Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Anno:
Schwer zu ertragen
Im Namen der Barmherzigkeit von Hera Lind
Harter Tobak. Wirklich! Zumal man bedenken muss, dass diese Handlung auf wahren Begebenheiten beruht- hierzu und zur Entstehungsgeschichte des Buches nehmen sowohl die Autorin Hera Lind als auch Steffi und die Ärztin Stellung.
Eines vorweg: die Handlung nahm mich mit, ging mir unglaublich nahe, ja zu nahe, so dass es mir teilweise zu viel wurde und ich das Hörbuch pausieren musste.
Von Steffis Geschichte zu hören, angefangen bei ihrer Geburt und Kindheit bis hinein ins Erwachsenenalter, dieses ganze Leid mitzubekommen und wie ein Leben von Menschen zerstört werden kann und man selbst keinen Ausweg daraus findet, ist hart! Daher sollte es vorab gut überlegt sein, ob man sich mit Steffis Geschichte befassen möchte und/ oder kann.
Kann man ein solches Werk dann als gut bewerten? Die Geschichte wurde sehr gefühlsstark und real beschrieben, man identifiziert sich unweigerlich mit Steffi. Und das macht das Ganze nicht leicht. Von guter Unterhaltung aber kann ich in diesem Bezug einfach nicht sprechen, denn dies suggeriert Leichtigkeit und dem Wunsch dem Leser oder Hörer zu gefallen. Dem ist hier nicht so. Denn Steffis erschüttert und rüttelt wach.
Eine Empfehlung spreche ich daher nur bei Vorhandenseins mentaler Stärke aus.
Nähert sich sachlich und einfühlsam einem wichtigen Thema
Wenn wir ins Gras beißen - Das Buch vom Tod für große und kleine Menschen von Eric Wrede
Das Sterben und der Tod. Irgendwann betrifft es uns alle, irgendwann werden wir damit konfrontiert. Oft kommen Kinder schon im Kindergarten und Grundschule mit diesem Thema zum ersten Mal in Berührung. Häufig nur am Rande, manchmal aber auch durch einen Todesfall in der eigenen Verwandtschaft. Und der Tod ist nicht greifbar, irgendwie mysteriös und kaum zu erklären.
Genau dies macht es Eltern aber auch so schwer mit Kindern darüber zu reden. Dazu ist dieses Thema auch durchdrungen von Gefühlen und religiösen Ansichten.
Und doch ist der Tod etwas Natürliches und gehört letztendlich zum Leben dazu.
Dieses Buch widmet sich sehr behutsam, aber auch sachlich diesem Thema, klärt kindgerecht auf, stellt verschiedene Riten vor und spricht auch über den Trauerprozess. Neben den normalen Texten beinhaltet dieses Buch jedoch auch blau eingefärbte Infokästen, die sich an die Erwachsenen richten und Tipps zum Umgang mit Kindern in Bezug auf dieses Thema geben, so dass Ängste bestenfalls gar nicht erst entstehen und Kinder gut durch die Trauer begleitet werden können.
Auch ich als Mutter hatte zuerst bedenken bezüglich dieses Themas, muss aber sagen, dass mich dieses Buch positiv überrascht hat. Der sachliche Umgang und die Erklärung wieso hier nichts umschrieben und nichts beschönigt wird, gefiel mir gut. Führt man sich wohlmeinende Redewendungen, wie „entschlafen“ mal vor Augen, wird rasch klar, dass diese Umschreibungen von Kindern missverstanden werden und Ängste auslösen können. Interessant, selbst für mich, waren auch die verschiedenen gebräuchlichen Riten und Bestattungsformen. All diese werden jedoch ohne religiösen Hintergrund dargelegt und aufs nötigste reduziert. Mehr aber braucht es auch gar nicht, nein, würde sogar sicherlich überfordern. Ich jedenfalls bin mit der Art und Weise und auch des Inhalts mehr als zufrieden und kann dieses Buch jedem nur wärmstens ans Herz legen- am besten schon bevor ein Trauerfall die Familie erschüttert.
Überraschend gut
Wir finden Mörder von Richard Osman
Ausgehend vom Cover hätte ich mir das Hörbuch wohl nie angehört. Auf mich wirkt es etwas altmodisch und einfallslos.
Umso überraschter war ich, wie mich die Handlung doch fesselte. In den Charakteren und deren Handlung lässt sich ein sehr angenehmer Humor erkennen. Da ist zum einen ein Schurke, der mithilfe von KI seine Schreiben verfälscht, eine Schriftstellerin, mit Mumm in den Knochen, ein Witwer, der Gefallen am Reisen findet und eine Personenschützerin unter Verdacht.
Eine bunte Mischung unterschiedlichster Personen, die der Handlung ihren Stempel aufdrücken und ihr einen unverwechselbaren Charakter verleihen. Wirklich wunderbar!
Ein schöner Krimi, wenig blutig, jedoch humorvoll und recht abwechslungsreich, mit hervorragenden Kopfkino-Eigenschaften und einer Handlung, die in Erinnerung bleiben wird.
Winterwunder
Lina und der Schnee-Engel von Maggie O'Farrell
In dieser Geschichte erscheint mitten in der Nacht eine Gestalt, ein Engel, am Bett eines Kindes. Dies kann ängstigen. Daher empfehle ich vorab individuell abzuwägen ob dieses Buch für das eigene Kind geeignet ist.
Die Idee dahinter finde ich jedoch sehr schön. Denn dieser Schnee-Engel, begleitet das Kind unsichtbar durchs Leben und beschützt es vor Gefahren.
Lina, das Mädchen dieser Geschichte, erinnert sich auch nach den ersten Besuch ihres Engels an ihn und beginnt zu begreifen, dass er immer bei ihr ist. Er beschützt sie bei Krankheit, im Wasser und auch vor Unfällen, ohne dabei selbst sichtbar zu sein.
Doch sie sorgt sich auch um die Menschen, die noch nie selbst Engel in den Schnee gezaubert haben und versucht auch ihnen Schutz zukommen zu lassen.
Die Illustrationen sind wirklich bemerkenswert schön und wurden zusätzlich mit silbernen Details ergänzt. Diese Elemente verleihen dem Buch ein sehr hochwertiges Erscheinungsbild, werden aber auch gezielt dafür eingesetzt die Präsenz des Engels abzubilden- raffiniert, wie ich finde, und äußerst gelungen! Auf einen religiösen Bezug wurde in der Geschichte stattdessen verzichtet und die Existenz des Engels der „Wissenschaft“ zugesprochen und mit dem Verschwinden des Schnees erklärt- ein Bild, das für Kinder sehr gut greifbar sein wird und dennoch Spielraum lässt um eigene Interpretationen mit einzubauen.
Mich jedenfalls haben sowohl Handlung als auch die Aufmachung des Buches sehr angesprochen und ich empfinde es als warmherzig, aufbauend und sehr, sehr schön!
Aus dem Leben
Alles büddn wild von Annemarie Paulsen
Wie Annemarie im Nachwort erwähnt, richtet sich dieses Buch nicht nur an Landeier und Bauern, sondern auch an Städter, die mal erfahren möchten, wie ein Landleben so funktioniert und wie es sich vom städtischen unterscheidet.
Dabei muss man wenig Angst haben, dass man erschlagen wird von Fachwörtern und präzise dokumentierten Handgriffen.
Ja, man erhält einen wirklich interessanten Einblick in einen landwirtschaftlichen Betrieb und erfährt was Fischgrät-Melkstände sind und dass dieses ganze Leben mehr und mehr im Wandel ist. Manches davon ist gut, vieles aber eben auch nicht. Und mit der Landidylle, wie es manchem vorschwebt, hat es schon lang nichts mehr zu tun. Dieses Buch enthält aber noch so viel mehr! Annemarie erzählt von Traditionen, die hinterfragt gehören, von Gemeinschaft und Zusammenhalt, von früher und heute und Anekdoten aus ihrem eigenen Leben.
Was ich dabei bemerkenswert fand, ist, dass ich die Annemarie wie ich sie aus den sozialen Medien bereits kannte, in jedem Satz wiedererkannte. Ihr Witz und ihr Temperament sind unverkennbar und ich erwischte mich anfangs tatsächlich dabei, dass ich genauso schnell las, wie sie immer schnackt! Langweilig wurde es mir mit diesem Buch nie! Die Themen sind wirklich abwechslungsreich, werden witzig präsentiert und haben einem herrlich persönlichen Bezug auf Annemarie, dieser sympathische Frau hinter @biohof_Paulsen.
Vermisst dabei hab ich nur eines: eine Abbildung ihrer tollen Hühnerblume. Aber daum ging es im Buch ja auch gar nicht.
Ach, und Annemarie, herzlichen Glückwunsch auch von mir- zum gelungenen Buch UND zur Schwangerschaft. Du wuppst einfach alles mit links!
Höchst informatives und umfangreiches Sachbuch mit deutlich feministischer Färbung
Das große Gynbuch von Prof. Dr. Mandy Mangler
Dieses Buch befasst sich mit den verschiedensten Lebenslagen angefangen von Beginn der Geschlechtsreife bis hinein ins Altwerden und beleuchtet und erklärt dabei die verschiedensten Fragestellungen, wodurch es tatsächlich zu einem wertvollen Lebensbegleiter und Nachschlagewerk werden kann.
Es enthält zwar nur wenige Illustrationen, dafür sind diese von erstaunlich guter Qualität.
Die weibliche Anatomie wurde dadurch viel verständlicher, und greifbarer als durch die bisher gängigen Abbildungen und Querschnitten.
Die Texte empfand ich als gut verständlich und sogar durchaus unterhaltsam, da sie neben Erklärungen auch Berichten aus dem Praxisalltag enthalten und sogar auf (wissenschaftlich-) historische Hintergründe eingehen. Dennoch ist auch die feministische Gesinnung der Autorin deutlich spürbar, z.B. in Meinungsäußerungen oder der Umbenennung von Begrifflichkeiten. So wurde z.B. das Wort Scham in Zusammenhang mit weiblichen Merkmalen ersetzt, der Kaiserschnitt zum Kaiserinnenschnitt erklärt und PMS zu einem rein gesellschaftlichen Problem. So löblich ihr Engagement zum female Empowerment auch sein mag, mir wurde dies das ein oder andere Mal auch etwas zu viel und ich hätte mir etwas mehr Sachlichkeit in den Themen gewünscht.
Was ich aber dennoch erwähnen möchte ist, dass ich mich regelrecht im Buch festgelesen habe und sogar Probleme interessiert verfolgte, die mich nicht direkt betrafen, wodurch sich mein Wissen deutlich vergrößern konnte. Auch wurden im Buch noch immer gängige und sich hartnäckig haltende Mythen und gesellschaftliche Tabuthemen angesprochen und diesbezüglich Klarheit geschaffen. Gleichzeitig half mir die Lektüre auch meine eigene momentane Situation besser einzuschätzen und zu bewerten und mich auf kommende Veränderungen vorzubereiten.
Dieses Buch schließt queere Menschen explizit mit ein.
Tolle Buchidee- sehr kreativ
Wishkeeper, Band 1 - Das Land der verborgenen Wünsche von Barbara Laban
Obwohl dieses Hörbuch von Julia Nachtmann wundervoll eingelesen wurde, hatte ich zu Anfang etwas Probleme in die Handlung zu finden. Recht schnell wechselt das Geschehen nach Everwish, dem Land der verborgenen Wünsche, wo dem Hörer wundersame Wesen mit sehr speziellen Namen begegnen. Diese alle einzuordnen fiel mir erst etwas schwer.
Doch ist die Handlung so kreativ und abwechslungsreich erzählt, dass auch ich mich rasch für sie erwärmt hatte. Die Idee, dass unerfüllte Wünsche von Kindern als Schmetterlinge oder Falter und mit Hilfe von sogenannten Wishkeepern nach Everwish übersiedeln um sich dort zu verwandeln, gefiel mir außerordentlich gut. Gemeinsam mit Lexi und Milo taucht man immer tiefer in diese ungewöhnliche Welt ein, erfährt von deren Zauber, den Aufgaben der Wishkeeper und der Heilkraft der Wunschgänger. Überschattet wird das Geschehen jedoch durch das Verschwinden des vorherigen Wishkeepers. Wodurch Lexi und Milo in dessen Fußstapfen steigen und seine Aufgaben übernehmen um irgendwann tatsächlich auf ihn zu stoßen. Doch was bewog ihn in Everwish zu bleiben, wenn zu Hause seine Eltern Krankheit Sorge um ihn sind?
Dieses Rätsel wird im Band gelüftet, doch freue ich mich auch jetzt schon sehr auf weitere Abenteuer der Wishkeeper.
Warmherzig
Wie man einen Bammel auf Hosentaschengröße schrumpft von Josefine Sonneson
Entgegen den Empfehlungen des Verlags empfinde ich dieses Hörbuch perfekt für Kinder im Grundschulalter. Elli und Jaro, beide 11 Jahre, Nachbarn (wohnend im selben Haus) und beste Freunde erleben darin allerlei Alltagsabenteuer und helfen sich dabei gegenseitig ihren Bammel zu überwinden. Bis beide sich verkrachen.
Ist Tami daran schuld? Will sie etwa Elli ihren Freund wegnehmen? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?
Friedel Morgensterns ruhige Art vorzutragen ist voller Intensität, die mitreißt und fesselt. Für mich ist diese jugendliche Stimme die perfekte Besetzung für dieses tolle Buch. Gegebenheiten und Emotionen werden dadurch sehr gut vermittelt, dazu können Kinder sich durch die alltagsgetreuen Situationen sehr gut in die Handlung und Personen hineinversetzen und lernen dabei, dass Angst etwas ganz natürliches ist.
Herzerwärmend
Wohnverwandtschaften von Isabel Bogdan
Ich liebe Bücher wie dieses! Einerseits befasst es sich mit einem durchaus ernsten Thema, dennoch behält es jederzeit eine angenehme Leichtigkeit bei, die durchzogen ist von Emotionen. Wow!
Dass ich mich dabei rasch in der Handlung verlor, sollte nicht verwunderlich sein. Auch wenn der, an Demenz erkrankte Jörg mit fortschreitender Handlung mehr und mehr Raum einnimmt, kommen auch die anderen Bewohner der WG, Murat, Constanze und Anke, darin nicht zu kurz.
Sie alle wurden wunderbar, mit ganz individuellen Charakteren, Eigenschaften und Eigenarten dargestellt, welche auf mich sehr glaubhaft und auch äußerst liebenswert wirkten. Besonders aber stach der quirlige, koch- und fussballbegeisterte Murat hervor, der mit seiner offenen Art viele Szenen dominierte und ihnen Witz verlieh. Und dennoch war es auch sehr emotional und herzergreifend schön zu sehen, wie rasch diese charakterlich so verschiedenen Menschen zusammenwuchsen und in ihrem Miteinander halt fanden- selbst nachdem Jörg mehr und mehr wegzudriften drohte.
Hatte etwas andere Erwartungen an einen Thriller
Villa Obscura von Melissa C. Hill; Anja Stapor
Villa Obscura wird als Jugendthriller vermarktet. Zwar sind die Protagonisten größtenteils schon dem Teenageralter entwachsen, doch wirkt dieses Buch dennoch eher wie eine Light-Version eines echten Thrillers.
Geschrieben wurde die Handlung in Kapiteln, welche im Wechsel jeweils eine der Figuren näher beleuchtet.
Der Leser nimmt hierbei dennoch eine beobachtende Rolle ein, erhält dadurch jedoch auch einen guten Überblick über die Lage und lernt die einzelnen Personen und deren Geheimnisse nach und nach besser kennen.
Doch lange dreht sich die Handlung um die, im Zimmer eingesperrten Geiseln, wie sie Pläne schmieden zu entkommen und/oder die Lage zu verstehen. Immer wieder holen die Geiselnehmer auch eine, der gefangengehaltenen Personen, doch bleibt erst ungewiss, was sie mit ihrem Vorhaben bezwecken.
Diese Phase der Handlung war zwar durchaus interessant, doch hielt sie mir persönlich zu lange an, was sich letztendlich dann auch auf meine Leselust auswirkte. Es wurde zwar auch wieder spannender, doch hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt leider schon von der Handlung emotional distanziert.
Geschrieben ist dieses Buch aber dennoch irgendwie gut. Nur hatte es eben nicht das, von mir erwartete Gänsehautfeeling ausgelösten können. Ehrlicherweise aber, muss man hier wohl auch Zugeständnisse machen- schließlich wurde die Zielgruppe entsprechend jünger gewählt.











