Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Harakiri:
Was kann ein Mensch aushalten?
Die vier Winde von Hannah Kristin
Was kann ein Mensch aushalten?
Texas 1934. Elsa Martinelli wuchs unter lieblosen Bedingungen auf. Als sie ihren Ehemann kennenlernt und auf dessen Farm zieht, ändert sich ihr Leben. Ihre zwei Kinder sind alles für sie. Nach zwei Dürrejahren verlässt Elsas Mann sie und die Kinder. Elsa kämpft weiter für den Erhalt der Farm, muss aber irgendwann einsehen, dass sie den Kampf verliert.
Aber auch in Kalifornien, dem Land, in dem Milch und Honig fließen, gibt es wenig Glück für Elsa und auch hier muss sie kämpfen.
Eine Frau auf der Suche nach Glück und Erfüllung für ihre Kinder. Ich weiß auch nicht: bei jedem Roman von Kristin Hannah bekomme ich Tränen in die Augen. Und dennoch – oder gerade deshalb – fiebere ich jedem neuen Buch von ihr immer entgegen. Ihre Geschichten sind jedes Mal so lebensnah und mitreißend, dass man sie gar nicht mehr aus den Händen legen mag.
Elsa ist eine starke Frau. Doch das merkt sie erst, als es fast zu spät ist. Mir war sie anfangs ein klein wenig zu angepasst und leichtgläubig. Erst als sie selbst Kinder hat, merkt sie, dass sie anpacken muss. Diese Wandlung hat mir sehr gut gefallen. Aber auch die Schilderungen des ganzen Elends, die Plackerei und die Kämpfe, die sie und ihre Kinder austragen mussten, das war vom Feinsten geschildert.
Eingebettet in die Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts, die Zeit der Ausbeutung durch reiche Landbesitzer und die Zeit der Dürre in Texas, mit jeder Menge Hintergrundrecherche, schreibt Hannah eine Geschichte, die sich genau so hätte zutragen können. Man lebt mit ihren Figuren mit und fühlt fast selbst den Schlamm unter den Füßen oder die Sandkörner im Gesicht.
Fazit: Ein sehr intensives und einfühlsames Buch, das einen vom Hocker reißt.
kein 08/15 Roma
Der Sucher von Tana French
Cal ist neu in Irland. Er hat seinen Job als Polizist an den Nagel gehängt und möchte Ruhe auf dem Land finden. Doch so ganz klappt das nicht. Denn seine Sinne sagen ihm „du wirst beobachtet“. Zunächst weiß er nicht von wem und wieso, aber als er den Eindringling dann stellt, wird er einen regelrechten Strudel gerissen.
Nur erzählt Tana French das nicht so aufregend. Die Autorin schildert die Ereignisse sehr ausschweifend und ausführlich, aber genau das sorgt dafür, dass man sich alles sehr gut vorstellen kann und das kleine Häuschen, Cal und Trey genau vor sich sieht. Und so dauert es auch fast 100 Seiten, bis endlich klar ist, worauf die Handlung abzielt.
Dann jedoch wird es spannend. Cal hat als Ex-Polizist ja kaum noch Möglichkeiten zu ermitteln, aber seine Fragen stechen in ein Wespennest und seine Kombinationsgabe ist ihm auch immer hilfreich. Manches Mal habe ich gestaunt, wie gut French die Zusammenhänge weglässt, damit Cal sie für den Leser durchschaubar machen kann.
Sehr gut hat mir die Zeit gefallen, wie sich Cal und Trey einander annähern. Und dann hat French auch noch so einiges an Überraschungen parat, mit denen keiner rechnen konnte.
Fazit: Frenchs Romane sind nichts für seichte Leser. Ihre Handlungen gehen in die Tiefe, muten teilweise poetisch an, sind manchmal auch etwas schwer zu lesen. Aber genau das macht sie so besonders.
zauberhaft
Die Zeit der Kirschen von Nicolas Barreau
Seit einem Jahr sind André und Aurélie nun ein Paar. Aurélie wartet auf einen Heiratsantrag von André, doch der lässt sämtliche guten Gelegenheiten verstreichen, was zu leichten Spannungen in der Beziehung führt. Als Aurélie dann den Koch Jean-Marie kennenlernt gerät ihre Gefühlswelt ins Trudeln.
Und Andrés gleich mit.
Schon „Das Lächeln der Frauen“, der Vorgängerband von „Die Zeit der Kirschen“ hat mich bezaubert und auch der vorliegende Band hat mich in seinen Bann gezogen. Die Franzosen und die Liebe – die können es einfach.
Gleich zu Beginn wird der erste Teil noch einmal grob zusammengefasst, so dass man auch nach mehreren Jahren wieder weiß, worum es in „Das Lächeln der Frauen“ ging. Barreaus Schreibweise ist wieder flüssig und leicht, teils romantisch, teils aber auch dramatisch. Aber immer im Vordergrund: französische Lebensweise und Flair.
Allerdings ist dieser Band doch eher von den Streitigkeiten zwischen André und Aurélie geprägt, was der Leichtigkeit teilweise etwas schadet. Doch Barreau wäre nicht Barreau, wenn er das nicht durch schöne Absätze wieder kompensieren würde. Vor allem Andrés Brief gilt es hier zu erwähnen.
Fazit: ein zauberhafter Lesegenuss, der die Liebesgeschichte aus „Das Lächeln der Frauen“ fortsetzt.
Wohlfühlbuch
Die Zeit der Kirschen von Nicolas Barreau
Auch der dritte Band der Island-Reihe von Karin Baldvinsson konnte mich wieder voll überzeugen.
Die Handlung ist erneut auf zwei Ebenen angelegt. Dieses Mal lässt uns die Autorin ins Lüneburg und Island der Judenverfolgung reisen. Der Wechsel zwischen den beiden Strängen sorgt dafür, dass die Spannung hochgehalten wird.
Anfangs längere, später etwas kürzere Kapitel, machen den Roman zu einer abwechslungsreichen Geschichte, die mich gepackt hat.
1936: Luise lebt mit ihrer Familie in Lüneburg. Sie betreiben ein Kaufhaus und ihnen fehlt es an nichts. Doch die Familie ist jüdisch und sieht sich schwierigen Zeiten gegenüber. Als Luise den Isländer Jónas kennen- und lieben lernt, gerät sie noch tiefer in die Wirren der Zeit. Denn: Beziehungen zwischen Ariern und Juden sind verboten.
2019: Sophie wurde von ihrem Freund betrogen und sucht eine Auszeit. Mit Work and Travel kommt sie nach Island, um ein älteres Haus zu renovieren. Gleich zu Beginn findet sie ein altes Tagebuch und wird neugierig: hat die Familie, deren Haus sie bewohnt, mit den Personen aus dem Buch zu tun? Leben sie eventuell sogar noch?
Beide Ebenen für sich fand ich spannend und super erzählt, wenn auch die in der Gegenwart am Ende etwas holpriger wurde. Zu oft liest man in Romanen kurz vor Ende noch von einem Streit und einer Trennung. Das bräuchte ich nicht.
Luises Schicksal hat mich sehr berührt, vor allem der Grund warum sie das Tagebuch geschrieben hat. Die Beschreibung ihrer großen Liebe zu Jónas, die nicht sein darf war einfach super.
Ein absolut tolles Buch. Sehr einfühlsam, mitreißend und anschaulich.
Einstiegsband
Dark Blue Rising (Bd. 1) von Teri Terry
Tabby ist anders.
Das Buch startet eher gemächlich, aber schön. Tabby, die mit ihrer Mutter scheinbar auf der Flucht ist. Nur wovor – das weiß sie nicht. Ihr Leben ändert sich als sie in die Schwimmschule kommt. Erst ab da nimmt das Buch langsam an Fahrt auf. Allerdings wird vieles wiederholt und für mich trat die Handlung massiv auf der Stelle.
Gefühlt ging Tabby ständig schwimmen, essen und es ging einfach nicht weiter. Dafür war dann das Ende viel zu schnell da. Ab ca. 100 Seiten vor Schluss wird das Buch nämlich erst so richtig rasant und spannend, nur um dann schon zu Ende zu sein. Erst kurz vor Schluss wird auch klar, dass die Trilogie als Klima-Thriller angelegt ist. Minimale Hinweise gibt es zwar im Buch, aber die sind wirklich kaum zu erkennen.
Dark blue rising ist mein erstes Buch der Autorin Teri Terry und ich mochte ihren Schreibstil sehr gerne. Dass das Buch eher auf Jugendliche abzielt hat der Lesefreude keinen Abbruch getan, auch ich als Erwachsene konnte dem Buch viel abgewinnen, auch wenn mich die Naivität der Protagonistin manchmal etwas genervt hat. Auch mit 16 sollte man nicht jede Tablette schlucken, die einem überreicht wird.
Dark blue rising empfinde ich als Einstieg in die Trilogie, als Kennenlernen der Charaktere. Denn viel von der Handlung ist rätselhaft und es wird fast gar nichts aufgeklärt.
Mit „Dark Sky Burning“ geht das Abenteuer dann im Frühjahr 2022 weiter und ich freue mich schon darauf.
Fazit: wenn man es aushält sollte man wohl warten, bis alle 3 Bände der Trilogie erschienen sind und diese dann hintereinander weg lesen. Denn das Buch ist mit dem Ende noch lange nicht fertig erzählt.
leider schon zu Ende
Elbstürme von Miriam Georg
Lily lebt mit ihrem Mann Henry und Tochter Hanna in England. Weit weg von Hamburg. Glücklich ist sie nicht. Jo spukt ihr noch immer im Kopf herum. Als ihr Vater krank wird, kehrt die Familie zurück nach Hamburg, doch da beginnen die Probleme dann erst so richtig.
Zum Glück ist der erste Teil noch nicht so lange her, so dass ich noch einen guten Bezug zu den Charakteren hatte und auch die Handlung noch abrufbereit war.
Man sollte Teil 1 der Saga kennen, weil die beiden Bände stark aufeinander aufbauen.
Einige Handlungen laufen parallel ab, was die Szenerie sehr spannend und mitreißend macht. Lilys Kampf um Hanna, Charlies Opiumsucht, die Probleme der armen Leute im Gängeviertel und der Frauenrechtskampf von Emma und ihren Freunden. Alle für sich wären schon lesenswert genug, aber in Kombination macht die Autorin das Leben im ausgehenden 19. Jahrhundert anschaulich und man kann sich gut in die Charaktere und die Handlung einfühlen.
Schade, dass die Geschichte schon zu Ende ist, leider nicht ganz so, wie ich es mir erhofft hatte. Im Nachwort erklärt die Autorin ihre Entscheidung und ich muss sagen: ich kann es gut nachvollziehen und musste sogar ein wenig schmunzeln dabei.
Fazit: eine tolle Story, lebendige Charaktere, sorgsam recherchiert und authentisch – es war mir ein Vergnügen, diese Dilogie zu lesen.
wieder super
Fräulein Gold: Der Himmel über der Stadt von Anne Stern
Hulda ist inzwischen an der Frauenklinik in Berlin als Hebamme angestellt und ärgert sich ein wenig über die Arbeitszustände. Die Hebammen dürfen dort keine Geburten durchführen, das ist allein Sache der Ärzte. Doch Hulda wäre nicht Hulda, wenn sie sich alles gefallen ließe. Zu allem Übel kommen auch noch private Probleme auf sie zu.
Bereits zum 3. Mal dürfen wir mit der Hebamme Hulda Gold ins frühe 20. Jahrhundert eintauchen.
Ich bin nach wie vor begeistert von der Geschichte und hoffe, dass noch viele Bände folgen werden. Leider kam in diesem Band Karl ein wenig zu kurz.
Die Handlung des Buches ist spannend und aufregend. Huldas Entdeckung in der Klinik, ihr Streit mit Karl, ein neuer Verehrer an ihrer Seite, die Thematik der Homosexualität in dieser Zeit und der beginnende Judenhass – all das trägt dazu bei, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag.
Anne Sterns Protagonistin muss man einfach mögen. Zudem mag ich die Schreibweise der Autorin sehr gerne. Die Szenen sind alle sehr authentisch und anschaulich beschrieben und man wähnt sich während der Lektüre im Jahre 1924 in Berlin.
Das Ende wartet wieder mit einem Cliffhanger auf und ich bin schon sehr gespannt auf den Folgeband, der im November 2021 erscheinen soll.
Krimi mit viel Lokalkolorit
Schwarzwälder Morde von Linda Graze
Eine Moorleiche und Attentate auf einen Schnapsbrauer beschäftigen das Team um Kommissar Justin Schmälzle in ihrem neuen Fall.
Ein sehr interessanter Fall wartet auf den Leser. Mit der Moorleiche lesen wir quasi von einem Cold Case, den ich sehr interessant fand. Vor allem weil in Einschüben Tagebucheinträge der Frau geschildert werden, die wirklich mitreißend waren.
Der parallele Fall mit dem Schnapsbrenner fand ich dagegen teilweise etwas ermüdend. Die Polizisten schießen sich voll auf einen Tatverdächtigen ein und das macht das Ganze etwas zäh.
Sehr witzig fand ich die ermittelnde Putzfrau, die über ihren Recherchen ganz die Reinigung der Büroräume vergisst. Auch sonst ist das Buch eher auf der humorigen, denn blutigen Schiene angesiedelt. Graze hat einen sehr netten Schreibstil. Hier wird nicht gesprochen, hier wird teilweise parliert. Und die Putzfee ist die Servicefrau für Reinigungsarbeiten.
Ein wenig schwierig ist – auch wenn ich Schwäbin bin – das Schwäbische zu lesen. Meistens wird es aber gleich auch übersetzt, so dass auch Ortsfremde alles verstehen können.
Im letzten Kapitel wird dann bereits auf einen weiteren Fall hingewiesen, der auch durchaus interessant anmutet.
Fazit: ein leichter Krimi mit Lokalkolorit, der recht humorig geschrieben, teilweise aber auch etwas anstrengend ist.
anders als erwartet
Girl A von Abigail Dean
Ich bin etwas zwiegespalten. Einerseits hat mir das Buch ganz gut gefallen, andererseits war es anders als erwartet. Nach dem Klappentext hatte ich mehr Tiefe erwartet, mehr Gefühle, mehr Horror, mehr Beschreibungen der Verhältnisse im Horrorhaus. Natürlich wird die Gefangenschaft der Kinder thematisiert, aber meist mit einer gewissen Distanz, die vermutlich gewollt ist, um Lex‘ Trauma zu beschreiben.
Allerdings führte dies dazu, dass ich das Buch zwar gerne gelesen habe, es mich aber nicht so richtig mitgenommen hat.
Das Buch wird aus Alex‘ Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben und ist in 7 Kapitel unterteilt. Jedes Kapitel bekommt den Namen eines der Kinder und beschäftigt sich mit dem Wiedersehen und der Vergangenheit genau dieses Kindes. Bei manchen dauerte es aber sehr lange, bis das Grauen erwähnt wurde. Meist ging es zuerst um die Auswirkungen, die bis in die Gegenwart reichen, was aber auch durchaus interessant war.
Teilweise war ich dennoch recht geschockt. Das Buch beginnt eigentlich ganz „normal“. Die Familie mit 7 Kindern, der Vater sehr religiös. Eine scheinbar ganz normale Familie. Bis der Vater es übertreibt und seine Familie, die er beschützen will, gefangen nimmt.
Fazit: Mehr Psychogramm, denn Thriller. Etwas anders als erwartet, aber dennoch lesenswert.
Toller Abschluss
VANITAS - Rot wie Feuer von Poznanski Ursula
Caro Bauer flieht vor ihren Verfolgern nach Frankfurt. Denn sie weiß: wenn sie sich nicht wehrt, wird ihre Flucht nie zu Ende sein. Als letzter Ausweg erscheint es ihr, den russischen Karpin-Clan zu vernichten – und zwar mit Hilfe eines anderen Clans. Caro hetzt beide gegeneinander auf und muss aufpassen, dass sie nicht selbst zwischen die Fronten gerät.
Ganz schön beschäftigt unsere Protagonistin. Und so ist die Handlung des gesamten Buches auch sehr rasant. Ich brauchte zwar ein, zwei Seiten bis ich mich wieder an die Vorgänge erinnert habe, aber dann ging es Schlag auf Schlag. Caro muss all ihre Raffinesse einsetzen und das machte die Handlung spannend und schnell. Man mochte das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen.
Was die Autorin da aus dem Hut zauberte hat mich fasziniert. Caros Verkleidungen, ihr Mut, die Art, wie sie handelt, das nächtliche Duell, … Ich könnte hier noch unzählige Szenen aufführen, das Buch lässt den Leser kaum zu Atem kommen.
Beinahe nahtlos knüpft der dritte Band an den Vorgänger an, man sollte die beiden ersten Bände gelesen haben, damit man mit Band 3 das volle Lesevergnügen erreicht, denn die Bücher bauen aufeinander auf und erst mit dem finalen vorliegenden Band ist die Trilogie und Caros Jagd zu Ende.
Fazit: auch wenn ich gerne noch mehr von Caro lesen möchte, bin ich mit dem Ende der Trilogie sehr zufrieden. Dieser Band bildet einen tollen Abschluss. Ein Buch das man, einmal begonnen, kaum zur Seite legen kann.










