Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Ein extra Buch und ein Anhänger
Frau Komachi empfiehlt ein Buch von Michiko Aoyama
Eine junge Frau, die vom Dorf in die Stadt zieht; ein junger Mann, der kurz vor dem Burnout stand und den Job gewechselt hat; eine Frau, die aufgrund ihrer Mutterschaft im Job zurück gestellt wird und zwei weitere Personen, die den Weg in den Gemeindesaal, in dem die Bibliothek untergebracht ist, finden.
Dort arbeitet neben Praktikantin Nozomi Morinaga die Bibliothekarin, Frau Komachi.
"Frau Komachi empfiehlt ein Buch" ist in etwa alles, was Frau Komachi in diesem Roman tut. Sie ist nicht die Hauptfigur, um die sich alles dreht. Es sind die Personen, die zu ihr in die Bibliothek kommen und ein oder mehrere Bücher ausleihen - und dazu von der fast immer nur hinter der trennenden Pinwand sitzenden Frau Komachi immer noch ungefragt ein zusätzliches Buch erhalten. In dem Sinne verbindet Frau Komachi die Geschichten. Auf den ersten Blick ist es somit mehr eine Kurzgeschichtensammlung als ein Roman mit einer geraden Handlung. Doch mit der Zeit gibt es Verbindungen zwischen den Figuren und auch über Frau Komachi erfährt man immer mehr.
Leider wird Frau Komachi sehr negativ aufgrund ihrem Äusseren dargestellt: immer wieder, nicht nur einmal - das ging mir total durch den Strich. Ich hab mir überlegt, deswegen einen Stern abzuziehen, lasse es aber bei 4 Sternen, denn bis auf diese sehr verletzende und absolut unnötige Darstellung hat mir dieser Roman gut gefallen.
Manchmal braucht man im Leben einen kleinen Anstupser, wenn man selbst unschlüssig oder noch nicht mutig genug ist, die eingeschlagene Richtung zu wechseln. Auch wenn dies in diesem Roman auf die ruhige, japanische Art gemacht wird, können wir uns hier in Europa etwas davon abschauen. Vielleicht haben wir keine Bibliothekarin in unserer Nähe wie Frau Komachi, aber vielleicht andere Personen, die ähnliches für uns tun und denen wir bisher nicht zugehört haben. Auch diese Personen kommen in "Frau Komachi" vor.
Im Frühling habe ich "Die Tage in der Buchhandlung Morisaki" gelesen, auch ein Buch, das in Japan spielt und eine Buchhandlung laut Titel eine Rolle spielt, mir hat jenes nicht so gut gefallen, da ich wohl v.a. andere Erwartungen hatte und es dort nur etappenweise um die Buchhandlung geht. Hier hab ich auch etwas anderes erwartet, ein Roman mit Frau Komachi als Protagonist, aber mir gefiel die Story trotzdem viel besser als die andere, da das Verbindende das "richtige" Buch für die "richtige" Person ist. Wie Frau Komachi das macht, bleibt ihr Geheimnis. Man kann es Menschenkenntnis nennen, es ist aber keineswegs irgendwie übersinnlich - falls allfällige Leser*innen deswegen Bedenken haben, ob sie zu dem Roman greifen sollen oder nicht.
Fazit: Erst war ich skeptisch, dann hat mir "Frau Komachi" doch gut gefallen - bis auf ihre Darstellung gibt es uneingeschränkte 4 Sterne von mir.
Kein Wunder
Ist es nicht ein Wunder, dass es uns gibt? von Jostein Gaarder
Da ich die älteren Bücher von Jostein Gaarder liebe, freute ich mich darauf, sein neuestes Werk zu lesen. Ich erwartete nicht, gleich stark begeistert zu sein, wie ich beim Lesen von "Sophies Welt" oder "Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort" gewesen war, aber eine bestimmte Grunderwartung war schon da: dass mir auch "Ist es ein Wunder, dass es uns gibt?" gefällt.
Nicht mehr und nicht weniger.
Leider war es schlussendlich viel weniger. Die Frage, die der Titel stellt, beantwortet Gaarder gar nicht so recht. Vielmehr schlägt er einen grossen Bogen von der Frage, ob es unsichtbare Dinge gibt - vielleicht sogar einen Gott - zu der Frage nach der eigenen Identität, ob wir ein gutes Leben führen bis hin zum Thema Liebe und/oder Zufall. Schlussendlich ist die Quintessenz dieses Buches aber nur "Hebt Sorge zum Planeten".
Das Buch ist eigentlich ein Brief mit vielen Kapiteln. Ein Brief an Gaarders Enkel und alle, die ihn lesen. Die Lektüre dieses Buchbriefes fand ich sehr ermüdend. Ganz oft dachte ich, dasselbe hatte ich doch schon einige Seiten zuvor gelesen. Ein Aufbau und ein roter Faden soll laut ihm vorhanden sei, doch mich erreichten viele seiner Gedankengänge nicht. Und der zwar gute, aber sich stetig wiederholende Appell zum Klimaschutz, macht aus einem Text noch lange kein Werk, an das man sich wirklich (und schon gar nicht gerne) zurück erinnert.
Fazit: Mich konnte das Buch nicht abholen, es gab mir keine neuen Fragen oder Gedankengänge, die mich während der Lektüre umtrieben. Ziemlich spannungsarm und leider nichts Neues unter der Sonne.
3 Punkte.
Nicht mein Humor
Mord & Croissants von Ian Moore
Als Titel hätte "Mord & Kaffee" viel besser gepasst, denn die "Croissants" waren quasi schon längst verzehrt. Ich hätte mich wohl auch besser an Kaffee und Croissants gesetzt, ich wäre damit höchstwahrscheinlich viel zufriedener gewesen als nach der Lektüre des ersten Bandes von "Ein Brite in Frankreich".
Der Brite ist Richard, angeblich 53 Jahre alt. So wie er beschrieben wird, macht er eher den Eindruck eines ü65 Rentner. Wobei die meisten Rentner, auch ältere, mehr auf dem Kasten haben als Richard. Richard führt ein chambre d'hôtes, quasi ein B&B. Wieso er das tut, und wieso er dabei nicht wirklich Spass hat, wird nicht erklärt.
Dafür umso mehr, dass ein Gast plötzlich verschwindet und ausser Blut und einem Handabdruck nichts hinterlässt. Auftauchen dagegen tut Valérie d'Orcay, die Richard zum Nachforschen anstachelt.
Am Ende ist alles aufgeklärt, der Weg dahin ist mit skurrilen Charakteren und fragwürdigen Aktionen gepflastert. Leider konnte mich dieser Krimi nicht begeistern, ich fand ihn reichlich langweilig.
Ich wurde weder mit dem Plot noch mit den Figuren warm. Denn es gibt keine einzige normale (und normal agierende) Figur in "Mord & Croissants", alles wird enorm überspitzt gezeichnet, was mich ziemlich nervte.
Fazit: Man merkt, dass Ian Moore ein Comedian ist, sein Humor ist überhaupt nicht mein Fall. Wer seine Spässe mag, wird vielleicht auch diesem Reihenauftakt mögen.
2.5 Punkte.
Verzettelt
Die Bücherjägerin von Elisabeth Beer
Ich rechnete mit einer Suche nach der im Klappentext erwähnten alten römischen Strassenkarte, doch schlussendlich erwartete mich in "Die Bücherjägerin" mehr Lebensgeschichte-Aufarbeitung als die Jagd nach dem Manuskript.
Die menschenscheu Sarah ist nach dem Tod ihrer Tante Amalia, bei der sie und ihre Schwester aufgewachsen sind, aufgeschmissen.
Sarah kennt nichts anderes als den Job im Antiquariat ihrer Tante und deren Haus, dabei konnten sie beide nur knapp davon leben.
Als Ben, ein britischer Bibliothekar, auf der Suche nach einem bestimmen Kartenausschnitt, bei ihr klingelt, nimmt Sarah ihren ganzen Mut zusammen und reist mit Ben zusammen nach Frankreich und später nach England. Mit im Gepäck zwei Schildkröten. Auf der Reise lernen Ben und Sarah sich besser kennen, öffnen sich einander und erleben das eine oder andere gemeinsame Abenteuer.
Doch Spannung ist kaum vorhanden, denn es gibt viel zu viele Rückblicke in Sarahs Kindheit und Szenen, die ihr wichtig sind. Ihre Gedanken musste ich oft mehrmals lesen, auf die konnte ich mich schlechter konzentrieren als auf die Reise selbst.
Leider bleiben auch die Schildkröten irgendwo auf der Strecke und sind lange nicht mal mehr Beiwerk und auch die Suche der antiquarischen Strassenkarte ist eigentlich nur die Dekoration um Sarahs Geschichte zu erzählen.
Mir war das zu schwermütig. Sarah empfand ich nicht sonderlich sympathisch. Mir scheint auch, dass die Autorin viel zu viele Themen in das Buch reinnehmen wollte und sich damit verzettelte. So war gar nichts richtig spannend.
Fazit: Wenn schon "Bücherjägerin" auf dem Cover steht, würde ich gerne eine Bücherjagd erleben und nicht eine Charakterstudie vorgesetzt bekommen, die mit ein bisschen Suche verbunden ist.
3 Punkte.
Toller Einstieg in die Welt von ADHSler
Kirmes im Kopf von Angelina Boerger
Eigentlich steht meine Rezension schon lange aus, doch ich wollte warten, bis jemand aus meinem nahen Umfeld das Buch auch gelesen hat. Diese Person ist aber erst jetzt fertig geworden, denn da gab es noch viele andere interessante Bücher zu lesen zwischendurch... Ja, nun ratet: die Person ist vom Thema selbst betroffen - und ich als Angehörige natürlich mit.
An dieser Stelle auch gleich ein kleiner Kritikpunkt: obwohl ich weiss, dass die Autorin in "Kirmes im Kopf" nur ihre eigene Geschichte erzählt, hätt ich mir gewünscht, dass vielleicht auch ihr Umfeld oder ihre Angehörigen zitiert worden wären. Wie gehen sie damit um? Vielleicht wär das ein Thema für ein allfälliges zweites Buch. (Dann aber auch gerne ohne die zu vielen Instagram-Accounts-Erwähnungen.)
Angelina Boerger erklärt in vielen Beispielen, wie ein ADHS-Gehirn funktioniert. Sie liefert erst die wissenschaftlichen Erklärungen und zeigt dann anhand eines praktischen Beispiels, wie das im Leben einer Person mit ADHS aussehen/sich abspielen könnte - oder in umgekehrter Reihenfolge. Mir gefielen die vielen Beispiele der Autorin, etwa das Thema "Bus verpassen", "nicht Autofahren" etc.
Das ganze Buch dient zum besseren Verständnis, wenn man mit dem Thema ADHS konfrontiert ist oder man einfach mal ein bisschen mehr darüber wissen möchte, da ist die Sicht von einer "Betroffenen" erfrischend. Es zeigt auch, dass teilweise Situationen mit ADHS verbunden sind, die man gar nicht auf dem Schirm hatte.
Somit ist "Kirmes im Kopf" als Einstieg in die Materie für alle Interessierten dienlich, unkompliziert hilft es mit zur Aufklärung und Annäherung an das neurodivergente Spektrum.
Wie anfänglich aber schon erwähnt, ist das Buch nur mit eigenen Beispielen der Autorin versehen und deshalb nimmt es nicht das ganze Spektrum auf. Und bleibt somit, trotz aller Annäherung, doch ein bisschen oberflächlich. Nicht jeder Erwachsene, nicht jedes Kind in diesem Spektrum hat es so "leicht" wie die Autorin.
Fazit: Ein toller Einstieg in die Welt von ADHSler, aber eben nur ein Einstieg - zum besseren Verständnis der Personen und nicht tiefergehend oder Beispiele anderer Betroffenen zeigend.
4 Punkte.
PS: Ja, ich weiss, dass die Autorin das Wort "Betroffene" aufgrund negativer Konnotationen unpassend findet - ich verwende es neutral, da ich kein passendes anderes Wort finde.
Guillaume hat mich begeistert
Das Glück im Sternbild Zebra von Antoine Laurain
Antoine Laurains neueste Geschichte wird in zwei Teilen gegliedert: die Gegenwart erzählt Xaviers Geschichte, die Vergangenheit die des Astronomens Guillaume Le Gentil. Jedes Kapitel wechselt ab, so dass auch bald klar ist, wem das alte Teleskop, das Xavier in einer von ihm verkauften Wohnung findet, ursprünglich gehörte.
Nämlich dem königlichen Astronom Le Gentil, der sich 1761 auf die Reise macht, um den Venus-Transit so nah wie möglich von Pondichéry in Südindien aus zu verfolgen. Doch nichts verläuft so wie geplant und Guillaume bleibt mehrere Jahre in der Gegend und erlebt so einiges in dieser Zeit.
Während wir nun also Guillaumes Abenteuer verfolgen, begleiten wir in der Gegenwart Xavier, der durch das Teleskop erst ein Zebra, dann eine Frau, die ihm den Kopf verdreht, erspäht. Er staunt nicht schlecht, als besagte Frau, die sich in seine Träume schlich, plötzlich in seinem Maklerbüro steht und eine neue Wohnung sucht.
Es ist mal wieder eine bezaubernde Geschichte, die sich Laurain ausgedacht hat. Mir hat vor allem Guillaume beeindruckt mit seiner Höflichkeit, seinem Optimismus und seinen Gedanken über den Himmel, Gott und das Leben.
Xaviers Geschichte fand ich auch schön, vor allem sehr passend und sehr typisch für Laurain, für mich hätte aber dieser Roman auch nur mit Guillaume funktioniert. Ein toller Charakter dieser Astronom!
Fazit: Laurain nimmt uns mit auf eine grosse Reise, die zwar aus den gewohnten Laurain-Bausteinen (leise melancholisch, leise humorvoll, laut charmant) besteht, mich hier vor allem mit der Vergangenheitsgeschichte total begeistert.
5 Punkte.
Zu viele lose Fäden
Das Opernhaus: Goldhell die Melodie von Anne Stern
Dieser historische Roman mit Schauplatz der Semperoper in Dresden hörte sich interessant an, denn ich mag Romane mit musikalischem Hintergrund. Am Anfang der Geschichte fand ich alles auch noch interessant: die Eröffnung der Oper, die Einführung der diversen Charaktere, all ihre Geheimnisse, etc. Man erlebt hautnah mit, wie es vor knapp 200 Jahren dort war - fiktiv natürlich, aber mit allerlei historischen Fakten ringsrum.
Oder eben umgekehrt: historische Begebenheiten mit allerlei fiktiven Gestalten und Geschichten.
Ganz viele Personen, die mit der Oper was zu schaffen haben, werden als Charaktere eingesetzt. Zuerst wird mit einem Konzert die Semperoper eröffnet. Familie Spielmann ist dabei. Elise Spielmann soll einen viel älteren Mann heiraten, der irgendwas Komisches an sich hat. Selbst ihr Vater ist skeptisch, tut aber nichts. Elise hat Angst, dass sie nach der Hochzeit nicht mehr Violine spielen darf. Die Gewandmeisterin spielt im Roman eine Rolle, auch die Primaballerina, aber noch mehr der Bühnenmaler und noch ganz viele andere. Barbara, die jüngere Schwester von Elise, die nach ihrem ersten Auftreten auf dem Markt bereits viel interessanter erscheint als Elise, die bis zu den letzten Seiten fast alles als gegeben hinnimmt, kommt leider nachher gar nicht mehr vor. Elises Mutter hält zwischendurch mal eine hoffnungsvolle Innenschau, aber so schnell die gekommen ist, so schnell ist diese lichte Stunde vorbei und vergessen. Solche Beispiele könnte man von fast allen Figuren nennen.
Thematisch geht es um Rangunterschiede und somit auch mehrmals um "sie lieben sich, aber dürfen nicht". Das wäre auch okay so, aber ich habe noch viel anderes erwartet: mehr Semperoper, mehr Leidenschaft, einen roten Faden und interessantere Charaktere. Potential wäre vorhanden, aber die Figuren bleiben blass.
Es sind eben auch viel zu viele Figuren, zwar alle auf ihre Weise auch irgendwie interessant, aber gefesselt hat mich der Roman überhaupt nicht. Spannung war zu wenig enthalten und durch die vielen Personen kam man auch nirgends richtig vorwärts. Bis knapp zur Hälfte war mein Interesse wach, aber die Geschichte wurde von Seite zu Seite langatmiger, weshalb ich in der Mitte erst mal pausiert und zwei andere Bücher gelesen habe, um mit neuem Elan weiter zu lesen, doch die Geschichte plätscherte leider nur noch vor sich hin. Mir fehlten Überraschungen und spannende Szenen.
Als Coverbild hätte besser ein Bild von der Oper anno 1841 gepasst. Oder ein Bild einer kleinen Laterne, die der Bühnenmaler als Kind gebastelt, gemalt und verkauft hat. Die Laterne spielt eine kleine verbindende Rolle, und das hat mir sehr gut gefallen. Aber auch aus diesen Szenen hätte man mehr heraus holen können.
Vielleicht kommt das alles im zweiten Band, denn es wird anscheinend eine Fortsetzung geben. Dass es mindestens eine Dilogie ist, hätte ich gerne vor dem Lesen gewusst, dann hätte ich beide Bände direkt hintereinander gelesen. Das empfehle ich auf jeden Fall zukünftigen Leserinnen, denn mit nur diesem Band bekommt man keine einzige fertige Geschichte - das so gar nichts abgeschlossen wird, mag ich gar nicht.
Fazit: Zu viele lose Fäden, nichts wird so richtig vertieft und schon gar nicht zu Ende erzählt. Schade, denn da wäre eindeutig mehr Potential vorhanden gewesen.
3 Punkte.
Was für Weinliebhaber
Bretonischer Ruhm von Jean-Luc Bannalec
Dieser zwölfte Band ist voll mit Schilderungen zu den Weingütern, den Problemen der Weinbauern und - natürlich mit gutem Essen und sehr viel Kaffee! Der Kaffee ist ja obligatorisch bei Kommissar Dupin, alles andere aber bezieht sich auf die Reise, die Georges Dupin und Claire gerade unternehmen.
Die beiden haben endlich geheiratet und befinden sich auf ihren Flitterwochen.
An der Loire reisen sie zu mehreren Weingütern, zuerst machen sie Halt bei Claires Freundin Cécile Cast. Doch mit der Ruhe ist es aus, als deren Ex-Mann ermordet wird. Dupin wie auch Cécile empfinden, dass die Polizei vor Ort nicht in alle Richtungen ermitteln, weil man nur von einem Jagdunfall ausgeht.
Cécile und Claire wollen unbedingt, dass Georges mit ihnen gemeinsam inkognito ermittelt. Detektiv spielen in den Flitterwochen - mal was anderes und Claire allen voran - zumindest zuerst. Denn natürlich bleiben ihre Vorstösse und Fragen nicht unbemerkt und bald werden sie von Dupins Team in Concarneau aus unterstützt.
Während die drei also ermitteln, beziehungsweise es tun und es so scheinen lassen, als tun sie es nicht, bekommen sie immer wieder Nachrichten von daheim, dass ein Specht ihr Hausdach zerstört. Diese Episoden fand ich völlig überflüssig. Ein paar Sätze dazu und eine schnell Lösung hätte, wenn das schon vorkommen muss, absolut genügt.
Dafür überzeugt "Bretonischer Ruhm" mit einem spannenden Fall. Jean-Luc Bannalec führt Dupin und seine Leserschaft auf verschlungene Wege und bringt so manches Motiv aufs Tapet, bis sie endlich einen Durchbruch schaffen. Bis dahin wird man gut unterhalten. Am Ende werden vielleicht auch einige von der Täterschaft überrascht. Ich wars nicht, aber der Weg zum Finale ist trotzdem auf jeden Fall interessant geschrieben und nicht langweilig.
Fazit: Ein sommerlicher Krimi für Weinliebhaber.
4 Punkte.
Flitterwochen mal anders
The Unhoneymooners – Sie können sich nicht ausstehen und fliegen gemeinsam in die Flitterwochen von Christina Lauren
Das Cover ist der Hammer, das gefällt mir mega. Doch kommen wir gleich zum Inhalt:
Zuerst wirkt es viel zu übertrieben, aber für amerikanische Verhältnisse ist das wohl nicht mal so abgehoben: alles mit Coupons zu bezahlen. Denn Olives Schwester Ami hat ihre gesamte Hochzeit mit Coupons und Wettbewerbsteilnahmen finanziert.
Ami und Dane können dann aber ihre Flitterwochen nicht antreten, weil alle bis auf Olive und Ethan, Danes Bruder, bleiben von einer Lebensmittelvergiftung verschont.
So müssen die zwei, die sich nicht mögen, zusammen auf die Reise - damit sie nicht verfällt. Bereits in den ersten Tagen aber merkt Olive, dass Ethan gar nicht so schlimm ist, wie sie gedacht hat. Im Gegenteil, es herrscht eine grosse Anziehungskraft zwischen den beiden und bald wird ihnen auch klar, wieso sie so eine schlechte Meinung von einander hatten.
Ab jetzt gibt es ein wenig Tiefgang, oder könnte es geben, denn noch nehmen sie sich der Thematik noch nicht an. Erst bei der Heimkehr - und dort geht dann wieder etwas mächtig schief.
Ich bin ein bisschen zwiegespalten: vieles war mir zu klischeehaft und übertrieben (etwa das furchtbare Brautjungfernkleid) dargestellt, anderes jedoch fand ich gut, aber zu langsam aufgearbeitet. Was andere vielleicht lustig finden - das mit dem Kleid, die vielen Pechsträhnen, die Begegnungen im Hotel und einige der Ausflüge während der falschen Flitterwochen - darüber konnte ich nur müde lächeln. Da empfand ich vieles als zu gewollt witzig.
Olive hingegen fand ich toll als Charakter, sie war echt und blieb bei sich und sich treu, auch wenn andere fanden, sie wäre es nicht. Ami fand ich durch die Coupongeschichte erst nicht so toll, aber in der zweiten Hälfte mausert sie sich. Ethan ist zwar oft authentisch, aber insgesamt eine phlegmatische Person und sobald man denkt, jetzt hat er den Dreh raus, katapultiert er sich wieder voll da rein. Ich hätte mir gewünscht, dass er öfters für sich selbst oder für Olive einsteht.
Fazit: "The Unhoneymooners" unterhält aber auf jeden Fall. Für mich hätte die Story romantischer und tiefgründiger sein können, damit mich nicht nur das Cover und der Titel voll und ganz überzeugt.
3.5 Punkte.
Nicht so happy
Happy Place von Emily Henry
Die Geschichte um eine Clique, seit Jahren befreundet, die sich im Sommer oft in Maine im Cottage von Sabrinas Vater treffen und Ferien zusammen verbringen, hat mich leider nicht vollständig überzeugen können.
Das Cottage ist der "Happy Place" für alle. Der Inbegriff von unbeschwerten Tagen, entspannen, Spass haben.
Zuerst waren sie zu dritt, Sabrina, Harriet und Cleo, dann kamen die jeweiligen Partner dazu. Sie wohnten in Studienzeiten oft zusammen, mittlerweile aber alle an anderen Orten. Cleo und Kimmy bewirtschaften eine Farm, Sabrina und Parth sind Anwälte in New York, Harriet hat eine Arztassistenten-Stelle in San Francisco und Wyn lebt wieder bei seiner Mutter in Montana.
Was niemand weiss: Harriet und Wyn sind kein Paar mehr, seit Monaten nicht mehr. Die Fernbeziehung ging nicht gut, was genau aber für die Trennung verantwortlich war, weiss Harriet eigentlich auch nicht und zusammen mit den Leserinnen erfährt sie es erst im Laufe der Geschichte. Die Leserinnen merken es wohl schon ein bisschen früher, was der Grund sein könnte.
Die Gegenwartskapitel wechseln sich mit der Vergangenheit ab, mit den Happy Places für Harriet und erzählen dort Schnipsel aus ihrem und ihrer Freunde Leben. In der jetzt-Zeit spielen Win und Harriet den anderen vor, noch ein glückliches Paar zu sein. Eigentlich wollen sie es den anderen sagen, doch als eine Hochzeit am Ende der Woche angekündigt, verschieben sie es. Es ist schwierig so zu tun, als ob, erst recht, weil Harriet ja immer noch nicht weiss, wieso alles den Bach runterging.
Die Idee hinter dem Roman finde ich nicht schlecht. Die Umsetzung hingegen fand ich manchmal schwierig - besonders, da mal wieder alles auf "wir haben nicht miteinander gesprochen" aufgebaut ist.
Bis auf Cleo, Kimmy und Wyn fand ich die Figuren auch nicht sonderlich sympathisch, man kam nicht wirklich an sie ran. Die Geschichte wird aus der Sicht von Harriet erzählt und die ist einfach überfordert mit der Situation. Sabrina wirkt wie eine verwöhnte Göre und Parth ist ein Luftibus, schwer zu fassen.
Hat mich der Roman unterhalten? Irgendwie ja, irgendwie nein. Hätte sich die Autorin sich nur auf das "Wir sind nicht mehr zusammen"-Thema beschränkt, hätte mir die Geschichte vermutlich besser gefallen. Alles andere, das Thema "Freundschaften, die sich im Laufe der Zeit ändern, weil die Lebenssituation eine andere ist" und "Das Cottage wird verkauft" hätte ich nicht gebraucht, das wirkte mir zu überladen, da eben doch noch einiges hinter der ganzen Trennung steckt.
Fazit: Ich mochte aber das Ende und deshalb gibts dann doch 3.5 Punkte.











