Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Snookie:
Spannender, atmosphärischer unterhaltsamer Thriller
Aprikosenkind von Judith Merchant
In Aprikosenkind geht es um Nathalie, die mir ihrem Mann Gabriel und ihrer Tochter Ruby in einem Haus auf dem Land lebt. Eigentlich scheint das Familienglück perfekt zu sein. Doch Ruby ist anders als andere Kinder. Als Ruby schließlich ein verstörendes Bild malt, beginnt Nathalie zunehmend an ihrem scheinbar perfekten Leben zu zweifeln.
Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Perspektive von Natalie erzählt, teilweise aber auch aus der von Gabriel. Es werden auch stellenweise andere Zeitebenen eingebaut.
Die Grundidee der Geschichte fand ich interessant. Besonders die zunächst harmonisch wirkende Familie, hinter deren Fassade sich immer mehr Geheimnisse verbergen, sorgt für eine unheimliche und beklemmende Atmosphäre. Durch die unterschiedlichen Perspektiven und Rückblicke erfährt man nach und nach mehr über die Hintergründe und Zusammenhänge. Der Schreibstil hat mir auch sehr gut gefallen. Das Buch ließ sich angenehm und flüssig lesen.
Ich fand den Thriller spannend und wollte natürlich wissen, was hinter den merkwürdigen Ereignissen steckt. Allerdings hat mir die richtige Sogwirkung gefehlt. Die Geschichte war zwar spannend, hat mich aber nicht so sehr gefesselt, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen wollte. Vielleicht lag es auch daran, dass einzelne Hinweise und offene Fragen häufig relativ schnell aufgeklärt wurden. Dadurch blieb die Spannung für mich nicht immer so lange bestehen, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hätte es besser gefunden, wenn manche Geheimnisse etwas länger ungelöst geblieben wären und man dadurch noch mehr hätte miträtseln können.
Insgesamt hat mich „Aprikosenkind“ gut unterhalten. Es ist ein spannender Thriller mit einer interessanten Geschichte und einigen Wendungen. Für mich hat aber das gewisse Etwas gefehlt, das einen so richtig an ein Buch fesselt.
Unterhaltsam, kurzweilig, aber kein Highlight
Mord in Notting Hill von May Wellington
Im Buch „Mord in Notting Hill“ kommt es während der Dreharbeiten zum Film „Notting Hill“ zu einem gefährlichen Zwischenfall, bei dem Hauptdarsteller Hugh nur knapp einem Anschlag entgeht. Doch es bleibt nicht bei diesem einen Vorfall. Trotz verschärfter Sicherheitsmaßnahmen gehen die Dreharbeiten weiter, aber der Täter gibt nicht auf .
Mit seinen 222 Seiten ist das Buch nicht besonders dick, weshalb die Geschichte recht kompakt gehalten ist. Sie hat mich kurzweilig unterhalten, hatte für mich aber nichts wirklich Besonderes, das mir länger im Gedächtnis bleiben wird. Das Besondere an der Geschichte war eigentlich, dass die Handlung an einem Filmset mit bekannten Schauspielern spielt.
Durch den geringen Umfang der Geschichte fiel es mir allerdings schwer, mich wirklich in die Figuren hineinzuversetzen. Gerade die Geschichte des Täters fand ich nicht besonders gut ausgearbeitet. Auch die Auflösung ging dann relativ schnell.
Den Schreibstil fand ich sehr ganz gut. Das Buch ließ sich leicht und flüssig lesen. Aufgrund der Länge des Buches hat man dies dann auch schnell gelesen.
Insgesamt ein gutes Buch für zwischendurch, aber kein Highlight.
Leider nicht das, was ich mir erhofft hatte
Die Katze, die den Mönch das Leben lehrte von Bokyeong Sunim
Ich hatte mir etwas ganz anderes von diesem Buch erwartet. Eher eine Geschichte mit philosophischem Ansatz, die zum Nachdenken anregt und einen zur Ruhe kommen lässt, gespickt mit den „Weisheiten“ einer Katze. Stattdessen bekam ich hauptsächlich eine Aufzählung der Beobachtungen einer Katze, viele Anspielungen auf Bücher und fernöstliche Weisheiten.
Ich habe mich eher durch das Buch gequält, als dass es mir Freude bereitet hätte.
Auch der Schreibstil hat mir nicht gefallen. Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung liegt, aber für mich klang vieles sehr abgehackt und eher wie eine Aufzählung als wie eine gut erzählte Geschichte. Dazu kamen häufige Gedankensprünge. Auch die immer wieder auftauchenden chinesischen Namen und Ausdrücke sowie fernöstlichen Weisheiten und Zitate haben mich häufig aus dem Lesefluss gebracht.
Mir fehlte außerdem die Tiefe. Viele Themen wurden nur angeschnitten, ohne wirklich darauf einzugehen. Dazu kam, dass das Buch für mich kaum Handlung hatte.
Schon bei etwa 25 % hatte ich das Gefühl, dass das Buch nicht meinen Erwartungen entspricht. Aufgrund der vielen positiven Bewertungen wollte ich ihm aber noch eine Chance geben, in der Hoffnung, dass es besser wird. Schlussendlich habe ich es bei 60 % abgebrochen, weil mir meine Zeit dafür zu schade war.
Insgesamt hat das Buch meine Erwartungen nicht erfüllt und mich enttäuscht.
Wie weit würdest du gehen? – jede Entscheidung hat Konsequenzen
Six Ways to Watch You Fall von Colin Hadler
In „Six Ways to Watch You Fall“ geht es um Archer, der an seinem Internat einen geheimnisvollen gelben Umschlag findet. Darin wird er vor zwei Möglichkeiten gestellt – und wenn er sich nicht entscheidet, wird jemand sterben. Archer vermutet dahinter nur einen schlechten Scherz. Als seine erste Entscheidung tatsächlich tödliche Konsequenzen hat, wird schnell klar, dass hinter den Briefen mehr steckt als ein makabres Spiel.
Archer muss sich weiteren Entscheidungen stellen und gleichzeitig herausfinden, wer hinter den Drohungen steckt und warum ausgerechnet er zum Ziel geworden ist.
Der Schreibstil hat mir hier sehr gut gefallen. Obwohl das Thema sehr ernst ist, ist der Text leicht und lässig geschrieben. Daran merkt man auch den jugendlichen Stil des Buches. Ich mochte auch, dass es sehr humorvolle, teils sarkastische Stellen im Buch gab, die das Geschehen zwischenzeitlich immer wieder auflockerten. Die Mischung aus tragischen, emotionalen Themen und der Frage nach der Selbstfindung (Wer will man sein?) ist gut gelungen.
Besonders gelungen fand ich das Grundprinzip des Thrillers. Die Entscheidungen, die Archer treffen muss, sind nicht einfach in Richtig und Falsch einzuteilen. Man fragt sich ständig: Was würde ich tun? Diese Entscheidungen werden von Brief zu Brief schwieriger und spielen mit der eigenen Moral. Genau dadurch entsteht auch eine beklemmende Atmosphäre. Die Themen Schuld, Freundschaft, Verrat und Verantwortung werden dabei geschickt mit der eigentlichen Thrillerhandlung verbunden.
Auch das Internatssetting passt hervorragend zur Geschichte. Zusammen mit den Rückblicken auf die Ereignisse während der Sprachreise nach Mexiko entsteht nach und nach ein immer größeres Netz aus Geheimnissen. Durch die kurzen Kapitel und die Cliffhanger liest sich das Buch sehr schnell und gerade gegen Ende konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Ich hätte nicht erwartet, dass mich dieser Jugendthriller so packen würde, obwohl ich nicht zur Zielgruppe gehöre – es ist also auch für Nicht-Mehr-Jugendliche lohnenswert. Für mich war das Tempo durchgehend auf einem hohen Niveau.
Archer hat mir als Protagonist ebenfalls gut gefallen. Er ist ein Teenager mit Ängsten, Schuldgefühlen und Unsicherheiten. Auch Hazel und Nick wirken nicht wie bloße Nebenfiguren, sondern haben ihre eigenen Geheimnisse und Konflikte. Dadurch bekommen die Beziehungen zwischen den Figuren zusätzliches Gewicht.
Insgesamt ist „Six Ways to Watch You Fall“ ein überraschend spannender und düsterer Jugendthriller, der vor allem durch die moralischen Fragen und die zunehmende Spannung überzeugen konnte. Wer also Geschichten mit moralischen Dilemmata, Geheimnissen, Freundschaft und jeder Menge Spannung mag, sollte sich „Six Ways to Watch You Fall“ definitiv anschauen.
Herbstliche cozy Hexengeschichte
Die Hexen vom Honeysuckle House von Liz Parker
In „Die Hexen von Honeysuckle House“ geht es um die beiden Schwestern Evie und Florence. Es liegt ein Fluch auf der Familie. Alle 13 Jahre stirbt ein geliebter Mensch im Honeysuckle House. Evie und Florence versuchen, den Fluch zu brechen. Der Schlüssel dazu liegt in der Vergangenheit der Familie.
Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Ich empfand diesen als sehr angenehm, flüssig und auch sehr bildhaft. Dadurch wird auch die besondere, magische, leicht düstere und herbstliche Stimmung erzeugt. Für mich passte alles zu einer cozy Herbst- und Hexengeschichte. Es gab auch ein paar humorvolle Elemente. Die Emotionen und Gedanken der Schwestern werden ausführlich dargestellt. Meiner Meinung nach leidet aber die Geschichte nicht darunter. Es ist grundlegend eine eher langsam erzählte Geschichte.
Die Charaktere haben mir auch sehr gut gefallen. Sie waren vielschichtig, gut ausgearbeitet und authentisch. Jedoch konnte ich nicht immer alle Entscheidungen und Handlungen nachvollziehen. Die Beziehung der zwei Schwestern – Evie und Florence – steht stark im Mittelpunkt, überdeckt aber meiner Meinung nach die Handlung nicht.
Spannend fand ich vor allem die Idee bzw. die Geschichte mit dem Fluch und dass alle 13 Jahre jemand stirbt. Es war interessant, Evie und Florence auf dem Weg zu begleiten, den Fluch zu brechen. Dabei wird nach und nach die Vergangenheit der Familie aufgedeckt und es wirft Fragen auf, sodass man auch miträtseln kann. Auch die mysteriösen Ereignisse und Wendungen waren interessant zu verfolgen. Auch dass das Haus ein gewisses Eigenleben besitzt, fand ich interessant. Es spielen hier nicht nur die Hexerei und Magie sowie die Todesfälle eine Rolle, sondern auch Themen wie Familie, Vertrauen, Liebe und vieles mehr.
Die verschiedenen Zeitebenen und Perspektivwechsel gaben zudem einen guten Einblick und helfen dabei, die Familiengeschichte nach und nach zu enthüllen und zu verstehen. Jedoch war die Auflösung dann doch ein bisschen komplexer als gedacht und bei der Erklärung wurde wild durch alle Zeitebenen und Perspektiven gesprungen. Gerade am Ende wurden sehr viele Ereignisse mit den Tarotkarten erklärt und es wurde erklärt, wie diese zu deuten waren bzw. was sie nun zu bedeuten hatten. Das war mir dann doch ein wenig viel und ich konnte bei der Auflösung nicht immer jedem Punkt folgen.
Ich habe mir von dem Buch eine herbstliche und cozy Hexengeschichte gewünscht, bei der auch die Atmosphäre im Mittelpunkt steht. Diese Erwartungen wurden auch erfüllt. Für mich war das Buch unterhaltsam und auch mal gut für zwischendurch. Daher würde das Buch Leser:innen empfehlen, die cozy Hexengeschichten mit einer herbstlichen, magischen Atmosphäre und einer eher ruhig erzählten Handlung mögen.
Starker Pageturner mit kleinen Schwächen zum Ende
Blut für Blut von Anna Schneider
In „Blut für Blut“ geht es um Sophie, die aus einer toxischen Beziehung flieht und sich ein neues Leben als Fotografin aufbauen möchte. Sie hat Glück und wird von einer wohlhabenden Familie für Familienporträts engagiert. Doch irgendetwas stimmt nicht: Sophie fühlt sich beobachtet und verfolgt, und auch die Familie verhält sich zunehmend merkwürdig.
Es handelt sich hierbei um einen psychologischen Spannungsroman, der aus Sophies Perspektive erzählt wird und sich über zwei Zeitebenen erstreckt – die Gegenwart und die Vergangenheit vor 20 Jahren.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und leicht zu lesen. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen. Die Geschichte hat mich so sehr in ihren Bann gezogen, dass das Buch für mich zu einem echten Pageturner wurde. Auch die kurzen Kapitel sorgen für einen angenehmen und schnellen Lesefluss. Die Atmosphäre wurde sehr gut beschrieben und vermittelt. Oft hatte ich ein beklemmendes Gefühl und die Stimmung war stellenweise düster. Man denkt ständig: Hier stimmt doch etwas nicht! Die psychologischen Aspekte sind eher subtil gehalten, bauen aber trotzdem sehr gut Spannung auf.
Die Charaktere fand ich größtenteils gut gestaltet. Die Protagonistin Sophie wirkt auf mich nahbar und aufgrund ihrer Vorgeschichte auch interessant. Allerdings erschien sie mir in manchen Situationen etwas naiv. Als Leser weiß man zudem teilweise nicht, wie man Sophie und ihre Wahrnehmung einschätzen soll – was meiner Meinung nach aber gut zur Geschichte passt und den psychologischen Aspekt zusätzlich unterstützt. Dadurch konnte ich ihre Entscheidungen und Handlungen allerdings nicht immer vollständig nachvollziehen.
Ein großer Pluspunkt des Buches ist für mich die Spannung. Diese war von Anfang an greifbar. Bereits zu Beginn ist die Stimmung beklemmend, da Sophie aus einer toxischen Beziehung flieht und man nicht weiß, wie ihr Ex darauf reagieren wird. Im Laufe der Geschichte tauchen immer mehr Fragen und Ungereimtheiten auf, wodurch man unbedingt weiterlesen möchte.
Auch der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit hat mir gut gefallen. Dadurch erhält man immer wieder kleine Hinweise und beginnt automatisch, eigene Theorien darüber aufzustellen, was in der Vergangenheit passiert sein könnte. Das Pacing fand ich insgesamt gut gewählt. Zum Ende hin nimmt das Tempo natürlich noch einmal deutlich zu. Ich war so gefesselt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Die Spannung entsteht dabei weniger durch Schockmomente, sondern vielmehr durch die psychologische Komponente und die vielen offenen Fragen.
Während des Lesens stellt man einige Theorien auf. Tatsächlich hatte ich bereits eine Vermutung, wollte aber trotzdem unbedingt herausfinden, wie die einzelnen Puzzleteile zusammenpassen. Bei der Auflösung lag ich teilweise richtig, wurde durch den finalen Twist aber dennoch überrascht.
Mit der Auflösung bin ich allerdings nur teilweise zufrieden. Es bleiben für mich einige Andeutungen ungeklärt und auch mehrere Fragen unbeantwortet. Zudem wurde das Finale meiner Meinung nach etwas zu schnell abgehandelt. Nicht alle Entwicklungen waren für mich vollständig logisch nachvollziehbar.
Insgesamt war „Blut für Blut“ für mich ein wirklich spannender Pageturner. Ich hatte viel Spaß beim Lesen und wurde sehr gut unterhalten, auch wenn die Auflösung für mich einige kleinere Schwächen hatte. Von mir gibt es daher eine klare Empfehlung für Fans von Thrillern und psychologischen Spannungsromanen.
Atmosphärisch, warmherzig und gefühlvoll
Tokyo Seasons von Anne Pätzold
In „Tokyo Season“ geht es um Caitlyn, die auf einer Geschäftsreise in Japan ist. Eines Abends landet sie auf einer Dating-App, die anders funktioniert als andere Dating-Apps, nämlich ohne Fotos, sondern nur mit einer Antwort auf eine Frage. Danach muss jede Nachricht mindestens 75 Wörter umfassen.
Auf diesem Weg lernt sie Jude und seine Freunde Emma und Will kennen. Caitlyn begibt sich außerdem auf die Suche nach ihrem Vater, der in Japan lebt und zu dem der Kontakt vor 10 Jahren abgebrochen ist. Auf diesem Weg wird sie von Jude begleitet.
Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Man verfolgt in diesem Buch nicht nur die Handlung, sondern taucht auch richtig in die Atmosphäre ein. Die Beschreibungen der verschiedenen Stadtviertel, der winterlichen Beleuchtungen, kleiner Dekorationen, japanischer Speisen und alltäglicher Gepflogenheiten haben bei mir sofort ein richtiges Tokio-Gefühl ausgelöst. Ich konnte mir die Schauplätze wunderbar vorstellen und hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, selbst ein kleines Stück durch Japan zu reisen. Gut gefallen hat mir dabei, dass Tokio nicht einfach nur eine Kulisse für die Geschichte ist. Die Stadt und das japanische Leben werden zu einem wichtigen Teil der Atmosphäre und verleihen dem Roman etwas ganz Besonderes.
Die Charaktere haben mir auch sehr gut gefallen. Sie waren sehr vielschichtig und authentisch. Besonders gefallen hat mir Caitlyn. Sie wirkte auf mich sehr nahbar und ihre Gedanken und Gefühlswelt waren sehr gut beschrieben, sodass ich einen direkten Bezug zu ihr hatte und ihre Entscheidungen nachvollziehbar waren. Auch die Beziehung zwischen Caitlyn und Jude hat mir unglaublich gut gefallen. Ihre Begegnung entwickelt sich auf eine ruhige und für mich sehr schöne Art und Weise. Zwischen den beiden stehen vor allem Respekt, gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis im Mittelpunkt. Ich mochte sehr, dass sie einander auf Augenhöhe begegnen und sich nicht einfach von überstürzten Gefühlen alles andere ausblenden lassen. Stattdessen lernen sie sich nach und nach kennen, öffnen sich füreinander und geben sich gegenseitig den Raum, den sie brauchen.
Eine Liebesgeschichte steht hier keinesfalls im Mittelpunkt. Für mich ging es im Wesentlichen um Stärke, Mut, Vertrauen und Freundschaft. Um den Mut, sich seinen Ängsten und seiner Vergangenheit zu stellen. Um die Stärke, seinen eigenen Weg zu suchen, auch wenn man noch gar nicht weiß, wohin dieser führt. Und um Menschen, die einem das Gefühl geben, nicht allein zu sein.
Gerade hier wird gezeigt, dass Freundschaft unter anderem durch Zusammenhalt geprägt wird und dass Familie nicht immer nur durch Verwandtschaft definiert wird. Manche Menschen werden zu einem Zuhause, obwohl man sie ursprünglich gar nicht gesucht hat.
Gleichzeitig mochte ich die Geschichte rund um die Suche nach ihrem Vater und Caitlyns eigener Identität. Ihre Reise nach Tokio ist dadurch nicht nur eine Reise an einen anderen Ort, sondern auch eine Reise zu sich selbst. Die Suche nach Antworten verbindet sich mit der Frage, wer man eigentlich sein möchte und wo man hingehört.
Insgesamt ist das Buch für mich eine warmherzige Geschichte mit viel Gefühl, einer wunderschönen Tokio-Atmosphäre und großartigen Charakteren. Für mich eine rundum gelungene Geschichte, die mich berührt und mit einem warmen Gefühl zurückgelassen hat.
Spannender Kriminalfall mit historischem Hintergrund
Four Heads Missing von Thorsten Schleif
In Four Head Missing geht es um den Torso-Mörder, der die Köpfe seiner Opfer entfernt und die anderen Körperteile entsorgt. So taucht auch eines Tages ein Torso im sich im Bau befindlichen neuen Hauptquartier der Metropolitan Police in London auf. Bald geschehen auch noch weitere Morde. Nachdem Will Berger der Polizei schon im Fall von Jack the Ripper geholfen hat, wendet diese sich nun wieder an ihn.
Irene Adams geht zunächst selbst auf Spurensuche und tut sich dann mit Will zusammen, um zu ermitteln. Es handelt sich hier um einen historischen Kriminalroman, der teilweise auf Tatsachen beruht.
Als kleinen Hinweis vorab: Ich habe den ersten Band nicht gelesen und kenne daher die Personen und Hintergründe nicht.
Zunächst hatte ich Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Man wird direkt in mehrere Szenarien hineingeworfen und kann das Ganze am Anfang nicht so richtig zuordnen. Auch mit den vielen Charakteren hatte ich zunächst ziemliche Schwierigkeiten. Am Anfang des Buches gibt es zwar eine Liste der vorkommenden Personen, allerdings war es gerade beim E-Book stellenweise mühselig, immer wieder dorthin zurückzublättern. Dadurch bin ich auch immer wieder aus dem Lesefluss geraten. Als ich schließlich bei den Personen durchgestiegen war und in die Geschichte hineingefunden hatte, hat sie mir dann doch ganz gut gefallen.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, wodurch man Einblicke in unterschiedliche Perspektiven und Handlungsstränge bekommt. Die Perspektivwechsel haben dabei auch die Spannung gesteigert. Besonders gut gefallen haben mir die kurzen Kapitel, durch die sich der Roman insgesamt recht kurzweilig lesen ließ. Auch der Schreib- und Erzählstil haben mir prinzipiell gut gefallen. Der Schreibstil war flüssig und gut verständlich.
Will Berger fand ich als Charakter besonders spannend. Ich mochte den Ermittler und seine Handlungsweise. Auch Irene und Will ergänzen sich durch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten gut, wodurch ihre Zusammenarbeit interessant ist. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden, die zum Glück nicht allzu sehr im Fokus steht, hätte es für mich allerdings nicht unbedingt gebraucht. Sie wirkte auf mich eher etwas unpassend und konnte mich nicht wirklich überzeugen.
Spannend fand ich, dass der Fall auf wahren Begebenheiten beruht, während die Geschichte drumherum erfunden ist. Dadurch bekommt das Ganze noch einmal einen besonderen Reiz.
Auch die Atmosphäre hat mir gut gefallen. Sie wirkte teilweise düster, mysteriös und authentisch. Allerdings hat mir die Atmosphäre des viktorianischen Zeitalters etwas gefehlt. Hier hätte ich mir stellenweise noch mehr dieses typische Zeitgefühl gewünscht.
Insgesamt eine sehr spannende Geschichte, die mich trotz der anfänglichen Schwierigkeiten abholen konnte. Eine Empfehlung für alle, die gerne historische Kriminalromane lesen und Interesse an Fällen haben, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Wer außerdem düstere und mysteriöse Ermittlergeschichten mit verschiedenen Perspektiven mag, könnte hier durchaus auf seine Kosten kommen.
Starke Charaktere, viel Potenzial und ausbaufähiges Worldbuilding
Reap & Sow von Charlotte B. Plumb
In Reap & Sow – Dämonenpakt geht es um Eda. Ihr Vater hat einen Pakt mit einem Dämon geschlossen und ist dazu verpflichtet, für ihn Lebensjahre zu beschaffen. Nach dem Tod ihres Vaters gehen die Schulden des Pakts auf Eda und ihre Brüder über. Um diese zu begleichen, beschaffen sie die benötigten Lebensjahre, indem sie andere Menschen dazu bringen, Pakte mit dem Dämon zu schließen.
Da alles, was mit Dämonen zu tun hat, streng verboten ist, müssen Eda und ihre Brüder ihr Geschäft im Verborgenen betreiben. Eines Tages gerät ihr Geschäft jedoch in Visier. Daraufhin werden Edas Brüder verhaftet. Eda kann fliehen, wird aber von nun an gesucht. Sie sieht nur eine Möglichkeit, ihre Brüder zu befreien: Sie muss selbst einen Pakt mit einem anderen Dämon schließen und dafür einige ihrer eigenen Lebensjahre opfern. Reap & Sow – Dämonenpakt ist der erste Band einer Dilogie und wird aus Edas Perspektive erzählt.
Zunächst einmal zum Positiven: besonders gut gefallen haben mir die Charaktere. Eda machte auf mich einen sympathischen Eindruck. Sie ist sehr auf ihre Familie bedacht und würde für ihre Brüder alles tun. Sie ist liebenswürdig und einfühlsam, auch wenn sie manchmal mit dem Kopf durch die Wand will. Gleichzeitig ist sie mutig, willensstark und keine klassische Heldin.
Kit wirkt zu Beginn eher kühl, abweisend und rücksichtslos. Im Laufe der Geschichte macht er jedoch eine schöne Entwicklung durch und zeigt zunehmend auch seine liebenswürdige Seite. Generell fand ich die Entwicklung der Charaktere gelungen und sie wirkten auf mich authentisch und passend zu ihren jeweiligen Rollen. Allerdings kam mir Edas Entwicklung teilweise etwas übereilt vor und wurde für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt.
Die Beziehung zwischen Eda und Kit kam für mich etwas abrupt. Die beiden haben sich zwar bereits vorher immer wieder geneckt, trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass ihre Annäherung etwas besser eingeleitet wird. Davon abgesehen hat mir ihre Beziehung sehr gut gefallen. Sie ist liebevoll und von Respekt, Zuneigung und gegenseitigem Verständnis geprägt. Auch die Interaktionen zwischen den beiden mochte ich sehr gerne. Sie haben sich häufig geneckt und ihre Späße miteinander gemacht, was auf mich locker und authentisch wirkte. Die Tension zwischen ihnen war deutlich zu spüren, ohne dass dafür viel Spice notwendig war.
Bei der Handlung hatte ich leider einige Schwierigkeiten. Die Geschichte entwickelt sich sehr langsam und gerade die erste Hälfte des Buches empfand ich häufig als langatmig und repetitiv. Erst gegen Ende kam für mich wirklich Spannung auf. Das eigentliche Finale wurde dann allerdings wieder relativ schnell abgehandelt. Hier hätte ich mir noch etwas mehr Ausarbeitung und Spannung gewünscht. Insgesamt hat mich die Geschichte deshalb leider nicht so gepackt, wie ich es mir erhofft hatte.
Auch beim Worldbuilding gab es für mich einige Schwächen. Gerade die Welt der Dämonen sowie die Pakte und ihre Hintergründe wurden meiner Meinung nach nur oberflächlich behandelt. Immer wenn bei mir Fragen aufkamen, wurden diese relativ schnell beantwortet oder gar nicht weiter vertieft. Dadurch blieb für mich vieles eher oberflächlich und ich hätte mir an diesen Stellen deutlich mehr Details gewünscht.
Auch die Atmosphäre konnte meine Erwartungen leider nicht ganz erfüllen. Zwar empfand ich die Geschichte durchaus als etwas düsterer, die Gothic-Atmosphäre, mit der das Buch beworben wurde, kam für mich jedoch nicht wirklich auf. Gerade hier hatte ich mir etwas mehr erhofft.
Insgesamt hat das Buch eine interessante Grundidee und sympathische Charaktere. Besonders Eda sowie die Beziehung zwischen Eda und Kit konnten mich überzeugen. Gleichzeitig hätte ich mir mehr Worldbuilding, eine stärkere Atmosphäre und eine etwas spannendere Handlung gewünscht. Die Geschichte entwickelt sich sehr langsam und konnte mich dadurch leider nicht immer fesseln.
Wer eine eher leichte Fantasy-Geschichte mit einer etwas düstereren Atmosphäre sucht und mehr Wert auf Tension als auf Spice legt, könnte mit der Geschichte durchaus seine Freude haben.
Unterhaltsam mit Schattenseiten
Wir jagen Schatten (Wir finden Mörder-Serie 2) von Richard Osman
„Wir jagen Schatten“ handelt von einem ungewöhnlichen Ermittlerteam, die eine Detektei namens „Wir finden Mörder“ führen. Sie ermitteln diesmal für einen vermögenden Halbkriminellen, dessen Bodyguard ermordet wurde und welcher eine mysteriöse Notiz bei sich hat. Es ist der zweite Fall des Trios.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt.
Ich habe den ersten Band von „Wir finden Mörder“ nicht gelesen und habe das Ermittlerteam daher erst in diesem Buch kennengelernt. Mir hat dabei zwar die Vorgeschichte gefehlt, wie das Team überhaupt zusammengefunden hat, wirklich gestört hat mich das allerdings nicht. Die drei Figuren werden ausreichend vorgestellt, sodass man auch ohne Vorkenntnisse gut in die Geschichte findet.
Leider konnte ich mit keiner der drei Figuren wirklich warm werden. Rosie wirkte auf mich häufig zu überheblich, und ich habe mich während der Geschichte immer wieder gefragt, was sie eigentlich zum Team beiträgt – abgesehen davon, dass sie über das nötige Geld verfügt. Amy blieb für mich eher auf Distanz. Sie wirkte abgeklärt und kühl, wodurch ich ebenfalls keinen richtigen Zugang zu ihr gefunden habe. Und auch mit Steve konnte ich nicht viel anfangen. Er wirkte auf mich einfach etwas seltsam, ohne dass ich eine wirkliche Verbindung zu ihm aufbauen konnte.
Auch die Konstellation des Ermittlerteams hat für mich insgesamt nicht so richtig funktioniert und war meiner Meinung nach nicht stimmig. Aber das ist eben Geschmackssache. Gerade diese ungewöhnliche Zusammensetzung kann für andere Leser:innen den Reiz der Geschichte ausmachen.
Der Kriminalfall selbst hat mich leider ebenfalls nicht vollständig überzeugt. Dabei beginnt er durchaus spannend, aber im weiteren Verlauf wurde mir die Handlung zunehmend zu konstruiert und wirkte für mich auch zu ziellos. Der Fall wirkt mit seinen vielen Charakteren, Schauplätzen und Gesprächen ziemlich überladen, von denen für mich nicht alles tatsächlich etwas zur eigentlichen Handlung beigetragen hat.
Besonders die vielen Ortswechsel haben meinen Lesefluss gestört. Die Ermittlungen führen das Team quer durch die Welt, und zwischendurch geht es immer wieder mit dem Privatjet von einem Schauplatz zum nächsten – von Italien über Barcelona und England bis nach Palm Springs. Grundsätzlich habe ich nichts gegen internationale Schauplätze, hier hatte ich allerdings zunehmend das Gefühl, dass die Geschichte dadurch vor allem größer und spektakulärer wirken sollte. Für mich hat es eher dazu geführt, dass die Handlung zerfasert und sich teilweise mäandernd angefühlt hat.
Auch logisch konnte ich nicht alle Entwicklungen nachvollziehen. Die Auflösung ergibt zwar grundsätzlich Sinn, der Weg dorthin war für mich aber von zu vielen Zufällen und einigen wenig überzeugenden Wendungen geprägt. Dadurch hat sich die Aufklärung für mich am Ende nicht ganz befriedigend angefühlt.
Trotz meiner Kritik gibt es aber auch einiges, das mir gefallen hat. Osman schreibt gewohnt flüssig und mit viel Humor, wodurch sich das Buch schnell lesen lässt. Langweilig war es definitiv nicht. Ich kann daher durchaus nachvollziehen, warum das ungewöhnliche Ermittlerteam und die internationale Jagd bei vielen Leser:innen gut ankommt.
Insgesamt hat das Gesamtpaket für mich diesmal nicht ganz gepasst. Ein durchaus unterhaltsamer Krimi, bei dem mir sowohl das Ermittlerteam als auch der Aufbau und die Logik des Falls zu viele Schwächen hatten.











