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Rezensionen von Bücherfreundin:

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Reise in ein neues Leben

The Journey. Die Reise meines Lebens von Carina Amara Kruse

In "The Journey - Die Reise meines Lebens" erzählt die Autorin Carina Amara Kruse, die auch als Transformationscoach tätig ist, von einer Reise, die ihr Leben veränderte.

Die 28-jährige Carina befindet sich an einem Wendepunkt. Nach zehn Jahren Beziehung wurde sie von ihrem Freund Daniel verlassen, sie verlor ihren Job, und ihr Buchprojekt wurde gecancelt.

Nun hat sie ihre Wohnung untervermietet und wird für 13 Monate unterwegs sein, ehe sie ihren Traumjob in Neuseeland antritt. In dieser Zeit wird sie ihre Vergangenheit reflektieren, und sie möchte herausfinden, wer sie eigentlich ist. Nur mit zwei Rucksäcken als Gepäck betritt sie in Berlin das Flugzeug, das sie nach einem Zwischenstopp in Bangkok nach Bali bringen wird. Es ist das erste Mal, dass sie allein unterwegs ist, und sie genießt das neu gewonnene Gefühl von Freiheit.

Auf Bali macht Carina Yoga und meditiert, schließt Freundschaften und sucht einen Astrologen auf, der verblüffende Aussagen zu ihrer persönlichen Situation, ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft trifft. In einem Abschiedsritual schreibt sie einen Brief an Daniel, sie vergibt und dankt ihm - und gibt ihn frei. Sie verbringt zehn anstrengende Tage mit Schweigen und Meditieren in einem Meditationszentrum, ehe sie nach 4 Monaten Aufenthalt weiterreist nach Indien zu Joaquim, den sie auf dem Flughafen in Stockholm kennengelernt hat. Der Plan ist, ihn für die Dauer eines Monats bei seinem Slum School Projekt zu unterstützen ...

Das Buch ist in schlichter Sprache geschrieben und liest sich sehr flüssig. Im Laufe der Handlung lernen wir Carina immer besser kennen und blicken dabei tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Wir begleiten sie auf ihrer abenteuerlichen Reise mit all ihren Herausforderungen und Gefahren. Sie lernt viel über Spiritualität und Glauben, hat interessante und bereichernde Begegnungen, und auch die Liebe klopft bald wieder an ihre Tür.

Ich habe den Mut der Autorin bewundert, alle Zelte hinter sich abzubrechen, um einen neuen Weg zu gehen, nicht wissend, wohin er sie führen wird. Sehr interessant fand ich neben der Schilderung der Rituale in Bali und Indien die Beschreibung einer balinesischen Hochzeit und des Lebens inmitten einer Großfamilie, die traditionell den höchsten Stellenwert einnimmt.

Das Buch war für mich eine größtenteils interessante und kurzweilige Lektüre, in deren Epilog wir erfahren, wie es mit Carina und Arun weitergegangen ist. Leider weist der Klappentext nicht darauf hin, dass die esoterischen Inhalte der Geschichte sehr viel Raum einnehmen. Für mich war es eindeutig zu viel, ich hätte lieber mehr über das Leben und die Bräuche der balinesischen und indischen Bevölkerung erfahren.

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Reise in ein neues Leben
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Intensive und fesselnde Familiengeschichte

Alle glücklich von Kira Mohn

Im Mittelpunkt von Kira Mohns neuem Roman "Alle glücklich" steht die Familie Holtstein, eine ganz normale und anscheinend glückliche Familie. Die Mutter Nina arbeitet vormittags in einer Hausarztpraxis, ihr Ehemann Alexander ist Oberarzt in einem Krankenhaus. Die gemeinsame Tochter Emilia ist 16 Jahre alt und verliebt in ihren Freund Julian.

Ihr drei Jahre älterer Bruder Ben studiert, beschäftigt sich aber viel lieber mit Computerspielen.

Eigentlich scheinen alle glücklich zu sein, doch die Fassade bröckelt. Nina, die ihr Medizinstudium der Familie zuliebe aufgegeben hatte, sitzt ohne Wissen ihres Mannes nachmittags an der Supermarktkasse, um sich etwas Geld für ihre persönlichen Bedürfnisse dazuzuverdienen. Alexander opfert sich für seine Patienten auf und fühlt sich innerhalb der Familie nicht wertgeschätzt, obwohl er doch alles für sie tut. Ben ist nicht zufrieden mit seiner Studienwahl und leidet darunter, keine Freundin zu haben, während Emilia sich zusehends in ihrer Beziehung verliert.

Die Geschichte ist in schöner Sprache mitreißend erzählt und liest sich sehr flüssig. Gekonnt und mit viel Feingefühl zeichnet die Autorin das Bild einer Familie, in der nach und nach unausgesprochene Konflikte und Spannungen zutage treten, Sehnsüchte sichtbar werden. Die Protagonisten sind authentisch dargestellt, sie alle haben ihre eigenen Probleme und Geheimnisse. Ich mochte die Familie, auch wenn ich die Handlungsweisen der einzelnen Personen nicht immer nachvollziehen konnte. Am meisten überrascht haben mich Ninas persönliche Entwicklung und ihre Entscheidung am Ende des Buchs. Sehr berührend fand ich die innige und vertrauensvolle Beziehung zwischen Ben und seiner Schwester.

Die Kapitel sind abwechselnd aus Sicht der einzelnen Personen geschrieben. Diese Erzählweise hat mir sehr gut gefallen, weil nicht nur einige Ereignisse durch verschiedene Sichtweisen unterschiedlich dargestellt wurden, sondern ich darüber hinaus die Protagonisten immer besser kennenlernte und tief in ihre Gedanken- und Gefühlswelt blicken konnte.

"Alle Glücklich" hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen. Das Buch ist nicht nur ein fesselnder und berührender Familienroman, es ist auch eine Geschichte über Schweigen, Entfremdung und Überforderung, die mich noch lange beschäftigen wird.

Absolute Leseempfehlung!

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Intensive und fesselnde Familiengeschichte
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Wohlfühlroman mit Schwächen

Mathilde und Marie von Torsten Woywod

Ich habe mich sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass Torsten Woywod sein erstes Buch geschrieben hat. Er hat vor einigen Jahren gemeinsam mit seiner Freundin eigens einen Verlag gegründet, um in Deutschland "Leonard und Paul" von Rónán Hession veröffentlichen zu können. Das Buch hat mich gefesselt, es hat mich fasziniert und berührt, und es gehört zu meinen Lieblingsbüchern der letzten Jahre.

Nun war ich natürlich sehr gespannt, ob Torsten Woywod mich mit "Mathilde und Marie" auch zu begeistern vermochte. Meine Erwartungen an seinen Roman waren sehr hoch, doch leider wurde ich enttäuscht.

Die 26-jährige Studentin Marie Ledoux aus Paris beschließt nach einem Schicksalsschlag, ein Zugticket nach Brüssel zu lösen und von dort aus weiter in die Provinz zu fahren. Im Zug lernt sie die Buchhändlerin Jónína kennen, die sie spontan einlädt, mit ihr in ihr Dorf Redu zu kommen, wo die 77-Jährige eine kleine Buchhandlung hat. Der kleine und ruhig gelegene Ort in den Ardennen hat 390 Bewohner, 13 Buchhandlungen und einige Geschäfte. Das Dorf verfügt über einen Fernseher und einen Internetanschluss, Internetempfang gibt es nur zwischen 19 und 20 Uhr, und es gibt so gut wie kein Mobilfunknetz. Marie fühlt sich sofort wohl in dem von wunderschöner Natur umgebenen Ort. Sie hilft Jónína in der Buchhandlung, erobert das Herz des Dorfhunds Anneliese und lernt bald die verwitwete Mathilde kennen, die ihr anfangs mit mürrischer Zurückhaltung begegnet.

Die Geschichte ist in ruhiger, blumiger Sprache erzählt und liest sich flüssig. Es handelt sich um einen sogenannten Wohlfühlroman, der ohne nennenswerte Konflikte und Reibereien auskommt. Die Protagonisten sind mit viel Empathie beschrieben und haben kaum Ecken und Kanten. Alle gehen liebevoll und rücksichtsvoll miteinander um, haben viel Verständnis füreinander. Ich mochte den entschleunigenden Ort Redu, in dem Bücher und das Lesen eine große Rolle spielen, und ich freute mich über die Lesetipps, wie z.B. für das beeindruckende Buch "Stoner". Mit Redus Bewohnern dagegen hatte ich meine Schwierigkeiten, sie waren mir zu weltfremd, und es wurde mir schnell zu viel mit der übertriebenen Höflichkeit, der Harmonie und heilen Welt.

Die Handlung empfand ich als märchenhaft und teilweise vorhersehbar, die Dialoge fand ich häufig gekünstelt und nicht lebensnah. "Innewohnen" scheint ein Lieblingswort des Autors zu sein, und die häufige Formulierung "liebe Sowieso" in der Anrede nervte mich zusehends. Als es "schüchtern dämmerte", hätte ich das Buch fast zugeklappt. Gut gefallen haben mir die interessanten Naturbeschreibungen und die Erklärungen über die Vogelwelt, obwohl es hier einige Wiederholungen gab.

Die Grundidee des Buches, in dem es um Achtsamkeit, Entschleunigung und Freundschaft geht, hatte mir gefallen, die Umsetzung hingegen konnte mich leider nicht überzeugen. 

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Wohlfühlroman mit Schwächen
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Beeindruckender Roman mit Tiefgang

Letzter Akt von Andreas Schäfer

In seinem neuen Roman "Letzter Akt", der im Dumont Verlag erschienen ist, erzählt Andreas Schäfer die Geschichte der Schauspielerin Dora Martin. Die 41-Jährige, die eigentlich Dorothea heißt und in Frankfurt aufgewachsen ist, ist unmittelbar nach ihrem Abitur nach London gezogen. Nachdem sie dort viele Jahre in Filmen und Fernsehproduktionen erfolgreich war, steht sie nun wieder auf einer Theaterbühne.

Bei der Premierenfeier in einer Bar lernt sie den schottischen und in der Kunstszene unbekannten Maler Victor Hastings kennen, der anscheinend noch nie etwas von ihr gehört hat. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen und werden ein Paar. Sie treffen sich heimlich, fernab der Öffentlichkeit, in Victors Wohnung. Victor kommt nie ins Theater, um sie auf der Bühne zu sehen, er ist damit beschäftigt, seine Ausstellung vorzubereiten. Bald bittet Dora ihren Freund, sie zu malen. Als sie das fertige Bild sieht, ist sie fassungslos ....

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, der erste und umfangreichste Teil spielt 2005 in London, im zweiten Teil springt die Handlung ins Jahr 1982, und wir lernen die junge Dorothea und ihre Freundin Vera kennen. Die beiden spielen mit Begeisterung in der Theatergruppe ihrer Schule. Der letzte, nur wenige Seiten umfassende Teil, spielt im Jahr 2010 in Schottland und erzählt, wie es mit Dora und Victor weitergegangen ist.

Die fesselnde Geschichte hat mir sehr gut gefallen, ich mochte den ruhigen Erzählstil und die schöne Sprache. Die Charaktere sind authentisch und liebevoll gezeichnet. Ich mochte die ehrgeizige Dora und habe ihren Mut bewundert, in so jungen Jahren nach London zu gehen. Dort konnte sie sich vollkommen neu erfinden und ihre Träume verwirklichen. Es war spannend, hinter die Kulissen eines Theaters zu blicken und in die Welt der Kunst einzutauchen.
Der zweite Teil des Buches, der 1982 spielt und in dem es um die Schülerinnen Dorothea und Vera geht, hat mich besonders berührt. Ich konnte sehr gut nachempfinden, in welcher Konfliktsituation Dorothea sich damals befand. Sie brannte für ihr Lebensziel und musste die Weichen für ihre Zukunft stellen.
Der dritte Teil des Buches stellte für mich einen gelungenen und stimmigen Abschluss dar.

Absolute Leseempfehlung für diesen beeindruckenden Roman, in dem es nicht nur um das Leben und die Kunst, sondern auch um eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung und die Bewältigung einer verdrängten Vergangenheit geht.

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Beeindruckender Roman mit Tiefgang
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Mitreißende und intensiv erzählte Geschichte

Grüne Welle von Esther Schüttpelz

Nach dem Debütroman "Ohne mich" der Juristin und Autorin Esther Schüttpelz hat der Diogenes Verlag nun "Grüne Welle" veröffentlicht.
 
Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine namenlose Künstlerin, die nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin mit ihrem alten Golf unterwegs nach Hause ist.

Es ist dunkel, sie folgt einer Umleitung und biegt falsch ab. Sie nimmt sich vor, an der nächsten roten Ampel zu wenden, doch die Ampeln zeigen grün, und so fährt sie immer weiter, ohne Ziel. Sie hat ein schlechtes Gewissen, weil sie weiß, dass ihr Mann sich Sorgen machen wird, und doch entfernt sie sich immer weiter von zuhause. Mitten in der Nacht fährt sie trotz aufkommender Müdigkeit auf die Autobahn, und irgendwann ist sie wieder auf der Landstraße. An einer Tankstelle nimmt sie zwei junge Anhalterinnen mit ...
 
Wir folgen der Protagonistin für die Dauer von 24 Stunden auf ihrer Fahrt und erleben dabei ihren inneren Monolog. Sie denkt an ihre Freundin, die sie vor Jahren an der Kunsthochschule kennenlernte, und sie denkt an ihren Mann, einen Juristen, der sie ständig kontrolliert und ihr wenig Freiräume lässt.
Parallel begleiten wir die Freundin der Frau, mit der der Ehemann der Frau Kontakt aufgenommen hat, nachdem diese nach dem Kinobesuch nicht nach Hause gekommen ist.
 
Die Autorin erzählt die ungewöhnliche und teilweise beklemmende Geschichte in schöner Sprache und ruhigem Tempo. Die interessante Protagonistin, im Buch durchgehend nur als "die Frau" bezeichnet, ist großartig skizziert, ich konnte mich gut in ihre Gedankenwelt hineinversetzen, jedoch nicht jede ihrer Handlungen nachvollziehen. Auch die Nebenfiguren sind sehr gut gezeichnet: der unsympathische und autoritäre Ehemann, die langjährige Freundin und die beiden Anhalterinnen, die der Frau unbequeme Fragen stellen.
 
Ich habe das mitreißende und nachdenklich machende Buch, in dem eine Frau sich während einer langen Autofahrt intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzt, bis zum für mich stimmigen und hoffnungsvollen Ende sehr gern gelesen. 

Absolute Leseempfehlung!

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Mitreißende und intensiv erzählte Geschichte
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Anstrengende Lektüre

Alma von Federica Manzon

"Alma" ist zwar bereits der fünfte Roman der italienischen Autorin und Verlegerin Federica Manzon, aber ihr erstes Buch, das aufgrund seines großen Erfolgs im Jahr 2024 nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt.  

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 53-jährige Journalistin Alma, die nach Jahrzehnten der Abwesenheit in ihre Heimatstadt Triest zurückgekehrt ist, um das Erbe ihres verstorbenen Vaters von Vili, ihrer Jugendliebe, in Empfang zu nehmen.

Während der drei Tage, die sie in der Stadt verbringt, erinnert sie sich an die ereignisreichen Jahre ihrer Kindheit und Jugend. 

Almas Mutter hatte die Universität kurz vor dem Abschluss verlassen, um gegen den Willen ihrer italienischen Eltern Almas Vater, einen Slawen, zu heiraten. Anfangs lebt die kleine Familie im Haus der Großeltern, wo Alma wunderbare Jahre verlebt. Sie fühlt sich wohl bei den Großeltern, sie sind wichtige Bezugspersonen für sie, ehe die Eltern mit ihr fortziehen in das Haus auf dem Karst. Almas Vater ist als Redenschreiber für Marschall Tito tätig und verschwindet oft ohne Erklärungen nach Jugoslawien. Die Mutter weiß nie, wann er zurückkehren wird. Eines Tages bringt er aus Belgrad den 10-jährigen Vili mit, der von nun an bei der Familie leben wird. Alma hasst den Jungen und ist eifersüchtig auf ihn ... 

Die Geschichte ist zwar in sehr schöner Sprache erzählt, trotzdem empfand ich die Lektüre durch die spezielle Erzählweise als sehr anstrengend. Aus dem Klappentext ist nicht ersichtlich, dass es sich um ein Buch mit politischem Schwerpunkt handelt. Es beschreibt neben dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens und dem schrecklichen Krieg Almas Kindheit und Jugend sowie die komplizierte Beziehung zwischen ihr und Vili. Die Handlung vermochte mich nicht zu fesseln, sie springt hin und her, Ort und Zeit sind oft erst spät ersichtlich. Diese Zeitsprünge machten es mir manchmal schwer, die politischen Zusammenhänge zu verstehen. Ich empfand die Lektüre als herausfordernd und fand durch die distanzierte Darstellung der Protagonisten keinen Zugang zu ihnen. Insgesamt hat mich "Alma" enttäuscht, zumal ich nicht damit gerechnet habe, dass die politischen Geschehnisse derart viel Raum einnehmen würden.

Ich empfehle das Buch allen Lesern, die sich für die politische Situation Jugoslawiens im 20. Jahrhundert interessieren.
Wegen der schönen Sprache runde ich meine 2,5 Sterne auf 3 Sterne auf.

 

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Verlorene Heimat

Immergrün von Ruth Olshan

In ihrem Roman "Immergrün", der im Pfaueninsel Verlag erschienen ist, erzählt die Regisseurin und Autorin Ruth Olshan die Geschichte ihrer Familie.

Einige Jahre nach dem Tod ihrer Mutter Vida begibt sich die Ich-Erzählerin Ruth mit ihrem Auto auf die lange Reise nach Litauen, um dort die Urnen der Mutter und der Großmutter beizusetzen.

Es ist ihr wichtig, den Wunsch der Verstorbenen zu erfüllen und ihnen damit ihre Liebe zu beweisen. Endlich in Litauen angekommen, wird es für sie zur Herausforderung, den Ort des Familiengrabs ausfindig zu machen.

Auf einer zweiten Erzählebene schildert Ruth die Vergangenheit ihrer Eltern und erinnert sich an ihre eigene Kindheit und das Zusammenleben mit den Eltern in Israel und Westberlin.

Vida wird 1939 in Litauen als Tochter eines Opernsängers geboren, der als KZ-Überlebender gezeichnet ist von seinen Verletzungen und sich das Leben nimmt, als seine Tochter 12 Jahre alt ist. Das Mädchen hat das Talent des Vaters geerbt und nimmt heimlich Gesangsunterricht, ehe es am Konservatorium Gesang und Chordirigieren studiert. Vida singt im Chor und lernt in Moskau nach einem Konzert den jüdischen Regisseur Israel aus der Ukraine kennen und lieben. Ein Jahr nach der Geburt ihrer Tochter Ruth emigriert die kleine Familie 1970 nach Israel, von dort aus geht es vier Jahre später nach Deutschland. In Westberlin lebt die Familie von Sozialhilfe, das Geld ist knapp, es kommt zu Spannungen und lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Vida und Israel. Während die kleine Ruth sich in Berlin schnell einlebt, bald nur noch Deutsch spricht und gern zur Schule geht, tun ihre Eltern sich schwer in der neuen Umgebung. Vida träumt davon, wieder als Sängerin aufzutreten und lässt sich erst auf Druck des Arbeitsamtes zur Altenpflegerin umschulen.



Die Geschichte ist in klarer Sprache ohne Pathos erzählt und liest sich sehr flüssig, die Kapitel über Ruths Reise nach Litauen und ihre Erinnerungen wechseln sich ab. Die Familiengeschichte hat mich gefesselt, sie hat mich berührt und erschüttert. Ruth erhebt keine Vorwürfe, keine Schuldzuweisungen. Manches ist fast nüchtern erzählt, und doch sind ihre Ausführungen sehr bewegend. Ich fand es sehr traurig, dass Vida immer mehr in ihrer Depression und in ihren Psychosen versank, während Ruth verzweifelt versuchte, den Alltag zu bewältigen. Sie übernahm die Verantwortung für ihre Mutter und war damit vollkommen überfordert. Ständig versuchte sie, Ordnung in das häusliche Chaos zu bringen und den Behörden ein intaktes Familienleben vorzuspielen.

Leider endet die Handlung im Jahr 1995 nach einem Besuch von Vida und Ruth bei der Großmutter und lässt mich mit vielen Fragen zurück. Vielleicht mag die Autorin in einer Fortsetzung erzählen, wie es mit Vida und Ruth weitergegangen ist. Wenn man bei YouTube den Namen Vida Vaitkuté eingibt, kann man sich mehrere Lieder von Ruths Mutter anhören - eine schöne Ergänzung zum Roman, wie ich finde.

Leseempfehlung für Ruth Olshans sehr persönliche Geschichte, in der es neben ihrer schwierigen Kindheit und Jugend auch um Entwurzelung, Sprachbarrieren und Neuanfang geht.

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Verlorene Heimat
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Schmerzhafte Erinnerungen

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen von Christien Brinkgreve

In ihrem Buch "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" erinnert sich die Niederländerin Christien Brinkgreve, emeritierte Professorin für Soziologie, an ihre langjährige Ehe mit dem Journalisten Arend Jan Heerma van Voss, den sie in ihrem Buch "A" nennt.

Es ist ein kalter Tag im März 2022, die Beerdigung ihres Mannes liegt gerade hinter ihr, als die Ich-Erzählerin Christien feststellt, wie verwahrlost ihr Haus ist.

Es wirkt unordentlich und ist vollgestopft mit unzähligen Büchern, Zeitschriften und allerlei Krimskrams. Nach den langen Jahren, in denen sie sich um ihren kranken Ehemann kümmerte, beginnt sie nun mit den dringend notwendigen Arbeiten. Das Aufräumen und Aussortieren fällt ihr anfangs schwer, es weckt nicht nur schöne Erinnerungen an ihre gemeinsamen Jahre.

Als Christien und A sich in den späten Siebzigern kennenlernen, ist die junge Frau fasziniert von der Intelligenz und dem Humor des Juristen, der als Chefredakteur tätig ist. Sie verlieben sich ineinander und verbringen glückliche Jahre, nach der Hochzeit werden die beiden Söhne geboren. Christien, inzwischen Professorin für Frauenforschung, ist glücklich in ihrem Beruf und fühlt sich wertgeschätzt. Der häusliche Alltagsstress mit zwei Kleinkindern überfordert sie trotz der Unterstützung durch ein Kindermädchen und die beiden Töchter aus A's erster Ehe zusehends. A ist stolz auf seine erfolgreiche Frau, hatte aber heimlich darauf gehofft, dass sie sich nach ihrer Dissertation hauptsächlich ihm widmen würde. Die Ehe ist nicht mehr glücklich, das Paar ist zu verschieden, hat unterschiedliche Interessen. A, geprägt durch den frühen Tod seiner Schwester, ist melancholisch und launisch. Als er mit 64 Jahren pensioniert wird, stürzt seine Welt vollends ein, er fühlt sich überflüssig. Christien kommt mit seinem Pessimismus und seinen düsteren Stimmungen nicht zurecht und zieht sich immer mehr zurück.

Mit schonungsloser Offenheit und klaren Worten beschreibt die Autorin ihre unglückliche Ehe und die zunehmende Entfremdung. Ich mochte Christien und habe nicht verstanden, dass die selbstbewusste Professorin sich ihrem dominanten Mann unterordnete, sogar auf sein Drängen hin ihr Haus verkaufte, das sie liebte, um in das Amsterdamer Zentrum zu ziehen.

Ich habe das intelligente Buch, in dem die Autorin ihr Leben mit A Revue passieren lässt, trotz mehrerer Wiederholungen sehr gern gelesen, es hat mich berührt und erschüttert. Christiens innere Konflikte konnte ich gut nachvollziehen, sie zweifelt an ihrer Entscheidung, dieses Buch zu schreiben, fragt sich, ob sie als Mutter das Recht dazu hat. Während des Schreibens hinterfragt sie auch ihre Rolle in der Beziehung und in der Familie, und sie stellt sich die Frage, warum sie ihren Mann nicht verlassen hat.

"Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" ist ein sehr mutiges und sehr persönliches Buch, in dem es neben Trauerbewältigung und Aufarbeitung der Vergangenheit auch um Feminismus, Enttäuschung, Verzweiflung - und Liebe geht.

Absolute Leseempfehlung!

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Berührende Geschichte

Moosland von Katrin Zipse

In ihrem Debütroman "Moosland" erzählt Katrin Zipse die Geschichte der jungen Elsa, die 1949 gemeinsam mit ihrer Freundin Gerda als eine von knapp 300 Frauen nach Island gekommen ist. Die beiden sind einem Aufruf der Isländischen Bauernpartei gefolgt, um für die Dauer eines Jahres auf isländischen Bauernhöfen zu arbeiten.

Viele junge Leute sind in die Städte abgewandert, und die Bauern hoffen nicht nur auf Arbeitskräfte, sondern auch auf Heiratskandidatinnen.

Elsa ist total erschöpft von ihrer langen Reise, als sie mit nur einem Rucksack als Gepäck vom Knecht der Bauernfamilie an der Küste abgeholt wird. Der Bauernhof liegt abseits, der Weg dorthin ist nur mühsam zu bewältigen. Die junge Frau wird von nun an bei einer Familie leben und arbeiten, die aus dem Bauern Jón, seiner Frau Ingibjörg und den beiden Söhnen Ólafur und Skúli besteht. Die Eingewöhnung fällt ihr sehr schwer, die Verständigung ist ein großes Problem, da Elsa nach erlittenen Kriegstraumata nicht mehr spricht und die isländische Sprache nicht versteht.

Wir begleiten Elsa für die Dauer eines Jahres und erleben ihren harten Alltag mit den vielen Pflichten im Haushalt, auf dem Hof und den Feldern. Sie ist in tiefer Trauer um ihre Familie und ihre beste Freundin Sola, und doch gelingt es ihr nach und nach, ihren Platz in der Familie zu finden. Viel Unterstützung findet sie in dem Knecht Halldór, der ihr die fremde Sprache nahezubringen versucht. 

"Moosland" hat mir sehr gut gefallen, ich mochte die ruhige Erzählweise und die schöne Sprache der Autorin. Die Charaktere sind authentisch und mit viel Empathie gezeichnet, ich konnte mich sehr gut in Elsas Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen und ihren Kummer nachempfinden. Die Geschichte, in der es neben Heimat, Verlust und Neuanfang auch um ein Familiengeheimnis und einen Bruderzwist geht, hat mich bis zu ihrem stimmigen Ende gefesselt und tief berührt. 

Ich fand die intensive Beschreibung der Landschaft mit ihrer Kargheit und der rauen Natur sowie des extremen Klimas, das seinen Bewohnern so viel abverlangt, faszinierend. Entbehrungen und harte Arbeit gehören für die Menschen auf den Höfen zum normalen Leben, in den wenigen Sommermonaten arbeiten sie fast rund um die Uhr, um für die langen und eisigen Wintermonate genügend Vorräte für Mensch und Tier anzulegen. Katrin Zipse bringt dem Leser den täglichen Überlebenskampf der Bauern überzeugend nahe und vermittelt ein beeindruckendes Bild der damaligen isländischen Verhältnisse.

Absolute Leseempfehlung für diesen großartigen Roman!

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Berührende Geschichte
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Beeindruckend und faszinierend

Jenseits der Wintersonne von Veronica Skotnes

In ihrem Buch "Jenseits der Wintersonne", das im Delius Klasing Verlag erschienen ist, erzählt die Autorin Veronica Skotnes von ihrer ein Jahr dauernden Reise entlang der äußersten Inseln der Finnmarkküste.

Veronica wohnt seit drei Jahren auf einem Segelboot. Das Boot hat zwei Masten und vier große Segel, es wurde 1982 gebaut und ist 16 Jahre älter als sie.

Drei Jahre lang segelte sie damit ganz allein in den Gewässern vor der Finnmark. Nun ist es Herbst, und sie wird sich aufmachen zu den Gegenden an der äußersten Küste am Nordpolarmeer.
Es wird ein Reiseabenteuer, das sie an ihre Grenzen bringen wird, immer wieder gerät sie wetterbedingt beim Segeln in gefährliche und bedrohliche Situationen. An Land hat sie viele interessante Begegnungen, sie lernt die gastfreundlichen Bewohner der Inseln kennen, die ihr von ihrer Insel und deren Geschichte erzählen, von Sagen und Mythen. Manchmal bleibt sie länger an einem Ort und lernt die Bewohner dabei noch besser kennen. Die Fischer erzählen von ihren Problemen, es geht neben der schlechten Infrastruktur auch um die fehlende Trinkwasserversorgung, die Vermüllung des Meeres durch Plastik und den zunehmenden Angeltourismus.

Die Autorin beschreibt nicht nur eindrucksvoll die Schönheit der Natur, sie lässt den Leser auch tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt blicken. Sie erzählt von ihrer Hoffnung, dem Familienfluch zu entrinnen, indem sie Abstand sucht von ihrer Familie, die auf den Lofoten lebt. Die selbstgewählte Einsamkeit auf See gibt ihr eine gewisse Sicherheit, sie gelangt aber auch zu der Erkenntnis, dass im Segeln auf dem offenen Meer nicht die von ihr ersehnte Freiheit liegt, da der Wind und das Wetter bestimmen, wann es wohin geht.

Ich habe das Buch, das eine Mischung aus Reisebericht und ganz persönlicher Reflexion ist, sehr gern gelesen. Es war spannend und hochinteressant, Veronica auf ihrer Reise zu begleiten. Ich habe mit ihr gebangt und gezittert, wenn sie mit ihrem Boot in gefährliche Situationen geriet, und ich habe mich mit ihr gefreut, wenn ihr die Inselbewohner freundlich und offen begegneten.
Besonders hervorheben möchte ich die wunderschöne und hochwertige Gestaltung des Buches. Das Covermotiv findet sich auch auf dem Einband wieder, im Innern finden wir 18 kunstvolle Illustrationen, die die Geschichten ergänzen.

Absolute Leseempfehlung für dieses beeindruckende Buch, das so viel mehr ist als nur ein Reisebericht!

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