Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Petra Sch.:
anders als erwartet
Villa Obscura von Melissa C. Hill; Anja Stapor
Die Geschichte beginnt spannend und gruselig mit einer Halloweenparty in unheimlich-beklemmendem Ambiente der abgelegenen Villa Obscura im Harz, um die sich eine düstere Legende rankt. Auf der Party wird diese dunkle Legende der Villa von einer alten Dame vorgetragen, man hat also schon beim Lesen Gänsehaut Feeling pur!
Jane ist als Begleitung von Amadeus bei der Party dabei.
Doch alle warten vergeblich auf die Hausherrin, die berühmte Fotografin Constanze.
Nur zwei Männer in Morph-Suits servieren Häppchen und Getränke, und ein DJ spielt Musik. Sonst gibt es kein Personal.
Gegen Mitternacht werden alle von den Morph-Typen in Shuttles manövriert und heimgebracht, nur Amadeus, Kiyoshi, der für Constanze arbeitet, das Model Linda und Constanzes Freundin und ebenfalls Fotografin Sarah sowie die drei Angestellten bleiben.
Als Jane auch heimgebracht werden soll, schafft sie es, ungesehen dort zu bleiben. Leider wird sie schnell entdeckt - und dann beginnt der Alptraum für die restlichen Partygäste sowie DJ Émile - diese sechs werden von den beiden Männern in Morph-Suits festgehalten und am Dachboden eingesperrt.
Die Geschichte wird aus Sicht der sechs Geiseln erzählt, immer abwechselnd.
Normalerweise mag ich Perspektivwechsel, aber hier waren es so viele und so rasch hintereinander, dass es ermüdend war und ich manchmal gar nicht mehr wusste, aus welcher Sicht man nun liest.
Auch waren diese Abschnitte jeweils immer viel zu kurz, um so richtig in die Gedanken und Gefühle der jeweiligen Erzähler eintauchen zu können.
Der Klappentext hat bei mir leider eine falsche Vorstellung impliziert (obwohl es ja eigentlich gar nicht falsch dargestellt wurde). Aber unter "schicken sie auf einen lebensgefährlichen Trip durch das zerklüftete Gelände am Brocken" habe ich mir eine Art Escape Room bzw. Schnitzeljagd durch den Brocken vorgestellt. Allerdings waren die Geiseln jeweils nur kurz draußen. Und was da genau geschehen ist, hat man als Leser zuerst gar nicht erfahren - es kam also hier leider wenig Spannung auf. Auch, wonach eigentlich gesucht wird, fragt man sich lange Zeit.
Die Morphs hingegen lassen Grusel aufkommen, da sie kein Wort sprechen und die Gefangenen konstant bedrohen.
Spannend war das Interagieren der jeweils fünf am Dachboden verbliebenen Geiseln, da man durch deren Gespräche bröckchenweise mehr Infos erhält. Und bei den Ausbruchsversuchen hat man natürlich mitgefiebert, obwohl es teilweise unglaubwürdig war.
Gut gefiel mir, dass alle Charaktere total unterschiedlich waren und polarisiert haben. Jeder hat Geheimnisse, die sich nach und nach aufdecken. Und v.a. Constanze, über die man ja nur aus Erzählungen der anderen erfährt. Und man ist natürlich ebenso wie die Geiseln neugierig, wo Constanze überhaupt abgeblieben ist.
Weniger gut hingegen gefiel mir, dass es keine Jugendlichen waren, wie man aus Klappentext und der Einordnung des Buches als Jugendthriller erwartet hat, sondern junge Erwachsene. Bis auf das Alter von Jane (19) und Emile (18) erfährt man es von keinem - und ab 18 ist man ja bereits volljährig.
Der Showdown war mir etwas zu viel und die Auflösung einerseits überraschend (mit einer wichtigen Botschaft!), aber dann doch teilweise etwas unglaubwürdig.
Der Epilog hat mir gefallen, wie die Geiseln der Halloweennacht auch danach Kontakt halten und über alles resümieren.
Fazit:
Dieser Jugendthriller mit wichtiger Botschaft entwickelt sich anders als erwartet. Es gab spannende Stellen, allerdings auch Längen. Aber ein unterschwellig gruseliges Feeling hat man das ganze Buch über!
überzeugt durch britischen Charme, nicht durch Spannung und/oder einer überraschenden Auflösung
Der Krimidinnermord von Colleen Cambridge
In ihrem dritten Fall vertritt Phyllida Bright ihre Chefin, die Krimischriftstellerin Agatha Christie, bei der sie als Haushälterin arbeitet, bei der Kennenlern-Party der neuen Besitzer des benachbarten Beecham House. Die Einladung dazu ist überraschend: es ist die Ankündigung, dass ein Mord geschehen wird.
(Hier ist wieder die Verbindung zu den Werken von Agatha Christie einfach wundervoll.)
Und genauso kommt es dann auch: bei der Theatervorstellung des Hausherrn Clifton Wokesley mit seiner Frau und vier Bekannten wird Clifton Wokesley seiner Rolle als Leiche mehr als gerecht: er wurde direkt vor der Vorführung erstochen.
Wie gut, dass die passionierte Ermittlerin Phyllida bereits vor Ort ist.
Es war soo schön, wieder alle Angestellten von Mallowan Hall zu treffen - allen voran natürlich Phyllida, die so einen herrlich trockenen Humor hat. Ihre Streitereien mit dem Butler Mr Dobble, die Plänkeleien zwischen ihr und Chauffeur Bradford (und dessen süßer Hündin Myrtle) ist einfach nur humorvoll zu beobachten. Man fühlt sich einfach total wohl.
Die Kombination aus britischem Humor und historischen Ereignissen machen diese Reihe zu einem Leseerlebnis.
Diesmal ist Phyllida ganz erfreut, weil endlich der neue Staubsauger geliefert werden soll, der die Hausmädchen jedoch in helle Aufregung versetzt und Dobble dessen Einzug verhindern will, weil so ein Gerät bestimmt nur alles in Chaos stürzt.
Leider war diesmal der Täter von Anfang an so offensichtlich, nur das Motiv hat sich erst mit der Zeit herausgestellt.
Nur einmal kurzzeitig hatte ich jemand anderes in Verdacht, aber sonst waren nicht einmal die Ablenkungsmanöver wirkungsvoll. Und die erhoffte überraschende Wendung blieb leider aus.
Und Phyllida selbst hat mich diesmal bei ihren Ermittlungen enttäuscht: Sie hat nur in eine Richtung ermittelt; und das Offensichtliche hat sie nicht gesehen.
Den Showdown mit der Autofahrt im Regen, Phyllidas gefährliches Fahrmanöver und den Schusswechsel fand ich dann etwas zu viel.
Trotzdem mag ich einfach das ganze Drumherum, die Atmosphäre, das Geplänkel zwischen Phyllida und Bradford, die süße Myrtle..-einfach alles! :D
Fazit:
3. Teil um Agatha Christies Haushälterin, Phyllida Bright, die diesmal bei einem Krimidinner in einem echten Mord ermittelt. Aufgrund der Offensichtlichkeit des Täters und Phyllidas Scheuklappen 'nur' 4 Sterne.
in diesem Thriller wird mit Social Media abgerechnet
Die Auszeit von Emily Rudolf
3,5 Sterne
Die erfolgreiche Bloggerin Viktoria Kaplan reist mit ihrer Entourage in ein exklusives Retreat in den Bayerischen Alpen, um dort den baldigen Meilenstein von 1 Million Follower zu feiern und in Kooperation Werbung für das Retreat zu machen.
Mit dabei sind ihr Bruder Max, ihr Freund Julian und ihre beste Freundin Karla, die alle für sie bzw.
ihren Blog arbeiten, sowie Julians bester Freund Sebastian und Max' neue Freundin Josefine.
Das Team des Retreats besteht aus dem Inhaber Pierre, seiner Assistentin Magdalena, dem Koch Thomas und der Aushilfe Paul.
Und an Tag 2 des Aufenthalts stirbt jemand...
In ihrem Debüt nimmt Emily Rudolf die Scheinwelt von Social Media aufs Korn; sie zeigt aber auch die viele Arbeit von etlichen Angestellten, die hinter so einem Account stecken, um diesen am Leben zu erhalten; und die schlechten Einflüsse, die Social Media auf (junge) Menschen hat.
Der Schreibstil ist flüssig, mit einem immer eher hohen Spannungsbogen - dies wird auch forciert, da man ständig aus einer anderen Personen-Sicht liest, beginnend 37 Stunden vor der Tat, schrittweise diesem Zeitpunkt immer näher kommend.
Nur aus Sicht von Karla liest man im Jetzt. Sämtliche Fäden und offenen Fragen lösen sich nach und nach auf und fügen sich, mit überraschenden Wendungen, zusammen.
Manchmal waren mir die Perspektivwechsel jedoch viel zu schnell, kaum hat man sich in diese eine Person eingelesen, ist auch schon wieder der Wechsel da.
Die Darsteller und Akteure im Hintergrund eines Social Media Kanals, und die Arbeit, die damit einhergeht, sind authentisch dargestellt. Auch die Charaktere sind unterschiedlich und haben Ecken und Kanten und vor allem: Geheimnisse.
Manchmal jedoch dreht sich alles im Kreis und man könnte die Personen einfach nur schütteln!
Miträtseln funktioniert hier prima, man hat ständig jemand anderen als Täter im Visier.
Leider fand ich den Showdown überzogen und das Ende bzw. die Auflösung nicht so ganz glaubwürdig. Ich fand das Motiv einfach nicht so ganz nachvollziehbar.
Im hinteren Buchdeckel werden die 6 Freunde sowie die 4 Angestellten des Retreats mittels kurzer Steckbriefe vorgestellt. So etwas finde ich immer sehr hilfreich, um sich einen ersten Überblick über die handelnden Personen bzw. die Verbindung zwischen ihnen zu verschaffen.
Fazit:
Mit diesem Thriller wird mit der Scheinwelt von Instagram abgerechnet - doch die Umsetzung hätte noch Luft nach oben gehabt; v.a. das Ende fand ich überzogen.
manchmal unrealistisch, aber total fesselnd
The Killer Profile von Helen Fields
Midnight Jones arbeitet für die angesehene Necto Corporation in London, wo sie Profile von Bewerbern an Universitäten mittels Datenanalyse von VR-Brillen auswertet.
Bis sie eines Tages ein Profil hat, dass es so nicht geben darf: Profil K. K für Killer. Ein Psychopath höchster Stufe.
Doch niemand glaubt ihr.
Als kurz darauf in ihrem Wohnviertel eine Frau bestialisch ermordet wird, gerät Midnight bei ihren Nachforschungen in Gefahr.
Das Buch ist nichts für schwache Nerven. Gleich zu Beginn liest man über einen Mord, wo jedoch überhaupt nicht dargestellt wird, was der Täter mit dem Opfer macht - das erfährt man erst im Nachhinein von der Polizei, und trotzdem ist es einfach so beklemmend! Denn das Opfer hört am Anrufbeantworter den fröhlichen Anruf ihrer Schwester und Nichte, während sie gerade leiden muss. Einfach nur schrecklich!
Der Schreibstil ist sehr bildhaft und mitreißend, man hat Kopfkino pur.
Es gibt auch Kapitel aus Tätersicht in anderer Schriftart, wodurch man als Leser immer schon etwas mehr Infos hat als Midnight, aber trotzdem noch gut miträtseln kann. Und man verfolgt die Gedanken und Schritte des Täters, wie er Midnight immer näher und näher kommt.
Zu Midnight habe ich zu Beginn noch keine Beziehung aufbauen können, irgendwie war sie mir noch etwas unnahbar. Doch dies gibt sich im Laufe der Geschichte und man fiebert mit ihr mit, auch wenn man manchmal ihr Verhalten nicht nachvollziehen kann.
Jedenfalls hat sie eine sehr liebevolle Beziehung zu ihrer behinderten Zwillingsschwester Dawn, die sie sich wie ein Elternteil betreut, da die wahren Eltern nur auf sich bedacht sind und sich überhaupt nicht um Dawn kümmern.
Die vielen Nebencharaktere waren mir teilweise nicht gut genug ausgearbeitet bzw. haben sich unglaubwürdig verhalten. Damit meine ich Midnights Kollegen und den Polizisten. Nur Doris ist eine ganz sympathische Dame, die man sofort ins Herz schließt.
Necto ist eine sehr seltsame Firma. Offiziell ein toller Arbeitgeber, aber intern nur auf Profit bedacht und die Mitarbeiter sind nichts wert und austauschbar. Ich hoffe, dass es diese Art der Datenauswertung nie geben wird.
Obwohl ich öfter mal die Augen verdrehen musste, hat mich der außergewöhnliche Plot und die spannende Schreibweise dann doch überzeugen können.
Der Schluss war nur etwas zu viel Happy-End, das war etwas schnulzig und unglaubwürdig.
Fazit:
Ein manchmal etwas unrealistischer, aber mitreißender und fesselnder Thriller über eine taffe Protagonistin und einen psychopathischen Serienkiller. Die Profitgier des Unternehmens regt sehr zum nachdenken an: wie skrupellos sind Firmen wirklich?
ganz anders als erwartet; ein magisches Märchen
Der längste Schlaf von Melanie Raabe
Mara Lux ist Schlafwissenschaftlerin geworden, da sie seit Langem Probleme mit dem Ein- und v.a. Durchschlafen hat, und forscht dazu in London.
Eines Tages erhält sie ein Schreiben eines Notars aus Deutschland, dass sie eine Villa geschenkt bekommen hat.
Zuerst denkt sie an einen Scherz bzw. glaubt nicht an die Schenkung eines teuren Anwesens.
Doch dann siegt die Neugier, und sie macht sich auf den Weg in ihre alte Heimat.
Der Schreibstil von Melanie Raabe ist zwar ruhig, aber doch lebendig und manchmal richtiggehend poetisch.
Man liest aus Sicht von Mara in ich-Form, wodurch man sich gut in ihre Gedanken und Emotionen einfühlen kann, besonders ihre zwiegespaltenen Gefühle gegenüber dem Schlaf.
Sie selbst hat seit vielen Jahren Schlafprobleme, weshalb sie eben Schlafforscherin geworden ist. Erst später stellt sich heraus, dass sie immer Alpträume bekommt und sich deshalb ihr Körper gegen das Einschlafen wehrt. Auch jetzt noch, wo sie schon länger keine Alpträume mehr gehabt hat.
Die Autorin hat es wunderbar geschafft, eher trockene Infos zum Thema Schlaf und Schlafstörungen lebendig aufzubereiten und verständlich darzustellen.
Es gibt auch Einschübe über ein Geschwisterpaar in Kursivschrift, dessen Bedeutung sich nach und nach wie Puzzleteilchen aufdeckt und mit der aktuellen Erzählung von Mara verwebt. Dieser Teil war so einfühlsam und emotional geschrieben, dass mir gegen Ende die Tränen kamen.
Die Villa ist so beeindruckend wie mysteriös, sie ist anschaulich beschrieben und es passiert viel Unerklärliches und somit ist der Gruselfaktor groß.
Mir wäre lieber gewesen, wenn die magischen Elemente erwähnt worden wären; ich persönlich mag lieber rationale Erklärungen. Die übernatürliche Auflösung hatte sich für mich jedoch schon nach einiger Zeit abgezeichnet.
Leider war der Handlungsstrang um Maras Freundin Roxi unnötig; deren Behinderung wurde nie aufgeklärt und sie hat auch nicht zur Auflösung und zum Geschehen beigetragen.
Ich hatte mir aufgrund des Klappentextes zwar eine andere Geschichte erwartet, trotzdem wurde ich sehr gut unterhalten. Melanie Raabe weiß zu fesseln!!
Fazit:
Eine besondere, magische Geschichte mit übernatürlichen Elementen, dessen Klappentext zwar andere Erwartungen geweckt hatte, das einen jedoch fesselt und berührt.
toller Auftakt! historischer Cozy Crime für Jugendliche
Agency for Scandal von Laura Wood
4,5 Sterne
London, Juni und Juli 1897: Die 18jähirge Izzy (Isobel) Stanhope hat vor 18 Monaten ihren Vater verloren, und ihre Mutter hält sich seitdem nur mehr in ihrem Zimmer auf. Bis auf deren Zofe hat Izzy alle Angestellten entlassen und sämtliche Möbel und Wertgegenstände verkaufen müssen, denn ihr Vater hatte viele Schulden angehäuft und kein regelmäßiges Einkommen.
Auch ist sie in den 8. Duke of Roxton verliebt, der jedoch nicht mal etwas von ihrer Existenz weiß.
Bis die Damen des Finkennests auf Izzy aufmerksam werden. Diese Agentur hilft Frauen, sich gegen gewalttätige Männer zur Wehr zu setzen bzw. zieht korrupte Männer zur Rechenschaft. Dafür brauchen sie unbedingt Izzys Talent fürs Schlösserknacken, das sie von ihrem Vater erlernt hat.
Izzy erzählt den Lesern in ich-Form ihre Erlebnisse, deshalb ist es noch lebendiger und man kann sich gut in sie hineinversetzen und mit ihr mitfühlen. Sie ist eine sympathische, taffe junge Frau, die sich für die Rechte der Frauen einsetzt und es dadurch sogar in Kauf nimmt, den guten Ruf ihrer Familie aufs Spiel zu setzen. Sie lässt sich nicht unterkriegen und nutzt ihren vermeintlich körperlichen Nachteil zu ihrem Vorteil aus! Dadurch, dass sie so klein und zart ist, kann sie eben hervorragend in die Rolle eines Straßenjungen schlüpfen, was natürlich sehr oft sehr hilfreich für die Arbeit des Finkennests ist! Ich bin von ihr ganz angetan, eine wirklich außergewöhnliche junge Frau!
Die Thematik der damaligen Zeit, dass Frauen keinerlei Rechte hatten und den Männern, v.a. ihren Ehemännern, ausgeliefert waren, wird eindrücklich dargestellt. Auch das historische Setting und die Darstellung der Standesunterschiede zwischen dem Adel, der in Pomp Feste feiert, und waisen Straßenjungen ist sehr gut gelungen.
Und Mrs Finch und ihre Finken sind es, die gegen diese Ungerechtigkeiten ankämpfen und den Frauen zu Gerechtigkeit verhelfen. Und dies war wundervoll dargestellt. Alle Mitarbeiterinnen in der Agency of Scandal haben unterschiedliche Charaktere und Eigenschaften, die für den Kampf für Gerechtigkeit für Frauen eingesetzt werden.
Der Fall, den die Agentur lösen müssen, entpuppt sich als komplexer als gedacht. Und Izzy gerät bei ihrer gefährlichen Arbeit natürlich auch selbst in Gefahr!
Die Romantik kommt natürlich auch nicht zu kurz, es ist soo witzig zu verfolgen, wie Izzy für Max schwärmt und jedesmal, wenn sie ihn trifft glaubt, dass er sie nicht wiedererkennt. So entwickelt sich die Bekanntschaft der beiden mit tollpatschigen Hoppalas, ohne kitschig zu sein.
Fazit:
Ein toller Auftakt einer historischen Cozy Crime-Reihe für Jugendliche mit einer taffen Protagonisten, einer großartigen Spannung, britisch-historischem Feeling, Humor und einem komplexen Fall. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung!
komplexer Polit-Krimi
Tode, die wir sterben von Roman Voosen; Kerstin Signe Danielsson
3,5 Sterne
In Malmö wird ein 13jähriger mit ausländischen Wurzeln erschossen.
Jon Nordh und Svea Karhuu arbeiten zum ersten Mal zusammen und sind auf den Fall angesetzt - bis ein weiterer Mord geschieht.
Jon Nordh ist psychisch sehr angeschlagen, er hat erst vor kurzem seine Frau verloren und muss sich nun um seine beiden Kinder kümmern.
Seinen Partner und Freund hat er gleichzeitig verloren - denn die beiden, die vorgeblich ein Verhältnis hatten, saßen bei dem Unfall gemeinsam im Auto.
Nordh will den Fall des toten Jungen auf jeden Fall lösen, denn er hat mit seiner Chefin ausverhandelt, dass er dann die Ermittlungsunterlagen zum Tod seiner Frau und seines Partners erhält, denn es gibt Ungereimtheiten bei diesem Unfall.
Nordh ist so ein typischer skandinavischer, abgehalfteter Ermittler mit düsteren Gedanken und Alkoholproblemen. Also ein klassisches Klischee, doch man fühlt mit Nordh mit.
Svea Karhuu wurde aus Stockholm nach Malmö versetzt, um sie aus der Schusslinie zu nehmen. Bei ihrer Arbeit als verdeckte Ermittlerin ist etwas geschehen, das nicht hätte passieren sollen.
Svea mochte ich von Anfang an. Sie ist taff, mutig, voller Energie und vor allem hat sie eine gute Auffassungs- und Kombinationsgabe.
Leider ist die Atmosphäre im Buch sehr deprimierend: Gang-Milieu, Waffen, Ausländerfeindlichkeit - Menschen am sozialen Rand. Und ein unschuldiger Bursch ist zur falschen Zeit am falschen Ort.
Die Ermittler gehen anfangs natürlich von Bandenrivalität aus, da sich in der Pizzeria hinter dem erschossenen Jugendlichen zwei Mitglieder einer Malmöer Gang befanden, die offenkundlich das Ziel waren und von einem weiteren Gast gerettet wurden.
Mir gefiel es sooo gut, die Ermittlungsarbeit von Jon und Svea zu verfolgen, es war total authentisch und sie haben kleinweise ein Puzzlestück nach dem anderen aufgedeckt. Und das Bild, das dadurch entstanden ist, hat nicht nur die Ermittler überrascht. Manchmal war es mir jedoch etwas zu verwirrend und ich brauchte dann einige Zeit, um wieder alles richtig zu sortieren.
Leider wurden einige Dinge öfters wiederholt, und auch gingen mir manche Ermittlungserfolge zu einfach bzw. war etwas viel Zufall im Spiel.
Die Auflösung war zwar etwas klischeehaft, doch glaubwürdig. Obwohl der Fall aufgelöst wurde, gab es keinen so richtigen Abschluss. Da hätte ich mir noch weitere Infos gewünscht.
Ebenso wie der mysteriöse Autounfall von Nordhs Frau und dessen ehemaligem Partner. Auf diese Aufklärung bin ich schon sehr gespannt!
Fazit:
Ein komplexer politischer Krimi mit zwei problembehafteten Ermittlern. Düster-deprimierende Atmosphäre; manchmal etwas verwirrend; es gab einige Wiederholungen und trotz Auflösung keinen richtigen Abschluss.
Klufti geht in die Politik
Lückenbüßer von Volker Klüpfel; Michael Kobr
Adalbert Kluftinger, Interims-Polizeipräsident, lässt sich bei den Gemeinderatswahlen in Altusried als sogenannter Lückenbüßer aufstellen. Weil eben noch einer fehlt, und er so weit hinten auf der Liste eh nicht gewählt werden kann.
Doch als sein Erzfeind und Nachbar, Dr. Martin Langhammer, ebenfalls kandidiert und den Wahlkampf mit sehr viel Eifer betreibt, packt den Klufti der Ehrgeiz.
ER will und kann doch was für seine Gemeinde bewirken, nicht dieser besserwisserische, zugezogene Preuß'!
Achja, einen Mordfall gibt es natürlich auch noch aufzuklären.
Auch in seinem 13. Fall kann Klufti wieder mit seiner mürrischen Art überzeugen, die einfach nur lustig rüberkommt! Grumpy Klufti halt! :D
Der Fall selbst geht diesmal leider komplett durch Kluftingers Privatleben bzw. den Wahlkampf unter - das macht aber gar nichts, denn dieser Band ist so unterhaltsam wie noch nie! Kluftingers politische Haltung ist einerseits fragwürdig, andererseits am Zahn der Zeit. Er will sich ja nicht von seinem uralt-VW Passat trennen, denn er hängt dran und der ist noch gut, und nun auch schon ein Odtimer. Dass dieser viel verbraucht, macht er dadurch wett, dass er betont, dass man ja nichts wegschmeißen und neu kaufen muss (Umweltschutz!!), was noch gut ist.
Obwohl auch der Kriminalfall natürlich interessant und spannend ist! Denn bei einem Übungs-Einsatz in den Bergen, wo eigentlich alles abgesperrt ist, wird eine Leiche gefunden. Ein Kollege, der jedoch gar nicht für den Einsatz eingeteilt war.
Bei den Ermittlungen gelangen Klufti und seine Kollegen in die rechtspolitische Szene, was zwar viele Klischees aufgreift, aber auch brandaktuell ist.
Man fühlt sich sofort wieder wohl in Altusried, was auch besonders an Kluftis Frau Erika liegt (ich frage mich jedes mal, wie die so einen Grantler aushält ;)
Man trifft wieder auf Kluftis Kollegen Roland Hefele, Obergscheitler Richi Maier und die taffe Lucy Beer und natürlich seinen Erzfeind Nummer 1: Nachbar und "Quacksalber" Dr. Martin Langhammer samt Ehefrau Annegret.
Leider haben Sohn Markus, dessen Frau Yumiko und v.a. die Enkelin eher wenig Platz bekommen; die wünsche ich mir im nächsten Band wieder präsenter.
Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass Klufti endlich seine Scheuklappen abgelegt und sich emotional und sozial weiterentwickelt hat!! Er ist natürlich immer noch, so wie er halt ist: altmodisch, konservativ und mürrisch. Doch er ist nun auch offener für Neues und bei dem Wahlkampf, bei dem Langhammer übel mitgespielt wird (was halt an Langhammers spezieller Art gelegen hat) stellt Kluftinger mit Entsetzen fest, dass dieser nicht mehr sein Intimfeind ist, sondern er ihm tatsächlich sowas wie ans Herz gewachsen ist. Also so irgendwie halt. Mir kamen da echt die Tränchen ;)
Fazit:
Klufti at his best! So humorig und unterhaltsam, und Klufti entwickelt sich weiter. Der Kriminalfall ist dann leider eher Nebensache, aber das macht gar nichts, denn Kluftis Wahlkampf ist Spannung pur!
Dystopie mit Thrill
Lieferdienst von Tom Hillenbrand
"Lieferdienst" spielt in einer nicht näher definierten Zukunft in Neu-Berlin, in der Menschen fast nicht mehr real einkaufen, sondern nur mehr virtuell. Und dabei wird alles, sogar Zahnpasta, per 3D-Drucker hergestellt. Verschiedene Lieferdienste fighten gnadenlos darum, wer das jeweils hergestellte Produkt als erstes beim Kunden ausliefert.
Eines Tages wird Arkadi von einem höherrangigen Kollegen - sein Idol "Airbox" - gebeten, dessen Lieferung zu übernehmen. Kurz darauf stirbt dieser. Was war in der Lieferung drin und warum musste Airbox sterben? Nachdem Arkadi seltsame Aufträge erhält und selbst in Gefahr gerät, will er dieses Rätsel um jeden Preis lösen.
Arkadi arbeitet für den Lieferdienst Rio (knallblau) und ist ein sogenannter Bringer. Es gibt 4 große Lieferdienste, alle farblich gekennzeichnet, und ein paar kleinere.
Man kann sich gut in Arkadi hineinfühlen, besonders auch, da die Geschichte aus seiner Sicht in ich-Form geschrieben ist; dieser ständige Stress, der schnellste zu sein, um in der Hierarchie der Kuriere aufzusteigen und sich vor allem gegen die anderen Lieferdienst als Schnellster durchzusetzen. Bei diesen Wettrennen geht es sehr oft nicht fair zu.
Die Darstellung dieser Zukunft ist sehr düster und beklemmend; das ursprüngliche Berlin gibt es nicht mehr, es wurde auch nie neu wieder aufgebaut.
Die Straßen sind übereinander aufgebaut; es ist auch genau festgelegt, wer wo fahren darf; manche Leute leben sogar in ihren Fahrzeugen aufgrund der Wohnungsnot und den unbezahlbaren Preisen. Dann noch die fliegenden Hoverboards der Bringer, das hört sich alles soo gruselig für mich an. Echt keine schöne Vorstellung der Zukunft.
Und dann ist da der Umweltschutzgedanke, ein bestelltes Produkt fünf-mal oder noch öfter herzustellen, um dann nur eines dann "an den Mann zu bringen" - das ist einfach unvorstellbar!!
Nicht nur die Zukunftszeichnung, auch die verwendeten Begriffe und die Sprache sind sehr futuristisch.
Am Ende des Buches ist noch die (während des Lesens zuerst nur schwer verständliche) Hierarchie der Bringer aufgelistet.
Fazit:
Eine sehr realistisch anmutende Dystopie mit Thriller-Elementen. Das Verhalten der Menschheit in der Zukunft bzgl. Bestellungen und Umweltschutz ist sehr beklemmend und regt zum Nachdenken an.
Kurz-Comics über die schreckliche Adele
Die schreckliche Adele 09 von Mr. Tan; Diane Le Feyer
3,5 Sterne
"Die Rückkehr der Raufereien" ist bereits der 9. Band der "Die schreckliche Adele"-Reihe, für mich war es jedoch der erste.
Ich war überrascht, dass es keine zusammenhängende Geschichte ist, sondern viele Kurzgeschichten/Comics, die nur über eine Seite gehen. Ein paar wenige Storys reichen über eine Doppelseite.
Im Mittelpunkt steht natürlich Adele, bei der ich absolut nicht einordnen konnte, wie alt sie eigentlich ist. In einer Kurzgeschichte hält sie ein Referat über die französische Revolution; andererseits soll im Matheunterricht 12 minus 2 gerechnet werden ?!?
Adele ist Schlau, hat einen großen Wissensschatz, aber sie hasst einfach alles. Schule, Hausaufgaben die Mitschüler/innen sowieso (hiervon ganz besonders Jade und Miranda, zwei einfältige Mädels, die nur auf Mode und Beauty stehen), ihre Eltern, und ganz besonders ihre Katze Ajax, die sie immer eliminieren möchte. (Diese Geschichten finde ich besonders bedenklich. Nicht, dass Kids noch auf dumme Gedanken kommen...)
Achja, und sie hat einen unsichtbaren Freund namens Magnus, der ihr immer Tipps gibt.
Alle vorkommenden Personen sind zu Beginn kurz steckbrieflich vorgestellt, das finde ich hilfreich, besonders wenn man die Reihe noch nicht kennt.
Alles in allem für Kids sicher super unterhaltsam und lustig, aber wie gesagt, manchmal echt überdenkenswert.
Fazit:
Im 9. Band der Reihe kämpft Adele gegen Schule, Hausaufgaben, und besonders ihre Mitschülerinnen Jade und Miranda.











