Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Düster
Das Gesetz der Natur von Solomonica de Winter
Der Jäger, der Lehrer, die Mutantin. Geächtete, Geflüchtete. Leben in der Wildnis Neuamerikas, autark, konfliktreich, gefährlich. In der patriarchischen Gesellschaft, in der die übrig gebliebenen Menschen leben, gibt es Gesetze. Die verlangen, dass die Mutantin getötet wird. Aber sie ist schwanger … und sie kann lesen.
Wem kann sie damit nützen?
Solomonica de Winter hat eine eigenartige Welt beschrieben. Wenn die Menschheit sich fast selbst ausgelöscht hat, beginnt der ewige Kreislauf einer neuen Entwicklung.
Fantasievoll, detailreich, aber sich ständig wiederholend sind die Beschreibungen, die Beobachtungen, der Verlauf. Ein langer, langatmiger Kampf ums Überleben, voll mit düsteren Visionen. Eine lange Predigt. Niederdrückend.
Oh, du fröhliche …
Ein Alman feiert selten allein von Aylin Atmaca
Elif kommt aus einem Kulturkreis, in dem Weihnachten nicht gefeiert wird. Bei ihrem Freund aber gibt es exakte Rituale dazu. Die militärisch durchgestaltete Organisation beginnt im September. Oder früher. Es ist eben sehr … speziell.
Es gibt Listen, Whats-App-Gruppen und einige mehr in ihren Augen spießbürgerliche Rituale.
Findet sie spannend. Sie hat Weihnachten bislang immer recht unbedarft gefeiert! Es ist aufschlussreich, wie sie ihre Sicht auf die Festtage schildert. Sie kommt aus dem Staunen nicht heraus. Humoristisch-bissig-genervt kommentiert sie ihre Erlebnisse. Vorurteile hört man: „Almans freuen sich nicht nur über fades Essen, sondern auch über fade Deko.“ Mir unverständlich, warum sie sich über Vorurteile aufregt, hat sie doch selber genug. Gegenüber Deutschen allgemein, gegenüber älteren Menschen, die gern kochen, gegen Papierrecycling, … . Aber mit gegenseitigen guten Willen wird das schon, oder?
Schade, dass sie auf den Genderzug aufspringt. Das hemmt den Lesefluß. Aber interessant ist es schon, ein großes Familienfest mit Elifs Augen zu betrachten. Hebt sich von allgemeinen seichten Stories wohltuend ab.
Berg und Tal
Kochen am offenen Herzen von Max Strohe
Max Strohe schildert anschaulich und gut vorstellbar seinen Werdegang zum Koch. Ehrlich beschreibt er seinen Start ins Berufsleben, mehr so eine Notlösung als wirkliche Berufung. Verständlich, ohne hochtrabendes Küchenlatein, erklärt der Autor den Betrieb in einer Gaststättenküche. Sachlich und interessant.
Für die folgenden Kapitel kann man Herrn Strohe einen Mangel an Fantasie wahrlich nicht vorwerfen. Es wird sehr privat, auf das Meiste hätte man gern verzichtet. Warum dieses extreme Kontrastprogramm? Das Buch wird dadurch keinesfalls besser, im Gegenteil. Gewollt gehobene Sprache und Gang-Slang darf der genervte Leser zur Kenntnis nehmen. Unzuverlässigkeit als typische Charaktereigenschaft, Drogen- und Sexexzesse auch.
Ein weiterer Lebensabschnitt schildert die Arbeit in gehobener Gastronomie. Die Arbeit ist eine echte Zumutung. Die „Ausbildung“ Tyrannei. Ein Auf und Ab, Erfolge, Scheitern …
Strohe erklärt, das er tatsächliche und fiktionale Ereignisse mischt. Was ist echt, was nicht? Sollte alles wahr sein, ist Strohe ein ausgesprochen unsympathischer Zeitgenosse mit verquerem Frauenbild, vom übermäßigen Drogenkonsum ganz zu schweigen. Verfolgt man seinen weiteren Lebenslauf, ist man sehr erstaunt, was er doch zustande bringt.
Habe ich mit gemischten Gefühlen gelesen.
Was ist denn da los?
Schau durchs Fenster! von Katerina Gorelik
Diese großformatige Kinderbuch weckt Neugier auf den ersten Blick. Was macht der Wolf hinter dem Fenster? Frisst er gerade Jemanden? Kennt man ja aus verschiedenen Märchen. Was wohl die nette Oma macht? Oh nein, es brennt! Immer ist die Auflösung überraschend. Man spekuliert, rät und erfährt Interessantes beim Blick hinter die Kulissen.
Fenster gucken und raten - könnte man auch schön bei Spaziergängen durchs Städtchen machen, was für eine tolle Idee.
Die Zeichnungen sind liebevoll gestaltet, gut erkennbar, abwechslungsreich.
Lustig, gruselig, ekelig, leider mitunter auch ein wenig Angst einflößend; nicht vorhersehbar sind die Situationen auf der jeweils hinteren Seite - ein Buch, welches meist Spaß macht und Unerwartetes preis gibt.
Text und Illustrationen dieses Buch, welches uns bis auf die etwas matten Farben gut gefällt, sind von Katerina Gorelik, herausgegeben hat es der Insel Verlag.
Für Kinder ab 3 Jahren( wirklich?), 16 Euro, 60 Seiten im stabilen Pappeinband.
Packend
Wer mit den Toten spricht von A. K. Turner
Die sehr sympathische und clevere Gerichtsmedizinerin Cassie Raven pflegt einen ausgesprochen aufmerksamen und respektvollen Umgang mit den ihr anvertrauten Toten. Ihr Insiderwissen teilt sie mit den Lesern. Das ist spannend und faszinierend. Leider sind Vorgesetzte und Kollegen nicht so von der flippigen und unkonventionellen Sektionsassistentin angetan.
Dazu kommen persönliche Probleme: ihr Vater wurde für den Mord an ihrer Mutter verurteilt. Zu recht? Cassies Gefühle sind verständlich, ihre Verluste machen betroffen. Wieder ermittelt die patente Goth hartnäckig und erkämpft sich Unterstützung durch die bislang überaus korrekte Gesetzeshüterin DS Phyllida Flyte. Das bleibt nicht so. Die beiden ergänzen sich als geniales Duo!
A. K. Turner hat wieder einen aufschlussreichen und spannenden Krimi verfasst. Die Figuren sind gut vorstellbar, der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen.
Trotz einiger Ungereimtheiten und manchmal ein bisschen konstruiert wirkender Geschehnisse ein toller Thriller aus dem Droemer Knaur Verlag.
Thriller knallhart
Die Blutliste von Rainer Löffler
Ein Täter auf Rachefeldzug tötet nicht nur genauestens geplant und detailliert inszeniert, sondern extrem brutal in Anlehnung an mittelalterliche Foltermethoden. Unvorstellbar, was ein Mensch anderen Menschen antun kann. Verdiente Strafe?
Rainer Löffler hat einen packenden Thriller um seinen aus mehreren Vorgängerbänden bekannten Fallanalytiker Abel verfasst.
Problembeladen, aber immerhin von kompetenten Kollegen unterstützt, untersucht Abel die mysteriösen Mordfälle.
Kölnkolorit, interessantes Hintergrundwissen und schlagfertige Dialoge runden dieses Leseeerlebnis perfekt ab.
Sehr zu empfehlender, spannender, horrorartiger, aber absolut nicht für schwache Nerven geeigneter Pageturner aus dem Lübbe Verlag.
Zauberhaft
SAMi - dein Lesebär - Wie pflanze ich ein Einhorn? von Rachel Morrisroe
Was ist das denn? Ein süßes kleines Mädchen, Sally, will Oma zum 88. Geburtstag eine Freude machen. Ab in den Blumenladen und dort … wird es verrückt. Dort gibt es ausgesprochen eigenartige Pflanzen! Laufböhnchen, boxende Füchslinge, tropfende Butterblumen oder bissige Tigerpflanzen und mehr kann man bewundern.
Noch besser sind die Samentütchen: Einhornsamen! Gedeiht nicht bei Jedem, also streut Sally 24 aus. Ratet, was passiert?
Eine sehr, sehr fantasievolle Geschichte, die Lesebär Sami oder Jemand Anderes vorlesen kann. Mit Sami klingt es natürlich besser, auch das Sami-Lied am Buchende ist wieder schön.
Die Bilder von Steven Lenton sind quietschebunt, detailreich, originell und bieten viele Sprechanlässe.
Ein leicht verrücktes Kinderbuch mit lieber Oma, nettem Mädchen und cleverer Idee. Und natürlich mit Einhörnern!
Selbständiges Lesen mit Sami
Ravensburger 00096 - SAMi, dein Lesebär, Starter-Set - Der größte Schatz der Welt, für Kinder ab 3 Jahren von Schütze Andrea
Die Einrichtung ist gut erklärt und schnell erledigt. WLAN ist dafür nötig, geladen wird über ein Ladekabel. Viel praktischer, als ständig Batterien wechseln zu müssen.
Der Lesebär Sami erkennt die Bücher, wird an den Buchrand geklemmt und beginnt mit dem Vorlesen. Sami weiß, auf welche Seite das Kind blättert und liest den entsprechenden Text vor.
Gern kann eine Seite mehrmals gelesen werden, wie oft, entscheidet das Kind. An den Bärenöhrchen wird die Lautstärke geregelt. Der Bär selbst ist robust, übersteht auch etwas derbere Behandlung gut.
Die Sprecherstimme ist angenehm, die Tonqualität gut. Belebt werden die Geschichten durch angepasste Hintergrundgeräusche.
Das Tempo können die Zuhörer selbst bestimmen, rasante Actionszenen oder schnelle Schnitte sind glücklicherweise nicht vorhanden. Die Lieder am Ende des Buches gefallen den Jüngsten, aber auch den Eltern.
Im Starterset ist auch das Buch „Der größte Schatz der Welt“ enthalten. Eine liebenswerte Geschichte um den Affenjungen Mono ist in einem stabilen Pappbilderbuch zu lesen. Mono möchte seine Mama überraschen, ihr den größten Schatz der Welt bringen. Als er keinen findet, sollen andere Tiere helfen, doch die haben ihren eigenen Schatz, z.B. können sie ihre Farbe ändern, Stimmen imitieren, prächtige Netze weben oder haben einen Leuchtpopo. Traurig kehrt Mono zurück zur Mama. Die beweist ihm aber, dass er ihr gerade ihren größten Schatz gebracht hat.
Toll gemacht, detailreich bebildert und der Text birgt eine wertvolle Erkenntnis.
Die Zwanziger in Baden-Baden
Fräulein vom Amt – Die Nachricht des Mörders von Charlotte Blum
1922, Alma, Fräulein vom Amt, hört unfreiwillig, wie ein Unbekannter den Mord an einer jungen Frau bestätigt. Als dann wirklich eine Leiche gefunden wird, informiert sie die Polizei. Dort nimmt Niemand sie ernst. Sie beschließt, selbst zu ermitteln.
Charlotte Blum legt ihre Alma sehr sympathisch an: mutig, modern, schlagfertig.
Gut vorstellbar ist auch ihre lebenslustige Freundin Emmi beschrieben. Interessante historische Hintergründe bezüglich gerichtsmedizinischer Untersuchungen geben einen Einblick in den Stand der Wissenschaft in den 20ern. Auch Wettbüros, illegale Casinos, Stadtgeschichte und moderne Automobile spielen in der feinen und weniger feinen Badener Gesellschaft eine Rolle. Auch wenn technische Details ein wenig ermüdend zur Kenntnis gegeben werden.
Alma erweist sich als kriminalistisches Talent. Einige ihrer Aktionen erscheinen überzogen, aber insgesamt ist hier ein Krimi bzw. eine Liebesgeschichte erschienen, der sich überwiegend gut wegliest.
Pageturner
Blutige Stufen von Chris Carter
Detective Robert Hunter von der Ultra Violent Crimes Unit des LAPD und Detective Carlos Garcia, Hunters Partner in der UV-Einheit, werden zu einer besonders brutal ermordeten jungen Frau gerufen. Die Spannung wird durch Andeutungen gesteigert, langsam und raffiniert. Hunter und García werden zu weiteren, immer brutaleren Morden gerufen.
Nicht nur die Opfer, auch die Hinterbliebenen werden sadistisch gequält.
Chris Cartier hat von Morden geschrieben, deren Grausamkeiten sogar bei hartgesottenen Ermittlern Übelkeit erregen, beim Leser sowieso. Jedes Verbrechen ist sorgfältig geplant, besteht aus mehreren Stufen. Das ist neu und überraschend. Genauso überraschend ist der Weg zur Aufklärung. Hunters psychologische Kenntnisse spielen dabei eine wichtige Rolle.
Ein genial konstruierter Thriller, der wieder einmal meisterhaft Spannung, Horror und Grusel erzeugt.
Pageturner aus dem Ullstein Verlag.











