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Rezensionen von HEYN Leserunde Renate Pfeiffer:

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Hunter White geht auf die Jagd

Trophäe von Gaea Schoeters

Leider, das Jagfieber hat mich nicht mitgerissen, ich finde das ewige Anschleichen und Lauern, die Sucht nach Trophäen, ziemlich ermüdend, da kann auch die Erinnerung an Hemingway nicht helfen. Dieser Roman über Gier und Überheblichkeit, Selbstüberschätzung und die Macht des Geldes kippt schließlich, es ist nicht mehr klar, wer Jäger ist und wer Beute, wem man vertrauen kann und was das alles für einen Sinn hat.

Die Sprache wird unerträglich pathetisch, als Fazit bleibt: Afrika ist kein Abenteuerspielplatz und mit Menschenleben spielt man nicht.

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Hunter White geht auf die Jagd
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Bruchstücke einer Familienchronik

Packerl von Anna Neata

Es sind Frauengeschichten aus drei Generationen über das Leben von Elli, Alexandra und Eva, und von der Tante Ursula. Erzählt wird allerdings nicht chronologisch, sondern ziemlich durcheinander, oft auch nur Bruchstücke oder einzelne Szenen wie Blitzlichter. Man muss schon sehr aufpassen, sonst kennt man sich dann nicht aus, wer war jetzt gleich der Hannes, und wo ist der Erich hingekommen?
Unausgesprochenes zieht sich durch alle Generationen, ungewollte Schwangerschaften, Abtreibungen und zu frühe Ehen.

Anna Neata erzählt sehr direkt und unaufgeregt, sie schreibt gut und nicht perfekt glattgebürstet, aber ich kann mit dieser Familie wenig anfangen.

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Bruchstücke einer Familienchronik
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Philosophieren mit dem Haustier

Der Hund hat Recht von Elfriede Hammerl

Der Hund hat natürlich nicht immer recht, das wäre ja noch schöner! Aber er bringt sein Frauerl doch ziemlich zum Nachdenken, zum Beispiel über die Frage, warum eine Hundebesitzerin Frauerl, also kleine Frau genannt wird, (und das männliche Gegenstück dann Herrl, kleiner Herr).
Und kann man einen vernünftigen Hund (oder sonst ein lebendes Wesen) überhaupt "besitzen"? Es sind recht spitzfindige, auch gesellschaftskritische und manchmal sogar philosophische Dialoge, zu denen der Hund die Autorin anregt.

(Ob sie ihn "Herbert" nennen darf, ist noch nicht ganz ausdiskutiert.)
In ihrer Direktheit erinnern die Gespräche an den Dialog mit Kindern, die ebenso unbestechlich genau unsere wunden Punkte treffen können, und wie die Kinder ist auch der Hund hin und wieder bestechlich und lässt mit sich handeln.
Ein Buch voll amüsanter Miniaturen als Lektüre für zwischendurch!

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Philosophieren mit dem Haustier
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gut recherchiert, umständlich erzählt

Die Formel der Hoffnung von Lynn Cullen

Es ist auch ein Stück meiner Geschichte: Polio als große Bedrohung, ein gehbehinderter Bub in der Nachbarklasse, eine Freundin mit schweren Beinschienen und Krücken, dann endlich die Kinderlähmungsschluckimpfung für alle.
Bis es soweit war, dass man das Poliovirus wirksam bekämpfen konnte, hat es Jahrzehnte gedauert.

Wesentlich zum Erfolg der Forschungen beigetragen hat offenbar die Virologin Dorothy Horstmann, die man kaum kennt und deren Leistungen man im Kreis der männlichen Kollegen gerne übersehen hat.
Aus diesen Tatsachen macht die Autorin einen historischen Roman, der spannend sein könnte, aber leider recht umständlich und betulich erzählt wird, sich in Nebensächlichkeiten verliert und streckenweise langweilig wird.

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Zeitgeist

Schönwald von Philipp Oehmke

Da hat einer wirklich alles zusammengetragen, was derzeit aktuell ist an Themen in unserer Gesellschaft: social-media-Diskussionen, queere Debatten, die NS-Vergangenheit in deutschen Familien, die verkehrte Welt des Donald Trump, unausgesprochene Konflikte in Beziehungen, Machtspiele und sexuelle Übergriffe, Abenteuer in Pakistan, viel zu reiche Eltern, gescheiterte Karriereträume… und das alles in einer einzigen Familie.

Es handelt sich um eine gut situierte Familie mit intellektuellen Ansprüchen, eine gewisse Allgemeinbildung wird auch von der Leserin, vom Leser erwartet, Poststrukturalismus, Houellebecq, oder "der Breuerstuhl" werden locker eingestreut, selbstverständlich gibt’s auch Cappuccino und etwas Champagner, eine Familie mit Stil eben.
Es ist ein breit angelegtes Sittenbild aus verschiedenen Perspektiven der unterschiedlichen Generationen, die in den USA, in Köln, Berlin und der Uckermark zuhause sind, man lernt also auch etwas von der Welt kennen. Insgesamt liest sich das Buch recht flott und unterhaltsam, reicht mit 540 Seiten auch als Lektüre für einen längeren Urlaub, aber im Rückblick bleibt mir zu wenig Substanz – bis auf ein paar Scampi vom verhinderten Grillfest.

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Unerhörte Frauen

Marschlande von Jarka Kubsova

Es beginnt mit einem Scheiterhaufen, dann erlebt man eine Bäuerin, die vor drohendem Unwetter warnt, das alle anderen nicht wahrhaben wollen – diese Geschichte kann nicht gut ausgehen.
Mit dem Schicksal der Abelke Belken, die es tatsächlich gegeben hat und die im 16. Jahrhundert als Hexe verbrannnt wurde, wird das Leben von Britta verknüpft, die heute in derselben Gegend wohnt, neu zugezogen mit ihrer Familie, weil ihr Mann sich ein Leben in diesen Marschlanden bei Hamburg schön vorstellt.

Wie es weitergeht, ist einerseits recht spannend geschildert, andererseits doch ziemlich vorhersehbar. Abelke als unabhängige Bäuerin kann ihren Hof nicht halten, wird betrogen und schließlich als Hexe verbrannt. Brittas Ehe scheitert, aber sie findet Anschluss an andere Frauen in ihrer neuen Heimat.
Beide Themen sind nicht neu, welche tieferen Überlegungen die Autorin eigentlich mit dem Roman verbindet, wird erst aus dem Nachwort klar.

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Unerhörte Frauen
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Gute Luft und prominente Gesellschaft

Spazierenschwimmen zwischen Rax und Semmering von Wilma Pfeiffer; Walter Stelzle

Spazieren ja, schwimmen weniger – der Titel "Spazierenschwimmen" ist von Robert Musil ausgeborgt, der im Wörthersee nicht sportlich, sondern gemütlich schwimmen wollte. Auch die Semmering-Rax-Gegend wollen die beiden Autoren – eine Kulturwissenschafterin und ein Historiker- vor allem gemütlich erkunden.

Mit Geschichten und Gschichterln folgen sie den Spuren der illustren Gäste, die hier zur Sommerfrische weilten, auf Besuch oder in der eigenen Villa. Denn seit Kaisers Zeiten war die Gegend um den Semmering auch eine Region der prächtigen Zweitwohnsitze, dementsprechend begegnet man vielen prominenten Namen aus Kunst und Literatur, Gesellschaft und Adel, von Heimito von Doderer über Alma Mahler-Werfel bis zu Zita, der späteren Kaiserin. Die Geschichten sind bunt durcheinander gemischt, dazu gibt es Anregungen für Spaziergänge und Besichtigungen, und über allem schwebt unübersehbar der Hang zu Habsburger-Nostalgie und Sisi-Verehrung.
Für einen Reiseführer ist das Buch zu unübersichtlich, man kann es beliebig aufschlagen und lesen, durchblättern und später weiterlesen, als Lektüre für Wanderpausen, beim Kaffeetrinken auf der Hotelterrasse oder gleich bei der gemütlichen Anreise mit der Eisenbahn.

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Gute Luft und prominente  Gesellschaft
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kein Entkommen?

Going Zero von Anthony McCarten

Wie kann man unsichtbar werden und unerkannt bleiben in einer Welt, in der nahezu jeder Schritt elektronisch erfasst und gespeichert wird? Es ist ein spannendes Experiment, das Anthony McCarten beschreibt, im Ernstfall vermutlich recht nahe an der Realität.
Das System/der Staat will Überwachung und damit Macht, die Firma mit dem entsprechenden technischen Angebot will Macht und damit Geld, wenn die beiden sich zusammentun, ist man ihnen nahezu chancenlos ausgeliefert.

Aber so einfach ist das nicht, menschliche Schwächen, Gier und Eitelkeiten bringen auf allen Seiten Sand ins Getriebe.
Sehr spannend geschrieben, sofort fange ich an zu überlegen, wo und wie ich selber ständig Spuren im Datennetz hinterlasse, wie sehr wir uns oft zu gläsernen Menschen machen, freiwillig und aus Bequemlichkeit.
Nur gegen Ende der Geschichte wird es mir dann zuviel, eine neue Wendung, ein neues Thema mit neuen Fragen, aber man muss nicht alle Probleme in ein einziges Buch stecken.

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Unser Erbe, unsere Geschichte

Männer sterben bei uns nicht von Annika Reich

Spannend, und doch ganz unaufgeregt erzählt Annika Reich die Geschichte dieser Familie, in der Männer nur sehr am Rand vorkommen.
Herrin im Haus ist die Großmutter, sie weiß, was sich gehört, sie entscheidet, was geschieht, und Luise soll ihre Erbin sein.
Denn über allem, alles bestimmend, auch das Tun der Großmutter, steht
"das Anwesen", ein prachtvoller Besitz mit Park am See.

Es ist ein sehr vielschichtiger Roman über die Beziehungen der Frauen untereinander, über Traditionen, die Sicherheit geben, aber auch belasten, und alle ausgrenzen, die sich nicht anpassen wollen.
Faszinierend finde ich jede Geschichte, die einzutauchen versteht in die Gedankenwelt von Kindern. Das ist hier in ganz besonderem Maß der Fall, behutsam und mit Humor.
Erst allmählich versteht Luise dann als Erwachsene manche Zusammenhänge und ihre eigene Rolle in der Familiengeschichte. Ein Buch, das man öfter lesen kann!

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Kompetente Anleitung, nicht nur fürs Essen

Die beste Medizin kommt aus der Küche von Volkmar Nüssler

"Die beste Medizin kommt aus der Küche" – das klingt wie eine Binsenweisheit, oft schon haben wir ja gehört, dass Gesundheit wesentlich mit unserer Ernährung zu tun hat.
Aber dieses Buch will mehr, von Anfang an wird man hineingezogen in eine profunde Abhandlung über die Zusammenhänge von Ernährung und Gesundheit einerseits mit Umwelt und Klima andererseits.

So findet sich gleich auf dem Cover der Satz "Was eine gesunde Ernährung zur Rettung des Planeten beiträgt."
Anhand von zahlreichen Studien erläutert Volkmar Nüssler, Prof. Dr. med und erfahrener Onkologe, welche Krankheiten wir uns durch falsche Ernährung einhandeln können. Er zeigt aber auch, wie wir durch regionale, biologische und in bestem Fall selbst gekochte Speisen zum Umweltschutz und zu einem sinnvollen Kreislauf der Natur beitragen können.
Hypochondrisch veranlagte Menschen sollten vielleicht vorsichtig an die Lektüre herangehen, denn der Autor macht sehr deutlich, welche und wie viele Krankheiten ernährungsbedingte Ursachen haben können.
Salz, Zucker, Fette, Eier, Fleisch, Alkohol, das Fasten …alles wird in eigenen Kapiteln untersucht und die Ergebnisse durch Fakten plausibel erläutert. Volkmar Nüssler arbeitet nicht mit erhobenem Zeigfinger, sondern leitet uns mehr oder weniger zwingend zur eigenen Einsicht.
Ein umfangreicher Anhang mit Rezeptideen aus der Spitzenküche rundet das Buch ab und trägt vielleicht dazu bei, dass wir unseren gesamten Lebensstil über denken, denn dem Autor und Mediziner geht es um mehr als nur um das Essen:
"Der Umstieg auf eine pflanzenbasiert Ernährung, auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder Zufußgehen würde sich sowohl auf die Emissionen von Treibhausgasen als auch auf chronische Erkrankungen wie Fettleibigkeit, koronare Herzkrankheiten, Diabetes und Krebs auswirken" kann man bereits auf Seite 104 nachlesen.

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Kompetente Anleitung, nicht nur fürs Essen