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Rezensionen von Island :

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Hochstapeln für Anfänger

1999 Meter über dem Meer,2 Audio-CD, 2 MP3 von Caroline Wahl

Das Cover von Caroline Wahls neuestem Roman hat mich auf jeden Fall angesprochen. Ich mag die auffällige Farbgebung mit dem violetten Hintergrund und die nicht ganz realitätsgetreue Illustration eines Bergpasses, die zur Roadtrip-Thematik passt. Da ich auch die vorangegangenen drei Bücher der Autorin kenne, war mein Interesse natürlich geweckt.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Samara, wahrscheinlich eher aus der unteren Mittelschicht kommend, aber in einem liebevollen Elternhaus aufgewachsen. Sie wirkt relativ orientierungslos und begibt sich zunächst auf einen Bali-Trip, ihre erste Flugreise überhaupt, wo sie in den Hostels mit den vielen anderen Reisenden auf Selbstfindungstrip aber nicht so wirklich warm wird. Anschließend tritt sie einen Job in einer hippen Berliner Agentur für Influencer Marketing an und schafft es schnell, ihre Chefin um den Finger zu wickeln, was sie dann aber auch schnell wieder langweilt, sodass sie sich krankschreiben lässt und sich mit dem alten Mercedes, den ihr Vater ihr geschenkt hat, auf einen Roadtrip Richtung Berge begibt, weil sie beschlossen hat, dass Berge sie mehr reizen als das Meer. So landet sie zunächst im Allgäu und nach einem kurzen Zwischenstopp in Österreich im mondänen St. Moritz. Überall legt sie sich eine andere erfundene Identität zu, wenn sie andere Menschen kennenlernt.

Ich habe den Roman als Hörbuch gehört und war mit der Sprecherin sehr zufrieden, kein Vergleich zum letzten Roman, der zunächst von der Autorin selbst eingelesen wurde. Ihre Art des Vortrags passt sehr gut zum Schreibstil von Caroline Wahl und so kann man sich sehr gut darauf einlassen, direkt von Protagonistin Samara ihre Geschichte erzählt zu bekommen. Grundsätzlich mag ich es auch sehr gerne, wie Caroline Wahl schreibt, aber diesmal hat mich das Name-Droping, insbesondere in Bezug auf Müller Milch ziemlich genervt und auch manch anderer Schriftsteller oder Künstler wurde erwähnt, ohne, dass das viel beigetragen hätte. Es werden auch überdurchschnittlich viele Männer als "wunderschön" eingestuft, was mir etwas too much war. Samara ist als Protagonistin keine Person, die man sofort ins Herz schließt. Mit ihren erfundenen Identitäten macht sie es auch Personen, die es gut mit ihr meinen, schwer. Teilweise wirkt sie auch ziemlich naiv und sehr schlecht auf ihre Unternehmungen vorbereitet. Aber, genau so sollte die Hauptperson wohl auch rüberkommen, da sie selbst ja total unsicher ist und nicht wirklich weiß, was sie will. Was sie mit ihrer Art trotzdem erreicht und wie leicht sie auch die High Society täuscht ist dann durchaus beeindruckend und es ist unterhaltsam zu lesen, was Samara auf ihrem Roadtrip alles erlebt, auch wenn manchmal etwas mehr Tiefgang schön gewesen wäre.

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Hochstapeln für Anfänger
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Wie rettet man eine Freundschaft ins Erwachsenenalter

Dabei waren wir uns immer so nah von Jette Kötschau

Bei "Dabei waren wir uns immer so nah" handelt es sich um den Debütroman von Jette Kötschau. Die Coverabbildung zeigt zwei junge Frauen im Sommer auf einer Mauer sitzend, mit Flaschen um sich.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen drei Frauen Anfang 30, die etwa seit Beginn ihres Studiums befreundet sind.

Doch nun unterscheidet sich ihre Lebensrealität doch sehr. Henri ist weiter ungebunden, hätte gerne ein eigenes Kino, hat viele Dates und muss gerade den Verlust ihrer geliebten Oma verarbeiten. Merle hat ein Baby und baut gemeinsam mit ihrem Mann gerade ein Haus weit außerhalb der Stadt. An ihr bleibt die ganze Care-Arbeit hängen, während ihr Mann mit Job und Baustelle beschäftigt ist. Und Katharina hätte gerne ein Kind, aber ihr langjähriger Partner fühlt sich zumindest aktuell noch nicht bereit dazu. Durch ihren unterschiedlichen Alltag und ihre verschiedenen Lebensentwürfe bleibt auch die Freundschaft der drei Frauen mehr und mehr auf der Strecke, obwohl sie sich zugleich nacheinander sehnen und vermissen, was sie mal hatten.

Die Autorin erzählt die Geschichte abwechselnd aus den drei verschiedenen Perspektiven, sodass man sich sehr gut in die Protagonistinnen hineinversetzen kann, auch wenn die eigene Lebenssituation gerade eine etwas andere ist. Manches kommt einem aber sicher von eigenen Freundschaften aus der Studienzeit bekannt vor, dass man sich danach oft einfach in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Der Erzählstil war gut nachvollziehbar und auch mit der Sprecherin des Hörbuchs war ich sehr zufrieden. Sie passte zu der Stimmung der Erzählung und man konnte ihr angenehm folgen.

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Ein Highlight meines bisherigen Lese-Jahres

Magisch von Annika Büsing

Bei diesem Roman bin ich froh, doch einen Blick in die Kurzbeschreibung des Inhalts geworfen zu haben, denn der Titel "Magisch" hat mich erst etwas aus der Fantasy-Richtung erwarten lassen, zumal ich die Kuh auf dem Cover beim flüchtigen Hinschauen nicht sofort als Kuh identifiziert habe.

Magisch ist in Wirklichkeit der Nachname des männlichen Protagonisten Paul.

Er und die weibliche Hauptperson Marie sind seit der Kindergartenzeit befreundet und waren in ihren Jugend ein Paar, bis Marie sich in einen Anderen verliebte und Paul schließlich aus der Stadt verschwand und mit seiner Band tourte. Mit Mitte 30 kehrt Paul Magisch nun in seine Heimatstadt im Ruhrgebiet zurück, wo Marie nach dem abgebrochenen Grundschul-Referendariat eine Hundetagesstätte betreibt. Dabei kommen alte Gefühle schnell wieder hoch, aber auch Konflikte von früher, denn Maries Bruder Andi, das schwarze Schaf ihrer Familie, ist ein Nazi, dem Magisch schon immer ein Dorn im Auge war, da der sich schon in seiner Jugend gegen ihn gestellt hat.

Die Geschichte um Magisch und Marie schildert sehr eindrucksvoll, wie ein Riss durch einen Ort und auch durch die eigene Familie gehen kann, wenn Menschen rechten Ideologien anhängen. Damit geht es um ein Thema, das leider auch in den "alten Bundesländern" mehr und mehr an Aktualität gewinnt. Die Autorin beschreibt die Entwicklungen so, dass man sich gut hineinversetzen kann. So wird auch deutlich, dass es sehr schwer ist, jemandem, dem man sehr nahe steht und dessen gute Seiten man ebenfalls kennt, komplett aufzugeben, weil er zugleich absolut verwerfliche Dinge tut. Immer wieder gibt es einen Wechsel zwischen der Gegenwart nach Magisch Rückkehr und der Kindheit und Jugendzeit, sodass man sowohl die Veränderungen Andi betreffend als auch das Verhältnis zwischen Paul und Marie besser verstehen kann. Der Schreibstil der Autorin ist dabei modern und unkonventionell. Manchmal wird man als Leser:in direkt von der Erzählerin angesprochen und diese scheint oft frei heraus zu erzählen, ohne auf irgendwelche Konventionen zu achten, was gut zum Charakter von Marie passt, wie man sie auch ansonsten erlebt. Somit war es sehr unterhaltsam und kurzweilig, diesen Roman zu lesen, obwohl es zugleich um ernste Themen ging. Ich freue mich schon auf weitere Bücher der Autorin.

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Suche nach dem Platz im Leben

Love and Rent von Jo Cheetham

Auf diesen britischen Roman hat mich das bunte Cover neugierig gemacht, unter dem Titel konnte ich mir erstmal nicht allzu viel vorstellen.

Protagonistin der Geschichte ist Hannah, Anfang 30, die über ihre Freundin Kiera Oscar kennenlernt, der als Wirtschaftsprüfer die Firma unter die Lupe nimmt, in der Kiera arbeitet.

Zwar ist es nicht die Liebe auf den ersten Blick, aber Hannah beschließt recht schnell, mit ihm, der gut verdient, in ein schönes Haus am Land bei Edinburgh zu ziehen. Es ist dann aber wahrlich nicht alles Gold, was glänzt, Oscar entpuppt sich als das totale Muttersöhnchen und lässt Hannah bei Problemen komplett hängen. So muss Hannah sich klar werden, was ihr für ihr weiteres Leben nun wirklich wichtig ist.

Der Roman ist sicher keine leichte, humorvolle Liebeskomödie, sondern es werden auch einige ernsthafte Probleme angesprochen, die viele Menschen in der Lebensphase von Hannah betreffen. Selbstverwirklichung, beruflich wie privat, das Verhältnis unter Geschwistern und zu den Eltern, Freundschaften, die auf die Probe gestellt werden und auch finanzielle Schwierigkeiten. Dennoch gab es auch immer wieder humorvolle Szenen, die nicht zu plump geraten sind. Nicht immer kann man Hannahs Entscheidungen vollkommen nachvollziehen, aber dennoch ist sie sympathisch und ihre Situation wird realistisch dargestellt. Die Sprecherin des Hörbuchs passte zu dieser Art Roman, man konnte ihr gut zuhören.

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Serienmorde im winterlichen Kopenhagen

Der Prätorianer von Tobias Bukkehave

Bei diesem neuen skandinavischen Thriller hat mich zunächst der Schauplatz Kopenhagen gereizt. Es handelt sich um den ersten Teil einer Reihe mit Kriminalkommissarin Sara Levin und ihrem Partner Janus West. Sie haben es mit mehreren Morden zu tun, bei denen sich recht schnell Zusammenhänge andeuten.

Schon beim ersten Mordfall ist der Leichnam sehr aufwendig geschmückt worden, lateinische Inschriften wurden in seine Haut geritzt und es finden sich antike Goldmünzen, die früher ausgerechnet Saras Vater gehört haben, der wegen Mordes inhaftiert ist. Schon bald beschließt Saras Vorgesetzter, Saras Bruder Adam hinzuziehen, der sich in den USA zum Profiler ausbilden lassen hat und auf Serienmorde spezialisiert ist. Die Geschwister haben seit der Verurteilung ihres Vaters aber ein sehr angespanntes Verhältnis.

Ich fand den Fall sehr spannend und es kam auch immer wieder zu falschen Fährten und überraschenden Wendungen, sodass der Ausgang nicht zu schnell vorherzusehen war. Auch die Konstellation der Ermittelnden mit der Familiengeschichte von Sara und Adam ist ungewöhnlich und Janus West bildet einen guten Gegenpart zu Adam. Die Verknüpfung von Gegenwart und symbolischen Handlungen aus der antiken Mythologie fand ich ebenfalls interessant. Für mich hätte der Schauplatz Kopenhagen aber noch eine etwas größere Rolle spielen und etwas mehr Lokalkolorit enthalten sein dürfen. Ich habe die Geschichte als Hörbuch angehört und war mit dem Sprecher, dem Schauspieler Oliver Siebeck, sehr zufrieden. Man konnte ihm angenehm folgen und er schafft es auch die Spannung aufrechtzuerhalten.

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Solider Thriller, aber mir etwas zu blutig

Happy Weekend - Die perfekte Auszeit. Euer schlimmster Albtraum.,1 Audio-CD, 1 MP3 von Arno Strobel

Der neueste Thriller von Arno Strobel hat bezüglich des Settings mein Interesse geweckt. Der ehemalige verdeckte Ermittler Marcel will mit seiner Partnerin Katja über das verlängerte Wochenende wegfahren und ihr eigentlich auch einen Heiratsantrag machen. Doch an einer Raststätte wird ihnen das Gepäck aus dem Auto gestohlen.

Katja hatte allerdings einen GPS-Tracker in ihrem Koffer, sodass sie der Spur des Diebesgutes folgen. Dabei geraten sie in eine Falle, mit der sie nicht gerechnet hatten.

Dieser Beginn der Geschichte hat mir gut gefallen und, wie von Arno Strobel gewohnt, kommt es im weiteren Verlauf auch immer wieder zu mehr oder weniger überraschenden Wendungen. Was mir weniger gefallen hat, ist die Brutalität, die in einigen Szenen sehr viel Raum einnimmt. Manches wird mir dabei zu detailliert geschildert, ohne, dass dies Genauigkeit für die weitere Handlung unbedingt notwendig gewesen wäre.

Mit dem Sprecher des Hörbuchs, Sascha Rotermund, war ich wieder sehr zufrieden. Seine Vortragsweise passt zu einem Thriller wie diesem. Er trägt zur Steigerung der Spannung bei und man kann ihm sehr gut zuhören.

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Der Beginn des Seebäder-Tourismus

Sturmland,2 Audio-CD, 2 MP3 von Miriam Georg

Dieser erste Teil eines neuen Zweiteilers von Miriam Georg hat aus mehreren Gründen sofort mein Interesse geweckt. Es wird durch Titel und Covergestaltung direkt deutlich, dass es sich um einen historischen Roman handelt, der am Meer spielt. Außerdem haben mir die bisherigen Bücher der Autorin sehr gut gefallen und, dass die Handlung sich in Hamburg und auf den Ostfriesischen Inseln Norderney und Borkum abspielt, finde ich sehr spannend, da Hamburg grundsätzlich ein toller Schauplatz ist, ich aber auch die Ostfriesischen Inseln liebe und schon mehrmals auf Norderney und Borkum war.

Daher fand ich es besonders spannend, mich beim Lesen auf eine Zeitreise zu begeben und mehr darüber zu erfahren, wie es auf diesen Inseln vor über 100 Jahren zuging.

Protagonistin ist die Reedertochter Cora, die bisher wenig Glück in der Liebe hatte und nun auch noch ihre Mutter verloren hat. Sie beschließt, heimlich aus Hamburg zu verschwinden, indem sie unter falschem Namen eine Stelle als Hauslehrerin für die Tochter eines Hamburger Architekten annimmt, der auf Norderney am Bau des neuen Conversationshauses mitwirkt. Auf der Insel lernt Cora den von Borkum aus einfachen Verhältnissen stammenden Onnen kennen, den sie zunächst nicht leiden kann, was sich aber im Lauf der Zeit ändert.

Mir hat die Konstruktion der Geschichte sehr gut gefallen, nicht nur die Geschichte der beiden Hauptpersonen Cora und Onnen steht im Mittelpunkt, sondern man erfährt auch sehr viel über das harte Leben auf den Inseln zu der Zeit, als der Seebäder-Tourismus erst langsam anfing. Frauen, deren Männer früh verstorben waren, mussten, um zu überleben, alle Zimmer ihres Hauses an Sommergäste vermieten, während sie selbst im Schuppen oder einer kleinen Kammer wohnten. Viele Männer riskierten auf See ihr Leben, eine organisierte Seenotrettung gab es trotz aller Gefahren noch nicht. Auch die medizinische Versorgung war damals unzureichend. Im Roman findet sich auch viel Lokalkolorit, indem immer wieder prägende Gebäude beider Inseln, wie das Conversationshaus auf Norderney oder der Borkumer Leuchtturm und auch geographische Begebenheiten eine Rolle spielen. Cora als starke Persönlichkeit, die sich nicht in das starre Korsett, wie sich eine Tochter aus besserem Hause damals zu verhalten hatte, pressen lässt, ist mir sehr sympathisch.

Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt anschaulich und gut lesbar. Ich habe das Hörbuch gehört und empfand die Sprecherin als gut gewählt und zur Stimmung der Geschichte passend. Man konnte ihren Erzählungen sehr gut folgen. Nun bin ich schon sehr gespannt auf den zweiten Teil und hoffe, man muss nicht zu lange auf dessen Erscheinen warten. Besonders empfehlenswert ist der Roman natürlich für einen Inselurlaub auf den Ostfriesischen Inseln oder für Liebhaber dieser Gegend, weil man doch einiges über die Vergangenheit dieser Orte erfährt, was man bisher vielleicht noch nicht wusste.

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Über Generationen verbunden

Über vier Leben von Pauline Hatscher

Bei „Über vier Leben“, dem Romandebüt von Pauline Hatcher, ist mir zunächst das Cover mit den auffälligen, fast neonfarbenen, Elementen ins Auge gestochen. Der Titel des Romans ist schon ziemlich aussagekräftig. Es geht um vier Generationen von Frauen und darum, ob und wenn ja, wie, Traumata über Generationen hinweg fortwirken können.

Mirabell, die Protagonistin der Gegenwart, ist 2023 25 Jahre alt und lebt seit einem Jahr in Leipzig. Sie tut sich aber sehr schwer damit, dort wirklich anzukommen, beruflich wie privat. Es fällt ihr schwer, neue Freundschaften zu knüpfen oder eine Beziehung einzugehen. Sie beginnt eine Therapie und versucht im Zusammenhang damit, auch mehr über ihre Familiengeschichte herauszufinden, was sich nicht ganz einfach gestaltet. Ihre Urgroßmutter bekam ihre Großmutter 1931 als ledige Mutter nach einer Vergewaltigung, gab das Kind an ihre Schwägerin ab und verschwand aus dem Leben der Tochter. Diese litt dann im Erwachsenenalter unter Depressionen, versuchte aber zugleich verbissen, die perfekte Hausfrau und Mutter für Mirabells Mutter Sabine zu sein. Und Sabine heiratete später, von Torschlusspanik getrieben, einen Mann, der ihr nicht gut tut.

Die Handlung springt teilweise innerhalb der gleichen Seite zwischen den vier verschiedenen Zeitebenen. Teilweise werden so auch Parallelen im Leben der vier Frauen deutlich. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, präzise ausgestaltete Bilder der vier Frauen zu schaffen, sodass man sich gut in sie und ihre jeweilige Situation hineinversetzen kann. Ihr Schreibstil ist dabei gut lesbar und sehr feinfühlig. Die Überschriften, die jede Zeitebene kennzeichnen, erleichtern die Orientierung. Auf jeden Fall handelt es sich hierbei um ein sehr lesenswertes Buch, das ich gerne weiterempfehle.

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Facetten von Einsamkeit

Alles Liebe von Ronja von Rönne

Der Titel "Alles Liebe" lässt schon vermuten, dass es sich um keinen durchgängigen Handlungsstrang mit einem oder zwei Hauptpersonen handelt. Stattdessen gibt es mehrere, teilweise locker miteinander verknüpfte Episoden, in deren Mittelpunkt immer Personen stehen, die nach Liebe und Aufmerksamkeit suchen.

Gemeinsam haben alle, dass sie mit ihrem aktuellen Leben nicht zufrieden sind, teilweise auch schlimme Verluste erlebt haben und nach Strategien suchen, wie sie ihr Glück noch finden können. Diese fallen dann teilweise sehr extrem aus. So führt Barbara eine fiktive Beziehung mit einem Mann, den sie nur als Model aus dem Versandhaus-Katalog kennt und Laura gewinnt die Aufmerksamkeit ihrer Mitschüler:innen auf Kosten ihrer kranken Freundin.

Auf den ersten Blick scheinen die einzelnen Episoden komplett voneinander unabhängig zu sein, aber am Ende ergeben sich doch Zusammenhänge. Die Autorin hat ihre Charaktere sehr überzeugend ausgestaltet, teilweise hätte ich mir aber eine noch etwas tiefergehende Beschäftigung mit ihnen und ihren jeweiligen Motiven gewünscht und dafür weniger einzelne Geschichten. Der Schreibstil war gut nachvollziehbar und anschaulich und auch die Sprecherin des Hörbuchs empfand ich als zum Roman passend gewählt.

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Der Einsiedlersommer von Anne Sverdrup-Thygeson

Der Titel "Einsiedlersommer" hat im Zusammenhang mit dem Debütroman von Anne Sverdrup-Thygeson mehrere Bedeutungen. Einerseits geht es um die Suche nach einem "Eremitenkäfer", in dessen Namen ja auch das Wort "Einsiedler" steckt und andererseits zieht auch die 33-jährige Protagonistin Eva Wist sich bewusst aus Oslo in ein Dorf in Vestfold zurück, weil sie die Totgeburt ihres ersten Kindes verarbeiten muss und daher von der Gemeinde die Aufgabe annimmt, nach dem Eremitenkäfer zu suchen.

Und dann gibt es dort noch die 76-jährige Nachbarin Olga, die schon lange wie eine Einsiedlerin lebt und kaum Kontakte in den Ort pflegt. Auch auf Eva reagiert sie zunächst sehr abweisend und sieht sie als Störfaktor an.

Doch bald merken die beiden Frauen, dass sie viel mehr gemeinsam haben, als man ahnen konnte und auch der Einsatz gegen einen Steinbruch in der abgelegenen Gegend mit den ökologisch wertvollen alten Baumbeständen eint die beiden Frauen, auch wenn jeweils unterschiedliche Motive dahinterstecken, bei Eva der Lebensraum des seltenen Käfers und anderer Lebewesen, bei Olga ein altes Familiengeheimnis.

Ich fand die Geschichte der beiden Frauen sehr interessant, zumal auch die unschöne Vergangenheit, in der die Nationalsozialisten viel Unheil in Norwegen angerichtet haben, eine gewisse Rolle spielt. Auch, wie das alltägliche Leben in so einem kleinen, abgelegenen norwegischen Ort abläuft, hat mich, ebenso wie natürlich die Natur dort, interessiert. Die Handlung blieb auch lange spannend, da es immer wieder zu unerwarteten Wendungen kam. Der Schreibstil der Autorin war gut nachvollziehbar anschaulich und auch die Sprecherin des Hörbuchs empfand ich als gut gewählt, passend zur Atmosphäre des Romans. Man konnte ihr gut folgen.

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