Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Island :
Agentin wider Willen
Bevor die Welt sich weiterdreht von Luca Brosch
Die junge Schweizer Krankenschwester und Tochter eines angesehenen Davoser Hoteliers kommt schwanger vom Einsatz in einem Lazarett zurück in ihre Heimat. Ihr Vater sorgt dafür, dass das Kind heimlich geboren und direkt nach der Geburt weggeben wird, weil er andere Pläne für seine Tochter und Angst um den guten Ruf seiner Familie hat.
Als sich Johanna die Gelegenheit bietet, ihre kleine Tochter wiederzufinden, wenn sie für den deutschen Geheimdienst spioniert, lässt sie sich auf das riskante Spiel ein. Im neutralen Davos befinden sich aber auch Agenten anderer Nationen, sogar in Johannas engsten Umfeld.
Ich fand diesen Roman sehr interessant und aufschlussreich, weil der Erste Weltkrieg einmal aus einer ganz anderen Perspektive beleuchtet wurde. Besonders gut haben mir die kurzen Rückblicke gefallen, in denen man erfahren hat, welches Schicksal die jeweilige Person dazu bewogen hat, ihre besondere Tätigkeit auszuüben. Johanna als Protagonistin, die sich nicht auf ihrer reichen Herkunft ausruht und als Krankenschwester und später auch als Spionin viel Einsatz zeigt, war mir sehr sympathisch. Nur der Schluss der Geschichte stellte mich nicht so recht zufrieden. Der Schreibstil war gut lesbar, veranschaulichte aber auch die Gräuel, die ein Krieg mit sich bringt.
Berlin in den goldenen 20er Jahren
Lindy Girls von Anne Stern
Im Zentrum des Romans stehen Choreographin Wally Kaluza und ihre Lindy Girls, ein bunt zusammengewürfelter Haufen junger Frauen, die die Leidenschaft für moderne Tänze, wie sie aus Amerika nach Deutschland kommen, verbindet. Der Geschichte spielt im Berlin der goldenen 20er Jahre, als es nach dem Ersten Weltkrieg langsam aufwärts geht, aber auch die Nationalsozialisten schon langsam beginnen, ihr Unwesen zu treiben.
Die jungen Tänzerinnen kommen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen. Thea, die durch eine Erkrankung eine Gehbehinderung hat, die man beim Tanzen aber nicht bemerkt, ist aus ihrem wohlhabenden Elternhaus ausgebrochen, Alice trägt die Verantwortung für ihren minderjährigen Bruder und Gila, die selbst nicht tanzt, aber in enger Verbindung zu der Truppe steht, möchte Schriftstellerin sein und nicht nur Tippfräulein bei einer Zeitung.
So hat Anne Stern die Stimmung und die Lebensumstände dieser spannenden Zeit in Berlin sehr gut eingefangen und gezeigt, wie vielfältig die Leben der, sich langsam emanzipierenden, Frauen damals waren, dass die Männer aber dennoch in vielfacher Hinsicht dominiert haben und die Frauen mit allen möglichen Problemen zu kämpfen hatten. Auch das Elend abseits des Glamours auf den Bühnen und in den Nachtclubs kommt nicht zu kurz. Der Schreibstil der Autorin war gewohnt gut lesbar und anschaulich. Die Covergestaltung passt ebenfalls sehr gut zur Thematik des Romans.
Selbstjustiz?
Monster von Nele Neuhaus
Der neueste Fall beschäftigt Pia Sander und Oliver von Bodenstein mit dem Mord an einer Schülerin, die nachts erdrosselt und hinter einem Marienaltar in der Nähe ihres Elterhauses abgelegt wurde. An ihrer Kleidung finden sich unter anderem DNA-Spuren eines jungen Asylbewerbers, der schon einmal für ein Sexualdelikt verurteilt und gerade aus der Haft entlassen wurde.
Da dieser in seiner Unterkunft nicht anzutreffen ist, wird öffentlich nach ihm gefahndet, was direkt wieder einen Teil der Bevölkerung gegen Flüchtlinge aufbringt. Zudem wird kurz darauf die übel mit Bisswunden zugerichtete Leiche eines Mannes gefunden, der ebenfalls frisch aus der Haft entlassen war, nachdem er bei einem illegalen Autorennen eine schwangere Frau totgefahren hatte.
Ich fand diesen Kriminalroman sehr spannend, es deutete sich zwar relativ bald an, was hinter dem Tod des Mannes steckt, bezüglich der Schülerin gab es aber immer wieder falsche Fährten und erst ganz am Ende kam es zur Aufklärung des Falles. Auch das Privatleben der Ermittler:innen, insbesondere von Pia Sander, spielt eine gewisse Rolle, sodass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Gut fand ich auch die aktuellen Bezüge mit der aufgeheizten Stimmung Flüchtlingen gegenüber. Der Schreibstil der Autorin war gewohnt gut lesbar und so anschaulich, dass man sich gut an die Orte des Geschehens versetzen konnte.
Der Mörder ist unter uns
Mord im Christmas Express von Alexandra Benedict
Die mit 49 Jahren gerade freiwillig in den Ruhestand gegangene Ex-Kommissarin Ross will mit dem Nachtzug von London in die schottischen Highlands, wo ihre Tochter vorzeitig in den Wehen liegt. Ihre bunt zusammengewürfelten Mitreisenden in der Ersten Klasse wollen größtenteils zum weihnachtlichen Familienbesuch, das geben sie zumindest vor.
Das Schneechaos sorgt dann allerdings dafür, dass der Zug mitten auf freier Strecke, fernab jeder Zivilisation entgleist und dann gibt es auch noch Tote, sodass Ross wohl oder übel zurück in ihre alte Rolle schlüpfen muss, um Spuren zu sichern und den Mörder aufzuhalten.
Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Atmosphäre im edlen Nachtzug und in den winterlichen Highlands, wo dieser schließlich strandet, einzufangen und auch die Charaktere der verschiedensten Mitreisenden gestaltete sie sehr überzeugend und auch die persönliche Geschichte von Ross spielt immer wieder eine Rolle. Etwas verwirrt haben mich manchmal nur die vielen verschiedenen Namen, da musste ich mich teilweise erstmal wieder orientieren, wer nun genau wer ist. Was und wer genau hinter den Morden steckte, blieb lange spannend, da immer wieder falsche Fährten gelegt wurden. Somit handelt es sich um einen empfehlenswerten Krimi für die (Vor-) Weihnachtszeit und/oder eine lange Zugfahrt.
Auf nach Kanada
Wintertraum in Kanada von Ruth Bennett
Bei diesem Buch haben mich das schöne Cover mit der tollen Landschaft und der traumhaft gelegenen Hütte und der Schauplatz, das winterliche Kanada, direkt neugierig gemacht.
Die Protagonist:innen Sara und Paul beschließen nach einer Kanada-Reise dorthin auszuwandern und kaufen von Deutschland aus ein Haus an einem See, das sie bisher aber nur von außen und von Bildern aus dem Internet kennen.
Dort wollen sie ein Bed&Breakfast eröffnen, doch das Gebäude entpuppt sich als total marode. Zudem stehen kurz nach ihrer Ankunft dort auch schon diverse Überraschungsgäste aus ihrer alten Heimat vor ihrer Tür.
Die Umsetzung des Romans hat dann aber nicht ganz meinen Erwartungen entsprochen. Ich habe mich auf einen winterlichen Liebesroman vor schöner Naturkulisse gefreut, bei dem dann auch nicht alles vollkommen realistisch sein muss, wenn es der Handlung gut tut. Aber leider waren mir Sara und Paul in ihrer Herangehensweise dann doch einen Tick zu naiv und unbeholfen, als dass ich mich noch wirklich in sie hineinversetzen konnte. Auch das mit den Überraschungsgästen war meiner Meinung nach etwas zu viel des Guten, hier hätte auch ein überraschender Besuch gereicht und ich hätte mir stattdessen gewünscht, dass die Erlebnisse in und mit der unbeschreiblichen kanadischen Natur im Winter noch mehr Raum einnehmen. Zugutehalten muss man dem Roman, dass sich, insbesondere unter den Einheimischen auch sehr liebenswerte Nebenpersonen befinden. Was den Schreibstil der Autorin angeht, war dieser grundsätzlich gut lesbar, es wäre aber hilfreich gewesen, Zeitsprünge auch zu kennzeichnen. Für einen verregneten oder verschneiten Nachmittag auf dem Sofa ist der Roman sicher eine nette Lektüre für zwischendurch.
Andere Zeiten
In Liebe, deine Lina von Barbara Leciejewski
Nachdem mir schon die anderen Roman der Autorin sehr gut gefallen haben, hat natürlich auch ihr neuestes Werk mein Interesse geweckt. Diese Geschichte beginnt gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Mühlbach in der Pfalz und beruht teilweise auf wahren Begebenheiten aus dem Leben der Vorfahren der Autorin.
Lina Borger stammt aus ärmlichen Verhältnissen und hat früh ihre Mutter verloren, während ihre Jugendliebe Albert Lehnert aus der reichsten Familie des Ortes stammt. Daher billigen dessen Eltern eine Heirat der beiden nicht mal dann, als Lina mit 19 von Albert schwanger wird und ihr blüht große Schande in dem kleinen Dorf. Doch der etwas ältere Karl Schäfer, selbst unehelich geboren und wie ein älterer Bruder für Lina bietet ihr einen Ausweg.
Mich hat die Geschichte sehr berührt. Der Autorin ist es gelungen, die einfachen und harten Bedingungen damals in dem kleinen pfälzischen Dorf eindrücklich zu schildern und auch das Verhalten der verschiedenen Bewohner. Lina war mir sehr sympathisch und ich habe mit ihr gelitten und mich mit ihr gefreut, wenn es positive Erlebnisse gab. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt, wie es mit ihr und ihrer Familie im zweiten Teil weitergeht.
Die Macht der Worte
Shitmoves von Iris Gavric; Matthias Renger
Der Titel des Buches weckt auf jeden Fall Aufmerksamkeit, auch wenn sicher nicht alle Altersgruppen mit dem Begriff "Shitmove" vertraut sind. Einen wirklich ähnlich treffenden deutschen Begriff gibt es dafür meines Erachtens nach nicht, aber im Endeffekt ist damit gemeint, den anderen durch bestimmte Aussagen so in die Enge zu treiben, dass man selbst besser da steht und quasi als Gewinner aus der Diskussion oder dem Streit herausgeht.
Und dieser Art manipulative Techniken gibt es viele und jede:r von uns hat schon welche angewendet, egal ob in der Partnerschaft oder auf Social Media gegenüber Fremden.
Diesen Shitmoves widmet sich das Autor:innen-Duo, das auch im echten Leben ein Paar ist und zusammen einen Podcast produziert. Sie kategorisieren die verschiedenen Unterformen von Shitmoves und gehen dann aber auch darauf ein, wie man am besten darauf reagiert, wenn diese einem selbst gegenüber Anwendung finden, sodass die Situation nicht weiter eskaliert und man nicht auch zu unfairen Mitteln greift. Immer wieder gibt es auch konkrete Beispiele aus den Medien und der Politik, wo Shitmoves angewendet wurden. Egal ob durch Götz George gegenüber Thomas Gottschalk oder die junge neuseeländische Abgeordnete, die zuerst den Shitmove "OK Boomer" als Reaktion auf das Verhalten älterer Parlamentarier einsetzte.
Das alles ist zugleich unterhaltsam und aufschlussreich und regt definitiv dazu an, den eigenen Umgang mit Sprache, insbesondere in Streitsituationen oder bei Twitter, mehr zu reflektieren und zu hinterfragen, ob das, was man von sich gibt, so wirklich in Ordnung geht und dem anderen gegenüber fair ist. Gleichzeitig hilft das Buch hoffentlich auch dabei, künftig souveräner auf Shitmoves zu reagieren.
Krimi um Beutekunst in Spanien
Die Akte Madrid von Andreas Storm
Lennard Lomberg wird von seinem Mentor Peter Barrington gebeten, Franziskus Ritter, den deutschen Verteidigungsminister bei der Suche nach einem gestohlenen Gemälde zu unterstützen, das eigentlich seit der Franco-Ära als verschollen galt. Der Politiker wird mit dem Gemälde erpresst und es zeichnet sich auch bald ab, dass es einige dunkle Kapitel in dessen Familiengeschichte zu geben scheint.
Diese deckt der Kriminalroman, der einerseits im Jahr 2016 spielt und andererseits während des Zweiten Weltkrieges und Ende der 60er Jahre, auf verschiedenen Zeitebenen nach und nach auf.
Ich fand es interessant, mehr über die Hintergründe und die damalige Zeit, insbesondere auch das Spanien während der Franco-Diktatur, zu erfahren und darüber, wie manche Menschen es immer wieder auf's Neue schafften, auf der Seite der jeweils Mächtigen zu stehen und vom Leid anderer zu profitieren. Auch die Spannung blieb recht lange erhalten und alles wirkte gut recherchiert. Das Lesen erforderte bei mir aber recht viel Konzentration aufgrund der vielen verschiedenen Namen und auch etwas zeitgeschichtliches Hintergrundwissen, um alles einordnen zu können. Als leichten Krimi für nebenbei würde ich das Buch daher nicht empfehlen.
Tote Tauben neben Leichen
Taubenschlag von Dennis Jürgensen
Bei diesem Kriminalroman handelt es sich um den zweiten Fall des deutsch-dänischen Duos Lykke Teit aus Kopenhagen und Rudi Lehmann aus Flensburg. Diesmal geht es um mehrere Mordfälle in Norddeutschland, bei denen die Leichen an einen Sessel gefesselt und mit einer toten Taube aufgefunden wurden. Lykke Teit soll Rudi Lehmann unterstützen, um die grenzübergreifende Polizeiarbeit zu stärken.
Grundsätzlich gefallen mir die beiden Ermittler:innen und sind mir sympathisch. Diesmal fehlte mir aber ein wirklicher Grund, warum die dänische Kollegin hinzugezogen wurde, hier hätte ich es schlüssiger gefunden, wenn es bei dem Fall auch noch irgendeinen Bezug zu Dänemark gegeben hätte. Ansonsten war der Fall spannend und manches klärte sich auch erst ganz am Ende vollständig auf. Was Lykkes Vorgeschichte und die Suche nach dem Mann, der für den Tod ihrer kleinen Tochter verantwortlich ist, angeht, hätte ich aber gehofft, dass dies eine etwas größere Rolle in diesem Band spielt. Der Schreibstil des Autors ließ sich flüssig lesen und man konnte sich gut in die Handlung hineinversetzen.
Hilft den Wortschatz zu erweitern
Wieso? Weshalb? Warum? Sonderband - Mein großes junior-Lexikon von Patricia Mennen
Zunächst einmal handelt es sich bei diesem Bilderbuch nicht um ein klassisches Kinderlexikon mit alphabetisch geordneten Infotexten plus Bild. Das würde der Altersgruppe der 2-4-Jährigen auch nicht gerecht werden.
Die Begriffe aus dem Leben der Kleinsten werden dagegen thematisch geordnet in Alltagsszenen eingebettet, zum Beispiel, was man auf einer Straße alles entdecken kann oder im Supermarkt kaufen.
Auf farbenfrohen, kindgerechten Bildern kann man, fast wie bei einem Wimmelbild, alles Mögliche, was zur jeweiligen Alltagsszene passt, entdecken und so können die Kinder beim gemeinsamen Lesen neue Begriffe spielerisch lernen und gleich ins passende Lebensumfeld einordnen. Ergänzend gibt es noch einfach gehaltene Infotexte und, wie für die Buchreihe typisch, Klappen, hinter denen es allerhand Spektakuläres zu entdecken gibt, was die Freude am Lesen nochmal steigert.
Das Buch ist stabil hergestellt, so dass es nicht so schnell kaputt geht, auch wenn die Kinder mal nicht ganz so sanft damit umgehen oder motorisch noch nicht so geschickt sind. Die Illustrationen sind im gewohnten Stil, farbenfroh und lebendig gestaltet und die Themen decken vielfältige Interessengebiete von wissbegierigen Kleinkindern ab.











