Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gertie G.:
Ein informatives Buch über die Anfänge der Technik
Wie Technik Geschichte macht von Ronald D. Gerste
Ich kenne Ronald D. Gerste bereits aus den „Die Queen“ und und „Die Heilung der Welt“ sowie den beiden Büchern aus der Reihe „Wie XXX Geschichte macht“ (Krankheiten und Wetter). Diesem bewährten Konzept der Reihe ist er auch in diesem dritten Buch treu geblieben. So gibt es hier neben dem Prolog zwölf Kapitel, in denen sich der Autor mit bahnbrechenden Erfindungen und ihren Schöpferinnen und Schöpfern beschäftigt.
Im Epilog hängt Ronald D. Gerste den Gedanken nach, das nicht alles, was erfunden wird, ausschließlich friedlichen Zwecken gewidmet ist.
Prolog - Rauchende Schlote
Energie I - Und es ward Licht
Mobilität I - Unter Dampf
Kommunikation I - In Echtzeit
Mobilität II - Der Traum vom Fliegen
Kommunikation II - Die Macht des Fernsehens
Wellen I - Finest Hour
Wellen II - „Red Hot“
Energie II - Spaltende Kerne
Weltall
Leben - Herzschläge
Algorithmen - Frühe Webereiter der Digitalisierung
Epilog - Segen und Fluch
Die wohl größte und nützlichste Erfindung ist wohl jene des Buchdrucks mittels beweglichen Lettern, die untrennbar mit dem Namen Johannes Gutenberg verbunden ist, obwohl er nicht der einzige war, der sich mit der Materie beschäftigt hat.
Die Kapitel müssen nicht in chronologischer Reihenfolge gelesen werden. Jedes Kapitel ist durch die Titelüberschrift, in dem Thema und Namen der Forscher und Erfinder genannt werden, leicht identifizierbar. Man kann deshalb eine Auswahl treffen, ob dieses Kapitel gelesen werden soll oder nicht.
Wie immer, wenn es um Technik und Wissenschaft geht, sind Frauen unterrepräsentiert. Es werde hier Namen wie Lise Meitner, Hedy Lamarr und Ada Lovelance genannt. Wer etwas über die zahlreichen anderen Wissenschaftlerinnen, die maßgeblich an Erfindungen geforscht haben, lesen will, muss zu den Einzelbiografien greifen, von denen es nun einige gibt.
Ronald D. Gerstes Schreibstil ist flott und flüssig zu lesen. Durch seine durchaus humorvolle Sicht eignet sich das Buch als Einstig in die Welt der Technik und Wissenschaft auch für jene Leser, die wenig technikaffin sind und über keine vertiefenden physikalischen Kenntnisse verfügen.
Resümee:
Ein informatives und sehr gut verständliches Sachbuch, das auch Lesern, die sich bislang wenig mit der Geschichte der Technik beschäftigt haben, Freude bereiten kann. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Eine Leseempfehlung!
Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung von Beate Maly
Dieser historische Roman, der 1946 im zerstörten Wien spielt, ist der erste Teil eine Dilogie, die aufzeigt, dass es den vertriebenen Jüdinnen und Juden nicht leicht gemacht worden ist, in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Es sind nicht nur die materiellen Schäden sondern vor allem die Nazi-Ideologie, der nach wie vor sehr viele Menschen anhängen, die Stella Herzig, einer Lehrerin, die den Krieg in England verbracht hat, das Leben schwer machen.
Beate Maly beschreibt die bangen und doch hoffnungsfrohen Stunden und Tage von Stellas Rückkehr. Die Freude über die Anstellung im Lindengymnasium wird recht schnell durch die Ablehnung einiger ihrer Kolleginnen und Kollegen getrübt, die aus ihrer Ablehnung einer Jüdin keinen Hehl machen. Es sind auch genau diese Lehrkräfte, die den Schülern, die aus ärmlichen Verhältnissen stammend, aus Platzgründen statt in die Hauptschule im Gymnasium unterrichtet werden, das (Schüler)Leben zur Hölle machen. Grundlos werden die Schüler mit dem Rohrstaberl gezüchtigt, wird ihnen Lernwille und Fleiß abgesprochen und ihnen ständig mit dem Hinauswurf gedroht. Genau diesen Schülerinnen und Schülern widmet Stella ihre besondere Aufmerksamkeit.
Unterstützt wird sie vom Direktor der Schule, der einen oder anderen Lehrkraft sowie ihrer besten Freundin Felicitas, die als Sekretärin in der Schule arbeitet. Doch Feli, wie sie genannt wird, hat ihren eigenen Kummer.
Als ein besonders begabtes Mädchen die Schule verlassen soll, um eine Lehrstelle als Schneiderin anzutreten, um zum Familienunterhalt beizutragen, überwindet sich Stella und macht einen Hausbesuch. Eine persönliche Herausforderung, denn die Familie lebt in der ehemalige Wohnung von Stellas Eltern, aus der die Familie vertrieben worden ist .....
Meine Meinung:
Beate Maly ist es eindrucksvoll gelungen, die Stimmung im Wien der Nachkriegszeit einzufangen. Das braune Gedankengut ist so schnell nicht aus den Köpfen der Menschen herauszubekommen. Das zeigt sich auch noch in meiner Gymnasialzeit in den 1970er-Jahren. Auch noch fünfundzwanzig (und mehr) Jahre nach Kriegsende unterrichten Lehrkräfte, die entweder als Soldaten an der Front waren oder aus NS-Familien stammen.
Autorin Beate Maly beschreibt Stellas Bemühungen auf die Kinder zuzugehen, neue fortschrittliche Unterrichtsmethoden zu verwenden. Es sind vor allem die vielen kleinen bösartigen Vorkommnisse in der Schule, die Stella manchmal daran zweifeln lassen, ob ihre Entscheidung, in ihr geliebtes Wien zurückzukehren, richtig ist. Denn das Wien, wie sie es gekannt hat, gibt es nicht mehr, was aber nicht nur an den zerstörten Gebäuden liegt.
Geschickt verknüpft Beate Maly Fakten und Fiktion, den dieser zweiteilige historische Roman basiert auf den Lebenserinnerungen der österreichischen Pädagogin Stella Klein-Löw (1904-1986). Wie wir es von Beate Maly gewöhnt sind, sind die Charaktere, die guten wie die bösen, vielschichtg und authentisch angelehnt.
Als Wienerin, die im zweiten Bezirk, der Leopoldstadt, die vor dem Zweiten Weltkrieg der Inbegriff eines florierenden jüdischen Lebens gewesen ist, aufgewachsen ist, kann ich mich hier sehr gut einfühlen.
Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger und so bleibt mir nur, auf die Fortsetzung zu warten.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der auf der Lebensgeschichte einer realen Persönlichkeit beruht, 5 Sterne.
Der Berg ruft und Otto fährt los
OTTO fährt los - Ein Sommer in den Bergen von Madlen Ottenschläger
In seinem dritten Reise-Abenteuer fährt der kleine Campingbus Otto in die Berge. Er reist mit seiner neuen Urlaubsfamilie quer über und durch die Alpen, besucht mit ihnen gemeinsam Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Truppe entdeckt Schlösser und andere Sehenswürdigkeiten sowie Almen mit Kühen.
Als dann ein Kälbchen ausgebüxt ist, ist Otto zur Stelle und hilft mit, das Tier zu finden.
Wie schon in den beiden Vorgängern ist auch diese Reise für ca. Vierjährige gedacht. Die Texte sind kindgerecht und die Illustrationen von Stephanie Reich zauberhaft. Die Geschichte ist spannend und lässt die lieben Kleinen zahlreiche gezeichnete Details entdecken.
Zum Vorlesen für für Kids ab vier Jahren, Leseanfänger können die Texte gut selbst lesen.
Fazit:
Ein must-have für jede Reise mit Kindern. Gerne gebe ich hier wieder 5 Sterne.
Das Konklave - Vatikan inside
Weißer Rauch und falsche Mönche von Stefan von Kempis
Dieses Buch über die lange Geschichte der Päpste und deren Wahl könnte aktueller nicht sein. Es ist am 7. April 2025, also nur 14 Tage vor dem Tod von Papst Franziskus am 21. April 2025 erschienen. Deshalb sind die beiden letzten Kapitel besonders interessant.
Der Autor Stefan von Kempis ist studierter Theologe, Historiker, lebt mit seiner Familie in Rom und hat als Redaktionsleiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan ein profundes Wissen über seine „Dienstherren“.
Eine Biografie über den neuen, zukünftigen Papst (wer auch immer das sein mag) ist in Vorbereitung.
Doch zurück zu diesem Buch. In 21 Kapiteln bringt uns Stefan vom Kempis die Geschichte des Papsttums, das nicht immer im Einklang mit der Lehre Jesu im Einklang steht näher. Wir lesen von den Anfängen, die ein wenig im Dunkeln der Geschichte liegen und daher unterschiedlich interpretiert werden, über Kirchenfürsten des Mittelalters, die ihre weltliche Macht auch tatsächlich ausüben und Millionen von Menschen im Rahmen der Kreuzzüge in den Tod hetzen, von Renaissance- und Barockpäpsten, die eher Wein, Weib und Gesang frönen, zahlreiche Nachkommen zeugen und Familienmitglieder in einflussreiche Positionen hieven als ihrer seelsorgerischen Pflicht nachkommen. Wir lesen von Streit innerhalb der Kurie, dem einen oder anderen willkommenen Todesfall, von Schismen, Mäzenatentum (ohne das Rom und andere Städte wohl anders aussehen würden), vom 3-Päpste-Jahr 1978 sowie von Benedikt XVI., der, bislang völlig unüblich, emeritiert und seinem Nachfolger Franziskus, der dem Pomp und Prunk im Vatikan abschwört und sich damit nicht nur Freunde macht.
All das präsentiert der Autor in einer leicht lesbaren Form. Die 21 Kapitel sind flüssig geschrieben. Es ist möglich, das eine oder andere Kapitel auszulassen, denn die Grabenkämpfe innerhalb des Vatikans wiederholen sich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals. Interessant habe ich gefunden, dass man Martin Luther kaum Bedeutung geschenkt hat und als er mit seinen Lehren und dem Protest gegen die katholischen Kirche überzeugt hat, ziemlich überrascht gewesen ist.
Das Kapitel 20 ist besonders aufschlussreich, denn hier wird das Konklave erklärt, das immer wieder Anlass zu Spekulationen, Büchern und Filmen, mit mehr oder weniger wahren Inhalten gibt.
Man darf gespannt sein, wie lange es diesmal dauern wird, bis weißer Rauch aufsteigt und mit den Worten „Habemus Papam“ Urbi et Orbi der Name des neuen Papst verkündet wird.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem interessanten Buch zu der geheimnisumwitterten Papstwahl 5 Sterne.
Erleuchtung oder Tod?
Echnatons Fluch von Constantin Schreiber
Nach der Aufklärung ihres ersten gemeinsamen Falles Kleopatras Grab und der Zerschlagung eines Verschwörerringes in dem auch hochrangige Politiker verstrickt waren, fristet der degradierte Polizist Fadi al Sawi ein Leben in einer fensterlosen Abstellkammer, um Strafbescheide gegen Tempo- und Parksünder auszustellen.
Theodora Costanda befindet sich in einem 300 km südlich von Kairo gelegenen Yoga-Retreat, um über ihre Zukunft nachzudenken. In Ägypten, der Heimat ihrer Mutter bleiben oder nach Belgien zurückkehren?
Die Antwort auf ihre Fragen wird ihr quasi vom Schicksal abgenommen, denn beim Besuch eines Marktes trifft sie auf eine Gruppe gelb gekleideter Menschen, die sich auffällig benehmen. Sie beginnt Fragen zu stellen und erfährt, dass diese Personen Anhänger des Sonnengottes Aton sind und ihm in einem Tempel in der Nähe huldigen. Als Theo wenig später in jenem Grab, das als Echnatons gilt, eine geheime Kammer und Blutspuren entdeckt, , ist es mit Entspannung und Yoga endgültig vorbei und die Ermittlerin in Theo erwacht abermals. Sie lernt eine besorgte Mutter, deren Tochter dieser Gruppe angehören soll und händeringend um Hilfe bittet, kennen. Denn niemand, der sich diesen Aton-Anhängern angeschlossen hat, ist jemals wieder aufgetaucht...
Gleichzeitig sorgt sich Theo um ihre Mutter, die sie seit einigen Tagen nicht mehr erreichen kann. Sie bitte aIso Fadi, erstens bei ihrer Mutter vorbei zu schauen und zweitens, Informationen über diese Aton-Fans zu herauszubekommen.
Was sie damit auslöst, müsst ihr schon selbst lesen ....
Meine Meinung:
In seinem zweiten Fall für Theo Costanda und Fadi al Sawi lässt sich Autor Constantin Schreiber mit einem ziemlich umstrittenen Herrscher ein - mit Echnaton, Gemahl der Nofretete, der zunächst seinem Vater Amenophis III. als Amenophis IV. folgt, um wenig später dem Polytheismus abzuschwören und Aton, den Sonnengott als alleinige Gottheit einzuführen. Weder das Volk noch die entmachteten Priestern der bisherigen Götter sind mit dem neuen Monotheismus einverstanden. Rücksichtslos setzt sich Echnaton, wie sich Amenophis IV. nun nennt, durch. Nach seinem bislang ungeklärten Tod erfolgt die Rückkehr zu den alten Göttern.
Klar, dass so eine interessante und umstrittene Herrscherpersönlichkeit die Fantasie zahlreicher Autoren anspornt. Diese historischen Details sind sehr gut recherchiert und gut in den Krimi integriert, der sich flott lesen lässt.
Und hier liegt auch schon mein kleiner persönlicher Kritikpunkt: Für mich hätten es gern ein paar Seiten mehr sein können.
Was zunächst nur wie eine der zahlreichen Menschen fangenden Sekten beginnt, entwickelt sich zu einem fesselnden Krimi, der sich mit Wunderheilern und illegalen Experimenten auswächst. Der Glaube an Wunder, die unheilbar Kranke wieder gesund machen, ist so alt wie die Menschheit selbst. Die damit verbundenen Experimente sowie Heilsversprechen und Scharlatanen, ebenso.
Fazit:
Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe.
Nicht der beste Teil der Reihe
Was am Ufer lauert von Lenz Koppelstätter
Nachdem ich den ersten Band dieser Krimi-Reihe rund um Gianna Pitti-Sanbaldi gelesen und für interessant befunden habe, war ich sehr neugierig auf die Fortsetzung. Gleich vorweg, ich bin leider enttäuscht worden. Dabei hat mich der Klappentext, in dem es um ein bislang nicht gelüftetes Geheimnis von Winston Churchill gehen sollte, angesprochen.
Gianna soll auf Bitte ihres Vaters Arnaldo, einem ehemaligen Investigativjournalisten, am Ufer das Gardasees einen Informanten treffen, der Aufschluss zu Churchills Geheimnis geben könnte. Doch der erscheint nicht, stattdessen findet Gianna eine Frauenleiche und eine leer CD-Hülle mit der Aufschrift „Churchills Geheimnis“.
Offensichtlich war hier jemand schneller. Nur wer? Der englische Geheimdienst, der Churchills Geheimnis um jeden Preis gewahrt haben will? Geschäftemacher? Oder doch die Ewiggestrigen und ihre Nachkommen, die Mussolini & Co. gar nicht so übel fanden und finden?
Meine Meinung:
Einem geschätzten Staatsmann, ein wohl gehütetes Geheimnis entreißen zu wollen, dass vielleicht an seinem Saubermann-Image kratzt, ist ein interessanter Ansatz. Leider ist die Umsetzung nicht so toll gelungen. Wir Leser stolpern mit der Familie Pitti-Sanbaldi, das sind Gianna, die Brüder Arnaldo und Francesco sowie Arnaldos Ex-Frau (mit zwielichtigem Lover) und seine aktuelle Freundin, Giannas Chefin Elvira durch die Handlung. Oftmals stehen die komplizierten Familienverhältnisse dem flüssigen Lesen und der Spannung im Weg.
Die Jagd nach Churchills Geheimnis nimmt nur wenige Tage in Anspruch und endet mit einem Showdown sowie einer unerwarteten Auflösung, die zum Schmunzeln anregt. Echte Spannung und Polizeiarbeit, die ich von Commissario Grauner und Saltapepe kenne, fehlen hier gänzlich.
Die Charaktere, ausgenommen Francesco Marchese Pitti-Sanbaldi, der mir durch seine unkonventionelle, bisweilen schrullige Art gut gefällt, bleiben eher blass.
Fazit:
Der erste Fall mit Gianna Pitti Was der See birgt hat mir wesentlich besser gefallen. Hier reicht es nur für 3 Sterne.
Ein gelungener Reihen-Auftakt
Drei Leichen zum Frühstück von Eva Reichl
Autorin Eva Reichls neuester Krimi spielt wieder in Oberösterreich. Diesmal geht es um einen Täter, der bei seinen Opfern einen Sinnspruch hinterlässt. Dem ersten, das am Traunsee gefunden wird, hat er die Beine abgetrennt und einen Zettel mit den Worten „Lügen haben kurze Beine“ beigefügt. Das lässt auf eine persönliche Täter-Opfer-Beziehung schließen.
Nur, welche?
Chefinspektorin Lotta Meinich und ihr Kollege Daniel Proschko haben einiges zu tun, um das Umfeld des Toten, der sich als Anwalt und Politiker jede Menge Feinde gemacht hat, zu durchleuchten. Damit noch nicht genug, muss sie sich mit ihrem Vater Gustav, einem pensionierten Chefinspektor mit hoher Aufklärungsquote, der sich mit dem Unruhestand nicht abfinden kann und seine neugierige Nase in Lottas Ermittlungen steckt, herumschlagen.
Als er dann noch entdeckt, dass dem tödlichen Arbeitsunfall eines Bauleiters ein Zitat, das bei den Todesanzeigen in der Lokalzeitung abgedruckt ist, vorangegangen ist, ist man in Lottas Dienststelle wenig amused. Gustav und sein Freund Rudi geraten kurzfristig in das Visier der Ermittler und Lotta, die für ihre Alleingänge bekannt ist, hat einen schwarzen Punkt mehr.
Meine Meinung:
Eva Reichl ist wieder ein spannender Krimi gelungen, der zeigt, dass es nach wie vor Ressentiments Frauen in Führungspositionen gegenüber gibt. Die sind bei der Polizei deutlich größer als im Durchschnitt. Das hat natürlich Auswirkungen auf das Privatleben. Dass Lotta ebenso wie ihr Kollege Daniel geschieden ist, wird dennoch unterschiedlich bewertet. Erschwerend kommt bei Lotta hinzu, dass ihr Vater Anzeichen einer beginnender Demenz zeigt, allerdings dies nicht einsehen will. So muss sich Lotta dennoch Beruf den Spagat zwischen Beruf und Familie zu meistern versuchen. Ich denke, da wird noch einiges an Konfliktpotenzial auf uns Leser warten.
Die Grundzüge der Charaktere sind, wie bei Eva Reichl üblich, sehr gut herausgearbeitet und haben die Möglichkeit in alle Richtungen zu wachsen.
Fazit:
Mir hat dieser Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe sehr gut gefallen, daher erhält der Krimi 4 Sterne.
Hat mich nicht überzeugt
Die Spur der Kälte von Iva Procházková
In diesem zweiten Kriminalfall für den Ermittler Marián Holina erzählt Iva Procházková die Geschichte des Ehepaares Tamara und Andrej. Tamara pflegt ihren Mann, der nach einem schweren Unfall körperlich und mental geschädigt ist. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Freundin und Physiotherapeutin Doubravka und der jungen Vietnamesin Anh.
Da kommt dem Ehepaar der Millionengewinn im Lotto gerade recht. Doch bevor man den Gewinn einlösen kann, ist der Spielschein verschwunden und eine fieberhafte Suche beginnt. Hat Andrej die Nachricht in seiner eingeschränkten Wahrnehmung ausgeplaudert? Und wer weiß aller davon?
Als Anh tot im Vorgarten gefunden wird, enthüllen die Ermittlungen von Holina eine Reihe von Vorkommnissen, die man lieber verborgen gesehen haben wollte. So kommt eine intime Beziehung zwischen Andrej und Anh zum Vorschein. Überhaupt scheint Anh ein flottes Leben geführt zu haben.
Auch das Leben der Doubravka ist reich an Problemen, die vor allem durch ihre Liebesbeziehung zu dem gescheiterten Unternehmer Arnošt und dem spielsüchtigen David, geprägt sind.
Als dann Holina von Tamaras und Andrejs Millionengewinn beim Lotto erfährt, scheint das Motiv klar zu sein, aber der Lottoschein bleibt unauffindbar.
Meine Meinung:
Mit diesem Krimi, der eher ein Psychogramm mehrerer Beziehungsgeflechte als Kriminalfall ist, tue ich mich ein wenig schwer. Die Grundstimmung wirkt auf mich ziemlich depressiv. Natürlich ist die Situation von Tamara, die die Hauptlast bei der Betreuung ihres Mannes auf sich nimmt, körperlich und geistig Schwerstarbeit. Spannend finde ich, dass Andrej zu mehr Dingen fähig ist, als man ihm gemeinhin zutraut. Das sind vor allem seine sexuellen Gefühle und Handlungen, die man im allgemeinen Menschen mit Beeinträchtigungen abspricht. Diese Unaufmerksamkeit kostet Tamara einiges an Geld, denn Andrej „schenkt“ Anh immer wieder Geld, um an diese Gefälligkeiten zu kommen.
Dieser Krimi ist ein Buch der leisen Töne. Vieles erscheint wie in Watte gehüllt. Dazu trägt auch die Beschreibung des tristen Wetters bei. Völlig unklar bleibt, wer aller vom Lottogewinn gewusst hat und wer die Möglichkeit gehabt hat, den Schein zu stehlen. Das Misstrauen den bisherigen Freunden gegenüber zerstört einige ohnehin schon brüchige Beziehungen. Keiner der Charaktere erscheint besonders sympathisch. Wobei die pflegende Ehefrau und der Polizist noch am ehesten bei mir punkten können.
Fazit:
Ein eher düsterer, depressiv wirkender Krimi, der mich nicht richtig packen konnte. Daher gibt es nur 3 Sterne.
Fesselnde Psychospiele
Blaues Wunder von Anne Freytag
Der Chef der Privatbank Bronstein & Söhne lädt zwei seiner besten Mitarbeiter Kilian und Ferdinand samt Ehefrauen auf eine mehrtägige Schiffsreise auf seiner Privatyacht ein. Auch Walters erwachsener Sohn David ist mit dabei.
Es sollen, so wird gemunkelt, die Weichen für die Zukunft der Bank gestellt werden.
Das hat zur Folge, dass seitens der beiden möglichen Nachfolger, Kilian und Ferdinand geschleimt wird, was das Zeug hält. Auch die Ehefrauen sind angehalten, sich dem Chef gegenüber von ihrer besten Seite zu zeigen, und die Spielchen, die Walter mit allen treibt, hinzunehmen.
Der Trip auf der Yacht wird vor allem für die Ehefrauen zu einem Erlebnis der besonderen Art, da sich auf dem Mikrokosmos Schiff nicht alles verbergen lässt. Am Ende der Reise ist nichts mehr so wie es vorher war. So mancher hat sein oder ihr blaues Wunder erlebt.
Meine Meinung:
Anne Freytag wählt für ihre Erzählperspektive einen interessanten Kunstkniff: Obwohl die Frauen auf dieser Reise nur als Anhängsel ihrer Männer gedacht sind, wird die Geschichte ausschließlich aus deren Sicht erzählt. Die Perspektive der Männer wird kaum berücksichtigt, obwohl es scheinbar um deren Position in der Bank gehen soll. Walter, der Initiator der Reise und Chef der Privatbank, schwebt wie ein dunkler Schatten über allem und tritt als Potentat auf. Er provoziert und kaum jemand lehnt sich gegen seine Unverschämtheiten auf. Als es dann doch eine der Ehefrau wagt, einen spielerisch vorgetragenen, aber demütigenden Befehl nachzukommen, halten die anderen entsetzt die Luft an.
Fazit:
Die Geschichte, die ausschließlich auf der Yacht spielt, ist von psychologischer Raffinesse. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Fesselnd bis zur letzten Seite
Der Bulle in der Hafencity von Ben Westphal
Dieser Hamburg-Krimi ist der dritte aus der Reihe rund um den pensionierten Rauschgiftfahnder Gerd Sehling und mein erster von Autor Ben Westphal.
Gerd hilft, wie seine Frau Dörte, im Café-Restaurant „Hang Loose“ seiner Nichte mit. Das Kellnern macht ihm Spaß und noch mehr Freude bereitet es ihm, die Gäste zu beobachten.
Immer wieder deckt er dabei kriminelle Machenschaften auf. Diesmal weckt eine Gruppe Südamerikaner seinen Argwohn und als er einen alten Bekannten aus der Drogenszene entdeckt, ist es mit dem Servieren von Alsterwasser kurz einmal vorbei.
Gemeinsam mit seinem ehemaligen Kollegen Tim Dombrowski, der nun der Mordkommission zugeteilt ist, beginnt er, zum Leidwesen seiner Frau Dörte, heimlich zu ermitteln. Wenig später steckt er in einem brutalen Kampf zwischen mehreren rivalisierenden Bande um das einträgliche Geschäft mit Drogen in der Hansestadt.
Meine Meinung:
Hamburg ist ja meine Lieblingsstadt in Deutschland, weshalb ich gerne dort Urlaub mache bzw. Bücher lese, die in Hamburg spielen oder von der Geschichte der Stadt erzählen.
Dieser Krimi hat das besondere Etwas, denn er berichtet authentisch über den Alltag der Drogenfahnder und die Mordkommission. Das ist, wenn man weiß, dass der Autor selbst als Rauschgiftfahnder arbeitet, wenig verwunderlich.
Gut gefällt mir, dass das sonst übliche Kompetenzgerangel zwischen den Abteilungen ausgespart bleibt.
Ich werde jedenfalls die beiden Vorgänger lesen, denn sowohl die Figur des Gerd Sehling als auch jene von Tim Dombrowski sind vielschichtig angelegt.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Krimi, der mich wieder nach Hamburg entführt, 5 Sterne.











