Kunden em pfehlungen
Rezensionen von literaturfreundin:
Wenn man zu viel fühlt / Sei dir selbst treu
Dem Meer entgegen von Lidija Hilje
Ivona ist unglücklich. Sie führt ein Leben, das sie nicht führen will, fühlt zu viel und wird im Moment nicht gerade vom Schicksal geliebt.
Geschieden, Ende 30, ist sie zurückgekehrt in ihr Elternhaus, um den Vater zu pflegen. Das Verhältnis zu ihm ist teilweise schwierig, teilweise erkennt sie sich in ihm auch wieder.
Mit der verstorbenen Mutter ist es vor deren plötzlichen Tod nicht mehr zu der ersehnten Innigkeit gekommen.
Vor allem aber macht ihr ihre Kinderlosigkeit als gefühltes persönliches Versagen zu schaffen und ihr vermeintliches Unvermögen, einen Job in ihrem Beruf als Biologin zu finden. Zwischen dem Beginn des Studiums und dessen Ende ist in Kroatien die Marktwirtschaft eingezogen, haben sich die Verhältnisse geändert, fielen Arbeitsplätze weg, änderten sich ganze Industrien.
Nun steht ihr die Bank auf den Füßen, und sie soll versuchen, das Lebenswerk des Vaters und gleichzeitig den emotionalen und lokalen Rückzugsort ihrer Kindheit zu retten. Die Regeln sind andere, ein Verkauf scheint nicht zu umgehen zu sein.
Zwischen diesem Konflikt und ihren Lebenskrisen pflegt sie Kontakt zu ihrem ehemaligen Partner, Vlaho, der ausgerechnet mit ihrer Freundin eine Familie gegründet hat, und wird fast zerrissen zwischen allem. Wie schmerzhaft muss das sein?
Doch allmählich kommt Bewegung in die Dinge, manches klärt sich, neue Konflikte entstehen, Entscheidungen müssen getroffen und Konsequenzen getragen werden.
Es hat mir sehr gefallen, sowohl die Krisen als auch die Entwicklung Ivonas zu verfolgen, den Start in eine neue Lebendig- und Sinnhaftigkeit, und ebenso ihre Biografie zu betrachten. Sie stammt aus einem Land, das es nicht mehr gibt, hat den Jugoslawienkrieg erlebt - das macht etwas mit einem Menschen.
Gerne würde ich Ivonas Lebensweg weiter verfolgen.
Lecker und gesund!
Die Gemüsebäckerei von Lina Wallentinson
Ich bin ein großer Fan von Lina Wallentinsons vorherigem Buch "Back doch mal mit Bohnen". Dieses ist ein toller Nachfolger! Es ist gesund, schmackhaft und oft auch optisch ein Hingucker, mit Gemüse zu backen und so mehr Vielfalt und Nährstoffe ohne Genussverlust in Brot, Brötchen und Backwaren zu bekommen.
Ein ganz kleiner Wermuttropfen ist die Tatsache, dass man manchmal etwas backen möchte, aber das passende Gemüse gerade nicht vorrätig hat. Oder man hat ein Gemüse, aber das Rezept damit passt grad nicht in den Speiseplan. Hier würde ich mir zusätzlich noch eine Austauschtabelle wünschen.
Ansonsten top!
Mehr Lust im Leben
Light my Fire von Sheila de Liz
Sheila de Liz schreibt locker, wie in einem Gespräch mit einer guten Freundin, von der Lust und der Sexualität ab etwa der Mitte des Lebens und von ihrer Bedeutung für ein gesundes Altern oder - charmanter formuliert - für Longevity.
Im ersten Teil erklärt Sheila ("Wir wollen uns duzen, oder?") Anatomie und Lustentwicklung, im zweiten die Gesundheit der Organe und die Bedeutung der Hormone und im dritten geht es um Erfüllung und persönliche Entwicklung.
Für die Lockerheit des Textes werden abstrahierte Fallgeschichten ihrer Patientinnen erzählt und daran aufgehängt die wissenschaftliche Sachlage erklärt.
Im Großen und Ganzen gefällt es mir gut, dass es dieses Buch bzw. ein solches Buch endlich gibt und der lockere Schreibstil, der es aber auch wenig flapsig macht. Und eine kleine Kritik ist, dass sicher niemand dem Verfall anheim fallen muss, der kein explizit großartiges Liebesleben hat, aber gar keine Bedürftigkeit empfindet - Körperlichkeit ist nur ein Baustein von vielen.
Wiederum gefallen mir die Zeichnungen und Illustrationen sehr .
Vier Generationen, etwa 100 Jahre, viele Umbrüche
Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe
Zwei Erbstücke spielen eine Rolle: ein Bücherschrank aus Kirschbaum, der so lebendig von Miriam Carbe beschrieben wird, dass man ihn fast sehen und riechen kann, und die Tagebücher ihrer Vorfahrinnen.
Mit wunderbarer Sprache erzählt die Autorin atmosphärisch von den Frauenleben ihrer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter, und von ihrem eigenen.
Beginnend mit der wilden Margarethe, die im Dresden der 1910er Jahre in der Villa der Eltern in großbürgerlicher Umgebung aufwächst, sich jedoch weniger für das von ihr erwartete Verhalten und vorgesehene Leben als voller Wissbegier für Bildung, die Moderne und Fröbels Erziehungsansätze interessiert. Am Ende heiratet sie dann doch und wird die Mutter von Marianne.
Marianne, die ihre Jugend begeistert im dritten Reich verbringt, in ihrer Liebesbeziehung zu ihrem Vorgesetzten schwanger und die Mutter von Monika wird.
Die Zeiten ändern sich erneut - Monika lebt 6 Jahre in der jungen DDR, bevor die Flucht in den Westen gelingt. Ein schwieriger Neustart und keine einfachen Jahre folgen, bevor 1967 Monikas Tochter Miriam geboren wird, Tochter eines nigerianischen Studenten, eine Herausforderung in Bezug auf Akzeptanz für Marianne und Margarethe.
In diesem großartigen Buch wird Zeitgeschichte über etwa 100 Jahre lebendig anhand von vier Frauenleben erzählt - ein lesens- und empfehlenswerter Roman, in den auch Zitate aus den Tagebüchern von Margarethe, Marianne und Monika einfließen.
Das schöne Garn des Lebens
Heimkehr nach Morioka von Yuki Ibuki
"Dir gefällt die Farbe nicht?"
"Nein, es ist nicht, dass sie mir nicht gefällt, aber ...Ach, aber eigentlich ... ist schon in Ordnung".
Mio, 17, wird in der Schule gehänselt und bleibt dem Unterricht fern. Zu ihren Eltern hat sie ein distanziertes Verhältnis, ist schüchtern und kann eine unendliche Reihe negativer Eigenschaften an sich aufzählen, jedoch nicht ihre Wunschfarbe benennen oder gar eine Position vertreten.
Zudem ist nicht nur ihr Verhältnis zu den Eltern sprachlos und schwierig, sondern auch zwischen den Eltern und zur Großmutter mütterlicherseits. Da gilt es also einiges aufzuräumen.
In der Annahme, dass ihre Mutter Mios roten Schal, in dem eingewickelt sie sich allein sicher und geborgen fühlt, in den Müll geworfen hat, flieht sie aus Tokyo nach Morioka zu ihrem Großvater väterlicherseits.
Dieser ist jedoch nicht nur der Inhaber der Weberei, in der ihre verstorbene Großmutter ihr den tröstenden roten Schal gefertigt hat, sondern auch ein Künstler, ein Forscher und Sammler, eine Persönlichkeit mit Kontakten im Ausland und zur Tokyoter Kunstszene.
Mio lernt von ihm und Yūko, einer weiteren Verwandten, die verschiedenen Arbeiten in der Manufaktur kennen und - man lernt nicht nur mit dem Kopf - gewinnt langsam Vertrauen in sich selbst. Wie wird ihr Weg weitergehen?
Ein ruhiges Buch, in dem der Leser - "gemach, gemach" - Mios Entwicklung und die ihrer Familie verfolgen kann, geschmückt mit einem wunderschönen Cover.
Magische Reise in ein Sehnsuchtsland
JAPAN - Kultur, Landschaft, Menschen & ein Leben mit Ikigai von Edition Michael Fischer
Dieses wunderschön gestaltete Buch ist schon optisch eine Augenweide, mit einer stilisierten Welle auf dem Cover und attraktivem Farbschnitt.
Egal, ob man als Leser von Japan träumt, eine Reise plant oder in Erinnerungen schwelgen möchte - hier findet wohl jeder etwas für sich!
Geordnet nach den Jahreszeiten, lernen wir - am besten kulinarisch begleitet durch eine Schale grünen Tee - die vielen Facetten eines Landes, das in etwa so groß wie Deutschland ist, ca.
50 % mehr Einwohner hat und dessen Nord-Süd-Ausdehnung gigantische 2400 km beträgt, kennen.
In schönen Fotos und kurzen Texten reisen wir durch das Land in seiner ganzen üppigen Vielfalt: alpine Gebirge, Mega-Cities, mittelalterliche Pilgerwege, das Erbe der Edo-Zeit, Manga- und Anime-Kultur, Farben, Formen, Blüten, hohe Ästhetik, traditionelles, Handwerk und modernste Technologien. Dazu noch typische Rezepte und Anregungen, wie man sich ein wenig Japan-Feeling nach Hause holen kann.
Mehr geht nicht zwischen zwei Buchdeckel, finde ich.
Ich empfehle das Buch unbedingt, auch wenn manche Fotos auf Glanzpapier wohl noch (!) mehr Ausstrahlung hätten, als sie ohnehin schon haben.
Drei Frauen, viele Geschichten
Ein Ort, der bleibt von Sandra Lüpkes
Ein Ort der bleibt - ein schönes Buch, das ich gern empfehle.
Drei Frauen, Magda, Mehpare und Imke.
Mehpare, die in der jungen türkischen Republik schon als Schülerin für die Botanik brennt.
Dr. Magda mit ihrem Mann Prof. Alfred Heilbronn aus Münster. Alfred Heilbronn verliert seine Professorentätigkeit aufgrund jüdischer Abstammung und erhält das lebensrettende Exil in der Türkei.
Und die listenschreibende Stadtplanerin Imke, die in der heutigen Zeit beruflich nach Istanbul reist.
Was diese drei Frauen verbindet: der botanische Garten von Istanbul.
Sandra Lüpkes erzählt gekonnt, lebendig, humor- und verständnisvoll die Schicksale und Geschichten rund um die drei Frauen und die Menschen, mit denen diese arbeiten und leben.
Ich bin sehr begeistert von diesem Buch. Am Ende findet sich ein kurzes Nachwort der Autorin, wie der Roman entstanden ist und eine Liste der historischen Personen.
Fazit: sehr lesenswert!








