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Rezensionen von TheUjulala:

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Bildgewaltige Erzählung aus der ergreifend nüchternen Realität eines Kindes!

So, und jetzt kommst du von Arno Frank

Zum Cover kann ich nur sagen, absolut passend für die 80er Jahre. Polaroid, der Inbegriff der fotografischen Freiheit mit der fetten Bauhaus-Schrift passen wie die Faust aufs Auge. Kein Schnick-Schnak, keine Schnörkel, plakativ wie die Zeit damals auch war. Ob es geschmacklich meine Vorstellung trifft sei dahingestellt, es trifft auf jeden Fall den Nerv der Zeit.

Ich finde es köstlich hässlich.

In 4 Teilen begleiten wir den Jungen Arno mit seiner Familie auf einer Odysee durch Frankreich und Portugal. In der kindlichen Naivität eines kleinen Jungen erzählt er zunächst von seiner unbeschwerten und verklärten Kindheit, in der in allen Ecken und Winkeln noch die großen Wunder stecken. Er wird von seinem Vater mit Vorstadt-Weisheiten überschüttet, die der arme Junge für bare Münze nimmt. Getrieben von den betrügerischen Machenschaften des Vaters muss die Familie aber plötzlich von einem Ort zum Anderen ziehen, immer auf den Kosten der Kinder. Bis sie zum Schluß wieder da ankommen, wo alles begann. Die anfänglich unerschütterliche Liebe der Eltern bröckelt, genauso wie der Fassade des Felses in der Brandung, der haltgebende Anker für die Kinder. Bis sie sich zum Schluß nur noch verwahrlost und abgestumpft ihrem Schicksal ergeben müssen.

Mit einer bildgewaltigen Kulisse beschreibt Arno Frank in seiner Autofiktion in sehr wortgewandter, pointierter und ironischen Sprache die Geschehnisse in der ergreifenden, sarkastischen Nüchternheit, die aus der Sicht eines Jungen entspringt. Einige Andeutungen bleiben im Raum stehen, da sie aus der Perspektive des Kindes nicht anders wahrgenommen wurden und aus seiner Erzählung heraus nicht erklärt werden können. Ein Junge, der fast bis zum Schluß den Vater auf kindlichen Charme idealisiert. Aus der Angst heraus die Eltern und die Familie zu verlieren, lassen die Kinder die Geschehnisse über sich ergehen und ziehen bedingungslos mit.
Und bis zum Schluß klingt es fast wie eine Hommage an seinen Vater, der niemals die Familie aufgeben wollte. Es gibt keinen Vorwurf, keine Infragestellung, keine Verurteilung.

Einige der Passagen wirken für mich trotz herausragender Erzählung etwas lang und zu viel. Es ist kein ?Roadmovie" mit wilder Verfolgungsjagd, sondern bleibt von der Dramaturgie eher flach. Es ist vielmehr die subtile Erdrückung und Machtlosigkeit durch die bedingungslose Liebe der Kinder, die einem beim Lesen immer wieder das Herz zuschnüren lässt.

Der Epilog hat mich selber dann noch mal sehr ergriffen.

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Bildgewaltige Erzählung aus der ergreifend nüchternen Realität eines Kindes!

Rezensionen von rewa:

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Leben und leben lassen

Im Jahr der Brandzeichen von Vera Forester

Krista , angehende Kamerafrau, ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Ein Sprengstoffattentat, bei dem sie als einzige Deutsche verletzt wird, sorgt für Aufregung. Die anderen Verletzten stammen aus slawischen Ländern, so auch der Russe Maxim, den sie im Spital kennen lernt. Seltsame Fragen der Polizei ob sie Juden, Nazi´s oder Araber kennt verwirren Krista und schon bald gibt es den nächsten Anschlag, dieses Mal auf eine Synagoge.

Als Täter wird der 19 jährige Flüchtling Labib aus Palästina ausgeforscht, der im Zuge des Täter- Opfer- Ausgleichs als Hilfsarbeiter in der jüdischen Gemeinde in einem Seniorenheim arbeiten muss. Dort lernt er Maria kennen, deren Lebensgeschichte auch sein Leben für die Zukunft verändern wird.
Wolff, ein eigen ernannter guter Deutscher aus der rechten Szene versucht immer wieder zu provozieren mit Parolen und Störaktionen, wo er von der Polizei und Presse immer die Aufmerksamkeit bekommt die er sich erhofft hat. Eine überraschende Einladung an ihn und der Hoffnung, dass er als aussteigewilliger Rechtsextremer gemeinsam mit Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen sowie mit Profi Tänzern gemeinsam ein Ballettstück einzustudieren soll, bringt Wolff´s Leben und Weltanschauung gehörig durch einander.
Die Beziehung zwischen Maxim und Krista ist geprägt von Höhen und Tiefen und erst die Rückkehr Maxim´s aus Afghanistan, wo er wirkliches Leid, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung kennen lernt, weiß er, dass er ohne Krista nicht mehr leben möchte.
Vera Forester hat mit ihrem Roman ,, Im Jahr der Brandzeichen´´ eine aufwühlende Geschichte erzählt. Es beginnt alles ganz harmlos und zeigt an Banalitäten, wie schnell sich ein Leben verändern kann. Ein manchmal eigenwilliger Schreibstil lässt eine Intensität verspüren die tief in den Leser eindringt. So werden Szenen, Gedanken oder auch Handlungen immer mehr gesteigert, bis es wieder zu einem Knalleffekt kommt.
Es werden aber auch sehr kritische Gedanken geäußert, die durchaus aktuell sind. Nazi Sympathisanten, die Angst um ihre Arbeit haben, da die Ausländer ihnen diese wegnehmen. Juden, die verfolg, vertrieben und verachtet werden. Politische Machtkämpfe, ohne Rücksicht auf Verluste . Oder Klimakatastrophen, die immer aktueller werden.
Die Autorin geht hart ins Gericht mit Vorurteilen und scheut sich nicht unangenehme Themen offen anzusprechen und aufzuzeigen. Es ist immer wieder ein Teufelskreis der anhand von Flüchtlingen zeigt wie schwer es ist sich zu integrieren, wenn man keine Arbeitserlaubnis bekommt, immer darauf warten ob der Asylantrag, oft erst nach Jahren, genehmigt oder abgelehnt wird. Immer in Angst und Sorge leben. Die Protagonisten leben von ihren Gedanken und Gefühlen und man leidet als Leser mit, wenn man deren Hilflosigkeit und Desillusion spürt.
Man bekommt als Leser auch Einblicke in geschichtliche Ereignisse, die einem erklären, warum gewisse Abneigungen und Hass gegenüber anders Gläubiger heute immer noch aktuell sind.
Das Buch baut eine Brücke zwischen Hass und Vergebung und zeigt, dass verschiedene Menschengruppen durchaus im gegenseitigen Respekt zusammen leben können.

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Leben und leben lassen

Rezensionen von yesterday:

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Ein blaues Buch und ein sehr glücklicher Koch

Gefährliche Empfehlungen von Tom Hillenbrand

Auch wenn Essen in ausreichendem Maß in diesem Krimi Verwendung findet, so ist das zentrale Thema, worum sich Xavier Kieffers Ermittlungen drehen, nicht zum Verzehr geeignet. Der berühmte Restaurant-Guide ?Gabin? trägt offenbar ein jahrzehntealtes Geheimnis mit sich herum, das nun plötzlich wieder aktuell zu sein scheint.

Dieses Buch mit dem kobaltblauen Einband spielte schon vor und im Zweiten Weltkrieg eine größere Rolle als man vermuten könnte und das obwohl es zu Kriegszeiten natürlich nicht erscheinen konnte.
Ausgerechnet auf der großen prunkvollen Eröffnungsfeier eines neuen Gabin-Gebäudes, das Kieffers Freundin Valérie Gabin, herrichten ließ, nehmen die Ereignisse ihren Lauf und der Koch muss nun nicht nur ein Buch sondern auch noch das Geheimnis finden. Dabei trachten ihm scheinbar sehr gewiefte Gegner nach dem Leben. Kieffers Reisen führen quer durch Luxemburg und Frankreich bis sie in einem etwas skurrilen Showdown zwischen ihm, den ?Guten? und den ?Bösen? gipfelt. Wobei Gut und Böse gar nicht so weit auseinanderliegen.
Neben der ?Jagd ums Buch? kommt aber auch der Magen nicht zu kurz und ein paar interessante Einblicke in die Luxemburger Küche sowie Sprache sind sowohl spannend als auch herausfordernd. Praktisch ist da das Glossar am Ende des Buches.
Stichwort Sprache: Unauffällig und gewandt geleitet Hillenbrand den Leser durch die Gassen und Städte. Eine Prise Humor an den richtigen Stellen sowie Dialoge, über die man noch länger schmunzelt, inklusive.
Xavier Kieffer ist für mich eine oft vom Glück geküsste Hauptfigur, die ansonsten um einiges ärmer dran wäre. Nicht nur, dass er immer wieder seine Haut retten kann, ist er doch auch mit der fabelhaften Valérie liiert, die, wie er sich selbst denkt, ja viel interessantere Partner haben könnte. Zudem trinkt er gerne (viel) Wein, Bier und luxemburgischen Schnaps und noch lieber raucht er eine Zigarette nach der anderen. Es stellt sich passenderweise heraus, dass das neben den gesundheitlichen auch noch andere Nachteile hat?

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Ein blaues Buch und ein sehr glücklicher Koch

Rezensionen von Xirxe:

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Nero Wolfe ist zurück

Es klingelte an der Tür von Rex Stout

Nero Wolfe alias William Conrad habe ich früher gern gesehen, diesen wohlbeleibten, orchideenliebenden Gourmet, der immer wieder die New Yorker Mordkommission düpierte, indem er Fälle auf seine unnachahmliche Weise deutlich schneller als diese löste. Nun wurde eines der Bücher dieser Reihe in einer neuen Übersetzung wieder herausgegeben und ich muss sagen, ja, auch das Lesen lohnt sich.

In diesem Fall erhält er von einer sehr vermögenden Klientin den Auftrag, ihre Überwachung durch das FBI zu beenden. Dass sich das FBI von einem Privatdetektiv sicherlich nicht vorschreiben lässt, wen es überwachen darf und wen nicht, ist sowohl Wolfes Klientin klar wie auch ihm selbst. Seine Zweifel, diesen praktisch unlösbaren Auftrag anzunehmen, verschwinden, als ihm ein 100.000 $ Scheck als Vorschuss übergeben wird, den er in jedem Fall nicht zurückzahlen muss und die Aussicht, ein Honorar zu bekommen, dass er selbst festlegen darf, wenn er Erfolg hat. Wolfe nimmt an und beginnt mit der Arbeit in diesem offenbar aussichtlosen Fall ...
Erzählt wird die Geschichte von Archie, dem Assistenten von Nero Wolfe, der für diesen die Aussenaufgaben übernimmt. Denn Wolfe ist bequem, er liebt gutes Essen und Trinken, seine Orchideen und das Lesen, während er sein Zuhause nur in seltenen Fällen verlässt. Ansonsten ist es aber wohl das typische Szenario der Krimis dieser Zeit, der 60er Jahre. Coole Männer, lässig eine Zigarette rauchend und schönen jungen Frauen hinterherblickend, die meist nur als schmückendes Beiwerk, Zeugin oder Klientin dienen. Dazu eine in gewisser Weise etwas umständliche Sprache, die mich jedoch immer wieder zum Grinsen brachte. "Als sie mich aus blauen Augen betrachtete, wies ich meine an, sämtliche Aspekte zu ignorieren, die für die anstehenden Aufgaben ohne Belang waren." Auch eventuelle Beleidigungen sind eher subtil, die ich stellenweise recht originell und amüsant finde: "Von der Grösse her war er eine Erdnuss, aber eine elegante." Überhaupt ist der gesamte Umgangsstil in diesem Privatdetektivmilieu ungewöhnlich gehoben: Es werden Bücher gelesen ;-) Diners serviert wie 'Täubchen à la Moscovite, Pilze Polonaise, Salade Béatrice und Soufflé Armenonville' und das wohl schlimmste Unmut ausdrückende Wort ist 'Pfui'. Der Fall selbst ist recht verworren, denn um das gewünschte Ziel zu erreichen, sind zahlreiche Umwege vonnöten, die sich erst nach und nach als zielführend erweisen. Wolfe löst diese Angelegenheit (wie auch eine Menge andere) durch reines Nachdenken, nachdem er durch seinen 'Aussendienstmitarbeiter' mit den entsprechenden Informationen versorgt wurde.
Es ist ein ruhiger, stellenweise amüsanter Krimi ohne Blutvergießen und große Action, der zudem auch Gewicht auf das Drumherum der handelnden Personen legt. Ob die Neuübersetzung nun schlechter oder besser gelungen ist, kann ich nicht beurteilen. Gehe ich jedoch vom früheren Titel aus "Per Adresse Mörder X", ist der neue auf jeden Fall deutlich gelungener (im Original: "The Doorbell Rang"). Auch wenn es ein typischer Krimi seiner Zeit ist: Das Thema ist hochaktuell. Darf der Staat um der Sicherheit willen einfach Alles? Jede/n zu jeder Zeit und überall überwachen und abhören? Manche Probleme scheinen sich nie zu ändern...

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Nero Wolfe ist zurück

Rezensionen von Frieda-Anna:

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Wer das nicht liest

Wenn ich jetzt nicht gehe von María Dueñas

Das Cover, so blassrosa wie jemand der kurz vor einem Kreislaufzusammenbruch steht, zeigt ein sich schmalzig anschmachtendes Paar unter einem Regenschirm, dessen Rotton im erwähnt wässrigen rosa wie ein Ertrinkender um Hilfe zu schreien scheint. Dazu staksen die orange roten Buchstaben des Titels und Autors hervor und verkünden: "Wenn ich jetzt nicht gehe".

Himmel hilf! Die Übersetzung des Originaltitels ist sowas von unglücklich gewählt, und die Gesamtheit dieses ersten schmerzlichen Anblicks von einem verunstalteten Buchgesicht, hätte mich diese wunderbare Geschichte fast verpassen lassen.

Mauro Larrea ist in Mexico Stadt in aller Munde. Attraktiv, verwitwet und wohlhabend steht er im Glanze der Gesellschaft. Bis ihn eine Nachricht ereilt, die seinen finanzielllen Ruin bedeutet. Um sein Gesicht nicht zu verlieren, versucht er seine Situation zu verheimlichen. Die vertrakte Lage zwingt ihn dazu, Mexiko zu verlassen. Ein Neustart steht an. Und Soledad Montalvo kommt plötzlich aus dem Nichts.
Die spanische Bestsellerautorin Maria Duenas lässt ihrer Hauptfigur keine einzige ruhige Minute. Sie führt den unerschrockenen Mauro charmant und mit Überzeugung von einem ins nächste Abenteuer und lässt ihn dabei immer am Rande des Abgrundes balancieren. Da kann einem der arme Kerl schon einmal leid tun. Abstrus humorvolle Szenen, die im 18 Jahrhundert eine Welle der Entrüstung ausgelöst hätten, bedingen, dass man auch als Leser kaum zum Atmen kommt, geschweige denn das Buch aus der Hand legen möchte.
Eine wundervolle Geschichte in anspruchsvoll blumiger Sprache mit einem Protagonisten zum Verlieben, der zeigt, dass immer und überall alles möglich sein kann.

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Wer das nicht liest

Rezensionen von Ela_Ela:

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Nette Idee und relativ gute Umsetzung : )

Wenn ich jetzt nicht gehe von María Dueñas

Zwei Mädchen. Zwei Welten. Eine Prophezeiung

Ember und Poppy kommen in derselben finsteren Gewitternacht in weit voneinander entfernten Teilen des Landes zur Welt. Durch einen mächtigen Fluch werden sie noch in der Sekunde ihrer Geburt vertauscht. So wächst das Mädchen Ember in einem Clan von Hexen auf.

Und Poppy, die Hexe, in einer Kleinstadt in England. Doch Poppy fliegt von jeder Schule, weil ihr dauernd seltsame Dinge passieren: Wenn sie wütend wird, zerspringen in ihrer Nähe Fensterscheiben oder Dinge fliegen durch den Raum. Ihre Mitschüler halten sie für einen Freak, und Poppys einzige Freunde sind die Katzen. Nur draußen vor der Stadt fühlt sie sich wirklich frei. Ember hingegen hat keine Ahnung, wie man die Kräfte der Natur heraufbeschwört oder einen Zauber ausspricht, und für das Leben im Wald bei den Frauen des Hexen-Clans ist sie zu zart und verletzlich. Immer und überall spüren die beiden, dass sie anders sind und nicht dazugehören. Doch von der uralten Prophezeiung, die ihr Schicksal bestimmt, ahnen sie nichts. Erst als sie sich eines Tages gegenüberstehen, wissen sie, dass es einen Ort geben muss, an dem sie glücklich sind. Und dass es höchste Zeit ist, für dieses Glück zu kämpfen. Denn in irgendeiner Stadt im Süden ist Embers leibliche Mum gerade dabei, den Verstand zu verlieren. Und in den Wäldern im Norden formieren sich die Hexenclans für die letzte Schlacht um den Thron.

Das ist eines der wenigen Büchern, dass mich vom Inhalt mehr angesprochen hat. Ich fand es faszinierend das zwei Mädchen am selben Tag geboren wurden, aber bei der falschen Familie aufgewachsen sind. Aber irgendwie habe ich mir das auch seltsam vorgestellt, weil beide nicht ganz dazugehören.

Der Schreibstil ist sehr fließend und erleichtert das schnelle Lesen. Ich finde die Idee dieser Geschichte ist relativ gut umgesetzt worden.

Fazit: Wieder mal ein gutes Fantasybuch das meinen Geschmack getroffen hat und das ich gerne gelesen habe. Von mir bekommt es 4 Sterne.

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Wer das nicht liest

Rezensionen von mikkagottstein:

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Kein Schutz am vertrauten Ort

Wenn ich jetzt nicht gehe von María Dueñas

"Haben wir vielleicht schon zu viele Krimis gelesen? Oder sind wir einfach zu anspruchsvoll?"

Diese zweifelnde, fast schon verzweifelte Frage hört man oft, wenn sich einmal im Monat der Krimi-Lesekreis in meiner Lieblingsbuchhandlung trifft. Für gewöhnlich dann, wenn unsere Debatte über den Krimi des Monats sehr kurz ausfällt, weil wir uns alle einig darüber sind, dass a) das Ende vorhersehbar ist und b) die Themen alle schon mal dagewesen sind.

Denn wirklich, manchmal hat man das Gefühl, dass man dem müden Kommissar mit Ehe- und Alkoholproblemen schon tausendmal (mindestens!) begegnet ist, und man die dramatische Wendung gegen Schluss nur noch müde belächeln kann, weil man sie auf Seite 25 schon kommen sehen hat.

Deswegen ist es immer eine große Freude, beinahe eine Erleichterung, wenn ein Krimi dann doch noch begeistern, vielleicht auch verstören, aber auf jeden Fall mitreißen kann. Wenn einem die Geschichte so nahe geht, dass zwischendurch das Herz poltert oder man sich sogar ein Tränchen verdrücken muss. Und für mich war "Monteperdido" so ein Krimi, den man zuklappt und überlegt, ob man wohl noch jemanden aus dem Bett klingeln kann, um mit ihm über das Buch zu reden.

Es ist nicht nur die spannende Geschichte einer zweifachen Kindesentführung. Der Autor zeichnet auch das bedrückende Bild - beinahe schon eine Sozialstudie! - eines kleinen Bergdorfes, in dem jeder jeden kennt und dennoch alle ihre Geheimnisse haben. Man ist stolz darauf, dass man zusammenhält wie eine eingeschworene Gemeinschaft, aber wenn Zivilcourage gefragt wäre, schauen die Leute lieber weg, als den Dorffrieden zu gefährden. Je mehr man als Leser über die Menschen erfährt, desto weniger hat man das Gefühl, sie wirklich zu kennen, und desto verlogener und zerbrechlicher wirkt die heile Welt. Und das entfaltet eine ungeheure Sogwirkung.

Die Geschichte verästelt sich, bis man gar nicht mehr weiß, was nun wirklich mit dem Fall zu tun hat, und was einfach nur das schäbige kleine Geheimnis einer schäbigen kleinen Unlauterkeit ist. Die Ermittler interessiert im Grunde nicht, wer Drogen nimmt oder seine Frau betrügt, aber auszusortieren, wer wirklich Schuld auf sich geladen hat und wer nur seinen Status im Dorf gefährdet sieht, zehrt an Kraft und Ressourcen, während die Uhr tickt...

Agustín Martínez verzichtet auf Pathos, billige Spannungseffekte, inhaltsleeres Drama und Gewalt um der Gewalt willen. "Monteperdido" wirkt durch seine Atmosphäre und das, was sich zwischen den Zeilen verbirgt. Und das hat mich weit mehr gefesselt, als ich anfänglich erwartet hatte, denn zunächst erschien mir der Schreibstil ein wenig einfach und unterkühlt. Aber das trügt, denn er mag zwar einfach sein, in meinen Augen aber sehr wirkungsvoll.

Trotz aller falschen Fährten und unerwarteten Wendungen verzettelt sich der Autor nicht, es bleibt alles glaubhaft, logisch und in sich schlüssig, auch wenn man vieles erst im Rückblick wirklich einordnen kann.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht zum einen Kommissarin Sara Campos von der Bundespolizei. Da sie als Außenstehende nach Monteperdido kommt, wird sie von der Dorfbevölkerung misstrauisch beäugt, und besonders die Eltern der beiden Mädchen sind nach fünf zermürbenden Jahren wütend auf die Polizei, die ihnen bisher nicht helfen konnte. Mir war Sara sehr sympathisch, gerade weil sie sich emotional sehr einbringt in den Fall.

Die andere Schlüsselfigur ist nach meinem Empfinden Ana, die nach fünf endlosen Jahren, in denen sie nur zu ihrem Entführer und zu ihrer Mitgefangenen Lucia Kontakt hatte, gar nicht mehr weiß, wer sie eigentlich ist. Sie ist halb Kind, halb junge Frau, und was sie mehr will als alles andere, ist vergessen. Aber das geht nicht, denn ohne sie haben die Ermittler keine Chance, Lucia zu finden... Agustín Martínez zeichnet ein sehr behutsames, einfühlsames Portrait von Ana.

Wie schon gesagt, bei den anderen Charakteren hatte ich das paradoxe Gefühl, sie immer weniger zu kennen, aber dennoch erschienen sie mir alle gut geschrieben und vielschichtig.

Fazit:
Zwei kleine Mädchen werden entführt. Fünf Jahre später glaubt nur noch einer der verzweifelten Väter daran, dass seine Tochter Lucia noch lebt - doch dann ist es das andere Mädchen, Ana, das wieder auftaucht, und sie kann den Täter nicht beschreiben... Klar ist nur, für Lucia tickt die Uhr.

"Monteperdido" war für mich ein echtes Krimi-Highlight. Es lebt von seiner Atmosphäre, seinen Beschreibungen der Natur, seiner Studie des Lebens in einem kleinen Bergdorf, in der die heile Welt bröckelt, als das Misstrauen um sich greift. Der Autor beschreibt glasklar, wie sich die Geschehnisse auf die Psyche der Menschen auswirkt, besonders auf die beiden Mädchen, die ihrer halben Kindheit beraubt wurden.

Die Spannung hat mich bis zum Schluss nicht losgelassen, und das Ende war dann so unerwartet wie konsequent. Überhaupt fand ich das Buch erfrischend anders, definitiv kein Krimi-Einheitsbrei.

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Wer das nicht liest

Rezensionen von glaurer:

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Die Unertraeglichkeit des Menschlichen

Das Floß der Medusa von Franzobel

Fuenf Sterne reichen nicht aus zur Praemierung dieses sprachlich wunderschoenen Meisterwerks von Franzobel. Die Wortgebilde erzeugen zwischen den Zeilen im Kopf so lebendige Bilder, dass ich das beschriebene Grauen nicht ertrage und das Buch immer wieder wegen flauer Gefuehle in der Magengrube weglegen muss.

Ich kann es nicht ganz fertig lesen, es tut mir zu weh. Verstoerend, wo man doch abgestumpft zu sein glaubt von der Fuelle an Grauslichkeiten, die uns die Medien taeglich vor Augen fuehren. Nein, dieses Buch ist noch grauslicher. Ein wahres Meisterwerk an menschlicher Unmenschlichkeit. Gelungen. GROSSARTIG.

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Die Unertraeglichkeit des Menschlichen

Rezensionen von Gaby 2707:

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Vergangenheitsbewältigung

Das Floß der Medusa von Franzobel

Maria Teresa Molins, genannt Maite, hat es geschafft. Sie hat sich gegen ihren strengen Vater durchgesetzt, verlässt ihre Heimatstadt Valencia und studiert nun in München. Hier lernt sie Carlos kennen, einen spanischstämmigen jungen Mann und verliebt sich in ihn. Bei seinem Großvater Antonio, der sich in München eine neue Existenz aufgebaut hat, stößt sie auf ein Foto eines jungen Mannes in deutscher Uniform.

Eine solche Uniform trägt ihr Vater auf einem Foto, dass sie zufällig einmal bei sich zuhause gesehen hat. Nun stellt sie Fragen und beginnt nachzuforschen. Alte Wunden reißen auf und ein totgeschwiegenes Kapitel ihrer Vorfahren kommt immer mehr ans Licht.

Dies ist kein Roman, den man mal schnell zwischendurch liest. Durch die drei Zeitzonen, durch die er mich führt, brauche ich meine ganze Aufmerksamkeit um dem äußerst interessanten Geschehen folgen zu können. Spannung baut sich auf und hält mich gefangen, nachdem ich die Familienzugehörigkeiten verinnerlicht hatte, bis ich die letzte Seite erreicht und zusammen mit Maite ihr Leben bzw. ihre Vergangenheit und die ihrer Familie aufgearbeitet habe.

In einer eindrucksvollen, berührenden, bildhaften und sehr lebendigen, hier und da aber auch abgehackten Sprache, was meinen Lesefluss manchmal aus dem Tritt gebracht hat, nimmt mich Verena Boos mit in die Aera Francos und dem spanischen Bürgerkrieg. Mir war bis jetzt nicht bekannt, dass spanische Männer auch im deutschen Krieg gegen Russland dabei waren. Für mich war es sehr interessant zu lesen, wie sich der Bogen der Geschichte von Spanien, wo er schließlich auch wieder endet, über Frankreich nach Deutschland, weiter nach Russland zieht.

Die Personen finde ich gut beschrieben. Vor allem Maites Vater Francisco und Carlos Opa Antonio, dessen Schicksal mich tief berührt hat, kann ich mir sehr gut vorstellen. Bei der Vielzahl an Personen hätte ich mir hier zu Beginn der Geschichte einen Stammbaum gewünscht, an dem man die Zugehörigkeiten immer mal wieder nachsehen kann.

Dieses Buch und diese Geschichte wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

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Die Unertraeglichkeit des Menschlichen

Rezensionen von FlipFlopLady007:

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Ein neuer Fall für einige meiner Lieblingsermittler

Das Floß der Medusa von Franzobel

In den Wäldern von Smaland wird ein toter Junge gefunden, der in der Erde vergraben war und dem Tiere bereits einige Organe weggefressen haben. Tom Stilton, Olivia Rönning und ihre Kollegen übernehmen die Ermittlungen in diesem Fall. Zeitgleich trifft die Obdachlose Muriel auf ein Mädchen, das mit dem Strom der Asylsuchenden nach Stockholm gekommen ist und sich seitdem alleine durchschlägt.

Muriel nimmt das Mädchen unter seine Fittiche und es entsteht eine enge Bindung zwischen den beiden verlorenen Seelen.

Inhalt:

Der Inhalt des Buches teils sich in mehrere Handlungsstränge auf, die alle parallel ablaufen. Da wären zum einen Muriel und ihr Schützling, zum anderen die Ermittler im Falle des kleinen Jungen. Zudem gibt es drei Kinder, die ebenfalls mit dem Asylsuchenden nach Stockholm gekommen sind und nun ein neues Zuhause suchen. Besonders fand ich auch den Prolog, der zunächst überhaupt keinen Zusammenhang zum Rest des Buches zu haben scheint. Der Zusammenhang wird erst durch den allerletzten Satz des Buches deutlich.

Aufbau und Schreibstil:

Das Buch unterteilt sich in recht lange Kapitel, die im Mittel 15 bis 20 Seiten lang sind. Ich finde diese Kapitellänge schon etwas zu lang, da ich das Buch gerne zwischen zwei Kapiteln aus der Hand lege. Dies war hier sehr schwierig, da ich meistens nicht die Zeit hatte das gesamte Kapitel noch zu Ende zu lesen. Der Schreibstil des Buches hat mir gut gefallen. Das Buch liest sich gut und flüssig. Zudem trägt der Schreibstil zur Spannung bei, die bereits durch die parallelen Handlungsstränge aufgebaut wird. Das Buch ist so spannend, dass es mir schwer gefallen ist, es aus der Hand zu legen. Was mir bei diesem Buch ebenfalls positiv aufgefallen ist, ist, dass das Buch zwar grausame Morde schildert, allerdings in einer Art und Weise, die mich als Leser weder anekelt noch gruselt.

Charaktere:

Da ich bereits ?Die Strömung? gelesen habe, kannte ich die meisten Charaktere bereits. Ich fand es schön ?alte Bekannte? wieder zu treffen, die sich aus meiner Sicht kaum verändert haben. Ich konnte sie in diesem Buch besser kennenlernen, da neben den eigentlichen Ermittlungen auch die Privatleben der Figuren nicht zu kurz kommen. Die Charaktere werden dadurch lebendiger und bestehen nicht aus ihrem Beruf.

Cover und Klappentext:

Das Cover des Buches gefällt mir gut. Es passt sowohl vom Motiv als auch von der farblichen Gestaltung sehr gut in die Reihe und ist direkt als Teil dieser zu erkennen. Auch das Genre des Buches ist durch die düsteren Farben direkt zu sehen. Der Klappentext hat mich bei diesem Buch zunächst etwas enttäuscht, da er einen kleinen Ausschnitt des Anfangs enthält. Im Umschlag des Buches bin ich dann aber doch fündig geworden. Dort wird der Inhalt knapp zusammen gefasst, ohne falsche Erwartungen zu wecken oder etwas Wichtiges vorwegzunehmen.

Fazit:

Da mir ?Die Strömung? des Autorenpaares gut gefallen hat, wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Ich wurde nicht enttäuscht und kann das Buch wärmstens weiterempfehlen. Es handelt sich um einen spannenden Krimi mit tollen Ermittlern, der auch ohne Vorkenntnisse gut zu lesen ist.

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Die Unertraeglichkeit des Menschlichen