Kunden em pfehlungen
Rezensionen von froschman:
Ein Team für alle Fälle
Die Kurve von Dirk Schmidt
Carl, der in seinem früheren Leben einmal Leiter des Jugendheimes Kurve in Herne war, hat sich selbständig gemacht und führt nunmehr ein etwas eigenwilliges Unternehmen für kriminelle Dienstleistungen. Mit seinem kleinen Team löst er alle möglichen Probleme, bis hin zum Mord. Er bekommt beinahe gleichzeitig zwei Aufträge.
Ein amerikanischer Millionär sucht den Mörder seiner Tochter und ein sterbenskranker Mafioso braucht einen geeigneten Nachfolger. Für beide Fälle hat Carl die richtigen Personen für die Lösung parat: Ridley, Mathematikgenie, und Betty, Tabledancerin, beide ehemals in der Kurve Stammgast. Er selbst lebt an der Cote Azur und steuert von dort aus telefonisch seine Mitarbeiter.
Dirk Schmidt hat mit diesem Buch sicher keinen Thriller geschrieben, sondern einen Krimi mit vielen Zeit- und Gedankensprüngen, die große Aufmerksamkeit benötigen. Obwohl kaum eine Gewalthandlung direkt beschrieben wird, ist Skrupellosigkeit und Gewalt ein Dauerthema. Die einzelnen Handlungsstränge waren etwas verwirrend, das Buch konnte mich nicht vollständig überzeugen.
Geisterdorf auf Sardinien
Der dunkle Sommer von Vera Buck
Die deutsche Architektin Tilda bricht nach einem Unglücksfall alle Brücken zu ihrer Heimat ab und kauft sich auf Sardinien um einen Euro ein Haus in der Geisterstadt Botigalli, in der niemand mehr lebt, nachdem es bei einer Hochzeit zu einer Tragödie kam, bei der vor 40 Jahren alle teilnehmenden Gäste ums Leben kamen.
Die Regierung will den Ort nunmehr wiederbeleben und hat diese 1-Euro-Aktion ins Leben gerufen – allerdings muss man das entsprechende Gebäude sanieren. Das Haus ist das letzte einer Sackgasse, nur mehr die Kirche ist wenige Meter höher gelegen.
Es stellt sich bald heraus, dass Tilda doch nicht die einzige Bewohnerin Botigallis ist, die Glocke in der Kirche läutet immer wieder. Der bettlägerige Silvio mit seiner Betreuerin Franca haben den Ort nicht verlassen, sie werden auch immer wieder vom Journalisten Enzo besucht, der die Wahrheit über den Vorfall von 1982 herausbringen will. Als Tildas Bruder Nino unerwartet auftaucht und bei ihr bleibt, gerät die Situation außer Kontrolle. Nino verschwindet plötzlich
Vera Buck hat diesen Thriller aus der Sicht von Tilda, Franca und Enzo geschrieben, Rückblicke in das Jahr 1982 mit den damals geltenden Rechtsbestimmungen machen das Buch besonders interessant und stimmen einen nachdenklich. Wichtig ist auch, das Nachwort zu lesen, da Teile des Buches auf wahre Begebenheiten beruhen.
Keine perfekte Familie
Don't Let Her Stay von Nicola Sanders
Joanne führt mit Richard eine glückliche Ehe. Als Evie geboren wird, will Richards Tochter aus erster Ehe, Chloe, sie besuchen. Aus dem Besuch soll allerdings eine dauerhafte Unterkunft werden. Und Joanne stellt sich vor, so eine richtige Patchworkfamilie zu werden. Unter vier Augen macht Chloe deutlich, dass sie Joanne nicht leiden kann, aber wenn Richard dabei ist, mimt sie die brave Tochter, die Joanne nichts recht machen kann.
Chloe intrigiert ständig, sodass Joanne bei Richard ins schlechte Licht gestellt wird. Dadurch kommt es zu Streitigkeiten beim Ehepaar. Joanne bemerkt, wie wenig sie eigentlich von Richard weiß, der sie bisher mit allem, was sie sich wünschte, überschüttet hat. Doch bald gerät alles außer Kontrolle. Joanne weiß nicht mehr, was wahr ist und wem sie eigentlich vertrauen kann.
Thriller kann man diesen Krimi eigentlich nicht bezeichnen, eher als einen Spannungsroman. Aber durch den angenehm zu lesenden Schreibstil in der Ich-Perspektive, stellenweise wie ein Tagebuch, kam man rasch voran. Etliche Wendungen, bei denen man glaubte, den wahren Täter bereits zu kennen, machten vor allem das Ende spannend.
Nach der Pandemie ist vor der Pandemie
Überleben ist alles von Ewan Morrison
Die fünfzehnjährige Haley wird gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Ben vom geschiedenen Vater während der Papa-Wochenendes entführt. Ihr Vater, ein ehemaliger Journalist und anscheinend ein Verschwörungstheoretiker, bringt die Kinder in eine völlig isolierte Farm in den schottischen Bergen, um die Kinder vor einer noch ärgeren als die vergangene COVID- Pandemie zu schützen.
Gemeinsam mit seiner neuen Partnerin, deren Sohn und zwei weiteren Personen hat er eine nahezu uneinnehmbare Unterkunft erbaut und versucht, autark zu leben, da er der Meinung ist, ein noch gefährlicher Virus ist in einem Labor außer Kontrolle geraten. In dieser Prepper-Unterkunft sind sie total von der Umwelt abgeschnitten, kein Telefon, kein Fernsehen oder Radio, Strom produzieren sie mit dem Windrad, mehrere Zaunanlagen schützen die kleine Siedlung. Doch was ist wirklich passiert? Gibt es diesen Virus?
Das Buch ist ein Tagebuch von Haley, teilweise verwirrend durcheinander geschrieben, was vielleicht einem Teenager entspricht. Ihre Gefühle gehen mit ihr durch, von aggressiv, sarkastisch, weinerlich bis mitleidhaschend. Die Idee zu diesem Thriller hätte Potenzial gehabt, aber mehr als ein Jugendkrimi wurde nicht daraus.
Tödliche Jagd
Der Wolf im dunklen Wald von Sia Piontek
Carla Seidel hat sich aus privaten und auch dienstlichen Gründen ins Wendland versetzen lassen. Jetzt wird sie mit der Ermittlung zu einem Mord im Dragahner Forst betraut. Während einer Gesellschaftsjagd von Heiko von Boenning wurde ein Teilnehmer vermisst, später wurde dieser in einem Waldstück brutal erstochen aufgefunden.
Obwohl bereits der erste Stich tödlich war, wurde noch sechsmal auf ihn eingestochen.
Carlas Tochter Lana schwärmt von Fabian von Boenning und hat die entsprechende Nacht mit ihm auf einem Hochsitz in der Nähe des Tatortes verbracht. Damit wird wieder einmal dienstliches mit privatem verbunden. Als ein weiterer Mord geschieht, ist für Carla klar, dass sie sich bei den Ermittlungen beeilen muss, denn es könnte jederzeit ein weiteres Opfer geben.
Gefühlt drehte es sich eher um eine kaputte Mutter/Tochter-Beziehung als um einen Krimi. Wie gewohnt hat Sia Piontek jedoch gut verständlich, fesselnd und flüssig geschrieben. Sie konnte einen Spannungsbogen aufbauen und bis zum Ende halten. Auch die kleinen Wendungen überzeugten. Bis zum Schluss konnte man nicht erahnen, um wen es sich beim Täter handeln könnte.
Düsteres Familiendrama
Verlassen von Eva Björg Ægisdóttir
Eine der reichsten Familien Islands trifft sich in einem angersagten Luxusresort inmitten der Lavafelder Westislands. Sie wollen den 100sten Geburtstag des verstorbenen Familienoberhauptes feiern. Die Hotelbedienstete Irma ist nervös, weil die berühmte Familie das gesamte Hotel gemietet hat, und sie darf sie bedienen.
Das Wetter wird zunehmend schlechter, ein Schneesturm zieht auf und es gibt keinen Handyempfang. Es gibt Spannungen in dem mächtigen Familienclan, der Alkohol fließt in Strömen. Als einer der Gäste spurlos verschwindet, wird klar, des es viele Geheimnisse in der Familie gibt.
Sævar und Hördur von der Kriminalpolizei Akranes beginnen zu ermitteln, sie müssen alle Familienangehörigen befragen
Eva Björg Ægisdóttir springt in diesem Krimi immer zwischen der Gegenwart und zwei Tage zuvor hin und her. Außerdem handeln die einzelnen Kapitel immer von anderen Personen und sind aus deren Sicht geschrieben. Da es sich um eine einflussreiche Familie handelt, die kaum Geheimnisse nach außen trägt, sind die Ermittlungen nicht leicht. Bis zum Schluss weiß man nicht, wer eigentlich das Mordopfer war und das macht es richtig spannend.
Junggesellinnenabschied in Marbella
Die Villa von Jess Ryder
Tiff organisiert für ihre Freundin Aoife den Junggesellinnen-Abschied auf Marbella, an dem nur vier weitere Freundinnen Aoifes, die sich nur zum Teil näher kennen, teilnehmen. Mit Celine arbeitet sie, mit Dany hat sie studiert und Tiff und Beth kennt sie seit der Kindheit. Doch bei diesem Abschied läuft einiges schief, Dani hat sich anscheinend hoffnungslos betrunken und Aoife wird ermordet.
Ein Täter konnte nicht ermittelt werden.
Drei Jahre später organisiert Dani eine Gedenkreise an den Todesort in Andalusien, sie verschweigt allerdings, dass sie genau die gleiche Villa gebucht hatte. Dani will herausfinden, was damals eigentlich wirklich geschah. Allerdings sind nicht alle davon begeistert und kaum, dass sie in der Villa eingetroffen sind, beginnen Streitereien, alte Wunden brechen auf.
Ryder schreibt in kurzen Kapiteln aus der Sicht der einzelnen Frauen und wechselt auch immer wieder von der Gegenwart zurück zur Tatzeit. Da die Kapitel aber dementsprechend beschriftet sind, tut man sich beim Lesen leicht. Die Beziehungen zwischen den Frauen werden gut beleuchtet, es ist nicht alles eitle Wonne. Da man von Beginn an wusste, dass Aoife an diesem Wochenende stirbt, fehlt teilweise die Spannung, die Lösung des Thrillers war nicht befriedigend.
Grenzüberschreitung, Teil 5
Grenzfall - Ihre Spur in den Flammen von Anna Schneider
Zur Zeit der traditionellen Sonnwendfeuer im Karwendel gerät bei Bad Tölz ein britischer Sportwagen von der Fahrbahn und geht, nachdem er einen Baum touchierte, in Flammen auf. Der Lenker, ein Immobilienmakler, bezahlt mit seinem Leben. Doch eine Augenzeugin will gesehen haben, dass eine Beifahrerin aus dem Wagen sprang, etwas hineinwarf und in den Wald davonlief.
Allerdings wird die Zeugin von ihrem Mann als nicht glaubwürdig beschrieben und die Beifahrerin wurde nicht gefunden. In Österreich wurden auch Brandanschläge, ebenfalls in der Immobilienbranche, verübt. Die Oberkommissarin Alexa Jahn von der Kripo Weilheim und ihr Vater Bernhard Krammer vom Landeskriminalamt Tirol beginnen wieder einmal gemeinsam zu ermitteln, aber es lassen sich vorerst keine Zusammenhänge erkennen.
In kurzen Kapiteln abwechselnd aus Alexas und Bernhards Sicht, wird ein kurzweiliger Krimi erzählt. Sozialkritische Themen, wie dubiose Immobiliengeschäfte, Wohnungsnot sowie die Behandlung von Flüchtlingen werden aufgegriffen. Die familiäre Beziehung zwischen Alexa und ihrem Vater Bernhard hat sich deutlich gebessert, sie informieren sich gegenseitig.
Gute Unterhaltung, man kann den Krimi weiterempfehlen.
Im Schatten der Schanze
Die Schanze von Lars Menz
Ellen Roth, Ärztin in Hamburg, hat über Vermittlung ihrer Schwester Saskia ein Angebot erhalten, in ihrer Heimatstadt in den Alpen die Gemeindearztpraxis zu übernehmen. Diesen Ort hatte sie nach der Abiturfeier fluchtartig verlassen und das Medizinstudium absolviert. Sie hat schlechte Erinnerungen an ihn und auch an ihren Vater, aber sie will sich ihren Ängsten und ihrer Depression stellen.
Gleich am ersten Tag geht sie am Abend joggen und kommt dabei zur Sprungschanze, wo sie mit einem Fernglas einen Körper oben am Ablauf sieht, am Geländer aufgehängt. Und sie erkennt in dem Opfer einen ihrer früheren Peiniger, den Bürgermeistersohn Johannes, es reißen wieder alte Wunden auf.
In dem kleinen Alpendorf scheint es Geheimnisse zu geben, man weiß nicht, wem man glauben kann und wem man vertrauen darf. Dadurch wird man angeregt, eigene Überlegungen anzudenken. Allerdings kommt es immer wieder zu unerwarteten Wendungen. Die polizeilichen Ermittlungen halten sich im Hintergrund, einzig der pensionierte Polizist Haußer sowie der Journalist Merab bringen Schwung in die Geschichte.
Mit kurzen Kapiteln versteht es Lars Menz, einen düsteren Thriller zu schreiben. Die beklemmende Enge und die winterliche Kälte lassen einen beim Lesen förmlich frösteln. Mit diesem Buch hat er ein erstaunliches Thriller-Erstlingswerk hingelegt!
Roccos letzter Fall?
Der zweite Verdächtige von Florian Schwiecker; Michael Tsokos
In einem einschlägig bekannten Berliner Nachtclub wurde die Leiche eines homosexuellen jungen Mannes gefunden. Nach Hinweisen soll Jan Staiger das Mordopfer nach einem Streit mit Liquid Ecstasy vergiftet haben. Obwohl es eigentlich nur Indizien gibt, wird Staiger vom übermotivierten Hauptkommissar Ralph Berger sofort festgenommen.
Der Rechtsanwalt Rocco Eberhardt übernimmt die Verteidigung und kann Staiger wieder auf freien Fuß setzen. Als jedoch in einem anderen Schwulen-Lokal wieder ein Mord geschieht und dieses Opfer die Telefonnummer von Stainer mit sich trägt, ist auch Rocco sich nicht mehr überzeugt von Stainers Unschuld. Aber mit Hilfe seines Freundes Tobi, der ihm immer wieder als Detektiv zur Seite steht, und des Rechtsmediziners Dr. Justus Jarmer versucht es Rocco wieder, eine Beweiskette aufzubauen, die Jan freisprechen kann.
Wieder einmal ist es dem Duo Schwiecker/Tsokos gelungen, einen fesselnden Justiz-Krimi zu schreiben, ein Buch mit kurzen Kapiteln. das man nicht mehr aus der Hand legen kann. Auch komplexe Zusammenhänge können von dem Trio gelöst werden. Allerdings dürfte es sich mit dem fünften Fall dieses Teams laut Buchrückentext leider um den letzten gehandelt haben, das mich wehmütig stimmt.











