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Rezensionen von yellowdog:
Komplexes Fantasyepos
Der Mond des Vergessens von Brian Lee Durfee
Der Mond des Vergessens ist ein umfangreicher und komplexer Fantasy-Roman mit mittelalterlich wirkenden Setting voller Schwertkämpfer und Meuchelmörder, aber auch Königinnen und Könige. Das eindrucksvolle Cover, erschaffen von dem italienischen Illustrator Federico Musetti ist überwältigend!
Der Großteil der Handlung ist im Jahr 999 Laijon in Gul Kana angesiedelt.
Es gibt wechselnde Erzählstränge.
Die im Mittelpunkt stehende Figur ist Nail, ein junger Mann, Waise und eine unerfahrene Person, der von seinem Meister, dem geheimnisvollen Schwertkämpfer Shawcroft wie ein Sohn aufgezogen wurde. Nail reflektiert die Ereignisse, denen er ausgeliefert wurde. Eine ideale Hauptfigur, da somit die Emotionen nahtlos auf den Leser überfließen.
Auch der machtvoll kämpfende Shawcroft funktioniert gut als Figur. Er hält vieles vor Nail geheim. Aber auch vor den Lesern, vielleicht zu viel. Oft fehlt der Durchblick und man muss sich mit Andeutungen begnügen, die man so schnell nicht auflösen kann. Verwirrung bleibt genug, gleichzeitig ist das Geheimnisvolle auch der Reiz des Romans.
Eine weitere zentrale Figur ist die Prinzessin Tala. Außerdem der Ritter Gault, Ava, der Weiße Prinz Aeros, Jondralin und ihr Bruder Jovan. So werden parallel Geschichten erzählt. Die ohne Beteiligung von Nail oder wenigstens Tala kommen mir manchmal langweilig und zu lang vor.
Der amerikanische Autor Brian Lee Durfee legt viel in sein Epos hinein, es gibt aber auch einiges an Leerlauf und so manche Passagen, die trotz starker Atmosphäre nicht vollends zünden.
Ich sehe viele gute Ansätze, aber vor der hohen Komplexität und der Tatsache, dass es offensichtliche Folgebände geben wird, kann man fast nur die Waffen strecken.
Viele emotional packende Passagen und eine teilweise poetische Sprache erlauben dennoch vier von fünf Sternen!
Die Geschichte von Mileva Maric
Frau Einstein von Marie Benedict
Frau Einstein zeigt ein intensives Profil einer begabten Frau, die sich in einer Männerwelt durchsetzen muss. Denn die junge Serbin Mileva Maric studiert Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Zürich Mathematik und Physik. Ein Kommilitone von ihr ist Albert Einstein. Später werden sie heiraten und gemeinsam physikalische Theorien entwickeln.
Der Roman wird konsequent aus der Sicht Milevas erzählt, so werden ihre Empfindungen und ihre Entwicklung sehr deutlich. Dazu gehören auch ihre Selbstzweifel, da sie von Geburt mit einer Gehbehinderung geschlagen ist.
Besonders in den ersten Hundert Seiten ist der Roman ein Lesegenuß, da die Studienzeit des Paars in Zürich, mit vielen Details geschildert, ein gutes Stück Zeitportrait ist. Es gibt auch einige humorvolle Passagen und die Romanze geht langsam, aber unaufhaltsam voran.
Das es für Mileva später im Schatten Einsteins schwer wird, kann man sich denken. Dabei erweist sich Einstein in mehr als einer Hinsicht als Egoist. Schwer erträglich, was Mileva ertragen muss, z.B. die Trennung vom gemeinsamen, unehelichen Kind, dazu die fehlende Würdigung als Wissenschaftlerin in der Öffentlichkeit.
Frau Einstein ist ein Roman mit starker Wirkung aufgrund der starken Titelfigur. Wirklich sehr lesenswert und die Autorin Marie Benedict muss man sich merken.
Gesellschaftsroman im Krimigewand
Kühn hat Ärger von Marie Benedict
Kühn hat Ärger ist ein Roman, der kein konventioneller Krimi ist, aber das Sujet dieses Genre nutzt, einerseits um seine Figuren in diese Szenerie zu stellen und andererseits um Gesellschaftsschichten zu betrachten. Das geht zwar nicht ohne Klischees ab, aber hat auch gute Ansätze. Dazu gehören die Passagen um den 17jähigen Amir Bilal, der in München mit Migrationshintergrund lebt und als asozial gilt.
Durch die Begegnung mit einer sozial eingestellten Familie, den Van Hautens, ändert sich Amir allmählich. Diese Passagen gehören zu den Stärksten des Romans.
Dann geht es bald um den Polizisten Martin Kühn, fast 45 Jahre alt und gerade aus einem Burn Out zurück in sein Kommissariat.
Er hat einige Probleme. Mit Kollegen, seiner Frau Susanne und mit der Gesundheit. In der Summe ist er eine interessante Hauptfigur.
Kühn muss dann in einem Mordfall ermitteln, wobei er auf die adlige Familie Van Hauten trifft, die in Reichtum leben, aber auch eine dunkle Vergangenheit besitzen.
Die Handlung treibt in eine gute Komplexität zu, das hat mir gefallen, wie die ganze Erzählweise.
Es gibt auch einer ersten Roman um Kühn von 2015 mit dem Titel “Kühn hat zu tun”. Den kenne ich noch nicht, habe ihn mir aber bereits bestellt.
Auch ein weiterer Teil ist nicht auszuschließen und grundsätzlich willkommen!
Ballade von Vater und Tochter
Kühn hat Ärger von Marie Benedict
Ein ungewöhnliches Romandebüt voller Härte und eigenwilliger Figuren.
Pollys Vater Nate ist ein Ex-Knackie, gerade aus dem Gefängnis entlassen, aber er wird von Gangstern verfolgt, die auch nach dem Leben seiner Frau und seiner 11jährigen Tochter trachten.
Nate ist kein reuiger Sünder, aber nachdem Pollys Mutter ermordet wird, will er wenigstens seine Tochter retten, selbst wenn er sich dafür opfern muss.
Gemeinsam begeben sie sich auf die Flucht, gehetzt wie einst Bonnie und Clyde, wie auch schon ein dem Roman vorangestelltes Zitat andeutete.
Es kommt zu Auseinandersetzungen und Kämpfen. Manchmal sind mir die beschriebenen Szenen reichlich überzogen vorgekommen. Mit Klischees wird nicht gespart, aber das gehört halt dazu.
Der Roman entwickelt aus seinem Drive und der Härte der Geschichte eine eigene Poetik.
Die Annäherung zwischen Vater und Tochter, die sich eigentlich fremd sind, gibt es nur wenig Raum. Aber doch gehören diese Passagen zu den Stärksten des Buches.
Der Autor hat eine bildreiche Sprache, die an Quentin Tarantino-Filme und actionreiche Serien erinnert. Man überlegt schon beim Lesen, welche Schauspieler diese Rollen spielen können. Aber die Nebenfiguren haben weniger Format und selbst die wichtigen bleiben Randfiguren.
Jordan Harper hat hier ein effektreiches Debüt vorgelegt, das nicht gerade langweilig ist.
Violet and Aiden
Kühn hat Ärger von Marie Benedict
Close to you erzählt die Geschichte von Violet und Aiden. Sie Studenten in Maine, die sich zufällig treffen.
Beide Protagonisten haben es nicht einfach. Aiden hat Probleme mit seiner Familie und ein schnell aufbrausendes Temperament. Violet hat Angstattacken, weil sie lange gestalkt wurde. Sie ist deshalb schließlich von Miami nach Maine gezogen, um dort im College Literatur zu studieren, aber auch um der bedrohlichen Situation zu entgehen.
Die College-Passagen sind ganz interessant. Manche Szenen sind sogar in den Vorlesungen angesiedelt. Witzige Stellen und Dialoge gibt es, als Violet diie abgedrehte Mitstudentin Chloe kennenlernt. Sie werden schnell gute Freundinnen. Für die zurückhaltende Violet ein Segen.
Obwohl Aiden sich anfangs so abweisend und mürrisch verhält, bleibt Violet von ihm fasziniert und mehrfach hilft er ihr sogar. Aber es ist eine schwierige Beziehung. Für den Leser deswegen umso spannender.
Bemerkenswert, wie einfühlsam und behutsam die Autorin mit ihrern zerbrechlichen Figuren umgeht.
Isabell May verzichtet daher auch auf explizite Szenen.
Ein Roman, der geeignet ist, darin zu versinken.
Kriegsgefangen in den USA
Kühn hat Ärger von Marie Benedict
Es ist offensichtlich, dass der deutsche Autor Hannes Köhler für seinen Roman “Ein mögliches Leben” intensiv recherchiert hat und dadurch einen Roman zu dem Thema Deutsche Kriegsgefangene in den USA vorlegen kann. Ich habe bisher noch kein Buch mit dem Thema deutsche Kriegsgefangene 1944 gelesen, das in Texas angesiedelt ist.
Es funktioniert gut, das Thema exemplarisch an einer Person abzuhandeln. Franz Schneider war ein ca. 20jähriger Soldat, als er in Kriegsgefangenschaft nach Texas kommt.
Erzählt wird in verschiedenen Zeitabschnitten, die manchmal rasch und überraschend wechseln.
In Camp Hearne lernt Franz Paul kennen, der in Deutschland geboren, aber in den USA aufgewachsen ist und mit dem ihm bald eine tiefe Freundschaft verbindet, und dann Wilma, Pauls Schwester. Gefährlich wird es für Paul und Franz, als es im Camp Auseinandersetzungen zwischen den Gefangenen kommt. Schließlich wird Franz in ein anderes Lager nach Utah verlegt. Hier ändert sich für Paul alles.
Mich irritierte, dass der im Klappentext erwähnte Enkel Martin selbst eigentlich keine besonders wichtige Rolle in der Handlung einnimmt. Da weist der Verlag den Leser in eine falsche Richtung. Doch immerhin begleitet Martin seinen Großvater in der Jetztzeit in die USA zu den Schauplätzen, zuerst dem Camp Hearne. Somit nimmt Martin Teil der Position des Lesers ein, der mehr erfahren möchte über die Vergangenheit. Darüber hinaus dient er als Gesprächspartner für Franz, dem es dadurch gelingt, noch besser seine Erinnerungen zu reflektieren.
Mehr und mehr erfährt man so von Franz und den prägenden Erfahrungen, die er machte.
Das dem Buch vorangestellte Zitat von Ernest Hemingway passt.
“I suppose if a man has something once, always something of it remains.”
Notizen
Süden und Westen von Joan Didion
Joan Didion gilt zu Recht als eine bedeutende US-amerikanische Autorin, da ihre Reportagen wirklich ein Stück Amerika zeigen. Dazu gehören diese Notizen auch, die aus den siebziger Jahren stammen und bisher unveröffentlicht waren.
Ein (kurzer) Teil sind Kalifornische Notizen). Doch zunächst gibt es Reisenotizen.
Didion beschreibt ihre Reise in den amerikanischen Süden im Jahr 1970. Ihre Route führt sie durch Louisiana, Mississippi, Alabama. Als Frau aus Kalifornien erlebt sie den Süden als konservativ, eigenwillig und ihr fremd. Das besondere an diesen Notizen ist, dass Joan Didion genau beobachtet. Sie sieht auch das nicht offensichtliche und aus ihren Gesprächen mit den Menschen der Umgebung kann man viel schließen. Erwähnenswert ist, dass sie nicht direkt urteilt, außer in ihren lakonischen Bemerkungen natürlich. Die Lakonie kennzeichnet ihren Stil und übt auch heute noch einen Lese-Reiz aus.
Nicht unerwähnt bleiben soll das interessante und erhellende Nachwort.
konnte mich nicht begeistern
The Bartender von Piper Rayne
The Bartender vom Autoren-Duo Piper Rayne ist ein Liebesroman, der sehr auf das körperlich setzt. Gefühlsmäßig bleibt es sehr auf der Oberfläche.
Der Roman ist offenbar der Beginn einer Reihe von Romanen um die drei Freundinnen Whitney, Thalia und Lennon in San Francisco. Dieser Schauplatz war der Hauptgrund, warum ich den Roman lesen wollte, obwohl ich eigentlich nicht zur Zielgruppe gehöre.
Leider machen die Autorinnen zu wenig aus der Lokation, die Handlung könnte im Prinzip überall ablaufen. Schade, da wurde eine Chance verschenkt. Zum Vergleich: Samantha Young hat mit ihrem Edinburgh Love Stories den Schauplatz einen höheren Stellenwert eingeräumt.
Eigentlich lässt sich Piper Rayne mehr mit Autoren wie Samantha Beck vergleichen.
Whitney ist die Icherzählerin. Sie ist erst vor kurzen in die Stadt zurückgekehrt und lässt sich mit dem angeblichen Barmann Cole ein. Klar, dass es zwischen den beiden sofort zündet. Eigentlich wollte ich die explizit beschriebenen Szenen zwischen den beiden überspringen. Das kürzt den ohnehin nicht langen Roman doch glatt um ein Drittel.
Der Roman konnte mich nicht begeistern. Die Dialoge wirken aufgesetzt, immer auch ein wenig zu laut. Es mangelt an Zwischentönen, die gerade in Liebesromanen so wichtig sind. Die Handlung ist hauchdünn und oberflächlich, die Figuren oberflächlich und der Ton zwischen ihnen banal.
Für mich war das Buch ein Flop!
Generationsübergreifende Familiengeschichte
Die Vergessenen von Ellen Sandberg
Was die Krimiautorin mit „Die Vergessenen“ vorgelegt hat, ist eine aufregende und bemerkenswerte Familiengeschichte, die generationsübergreifend und mit Krimielementen angelegt ist. Dabei geht die Handlung bis ins Jahr 1944 zurück und beleuchtet ein beschämendes Stück deutsche Geschichte, bei der die Leidtragenden Kinder und Hilflose waren.
Das Buch versammelt Schicksale von Menschen, die alle durch die Ereignisse der Jahrzehnte zurückliegenden Vergangenheit geprägt und auch belastet sind.
Es gibt den Plot um 1944 mit der Krankenschwester Kathrin, die in einem Pflegeheim arbeitet. In der Gegenwart sind es zwei Protagonisten, der verdeckt arbeitende Detektiv Manoli und die Journalistin Vera. Beide recherchieren und ihre Anliegen sind eng miteinander verbunden. Durch die Verknüpfung der verschiedenen Handlungsstränge erhält der Plot eine dichte Konsistenz, die wirklich bemerkenswert ist.
Die Autorin nutzt die Vorteile einer routinierten Schreibweise ohne dabei auf Emotionalität und Sensibilität zu verzichten. Diese Schreibweise ist mir sehr willkommen, so werden die Figuren in einer angemessenen Tiefe charakterisiert.
Als Leser werden mir die Figuren wichtig, die alle nicht perfekt sind und die unter der Situation leiden.
Man merkt auch, wie wichtig der Autorin der Stoff war.
Das Resultat ist ein sehr lesenswerter, emotional packender Roman voller innerer Spannung.
Vor dem Abschied
Die Vergessenen von Ellen Sandberg
Dieser Roman beschäftigt sich auf sehr konzentrierte und dichte Art mit einem Thema, dass vielen jungen Menschen begegnen kann. Der Trennung aufgrund Auszug aus der Heimat. Das bedeutet Abschied von Eltern, Freunden und dem Altbekannten, und möglicherweise von der Liebe. Clare und Aidan sind seit Jahren ein Liebespaar, jetzt werden sie 3000 Kilometer entfernt voneinander studieren.
Das ist das vermutliche Aus für die Beziehung. Niemand junges übersteht eine Fernbeziehung in diesem Ausmaß.
Doch noch sind Clare und Aidan nicht bereit für die Trennung.
Die Handlung erstreckt sich hauptsächlich auf den letzten Tag und die letzte Nacht.
Jennifer E. Smith besitzt einen guten Schreibstil, durch die Figuren wird es aber auch manchmal anstrengend. Insbesondere Clare besteht darauf, ihre Beziehung intensiv zu analysieren. Das soll helfen, die Entscheidung zu treffen, ob die Trennung wirklich das Richtige ist. Dieser Prozess ist teilweise eine Qual für die beiden.
Zum Problem der möglichen Trennung kommen auch noch Familienprobleme, Aidan und sein Vater haben Streit, und Schwierigkeiten mit den Freunden.
Der Originaltitel Hello, Goodbye And Everything In Between gefällt mir besser als der deutsche, der zu oberflächlich für diesen ernsthaften Roman klingt.
Insgesamt ein guter Roman über Liebe im Fokus der Trennung, der aber nicht über die Leichtheit vergleichbarer Liebesromane für Young Adults besitzt und daher wohl nicht jedem Leser gefallen wird.
Ich schätze an dem Buch, wie ernsthaft und auch realistisch dieser (unvermeintliche?) Abschied beschrieben wird.







