Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Pusteblümchen:
Ostberliner Kindheit
Adlergestell von Laura Laabs
Die Ich-Erzählerin wird 1990 gemeinsam mit Lenka und Chaline in Berlin eingeschult. Es ist die Zeit des Umbruchs, alles verändert sich. Dabei ist der Blick der jungen Protagonistin auf die Ereignisse ausgesprochen interessant. Diese rückblickende Sicht aus Kinderaugen ist ungewöhnlich, wird hier aber gut umgesetzt.
Durch weitere Perspektiven ergibt sich ein rundes Bild der damaligen Zeit, der Stimmung unter den Menschen und der Atmosphäre im Land.
Die Zeitebenen wechseln, die Charaktere haben sich in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt. Ich habe diese Entwicklung gerne verfolgt.
Obwohl die Handlung eher ruhig ist, bleibt es spannend das Aufwachsen in der Nachwendezeit und wie diese das Leben der Menschen geprägt hat, mitzuerleben.
Da ich diese Zeit miterlebt habe und diese parallel zu meiner Kindheit und dem Erwachsenwerden lag, kam es mir vor als ob ich ein Stück Geschichte, einen Teil meines Lebens erneut erlebe.
Unfassbare Schicksale
Der Sommer am Ende der Welt von Eva Völler
Ich lese sehr gerne historische Romane, bin aber immer wieder erschüttert über das, was in der Vergangenheit passiert ist. In diesem Buch geht es um ein Stück Zeitgeschichte, über das ich bisher nur wenig wusste, das zeitlich nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt ist und das sich mit dem Schicksal der Verschickungskinder befasst.
Die Mutter der Journalistin Hanna ist 1963 zu einer Kinderkur nach Borkum geschickt worden und hat dort Schreckliches erlebt. Hanna möchte mehr darüber erfahren und begibt sich zum Nachforschen nach Borkum. Dort hilft ihr der Inselarzt Ole in den sich Hanna prompt verliebt und dessen Familie eine dunkle Vergangenheit hat.
Das Schicksal der Kinder, die damals zur Kur nach Borkum kamen, ist einfach schrecklich. Ich musste beim Lesen mehrfach pausieren, da mich die Ereignisse so mitgenommen haben. Durch die Liebesgeschichte in der Gegenwart werden die heftigen Ereignisse der Vergangenheit dankenswerterweise ein wenig abgemildert.
Das Buch hat mich wirklich mitgenommen und war alles andere als leichte Kost. Dennoch finde ich es wichtig, dass es gelesen wird, damit diese Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten.
Schmerzhaft und voller Poesie
Öffnet sich der Himmel von Seán Hewitt
James ist sechzehn, lebt auf dem Land und möchte das ewig gleiche Dorfleben nur noch hinter sich lassen. Er fühlt sich fremd, ist unsicher und wird von seinen Mitschülern ausgegrenzt. Als der siebzehnjährige Luke in sein Leben tritt, wächst in ihm eine unglaubliche nie dagewesene Sehnsucht.
Die Ereignisse werden aus der Ich-Perspektive von James erzählt.
Dadurch wird seine Verletzlichkeit, sein Gefühl der Verlorenheit so greifbar, dass es beim Lesen schmerzt. Die Beziehung zwischen ihm und Luke steckt voller Spannungen. Eine unerfüllte Liebe, ein schwierige Freundschaft, Annäherung, die immer durch Distanz gekennzeichnet ist, da die beiden einfach zu unterschiedlich sind.
Ich war tief beeindruckt von der poetischen Sprache, der empathischen Erzählung, die mich berührt und ganz für sich gefangen genommen hat.
Das ist für mich der beste Coming-of-Age-Roman gewesen, den ich bisher gelesen habe und das sowohl inhaltlich als auch literarisch.
Auf der Flucht!
Deckname: Bird von Louise Doughty
Die gesamte Handlung dreht sich um Heather Berriman genannt Bird. Sie arbeitet für eine Abteilung des britischen Geheimdienstes. Völlig unerwartet gerät sie während einer Besprechung in die Rolle der Verdächtigen. Dank ihrer jahrelangen beruflichen Erfahrung weiß sie, was das bedeutet. Sie muss weg, jetzt und sofort.
Ihre Flucht liest sich wie eine Reise durch unterschiedliche Länder. Dabei muss sie immer wieder neue Rollen einnehmen.
Es ist ein spannender Thriller, der weniger von Action, sondern mehr von seiner atmosphärischen, stets leicht beklemmenden Stimmung lebt und der mit Tiefgang brillant geschrieben ist.
Der Schreibstil ist ruhig und beobachtend, aber stets voller Spannung, eine Kombination, die mich beeindruckt hat. So war ich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt.
Für mich war es das erste Buch von Louise Doughty, aber nun bin ich durchaus gespannt auf weitere Werke von ihr.
Elefanten, überall Elefanten
Das Geschenk von Gaea Schoeters
Als plötzlich überall in Berlin Elefanten auftauchen ist das Chaos perfekt. Sie sind ein Geschenk des Präsidenten von Botswana an Deutschland, da die deutsche Regierung ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen erlassen hat. Durch Bundeskanzler Winkler wird eiligst eine Krisenstab einberufen. Deutschland steht vor einer enormen Herausforderung.
Das Buch hat gerade mal etwas über 140 Seiten, ist aber gehaltvoller als so manch dicker Wälzer.
Wie schon in ihrem Buch „Die Trophäe“ gelingt es Gaea Schoeters eine ungewohnte Perspektive einzunehmen, um ihren Lesern die Augen zu öffnen.
Natürlich ist der Schutz der Tiere wichtig, aber nicht durch ein einfaches Importverbot von Jagdtrophäen zu erreichen. Die Autorin macht hier auf die weitreichenden Folgen aufmerksam.
Es werden viele aktuelle politische und gesellschaftlich relevante Themen angesprochen wie Globalisierung, ökologische Stabilität, Natur- und Klimaschutz. Obwohl alles einen ernsthaften und wichtigen Hintergrund hat, gelingt es der Autorin dank der skurrilen Situation und ihres satirischen Untertons, mich immer wieder zum Lachen zu bringen.
Für mich ist es ein unbequemes aber gleichzeitig auch unfassbar gutes Buch.
Verlust und Heilung
Das Geschenk des Meeres von Julia R. Kelly
Der Fischer Joseph rettet nach einen Sturm einen Jungen, der am Strand angespült wird. Er bringt ihn zum Pfarrhaus. Dort kann der Junge nicht bleiben und so kommt es, dass Dorothy, die vor zwanzig Jahren in einer Sturmnacht ihren Jungen an das Meer verloren hat, diesen zu sich nimmt. Kurioserweise sieht das fremde Kind aus wie ihr Sohn.
Das bleibt auch im Dorf nicht unbemerkt und führt dazu, dass die Vergangenheit wieder lebendig wird.
Die Geschichte handelt auf zwei Zeitebenen „Damals“ und „Jetzt“ und auch die Perspektive wechselt immer wieder. Dadurch ergibt sich ein umfassendes Bild der Dorfbewohner, der eingeschworenen Gemeinschaft, in der geklatscht und getratscht wird.
Es geht um verpasste Chancen, Trauer, Verlust und Neubeginn. Durch den angespülten Jungen werden in Dorothy Erinnerungen wach und sie beginnt damit, das was sie über Jahrzehnte verdrängt hat, zu verarbeiten. Aber es geht nicht nur um Dorothy, sondern um das Leben eines ganzen Dorfes, in dem es Dorothy als Fremde nicht leicht hatte.
Der kleine Junge ist in mehrfacher Hinsicht ein Geschenk. Durch ihn ändert sich die Dynamik im Dorf und sein Auftauchen sorgt dafür, dass die Vergangenheit aufleben kann, um im Anschluss für Heilung zu sorgen.
Auf der Suche nach Zugehörigkeit
Wohin du auch gehst von Christina Fonthes
Mira und Bijoux haben ihren Ursprung im Kongo.
In den 1980er Jahren verliebt sich Mira gegen den Willen ihrer Eltern und zieht nach Europa. Im Jahr 2004 folgt ihr ihre Nichte Bijoux, die ihre Tante als verschlossene und strenggläubige Frau kennenlernt. Bijoux verliebt sich in eine Frau, versucht dies vor Mira zu verbergen, aber nicht nur sie hat Geheimnisse auch ihre Tante hat viel alleine und mit sich ausgemacht.
Der Roman ist bewegend, mitreißend und lebendig zugleich. Ich war total gefesselt von dem kraftvollen, regelrecht lautem Schreibstil der Autorin. Sie nimmt kein Blatt vor dem Mund. Beschreibt komplexe Lebenswege, schreckt ihre Leser auf und macht auf Missstände aufmerksam.
Es sind zwei Leben, unterschiedliche Lebenswege, die aber dennoch miteinander verbunden sind.
Christina Fonthes Erzählstimme hat etwas Einzigartiges. Sie ist schwungvoll und fesselnd, so dass sie dafür gesorgt hat, dass ich trotz der schweren Thematik das Buch nicht aus der Hand legen wollte.
Blütenduft und Sommerluft
Der Garten der kleinen Wunder von Patricia Koelle-Wolken
Zwischen Blumenbeeten und Obstbäumen hat Toja ihre Heimat und zu sich selbst gefunden. Ihr Garten ist ein ganz besonderer Garten, ein Garten, in dem man Kraft tanken kann. Als die vierzehnjährige Vica an ihrem Gartenzaun auftaucht, entdeckt sie in dem introvertierten Mädchen sich selbst wieder und möchte für sie einen Ort schaffen, an dem sie sich sicher und wohlfühlen kann.
Neben Vica und Toja gibt es weitere Charaktere, von denen jeder sein eigenes Schicksal trägt und liebevoll gezeichnet ist. Es sind Menschen, die es keineswegs immer leicht im Leben hatten, die man aber einfach mögen muss.
Neben wundervollen Beschreibungen des Gartens, steckt das Buch voller kleiner Weisheiten. Ich musste mich beim Lesen immer wieder bremsen, damit ich diese nicht überlese, da die Autorin sehr emotional schreibt und die Seiten nur so dahin fliegen.
Diese bezaubernde Geschichte, in der es um Selbstfindung und Heilung geht, hat mich sehr berührt und ist weitaus tiefgreifender als ich es vermutet hatte.
London & Paris
Die verschwundene Tochter von Soraya Lane
Das Buch beginnt ähnlich wie die vorherigen Bände und mir gefällt dieser Wiedererkennungseffekt dieser Reihe sehr.
In der Gegenwart bekommt Blake von einem ehemaligen Londoner Frauenhaus eine kleine Schachtel mit dem Namen ihrer Oma, in der sich ein Stück Samt befindet. Sie möchte mehr erfahren und begibt sich aus beruflichen Gründen zu Recherchezwecken nach Paris.
In der Vergangenheit geht es um Evelina, eine Modedesignerin in Paris in der Zeit von 1927-1946.
Die beiden Geschichten, die die Autorin hier miteinander verbunden hat, sind jede für sich emotional und spannend zugleich.
Blake hatte kein einfaches Leben, da sie sich um ihre Geschwister kümmern musste. Ich habe sie gerne bei ihren Recherchearbeiten in Paris begleitet.
Dabei konnte ich sowohl in die schimmernde Modewelt von Paris der Vergangenheit eintauchen sowie in die Verlagswelt der Gegenwart in London.
Es sind zwei Liebesgeschichten, die eine in der Vergangenheit und die andere in der Gegenwart. Beide stecken voller Emotionen und Überraschungen. Alle Charaktere werden lebendig beschrieben und wirken authentisch.
Mir hat das Buch gut gefallen, es ist einfach wunderschön für ruhige Lesestunden.
Greta und Vincent
Pinguine fliegen nur im Wasser von Henriette Krohn
Dies ist ein wunderschöner Sommerroman, der zeigt, wie eine zufällige Begegnung das Leben verändern kann.
Vincent ist Unternehmensberater bzw. war, da er seinen Job und seine Wohnung an dem Tag, als er in das Taxi von Greta steigt verliert.
Greta hat die Villa ihrer Großmutter geerbt und bietet Vincent einen Deal an.
Wenn er ihr bei der Renovierung hilft, darf er mietfrei bei ihr wohnen.
Damit beginnt eine wirklich schöne Geschichte in der wir nach und nach immer mehr über das Leben von Greta und Vincent erfahren, die aneinander wachsen und eine einzigartige Entwicklung erleben.
Neben Momenten, die zum Nachdenken anregen und humorvollen Szenen gibt es kreative Einblicke in die fortschreitenden Renovierungsarbeiten.
Es ist ein Roman, der aus dem Leben gegriffen ist, mit Chaos, Emotionen und sympathischen Charakteren.











