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Rezensionen von cosmea:

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Keiner ist ohne Schuld

Die Villa von Jess Ryder

In Jess Ryders Roman “Die Villa“ feiern die vier Freundinnen Tiff, Beth, Dani und Celine den Junggesellinnenabschied von Aoife in einer etwas abseits gelegenen Villa in Marbella. Es gibt Spannungen unter den Frauen, es wird viel Alkohol konsumiert, und am Ende liegt die Braut blutüberströmt tot am Boden.

Dani hatte in der Nacht einen Blackout und will endlich herausfinden, was damals wirklich geschah, damit sie damit abschließen und ihre psychischen Probleme lösen kann. Deshalb überredet sie die drei anderen, noch einmal für ein Wochenende nach Marbella zu einer Art Gedenkfeier für Aoife zu reisen, ohne ihnen zu verraten, was sie wirklich vorhat, schon gar nicht, dass sie die Villa Floriana gemietet hat, in der das Verbrechen geschah. Sie stößt auf sehr viel Widerstand, nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei den Vermietern. Alle sind der Auffassung, dass sie die Vergangenheit ruhen lassen soll. Es wird schnell deutlich, dass hier keiner die Wahrheit sagt, dass alle irgendetwas zu verbergen haben oder sogar irgendwie schuldig geworden sind. Dani ist allerdings die einzige, die diese Erinnerungslücke hat, deren Grund sie im Zuge ihrer Nachforschungen herausfindet. Am Ende wissen Dani und die Leser, was wirklich geschah und warum.
Erzählt wird aus wechselnder Perspektive aller Figuren, vor allem aus Danis, wobei Tiff, Beth und Celine als Ich-Erzählerinnen auftreten. Ständig wechselt die Zeitebene zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Das geschieht gut verständlich, aber leider nicht ohne Längen. Ich habe den auch sprachlich gelungenen Roman gern gelesen, fand ihn interessant, aber nicht übermäßig spannend, dennoch durchaus empfehlenswert.

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Keiner ist ohne Schuld
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Eine Kleinstadt in schwierigen Zeiten

Ginsterburg von Arno Frank

In seinem neuen Roman “Ginsterburg“ beschreibt Arno Frank, wie es den Bewohnern der fiktiven Kleinstadt Ginsterburg irgendwo in der Mitte Deutschlands in den Jahren 1935 – 1940 – 1945 erging. Die Bewohner sind zum Teil begeisterte Anhänger des Nationalsozialismus, zum Teil Gegner oder in der Mehrzahl Mitläufer, die sich möglichst unauffällig verhalten, um sich nicht in Schwierigkeiten zu bringen.

Da ist die verwitwete Merle, die ihren Sohn Lothar allein aufzieht und nicht begeistert ist, als er der Hitlerjugend beitritt, weil er unbedingt Flieger werden will. Sie ist Buchhändlerin und muss mit ansehen, wie das Angebot an Büchern schrumpft und linientreu wird. Der Blumenhändler Otto Gürckel steigt in der Partei zum Kreisleiter auf und macht guten Umsatz genauso wie Clemens Jungheinrich, der Besitzer der Papierfabrik. Eine wichtige Rolle spielt auch Eugen von Wieland, der Feuilletonist der Lokalzeitung, mit seiner Frau Ursel und seiner Tochter Gesine. Daneben gibt es noch zahlreiche andere, in deren Leben der Leser Einblick bekommt.
Der umfangreiche Roman zeichnet den Kriegsverlauf nach. Sah es zuerst noch aus, als sei der Endsieg garantiert, wendet sich das Blatt, und die Niederlage wird bald unvermeidbar. Im Zuge dieser Entwicklung rückt die Bedrohung auch Ginsterburg immer näher, wird zu umfangreicher Zerstörung und zahlreichen Todesopfern führen. Wie überstehen Freundschaft, Liebe und familiäre Beziehungen diese Zeiten? Wieviel Loyalität kann es noch geben, wenn jeder um das physische und gesellschaftliche Überleben kämpft?
Mir hat der Roman mit Einschränkungen gefallen. Wegen der Personenvielfalt und der unendlich vielen Episoden, aber auch durch die Einschübe rund um den Absturz des englischen Bomberpiloten Alfie wird der Roman ziemlich unübersichtlich und liest sich alles andere als mühelos. Da braucht man Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen.

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Familienbeziehungen können sehr kompliziert sein

Allein gegen die Lüge von Alex Finlay

Alex Finlays Roman beginnt mit einem Knalleffekt. Die Familie des Studenten Matt Pine kommt bei einem Kurztrip nach Mexiko ums Leben: seine Eltern Evan und Olivia und die beiden jüngeren Geschwister Maggie und Tommy. Das ist schon die zweite Katastrophe, die seine Familie trifft. Sieben Jahre zuvor wurde sein älterer Bruder Danny wegen Mordes an seiner Freundin verhaftet und verurteilt, obwohl er die Tat wohl nicht begangen hat.

Polizisten setzten ihm so zu, dass er gestand. Vor allem seit der Produktion einer Netflix-Serie, die Dannys Unschuld beweisen sollte, war die Familie in der Kleinstadt Adair in Nebraska nicht mehr wohl gelitten und zog nach Chicago um. Dannys Vater hat nie aufgehört, für seinen Sohn zu kämpfen. Auch auf der plötzlichen Reise nach Mexiko geht er neuen Hinweisen nach. Die FBI-Agentin Sarah Keller traut der örtlichen Polizei nicht, die von einer defekten Gasleitung im Feriendomizil ausgeht und die Akte sofort schließt. Diese Erklärung passt nicht zu den vielen Ungereimtheiten rund um die Auffindung der Leichen. Auch Matt fliegt nach Mexiko, um die Rückführung der Toten zu veranlassen, vor allem aber auch, um Hinweisen nachzugehen und bringt sich dadurch in Lebensgefahr. Seltsam ist dabei, dass die örtlichen Behörden nicht kooperieren und ihm und dem FBI immer wieder Hindernisse in den Weg legen.
In der wendungsreichen Geschichte gibt es wechselnde Perspektiven und zahlreiche Rückblenden in die Vergangenheit, als die junge schwangere Charlotte Rose nach einer Party ums Leben kam. Der Leser verfolgt, welche Belastungen familiäre Beziehungen aushalten müssen, welche Rolle Liebe, Loyalität und Lügen dabei spielen. Matt Pine will am Ende nur noch eins: ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben und seine tiefsitzenden Ängste die Wahrheit ans Licht bringen. Dem Autor ist ein sehr spannender, lesenswerter Thriller gelungen, den ich nur empfehlen kann.

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Manche Dinge sind wichtiger als Geld

To Die For von Lisa Gray

In Lisa Grays “To Die For“ geht es um das Milieu der Immobilienmakler in Los Angeles. Am Malibu Beach Drive soll eine prächtige neue Immobilie für 50 Millionen Dollar verkauft werden. Andi Hart und ihre Kollegen werden informiert und von ihrem Chef beauftragt, einen Käufer für die Immobilie zu finden.

Wer dies schafft, bekommt eine Million Dollar Provision. Durch diesen Auftrag werden die fünf Kollegen der Agentur zu Rivalen, von denen einige schließlich vor nichts mehr zurückschrecken, denn jeder von ihnen benötigt das Geld dringend aus unterschiedlichen Gründen. Sie können einander nicht mehr vertrauen. Am Tag der Offenen Tür haben Branchenkenner und Kaufinteressenten Zugang zum Haus. Ausgerechnet an diesem Tag wird eine männliche Leiche im Pool gefunden. Wir erfahren lange nicht, um wen es sich handelt und wie und warum er umgebracht wurde.
Die spannende Geschichte wird auf wechselnden Zeitebenen aus den fünf unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Dabei wird die Vorgeschichte und die aktuelle Situation der Makler aufgedeckt. Es gibt zahlreiche unerwartete Handlungsumschwünge, und die Auflösung ist nicht zu erraten. Am Schluss ist alles aufgeklärt, und das „Mordhaus“ steht erneut zum Verkauf.
Mich hat der Thriller gefesselt. Ich habe ihn gern und schnell gelesen und empfehle ihn weiter.

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Wenn der Berg sich zu Wort meldet

Kohle, Stahl und Mord: Das 13. Opfer von Martin Conrath

In Conraths neuestem Roman werden in einem Stollen der Zeche Ludwig in Essen nach Erdbewegungen die Knochen von zwölf Bergleuten gefunden, die 34 Jahre zuvor bei einer Explosion ums Leben gekommen waren und nie gefunden worden sind. Die große Überraschung bei dem Fund ist, dass es ein 13. Opfer gibt – mit einem Kopfschuss.

Der Bergmann Werner Flemming, der damals das Unglück überlebte, findet den Schädel und ist retraumatisiert. Kommissarin Elin Akay übernimmt den Fall mit ihrem Kollegen Holger und arbeitet mit ihrer Freundin Jana Fäller, einer forensischen Psychiaterin zusammen. Auch Janas Vater war Bergmann, ist aber inzwischen verstorben. Die Ermittlungen gestalten sich langwierig und schwierig, zumal Oberstaatsanwalt Küppersbusch die Polizisten aus zunächst unerfindlichen Gründen immer wieder ausbremst. Das Opfer wird schon bald identifiziert – Rudolf Mergent, ein gefährlicher Mann, der zahlreiche Kumpel um ihre Ersparnisse betrogen hat. Die Zeugen erinnern sich nach der langen Zeit nicht oder wollen nicht aussagen. Immer wieder gibt es neue Verdächtige, die ein Motiv gehabt haben könnten, sei es Geld oder Liebe.
Mir hat die spannende, wendungsreiche Geschichte sehr gut gefallen. Die Auflösung konnte ich nicht erraten. Neben der gut konstruierten Krimihandlung beeindruckt mich die hervorragende Charakterzeichnung und die gute sprachliche Qualität des Romans, aber auch die kenntnisreiche, gut recherchierte Darstellung des Bergbaus mit seinen immer drohenden Gefahren und den mystischen Elementen der Arbeit unter Tage. Ich habe einiges gelernt, was ich nicht wusste, obwohl ich mein ganzes Leben lang in der Region gelebt habe. Ein sehr empfehlenswerter Roman.

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Geld regiert die Welt

Wir finden Mörder von Richard Osman

Amy Wheeler arbeitet als Personenschützerin bei Maximal Impact Solutions und ist zu Beginn des Romans Bodyguard für die berühmte, sehr reiche Schriftstellerin Rosie d´Antonio, die ins Visier des russischen Chemie-Oligarchen Wassili Karpin geraten ist. Sie leben auf einer kleinen Insel vor der amerikanischen Westküste.

Dann werden innerhalb kurzer Zeit ganz in der Nähe drei Influencer, Kunden von Amys Firma ermordet und Amy versteht, dass sie selbst in größter Gefahr ist. Währenddessen erhält ihr Chef Jeff Nolan bedrohliche Botschaften von einem Unbekannten namens Francois Loubet. Amy und Rosie verlassen die Insel und begeben sich auf eine lange Reise, die sie nach St Lucia, Irland, den New Forst und nach London führt. Amy hat inzwischen ihren Schwiegervater Steve um Hilfe gebeten, einen pensionierten Kommissar, der gelegentlich als Privatdetektiv arbeitet und ansonsten seinen Ruhestand in einem kleinen Ort genießt, vor allem das wöchentliche Pub-Quiz. Steve ermittelt für sie in Dubai, gerät selbst in Lebensgefahr und findet heraus, wer hinter den Auftragsmorden steckt. Es geht um Geldwäsche, wobei riesige Summen von Mittelsmännern um die Welt transportiert werden.
Der Leser hat etwas Mühe, den zahlreichen Handlungselementen und den vielen Spuren zu folgen, vor allem bei der Personenvielfalt den Überblick zu behalten. Die Charakterisierung der wichtigsten Figuren ist gelungen, und es gibt witzige Dialoge und Episoden. Ich finde allerdings den Auftakt dieser neuen Krimireihe von Richard Osman wirr und nicht besonders spannend und längst nicht so gelungen wie die Romane um den Donnerstagsmordclub. Vor allem stört mich die sprachliche Qualität der Übersetzung ganz entschieden: rausspitzen, wepsig, sündteuer, ableugnen, selbe Tasche, Irrsinns-Massel, in der Umgegend, zurzeit, sonst wie erbeuten, Fez haben, eine dermaßene Ehre, auf den Rücken klapsen, usw. usf. Soll das Deutsch sein? Für mich ist das Buch eine Enttäuschung.

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Geschehnisse im Dunkeln

Das Haus der Bücher und Schatten von Kai Meyer

Der neue Roman von Kai Meyer spielt auf zwei Zeitebenen, 1913 und 1933. Die Geschichte beginnt mit dem Jahr 1933. Kommissar Cornelius Frey wurde aus dem Polizeidienst entlassen, weil er nach einem Massaker an fünf Nazis nicht – wie gefordert – Kommunisten als Täter lieferte, sondern korrekt ermittelte.

Inzwischen arbeitet er als Nachtwächter im Graphischen Viertel in Leipzig. Eines Abends verhindert er den Selbstmord eines jungen Mädchens, das sich Undine Malatesta nennt, in Wirklichkeit Emilie Abel heißt. Einen Tag später wird sie zusammen mit Freys früherem Kollegen Zirner erschossen aufgefunden. Frey wird wiedereingestellt, soll aber erneut Kommunisten als Täter dingfest machen. Auf die Wahrheit kommt es nicht an.
Auf der zweiten Handlungsebene reist die junge Lektorin Paula mit ihrem Verlobten Jonathan ins Baltikum, um im Auftrag des Verlegers das neueste Manuskript des berühmten Autors Aschenbrand abzuholen, der sich auf dem Landsitz einer reichen Familie einquartiert hat. Im Haus lebt zu der Zeit nur die Haushälterin Rasa. Es sind gefährliche Zeiten, denn man rechnet mit dem baldigen Angriff der Russen.
Der Roman erzählt vor dem historischen Hintergrund von damaligen Verbrechen gegen die Einheimischen im Baltikum und aktuellen Taten im Zusammenhang mit Judenhass, Okkultismus, Verschwörern aller Art und seltsamen Freimaurerlogen, die u.a. junge Mädchen ausbeuten. Auch die ermordete Amelie war in diesem Milieu tätig. Frey geht verschiedenen Spuren nach, gerät selbst in lebensbedrohliche Situationen und kann den Fall schließlich lösen. Dadurch werden für den Leser auch die personellen Verquickungen der geschilderten 20 Jahre auseinanderliegenden Ereignisse deutlich. Der Roman ist überwiegend spannend und klärt den Leser nicht nur über Geschehnisse im Zusammenhang mit den Baltendeutschen in Livland auf, sondern schafft auch wieder gekonnt mit Hilfe seiner besonderen Sprache eine düstere, teilweise mystische Atmosphäre. Mir hat das Buch insgesamt trotz einiger Längen gut gefallen.

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Der Geschmack von Blut

The Killer Profile von Helen Fields

Midnight Jones ist Datenanalystin bei der Firma Necto Corporation in London. Sie wertet psychometrische Tests aus, mit denen das Verhalten und die Kompetenzen von Bewerbern getestet werden können. Eines Tages stößt sie zum ersten Mal überhaupt auf das Profil K., das Profil eines Serienkillers. Als sie ihre Vorgesetzte darüber informiert, glaubt man ihr nicht und erinnert sie an die Vertraulichkeitsvereinbarung.

Wenn sie mit irgendjemand darüber spricht, verliert sie ihre Existenzgrundlage und die Möglichkeit, sich weiterhin um ihre seit der Geburt psychisch und körperlich behinderte Zwillingschwester Dawn zu kümmern. Ihre Eltern haben die jungen Mädchen vor Jahren sich selbst überlassen und reisen seitdem um die Welt. Dann geschehen in ihrem Viertel innerhalb kurzer Zeit zwei grausame Morde an jungen Frauen und Midnight begreift, dass sie das nächste Opfer sein könnte, weil sie den Täter eventuell identifizieren könnte. Midnight kann sich nun verstecken oder fliehen, entscheidet sich aber dafür, weiter nach dem Mörder zu suchen, um zu verhindern, dass weitere Frauen getötet werden. Irgendwann informiert sie dann doch die Polizei, aber auch hier nimmt man sie nicht ernst, weil sie längst als Verrückte mit Wahnvorstellungen diskreditiert worden ist.
Der Leser verfolgt ihre Suche, bei der sie selbst in Lebensgefahr gerät und sieht die Geschehnisse auch aus der Sicht des Täters. Die Beschreibungen der grausamen Videos, die Teil des Tests waren und nun den Psychopathen zu Nachahmungstaten inspirieren, sowie die Details der beiden Morde sind harte Kost. Mir war das teilweise zu viel des Guten. Überwiegend spannend ist der Thriller jedenfalls.

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Ein Roadtrip mit Selbstfindung

Das perfekte Grau von Salih Jamal

In Salih Jamals Roman “Das perfekte Grau“ nehmen vier sehr unterschiedliche Personen einen schlechtbezahlten Job in einem heruntergekommenen Hotel an der Ostsee an: die etwas ältere, aber sehr attraktive Engländerin Mimi, die junge Novelle mit ihren vielen Tätowierungen, die immer wieder zu viel trinkt, der Afrikaner Rofu, dem man ein Ohr abgeschnitten hat und der Erzähler (D)Ante, ein Dieb.

Alle sind in ihrem Leben aus unterschiedlichen Gründen gescheitert, alle sind auf der Flucht - auf der Suche nach einer neuen Heimat und nach einer Lebensperspektive. Irgendwann verlassen sie das Hotel und machen sich mit einem gestohlenen Boot auf den Weg, danach nehmen sie auch den Zug oder laufen tagelang zu Fuß. Später ist ihr Ziel Salzburg und dann Altötting, der Heimatort von Novelle. Im Laufe der Reise öffnen sie sich gegenüber den anderen und erzählen einander ihre Geschichte. Vor allem Novelle, Rofu und Mimi sind traumatisiert von ihrer Vergangenheit, aber auch während der Reise passieren noch schlimme Dinge. Allmählich entwickeln sich in der Gruppe Freundschaft und Nähe. Sie vertrauen einander und übernehmen Verantwortung für die anderen. Sie erkennen sich selbst, verstehen vor allem, dass man nicht ewig vor den Dämonen in seinem Inneren auf der Flucht sein darf und sehen neue Perspektiven für ihr Leben.
Der Autor behandelt in seinem Roman eine Reihe von Themen, zum Beispiel Missbrauch und Gewalt in Beziehungen, das Schicksal der Flüchtlinge, Homophobie und vor allem die Bedeutung von Empathie in unserem Leben. Wir dürfen nicht egoistisch nur um uns selbst kreisen, sondern müssen Verantwortung übernehmen, uns fürsorglich um andere kümmern. („Mitgefühl wurde zu Fürsorge und Toleranz zu Selbstlosigkeit.“ S. 184). Es geht in diesem Buch jedoch nicht nur um ernste Themen. Auch für Humor und Sprachwitz ist Platz, zum Beispiel in Rofus sprachlichen Missverständnissen, die auf mangelnder Beherrschung der deutschen Sprache beruhen. Gut haben mir auch die vielen tiefsinnigen Gedanken und Lebensweisheiten gefallen. Ein ungewöhnlicher, nicht immer leicht zu lesender, aber dennoch empfehlenswerter Roman.

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Gold Digger Wallis Simpson

Wallis Simpson von Michaela Lindinger

In dem Sachbuch “Wallis Simpson“ erzählt die Historikerin Michaela Lindinger die gut recherchierte Geschichte der Amerikanerin Wallis Simpson und des englischen Königs Edward VIII., der abdanken musste, weil die Royals seine Heirat mit der zweimal geschiedenen Frau mit dem skandalösen Lebenswandel nicht akzeptierten.

Edward wollte ohnehin nie König sein, der Liebe seines Lebens aber ihren größten Wunsch erfüllen: Königliche Hoheit und auch so behandelt zu werden. Die Autorin erzählt von Wallis Simpsons Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen, ihrer Schulzeit, ihren Ehen und ihrem unbedingten Wunsch, sozial aufzusteigen, reich zu werden und im Rampenlicht zu stehen. Beide Figuren sind weder der Autorin noch dem Leser sympathisch. Edward wird als unterdurchschnittlich intelligent, kindisch, ungebildet und nicht gerade durchsetzungsfähig beschrieben. Wallis ist egoistisch und sehr dominant, behandelt ihren Ehemann schlecht und verfolgt nur ihre eigenen Interessen. Wenn einem Menschen nichts wichtiger im Leben ist, als so dünn und so reich wie möglich zu sein, sagt das eine Menge über diese Person aus.
Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, zumal ich zuvor nicht viel über Wallis und Edward wusste. Wichtig sind hier neben dem Text auch die vielen Fotos, die uns in eine andere Zeit versetzen und die geschilderten Ereignisse besser nachvollziehbar machen. Historisch interessierten Lesern sei dieses Sachbuch empfohlen.

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Gold Digger Wallis Simpson