines der Themen in Urs Hardeggers Roman.

Die Idee, diesen Roman als Bericht an Mario, Hilfingers Freund, der unter den Toten ist, zu schreiben, finde ich interessant. Allerdings ist er nicht ganz einfach zu lesen. Zum einem ist die winzige Schriftgröße nicht wirklich augenfreundlich und zum anderen fehlen zur besseren zeitlichen und örtlichen Orientierung Datums- und Ortsangaben. Zudem wäre es meiner Ansicht nach gut gewesen, diese Zwiesprache mit Mario auch als solche zu kennzeichnen, sei es durch eine andere Schriftart oder kursive Buchstaben. So weiß man als Leser des ebooks nicht, wo man sich gerade befindet.

Der Schreibstil ist an manchen Stellen viel zu detailliert, verliert sich in Nebenhandlungen wie das Liebesleben von Steiger, das mit der Katastrophe am Allalin-Gletscher nichts zu tun hat und die eigentliche Handlung nicht wirklich weiterbringt. So braucht es knapp 150 von 192 Seiten (ebook), bis wir zum Kern, nämlich der Katastrophe kommen. Die wird - meiner Ansicht nach, dann viel zu kurz abgehandelt, ebenso wie die Gerichtsverhandlung.

Fazit:

Diesmal fällt mir die Bewertung recht schwer. Die aufgeworfenen Themen sind, für mich als Vermesserin interessant, doch mit der Umsetzung hadere ich ein bisschen. Nach Abwägung und teilweise Nachlesen von Passagen, gebe ich hier 3 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis
Beruht auf einer wahren Begebenheit
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Stern

Eine Leseempfehlung!

Der Partisan und der SS-Mann von Andreas Wassermann

Andreas Wassermann hat hier zwei Männer porträtiert, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch einiges gemeinsam haben. Die beiden sind Heinz Riedt (1919-1997), der an der Universität von Padua studiert und wenig später als Partisan gegen Hitler-Deutschland kämpft, und Eugen Dollmann (1900-1985), seit langem Mitglied der SS und Teil des mörderischen Systems ist.

Gemeinsam haben sie ihre Liebe zu Italiens Sprache, Kultur, Geschichte und Landschaft. Wir erfahren nicht nur einiges aus deren Leben während der Jahre der NS-Diktatur, sondern auch über die Jahre nach dem Krieg bis zu ihrem Tod.

Wir begleiten den Autor auf seiner Recherchereise durch die Archive Deutschlands und Italiens. Manchmal gelingt es ihm Zeitzeugen bzw. deren Nachfahren zu treffen. Durch die Nachforschungen werden nicht nur die beiden Porträtierten, sondern auch die Beziehungen zwischen den beiden Ländern beleuchtet. Hier kommt dann auch das eine oder andere Ressentiment auf beiden Seiten zum Vorschein, das im Zweiten Weltkrieg seinen Ursprung hat, weil Hitler seinem Verbündeten Mussolini nicht wirklich vertraut hat und so mancher überheblicher Gedanke Italien gegenüber nach wie vor in dem einen oder anderen Kopf herumspukt.

Der Schreibstil ist wunderbar sachlich, sprachlich exzellent und fesselnd.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser penibel recherchierten Doppelbiografie, die eine weitere zahlreiche Details aus dem Italien des Zweiten Weltkrieg beleuchtet, 5 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis
Eine Leseempfehlung!
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Stern

Beste Krimiunterhaltung!

Inspektor Takeda und der tödliche Ruhm von Henrik Siebold

Der 8. Fall für Claudia Harms und Ken Takeda führt uns in die Welt der Fernseh- und Starköche sowie in die Gastro-Szene von Hamburg. Was ist passiert?

Der berühmte Unternehmer und Haubenkoch, Tom Trautmann, der mit seinen Koch-Show viele Menschen unterhält wird tot aus der Elbe gefischt. Nein, nicht nur tot, sondern hingerichtet, ausgeblutet und seiner private parts beraubt.

Beinahe gleichzeitig taucht Kens Ex-Frau mit einer Bekannten, der Ehefrau des berühmten, aber verschollenen Sushi-Meisters, Hiroyuki Endõ auf. Hiroyuki habe, nach jahrelangem Schweigen sich plötzlich panisch bei ihr gemeldet, bevor er abermals, vermutlich hier in Hamburg, abgetaucht ist. Ken soll nun seinen Aufenthaltsort ausfindig machen.

Als sich herausstellt, dass Trautmann mit einem japanischen Messer getötet worden ist und sein japanischer Sushi-Spezialist spurlos verschwunden ist, zählen Claudia und Ken eins und eins zusammen. Die vage Vermutung, dass die beiden Fälle zusammenhängen liegt nahe, doch was ist das Motiv?

Als Trautmanns Witwe erklärt, ihr Mann sei „unmäßig in allen Dingen, sowohl bei Drogen als auch bei Sex“ gewesen, scheint sich ein Motiv aufzutun. Nur welches? Hat sich Trautmann mit der Drogenmafia angelegt? Sein Auto voll mit Kokain und Fischblut, um die Drogenspürhunde zu verwirren, lässt daran denken. Und welche Rolle spielt die Aktivistin, die in einer von Trautmanns Kochsendungen gegen „kulturelle Aneignung“ und Überfischung der Meere wettert? Oder ist es doch etwas anderes?

Meine Meinung:

Mir hat dieser 8. Fall für Claudia Harms und Ken Takeda sehr gut gefallen. Allerdings hat mich ein beinahe unstillbarer Hunger nach Sushi überkommen, den ich demnächst stillen muss. Zudem habe ich mich auf Grund der Verstümmelungen sofort an den japanischen Film „Im Reich der Sinne“ aus dem Jahr 1977 erinnert, der ja auch im Krimi genannt wird. Schmunzel musste ich, als sich Claudia den Film in der Dienstzeit in ihrem Büro ansieht. immer auf der Hut, das sie nicht erwischt wird. Männer, die während der Arbeit Pornos schauen, haben da weniger Skrupel.

Für mich ist das Motiv recht schnell klar gewesen. Trotzdem machen die zahlreichen Schleifen und Umwege der Ermittler die Auflösung, die an Agatha Christie erinnert, spannend.

Wie wir es von Autor Henrik Seibold gewöhnt sind, dürfen wir an der Seite von Claudia und Ken auch dunkle Orte von Hamburg kennenlernen. Zudem dürfen wir sowohl den Drogenfahndern als auch der Zollbehörde über die Schulter schauen. Hamburg ist als Einfallstor für Schmuggelware aller Art durchaus bekannt. Die Idee, das Eis, in dem der Frischfisch gelagert wird, könnte nichts anderes als gefrorene Kokainlösung sein, halte ich für gar nicht so abwegig. Wenn man weiß, dass man Stoff (Textilien) in flüssigem Stoff (Drogen) taucht, sind der Fantasie der Drogenkartelle wohl keine Grenzen gesetzt. Warum also auch nicht gefrorene Kokslösung? Ob die so gefriert, wie reines Wasser, müssen die Chemiker beantworten.

Schmunzeln musste ich wieder einmal über den Gerichtsmediziner, der abermals (s)eine komische Nummer abzieht.

In diesem Krimi spricht der Autor mehrere gesellschaftspolitische Themen an: Zum einem, die Fangquoten, um die gefährdeten Fischbestände zu retten und zum anderen diese Hysterie um „kulturelle Aneignung“. Wenn man diesen Punkt wirklich ernst nehmen will, so dürfte konsequenterweise Deutschlands liebste Beilage, die Erdäpfel in jeglicher Form, nicht mehr angebaut, verkauft und gegessen werden. Denn der Ursprung der Kartoffel (botanisch Solanum tuberosum) liegt in Südamerika ....

Dass illegaler Fischfang ein weltweites Problem ist, ist unbestritten, die Geschäftemacherei und der Schmuggel auch. Geschickt flicht Henrik Siebold dieses Thema in die Handlung und Dialoge ein. Zum Thema Thunfischfang habe ich vor einiger Zeit das äußerst interessante Buch „Mattanza“ von Germana Fabiano gelesen, das die fast ausgestorbene sizilianische Tradition schildert.

Gut gefällt mir, dass wir wieder einiges über japanische Gepflogenheiten erfahren, die sich nur sehr langsam verändern. So sind arrangierte Hochzeiten nach wie vor üblich, die häufig nicht glücklich enden, wie Ken und seine Ex-Frau bestätigen. Das Privatleben von Claudia und Ken spielt wieder eine Rolle.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 8. Fall für Claudia Harms und Ken Takeda, der mich bestens unterhalten hat, 5 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis
Beste Krimiunterhaltung!
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternnicht ausgefüllter Stern mit grünen Randnicht ausgefüllter Stern mit grünen Randnicht ausgefüllter Stern mit grünen Rand

Leider nicht mein Fall

Johann Strauß oder Die Geburt des Walzers aus der Dampfmaschine von Michael Scharang

Dieser Roman, der sich mit Johann Strauss Sohn beschäftigt hat mich ein wenig ratlos zurückgelassen. Der Titel hat mich dazu verleitet, dieses Buch zu lesen. Wie kommt die Dampfmaschine zu Strauss und dem Walzer? Die Idee, Johann Strauss in einer Schlosserei arbeiten zu lassen, wo er dann den Takt einer Dampfmaschine für seine Walzer verwendet, hat mir gut gefallen.

Das zeigt, dass Johann Strauss aus jedem Geräusch ein Musiksstück machen konnte.

Aber sonst zeichnet Michael Scharang ein eigenartiges Bild des Komponisten. Zudem treffen wir nur auf ganz wenige historische Figuren. Also auf den Künstler selbst, den Vater (als Feindbild), die Mutter (ziemlich farblos), Kaiser Franz Joseph oder den russischen Zaren. Auch seine Brüder Josef und Eduard werden nur kurz erwähnt. Ganz unter den Tisch fallen die drei Ehefrauen. Dafür wird ihm eine enge künstlerische Beziehung mit Johannes Brahms angedichtet und eine Liebschaft mit einer Sängerin, die über Jahrzehnte gedauert haben soll.

Aus einigen Büchern über Johann Strauss ist bekannt, dass er einige Spleens gehabt und an chronischer Überarbeitung gelitten hat. Das Burnout glaube ich gleich, denn die zahlreichen Auftritte, Tourneen und die mühsamen Reisen fordern ihren Tribut.

Fazit:

Ich halte mich lieber an Romane bzw. Sachbücher, die weniger auf der Fantasie des Autors beruhen. Zudem kommt dieser Roman ganz ohne direkte Rede aus, was mich ziemlich stört. Leider kann ich hier nur 2 Sterne vergeben.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis
Leider nicht mein Fall
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternnicht ausgefüllter Stern mit grünen Randnicht ausgefüllter Stern mit grünen Rand

Ein sommerlicher Krimi

Inselnächte von Anja Eichbaum

Inselpolizist Martin Ziegler und seine Frau Anne Wagner sind eben aus den Flitterwochen zurückgekehrt, als sie der Alltag auf Norderney wieder einholt: Horden von Touristen, die sie nicht Ge- und Verbote halten und auf den gefährdeten Sanddünen herumturnen, Videos von Unglücksfällen filmen und ins Internet stellen sowie zwei Tote, Bruder und Schwester der alteingesessenen Familie Jansen, um die sich zahlreiche Gerüchte um Geiz, Geheimnisse und ein großes Vermögen ranken.

Mit dabei ist auch wieder Marthe Dirksen, die ehemalige Pensionsbesitzerin, die ihren Tee immer mit einem Schuss aus ihrem Giftschrank aufbessert und mit Helene, einer Autorin, auf Motivsuche für einen neuen Roman geht. Seit Neuestem ist sie als Social Media Expertin unterwegs und postet nicht nur Helenes Bücher auf BookTok.

Meine Meinung:

Anja Eichbaum hat wieder einen komplexen Krimi geschrieben, deren Hauptdarsteller, die schon aus den Vorgängern bekannten, drei Paare Martin/Anna, Daniela/Frank, Ruth/Oskar und Marthe Dirksen sowie KHK Gert Schneyder von der Kripo Aurich sind. Dazu kommen noch zahlreiche Personen, deren Auftritt nur für diesen Band eingeführt werden.

Grundsätzlich mag ich ja Krimis, die über mehrere Handlungsstränge verfügen sowie mittels Details zu Land und Leuten ein farbiges Bild zeichnen. Doch wie schon im letzten Fall wäre auch hier ein bisschen weniger mehr gewesen. Besonders die mehrfachen Wiederholungen, dass Marthe Tee mit Schnaps verfeinert, nervt mich persönlich. Dass es für die Einheimischen nicht sehr angenehm ist, während der Sommersaison von Touristen regelrecht überfallen zu werden, kann ich genauso nachvollziehen wie den Ärger über den fehlenden erschwinglichen Wohnraum.

Gut gelungen ist Anja Eichbaum, die Komplexität der dysfunktionalen Familie Jansen darzustellen. Das lässt Raum für Spekulationen, was denn das krampfhaft verborgene Geheimnis sein könnte. Ich hatte recht bald eine Idee, was hier passiert sein könnte und bin über die Auflösung nicht enttäuscht worden. Geschickt führt die Autorin gleich auf den ersten Seiten eine Figur ein, die man ablehnen muss und der man eigentlich alles zutraut.

Fazit:

Für Fans von Inselkrimis ein gelungenes Buch, für mich persönlich ist es an einigen Stellen ein wenig zu überfrachtet. Dafür gibt es 3 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis
Ein sommerlicher Krimi
voll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Sternvoll ausgefüllter grüner Stern

Eine Leseempfehlung!

Für immer an meiner Seite von Ronja Forcher

Schauspielerin Ronja Forcher erzählt in diesem Buch über den Verlust ihre besten Freundin Sarah, die mit 14 Jahren an der sehr seltenen Krankheit Progerie, die Kinder vorzeitig altern lässt, gestorben ist.

Forcher schreibt mehrmals, dass dieses Buch kein trauriges sei, obwohl es tief berührt und manche Szenen enthält, bei denen der/die eine oder andere Tränen in den Augen haben wird.

Berührend sind auch die Briefe, die Ronja Forcher an ihre verstorbene Freundin schreibt. Trotz aller Trauer stimmt das Buch positiv, gibt Hoffnung und einfühlsame Lesestunden.

Menschen, die geliebt werden, werden immer an unserer Seite bleiben, auch wenn sie nicht mehr unter uns weilen.

Fazit:

Möge dieses Buch, das in wunderbaren Worten verfasst ist, allen jenen, die einen geliebten Menschen verloren haben, Hoffnung schenken. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis
Eine Leseempfehlung!