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Rezensionen von Manfred Fürst:
Wir alle tragen eine Maske - rein metaphorisch
Die Maske der Gewalt von Jennifer B. Wind
Jennifer B. Winds Thriller „DIE MASKE DER GEWALT“ ist der erste Band der Richard Schwarz-Serie. Der Titel lässt dem Leser viel Spielraum für Interpretationen, offensichtlich fühlt sich der LKA-Ermittler Richard Schwarz nur im Zirkus mit Maske, die seine verbrannte Gesichtshälfte verbirgt als Mister Domino wohl.
Grenzüberschreitender Kriminalfall zwischen München und Wien. Diesmal funktioniert die Zusammenarbeit problemlos.
Der Plot ist im wahrsten Sinn des Wortes vielschichtig: Den Wiener Part übernehmen Richard und Paul vom LKA Wien mit Kollegen und Emily, der Rechtsmedizinerin. Theres, Psychiaterin und Psychologin wird geschickt in die Handlung eingebaut, wird sie doch eine wichtige Rolle im zweiten Band einnehmen. Ein ehemaliger Patient von Theres, den sie identifizieren kann tötet in Serie mit besonderen Messerstichmustern. In mehreren „Intermezzi“ lässt die Autorin den Leser Einblick gewinnen in die verquere Gedankenwelt des Serienmörders.
Parallel dazu ermittelt die Münchner Polizei mit Albert im Entführungsfall Sarah, die „Schwester“ von Richard, die den Zirkus in München leitet. Sarah, das Entführungsopfer wird als Druckmittel gegen Richard eingesetzt, entweder das der Drogenbande geschuldete Geld oder den „Schuldner“ Oliver, Sarahs Verlobter zu übergeben. Durch rastlose Ermittlungen und geschicktes Agieren gelingt es Richard mit Unterstützung seiner Zirkusfamilie, Sarah aus den Klauen der brutalen Entführer zu befreien.
Es gelingt der Autorin geschickt Problematiken als besondere Anliegen wie Computerspielsucht und Gewalt gegen Frauen in die Krimihandlung einzubauen. Der Mörder wird zwar zur Strecke gebracht, hinter ihm lauert jedoch das noch zu verfolgende Böse.
Schreib- und Erzählstil sind auf hohem Niveau, witzig, ironisch, die Spannung reißt nie ab und das unverkennbare österreichische Idiom fördert die Lesebereitschaft.
Herrlicher Lesestoff
Linstows Geheimnis von Isa Schikorsky
Herrlich entspannend zu lesen und dann doch wieder sehr spannend. Ein ausgezeichneter Schreib- und Erzählstil, der zum vergnüglichen Lesen animiert. Anna, eine junge romantische und zielstrebige Frau kommt von Berlin auf die Ostseeinsel Rügen, um mit Frank ihrem Liebsten die Hochzeit zu planen und das Seehotel in Göhren zu übernehmen.
Isa Schikorsky schildert präzise den Hotelalltag und die persönlichen Beziehungen und Animositäten der Angestellten. Anne durchläuft ein Wechselbad der Gefühle und will sich nicht eingestehen, dass Frank nicht der richtige Mann für sie ist. Wie in jedem Krimi gibt es auch einen Toten, genauer eine Tote: Linstows Ehefrau „Flöckchen“ wird am Strand eingebuddelt ausgerechnet von Anna gefunden. Anna beginnt nicht gerade eine Karriere als Privatdetektivin, doch möchte sie gerne wissen wer der Mörder von Vivien „Flöckchen“ ist. Dem Leser werden ausgiebig zu Kenntnis gebracht die Menüabfolge in einem Sternerestaurant und die besonderen Schätze im Weinkeller des Seehotels. Annas Heirats- und Karrierepläne platzen mit einem Paukenschlag. „Glück und Glas, wie leicht bricht das“ wissen wir alle. Doch wir sehen „Licht am Ende des Tunnels“. Unverhofft kommt oft. Linstow übernimmt das Hotel, nennt es in „Seehotel Vivien“ um und macht Anna zur Hoteldirektorin. Und am Ende wird auch der Mörder geschnappt.
Bestsellerwürdige Spitzenliteratur
Die junge Frau und die Nacht von Isa Schikorsky
Sehr angenehmer Schreibstil, ein wahres Lesevergnügen bis zur letzten Seite.
Klassentreffen nach 25 Jahren im St. Exupery College an der Côte d‘Azur . Damals ist die Schülerin Vinca und (oder mit ihrem) Lehrer Alexis spurlos verschwunden. Was hat sich wirklich ereignet? Die Beobachtungen und die Beschreibungen der ehemaligen Schülerinnen und Schülern auf den Klassentreffen sind pointiert.
Die privaten Verhältnisse sind auf ein Maß beschränkt, das dem Roman guttut.
Maxime „beordert“ seinen Freund Thomas aus New York zu diesem Treffen. Damals im Dezember 1992 haben beide den Lehrer Alexis - nach falscher? Anschuldigung von Vinca – getötet und die Leiche in einer Mauer des Turnsaales einbetonieren lassen. Der Turnsaal solle einem Neubau weichen und die Mauer abgerissen werden. Maxime und Thomas fürchten um die Aufdeckung ihrer Mordtat. Ein Seelenstriptees der Mörder folgt. Vinca war die große Liebe von Thomas. Doch jemand will „Rache“ für den Tod von Vinca. Mit der rastlosen Suche von Thomas nach Erklärungen und Lösungen setzt sich das Puzzle langsam zusammen, doch nichts entspricht der Wirklichkeit was auf den ersten Blick plausibel erscheint. Neben dem Ich-Erzähler Thomas stellen Freunde und Familienmitglieder ihre eigene erlebte Wirklichkeit dar. Ein literarisches Panoptikum. Die Spannung steigert sich zunehmend, der Leser jedoch tappt im Rätsel um den Rächer im Dunkeln. Diese verschiedenen Sichtweisen der Wirklichkeit sind das besondere Stilmittel, das den Roman besonders lesenswert macht.
„... zu viele Enthüllungen, zu viele Dramen, zu viele Tote, zu viele Drohungen...“ (Zitat Musso) beschreiben die Romanhandlung treffsicher und ziehen den Leser in seinen Bann. Als nach dem letzten Toten sich so etwas wie Entspannung einstellen will, wird dem Leser zum Ende eine „Hammerpointe“ serviert.
Hochkarätige deutsche Krimiliteratur
Unbarmherzig von Inge Löhnig
Trotz Unkenntnis der Autorin Inge Löhnig stellt sich UNBARMHERZIG nach dem Lesen als ein wahrer Glücksgriff heraus. Die Geschichte und der Schreibstil sind phänomenal. So unaufdringlich und klar, dadurch wird jede Seite ein Leseerlebnis. Münchner Lokalkolorit, aber weit entfernt von blödsinnigen Anbiederungen anderer Dorfkrimis.
Hier gibt es keine Trottel und Dorfdeppen. Die Protagonisten strahlen eine überragende Authentizität aus. Glaubwürdige und nachvollziehbare Charaktere. Inge Löhnig zeigt tiefe Menschenkenntnis, bildet die Strukturen des dörflichen und familiären Miteinander perfekt ab.
Die Verbindung von 75 Jahren Familiengeschichte zweier nicht freundschaftlich verbundenen Familien mit einem Doppelmord und die Einbindung der persönlichen Familiengeschichte von Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases bei der Münchner Kripo sind eindrucksvoll.
Nur der Hartnäckigkeit bei den Ermittlungen gelingt es Gina den Tathergang zu rekonstruieren und die Identität der beiden Toten gegen alle Widerstände festzustellen. Die Morde liegen 75 Jahre zurück und Inge Löhnig gibt mehrere sehr aufschlussreiche Rückblicke in das Jahr 1944, wie sich Leben und Arbeit mit Zwangsarbeiterinnen in einer Munitionsfabrik abspielte. Die Mordermittlungen erschweren sich, weil vermutete Täter nicht mehr am Leben sind. Letztendlich hat Gina aber das richtige Gespür, kann aber den Täter nicht (mehr) überführen.
Die Zwistigkeiten zwischen den beiden Familien Anger und Schattenhofer werden vor allem von den Frauen erbittert geführt, bis sie sich am Grab versöhnen. Gina und ihre Familie müssen sich einer psychischen Herausforderung stellen und entgehen nur knapp einer Katastrophe. Teilweise werden die Ereignisse sehr emotional beschrieben was von großer Empathie der Autorin zeugt.
Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für den zweiten Fall von Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases.
Hochspannung auf 382 Seiten
Unbarmherzig von Inge Löhnig
NADELHERZ von Julia Corbin, dritter Thriller der Hall & Hellstern-Serie kann ohne wesentliche Einschränkungen als in sich geschlossener Roman gelesen werden. Neben dem eigentlichen Plot – der kriminalistischen Ermittlungsarbeit - nehmen die sehr umfangreichen Darstellung der privaten Hintergründe des Ermittlerteams und deren Angehörigen breiten Raum ein.
Nicht besonders verwunderlich sind Hall & Hellstern - Alexis und Karen - die wichtigsten Ermittler und Namensgeber der Thrillerserie. An den „teilnehmenden“ Personen erkennt man eine starke Frauenlastigkeit von etwa 70:30. Frauen werden durchwegs positiv dargestellt. Dem gegenüber stehen auffällig abfällige Männerbeschreibungen und -bezeichnungen: Sadisten, Mörder, dumm, Arschloch, Idiot und Hinterwäldlern.
Tessa, nach über einem Jahr ihrem Entführer und Peiniger entkommen, ist durch dieses traumatische Erlebnis psychisch schwer belastet. Ihre beste Freundin Jasmin, die mit ihr entführt wurde hat die Entführung nicht überlebt. Tessa bekommt Menschenherzen mir Nadeln gespickt zugesandt, die dazu „passenden“ Leichen auf Metallstreben drapiert bringen das Ermittlerteam auf eine Spur, aber die Suche nachdem Mörder stellt sich als eine sehr komplexe dar. Die Leichen sind mit einem grünlich leuchtenden Bakterium infiziert. In der Person von Karen, der forensischen Kriminalbiologin, lässt die Autorin Corbin ihr ganzen Biologiewissen wiedergeben. Das Ermittlerteam wendet seine ganze Energie auf, um den Tatort finden, der für die Lösung des Falles unerlässlich ist. Die Spannung auf den letzten Seiten ist kaum zu überbieten, umso überraschender das Ende.
Der Schreibstil fördert das flüssige Lesen. Der Spannungsbogen wird aufrechterhalten indem in jedem Kapitel ein nächstes Puzzle zur Lösung des Falles angeboten wird.
Ein Lesefest für die überwiegend weibliche Leserschar, die bereits sehnlichst auf Band 4 wartet.
Brutaler Politthriller macht nachdenklich
Unbarmherzig von Inge Löhnig
Alexander Oetker hat einen zeitgeschichtlich aktuellen Thriller geschrieben. Die kriminellen Machenschaften von Politik, Polizei, Rechtsnationalismus, arabischer Terroristen und italienischer Mafia.
Europol, das Europäische Polizeiamt mit Sitz in Den Haag schickt seine besten Agenten, ZARA, Deutsch-Französin und Isaakson, Schwede, an die französische Südküste, um den Tod des syrischen Mädchens Aïicha aufzuklären und das kriminelle Netzwerk aufzudecken.
ZARA, eine Autistin, unnahbar und mit unglaublicher Analyse- und Erkenntnisfähigkeit ausgestattet stößt an ihre Grenzen. Sie kann auf ihre Art nicht weiterermitteln. Sie bittet ZOË um Hilfe. Zoë ist die rechte Hand von Mafiaboss Bolatelli, das absolute Ass in seiner Organisation. ZARA und ZOË sind Zwillingsschwestern, aufgewachsen in Nizza. Die Familie ist durch den kriminellen Vater zerbrochen, ZARA und ZOË sind sich spinnefeind. ZARA kann ZOË überreden, die Ermittlungen „auf ihre Weise“ an ihrer Stelle zu übernehmen. Isaakson bekommt dadurch eine etwas „andere“ Partnerin.
In turbulenter Abfolge mit brutalen und tödlichen Aktionen von allen Seiten wird schlussendlich ein Teil des Netzwerkes zerschlagen. ZARA und ZOË trennen sich in schwesterlicher Übereinkunft.
Der Schreibstil ist angenehm, förderlich für das Lesen ist zudem die Spannung. Trotz der erschreckenden Realität, der beschriebenen brutalen Szenen, der teilweisen Übertreibung und der plakativen politischen Ansichten, trifft Alexander Oetker mit diesem Plot den Kern der aktuellen Situation in Europa, im Speziellen an der Mittelmeerküste zwischen Nizza und Marseille. Es bleibt aber die außerordentliche Zusammengehörigkeit von ZARA und ZOË das Hauptthema dieses Thrillers.
Typischer Schwedenthriller
Unbarmherzig von Inge Löhnig
Schwedische Thriller sind aktuell „eigen“. Stefan Ahnhem folgt der Tradition seiner skandinavischen Autorenkollegen und wählt als einen seiner Aufhänger - zwar nicht das zentrale Thema - den neonationalistischen Rechtsradikalismus und die Pädophilie. In Schonen, Schauplatz des Thrillers, der südlichsten Provinz Schwedens ist für „Schwedendemokraten“ (SD) das Sammelbecken von Rechtradikalen und Neonazis.
Die SD hat in Schonen gesamtschwedisch den höchsten Stimmenanteil an dritter Stelle aller Parteien. In plakativer Überzeichnung stellt Ahnhem die Gesinnung der schwedischen Neonazis dar, fehlt nur noch das eine Argument der Fremdenfeindlichkeit, dass demnächst die Scharia über Schweden (und dann natürlich über ganz Europa) hereinbricht.
Davon, dass „10 Stunden tot“ der 4. Band in der „Fabian-Risk-Reihe” ist (und mir die ersten 3 Bände unbekannt sind) habe ich diesen Band „unbeeinflusst“ gelesen. Der 4. Band der „Fabian-Risk-Reihe” deutet direkt auf den Hauptprotagonisten Fabian Risk (Polizei Göteborg) hin, dessen dienstlichen und außerdienstlichen Ermittlungen, welche bei weitem spannender sind, hin. Diese Ermittlungen zum Tod von Inga Dahlberg (zweifelsfrei ist Molander der Mörder) und von Einar Stenson (Schwiegervater von Molander) gegen seinen Kollegen Molander bilden den roten Faden des Thrillers. Es obliegt dem einzelnen Leser zu bemängeln, dass diese Mordfälle unaufgeklärt bleiben und zu vermuten, die Fortschreibung der Ermittlungen im Band 5 sei eine Marketingmaßnahme.
Molander ist ein ebenso technisch versierter und brillanter Tatortermittler wie ein gefährlicher, gewalttätiger und skrupelloser Gegner für Risk. Dieser ist ihm hartnäckig auf der Spur, hoffentlich ist er clever genug, Molander zur Strecke zu bringen. Fabians Familie mit Sonja und den Kindern Matilda und Theodor ist familiären Spannungen und Zerreißproben ausgesetzt: Matilda, die traumatisierte Tochter „spielt“ mit Freundin Esmeralda OUIJA (Brett mit Alphabet und Ziffern, um mit Geistern Kontakt aufzunehmen) und ruft Geist GRETA an. Theodor ist Neonazimitläufer.
Der Buchtitel „10 Stunden tot“ bezieht sich auf die 10 Stunden, die Gertrud in Paris „abgehen“, die Zeit, die Molander für sein Alibi bräuchte.
Ikosaeder, ein Polyeder mit 20 gleichseitigen Dreiecken, ist das totbringende „Lieblingsspielzeug“ des Würfelmörders. Ein Psychopath, der ebenfalls im nächsten Band auf seine „Erlösung“ wartet. „MOTIV X“, der schwedische Originaltitel bezieht sich auf die nicht abgebildete 10 auf dem Ikosaeder, an dessen Stelle ist dort ein X abgebildet.
Es ist Sache des Lesers wegen dieser zwei ungelösten Stränge „Gram“ auf Ahnhem zu haben, weil man gezwungen sein könnte den 5. Band zu kaufen. Mich hat das Lesen und die vielen Stränge herausgefordert, einige Fälle wurden gelöst, die besagten zwei nicht. Ahnhem gibt es selbst zu, dass er manchmal die vielen Stränge entwirren musste. Ich fühle mich weder „bedrängt“, noch „gezwungen“ den 5. Band zu kaufen. Ich gestehe dem Autor zu, den Plot in seinem Sinne zu gestalten und maße mir nicht an, die Darstellung der Ermittlungsmethoden der schwedischen Polizei zu kritisieren oder schlauer zu sein als diese. Das nenne ich literarische Freiheit des Autors. Der Plot ist „vielgleisig“ wie auf dem Cover dargestellt, einige Gleise führen ans Ziel, bei den anderen muss man weiterfahren. Der Schreibstil ist in Ordnung, gut zu lesen, spannend, der Schluss überraschend versöhnlich was Familie Risk betrifft.
Kompliment an Lilja, sie fackelt die Neonazischeune ab und rächt sich damit für den Überfall.
Die Fangemeinde von Stefan Ahnhem wird jubeln und gespannt auf Band 5 der „Fabian-Risk-Reihe” warten.
Psychothriller der Sonderklasse
Negatio von Julia Furba
„Negatio“ von Julia Fürbaß ist ein Psychothriller der Sonderklasse. Für anspruchsvolle Leser, die sich gerne auf einen besondern Plot ein- und überraschen lassen. Die herkömmliche und allbekannte Struktur eines Thrillers/Krimis wird „über Bord geworfen“ und auf über 650 Seiten wird der Leser immer wieder auf die Probe gestellt und seine Phantasie angeregt, „was kommt als Nächstes?“.
Unverkennbar das österreichische Idiom, eindeutig der Autorin – wie könnte es anders sein – und ihrer Lektorin geschuldet. Während weniger Romantage wird dem Leser ein Alptraum nach dem anderen geliefert, mit einem 5 Jahresrückblick, bei dem die handelnden Personen schemenhaft erscheinen ahnt man die Zusammenhänge zwischen Kim und ihrem Bruder Sebastian. Sebastian, eine gespaltene von Alpträumen verfolgte Persönlichkeit wird in „Negatio“ eine Menge zugemutet, an denen er schlussendlich zerbricht. Sind auch manche Personen nicht im Detail gezeichnet, so spielen alle ihre Rolle und ergeben ein (nicht immer) schlüssiges Bild.
Hohe Anerkennung für das Erstlingswerk der jungen Autorin Julia Fürbaß in Erwartung ihrer nächsten Romane.
Für literarische Feinschmecker
Rückwärtswalzer von Vea Kaiser
Vea Kaiser bleibt ihrem außergewöhnlichen Schreibstil und dem Gesellschaftsroman treu. Und das ist gut so. Erfolg verpflichtet.
Über 60 Jahre Familiengeschichte der Familie Prischinger, mit wienerischem Flair, balkanischen Einschlag und montenegrinischer Exkursion.
Lorenz, arbeitsloser Schauspieler und pleite, aber von sich sehr überzeugt muss sich der harten Realität stellen.
Und das Ende seiner Fernbeziehung mit Stephi bringt ihn am Ende des Romans zu einer wahren Erkenntnis. Seine 3 Tanten Hedi, Wetti und Mirl durchleben mit Ehemann und Lebensgefährten ein Leben voll mit alltäglichen Glücksmomenten und Katastrophen. Willi, eigentlich Koviljo aus Montenegro, Lebenspartner von Hedi ist der weise Ratgeber, mit schwachem Herz, aber er will unbedingt in Montenegro begraben werden. Die Altphilologin Vea Kaiser gibt ihrem Roman die altgriechische Lehre bei, dass die Seele eines Toten erst dann ruht, wenn die Verwandten seinen letzten Willen - was die Bestattung betrifft - erfüllt haben. Weil sich die drei Schwestern dieses zu Herzen genommen haben, Willi in Montenegro zu bestatten wird die Fahrt über 1000 km mit Lorenz als Chauffeur gestartet. Auf dieser Fahrt kann und wird vieles passieren.
Der Schreibstil von Vea Kaiser ist ein Lesegenuss. Sie verfügt mit ihren 30 Jahren über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz was zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation betrifft. Dialoge werden pointiert kommentiert, witzig und humorvoll. Skurrile Situationen auf der Fahrt sind reine Slapstick.
Algarve ich komme
Lost in Fuseta von Gil Ribeiro
LOST IN FUSETA von Gil Ribeiro kommt mir zufällig in die Hände. Ein Portugal-Krimi, der an der Algarve spielt.
Auf den ersten Blick wollte man einen englischen Titel vermuten, übersetzt „Verloren in Fuseta“ vermuten, aber Lost ist Leander, ein Austauschpolizist aus Hamburg.
Schnell wird klar, dass Leander anders ist als die anderen, aber mit einer besonderen Gabe: Außergewöhnliche unbestechliche Kombinationsfähigkeit.
Was zu kurz kommt ist seine emotionale Empfindsamkeit.
Eine Krimihandlung gibt es auch, mit Lokalkolorit und einem brennenden Thema: Wasser.
Einzig Soraia kann sich in Leander hineinversetzen, hat sein Asperger-Syndrom erkannt, versteht ihn und fühlt sich zu ihm hingezogen. Leider hat der emotionsleere Leander „keine Schmetterlinge im Bauch“ und er verpasst nichtwissend die Liebe seines Lebens.
Präzise Zeichnung der Person Leander Lost. Macht Lust auf die Algarve mit seinem Hinterland.








