Kunden em pfehlungen
Rezensionen von froschman:
Bozen-Thriller
In Zeiten des Todes von Luca D'Andrea
Der neue Commissario Luther Krupp übernimmt gemeinsam mit der Streifenpolizistin Arianna Lici die Ermittlungen an dem Mord einer jungen drogensüchtigen Prostituierten, die in einer kalten Winternacht auf einem Parkplatz am Stadtrand von Bozen gefunden wurde. Sie wurde mit zahlreichen Messerstichen und einem Halsschnitt regelrecht hingerichtet.
Krupp ist noch relativ neu und will sich nicht an die Gepflogenheiten seiner Chefs und Kollegen halten, die den Fall gleich zu den Akten legen wollte, da die Tote sowieso nur Müll sei.
Bald wird Krupp und Lici jedoch klar, dass sie einem Serienmörder auf der Spur sein könnten, es gibt nämlich ähnliche Fälle, die ebenfalls abgelegt wurden und eine weitere Tote Prostituierte. Sie sind allerdings nicht allein, denn ein engagierter junger Reporter einer Stadtzeitung hat die gleichen Überlegungen angestellt. Da sie bei ihren Recherchen auf große Ungereimtheiten innerhalb der ermittelnden Behörden stoßen, begeben sie sich selbst auch in Gefahr.
Luca D’Andrea hat mit diesem nach einem wahren Kriminalfall geschriebenen Thriller sehr deutlich gemacht, was passieren kann, wenn ganze Einheiten der Exekutive an einem Strang ziehen, um die eigenen Interessen bzw. Verfehlungen zu schützen. Störend waren die vielen Wiederholungen, die zum Teil mantramäßig, teilweise sogar absatzweise, niedergeschrieben wurden. Die Gegend um Bozen herum wurde detailliert beschrieben, man bekommt Lust auf einen Besuch. Die kurzen Kapitel erweisen sich leserfreundlich, das Gewicht des Buches mit seinen 724 Seiten ist jedoch schwerwiegend.
Ein ungewöhnlicher Junge
Darwyne von Colin Niel
Der zehnjährige Darwyne lebt mit seiner Mutter Yolanda in einem Slum am Rand einer Stadt in Französisch-Guayana im Amazonasgebiet. Er war von klein auf anders als die anderen Kinder, musste etliche Operationen über sich ergehen lassen, damit seine Füße normal waren. Er wollte von seiner Mutter so geliebt werden, wie seine ältere Schwester Ladymia.
Und er hatte Stiefväter, derzeit die Nummer acht. Yolanda ist schön und klug, die Stiefväter dagegen meistens gewalttätig und daher nicht allzu lange bei ihr und kehrten nie wieder zurück. Aber Darwyne hat eine besondere Beziehung zur Natur, konnte mit den Tieren kommunizieren, er war also wirklich anders. Yolanda tut alles, damit Darwyne in der Schule mitkommt, macht mit ihm die Hausaufgaben, allerdings mit Druck der Messerspitze auf Darwynes Schulter, sie hält Darwyne für ein Monster, ein kleines Opossum. Die Sozialarbeiterin Mathurine soll sich nach einer anonymen Anzeige um ihn kümmern und erkennt Darwynes besondere Beziehung zur Natur. Sie nimmt ihn mit anderen Sozialfällen mit auf ein Wochenende in der Natur. Hier keimt in ihr der Verdacht auf, dass Darwyne etwas mit dem Verschwinden der Stiefväter zu tun haben könnte.
Colin Niel schildert die verzweifelten Versuche Darwynes, aus seiner Not zu finden, auch mit Hilfe der lokalen Mythologie mit den Waldwesen Maskilili und Curupira. Die unheimlichen Geräusche des Dschungels werden deutlich hörbar. Die Sozialarbeiterin Mathurine war die einzige Person, die Darwyne verstand, trotz ihrer privaten Probleme
Für mich war das eigentlich kein Thriller, sondern ein Buch mit fantastischen Einflüssen, aber mit einer starken Botschaft.
Die Vergangenheit holt dich ein
Die Toten von Veere. Ein Zeeland-Krimi von Maarten Vermeer
Nach einem missglückten Einsatz wird Liv de Vries, Hoofdinspecteur der Landespolizei, nach Zeeland versetzt, um die Ermittlungen in einem Vermisstenfall aufzunehmen. Da die einstweilige Versetzung von ihrem Freund kommt, nimmt sie diese Aufgabe an, obwohl es normalerweise nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt.
Gemeinsam mit ihrer neuen Kollegin Noemi Boogard kommt sie darauf, dass es vielleicht einen Zusammenhang mit einem Jahre zurückliegenden Fall geben könnte, bei dem Esmée, ein Mädchen mit surinamischen Wurzeln verschwunden ist. Der jetzt Gesuchte war in diesen Fall verwickelt, kam durch de Vries Chef in ein Zeugenschutzprogramm und ist seither mit einer neuen Identität untergetaucht. Doch anscheinend hat ihn die Vergangenheit eingeholt, da auch rechtsradikale Gruppierungen sind auf der Suche nach ihm sind.
Vermeer hat in flüssiger Schreibweise einen Spannungsbogen mit dem rätselhaften Verschwinden sehr gut aufgebaut und durch die ereignisreichen Ermittlungen auf einem hohen Niveau gehalten. Der Krimi entwickelt sich zu einer recht komplexen Geschichte, in die auch niederländische Rechtspopulisten eingebunden sind und mit einem fulminanten Finale endet. Die dramatische Auflösung lässt auf eine Fortsetzung hoffen.




