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Rezensionen von Ele:
Mein Bruder der "Enthaupter"
Caligula von Simon Turney
Caligula, historischer Roman von Simon Turney, EBook 505 Seiten, erschienen im Ullstein Taschenbuch-Verlag.
Rom, 37 nach Christus. Als Kaiser Tiberius stirbt und er Caligula für die kaiserliche Erbfolge bestimmt, ahnt er nicht, dass er damit den berüchtigtsten Tyrannen erschafft, den das Reich je sehen wird: Caligula.
Caligula, wird zum Inbegriff eines wahnsinnigen Gewaltherrschers.
Doch war Caligula tatsächlich das Monster, als das er in die Geschichte einging? Livilla, seine jüngste Schwester, kennt ihn von einer ganz anderen Seite. In diesem Roman erzählt sie davon, wie ihr kluger nachdenklicher Bruder zum mächtigsten Mann seiner Zeit wurde. Und wie Intrigen, Mord und Verrat ihn und das römische Reich für immer veränderten.
Das Buch besteht aus 4 Teilen - aufgeteilt in 29 Kapitel, beides ist mit auf den Inhalt weisende Überschriften betitelt. Geschrieben im Ich-Stil aus Sicht der Schwester des Kaisers Iulia Livilla, die Caligula wohl am besten kannte. Die Gefühle und Stimmungen kommen auf diese Weise besonders gut zur Geltung. Am Anfang steht die Dramatis Personae. Sehr ausführlich und mit den dazugehörigen Jahreszahlen versehen, fand ich es besonders hilfreich, leider aber am Reader etwas kompliziert zu handhaben. Extrem interessant das am Ende platzierte Glossar in dem römische Orte und Begriffe erklärt werden und zusätzlich das Historische Nachwort.
Zuallererst kann ich dem Autor nur eine sorgfältige und genaue Recherche bestätigen. Im historischen Nachwort äußert er sich, dass er sich so nah wie möglich an den geschichtlichen Fakten orientiert hat und nur etwas hinzugedichtet hat, wenn es keine schriftlichen Aufzeichnungen gab. (Quellen beigefügt).
Mir hat die Lektüre viel Freude gemacht und interessante Informationen vermittelt. Die Geschichte des antiken Roms hat mich immer fasziniert, über Caligula habe ich mich schon in diversen Büchern informiert, doch in diesem Werk ist mir der Imperator anfangs sehr sympathisch und die Gründe für seine Veränderung werden plausibel und nachvollziehbar erklärt.
„ Er war ein komplexer und schwieriger Charakter, der mit den einflussreichsten und gefährlichsten Menschen des Reichs in Konflikt geriet. Es ist kaum vorstellbar, dass er tatsächlich jenes Ungeheuer war, zu dem die Nachwelt ihn stilisiert hat. Das einfache Volk Roms pries ihn den goldenen Prinzen und die Armee stand hinter ihm.“ (Autor)
Insgesamt habe ich festgestellt, dass selbst die gottgleichen Imperatoren in der Antike trotz all ihrem Reichtum und Ansehen, kein beneidenswertes Leben geführt haben. Mussten sie doch ständig Intrigen und Mordanschläge fürchten.
Der bildmalerische und flüssige Schreibstil hat mich fasziniert, stellenweise konnte ich den Reader nicht zur Seite legen, die letzten 200 Seiten habe ich in einem Stück und die halbe Nacht weggelesen. Ich habe mich des Öfteren wie auf einem Spaziergang durch das antike Rom gefühlt. Einziger Kritikpunkt, die Albträume der Livilla sind zu oft und immer mit den gleichen Worten beschrieben, irgendwann habe ich diese kursiv gedruckten Zeilen nur noch quergelesen. Eine besondere Empfehlung für Leser die sich für die antike römische Kaiserzeit und das alte Rom interessieren.
Von mir 5 Sterne.
Faust 2
Der Lehrmeister von Oliver Pötzsch
Der Lehrmeister, Historischer Roman von Oliver Pötzsch, E-Book 800 Seiten, erschienen im List Verlag.
Der 2. Band der Faustus - Dilogie.
Sechs Jahre sind vergangen, seit der berühmte Magier Johann Georg Faustus , seine Tochter Greta und der Gehilfe Karl von Nürnberg geflohen sind. Sein Ruhm ist immer weiter gewachsen.
Selbst der Papst lässt nach ihm suchen. Auch sein alter Erzfeind Tonio ist noch nicht besiegt. Eine seltsame Lähmung befällt Faust und auf der Suche nach Heilung durchstreift er Europa. Doch Faust ahnt, dass das Böse noch immer seine Hand nach ihm ausstreckt und dass er sich letztendlich stellen muss.
Eine Tragödie in 5 Akten, die in 29 längere Kapitel aufgeteilt ist, welche sich in überschaubare Leseabschnitte gliedern. Einzelne Kapitel sind mit Datum und genauer Ortsangabe überschrieben. Als Anhang gibt es wie so oft in Pötzschs Büchern einen Reiseführer auf Fausts Spuren, wie schon im Spielmann verbergen sich auch im Lehrmeister zahlreiche Goethe-Zitate, diese sind mit Seitenzahlen am Ende des Buches unter dem Begriff „Faust für Besserwisser“ aufgeführt.
Das Werk ist in flüssiger und bildmalerischer Weise geschrieben, jeder Satz und jede Szene liefen wie ein Film in meinem Kopf ab, die Handlungen der Charaktere und der Plot sind nachvollziehbar und logisch erzählt. Den zweiten Band der Dilogie fand ich stellenweise absolut gruselig und so detailgenau erzählt, dass mir des Öfteren eiskalte Schauer den Rücken hinuntergelaufen sind. Besonders zu denken gegeben haben mir die Anmerkungen im Nachwort. Der Autor bemerkt, dass schon Goethes Faust 2 ein Flop war und so ähnlich ist es mir auch im vorliegenden Band ergangen, die Reisen der Gefährten auf der Flucht vor Lahnstein, auf der Suche nach Leonardo da Vinci und am Ende auf der Reise nach Rom hatten für mich schier unerträgliche und unnötige Längen, da hätte ich am liebsten quergelesen. Wo mir im ersten Teil die Reisen noch aufregend und unterhaltsam vorgekommen sind, haben sie mich hier nur noch gelangweilt und zogen sich dahin. Dazu zitiere ich hier den Autor:“ Es wimmelt nur so von mythologischen Gestalten und Anspielungen gleichzeitig ist es eigentlich unmöglich, die Handlung halbwegs vernünftig zusammenzufassen. Amerikanische Filmproduzenten würden sagen:“Where the f… ist the plot?“ Dies ist die Meinung Plötzschs über Goethes Faust 2 und auch mir ging es so beim Lehrmeister. Der eigentliche Held im vorliegenden Band war für mich das Universalgenie Leonardo da Vinci, dieser Abschnitt hat mir im Buch am besten gefallen, auch die beschriebene Wirkung des Igró Pir des griechischen Feuers war höchst interessant, solche Stellen bestätigen, eine akribische Recherchearbeit des Verfassers.
Vom ersten Teil „Der Spielmann“ war ich absolut begeistert. Leider hat mir die Zähigkeit und Langatmigkeit beim „Lehrmeister“ die Lesefreude geschmälert. Immer wieder habe ich das Lesegerät für einige Zeit getrost zur Seite gelegt, ohne Angst etwas zu versäumen. Trotzdem möchte ich den zweiten Band der Dilogie empfehlen um die Geschichte zu vervollständigen. Von mir 3 Sterne.
Kleckse und Späne
Barbarotti und der schwermütige Busfahrer Roman. Gebunden. von Nesser Håkan
Barbarotti und der schwermütige Busfahrer, Krimi von Hakan Nesser, 416 Seiten, erschienen im btb Verlag.
Der sechste Band der Gunnar Barbarotti Reihe.
Gunnar Barbarottis langjährige Kollegin und inzwischen Lebensgefährtin Eva Backmann, musste bei einem Einsatz zur Schusswaffe greifen, was für einen Beteiligten mit dem Tod endete.
Nun wird gegen sie ermittelt. Um Abstand zu gewinnen, beschließen die beiden Kommissare, sich in die herbstliche Abgeschiedenheit auf der Insel Gotland zurückzuziehen. Als Barbarotti dort aber in einem Radfahrer jenen rätselhaften Busfahrer Albin Runge zu erkennen glaubt, der vor sechs Jahren Opfer eines Verbrechens geworden war, dessen Leiche aber nie entdeckt wurde, ist es mit der besinnlichen Zurückgezogenheit leider vorbei. Damals wie heute werden die beiden Kommissare von den mysteriösen Umständen des Falls in ihren Bann gezogen und die Ermittlungen beginnen von neuem.
50 Kapitel in angenehmer Schriftgröße gedruckt, sind allesamt mit dem Datum zu Teilen zusammengefasst und somit deutlich gekennzeichnet. Dies ist in diesem Buch sehr wichtig, denn die Handlung geschieht in drei Zeitebenen. Zum einen, Rückblicke in die Zeit vor und nach dem unsäglichen Busunfall, der 17 Jugendlichen und einer Erwachsenen, das Leben gekostet hat. Die nächste Zeitebene beschreibt die Zeit in der der schwermütige Unfallverursacher, die Drohbriefe erhält, die mit seinem mysteriösen Verschwinden in Zusammenhang stehen. Dazu kommt das Geschehen in der Gegenwart, das das Ermittlerduo nach Gotland führt und beinhaltet die damit verbundenen Nachforschungen. Dazwischen immer wieder in Ichform die Gedanken niedergeschrieben unter dem Titel „Kleckse und Späne“ aus der Sicht Runges. Die Drohbriefe, Bibelzitate und englische Phrasen erscheinen kursiv und sind somit deutlich im Text zu erkennen.
Am Anfang hatte ich durch die diversen Zeitebenen und Handlungsstränge Mühe in Lesefluss zu kommen, was sich jedoch bald geklärt hat und ich mich mühelos im Plot zurechtgefunden habe. Alle Handlungen und das Geschehen sind nachvollziehbar. Das Buch und dieser Fall sind nicht nervenzerreißend spannend aber im Lauf der Geschichte entwickelte sich eine Sogwirkung die es mir dennoch schwermachte, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen. Mehrere Lösungsmöglichkeiten habe ich in Betracht gezogen. Ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht, was es mit dem Verschwinden Runges auf sich haben könnte und schon lange vor den Ermittlern, den Fall auf dieselbe Weise geklärt. Doch weit gefehlt, erst auf den letzten Seiten zeichnet es sich ab, wie es wirklich war und ich muss gestehen ich war total über die Auflösung verblüfft. Genial! Der Schreibstil Nessers verblüfft mich wieder einmal total. Ein fast philosophisches Werk in schöner Sprache.
Mit Kommissar Gunnar Barbarotti ist Hakan Nesser ein ganz großer Wurf gelungen, die Harmonie in der Beziehung zu Eva Backmann machte mir viel Freude, ein Kommissar ohne Ecken und Kanten, einfach angenehm. Obwohl er schon ein klein wenig skurril ist, er spricht nämlich mit Gott, was weiter nicht verwunderlich wäre, aber Gott antwortet ihm auch! Wunderbar zu lesen wie seine Lebensgefährtin damit umgeht. Das Nesser auch humorvoll kann, hat er auch an einigen Stellen im Buch beweisen z.B., auf Seite 123 …der Irre im Weißen Haus, oder der Ausdruck: „genauso abwegig wie eine Schweinswurst in einer Moschee“ oder auf S. 313: „Albin Runge ist wirklich einer der naivsten Vögel gewesen, der jemals in einem Paar Schuhe herumgelaufen ist“. Solche Sätze haben mich zum Schmunzeln gebracht. Alles in allem war es ein Genuss, dieses Buch zu lesen. Ich kann es nicht nur den Fans von Hakan Nesser empfehlen. Es ist möglich dieses Buch als Einzelband zu genießen, Vorkenntnisse sind keine notwendig. Von mir deshalb eine uneingeschränkte Leseempfehlung und volle 5 Sterne.
Die Farbe der Liebe
Lisette und das Geheimnis der Maler von Susan Vreeland
Lisette und das Geheimnis der Maler, historischer Roman von Susan Vreeland, 608 Seiten, erschienen im Aufbau Taschenbuch Verlag.
Die Kunst ist Lisettes Leidenschaft. Dolch welches Opfer ist sie dafür zu bringen bereit?
1937 Lisette folgt ihrem Mann André aus der Stadt ihrer Träume Paris nach Roussillon, ein kleines Dorf in der südfranzösischen Provinz.
Hier, am Rande der legendären Ockerfelsen, ist sie durch die Enge und Einfachheit sehr bedrückt und kann sich nur schwer zurechtfinden. Andrés Großvater Pascal, ist alt und krank und soll von den beiden gepflegt und versorgt werden. Doch Lisette liebt das schillernde Leben in der französischen Metropole, erst als Pascal ihr von den legendären Ockerpigmenten die zur Herstellung der Farben benötigt werden erzählt, die in der Gegend um Roussillon gewonnen werden. Und von seiner Freundschaft mit Künstlern wie Pissarro und Cézanne berichtet, ist Lisette fasziniert. Die Sammlung von Gemälden die der alte Mann besitzt verzaubern sie und lassen sie die Schönheit der provenzalischen Welt erkennen. Als Pascal stirbt und André in den Krieg zieht, versteckt er die Gemälde und vertraut auch seiner Frau nicht an, wohin er die Bilder gebracht hat um sie vor den Nazis zu schützen. Doch André fällt und Lisette versucht nach dem Krieg, in dieser entbehrungsreichen Zeit, die Gemälde wiederzufinden. Findet Lisette die Bilder und auch ein neues Glück?
42 Kapitel sind in 4 Teile gegliedert, Kapitelüberschriften und beigefügte Jahreszahlen fassen die einzelnen Kapitel zusammen. Briefe und französische Ausdrücke heben sich kursiv geschrieben vom Text deutlich ab. Die Autorin hat sich der Ich-Form aus Sicht der Protagonistin bedient, eine weitere Zeitebene aus Sicht Pascals schildert die Geschehnisse und Erinnerungen aus seiner bewegten Vergangenheit. Susan Vreeland bedient sich einer herrlich bildhaften Erzählweise, Landschaftsbeschreibungen ziehen den Leser völlig hinein in die Geschichte. Das Setting ist genial beschrieben, sodass das Geschilderte wie ein Film vor den Augen des Lesers abläuft. Die Schilderung der Schönheiten der Provence ist der Verfasserin hervorragend gelungen und auch die Figuren haben Charaktertiefe und sind unheimlich liebenswert, ihr Handeln war zumeist nachvollziehbar. Die Gefühle Lisettes als sie vom Tod ihres Mannes erfahren hat, haben mich zutiefst berührt und waren glaubhaft. Einzig der Dorfgendarm Blanc und seine Handlungen sind mir immer ein wenig undurchschaubar geblieben. Diese Geschichte ist nicht wahr, aber so gut erzählt, dass sie es durchaus sein könnte. Am besten haben mir die Erzählungen über die Maler Cézanne, Pissarro und Chagall gefallen. Die im Buch beschriebenen Bilder sind zumeist real, immer wieder habe ich neben der Lektüre diese oder ähnliche Bilder der Künstler im Netz angesehen und auch über das Leben dieser Künstler nachgelesen, somit konnte ich mir das Beschriebene sehr gut vorstellen. Ein gelungen recherchierter kunsthistorischer Genuss, nicht nur für Kunstliebhaber, denn die Suche nach den verschwundenen Bildern gestaltete sich äußerst spannend. Einige unnötige Längen und ein paar Seiten weniger hätten jedoch gut getan. Insgesamt kommen jedoch zur spannenden Liebes- und Lebensgeschichte auch noch interessante Aspekte aus der Malerei der französischen Moderne und einige ihrer Vertreter hinzu. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten, habe einiges über Kunst dazugelernt und möchte dieses Buch nicht nur an Kunstliebhaber weiterempfehlen. 4 Sterne dafür.
Cold Case für Kluftinger
Lisette und das Geheimnis der Maler von Susan Vreeland
Funkenmord, Kriminalroman von Volker Klüpfel und Michael Kobr, 496 Seiten, erschienen im Ullstein Verlag.
Kluftingers elfter Fall ist die unmittelbare Fortsetzung von Bd. 10 „Kluftinger“, ein Cold Case der endlich zum Abschluss kommt.
Seinen ersten Fall hat er als junger Dorfpolizist erfolgreich abgeschlossen, was ihm letztendlich auch den Weg zur Kriminalpolizei geebnet hat.
Stolz darauf ist Kluftinger jedoch nicht. Er ist sich mittlerweile sicher, dass der Verurteilte, der für diese Tat jahrelang hinter Gittern gesessen hat, unschuldig ist. Mit dieser Meinung steht er jedoch ziemlich alleine da. Eine neue Mitarbeiterin steht ihm bei diesem Cold Case zur Seite. Seine Frau ist gesundheitlich angeschlagen und die Taufe seines Enkelkinds steht bevor. Kluftinger muss beides machen – Hausmann spielen und einen Mörder finden.
46 Kapitel in angenehmer Leselänge und ausreichend großer Schrift. Der Roman baut auf dem Inhalt des zehnten Bandes "Kluftinger" auf und es ist sehr empfehlenswert, diesen zuerst zu lesen, um der Handlung vollständig folgen zu können. Dialoge im Allgäuer Dialekt erzeugen Lokalkolorit. Emails, Briefe, englische Phrasen sind kursiv gedruckt und somit deutlich hervorgehoben. Der bildhafte, humorvolle und flüssige Erzählstil zeichnet die Autoren wieder einmal aus. Z. B. in solchen Sätzen wie auf S. 378: Seine Frau sah ihn an wie ein dickes Kind, das seinen Eltern eröffnet, es wolle Primaballerina werden.
Diesen elften Teil der Kluftinger- Serie habe ich als ganz besonders gelungen empfunden. Ein wahnsinnig spannender Fall, der sich erst auf den letzten Seiten klärt, ich habe tatsächlich bis zum Schluss mitermitteln können. Die Spannung bleibt gleichbleibend hoch.
Humor wie er mir gefällt, ohne peinlich oder klamaukig zu wirken. Des Öfteren musste ich laut lachen, herrlich lustige Szenen mit Situationskomik haben mich begeistert, gerne habe ich gelesen, wie Kluftinger die Wäsche, erledigt, an einem Thermomix-Abend teilnimmt und auch die Scharmützel mit seinem Lieblingsfeind – Dr. Langhammer (Kurpfuscher), zum Tränen lachen komisch. Das Buch beinhaltet auch wunderbar subtilen Humor, als Kluftinger in seinem Amt als stellvertretender Leiter des Kommissariats, einem Text für die Weihnachtsausgabe des Mitarbeitermagazins verfasst, in Anbetracht genderneutral zu sein und korrekt in gesellschaftspolitischer Hinsicht, das war ein wahres Meisterstück des Autorenduos. Ich finde die Kluftinger Krimis das Beste was in diesem Genre zu lesen ist, denn es geschieht eine Entwicklung in diesen Romanen, auch Kluftinger entwickelt sich weiter, er ist weniger brummig und stellt sich gesellschaftlichen Herausforderungen, ein hervorragender Ermittler mit „Bauchgefühl“ ist er sowieso. Die neue Kollegin im Kommissariat, ist flapsig unkompliziert und gut in ihrem Job, sie hat sich im Kollegenteam integriert und ich freu mich auf weitere Fälle mit ihr. Aus dem, wegen Strobls Tod geschrumpften Kollegium, ist ein schlagstarkes Ermittlerteam geworden, sie arbeiten professionell und unbedingt nachvollziehbar. Unsympathische Figuren gab es für mich nicht, sogar die Bösen sind glaubhaft charakterisiert. Meine Lieblingsfigur bei Funkenmord diesmal, der Klufti höchstselbst. Ein guter Ermittler ohne Alkohol- oder Eheproblemen und einfach ein Original.
Meine Lieblingsszene, Kluftinger kommentiert für den „Gegenschwieger“ in Japan, das Taufgespräch mit dem Pfarrer.
Kluftinger wird immer besser, ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Fall. Eine unbedingte Leseempfehlung für Klufti-Fans. Eigentlich ist es möglich die Serie auch einzeln zu lesen, doch hier sollte vorher unbedingt Bd.10 „Kluftinger“ gelesen werden. Natürlich alle 5 Sterne. Priml.
Packend und berührend
Bis wir uns wiedersehen von Catherine Bailey
Bis wir uns wiedersehen, Historischer Roman von Catherine Bailey, 488 Seiten, erschienen bei wbg Theiss. Orginaltitel The Lost Boys.
Eine Mutter, ihre geraubten Kinder und der Plan, Hitler umzubringen.
Hier wird von Catherine Bailey die Lebensgeschichte von Fey von Hassell erzählt. Sie war mit einem italienischen Adeligen und Widerstandskämpfer verheiratet, Ihr Vater Ullrich von Hassell wurde wegen einer Beteiligung am Stauffenberg-Attentat gegen Hitler im Herbst 1944 hingerichtet.
Fey wurde ihrer Kinder beraubt, deren Namen geändert und die an einem geheimen Ort gebracht wurden, sie machte eine Odyssee durch etliche Konzentrationslager (Stutthof, Buchenwald und Dachau). Eine dramatische Schilderung des Widerstands und des untergehenden tausendjährigen Reichs.
41 fesselnde Kapitel in angenehm großer Schrift teilten das Buch in gut lesbare Abschnitte. Zahlreiche Bilder beleben die Geschichte und es ist ein Leichtes sich die handelnden Personen vor Augen zu halten. Am Ende sind einige interessante Karten zu sehen, die dem Leser helfen, sich im Setting zu orientieren. Fußnoten sind mit * markiert, im Anhang sind ausführlich die Quellen und auch die handelnden Personen mit Seitenzahlen aufgeführt.
Dieses Buch hat mich einfach nicht losgelassen und ist mir sehr nahe gegangen, obwohl es am Anfang schwierig war in Lesefluss zu kommen. Die politischen Zustände, Familienzusammenhänge und die Aktivitäten der italienischen Partisanen und die umfangreiche Vorgeschichte haben mich nicht so sehr interessiert. Doch allmählich hat sich eine unheimliche Sogwirkung eingestellt. Ich musste mich, auch weil es mich so sehr berührt hat, dazu zwingen, das Buch aus der Hand zu legen und das gelesene zu verdauen und darüber nachzudenken. Unfassbar welches Leid und welche Ungerechtigkeit den Angehörigen, bzw. Sippenhäftlingen der Verschwörer vom 20. Juli, angetan wurden. Nebenbei und gerade auch das war es was mich zutiefst betroffen gemacht hat, die Schilderungen und Tagebucheinträge dieser Sippenhäftlinge über die Zustände in diversen Konzentrationslagern. Das ist ein Teil unserer Geschichte, der mich immer wieder ganz tief betroffen macht. Besonders hervorheben möchte ich auch die Reaktion, des damaligen Militärischen Berichterstatters und späteren Bundeskanzler H. Schmidt, sein Brief an die Witwe von Hassell über die Größe die ihr Gatte beim Prozess gezeigt hat. Das wusste ich nicht und es hat mich zu Tränen gerührt. Immer wieder musste ich pausieren, weil ich das Weiterlesen einfach nicht mehr ertragen habe. Natürlich hat auch das Schicksal von Corrado und Roberto, von Fey und Detalmo Pirzio-Biroli mich nicht ruhen lassen. Die Spannung war wirklich unerträglich. Ich wusste nicht, dass dieses Attentat so viele „Opfer“ hatte. Auch nach der Lektüre bin ich auf weiterführende Veröffentlichungen (z.B. Tagebuchberichte) der Verwandten, der betreffenden Verschwörer neugierig geworden. Sicher werde ich mich auch noch näher mit den Attentaten gegen den „Führer“, die immer wieder scheiterten befassen. Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Buch lesen konnte und bin stolz und froh, dass es solche Menschen gab, die sich trauten, dem NS Regime zu trotzen und dabei ihr Leben und das ihrer Angehörigen zu gefährden.
Die Figuren sind gut beschrieben, die guten wie die Bösen sind hervorragend charakterisiert und ihr Handeln ist nachvollziehbar.
Die Autorin hat wirklich hervorragende Recherchearbeit geleistet, das merkt man in jedem Satz auch an den umfangreichen Quellenangaben. Eine bildhafte und flüssige Erzählweise in einer außergewöhnlichen Klarheit und Eleganz kann ich nur bestätigen. Ein Buch welches geschrieben werden musste, eine unbedingte Leseempfehlung und 5 verdiente Sterne.
Frauenroman zum größten Fest der Welt
Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis von Petra Grill
Oktoberfest 1900, Historischer Roman von Petra Grill, Ebook 428 Seiten, erschienen im Fischer-Verlag
Der Kampf zweier Frauen um Liebe und Aufstieg, auf dem größten Volksfest der Welt.
Colina ist Biermadl beim Lochner und dort muss sie sich Einiges und nicht nur von der männlichen Kundschaft gefallen lassen.
Gewitzt schafft sie es, Gouvernante im Hause des ehrgeizigen Brauers Prank zu werden. Er steckt in Machtkämpfen um das Oktoberfest, seine Tochter Clara will er verheiraten, um dort Einfluss zu gewinnen. Durch atemberaubende und spannende Entwicklungen werden Clara und Colina Freundinnen. Und beide versuchen es, ihre Träume wahr werden zu lassen.
45 Kapitel in Leseabschnitte von angenehmer Länge aufgeteilt, ließen mich nur so durchs Buch fliegen, Lesefluss stellte sich schon auf den ersten Seiten ein, ungern wollte ich das Lesegerät zur Seite legen. In einem sehr sympathischen Münchner Dialekt, gewürzt mit dem ein oder anderen derben Kraftausdruck, vergisst der Leser niemals wo und in welcher Zeit er sich befindet.
Die Geschichte ist faszinierend, spannend mitreißend und sehr bildhaft erzählt. Die Personen kann man sich gut vorstellen, das Setting ist sehr gut beschrieben, da freue ich mich schon auf die baldige Verfilmung des Buches, ob alles tatsächlich so erscheint wie ich es mir in Gedanken vorstellen konnte. Dem Streben von jungen Frauen, Vorstreiterinnen weiterer Generationen haben wir es heutzutage zu verdanken, dass Frauen nicht mehr wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Was Frauen in abhängigen Berufen z.B. als Dienstboten oder Kellnerinnen sich alles bieten lassen mussten ist unglaublich. Die z.Zt. häufig erscheinenden Romane dieser Frauen faszinieren mich sehr. Der Plot ist unbedingt nachvollziehbar, genauso könnte es sich abgespielt haben. Dazu kommen hier auch historische Personen zum Einsatz, allen voran Franziska von Reventlow die in der Münchner Boheme um 1900 eine schillernde Figur war. Dazu die Hinweise auf die Satirezeitschrift „Simplicissimus“ und allem voran das bekannte Gemälde der schönen Kellnerin auf dem rollenden Bierfass, dies alles schafft Lokalkolorit und totalen Münchner Flair. Eigentlich handelt es sich beim Oktoberfest 1900 auch um einen Kriminalroman, denn es wird gemordet, gestohlen und betrogen, damals schon wie auch heute um Macht Geld und Ansehen wird mit harten Bandagen gekämpft. Mehrere Plottwists und ein ungeahntes Ende halten die Spannung hoch bis zum Schlusspunkt. Gerne habe ich ein wenig mitgerätselt. Ganz schlimm fand ich auch die Schilderung, der damals wohl üblichen „Völkerschau“ auf dem Oktoberfest.
Die Charaktere waren voller Leben und handelten zu jeder Zeit glaubwürdig. Meine Lieblingsfiguren, natürlich Colina und der Oberwachtmeister Lorenz Aulehner. Richtige Originale mit dem Herz am rechten Fleck, die ihre Ziele verfolgen und sie letztendlich erreichen. Wobei mir Clara und Curt Prank, sowie Roman Hoflinger eher suspekt blieben. Der schlimmste von allen Rupp Maier, Colinas versoffener und brutaler Mann, war richtig abstoßend und gut geschildert.
Es war wirklich ein Genuss mit diesem Ebook in München um 1900 einzutauchen, hervorragende Unterhaltung. Ein aufregendes Leseerlebnis. Eine tolle fesselnde und spannende Geschichte. Eine absolute Leseempfehlung und von mir 5 Sterne.
Ein Leben für die Wissenschaft
Madame Curie und die Kraft zu träumen von Susanna Leonard
Madame Curie und die Kraft zu träumen, Historischer Roman von Susanna Leonard, eBook 324 Seiten, erschienen bei Ullstein eBooks.
Einblicke in das Leben einer großen Forscherin, die Unglaubliches geleistet hat. Eine Pionierin, ja Vorkämpferin die vielen Frauen den Weg in Forschung und Wissenschaft gebahnt hat.
Mania – Maria Skłodowska Curie, die weltberühmte Physikerin und Chemikerin die zusammen mit ihrem Mann den Nobelpreis für Physik und später den Nobelpreis für Chemie errungen hat, entdeckte zusammen mit ihrem Mann die Elemente Polonium und Radium. Die gebürtige Polin, die in Frankreich wirkte war die erste Professorin die einen Lehrstuhl an der Pariser Sorbonne innehatte. Sie prägte die Bezeichnung Radioaktivität. Bedingt durch ihre unermüdlichen Forschungen litt sie an der Strahlenkrankheit und starb an einer dadurch bedingten Knochenmarkschädigung.
Dieses Buch besteht aus drei Teilen, die in überschaubare Kapitel eingeteilt sind. Die Geschichte lebendig zu erzählen ist der Autorin sehr gut gelungen, da sie in zwei Zeitebenen erzählt wird. Madame Curie schildert hier in Rückblicken, die Geschichte ihres Lebens. Die einzelnen Kapitel sind mit Ort und Zeitangabe überschrieben, das ermöglicht dem Leser jederzeit den Überblick zu behalten.
Schon lange verehre und bewundere ich die Lebensleistung Curies, da erschien mir dieses Buch wie für mich geschrieben. Ich wurde hervorragend unterhalten die Lektüre hat mir große Freude bereitet. Dementsprechend rasch hatte ich das Buch auch gelesen. Dass die Autorin eine hervorragende Recherchearbeit geleistet hat, merkt man in jedem Satz. Nicht nur die biografischen Fakten wurden hier aufgeführt sondern auch die politische Lage und die damaligen Verhältnisse sind exakt geschildert.
Die Idee die Protagonistin aus der Gegenwart ihre Lebensgeschichte rückblickend selbst erzählen zu lassen, fand ich geschickt gelöst. Lesefluss stellte sich unmittelbar ein. Mir hat es sehr viel kurzweilige Freude bereitet, dieses Buch zu lesen, ich war in der Handlung und konnte das Buch kaum aus der Hand legen, Ich habe schon viele Bücher und Filme über Marie Curie gelesen und gesehen, vorliegendes Buch fand ich besonders reizend, da ich eine Menge über ihre Kindheit und Jugendjahre erfahren habe, z.B. den frühen Verlust ihrer Mutter und Schwester, die schwierigen Verhältnisse durch die russische Diktatur in Polen. So musste Marie als Hauslehrerin arbeiten um ihr Studium in Paris zu finanzieren, was in Polen zu dieser Zeit für eine Frau nicht möglich war. Ihre erste unglückliche Liebe, das alles hat mir die große Wissenschaftlerin sympathisch und menschlich erscheinen lassen. Besonders gut gefallen hat mir die Schilderung des liebevollen und respektvollen Umgangs der Eheleute Curie. Pierre Curie hat seine Gattin stets bestärkt und unterstützt. Die Protagonistin kämpfte ihr ganzes Leben lang gegen die Vorstellung, dass Frauen Menschen zweiter Klasse oder das schwache Geschlecht sind. Und dafür, dass Frauen die gleichen Rechte wie Männer für sich beanspruchen dürfen, sich den Naturwissenschaften zu widmen und auch dafür anerkannt zu werden. Deshalb fand ich es schade, dass das Buch mit dem Tod ihres Mannes endet. Marie Curie hat als Witwe, auch ohne ihren Mann noch viel geleistet, gearbeitet und geschaffen. Sie hat in ihrem Leben alles erreicht was sie sich erträumt hat, dafür gekämpft und gelitten, das macht diese Frau für mich so bewundernswert.
Es gibt hier zwar keine klassischen Spannungsmomente, aber es ist eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Die Szenen und Charaktere, sind sehr bildhaft lebendig und detailliert dargestellt, aber nicht so ausschweifend, als dass sie an irgendeiner Stelle langatmig werden würden. Ich bin begeistert. Gerne empfehle ich diesen historischen Roman und vergebe 5 Sterne.
Noch ein Coronabuch
Der Corona-Effekt von Eichel Christine
Der Corona Effekt, Sachbuch von Christine Eichel, 126 Seiten, erschienen bei Harper Collins
Zwischen Shutdown und Neubeginn.
Zuerst einmal finde ich es etwas vorschnell in diesem Stadium der Pandemie überhaupt ein Buch zu schreiben, welches sich mit dem Thema beschäftigt. Vielleicht ist es das Bestreben, monitär an dem Hype um die Krise beteiligt zu sein.
Bei knapp 126 Seiten und dem Preis welches das Buch kostet, drängt sich mir da der Gedanke schon auf.
Da ich solchen „Ratgebern“ sowieso von Haus aus skeptisch gegenüber stehe, hätte ich mir dieses Werk niemals gekauft, ich habe es „geliehen“ bekommen. In ein paar Stunden hatte ich das Buch gelesen. Ich möchte gerne zugeben, dass ich mit Schmunzeln und einem Augenzwinkern mich und meine Familie in den ersten Kapiteln zum Lockdown erkannt habe. Netflix, Gesellschaftsspiele, renovieren, alles dabei. Doch des Weiteren habe ich in vorliegendem Werk nichts Neues erfahren, was der aufmerksame Nachrichten- und Zeitungskonsument in den letzten Monaten nicht sowieso schon wusste. Interessant fand ich im Kapitel um die Verschwörungstheorien, die wertfreie These der Autorin über die Gründe warum es überhaupt so weit kommen konnte, da musste ich ihr tatsächlich zustimmen. Am besten gefallen hat mir auf S.97 der Satz von Karl Valentin: „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es jetzt schon ist.“ Auch die Erwähnung, der Aussage von Jens Spahn, dass man hinterher „einander viel zu verzeihen habe“, das fand ich gut.
Die Sprache im Buch fand ich gestelzt, die Zeilen sind gespickt mit Fremdwörtern. Etliche Sätze musste ich immer wieder lesen, um sie zu verstehen.
Die Autorin führt auf, dass in der Krise Maßnahmen getroffen wurden, die sich später, als falsch herausgestellt haben, weil man das Virus und die Krankheit besser erforscht hatte. Schon jetzt ein Buch über das Geschehen zu schreiben ohne am Ende der Pandemie zu sein, finde ich jedoch genauso schlecht.
Letztendlich ist jeder aufgerufen, eigenverantwortlich zu Handeln und zu wählen zwischen Aufbruch und Endzeitstimmung. Das werde ich in gewissem Abstand für mich entscheiden, dazu hätte ich dieses Buch nicht gebraucht. Von mir 2 Sterne.
Die Sigrid-Saga
Der Corona-Effekt von Eichel Christine
Die Saga von Vinland, Historischer Roman von Iny Lorentz, 576 Seiten, erschienen bei Knaur HC
Norwegens Fjorde, Islands Geysire und Gletscher sowie der raue Nordatlantik bilden den Schauplatz dieses grandiosen Mittelalter – Romans.
Jarl Eyvind raubt die schöne Jarlstochter Sigrid, die ihm von ihrem Vater Ulfar verweigert wurde, nachdem er zum Verräter geworden war.
Bei diesem Überfall geraten auch die beiden Freunde Andreas und Ailmar in seine Hand. Der Griff nach dem norwegischen Thron scheitert und deshalb will Eyvind mit seinen Getreuen eine neue Heimat finden. Sie ziehen über Island und das raue Nordmeer, denn dort soll es ein Land geben indem Milch und Honig fließt – Vinland. Die dort ansässigen Eingeborenen jedoch wollen sich nicht aus ihrer Heimat vertreiben lassen und sich auch Eyvind nicht kampflos unterwerfen. Die junge Grönländerin Ingridur, Sigrid, Andreas und Ailmar haben ein gemeinsames Ziel, sie streben danach, ihre Freiheit wiederzuerlangen und in die Heimat zurückzukommen. Erbitterte Kämpfe und eine entbehrungsreiche Zeit stehen den Gefährten bevor.
Ein neuer Roman des erfolgreichen Autorenduos, der mich bestens unterhalten hat. Eingeteilt in 12 Teile, die in einzelne Kapitel in angenehmer Leselänge aufgeteilt sind, haben mich nur so durch das Buch fliegen lassen. Die Autoren haben es schon in mannigfaltigen Büchern geschafft, mich zu fesseln. So auch in vorliegendem Band. Der bildmalerische und flüssige Erzählstil macht es dem Leser leicht, in Lesefluss zu kommen und dabei zu bleiben. Die Geschichte ist verständlich und nachvollziehbar beschrieben, die Figuren sind gut angelegt und handeln authentisch. Wie gewohnt in den Büchern von Lorentz. Die Guten edel, tapfer und gerecht und die Bösewichter verschlagen, grausam und intrigant. Gewisse Wiederholungen und unnötige Längen sind vorhanden, haben mich aber kaum gestört. Eine starke Frau, die als Leitfigur dargestellt wird, war aber nicht die Protagonistin Sigrid, sondern eher die Grönländerin Ingridur, deshalb im Buch auch meine Lieblingsfigur. Ein interessanter Charakter für mich, der glücklose Eyvind Erlingarson. Eine mäßig hohe, gleichbleibende Spannung zieht sich durch das gesamte Buch bis zum vorhersehbaren Ende. Durch die auktoriale Erzählweise, hat der Leser die Möglichkeit zum einen, die Gedanken und Handlungen der Siedler und zum anderen auch das Agieren, der Ureinwohner Nordamerikas, der herabwürdigend bezeichneten „Skrälinger“, auf Vinland zu verfolgen. Das hat mir gut gefallen, unvoreingenommen und ohne zu werten, beide Seiten kennenzulernen. Gerne habe ich des Öfteren auf das Glossar am Ende des Buches zurückgegriffen, dort werden, Historische Personen, nordische Begriffe, die Charaktere, die Orte und ihre heutigen Namen erklärt. Eines hätte ich mir gewünscht, nämlich eine Karte auf der, der Leser die Reise über den Nordatlantik und die dort angesteuerten Inseln, nachverfolgen kann. Gerne hätte ich auch nachgesehen wo an der Atlantikküste Nordamerikas, das Setting des Buches angesiedelt ist.
Alles in allem ein Buch, dessen Lektüre mich gut unterhalten hat. Ich habe von Iny Lorentz jedoch schon einige bessere Romane gelesen. Deshalb von mir 3,5 wo nötig 4 Sterne.









