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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Renate Pfeiffer:

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Musik für Polina und alle anderen auch

Für Polina von Takis Würger

Ein wunderbares Buch! Der Verlagstext verweist vor allem auf die Geschichte von Hannes und Polina, eine Liebesgeschichte, ja sicher. Noch viel berührender finde ich aber die intuitive Musikalität, die das Leben von Hannes bestimmt. Er trägt Musik in sich, so wie er Polina in seinem Herzen trägt. Auch wenn er ein paar Jahre lang nicht Klavier spielt oder komponiert, die Liebe zur Musik ist da, genauso wie die Liebe zum Klavier.

Als "Claviertransporteur" und heimlicher Klavierstimmer bleibt er in Beziehung zu seinen Instrumenten, mögen sie noch so ramponiert und verstimmt sein. Auch die Menschen, die ihn umgeben, haben ihre Kratzer und Beschädigungen, aber sie halten zusammen und ergänzen einander, und am Ende findet ja auch Polina wieder zurück. Ein sehr kluges Buch, mit viel Einfühlungsvermögen und Humor geschrieben.

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Alte Dame mit Stil

Honey von Victor Lodato

Sie nennt sich "Honey" und wirkt auf mich von Anfang an etwas sprunghaft und ziemlich schräg. Das kann sie sich auch leisten, denn sie ist reich, gilt als schön und ist alt- 82 Jahre, das wird mehrfach betont.
Sie inszeniert sich als Kunstfigur, hat Liebhaber, einen queeren Großneffen, den sie ihrer konservativen Mafia-Familie zum Trotz unterstützt, und sie hat Stil.

Detailliert erfahren wir, was sie anzieht, was sie speist und was sie- reichlich- trinkt.
Von der Familie hat sie sich eigentlich getrennt, aber wenn sie Hilfe braucht, ist
la famiglia dann doch wieder ein Anker im Leben.
Wie bei einem Mosaik entsteht so nach und nach das Bild eines langen Lebens mit dunklen Abgründen und strahlenden Höhepunkten, beschrieben mit Witz und trockenem Humor, dazu als Glanzlichter die exquisiten Florence-Kleider, die schwarze Jil-Sander-Tunika, der abendrotpfirsichfarbene Nagellack…

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Alte Dame mit Stil
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Kein Ruhmesblatt, keine Lobeshymne

O du mein Österreich von Christoph Janacs; Ludwig Laher; Gerhard Ruiss

Hymnen, wie wir sie heute kennen, sind Symbole einer Gemeinschaft und als solche besonders geschützt. Auch die österreichische Bundeshymne und die acht Landeshymnen stehen für gemeinsame Werte, wer sie herabwürdigt oder verändert, kann bestraft werden.
Hymnen erklingen nur zu besonderen Anlässen, man ist schon froh, wenn man die erste Strophe noch kann und die Töne einigermaßen trifft.

Zeitgemäße Anpassungen erfolgen, wenn überhaupt, erst nach heißen Diskussionen.
Wo aber kommen die heutigen österreichischen Hymnen her, wer hat sie geschrieben, in welchem Umfeld und mit welcher politischen Haltung sind sie entstanden? Und wie sollen wir heute mit ihnen umgehen?
Das neue Buch "O du mein Österreich" von Christoph Janacs, Ludwig Laher und Gerhard Ruiss stellt alle diese Fragen, es führt quer durchs ganze Land und macht einige Abgründe bewusst. Man findet bei den Landeshymnen etliche Textdichter und Komponisten mit NS-Verbundenheit, mit offen antisemitischer Haltung, Ausgrenzung von Minderheiten, aber auch Texte über Gebietsansprüche aus Kaisers Zeiten, weil das Lied vor dem Untergang der Monarchie entstanden ist und erst später zur Hymne erhoben wurde, und andere Anachronismen…
Alles das ist eigentlich schon bekannt, aber nur wenige wollen darüber nachdenken, wenn sie ihre Hymne singen. Ganz selten kommt es zu großen öffentlichen Diskussionen, einzig die "Töchter und Söhne" haben es nach langen Streitigkeiten in die Bundeshymne geschafft.
"O du mein Österreich" ist ein interessanter Denkanstoß und ein lesenswerter Blick in die österreichische Geschichte. Janacs/Laher/Ruiss wollen mit dem Buch die Argumente einer Initiative der IG Autorinnen und Autoren aus dem Vorjahr noch einmal zusammenfassen Ob es an den Hymnen etwas ändern wird?

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Kein Ruhmesblatt, keine Lobeshymne
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Eine starke innere Stimme

Sing, wilder Vogel, sing von Jacqueline O'Mahony

Honora ist ein einsames Mädchen, eine einsame Frau, die sich eine Schutzmauer aus Schweigsamkeit aufgebaut hat. Umso eindrucksvoller sind ihre inneren Monologe über Hunger und Not in Irland, die sie schließlich, wie so viele andere damals um 1849, zur Auswanderung nach Amerika zwingen.
Dort wartet keineswegs die goldene Freiheit, sondern Unterdrückung und Ausbeutung.

Da hat der Roman seine Längen, etliche Klischees erfüllen sich: ein ehrlicher Freier befreit sie aus dem Bordell, sie ist keine gute Hausfrau, kann aber besser schießen als ihr Mann, und findet schließlich einen Seelenfreund, einen indigenen Amerikaner. Mit ihm zieht sie davon – in ein besseres Leben? Es wird an ihr liegen.

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Ich will nicht mehr brav sein

Malnata von Beatrice Salvioni

Wild, trotzig, unangepasst – das Mädchen Maddalena, genannt Malnata, ist eine
starke Persönlichkeit, und die wohlerzogene Francesca ist fasziniert von dieser Außenseiterin.
Erzählt wird die Geschichte einer Freundschaft, die Klassenschranken überwindet, von Rebellion, die die vermeintliche Wohlanständigkeit als Fassade entlarvt.

Das ist mutig und gefährlich in der traditionell patriarchalen Gesellschaft im faschistischen Italien.
Das Buch ist großartig geschrieben (und übersetzt), mit packenden Szenen und einem beeindruckenden Coverfoto. Mich haben aber auch die einfachen, kleinen Episoden besonders berührt: die Malnata am Fluss mit den beiden Burschen, die ihr aufs Wort gehorchen und Francesca, die von der Brücke aus zuschaut, schwitzend in ihrem schönen Sonntagskleid, das nicht schmutzig werden darf. Der unterdrückte und verprügelte Noe, der trotz allem Haltung zeigt…
Beatrice Salvioni hat nicht vergessen, wie Kinder denken und fühlen, gewidmet ist das Buch "dem Kind, das ich einmal war".

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Ich will nicht mehr brav sein
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Die Zukunft liegt im nächsten Tal

Das andere Tal von Scott Alexander Howard

Wenn man wüsste, was in der Zukunft falsch läuft, darf man dann zurück in die Vergangenheit und den Fehler korrigieren? Eine verlockende Vorstellung, aber natürlich streng verboten.
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft finden hier gleichzeitig statt, aber nur der Conseil, der strenge Rat, entscheidet darüber, wer von einer Zeitzone in die andere darf.

Scott Alexander Howard entwirft ein phantastisches Szenario, spannend und bedrückend zugleich. Und er wirft eine Reihe von Fragen auf, mit denen man sich lange beschäftigen kann. Wie geht man mit Macht, mit Geheimnissen um, wie weit kann man anderen vertrauen, wie sehr bestimmt die Vergangenheit unsere Zukunft….? Absolut lesenswert!

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Zwischenfälle

Was dazwischen kommt von Johannes Wally

Einen vielschichtigen Roman über Liebschaften, Freundschaften, Feindschaften, über mögliche Schuld und Vergebung verspricht mir der Verlagstext, ich finde darin auch noch Verklemmung, Verehrung, Hass und die Befreiung davon, Gott und die Welt und was sonst noch zum Leben gehört.
Es sind Episoden aus dem Leben von Wildner, Götz und Guido, Laura und Sophie und Lützel….

zum Glück beginnt Johannes Wally sein Buch mit einem Personenregister, sonst verliert man leicht den Überblick.
Zwischenfälle in der Jugend führen zu Zwischenfällen im späteren Leben, scheinbar ohne Schwerkraft ziehen die die Menschen aneinander vorbei, treffen aufeinander und ziehen wieder weiter. Später treffen sie einander vielleicht wieder.
Auch ich bin so durch das Buch gezogen, es war nicht uninteressant, gut geschrieben, auch witzig, ich habe es zweimal durchgelesen, trotzdem bleibt kein tiefer Eindruck.

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Zwischenfälle
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Lebendige Kunstgeschichte

Die Entflammten von Simone Meier

"…es liegt eine meteorologische Gelassenheit über der Welt…", als die Geschichte von Jo und Theo van Gogh beginnt.
Sonst ist von Gelassenheit nicht viel zu spüren, man wird bald hineingezogen in einen Wirbel von Liebe und Tragik, von Verrücktheit und Kunst. Paris und Amsterdam um 1900, die Welt der Malerei und eine junge Frau, die unerwarteten Geschäftssinn beweist, das alles ergibt ein spannendes Bild.

Mir gefällt die Sprache von Simone Meier, der feine Humor, die ausdrucksstarke Schilderung der gesamten Familie van Gogh, bis hin zu den späteren Nachkommen.
Mit hineinverwoben ist die Geschichte von Gina, die über hundert Jahre später den Spuren Jo van Goghs folgt. Diese "zeitgenössischen "Passagen wirken recht aufgesetzt, als wollte sich die Autorin in der Gestalt von Gina selbst in den Roman hineinreklamieren, schade.

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Eine Jugend im Ruhrgebiet

Was ich zurückließ von Marco Ott

"Die Kinder sollen es einmal besser haben" – der Wunsch vieler Eltern heißt gleichzeitig, die Kinder können nicht dort bleiben, wo sie herkommen. Sie müssen mehr lernen, neue Leute und andere Verhältnisse kennenlernen, aufsteigen. Und dann?
Darüber schreibt Marco Ott in seinem ersten Roman "Was ich zurückließ" so klar und liebevoll, wie es vermutlich erst in der Rückschau möglich ist.

Aus "kleinen Verhältnissen" hat ihn sein Weg – nach mehreren Umwegen und Durchhängern – in akademische Kreise, in die sogenannte gebildete Welt geführt.
Zurückgelassen hat er die Sozialbauten, die vertraute Umgebung, die Freunde und die enge Verbindung mit den Eltern. Der Aufstieg bedeutet auch Entfremdung.
Es muss nicht immer der Migrationshintergrund sein, der einen fremd sein lässt, auch der Weg vom Land in die Stadt, aus der Sozialwohnung ins bessere Viertel zeigt Grenzen auf. Denn wer sich zur Elite zählt, hat seine eigene Sprache, seine eigenen Spielregeln, und Fremde lässt man nicht so gerne mitspielen.
Doch Marco, der Ich-Erzähler, hat sich durchgekämpft und gleichzeitig einen Weg gefunden, sein früheres Leben nicht zu verleugnen und die Entfremdung zwischen sich und seinen Eltern zu überwinden. Entstanden ist ein beeindruckendes Buch über das Erwachsenwerden, einfach und doch poetisch beschrieben.

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Unterhaltung als Stütze der Politik

Schau nicht hin von Evelyn Steinthaler

Ein Buch ergibt das nächste: nach ihrer gründlichen Recherche über berühmte Paare und Stars in der NS-Zeit ("Mag's im Himmel sein, mag's beim Teufel sein"), richtet Evelyn Steinthaler jetzt ihr Augenmerk auf vier Schauspielerinnen, die durch die Filmindustrie des NS-Staates Karriere gemacht haben.

Am Beispiel von Marika Rökk, Zarah Leander, Kristina Söderbaum und Lida Baarová zeigt die Autorin auch in ihrem neuen Buch, wie sehr in einem totalitären Staat die Politik ins Private hineinspielt, in diesem Fall aber auch, wie scheinbar harmlose Unterhaltung dem Regime als Stütze und Festigung der Macht dienen kann. Je größer der Ruhm einer Diva, desto gefestigter auch das Ansehen des Staates, der das alles steuert – ein Kalkül, das zum Teil offenbar aufgegangen ist. Die Stars haben jedenfalls mitgespielt, den Ruhm genossen und die Nähe der Politik oft ausgeblendet.
Es geht Evelyn Steinthaler aber nicht nur um die Filme, die in seltensten Fällen (wie etwa "Jud Süß") ausgesprochene Propagandastreifen waren, sondern auch um den unkritischen Umgang mit diesen Werken und ihren Darstellerinnen in der Nachkriegszeit. Marika Rökk und Zarah Leander galten –oder gelten? – noch lange als Stars, der Ruhm von Kristina Söderbaum und Lida Baarová hat nicht so lange gehalten. Das Verhältnis der vier Diven zur Politik war nach 1945 bald kein Thema mehr, lässt sich allerdings auch erst im späteren Rückblick genauer einordnen. "Schau nicht hin" galt gleich nach dem Krieg für viele Menschen.
Evelyn Steinthaler spannt den Bogen dann noch weiter bis hin zur aktuellen Debatte über Kunst und politische Haltung, über cancel culture und zur Frage, ob man Künstler:innen und Kunstwerk trennen kann.
Die Autorin wirft viele Fragen auf, oder reißt sie auch nur an, ohne sie weiter auszuführen – vielleicht schon der Stoff für ein nächstes Buch? Ein interessantes Thema, bei etlichen Druckfehlern und anderen Ungenauigkeiten hätte ich mir an ihrer Stelle aber ein sorgfältigeres Lektorat gewünscht .

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