Kunden em pfehlungen
Rezensionen von froschman:
Die Vergangenheit holt dich ein!
Düsteres Tal von Ruth Lillegraven
Clara Lofthus ist jahrelang in Nairobi in der Entwicklungshilfe tätig und ermöglicht so die Ausbildung von Mädchen. Hier hofft sie auch, ihr früheres Leben hinter sich lassen zu können. Bei einem Terroranschlag auf den norwegischen Entwicklungshilfeminister kann sie eine ganze Schulklasse retten.
In Norwegen wird dies als heldenhafte Tat angesehen. Sie kehrt zurück nach Oslo und wird kurze Zeit darauf Justizministerin. Jetzt will sie vor allem für ein Gesetz kämpfen, das Frauen und Kinder im familiären Umfeld vor Gewalt schützen soll. Die enorme mediale Aufmerksamkeit hilft ihr dabei. Doch bei Umbauarbeiten in einer aufgelassenen Fabrik wird eine Leiche gefunden, eine Podcast-Redaktion beginnt zu recherchieren und kommt der Ministerin samt ihrer dunklen Vergangenheit auf die Spur, ihr Leben gerät erneut ins Wanken.
Ruth Lillegravens Schreibstil mit den kurzen Kapiteln, die zwischen verschiedenen Perspektiven wechseln, ermöglicht es, die Spannung stetig zu steigern. Die Beschreibung von Clara und wie nach und nach ihre Vergangenheit bekannt wird, lässt einem das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Clara ist egoistisch, rücksichtslos, aber in der Politik erfolgreich. Zum Ende überschlagen sich die Ereignisse. Auch das Cover ist ein Hingucker, es spiegelt die düstere Stimmung des Thrillers wider.
Frostiger Skiurlaub
Lügennebel von Viveca Sten
Sechs Studenten wollen eine gemeinsame Skiwoche in Åre in einem noblen Ferienhaus der Eltern von William Löwengren verbringen. Schon bei der Anreise im Schlafwagen der Eisenbahn feiern die zwei Frauen (Olivia und Fanny) und vier Männer (William, Amir, Pontus und Emil) ausgelassen und mit viel Alkohol und Drogen.
Fanny und Olivia sind in einem Nebengebäude untergebracht, die Jungs im Haupthaus. Gleich am ersten Tag fahren sie eine äußerst riskante Abfahrt im Tiefschnee und bei schlechter Sicht. Am Abend wird bei lauter Musik weiter gefeiert, sodass sich ein Anrainer beschwert. Dann begeben sie sich alle stark betrunken einzeln in die Schlafräume. Am nächsten Morgen fehlt beim Frühstück Fanny. Nach einiger Zeit wird sie fast nackt vor dem Haus in einer Schneewehe gefunden. War es ein Unfall oder doch ein Mord?
Hanna Ahlander feiert gerade ihren Geburtstag in einem einsamen Hotel mit ihrem neuen Lebenspartner, dem Milliardär Henry, als sie die Nachricht ereilt, dass sie in Åre gebraucht wird. Sie bricht den Kurzurlaub ab, um mit Daniel Lindskog die Ermittlungen aufzunehmen. Keiner der Studenten sagt die Wahrheit, alle verschweigen etwas, spielen sich gegenseitig aus, niemand weiß etwas über die vergangene Nacht.
Viveca Sten schafft es auch bei diesem Thriller wieder, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Mit immer neuen Wendungen wird der Spannungsbogen immer weiter erhöht. Das Privatleben der beiden Ermittler spielt immer wieder eine Rolle und die privaten Beziehungen entwickeln sich weiter, sodass man sich schon auf das nächste Buch dieser Reihe freuen kann, aber dazu muss man leider wieder ein Jahr warten!
Grausame Familiengeschichte
Asa von Zoran Drvenkar
Vor den Augen von Asa Kolbert wurde ihr Vater ermordet. Von ihrer Großmutter wird sie in ein Erziehungscamp nach Afrika geschickt. Sechs Jahre ist sie dort nur mit dem einen Ziel, ihren Vater zu rächen. Und das geht nur durch Disziplin, die so weit geht, dass bei einer Prüfung nur der Beste durchkommt, alle anderen werden gejagt und wer erwischt wird, verliert das Leben.
Dieses traditionelle Camp wird seit Jahrzehnten durchgeführt und nur die Besten kommen durch und werden dann im Privatleben in Spitzenpositionen gehievt. Nach sechs Jahren kehrt Asa zurück und bekämpft dieses System mit den mörderischen Camps. Und eines wird klar: ihre eigene Familie ist ihr größter und mächtigster Feind!
Drvenkar hat mit diesem Thriller eine Familiengeschichte geschrieben, die über mehrere Generationen reicht, eine Überschreitung der moralischen Grenzen darstellt. Und Asa will dieses menschenverachtende System zu Fall bringen! Ein fesselndes Gesamtwerk.
Ruhiger Agentenroman
Deckname: Bird von Louise Doughty
Nach ihrer Karriere bei der Armee wird Heather Berriman Geheimdienstmitarbeiterin auf der Suche nach korrupten Mitarbeitern. Bei ihrer Übersiedlung nach Birmingham hat sie sich mit ihrem Traumhaus finanziell total übernommen, ihr Vorgesetzter unterstützt sie allerdings. Doch sie wird damit selbst zu einer Risikoperson, sodass sie mitten aus einer Besprechung fliehen muss.
Sie macht das nicht actionreich, sondern leise und effizient. Doughty beschreibt diese Flucht von Heather mit Zügen und Fähren, durch Eisfelder und Wälder, immer mit der Angst, entdeckt und damit eliminiert zu werden. Sie kann mit niemandem Kontakt aufnehmen, traut sich kaum in ein Café, da ja jeder Gast ein Agent sein könnte. Rückblicke auf ihr früheres Leben mit ihren Eltern und mit Freunden bringen Licht ins Leben von Heather.
Dieses Buch ist eher ein spannender Roman als ein Thriller, eine einzige Action, die allerdings mit Todesfolge, ist doch zu wenig.
5 Stunden im Stau
Der Stau von Jo Furniss
Die Kommissarin Belinda Kidd kommt von einer längeren Auslandsreise nach England zurück, aber vor London gibt es einen großen Stau vor einem Tunnel, ausgelöst durch eine terroristische Explosion. Der Verkehr kommt zum Erliegen. Wie zahlreiche andere auch, vertritt sich Belinda die Füße und entdeckt dabei einen Mann, der in seinem Fahrzeug anscheinend mit einem Spieß erstochen wurde.
Die Erkenntnis, dass aufgrund der hohen Lärmschutzwände und der Verkehrsstillstandes niemand wegfahren kann und somit der Mörder in einem der Fahrzeuge sitzen muss. Sie macht Meldung bei der Polizei, aber niemand kann kommen, da es auch auf den umgebenden Straßen Explosionen gegeben hat, also muss sie in Zivil weiter ermitteln und setzt ein Mosaiksteinchen zum anderen, sodass sich langsam ein Bild entwickelt.
Jo Furness hat mit diesem Buch sicher keinen Actionthriller geschrieben, aber Spannung ist aufgrund der beengten Situation auf der Autobahn automatisch gegeben. Sie hat eine akribisch ermittelnde Kommissarin gezeichnet, die zahlreiche Verdächtige gefunden, aber die Lösung selbst erst ganz am Schluss erkannt hat. Durch die kurzen Kapitel ließ sich das Buch leicht lesen, auch wenn es sich nur um einen Zeitraum von fünf Stunden handelt.
Was ist damals wirklich geschehen?
Ihr werdet sie nicht finden von Andreas Winkelmann
Vor sieben Jahren verschwindet Isabell nach dem Besuch einer Party. Ihrem Vater Jonas, ein Polizist, ist sofort klar, wer Isabell entführt oder ermordet hat. Nachdem die Polizei in seinen Augen nicht richtig ermittelt, verübt er Selbstjustiz. Eine einzige Zeugin Silvia weiß, was an diesem Abend wirklich passiert ist, aber sie ist ebenfalls verschwunden.
Jonas wird verurteilt und sitzt seine sechsjährige Strafe ab.
Franka ist eine Privatdetektivin und wird von Silvias Großmutter beauftragt, das Mädchen zu finden. Franka findet bei ihren vor allem digitalen Recherchen heraus, dass Silvia mit Isabell befreundet war und nimmt daraufhin mit Jonas Kontakt auf und beginnt mit ihm zu ermitteln. Hängen diese beiden Fälle womöglich zusammen? Auch die Polizei beginnt den Cold Case wieder aufzurollen.
Winkelmanns flüssige Schreibweise ist spannend zu lesen. Zahlreiche Perspektivenwechsel machen es allerdings nicht immer leicht zu folgen. Einige nicht vorhersehbare Wendungen machen das Buch interessant, allerdings ist man von Winkelmann Besseres gewohnt.
Rätselhafte Mordserie
Schwüre, die wir brechen von Roman Voosen; Kerstin Signe Danielsson
Svea Karhu, nach Malmö strafversetzt, muss gemeinsam mit dem verwitweten Jon Nordh zu einem außergewöhnlichen Mordfall. In einem alten kleinen Boot wird eine Leiche gefunden, anstelle des Kopfes war ein ausgestopfter Krokodilkopf angenäht. Der unbekannte Mann sollte jedoch nicht das letzte Opfer sein.
Eine True-Crime-Podcasterin berichtet über diese Fälle, stellt die Polizei in äußerst schlechtes Licht und weiß plötzlich mehr als die Behörde! Ihre Fallower-Zahl steigt proportional an. Das zweite Opfer war zusätzlich am ganzen Körper mit Hieroglyphen bemalt, auch ihm wurde ein Tierkopf aufgenäht, der Körper als ägyptischer Gottheit inszeniert. Die Öffentlichkeit und somit auch die Politik geraten in Panik, die Polizei unter Druck.
Dem Ehepaar Voosen und Danielsson ist es gelungen, einen spannenden Thriller zu schreiben, dessen Spannungsbogen bis zum Schluss ansteigt. Die Charaktere sind gut beschrieben, aber jeder hat mit eigenen Dämonen zu kämpfen. Einmal begonnen, kann man das Buch kaum mehr aus den Händen legen
Ungleiche Ermittler
Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins von Simon Mason
Im Arbeitszimmer des Prorektors Sir James Osborne der Barnabas Hall von der elitären Universität Oxford wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Für DI Ryan Wilkins, der nach einer angeblichen Misshandlung im Dienst vorerst suspendiert und dann versetzt wurde, ist dies der erste Mordfall im neuen Revier.
Ryan ist in einem Trailer-Park aufgewachsen, stammt aus einem bildungsfernen Verhältnis und hat einen gewalttätigen Alkoholiker als Vater. Gemeinsam mit seinem Namenskollegen DI Ray Wilkins, aus wohlhabender Familie und Oxford-Absolvent, muss das ungleiche Team die Ermittlungen aufnehmen. Von dieser Verschiedenartigkeit der beiden Charaktere lebt dieses Buch. Ryan, der grobe Ermittler mit schlechten Manieren aber guter Beobachtungsgabe, und Ray, der mit Fingerspitzengefühl und gehobener Artikulation ausgestattet ist. Doch zu oft sind Ryans grobe Ausdrücke Grund für Beschwerden bei der Obrigkeit, eine Suspendierung bzw. sogar Entlassung steht auf dem Spiel.
Dieser Krimi ist der erste Teil einer neuen Serie mit den ungleichen Ermittlern. Die Vornamen Ray und Ryan sind leider zu sehr ähnlich, sodass man oft überlegen muss, welcher der Beiden jetzt im Einsatz ist, aber trotzdem ein spannender Roman.
Mörderisches Südseefeeling
The Island - Auf der Flucht von Nicola Martin
Lola ist in Hongkong als Hotelmanagerin tätig, doch dieser Job endet in einem Blutbad, sodass sie auf der Stelle flüchten muss. Der Ex-Kollege Moxham verschafft ihr eine neue Arbeitsstelle in einem Luxus-Ressort auf der entfernt gelegenen Privatinsel Keeper Island in der Karibik. Bereits am nächsten Arbeitstag wird Moxhams Leiche im Wasser treibend gefunden.
Die Polizei nimmt an, dass es sich um einen Unfall handelt, doch Lola glaubt nicht so recht daran. Sie muss jetzt seinen Job als Hotelmanager übernehmen und die großen und kleinen Probleme der extravaganten Hotelgäste lösen. Doch die Superreichen haben allesamt irgendwelche Geheimnisse. Bald darauf kommt es zu einem weiteren Todesfall und da die Polizei nicht richtig ermittelt, beginnt Lola mit eigenen Untersuchungen, ohne zu ahnen, in welche Gefahr sie sich damit begibt. Auf der Insel kann sie niemandem trauen!
Nicola Martin hat mit diesem Thriller eine Sommerlektüre geschrieben, die sich rasch und flüssig lesen lässt. Aber keine der Charaktere konnte mich überzeugen, die ganze Geschichte ist aufgrund der vielen Protagonisten etwas verworren. Das Cover ist ebenfalls nicht gelungen, es ähnelt eher einem Liebesroman als einem Thriller.
Churchill am Gardasee
Was am Ufer lauert von Lenz Koppelstätter
Gianna Pitti, Journalistin der kleinen Provinzzeitung Messagero, wird von ihrem Vater, einem Investigativ-Journalisten, gebeten, einen Informanten zu treffen, um von diesem geheime Unterlagen zu erhalten. Doch beim vereinbarten Treffpunkt kann sie niemanden sehen, ein schwarzer Jeep steht am anderen Ende des Parkplatzes.
Im Wasser des Gardasees entdeckt sie dann eine Frauenleiche, sie zieht diese Leiche an das Ufer. Unterlagen findet sie keine, allerdings eine leere CD-ROM-Hülle. Mit Mühe kann sie den Text entziffern: Churchills Geheimnis. Gianna sieht sich um, der Jeep verlässt den Parkplatz. Sie flüchtet, ohne dass sie die Polizei verständigt, da sie hofft, eine weitere große Geschichte für den Messagero schreiben zu können. Gemeinsam mit der Chefredakteurin Elvira Sondrini, ihrem Vater und dessen Bruder versuchen sie herauszufinden, was die Informantin ihrem Vater übermitteln wollte. Von der Polizei wurde keine Meldung über den Fund einer Toten veröffentlicht, allerdings über eine Schießerei in Malcesine. Die Polizei vermutet einen verhinderten Banküberfall, allerdings flüchtete ein britischer Historiker, der einen Vortrag über Churchill und seine Zeit am Gardasee und seine Verbindungen zu Mussolini halten wollte, vom Tatort. Gibt es Zusammenhänge zwischen den beiden Vorfällen?
Koppelstätter beschreibt die Gegend rund um den Gardasee sehr bildhaft, sein Schreibstil ist unterhaltend, aber es kommt nur wenig Spannung auf. Da es sich bei diesem Krimi um den zweiten Teil einer Serie handelt, wäre es von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich, auch das Buch Was der See birgt zu lesen. Einige Fragen bleiben am Ende offen, sodass man auf den nächsten Teil hoffen kann.











