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Rezensionen von Bücherfreundin:
Emotionale und fesselnde Fortsetzung
Was ich nie gesagt habe von Abel Susanne
Der dtv Verlag hat den Roman "Was ich nie gesagt habe - Gretchens Schicksalsfamilie" von Susanne Abel veröffentlicht. Das Buch schließt sich handlungsmäßig an den ersten Band "Stay away from Gretchen" an, und es ist sicherlich hilfreich, diesen ersten Band zu kennen. Wem dieses Basiswissen fehlt, dürfte sich aber auch zurechtfinden, da die relevanten Ereignisse des ersten Buches als Erinnerungen in den zweiten Band einfließen.
Bei der Geschichte, die auf zwei sich abwechselnden Zeitebenen erzählt wird, geht es wiederum um das Leben der Familie Monderath.
Neben Gretas Ehemann Konrad, genannt Conny, steht Gretas Sohn Tom im Mittelpunkt des Geschehens.
Connys Geschichte beginnt 1933 in Köln. Als er fünf Jahre alt ist, stirbt sein Vater, und seine Mutter zieht ihn, seinen älteren Bruder Franz und die kleine Schwester Lizzy, die am Down-Syndrom leidet und später ein grausames und trauriges Schicksal erleidet, allein groß. Ein Schwerpunkt der Handlung liegt auf der Zeit des Nationalsozialismus. Conny wächst heran und erleidet kriegsbedingt weitere schwere familiäre Verluste. 1944 gerät er in amerikanische Gefangenschaft und muss auf Baumwollplantagen in Mississippi Schwerstarbeit verrichten. Als er nach zwei Jahren entlassen wird, geht er zurück in die Heimat. Durch Vermittlung eines Onkels, der sich in Kriegsgefangenschaft befindet, eröffnet sich ihm die Möglichkeit eines Medizinstudiums in Heidelberg. Dort verliebt er sich in Greta, sie heiraten, und gemeinsam ziehen sie nach Köln, wo er mit seinem Onkel eine gynäkologische Praxis führt. Doch die junge Ehe ist belastet durch Gretas Vergangenheit und ihre dunklen Geheimnisse sowie ihre daraus resultierenden Depressionen ...
Im Hier und Jetzt - 2016 bis 2018 - steht Gretas Sohn Tom im Vordergrund. Der 47jährige populäre Nachrichtensprecher ist frisch verliebt in seine ehemalige Kollegin Jenny und in ihr 14 Wochen altes Baby Carl. Er genießt sein neues und glückliches Familienleben. Sein Leben gerät allerdings aus den Fugen, als er eine Email über ein Ahnenforschungsinstitut von dem ihm unbekannten Henk aus den Niederlanden erhält, in der dieser ihm mitteilt, dass sie anscheinend denselben Vater haben. Kurze Zeit später treffen sich die beiden, die sich fast wie Zwillinge ähneln. Tom möchte herausfinden, was damals geschehen ist. Warum war seine Mutter nicht immer für ihn da, und warum hat sein Vater nie mit ihm über seine Vergangenheit gesprochen? Seine Mutter Greta, die an Alzheimer leidet, kann ihm seine Fragen nicht beantworten, sein Vater ist schon lange tot. Durch einen Gentest stellt sich heraus, dass es noch weitere Halbgeschwister gibt. Tom geht davon aus, dass sein Vater seiner Greta untreu war und begibt sich auf Spurensuche. Im Keller seines Elternhauses wird er fündig, und er stößt auf eine Wahrheit, die ihn zutiefst erschüttert.
Das Buch ist sehr gut recherchiert und vermittelt dem Leser die Zeit des Nationalsozialismus sowie die Nachkriegsjahre auf eindrucksvolle Weise. Es ist spannend und fesselnd geschrieben. Die Charaktere sind sehr authentisch und lebendig gezeichnet. Der Schreibstil ist flüssig, aber leider sehr schlicht. Etwas genervt hat mich der zu häufig vorkommende Satz: "Sie gab ihm ein Küsschen" bzw. "Er gab ihr ein Küsschen".
Sehr gut hat mir gefallen, wie die Autorin den Zeitgeist in ihren Roman hat einfließen lassen. Da ich Porz gut kenne, hat mich das Lokalkolorit des Buches natürlich begeistert.
Der emotionale Roman hat mir gut gefallen, er hat mich gleichermaßen gefesselt und berührt - 4 Sterne!
Intelligenter und wortgewaltiger Roman
Ein französischer Sommer von Francesca Reece
Die gebürtige Waliserin Francesca Reece erzählt in ihrem Debütroman die Geschichten zweier Protagonisten im Jahr 2016: die von Leah, einer jungen Britin, die in Paris lebt, und die des britischen Schriftstellers Michael Young.
Leah lebt mit ihren 24 Jahren recht plan- und ziellos in den Tag hinein.
Sie hat ihr in England begonnenes Studium nicht beendet und ist ohne beruflichen Ehrgeiz. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, arbeitet sie in einem Café als Bedienung und gelegentlich als Englischlehrerin. Zufällig entdeckt sie in einem Pariser Stadtmagazin eine interessante Anzeige. In dieser wird von einem Autor eine Assistentin zur Unterstützung und Recherche für einen neuen Roman gesucht. Gegen den Rat ihrer Freunde bewirbt Leah sich auf die Anzeige und bekommt die Stelle - allerdings durch eine zufällige Begegnung erst im zweiten Anlauf. Ihr Arbeitgeber für das befristete Arbeitsverhältnis ist Michael Young. Er ist seit den siebziger Jahren erfolgreicher Autor, hat allerdings seit fast 20 Jahren kein Buch mehr veröffentlicht.
Während der ersten Wochen erledigt Leah kleinere Aufträge für Michael, später begleitet sie ihn und seine Familie nach Südfrankreich, wo die Familie eine Ferienvilla besitzt. Leahs dortige Aufgabe ist es, Michaels Tagebücher aus den Jahren 1968-1970 zu ordnen und zu digitalisieren.
In Saint-Luc geht Leah nicht nur ihrer Tätigkeit nach, sie lernt die Bewohner und Gäste des Hauses näher kennen, genießt den unbeschwerten und komfortablen Lebensstil - und sie verliebt sich ...
Ebenso wie die Geschichte von Leah wird auch die von Michael aus der Ich-Perspektive erzählt. Er ist fasziniert von Leah, die seiner großen Liebe Astrid so sehr ähnelt, und widmet sich mit Elan seinem neuen Buchprojekt.
Nach und nach werden Michaels Vergangenheit und sein dunkles, schockierendes Geheimnis aufgeblättert.
Der schöne und intelligente Schreibstil hat mich von der ersten Seite an begeistert. Das Buch, anfangs eher in ruhigem Tempo erzählt, wird in der zweiten Hälfte immer spannender, und ich konnte es bis zum Ende kaum aus der Hand legen. Francesca Reece ist es gelungen, die Charaktere der Haupt- und Nebenfiguren authentisch aufzuzeichnen.
Obwohl mir weder Leah noch Michael wirklich sympathisch waren, hat der anspruchsvolle Roman mich sofort in seinen Bann gezogen und mir sehr viel Lesefreude bereitet.
Klare Leseempfehlung von mir und 5 Sterne!
Schöne Geschichte über Fußball und Freundschaft
Leserabe 2. Lesestufe - 1:0 für Paul - Eine Fußballgeschichte von Manfred Mai
Der Ravensburger Verlag hat im Rahmen seiner beliebten Leserabe-Reihe ein neues Buch des seit Jahrzehnten bekannten Kinderbuchautors Manfred Mai veröffentlicht. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen die beiden Jungen Amir und Paul.
Paul beobachtet, dass eine junge Familie in das Nachbarhaus einzieht.
Sie hat zwei Kinder, ein Mädchen und Amir, der nicht nur in Pauls Alter ist, sondern auch noch genau so fußballbegeistert ist wie er. Schnell freunden sich die beiden an, und schon bald melden die Eltern ihre Jungs beim Fußballverein an.
Die Geschichte ist sehr schön und altersgerecht erzählt. Es geht nicht nur um Fußball, sondern auch um Freundschaft, Selbstvertrauen und Integration.
Der Sprachstil ist altersgerecht und sehr ansprechend, die Schrift durch ihre Größe für Erstleser sehr gut lesbar. Die schönen Illustrationen von Markus Grolik ergänzen die Texte. Das Buch wird empfohlen für fortgeschrittene Erstleser der 2. Lesestufe ab 7 Jahren, aber es eignet sich auch sehr gut zum Vorlesen für jüngere Kinder.
Am Ende der Geschichte gibt es auf 4 Seiten unterschiedliche Rätsel zu lösen.
Das Buch wird von der Stiftung Lesen empfohlen. Dem schließe ich mich mit 5 Sternen sehr gern an.
Humorvolle Unterhaltung - leider ohne Tiefgang
Morgen kann kommen von Ildikó von Kürthy
Ich hatte bisher noch kein Buch von Ildikó von Kürthy gelesen und war nach dem Lesen des vielversprechenden Klappentextes sehr neugierig auf ihren neuen Roman "Morgen kann kommen", der kürzlich vom Wunderlich Verlag veröffentlicht wurde.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 51jährige Ruth Westphal.
Es ist ihr Geburtstag und gleichzeitig ihr 15. Hochzeitstag. Ihr narzisstischer Ehemann Karl, ein bekannter Fernsehschauspieler und einst ihr absoluter Traummann, ist nach dem Tod seiner Mutter in eine Lebenskrise geraten und hat sich eine Auszeit genommen. Ruth fühlt sich einsam und legt sich eine Dogge namens Dagmar zu. Nachdem sie in einem Drogeriemarkt ein zerrissenes Foto findet und wieder zusammensetzt, bricht ihre Welt zusammen, und sie fährt spontan mit Dagmar 800 km nach Hamburg, zu der alten Villa, die einst ihrer vor 10 Jahren verstorbenen Großmutter Auguste gehörte. Inzwischen wird die Villa von ihrer 2 Jahre älteren Schwester Gloria bewohnt, zu der Ruth seit den folgenschweren Geschehnissen am Tag ihrer Hocnzeit keinen Kontakt mehr hatte.
Ruth begegnet in Hamburg nicht nur ihrer Schwester, sondern auch deren Mitbewohner Rudi, der an einer tödlichen Krankheit leidet und sein freiwilliges und vorzeitiges Ausscheiden aus dem Leben vorbereitet. Durch Erdal, einen Freund Glorias, lernt sie dessen Cousine Fatma kennen, mit der sie sich anfreundet und durch die sie unverhofft erkennen muss, dass sie ihr Leben neu ordnen muss ...
Der Roman wird in großen Teilen aus Ruths Sicht in der Ich-Form erzählt, die übrigen Kapitel in erster Linie aus der Perspektive von Gloria. Das Buch liest sich sehr leicht und locker, der Sprachstil ist angenehm flüssig. Die Geschichte ist äußerst humorvoll erzählt, leider ist sie aber auch sehr vorhersehbar und nicht nur am Beispiel von Rudi unrealistisch. Wer je einen Menschen mit einem Glioblastom kannte, wird dies bestätigen.
Nach den positiven Äußerungen von Maria Furtwängler und Bettina Böttinger über das Buch hatte ich deutlich mehr erwartet und mir als "Befreiungsschlag" eine Geschichte mit Tiefgang gewünscht. Der fehlte mir leider trotz so interessanter Themen wie Liebe, Freundschaft, Abhängigkeiten, Krankheit, so dass das Buch mich zwar öfters schmunzeln ließ, aber darüber hinaus nicht in seinen Bann ziehen konnte.
Hervorheben möchte ich die wunderschönen und kunstvollen Aquarellzeichnungen, mit denen Peter Pichler das Cover und viele Buchseiten so liebevoll gestaltet hat.
Faszinierend und fesselnd - absolute Leseempfehlung!
Wo die Wölfe sind von Charlotte McConaghy
Nach ihrem aufsehenerregenden und weltweit erfolgreichen Debütroman "Zugvögel" ist nun "Wo die Wölfe sind" der irisch-schottischen Autorin Charlotte McConaghy im Fischer Verlag erschienen.
Es handelt sich um die Geschichte der Wissenschaftlerin Inti Flynn, die mit ihrer Zwillingsschwester Aggie im Rahmen eines Projektes von Alaska nach Schottland kommt.
Sie ist die Leiterin eines Teams von Biologen, das 14 graue Wölfe in den schottischen Highlands wieder ansiedelt. Der Wolf, ein natürlicher Räuber, der das Ökosystem im Gleichgewicht hält, ist in Schottland bereits vor vielen Jahren ausgerottet worden. Die Hoffnung ist, dass durch die Ansiedlung der Wölfe die Natur ihr natürliches Gleichgewicht zurückerlangt und sich die Auswirkungen des Klimawandels verlangsamen. Die Bauern und Schafhirten der Region reagieren sehr ablehnend und feindselig auf die drei importierten Wolfsrudel. Sie befürchten, dass die Wölfe ihre Tiere angreifen werden und damit ihren Lebensunterhalt gefährden. Als ein Bauer spurlos verschwindet, fällt der Verdacht der Dorfgemeinschaft auf die Wölfe ....
Inti ist eine außergewöhnliche und faszinierende Protagonistin. Sie leidet unter einer Besonderheit, die sich Mirror-Touch-Synästhesie nennt. Ihr Gehirn gibt ihrem Körper das Signal, alles, was sie sieht, auch zu spüren. Diese Erscheinung ist sehr selten, und Inti musste einen Weg finden, mit dieser Veranlagung zu leben. Ihre Mutter hat sie dabei unterstützt.
Die Geschichte wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, und langsam und behutsam werden die erlittenen Traumata und schmerzhaften Geheimnisse der unzertrennlichen Schwestern enthüllt. Die Leser erhalten einen Einblick in die Vergangenheit von Inti und Aggie, ihre Kindheit, in der sie zeitweise bei ihrer pragmatischen Mutter, einer Polizistin, in Australien und ihrem Vater, einem ehemaligen Holzfäller und fanatischen Umweltschützer, in Kanada lebten.
Der Roman wird in der Ich-Form aus Intis Perspektive erzählt. Der anspruchsvolle Schreibstil ist wunderbar klar und flüssig. Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an gefesselt und in ihren Bann gezogen. Ich fand es hochinteressant, so viel über die Bedeutung der Wölfe für die Umwelt und ihr Leben zu erfahren, und die faszinierenden Naturbeschreibungen haben mich tief beeindruckt. Die teilweise sehr speziellen Charaktere sind ganz wunderbar gezeichnet und authentisch.
Klare Leseempfehlung für diesen sprachgewaltigen, vielschichtigen Roman und hochverdiente 5 Sterne!
Schönes Buch über Fußball für wissbegierige Erstleser
Wieso? Weshalb? Warum? Erstleser, Band 7 - Fußball von Sandra Noa
Wer kennt sie nicht, die beliebte "Wieso, weshalb, warum"-Reihe aus dem Ravensburger Verlag? Die Kinderbuchautorin Sandra Noa hat über das Nummer-Eins-Thema "Fußball" ein sehr schön gestaltetes, lehrreiches Buch geschrieben. Das Buch richtet sich an Erstleser ab 7 Jahren und erklärt alles, was die Kinder zum Thema Fußball interessiert.
Als Vorlesebuch halte ich es auch bestens für jüngere Kinder geeignet.
Das 64 Seiten umfassende Buch ist in vier Kapitel gegliedert, in denen alle wichtigen Fragen zum Thema Fußball auf kindgerechte Art beantwortet werden. Die in großer Schrift gehaltenen Texte sind sehr gut lesbar und altersgerecht, die Fotos und schönen Illustrationen von Alexander Bux lockern die Seiten auf. Es gibt im Anschluss an die einzelnen Kapitel knifflige Leserätsel sowie am Ende des Buches ein Lesequiz zu lösen. Auf den letzten Seiten befinden sich ein Leselotto zum Ausschneiden sowie einige Sticker zum Einkleben.
Ich finde das Buch äußerst gelungen und bestens für wissbegierige kleine Fußballfans geeignet.
Es gibt nicht nur fußballbegeisterte Jungen, sondern auch Mädchen. Daher finde ich es im Sinne der Gleichberechtigung sehr schön, dass auf dem bunten Cover sowohl ein spielender Junge als auch ein Mädchen abgebildet sind.
Ganz klare Leseempfehlung und 5 Sterne!
Großartiger Roman über eine außergewöhnliche und kämpferische Frau
Eine Frage der Chemie von Bonnie Garmus
Der Piper Verlag hat mit "Eine Frage der Chemie" den großartigen Debütroman von Bonnie Garmus veröffentlicht.
Es handelt sich um die Geschichte der hochintelligenten und emanzipierten Elizabeth Zott, die eine Vorliebe für die Naturwissenschaften hat und sich in den fünfziger Jahren dazu entschließt, Chemie zu studieren, eine Fachrichtung, die bis dahin weitgehend der Männerwelt vorbehalten war.
Am Forschungsinstitut Hastings fällt es ihren Kollegen schwer, in Elizabeth eine gleichberechtigte Kollegin zu sehen, man akzeptiert sie nicht und macht ihr das Leben schwer. Mit 20 Jahren lernt sie am Institut Calvin Evans kennen, einen brillanten und bereits berühmten Wissenschaftler. Die beiden verlieben sich auf den zweiten Blick ineinander. Sie sind Seelenverwandte, ziehen zusammen und sind glücklich in ihrer Zweisamkeit. Kinder wünschen sie sich keine, stattdessen adoptieren sie einen intelligenten Hund, den die nüchterne Elizabeth Halbsieben nennt.
Anfang der sechziger Jahre ist Elizabeth alleinerziehende Mutter der kleinen und altklugen Madeline und moderiert aufgrund ihrer wirtschaftlichen Notsituation nun die tägliche Fernsehshow "Essen um sechs". Sie bringt die Wissenschaft in ihre Show und macht ihrem vorwiegend weiblichen Publikum klar, dass Kochen Chemie ist. Ihre Rezepte für gesundes Essen verbindet sie mit Lehrstunden in Chemie und ermuntert die Frauen, ihre Träume zu verwirklichen und ihren Weg zu gehen. Hinter den Kulissen kämpft sie nun nicht mehr gegen ihre Vorgesetzten im Institut, sondern gegen ihre Fernsehchefs. Sie kleidet sich so, wie sie es möchte und bringt nicht nur damit die Verantwortlichen zur Verzweiflung.
Die Geschichte ist ganz wunderbar und unterhaltsam geschrieben, sie ist klug, aber auch sehr berührend. Ich konnte mich sehr gut in die Hauptprotagonistin hineinversetzen und war fasziniert von der guten Ausarbeitung der übrigen, teilweise skurrilen Charaktere. Die Autorin beschreibt Elizabeth als vollkommen humorlose Frau, das Buch hingegen ist mit viel Humor gewürzt. Die vielschichtige Handlung hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen und mir unvergleichliche Lesefreude bereitet.
Absolute Leseempfehlung für das Buch mit der unwiderstehlichen Protagonistin - und wohlverdiente 5 Sterne!
Sehr liebevoll gestaltetes Kinderbuch
Der kleine Raubdrache (Bd. 1) von Dagmar H. Mueller
Mit "Der kleine Raubdrache" veröffentlicht der Coppenrath Verlag den ersten Band einer neuen Kinderbuchreihe von Dagmar H. Mueller. Die Vorlesegeschichte basiert auf den bereits 2009 erschienenen Drachengeschichten für Erstleser.
Es geht um einen kleinen Drachen, der kein Raubdrache werden will.
In der Drachenschule zeigt der große Drachenlehrer seinen Schülern, wie man vorschriftsmäßig Prinzessinnen raubt. Aber der kleine Drache hat dazu gar keine Lust, weil er weiß, dass die Prinzessinnen von einem Prinzen befreit werden und der Raubdrache gewaltige Prügel einstecken muss. Dann lernt er die vom Drachenlehrer geraubte Prinzessin Poppy kennen, die Angst hat, von ihrem Prinzen nicht gerettet zu werden, weil er weder stark noch mutig ist ...
Die phantasievolle und kurzweilige Geschichte, die das Klischee vom bösen Drachen, aber auch von Prinzessinnen ins Gegenteil dreht, ist ganz wunderbar geschrieben, spannend und humorvoll.
Das äußerst liebevoll gestaltete Buch mit der zusammenhängenden Geschichte, die aus vielen kleinen Kapiteln besteht, richtet sich an Kinder im Alter von etwa 5 Jahren, aber auch Erstleser werden aufgrund der großen, gut lesbaren Schrift und der zahlreichen Zeichnungen viel Lesefreude haben. Die wunderschönen und farbenfrohen Illustrationen von Sabine Rothmund ergänzen die altersgerechten und gut verständlichen Texte. Drachen sind sehr beliebt bei den Kindern, und die Kombination Drachen - Prinzessinnen wird sowohl Jungs als auch Mädchen begeistern. Die kleinen Leser werden sich in den kleinen Raubdrachen verlieben und dürfen sich bereits jetzt auf den zweiten Band freuen, der im Frühjahr 2023 erscheinen wird.
Klare Empfehlung für dieses wunderschöne Kinderbuch und wohlverdiente 5 Sterne!
Düsterer und verstörender Debütroman
Amelia von Anna Burns
Die mir bisher unbekannte nordirische Autorin Anna Burns ist 2018 für ihren Roman "Milchmann" mit dem renommierten Man Booker Prize ausgezeichnet worden. Das Buch wurde ein internationaler Bestseller in 30 Ländern. Ihr Debütroman - im Original "No Bones" - aus dem Jahr 2001 ist nun auch für den deutschsprachigen Raum übersetzt worden.
"Amelia" erzählt die Geschichte der Amelia Boyd Lovett in Belfast während des Nordirlandkonfliktes, auch "Troubles" genannt. Das Buch umfasst den Zeitraum von 1969 bis 1994. 1969 ist Amelia 8 Jahre alt. Sie lebt mit ihrer Familie in einfachen Verhältnissen und wächst gemeinsam mit ihren Geschwistern inmitten der Unruhen auf.
Der überwiegende Teil der Kapitel ist aus der Perspektive der heranwachsenden Amelia erzählt, bei den übrigen Kapiteln stehen andere Charaktere im Mittelpunkt.
Es fällt mir sehr schwer, das unsentimentale und düstere Buch zu bewerten, da das Lesen mir kein Vergnügen bereitete. Ich war abgestoßen und schockiert von den zahlreichen Gewaltszenen, die sich auf viele Bereiche erstreckten. Egal, ob innerhalb der Familie, auf der Straße, in der Nachbarschaft, Schule, überall kam es zu ständigen Übergriffen. Ein normales Leben scheint es damals in Belfast kaum gegeben zu haben. Es geht in "Amelia" nicht nur um Brutalität, Mord und Selbstmord, sondern auch um Alkoholismus, Essstörungen, sexuelle Perversionen, Suchtprobleme bis hin zu psychischen Zusammenbrüchen.
"Amelia" ist kein leicht zu lesender Roman, ich fand ihn auch vom Schreibstil her anstrengend. Er mag literarisch wertvoll sein, gefallen hat er mir nicht. Meine Hoffnung, möglichst viel über den eigentlichen Nordirlandkonflikt zu erfahren, um die Geschehnisse besser verstehen zu können, hat sich leider nicht erfüllt.
Enttäuschender Serienauftakt
Gala und Dalí - Die Unzertrennlichen von Sylvia Frank
Der Aufbau Verlag veröffentlicht eine neue Romanreihe über berühmte Paare. Zum Auftakt stellt er das Buch "Gala und Dalí" von Sylvia Frank vor. Hierbei handelt es sich um das Autorenehepaar Sylvia und Frank Meierewert.
Der Roman erzählt aus dem Leben von Gala und Dalí während einer Zeitspanne von 2 Jahren.
1929 verbringt der französische Dichter Paul Éluard mit seiner Frau Gala die Sommerferien in dem spanischen Fischerort Cadaqués. Gala hofft, dass Paul dort seine Schreibblockade überwindet. Paul plant, gemeinsam mit seinen Freunden Salvador Dalí zu treffen, einen jungen und talentierten Maler, mit dessen Werken eine Ausstellung in Paris stattfinden soll.
Der 25jährige Salvador Dalí sieht Gala zufällig auf dem Balkon ihres Hotels und ist sofort fasziniert von ihrer Schönheit. Es ist für ihn Liebe auf den ersten Blick. Wenig später kommt es zu dem Treffen mit Paul, Gala und den Pariser Freunden, und Salvador hat nun Gelegenheit, im Laufe der nächsten Tage Gala näher kennenzulernen. Der Katalane zeigt den französischen Gästen seine Heimat, und die 10 Jahre ältere Frau genießt bei Ausflügen zu zweit die Zuneigung des schüchternen und unerfahrenen jungen Mannes. Nach einigen Wochen trennen sich ihre Wege, und Gala tritt die Rückreise nach Paris an. Einige Monate später reist Salvador zur bevorstehenden Ausstellung nach Paris. Dort trifft er Gala wieder, und Gala, die immer schon davon träumte, an der Seite eines bedeutenden Künstlers zu stehen, trifft eine folgenschwere Entscheidung ....
Gala und Dalí waren länger als ein halbes Jahrhundert zusammen, der Roman beschreibt lediglich 2 Jahre ihrer damals noch jungen Verbindung. Gerade die Entwicklung Dalís vom schüchternen jungen Maler zur schillernden, exzentrischen Persönlichkeit, wie wir ihn alle kennen, wäre interessant gewesen. Darüber war ich sehr enttäuscht, zumal der Titel "Gala und Dalí - Die Unzertrennlichen" auf eine längere Zeitspanne hoffen ließ. Stattdessen wurden die Seiten mit banalen Nebensächlichkeiten gefüllt, während so wichtige Themen wie das Verhältnis zu Galas Tochter und Salvadors Familie viel zu kurz kamen. Gala wird als kühle Person beschrieben, deren Hauptaufgabe darin besteht, durch intensive Verhandlungen und Verkäufe der Werke Dalís den anfangs sehr bescheidenen, an Armut grenzenden Lebensstandard der beiden zu sichern. Leider finden die Bilder Dalís und ihre Entstehung viel zu wenig Erwähnung, das Thema Kunst kommt eindeutig zu kurz.
Den Schreibstil empfand ich als sehr schlicht, das Buch war schnell gelesen. Mir fehlten Tiefgang und Emotionen, die Protagonisten sind mir leider fremd geblieben.











