Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lulu24:
Rasende Flucht durch den Wüstensand
606 von Candice Fox
Der Thriller von Candice Fox katapultiert den Leser gleich auf den ersten Seiten in eine Situation, die an Spannung kaum zu überbieten ist: In nur wenigen Minuten sollen die ersten Menschen sterben, wenn nicht sämtliche Insassen eines Gefängnisses frei gelassen werden. 606 Schwerverbrecher kommen auf freien Fuß und treten die Flucht durch die Wüste Nevada an.
Das allgemeine Chaos ist groß, die Ereignisse überstürzen sich. Die Handlungsstränge verlaufen z.T. parallel und schneiden sich dann wieder überraschend. Nur langsam kristallisieren sich alle Protagonisten heraus. Bis zum Schluss behält die Geschichte dieses hohe Tempo bei, und die Vielfalt der Personen und Schauplätze verlangt dem Leser einiges ab.
Trotzdem hat mich die Geschichte nie richtig ‚gepackt‘. Die Schicksale ließen mich relativ kalt, weil mir die Personen nie richtig vertraut wurden. So wie die Entflohenen und ihre Verfolger im fortwährenden Überlebenskampf im Hochsicherheitstrakt und auf der Flucht keinen Einblick in ihr Inneres gewähren, um sich nicht angreifbar und verletzbar zu machen, so lässt uns auch Candice Fox kaum in die Psyche ihrer Figuren hineinschauen. Stattdessen gewinnt die Darstellung körperlicher Gewalt und sprachlicher Verrohung großen Anteil am Text. Dies mag der Erzählperspektive geschuldet sein, doch mit dem (fehlenden) Einblick in die Psyche der Handelnden bleibt auch die Empathie des Lesers auf der Strecke. Schade! Ich hatte gehofft, nach dem fulminanten Start würde sich das Ganze psychologisch differenzierter und subtiler entwickeln.
Erfahrungsbericht und Selbstvermarktung
Mein Darm ist kein Arsch von Philipp Stehler
Dieses Buch hat die große Chance, die Darmkrankheit Colitis Ulcerosa aus dem Schattendasein der ‚peinlichen‘ und verschwiegenen Krankheiten in das Bewusstsein vieler Menschen zu holen. Philipp Stehler nutzt seine Instagram-Bekanntheit, um offen über seine Erkrankung zu erzählen und so auch Verständnis für viele andere Betroffene zu wecken.
Er nimmt uns Leser mit auf seine unfreiwillige Reise: beginnend mit dem Versuch, das Unerwünschte zu ignorieren und mit Medikamenten zu unterdrücken über den großen Zusammenbruch, notwendig werdende Operationen und den zunächst verhassten Kotbeutel bis hin zu seiner neuen Gestaltung seines Alltags mit mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse seines Körpers. Diese persönliche Sicht auf die Krankheit wird ergänzt durch Info-Blöcke von Herrn Professor Martin Storr, in welchen über den Kenntnis-Stand der modernen Medizin ebenso berichtet wird wie über alternative Behandlungsansätze. Gerade diese Zweigleisigkeit holt jeden Leser dort ab, wo er steht: ob als selbst Betroffener, ratloser Angehöriger oder völlig Ahnungsloser, der erstmals von der Krankheit hört. Psychische Probleme in der alltäglichen Auseinandersetzung mit der Krankheit finden genauso Berücksichtigung wie präzise medizinische Auskünfte. Dies ist eigentlich fünf Sterne wert, doch etwas stört den Gesamteindruck: Die Grenze von Erfahrungsbericht zu Selbstvermarktung verschwimmt des öfteren. Von Anfang an ist der biographische Anteil höher als durch das Thema geboten, und die reichlich vorhandenen Fotos zeugen weniger von der Auseinandersetzung mit der Erkrankung, sondern zeigen größtenteils instagram-gerechte Model-Posen. Und ganz freimütig erzählt Philipp Stehler dann auch von seiner neuen Positionierung auf dem Markt und neuen Werbepartnerschaften. Dies finde ich eher unpassend und nicht zielführend.



