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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

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Interessant, aber emotionslos

Grace und die Anmut der Liebe von Sophie Benedict

Ich weiss noch, wie ich als Fast-Teenager berührt war vom Unfalltod der Fürstin von Monte Carlo, der damals durch die Tageszeitungen ging und in Zeitschriften breitgetreten wurde. Gracia Patricia Grimaldi, die elegante Fürstin, die früher Schauspielerin war, so las man.

Als ich älter wurde und "Über den Dächern von Nizza" mit ihr und Cary Grant guckt, wusste ich wieder, wieso die Fürstin so rüber kam.

Anmutig und höflich, aber sehr zurückhaltend, so wird sie auch in der Romanbiografie von Sophie Benedict dargestellt.

Grace Kelly hatte einen grossen Traum - sie wollte Schauspielerin werden. Das Talent besass sie, der Wille zur harten Arbeit auch. Doch ihre Eltern wollen davon nichts wissen. Das Kind soll heiraten, aber bloss nicht Schauspielerin werden. Der Roman zeigt somit auch das Leben einer jungen Frau, die sich immer um die Anerkennung ihrer Eltern bemühte. Einmal ein "gut gespielt" wäre schon ein Kompliment gewesen, doch kein gutes Wort kam über die Lippen der Eltern. Auch mit der Männerwahl waren sie nicht zufrieden. Erst als Grace Fürst Rainier heiraten wollte, kam das Einverständnis.

Die Begegnung mit Rainier erlebt man im Roman leider erst am Schluss. Aber auch diese Etappe in Grace Leben wird, wie der Rest des Buches, sehr nüchtern und kurz erzählt. Der Roman wirkt mehr wie eine etwas längere Biografie, ein wenig so wie die früheren Reclam-Biografien zu berühmten Künstlern.

Die Leser erleben in "Grace und die Anmut der Liebe" Grace Ausbildung zur Schauspielerin, ihre Filmproduktionen inklusive ihren Männerbeziehungen und Affären mit. Gefühle werden nur sparsam erwähnt. Die Leidenschaft der Protagonistin für ihren Beruf und ihre Liebschaften spürte ich nicht, die für den Beruf noch eher.

Auch wenn ich mir von diesem Roman mehr Emotionen und Wärme gewünscht hätte, passt die nüchterne Berichterstattung der Autorin aber doch irgendwie, denn Grace wirkt - laut Sophie Benedict - ausserhalb ihren Rollen genau so distanziert und beherrscht.

Dennoch passt dieser Band nicht so wirklich zu den anderen Büchern der Reihe der "Mutige(n) Frauen zwischen Kunst und Liebe", weil hier die Leidenschaft und die Emotionen eindeutig fehlen.

Fazit: Was bleibt, ist eine sachlich beschriebene Romanbiografie - interessant, aber emotionslos.
3.5 Punkte.

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Interessant, aber emotionslos
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Etwas Wärme und Liebe

Im Garten deiner Sehnsucht von Viola Shipman

Von der ersten Seite an nimmt die Geschichte gefangen. Iris, die im Prolog als blumenliebende aufgestellte junge Frau dargestellt wird, wird viele Jahre später die Vermieterin von Abby. Was den Leser interessiert: wie wurde aus der aufgestellten jungen Iris von 1944 eine, hinter einem hohen Zaun, zurückgezogen lebende alte Frau im Jahr 2003?

Abby arbeitet als Ingenieurin und versucht ihre Sicht der Dinge, sprich die Farbbezeichnungen von Schiffsfarben an die Frau zu bringen - doch ihr neuer Chef glaubt nicht an Abbys Idee.

Ihr Mann Cory leidet, seit er als Soldat aus dem Irakkrieg zurück ist, an posttraumatischen Belastungsstörungen. Das Leben mit ihm ist nicht sehr einfach, Abby und Lily leiden darunter.

Abbys siebenjährige Tochter Lily findet bald einen Zugang zu Iris, bei Abby dauert es länger. Aber auch Cory erregt die Aufmerksamkeit der menschenscheuen Iris. Er erinnert sie sehr an den Mann ihrer früheren Freundin. Doch erstaunlicherweise scheint gerade Iris zu Cory durchzudringen.

Iris lebt seit Jahrzehnten in ihrem Schneckenloch, einem umzäunten Haus mit wunderschönem Garten. Sie muss sich bald eingestehen, dass sie mit ihren neuen Nachbarn viel gemeinsam hat: die Neugierde von Lily, die sie so sehr an ihre Tochter Mary erinnert; sich wie Abby beruflich in einer Männerdomäne behaupten zu müssen; und das Trauma von Cory. Iris lebt für und mit ihrem Garten, er gibt ihr Trost, Erinnerungen und Heimat.

Der Autor zeichnet lebendige Charakter, die man so leicht und schnell nicht vergisst. Beide Frauen erleiden ähnliches, zu verschiedenen Zeiten. Scheinbar hat sich nicht viel in den letzten 60 Jahren in den Köpfen der Menschen geändert. Diese Parallelen berühren. Aber auch die Verbindung von Iris mit Cory ist etwas Besonderes, die man auf den ersten Seiten so nicht geahnt hätte.

Viola Shipman hat in ihrem neuen Roman ein für Amerikaner wichtiges Thema aufgenommen: Kriegswitwen und die Traumas der aus den diversen Kriegen zurückgekehrten Soldaten. Für viele amerikanische Frauen ist diese Szenerie Realität. Viola Shipman gibt ihnen in diesem Roman eine Stimme und erzählt eine extrem emotionale Geschichte.

Beim Lesen von "Im Garten deiner Sehnsucht" riecht man die Blumen und die feuchte Erde, hört das Meer rauschen und spürt die innere Zerrissenheit der Figuren. Trotz brisantem Thema ist es eine wunderbar hoffnungsvolle Geschichte, die garantiert nicht nur Blumenfans begeistern wird.

Fazit: Ein wunderbares Lesevergnügen mit viel Wärme und Liebe - und mit Nastüächlialarm.
5 Punkte.

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Etwas Wärme und Liebe
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Mehr Komödie als Krimi

Mission Blindgänger von Sophie Hénaff

Einige Zeit ist seit dem zweiten Band vergangen - reell sind es drei Jahre und in der fiktiven Geschichte wohl etwa zwei Jahre. Anne Capestan ist inzwischen Mutter einer 16 Monate alten Tochter, ihr Partner noch einige Wochen im Gefängnis - sie ist quasi alleinerziehend und voll auf die kleine Josephine fixiert.

Mit ihrem Team hat Anne nach wie vor Kontakt. Eva Rosière hatte Erfolg mit ihren Büchern, eins davon soll aktuell verfilmt werden. Eva ist als Drehbuchautorin bei den Dreharbeiten dabei und nervt sich über den Regisseur, der lieber seine Version abdrehen möchte. Doch dann wird er erstochen aufgefunden. Zeit für das Kommando Abstellgleis.

Die Filmcrew ist mindestens so schräg wie die Brigade. Dieser Umstand macht es schwierig, in den Krimi rein zu finden. Es ist ein hohes Tempo, das Sophie Hénaff vorlegt, aber schwer zu folgen. Auch dann, als die schrägen Vögel das Set übernehmen.

Die Autorin hat den Faden aus den ersten beiden Bänden - Evas Bücher - aufgenommen und daraus einen dritten Teil gebastelt, der zwar dem Team als solches Ehre erweist, aber leider nur in der Filmproduktion. Krimitechnisch ist die Story extrem einfach gestrickt und haut mich nicht vom Hocker.

Es sind viel zu viele Figuren eingewoben. Die Brigade ist schon besetzt mit aussergewöhnlichen Charakteren, da braucht es nicht noch mehr spezielle Figuren, die sich in der Story tümmeln. Es wirkt alles sehr chaotisch.

Und auch Anne ist nicht bei der Sache. Sie, die eigentliche Chefin, wirkt sehr fahrig und abgelenkt. Erst als sie ihr Kleinkind mal für einige Stunden abgeben kann und vorher acht Stunden durchgeschlafen hat, ist sie fit. Sie knipst dann schnell mit dem Finger und zack, der Fall ist gelöst. Als ob sie ein Superwoman-Kostüm angezogen hätte und sich einmal im Kreis dreht und sich wie Wickie den Finger an der Nase reibt. Unglaublich unglaubhaft.

Nachdem ich von "Kommando Abstellgleis" und "Das Revier der schrägen Vögel" total begeistert war und ich mich sehr auf diese neue Fortsetzung freute, umso enttäuschter bin ich nun. "Mission Blindgänger" blieb weit unter meinen Erwartungen nach den genialen ersten zwei Bänden.

Fazit: Mehr Komödie als Krimi - langweiliges Chaos von A bis Z.
3 Punkte.

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Mehr Komödie als Krimi
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Kurzweiliger dritter Band

Weiße Fracht von Gil Ribeiro

Ein Mord an einem deutschen Auswanderer erschüttert Fuseta. Der Tote wohnte seit vielen Jahren in Fuseta, war unauffällig und ein guter Schreiner - und er ist der Bruder von Leander Losts ehemaligem Vorgesetzten in Deutschland. Sein Mord weist Ähnlichkeiten auf mit einigen ungeklärten Todesfällen in Spanien.

Doch es bleibt nicht bei dem einen Mord und die Ermittler müssen sich beeilen, denn die Morde weisen ins Drogenmilieu, bald wird wieder eine "weisse Fracht" erwartet, aber es könnten noch weitere Menschen sterben.

Privat gibt es ein grosses Missverständnis zwischen Soraia und Leander, doch Graciano und Carlos können es gerade noch rechtzeitig auflösen. Miguel Duerte läuft erneut wie ein eitler Gockel durch den Fall, was ihm langsam aber sicher zum Verhängnis wird. Zwei ehemalige deutsche Teamkollegen von Leander, die wegen dem Mordes an dem deutschen Ronneberg für einige Tage an die Algarve geschickt werden, machen sich sehr unbeliebt - Carlos, Graciana und Cristina zeigen den beiden eindrücklich, was sie mit Leander verloren haben.

"Weisse Fracht" ist ein sehr spannender Fall, der durch den Besuch der deutschen Kommissare zwar humorvoll wird, aber leider auch zu viele Klischees zu Portugiesen und Deutschen enthält. Ebenso wurde es mit den vielen Wiederholungen der Makro-Mikro-Expressionen-Erklärungen übertrieben.

Leander wird zu einem unverzichtbaren Teil des Teams, alle schätzen seine Begabungen, die oft wertvolle Hinweise zum Lösen der Fälle mit sich bringt. Aber sie mögen ihn auch menschlich und wollen, dass er bei ihnen an der Algarve bleibt.

Auch dieser dritte Fall weist wieder viel Lokalkolorit auf, so dass man als Leser gerne auch mal zu Besuch bei Mama Rosada wäre und mit Gracianas Familie und Nachbarn abends zusammen auf der Gasse sitzt und sich durch Rosadas Köstlichkeiten hindurch probiert.

Fazit: Kurzweiliger und fesselnder dritter Band, in dem Leander Lost und seine Eigenheiten die Herzen der Leser erneut erobert.
4 Punkte.

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Kurzweiliger dritter Band
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At home in Fuseta

Schwarzer August von Gil Ribeiro

Eine Autoexplosion vor eine Bankfiliale an einem Sonntagmorgen erschüttert die Algarve. Graciana und Co. stehen vor einem Rätsel, bis ein Bekennerschreiben auftaucht. Doch dieses gibt nur noch mehr Rätsel auf. Der Täter scheint theoretisch ein Weltverbesserer zu sein, doch weshalb greift er plötzlich zu solchen zerstörerischen Methoden, die bald auch Menschen verletzen?

Miguel Duerte musste im dritten Band einige Niederlagen hinnehmen, hier in "Schwarzer August" kann er sich als Bombenentschärfer betätigen, aber sein verdienter Ruhm lässt wohl weiterhin auf sich warten.

Weshalb er so extrem auf Anerkennung aus ist, lässt sich mit seiner Kindheit als Sohn eines Toreros erklären, wovon einige seiner Erinnerungen immer mal wieder durch die Seiten blitzen. Das macht ihn nicht sympathischer, aber man versteht besser, wieso er so ist wie er ist.

Auch Leander Lost ist wie er ist - er übt sich nun neu im Lügen, bzw. im ungenau antworten, so dass er zwar die Wahrheit sagt, aber eben doch nicht die ganze Wahrheit. Es ist schön zu sehen, wie er sich in allem weiter entwickelt Auch in der Beziehung, denn Leander und Soraia geniessen ihre Zweisamkeit, wann immer sie können. So könnte es vielleicht bald heissen "at home in Fuseta". Wer weiss.

Graciana verliert sich derweil in ihren Gefühlen, während Carlos seine Gefühle preisgibt und trotzdem der ruhende Pool des Ermittlerteams bleibt.

Die Charaktere wurden in jedem der bisher erschienenen Bände nochmals vorgestellt, so auch hier im vierten Fall. Leider sind diese Personenbeschreibungen für allfällige Neuleser aber viel zu ausführlich geraten, treue Leser finden solche Wiederholungen nervig und unnötig.

Das Team schweisst in "Schwarzer August" noch mehr zusammen, was sehr schön zu lesen ist. Der Fall an sich ist nicht schlecht, hat aber ein, zwei Mängel, auf die ich aufgrund Spoilergefahr nicht eingehen kann. Insgesamt ist dieser vierte Teil aber sicher nicht langweilig, spannend vor allem auf den letzten 60 Seiten.


Fazit: Auch der vierte Band unterhält die Leser bestens.
4 Punkte.

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At home in Fuseta
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Starke Figuren

Spur der Schatten von Gil Ribeiro

In Leander Losts zweiten Fall an der Algarve wird eine Polizistin von der Guarda Nacional vermisst. Während alle noch warten wollen mit einer Suche nach Teresa, weiss Graciana, dass etwas passiert sein muss.

Denn Teresa würde nie ihr Handy daheim liegen lassen. Nur schwer kommt die Kommissarin und ihr Team voran.

Sie drehen sich im Kreis und haben lange keine Ahnung, welches Motiv für Teresas Verschwinden überhaupt vorliegt. Eigentlich brauchen sie alle Mitarbeiter für diesen Fall, aber zeitgleich sollen sie einer angolanische junge Frau Personenschutz geben, die in Kürze in Lissabon eine Rede halten soll.

Das Kommissariat bekommt in diesem Teil eine neue Chefin, Cristina Sobral. Eine Spanierin wie Miguel Duerte. Sie lernt ihre Mitarbeiter gut kennen und arbeitet sich schnell ein. Auch Leander Lost scheint sich wohl zu fühlen in seinem Team mit Graciana und Carlos; die beiden verstehen seine Eigenart immer besser. Lost trifft in Eva, der Tochter der Vermissten, auf Seinesgleichen, was weitere Einblicke in das Leben von Asperger gibt.

Lost probiert aber auch Neues aus, versucht sich in rhetorischer Kommunikation, Wortmüll für ihn, aber nützlich wie er zu verstehen glaubt. Soraia, Gracianas Schwester, wird immer wichtiger für ihn. Doch er muss erst noch herausfinden, was das genau für ein "Gefühl" ist.

In den Beschreibungen des Autors bekommen die Leser derweil ein Gefühl für die portugiesische Lebensart, ihre Mahlzeiten und die Landschaft geboten.

Den Fall selbst fand ich nicht so spannend wie noch der erste in "Lost in Fuseta". Das Thema, dass sich erst gegen Ende heraus kristallisiert, interessiert mich nicht sehr in Kombination mit einem Krimi. "Spur der Schatten" überzeugt aber vor allem von der Zusammenarbeit Policia Judicario und ihren eigenwilligen Charakteren.

Fazit: Ein nicht so interessanter Fall, dafür umso stärkere Figuren machen diesen zweiten Teil lesenswert.
4 Punkte.

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Starke Figuren
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Zu modern und hipp

Dein Lächeln um halb acht von Laura Jane Williams

Montagmorgens um 7:30 Uhr steigt Nadia in die Northern Line der Londoner U-Bahn. Manchmal auch Dienstags. Je fortgeschrittener die Woche, je weniger oft schafft sie es. Und wenn sie es schafft, dann oft nur sehr knapp und sie merkt dabei nicht, wie ihr jemand die Tube-Türe offen hält.

Dieser jemand ist Daniel, der die hübsche Unbekannte kennenlernen will.

Eines Morgens im Büro erhält Nadia von ihrer Freundin eine Nachricht: "Damit bist sicher du gemeint" - eine Anzeige in Missed Connections trifft genau auf Nadia zu. Die will erst nichts davon wissen, ist aber doch irgendwie geschmeichelt und gibt sich noch mehr Mühe, morgens die U-Bahn zu erwischen. Das klappt nur noch selten und so sieht sie Daniel nicht, da bringt es auch nicht viel, dass sie sich traute zu antworten. Sie wollen einfach nicht mehr aufeinander treffen.

Dabei wären sie so oft zur gleichen Zeit am selben Ort. Und verpassen sich dabei immer. Am Anfang fiebert man als Leser mit und hofft, dass sie sich endlich erkennen. Je länger diese verpassten Dates andauern, zieht es sich hin und wird fast schon mühsam. Es geht zu lange, bis die Autorin die Kurve bekommt und endlich Erbarmen mit ihren Charakteren hat.

Nadia und Daniel werden so beschrieben, dass man merkt, dass sie gut zusammen passen, und kamen beide nett rüber. Nadias Freundinnen Gaby und Emma hingegen mochte ich nicht so, zu viel jugendliches Dirty Talking kombiniert mit feministischen Ansichten. Es hörte sich zu aufgesetzt an, aber anscheinend unterhalten sich Millenials in London auf diese Art und Weise - vielleicht finden das Leserinnen unter 30 nicht so nervig und überflüssig wie ich.

Lorenzo, Daniels Mitbewohner, hat diesbezüglich gewisse Ähnlichkeiten mit den beiden Freundinnen, wenn auch auf eine ganz andere Art. Am besten gefiel mir Romeo, ein sympathischer Typ. Bei ihm dachte ich immer, da müsse noch ein Haken sein - aber er fiel wohl vor allem deshalb auf, weil er am normalsten beschrieben wurde und in der hippen Grossstadt-Szenerie fast schon altmodisch wirkte. Daniel wurde leider oft zu sentimental und zu sehr als Muttersöhnchen dargestellt, das hatte er nicht nötig. Nadia wirkt teilweise zu passiv.

Der Titel und Klappentext hörten sich vielversprechend an, doch diese sommerliche Lovestory wirkt im Gegensatz zu "Love to Share" wenig charmant, wohl wegen der gewählten Sprache der Nebenfiguren. Nadia und Daniel waren da viel poetischer und weniger verrucht unterwegs.

"Dein Lächeln um halb acht" ist eine nicht so romantische Komödie, dafür extrem modern. Es geht um völlig unwichtig Club-Mitgliedschaften, hochdotierte Jobs (Consulting, Labor für künstliche Intelligenz) für junge Menschen, die sich dann auch locker ans Geld ausgeben machen, sich schnell mal fünf Drinks für 500 englische Pfund leisten und so Zeugs. Diese Szenerie fand ich befremdlich, Nadia und Daniel wollten da auch nicht richtig rein passen, da sie oft zu gut für diese Welt dargestellt werden.

Fazit: Mir oft zu jugendlich und zu modern, mittendrin zu langgezogen, das Ende nett, weshalb ich aufrunde auf 3.5 Punkte.

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Zu modern und hipp
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Rund um die Uhr wird ermittelt

Kretischer Abgrund von Nikos Milonás

Oliven im Mund, Anna Vissi auf den Ohren und "Kretischer Abgrund" vor den Augen - während ich den Krimi lese, spüre ich die Hitze flimmern, auf Kreta in diesem August.

Autor Nikos Milonas (Pseudonym von Frank D. Müller) nimmt uns Leser wieder mit auf die griechische Insel und bringt uns die Lebensart der Kreter sowie die eindrückliche Landschaft näher.

Aber auch Probleme der Inselbewohner werden in diesem spannenden Krimi mit einbezogen. Durch die vielen Schauplätze dieses zweiten Bandes erlebt man Kreta fast so, als ob man vor Ort ist, erinnert sich an eigene Erlebnisse, die man auf der beliebten Urlaubsinsel hatte oder kommt in Dörfer, die man selbst noch nie besucht hatte, auch wenn man bereits öfters auf Kreta war.

Hier auf Kreta hat Athenerin Meropi jemanden kennen und lieben gelernt und will deshalb ihren eifersüchtigen Verlobten Jannis verlassen. Doch so weit kommt es nicht, denn nun liegt sie erschlagen in der Samariaschlucht. Das Team stösst bei ihrer Bergung an seine Grenzen. Michalis Charisteas und Pavlos Koronaios werden die nächsten Tage noch darunter leiden: starker Muskelkater, Blasen an den Füssen und ein kaputter Lift in der Mordkommission.

Allzu oft sind sie zum Glück aber nicht im Polizeigebäude, sondern unterwegs - zum Beispiel nach Sougia, wo die Firma Psareus, bei der Meropi arbeitete, eine Zweigstelle, ein Büro hat. Oder auch nach Paleochora, hier will Psareus eine grosse Fischfarm realisieren. Aquakulturen sind schlecht für die Umwelt, weswegen die Firma vielen Projektgegnern gegenübersteht. Immerhin könnte man in Heraklion den Kollegen aus Chania Arbeit abnehmen, doch die Polizei in der Inselhauptstadt ist unterbesetzt.

Es wird also nicht langweilig für die Kommissare, was Charisteas bedrückt, denn seine Freundin Hannah ist nur noch wenige Tage auf der Insel, bevor sie wieder nach Deutschland zurück fliegt. Ihnen beiden bleibt nicht viel gemeinsame Zeit, denn auch in Charisteas Familie ist einiges los.

So ist der Kreta-Krimi auch für uns Leser nicht öde. "Kretischer Abgrund" hat mich sehr gut unterhalten, ich mag Michalis Familie immer mehr und auch Koronaios finde ich sympathischer als noch im ersten Band. Ohne Sekretärin Myrta geht nichts, sie entpuppt sich als Herz des Präsidiums. Charisteas spürt und sieht an Tatorten viel, was andere nicht beachten würden. Seine Kollegen schätzen seine Art immer mehr, denn sie merken, dass diese Beobachtungen wichtig für die laufenden Ermittlungen sind. Und so ist und bleibt der Krimi bis hin zur letzten Seite fesselnd.

Fazit: Ob unterwegs auf den Strassen oder Tavli spielend und Raki trinkend im Kafenion - Charisteas und Koronaios ermitteln fast rund um die Uhr in diesem packenden zweiten Fall.
4 Punkte.

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Rund um die Uhr wird ermittelt
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Bezaubernde Gärten, leuchtende Glühwürmchen und so viel mehr

Die Zeit der Glühwürmchen von Patricia Koelle

Nachdem mir eine Freundin von den Büchern von Autorin Patricia Koelle vorgeschwärmt hat, hab ich mir vorgenommen diese zu lesen. Als erstes griff ich zu Koelles neuem Roman "Die Zeit der Glühwürmchen". Es ist der erste Band der dreiteiligen Inselgärten-Serie, deren weitere Bände in den nächsten Monaten erscheinen, die man aber trotzdem als Stand-Alone lesen kann.

Wir lernen zuerst die 50jährige Journalistin Taru Favonius kennen, die sich nicht mehr über ihren kleinkarierten Chef ärgern will und, mit dem Kopf voller Ideen für tolle Artikel, die Reissleine zieht. Nach Jahren des Reisens geniesst sie ihr Häuschen im Grünen, ihren Garten, die Schafe und ihre beiden Nachbarskinder. Philea liebt Meeresschmetterlinge und Memo hinterlässt gerne Post-its auf allen möglichen Dingen und schreibt darauf, was diese Dinge auch sein könnten. Bald stösst auch Jara, die mondscheinkranke Nachbarin von der anderen Seite, dazu. Zusammen konkretisieren sie einen Mondgarten, der Jara ermöglicht Blütenpracht zu erleben und der Taru an ihre Kindheit erinnert.

Durch ihre Tochter Kaia lernt Taru Remy kennen. Beide lieben sie Geschichten und Biologie und haben dieselben Träume einer unabhängigen Zeitschrift. Während sie versuchen diesen Traum gemeinsam zu verwirklichen, entdeckt Remy einen alten Schrank mit Bildern von Glühwürmchen und anderen Insekten drauf. Remy kennt nur einen kleinen Teil der Schrankgeschichte, doch die hat sie so berührt, dass sie versucht, alles darüber heraus zu finden. Wen wundert's - auch hinter dem Schrank, eigentlich ein Sekretär, steckt eine Gartengeschichte.

Dieser Garten ist derjenige, der im Klappentext erwähnt wird. Er führt uns zu Mervin und Clara Lerner, in die DDR im Jahre 1964. Doch auch Tarus Erinnerungen führen in die DDR und erzählen ihre berührende Lebensgeschichte. Die Geschichte von zwei Kindern, die durch Wald und Feld streifen und offen, mutig und ängstlich sind, die Natur erforschen und Geschichten leben wollen, und langsam erwachsen werden.

Mich hat nicht nur Tarus Geschichte berührt, sondern der ganze wunderbare Roman. Hier ist so enorm viel drin: viele Geschichten werden erzählt, die perfekt zusammen passen und eine herzergreifende Wärme ausstrahlen.

Bewegend wird von Baumverstecken, dunklen Seen, leuchtenden Schnecken, weissen Hirschen, Drachengiebeln und Kesselhaken erzählt. Und immer wieder von Glühwürmchen, den Namensgeber dieses wunderschönen Romans.

"Die Zeit der Glühwürmchen" ist nicht nur ein Roman für Gartenliebhaber, nein, es ist ein Buch für alle, die immer noch staunen können, um das, was um sie herum geschieht und die den Zauber der kleinen, einfachen Dinge noch immer sehen.

Patricia Koelle hat mir mit diesem Roman mein erstes Lese-Jahreshighlight gegeben und ich weiss jetzt schon, dass ich ihn ganz oft verschenken werde, damit auch meine Freundinnen diese ergreifende Geschichte erleben dürfen.

Fazit: Ein bezaubernder, wunderschöner Roman für alle, die ihre kindliche Neugier nicht verloren haben!
5 Punkte.

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Definitiv den Autoren-Kinderschuhen entwachsen

Orangenträume von Manuela Inusa

Was für eine schöne und tolle Story!

Mit diesem Roman ist Manuela Inusa endgültig den Autoren-Kinderschuhen entwachsen. Manuela Inusa kann damit definitiv mit Autorinnen wie zum Beispiel Debbie Johnson oder Debbie Macomber mithalten. Die Geschichte wirkt sehr erwachsen, nicht mehr so brav wie noch die Valerie-Lane-Serie.

Wir Leser begleiten in "Orangenträume" die vier Freundinnen Lucinda, Michelle, Rosemary und Jennifer bei ihrem alljährlichen Treffen auf Lucindas Orangenfarm. Zusammen haben sie die Schulbank gedrückt, sich zwischen den Orangenbäumen Geheimnisse vertraut und nun treffen sie sich einmal im Jahr für ein Wochenende. Um einfach mal nur wieder Freundinnen zu sein und drei unbeschwerte Tage zu geniessen. Sie alle freuen sich immer riesig auf dieses, ihnen heilige, Wochenende.

Michelle kommt aus Texas, wo sie mit ihrem eifersüchtigen Mann und ihren beiden Kindern wohnt. Jennifer aus Atlanta, wo sie als Anwältin arbeitet und Rosemary aus Malibu - sie ist als Schauspielerin berühmt geworden. Lucinda wohnt am schönsten Platz der Welt, kann ihre Farm aber kaum mehr halten.

Dieses Jahr wird das Treffen aber ein anderes sein, denn fast jede der vier Frauen hat ein Geheimnis mitgebracht, welches im Laufe der Tage enthüllt wird. Dadurch bekommt der Roman eine enorme Tiefe trotz der sommerlichen Temperaturen und ist fesselnd zu lesen.

Spass macht das Lesen ebenso, denn trotz allem kommt auch der Humor nicht zu kurz. Ebensowenig wie die Liebe, Rosemary hat sie bereits in ihrem Ehemann gefunden, aber Lucinda und Jennifer sind auf dem besten Wege ihre Herzen zu verschenken. Das wird spannend, aber auch berührend.

"Orangenträume" hat genau die richtige Balance zwischen Tiefgang und Leichtigkeit, so dass man trotz den Schicksalsschlägen, die einige der Protagonisten zu ertragen haben, nicht im Elend versinkt. Ja, wie ich ganz oben bereits geschrieben habe, dieser Roman kann sich sehen lassen! In euren Bücherregalen und auf Bestsellerlisten zum Beispiel :-)

Fazit: Definitiv der beste Manuela Inusa-Roman bisher und deshalb: absolut lesenswert!
5 Punkte.

Die Romane der "Kalifornische Träume"-Serie können unabhängig voneinander gelesen werden.

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