Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Krani:
Spannende Jagd um historische Juwelen
Im Auftrag der Fugger - Der Burgunderschatz von Peter Dempf
Afra ist eine junge Bettlerin, die 1503 in Augsburg lebt. Sie gerät an den „Fugger-Boten“ Herwart. Mit ihm reist sie nach Basel, um Teile des Burgunderschatzes für Jakob Fugger zu kaufen. Es wird eine abenteuerliche und lebensgefährliche Reise. Der Autor hat schon mehr als ein Dutzend solcher Romane geschrieben und dafür auch Preise erhalten.
Das Buch ist flüssig zu lesen und äußerst spannend geschrieben. Die Heldin Afra weiß sich zu behaupten, ist mutig, gutherzig und ziemlich clever. Sie besitzt einen durchaus vielschichtigen Charakter; neben ihr bleibt selbst Herwart etwas blass.
Zu dieser Zeit gab es in Deutschland keine Post, keine öffentlichen Verkehrsmittel und keinerlei Fürsorge für Waisen und arme Leute. Doch wir erfahren nur wenig darüber, wie die Menschen damals im Alltag lebten. Auch der historische Jakob Fugger hat nur wenige, recht kurze Auftritte. Da hätte ich mir mehr gewünscht. Es gibt einige interessante Einzelgestalten, die ein Schlaglicht auf die Zeit hätten werfen könnten, aber ihre Geschichten werden nicht weiter vertieft. Schade.
Wir erleben eine spannende Abenteuergeschichte voller Cliffhanger und Gefahren, die auch in vielen anderen Zeiten hätte spielen können. Es ist eher ein Thriller als ein historischer Roman. Nicht alle Handlungsstränge werden zu einem Ende geführt, es bleiben Fragen offen. Es gibt ein Personenverzeichnis und ein kurzes Glossar. Eine Landkarte der Gegend, durch die Afra und Herwart unterwegs sind, wäre auch noch hilfreich gewesen.
Wegen der Blässe der Charaktere und der vielen vergebenen Chancen, mehr über diese Zeit zu erfahren, gebe ich nur drei Sterne.
Das Leben nach seinem Tod
Von hier aus weiter von Susann Pásztor
Marlenes Ehemann Rolf war schwer an Krebs erkrankt, als er Suizid beging. Marlene bleibt allein zurück. Tragischer kann eine Geschichte kaum anfangen. Doch Marlene findet ins Leben zurück.
Wie erleben diese Entwicklung aus Sicht von Marlene selbst. Ihre Verzweiflung ist sehr glaubwürdig, und ihre Resignation ist es ebenfalls.
Was sie tut und nicht tut, kann man gut nachfühlen. Sie gerät in schräge, fast witzige Situationen, neben aller Tragik. Dieses Nebeneinander funktioniert, und es macht das Besondere dieses Buches aus.
Nach ziemlich schrägen Anfangsszenen in der Toilette eines Gasthofes entsteht der Eindruck, das Ganze sei doch ein wenig vorhersehbar: Als ein ehemaliger Schüler von Marlene auftritt und kurzerhand bei ihr einzieht, bringt er neue Aspekte in ihr Leben und kommt ihr auch menschlich etwas näher. Doch er bleibt eine Nebenfigur und lässt ihr Raum, ihr und ihrem Schmerz. Eine frühere Freundin von Marlene hört nicht auf, Kontakt zu ihr zu suchen und hat schließlich eine Überraschung für sie. Damit wird eine wunderschöne Versöhnung mit der Katastrophe um den Verstorbenen möglich.
Die Autorin hat es geschafft, aus einem höchst tragischen Setting eine Wohlfühlgeschichte zu machen, die glaubhaft ist und überrascht. Bravo!
Geld erklären
Money Mindset. Finanzieller Erfolg beginnt im Kopf von Simon Schöbel
Der Autor betreibt verschiedene Kanäle im Internet, auf denen er Finanzwissen teilt. Dieses ist sein erstes Buch.
Der Ansatz ist interessant: Schöbel entschlüsselt zunächst Glaubenssätze, die uns im Umgang mit Geld beeinflussen. Aus subjektiven Gründen machen wir Fehler, anstatt uns von Vernunft leiten zu lassen.
Dann geht es um Fakten: Aktien, ETF, Zinseszins und verschiedene Arten von Gewinn, den man machen kann. Wichtiger Aspekt: An der Börse zu investieren bedeutet, auf Zeit zu setzen. Das braucht Geduld. Man muss abwarten können und sollte nicht auf jedes kleine Auf und Ab reagieren. Bei Immobilieninvestment, Blockchains, Rohstoffen bleibt das Buch etwas an der Oberfläche. Das ist auch alles nicht so leicht zu verstehen.
Hilfreich ist der Plan, wie man sich finanzielle Ziele setzt und erreicht. Und immer wieder wichtig: Das langfristige Denken.
Schließlich geht es dem Autor darum, wie man zufrieden wird. Dazu gehört genug Geld, aber dazu gehört auch noch mehr. Auch ein Grund, warum man sich nicht allzu oft um die Finanzen kümmern sollte.
Insgesamt ein informativer und kluger Einstieg.
Fesselnd erzählt
Die Tochter der Drachenkrone von Sabrina Qunaj
Die Autorin schrieb schon einige Romane, die im mittelalterlichen Wales an den Fürstenhöfen spielen und das Leben historischer Persönlichkeiten schildern. Hier steht eine starke Frau im Mittelpunkt: Gwenllian ferch Rhys.
Die Lebensgeschichte der Gwenllian ist fesselnd und emotional erzählt. Als kleines Mädchen und Tochter eines großen Fürsten erlebt sie furchtbare Demütigungen und Kriege.
Ihre Brüder bekämpfen einander, und sie selbst muss Position beziehen. Das Leben der Fürsten besteht aus Bündnissen und Kriegen, die immer wieder neu aufflammen. Gwenllian lehnt es ab, sich nur zu Bündniszwecken zu verheiraten. Sie hat das seltene Glück, eine große Liebe zu finden, die auch noch in die fürstliche Politik passt. Aber von schlimmen Erfahrungen bleibt sie nicht verschont.
Die Hauptperson entwickelt sich vom radikalen Kind zu einer reifen Frau. Durch eigene Kinder verschieben sich ihre Wertigkeiten und sie schafft es, Bündnisse und Freundschaften mit dem Feind einzugehen, um zu überleben und um den Frieden zu sichern. Ihre Entwicklung und ihr Charakter sind glaubhaft und sympathisch - sie könnte eine Frau von heute sein.
Detailreich wird auch die Lebensweise geschildert: Frauen und Männer leben getrennt von einander, selbst Eheleute treffen sich nur am Abend. Geiseln werden im Rahmen der Bündnispolitik freiwillig gegeben: Nur wenn sich der „Bündnispartner“ gut benimmt, erhält er sein Familienmitglied unverletzt zurück, auch wenn das Jahre dauert. Und selbst bei ihren eigenen Brüdern ist Gwenllian nicht vor Überraschungen sicher.
Eine ganz normale Frauengeschichte aus einer fremden Zeit, mitreißend erzählt. Weil ich wirklich abtauchen konnte, vergebe ich hier alle fünf Sterne.
Bäuerliches Leben heute
Alles büddn wild von Annemarie Paulsen
Die Autorin betreibt einen preisgekrönten Instagram-Kanal mit 150.000 Followern, auf dem sie in kurzen Filmchen die Arbeit auf dem Bauernhof vorstellt. Nun also ein Buch.
Sie schreibt witzig und manchmal nachdenklich. Schon auf Instagram hat sie viel Humor an den Tag gelegt, der macht jetzt ihre gedruckten Texte angenehm zu lesen.
Sie schildert Autobiografisches, auch aus ihrer Kindheit und Jugend. Damit umfasst ihr Buch rund dreißig Jahre bäuerliches Leben in Deutschland.
Ich hatte etwas mehr skurrile Geschichten erwartet, so wie in der Leseprobe. Zwar beginnt jedes Kapitel mit einer witzigen und schrägen Anekdote, aber meistens folgen Betrachtungen und Gedanken über das heutige Leben der Bäuerinnen und Bauern. Das ist interessant für Leute aus der Stadt, die davon keine Ahnung haben, aber hohe Ansprüche an ihre Nahrung stellen. Und es ist interessant für Leute vom Lande, die sich manchmal auch Gedanken machen müssen, wie es weiter gehen kann mit der Landwirtschaft, mit dem eigenen Hof und den Tieren.
Somit war es ein interessanter und unterhaltsamer Einblick in eine Welt, über die ich wenig wusste, allerdings mit Längen.
Frau, Wut, Drachin
When Women were Dragons - Unterdrückt. Entfesselt. Wiedergeboren: Eine feurige, feministische Fabel für Fans von Die Unbändigen von Kelly Barnhill
Eine alternative Gegenwart: Im Jahr 1955 verwandeln sich hunderttausende Frauen in den USA in Drachen. Dieser Sache auf den Grund zu gehen, ist nicht möglich, denn es gibt Denkverbote. Und es gibt Scham. Die Drachinnen werden als etwas Unanständiges betrachtet.
In den fünfziger Jahren können Frauen praktisch nur Hausfrau und Mutter sein, etwas anderes ist nicht möglich.
Alex ihat eine Begabung für Mathematik, sie hat Mutter und Tante verloren und ihr Vater lehnt es ab, ihr ein Studium zu finanzieren. Um Klos zu putzen, so sein Argument, brauche es keinen Universitätsabschluss.
Die Sprache ist schön, oftmals poetisch und sehr angenehm zu lesen. Die Hauptperson Alex ist leidenschaftlich, zielstrebig und durchaus glaubwürdig. Doch die Geschichte einer Frau, die sich gegen alle Widerstände Bildung und ein eigenes Leben erkämpft, hat man schon allzu oft gelesen. Alle anderen Persönlichkeiten wirken etwas blass.
Die Idee, dass unterdrückte Frauen aus Wut zu Drachinnen werden, funktioniert als Geschichte nicht so richtig. Die Wut ist mehr als begreiflich. Aber Drachen mit Lippenstift und Handtäschchen? Zwar gehören Feuerspeien und das Verschlingen von Menschen zu den Dingen, die diese Drachinnen tun. Doch sie backen auch Kuchen, häkeln und besuchen den Gottesdienst oder eben Schulen und Universitäten.
Eine kühne Idee, deren Umsetzung mich nicht überzeugt hat. Besonders unpassend fand ich den englischsprachigen Titel für ein Buch in deutscher Sprache.
Gerstenmus, Pestilenz und Wiedertäufer
Am Fluss der Zeiten von Ulrike Renk
Westfalen, 1550: Auf dem Bauernhof Kalmule lebt Elze mit ihrer Familie. Sie hat zwei Geschwister, ihre Eltern, eine Schwägerin und eine Tante. Sie alle sind Eigenbehörige (Leibeigene) des Amtes Lüdinghauses und des Domkapitels von Münster. Was das bedeutet und wie der Alltag auf so einem Hof ablief, ist Inhalt der Geschichte.
Dann muss Elze den Hof verlassen.
Die Story entfaltet sich nur langsam. Vieles muss erklärt werden. Es gibt zwar ein Glossar und auch ein Personenverzeichnis, aber wie genau die Menschen im 16. Jahrhundert auf dem Lande lebten, das ist uns heute vollkommen fremd.
Die Autorin nimmt ihre Aufgabe, uns das damalige Leben zu zeigen und verständlich zu machen, sehr ernst. Das ist eine besondere Qualität aber auch eine Schwäche des Buches, weil es das Lesen anfangs etwas schwer macht. Wenn man sich aber daran gewöhnt und sich eingelesen hat, wird die Geschichte sehr fesselnd und die Menschen erscheinen immer vertrauter. Sinnlich und bilderreich werden wir in eine fremde Zeit geleitet, aus der die unsere entstand.
Elze ist eine sympathische, fleißige und pragmatische Person, der manchmal auch übel mitgespielt wird. Sie ist ungewöhnlich intelligent. Im Laufe der Geschichte wird sie einige Jahre älter und um einige Erfahrungen reicher.
Wer sich für Geschichte und die Lebensweise der „kleinen Leute‟ interessiert, findet hier detailreiche und spannende Lektüre. Alle anderen müssen ein bisschen Geduld mitbringen, die aber belohnt wird.
Schön und hilfreich
Slow Gardening von Elisabeth Grindmayer; Stephanie Haßelbeck
Hier geht es um den Nutzgarten, wie man ihn seit vielen Generationen auf Bauernhöfen pfegt. Es wachsen Gemüse und Obst, Kräuter für die Küche und Blumen für die ganze Wohnung wachsen. Die Autorinnen haben sich ihr Gartenwissen selbst angeeignet. Dafür haben sie aus vorherigen Generationen gelernt, aber vor allem von der Natur selbst.
Dazu laden sie hier ein.
Das Buch enthält viele nützliche Tipps, die auch einer gartenlosen Städterin helfen können. Zum Beispiel über Schnittblumen oder Pflanzen, die auch im Haus oder auf dem Balkon gedeihen. Einige Gemüsesorten, die gerne hier wachsen, werden genauer vorgestellt. Manche Pflanzen bevorzugen ganz bestimmte Nachbarn. Manche Samen lassen ich leichter ziehen als andere. Listen, was in welchem Monat zu tun ist, ergänzen die Inspirationen. Rezepte und Tipps für die Haltbarmachung gibt es auch.
Insgesamt ein pragmatisches Werk mit wunderschönen Fotos. Wer es mal versuchen möchte, findet hier einen guten Start. Wer bereits gärtnert, findet Neues und Hilfreiches. Leseempfehlung!
Spannender Kreuzfahrt-Thriller
Kein Land in Sicht von Christina Pertl
Die Hauptperson erwacht ohne jede Erinnerung auf einem Kreuzfahrtschiff. Wir begleiten ihre Versuche herauszufinden, wer sie ist und worin ihre Aufgabe besteht. Die zweite Hauptperson befindet sich in einer äußerst misslichen Lage, und sie weiß sehr genau, wer sie ist und welches Verbrechen es hier aufzuklären gilt.
Nur wir als Lesende müssen noch etwas warten.
Das ist schon vom Konstrukt her sehr auf Spannung ausgelegt. Ein typischer Thriller, in dem die Gefahren wachsen, Verbündete sich als Verräter entpuppen und die Protagonistin in kleinen Schritten entdeckt, worum es hier geht und was sie zu tun hat. Der Stil ist knapp aber flüssig, es gibt keine umfassenden Schilderungen und Beschreibungen. Es geht ausschließlich um Spannung, und das funktioniert auch.
Die Gäste auf dem Kreuzfahrtschiff sind etwas grob gezeichnet. Fast alle Passagiere sind unsympathisch und lenken nicht von der Entdeckungsreise der Protagonistin ab. Allerdings habe ich mich gefragt, ob sie nicht mehr wissen müsste aus ihrem früheren Leben, trotz Amnesie. Den Text von Bohemian Rhapsody kennt sie schließlich auch noch. Aber erst als sie ihren Namen und ihre Aufgabe wiederfindet, gewinnt sie auch menschlich an Profil.
Eine gelungene Spannungsgeschichte für entspannte Lesestunden.
Komplex
Das große Spiel von Richard Powers
Es beginnt mit einer Gottheit, und dann startet das große Spiel des Lebens auf unserer Erde – im Wasser. Dann geht es um vier Personen, die zunächst jeder für sich eine Persönlichkeit entwickeln, erwachsen werden und dann aufeinander treffen.
Die Geschichte geht viel zu langsam los und erschließt sich auch nach zweihundert Seiten nur sehr zögernd.
Nun kommen die vier Hauptpersonen auf der Pazifik-Insel Makatea zusammen und eine neue Herausforderung kommt auf sie alle zu.
Einzelne Szenen zu lesen, macht wirklich Freude, der Stil ist einfühlsam und sehr flüssig. Beeindruckend sind die Tauchgänge, in denen Evie die seltsamen Wesen schildert, die dort in der Tiefe leben. Aber allzu schnell und sehr konsequent wechselt der Autor immer wieder zu ganz anderen Szenen, und auch in ganz andere Zeiten und Mileus. Die junge Evie braucht nur ein paar Dutzend Seiten, um eine alte Frau zu werden. Da muss man beim Lesen immer gut im Blick haben, wo und wann man sich gerade befindet. Ich hatte „Der Klang der Zeit‟ gelesen, deshalb war ich neugierig auf das neue Buch von Powers. Es ist mir zu kompliziert.
Eher etwas für Literaturstudiere im höheren Semester.











