Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Emmmbeee:
Das Dorf, das vergessen werden will
Nincshof von Johanna Sebauer
In Nincshof ereignen sich merkwürdige Dinge: heimliches Baden bei den Nachbarn, tägliche Geheimsitzungen der Oblivisten, entfernte Ortsschilder, irregeleitete Radfahrer, ja sogar entführte Edelziegen. Die Vergangenheit wird möglichst verschwiegen, bis die „Neuen“ ins Dorf ziehen.
„Freiheit den Nincsdorfern“ wird gefordert.
Doch es geht den Dörflern hauptsächlich darum, dass sie wieder im Vergessen verschwinden dürfen. Es wird geredet und geredet, bis endlich etwas getan wird. Doch nun beginnen die Schwierigkeiten.
Vor Jahren habe ich „Blasmusikpop“ von Vea Kaiser gelesen. Gleich bei den ersten Seiten kam es mir vor, als habe die Autorin eine Fortsetzung schreiben wollen. Nur halt nicht in den Bergen, sondern in der Ebene am Neusiedler See im Burgenland.
Der Roman ist in einer sehr legeren Sprache geschrieben, die dem Dativ wohl auch in die Vergessenheit helfen möchte. Die Autorin ist bestrebt um eigene Ausdrücke und Wendungen, die ich so noch nicht gelesen habe.
Zum Beispiel: „Die Reifen knirschten sich auf dem Feldweg ihrem Haus entgegen.“ Manchmal klingt das schon etwas bemüht, doch Sebauer erzielt dadurch ihren eigenen Stil, angelehnt an den Erfolgsroman Vea Kaisers.
Manchmal war es mir zu weitschweifig-zäh, etwa die seitenlangen Ausführungen zum Oblivismus, die waren zum Überfliegen. Dann wieder liest sich der Text süffig-heiter und volkstümlich.
Das Cover macht das Thema deutlich: Ein Dorf möchte hinter dem Schilf verschwinden. Sehr passend gestaltet, finde ich.
Doch wer gern skurrile Dorfgeschichten liest, dem sei dieses Buch empfohlen.
Paris zum Einschlafen
Sommertage im Quartier Latin von Lily Martin
Eine Großmutter verschwindet aus dem Gesichtsfeld ihrer Familie und der Nachbarschaft des Quartier Latin am linken Seine-Ufer. Ihre Enkelin, weitgereist und voller Unrast, kehrt nach Paris zurück, um die Suche nach ihr aufzunehmen. Viele Erinnerungen stürmen auf sie ein, auch sehr romantische. Begegnungen aller Art, meist verklärt, ergeben sich für die Hauptprotagonistin Lola.
Das alles klingt fast märchenhaft schön.
Kurz vor „Sommertage im Quartier Latin“ habe ich „Die Frauen vom Karlsplatz – Vera“ von Anne Stern gelesen. Als ich las, dass Lily Martin ihr Alias ist, habe ich mich sehr auf das Paris-Buch gefreut. Leider wurde ich enttäuscht.
Der Schreibstil ist süffig, lebendig, farbig, wie bei der Autorin gewohnt. Das Leben im Quartier Latin wird sehr anschaulich geschildert, und auch Tiefgang findet sich zwischendurch immer wieder. Doch die Spannung lässt bald zu wünschen übrig. Das meiste ist vorhersehbar, folgerichtig, verläuft in den Bahnen meiner – und vielleicht auch Ihrer – Fantasie. Das mag für viele Leser in Ordnung sein. Doch regelmäßig bin ich über der Lektüre eingeschlafen.
Und so habe ich es trotz aller Überwindung nicht geschafft, den Roman zu Ende zu lesen, tut mir leid. Ich finde, dass das Leben zu kurz ist, um langweilige Bücher zu lesen. Schade, denn die Autorin schätze ich sehr. Ich empfehle die „Sommertage“ für Leser, welche eine leichte Strandlektüre für kurze Lese-Abschnitte suchen.
Aperol Spritz und Pizza
PS. Über Apulien leuchtet die Liebe von Lene Damonte
Der Künstler Lenni und die Keramikerin Rosa wollen zusammen in den Süden ziehen, um dort zu arbeiten. Da stirbt Lenni, und für Rosa bricht die Zukunft zusammen. Zufällig findet sie eine Postkarte von Apulien. Ermutigt von ihren Freundinnen fährt sie für ein paar Tage dorthin.
Am Meer angekommen, lernt sie am Strand gleich den jungen Mattia kennen, findet noch am selben Tag eine stimmungsvolle Unterkunft, später rein zufällig auch eine alte Töpferwerkstatt.
Mattia bleibt als Freund an ihrer Seite und hilft ihr, das etwas heruntergekommene Haus herzurichten. Alles andere ist vorhersehbar.
Der Roman „PS. Über Apulien leuchtet die Liebe“ von Lene Damonte ist so richtig geeignet für Urlaub, Strand, Ausspannen. Deshalb ist er auch nicht besonders tiefgründig. Es ist eine heitere Sommergeschichte, die Urlaubsgefühle weckt. Warum auch nicht. Auch kulinarisch ist manches drin, was Appetit macht. So habe ich für mich den Aperol Spritz entdeckt – ja, ich gestehe es. Wenn ständig davon die Rede ist, bekommt man halt Durst.
Zeitweise habe ich den Text langatmig gefunden, einzelne Szenen wurden breiter als nötig ausgewalzt, und ich habe häufig quergelesen. Zu viel war vorhersehbar. So gibt es auch wenig Spannung, aber viel südländisches Flair, und das ist schön. Man gönnt es der gebeutelten Rosa schließlich, dass am Ende alles in geregelte Bahnen gelenkt wird.
Jeder der vier Teile wird von einem italienischen Song eingeleitet, die ich allesamt nicht kenne. Aber die deutsche Übersetzung steht dabei.
Ich empfehle das Buch allen, die sich eine leichte Ferienlektüre suchen.
Ein turbulentes Leben
Samuels Buch von Samuel Finzi
Beim autobiografischen Roman von Samuel Finzi, „Samuels Buch“, ist das Cover ein raffinierter Schachzug, um die Aufmerksamkeit von Interessierten auf das Buch zu lenken. Dass das historische Foto umgedreht wurde, kann unter anderem so interpretiert werden, dass das ganze Leben des Schauspielers und Autors im Lauf der Zeit total umgedreht worden ist.
Kein Wunder, ist er doch im ehemaligen Ostblock, in Bulgarien, geboren und als junger Mann in den „freien Westen“ ausgewandert. Dort war auch sehr vieles ungewohnt und anders.
In farbigen, teils recht skurrilen Bildern erzählt er von seiner Kindheit, Jugend und den Anfängen seiner Schauspielerkarriere. Da tauchen Szenen auf, die teils unglaublich scheinen. Gleichzeitig führt Samuel Finzi dem Leser auch das gesellschaftliche Leben von damals vor Augen. Dabei ging es seiner Familie aufgrund ihrer künstlerischen Tätigkeit (Mutter Musikerin, Vater Schauspieler) vergleichsweise gut, denn sie durften mehrmals in den Westen ausreisen. Mir gefällt der Schreibstil, das Erzähltempo, die Unterteilung in 30 kurze Kapitel.
Es ist ein autobiografischer Roman, was bedeutet, dass nicht alles genauso sein muss, wie geschildert. Aber auch wenn nur die Hälfte stimmt, ist es in Finzis Leben drunter und drüber gegangen.
Ich empfehle das Buch vor allem jenen, die gern mehr über bekannte Personen erfahren, aber auch jenen, die wissen möchten, wie es vor der Öffnung des Eisernen Vorhangs in Osteuropa ausgesehen hat, vor allem in den privilegierten Kreisen. Denn dieser Aspekt wurde bisher nur selten beleuchtet.
Allen Widrigkeiten zum Trotz
Die unglaubliche Grace Adams von Fran Littlewood
Grace‘ Mann Ben will sich scheiden lassen, Tochter Lotte hat sich mit ihrer Mutter überworfen und ist zu ihm gezogen. Nun wird sie 16, und Grace ist nicht zur Geburtstagsfeier eingeladen. Dennoch kauft sie eine Torte, gerät mit dem Auto in einen Stau und macht sich zu Fuß auf den Weg. Noch dazu – nein, mehr sage ich nicht, ihr müsst es unbedingt selber lesen.
Es gibt in diesem Roman viel Dramatik, Unvorhergesehenes, jede Menge Turbulenzen, Verwicklungen, Stolpersteine. Zur gegenwärtigen Handlung kommen Rückblicke auf die Geschichte einer Liebe, Ehe und Mutterschaft. Eindrücklich geschildert sind zwei schwierige Zeiten im Leben, die dennoch in jeder Familie unter einen Hut zu bringen sind: Pubertät und Menopause.
Grace ist eine Frau mit allen nur möglichen Schwächen, aber optimistisch, herzerfrischend komisch, energiegeladen, stark. Mann und Tochter können ihr doch nicht einfach so den Rücken kehren, wo doch ihr Kind mit etlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat!
Fran Littlewood schreibt keinen alltäglichen Stil. Mir gefällt aber ihre Liebe zum Detail, die Anschaulichkeit, das sinnliche Leseerlebnis. Noch dazu steigt der Spannungsbogen im Lauf der Handlung zusehends.
Manchmal frage ich mich, ob es denn unter all den Milliarden von bisherigen Romanen und aktuellen Neuerscheinungen noch etwas Originelles gibt, mit dem der Autor sich auf dem Markt durchsetzen kann. Es ist schier unglaublich, aber dieses brandneue Buch wird explosionsartig auf dem Büchermarkt hochkochen, das wage ich zu behaupten.
Das Taschenbuch ist kompakt gestaltet, mit einer großen Klappe, welche die Seiten zusammenhält. Auf dem Cover eine aufgehende Sonne, von einer weiblichen Gestalt willkommen geheißen. Das ist der erste Eindruck, den man erhält. Eine der Schlüsselszenen ist in wenigen Worten im Inneren des Umschlags hingetupft. Nachdem ich die gelesen hatte, konnte mich nichts mehr vom Lesen abhalten.
Die Übersetzerin Katharina Naumann hat bereits anderen Romanen zum Bestseller in deutscher Sprache mit verholfen. „Die unglaubliche Grace Adams“ ist eines der Bücher, von denen ich mir eine Fortsetzung wünsche. Und ja, ich empfehle dieses Werk gerne weiter.
Leben und Tod in der Karibik
Als wir Vögel waren von Ayanna Lloyd Banwo
Im Erstlingsroman von Ayanna Lloyd Banwo geht es buchstäblich um Leben und Tod, wobei der Tod für viele Leser natürlich ungleich interessanter ist. Die Umstände rund um diese beiden Pole sind auf Trinidad, welches wir hauptsächlich aus dem Urlaub kenne, so ganz anders als bei uns in Mitteleuropa.
Und es geht natürlich auch um Mann und Frau, um eine spezielle Begegnung auf dem Friedhof Fidelis in Port Angeles. Da ist einmal Emmanuel Darwin, früher Rastafari, nun auf der Suche nach seinem Vater. Als Totengräber muss er ja fast Yejide begegnen, die ihre soeben verstorbene Mutter beerdigen soll.
Jeder Todesfall ist für die Familien auf Trinidad eine große Sache, die zahlreiche Umstände mit sich bringt. Viele Geheimnisse kommen hinzu, viel Mystik, viele außergewöhnliche Kräfte.
36 Kapitel hat der Roman, und die Erzählung einer Großmutter fungiert als roter Faden. Wie bei einer Speise wird er gewürzt von Humor und scharfen Zutaten. Die sehr bildhafte Sprache gefällt mir sehr. Banwo erzählt eindringlich. Manchmal wird sie allerdings weitschweifig, was den Spannungsbogen spürbar mindert. Doch der Einblick in eine völlig andere Kultur auf einem anderen Kontinent ist allemal äußerst interessant.
Die Vögel im Titel des Buches sind vielseitig deutbar, mehr möchte ich nicht verraten. Die bunte Gestaltung des Covers mit seinen kräftigen Farben harmoniert sehr gut mit dem Inhalt des Romans und mit den geheimnisvollen Hintergründen der Handlung.
Ein Buch, das ich gerne weiterempfehle.
Ein flüchtiges Wesen
Melody von Martin Suter
Sie taucht auf, verdreht den Männern durchs Band den Kopf und entzieht sich nach ein paar Monaten auch schon wieder. Ein geheimnisvolles, flüchtiges Wesen, die Titelheldin des neuen Romans von Martin Suter. Was an ihr ist es, das die Männer so fasziniert?
Darüber kann wohl am ehesten Dr. Peter Stotz Auskunft geben, denn Melody war mit ihm verlobt.
Doch drei Tage vor der Hochzeit verschwand sie. 40 Jahre später befindet sich der Alt-Nationalrat dem Tod nahe, möchte seinen Nachlass geordnet wissen und stellt dafür den jungen Tom Elmer ein. An zahlreichen Abenden und unter dem Einfluss von erlesenen Tropfen erzählt er von seiner großen Liebe, eben Melody, und dabei zeigt sich, dass Autor Martin Suter ein Meister des Cliffhangers ist.
Dem Studenten öffnet sich eine luxuriöse Welt, aber auch viele Fragen. Nach dem Tod seines Arbeitgebers wird aus dem Ordnen ein Suchen nach der verschollenen Frau, gemeinsam mit der Nichte des Verstorbenen. Melody ist auf jeder der 329 Seiten gegenwärtig. Sie lächelt und hebt ein wenig die Schultern.
Ich habe so gut wie alle Bücher von Martin Suter gelesen und war hocherfreut, dass er uns mit einem neuen Werk beschenkt hat. Es ist gewohnt süffig und spannend geschrieben, voll farbiger Bilder, diesmal zusätzlich angereichert durch kulinarische Einblicke. Und wie so oft gibt es immer wieder überraschende Wendungen, besonders natürlich gegen Schluss.
Love and crime, bin ich versucht zu schreiben, aber das ist es nicht allein, was Suters Romane so beliebt macht. Es sind auch die genauen Recherchen, welche Authentizität mit sich bringen, und wenn es auch nur um den Rollator geht.
Ein Roman, den ich jedem nur empfehlen kann.
Nix mit Romantik
In blaukalter Tiefe von Kristina Hauff
Es ist beinahe ein Klischee, dass Konflikte ausbrechen, sobald eine Idylle durch ein Unglück gestört wird. So auch bei der Segeltörn zur Schärenwelt Schwedens. Ein Ehepaar macht seinen gemeinsamen Wunsch wahr und lädt dazu einen Kollegen des Ehemannes Andreas und seine Freundin ein. Doch nicht jeder ist freiwillig mit an Bord.
Es beginnt traumhaft schön, doch schon bald machen sich Unstimmigkeiten zwischen den vier Menschen bemerkbar. Auch der Skipper Erik, zu Beginn eine undurchsichtige Gestalt, lässt allmählich seine Maske fallen. Nicht nur am Himmel ballen sich drohend die Wolken, auch zwischen den fünf Menschen brodelt es, ein gewaltiges Drama bahnt sich an. Auf einem Boot kann keiner dem anderen ausweichen. Jeder steht unter Beobachtung, steht unter Hochspannung. Nein, das ist kein harmloser Urlaub. Es gibt auch keine romantischen Szenen oder ferienhafte Gemütlichkeit.
Die Kapitel wechseln sich ab aus der Sicht der beiden Paare, sodass man sich als Leser mittendrin befindet und die Figuren besser versteht. Es geht um Machtspiele, Druck, Abhängigkeiten. Nicht nur das Boot gerät bei Sturm aus dem Gleichgewicht, auch die Konstellationen bleiben nicht dieselben.
In plastischer, sehr farbig lebendiger Sprache führt und Christina Hauff durch die Handlung. Die Spannung steigt zusehends. Es wurde beim Lesen so aufregend, dass ich den Roman kaum mehr aus der Hand legen wollte. Den Schluss habe ich so nicht erwartet, ihn nicht einmal geahnt. Doch so ganz stimmig kam er mir nicht vor.
Schon Hauffs Roman „Unter Wasser Nacht“ habe ich fasziniert gelesen. Neben dem Eintauchen in die Welt auf einem Boot gefiel mir bei diesem die Beschreibung der einzelnen Figuren und der Entwicklung zwischen ihnen. Der Stil ist flott und süffig, durch die wechselnde Sichtweise recht nahegehend. Immer wieder kommt es anders, als der Leser denkt, das trägt noch zur Spannung bei.
Das Cover scheint mir sehr passend, denn es vermittelt die drohende Atmosphäre auf dem Boot und die durch das Wetter verursachte auf dem Meer. Ich empfehle den Roman allen, die sich nicht nur für die Beschreibung von Spannungen zwischen den Menschen interessieren, sondern auch die das Meer, Boote, Schweden etc. mögen.
Zurück im Dorf
Wovon wir leben von Birgit Birnbacher
Die Bachmann-Preisträgerin Birgit Birnbacher legt ihren neuen Roman vor. In unprätentiöser, ruhiger Sprache erzählt sie von Julia, die in ihr Dorf zurückkehrt und noch nicht weiß, wie es in ihrem Leben weitergehen soll. Ist ihr Aufenthalt nur eine Zwischenstation? Oder ist sie gekommen, um zu bleiben?
Nach dem beruflichen Scheitern und aussichtslosen Liebesdingen in der Stadt spürt sie, dass sie im Heimatdorf nicht mehr richtig dazugehört.
Sie lernt den „Städter“ kennen, einen Mann, der zur Reha hierhergekommen ist. Mit ihm kann sie sich auf gleicher Ebene unterhalten, während der Vater und die Dorfbewohner mit obskuren Erwartungen an sie herantreten.
Eigentlich geschieht nicht viel. Ein Spielstein ist die schreiende Ziege. Und was ist eigentlich mit der Mutter, die in Sizilien lebt?
Von Anfang an besteht ein Spannungsbogen und ein gewisser Sog. Aber mir war lange nicht klar, worauf das Ganze hinauswill. Bei so vielen anklingenden Aspekten (die Rolle der Arbeit, persönliches Versagen, Asthma, der kranke Bruder in der Heilanstalt) ist alles recht ungewiss.
Die Atmosphäre ist bedrückend, besonders wenn von Julias Bruder David die Rede ist. Mehrmals hat es mich gefröstelt beim Lesen, denn es ist ein sehr ungemütliches, winterlich kaltes Dorf. Eine pessimistische Grundstimmung durchzieht den Roman. Auch die Beschreibung von Julias Atemnot ist nicht gerade aufheiternd. Es gibt keinerlei Gefühlsregungen, sehr fern nimmt sich die Figur der Mutter aus, auch zum Vater besteht viel Distanz.
Der Schluss hat mich sehr überrascht, aber nicht überzeugt. Er scheint mir reichlich an den Haaren herbeigezogen.
Mir gefällt die pointillistische Covergestaltung, auch wenn ich mir beim Lesen lange nicht vorstellen konnte, wann es denn warm genug zum Schwimmen sein würde, spielt doch ein großer Teil der Handlung in der kälteren Jahreszeit.
Insgesamt konnte ich mich für den Roman nicht erwärmen. Er hat nicht vermocht, mich zu fesseln.
Erst angepasst, dann rebellisch
Frankie von Michael Köhlmeier
Der vierzehnjährige Frank lebt bei seiner Mutter. Er ist gern mit ihr zusammen, kocht für sie, lacht mit ihr, kommt auch mal mit zur Arbeit. Die beiden sind eine harmonierende Einheit. Als der Großvater aus dem Gefängnis entlassen wird, steht er ihm zunächst ablehnend gegenüber, wird er von ihm doch Frankie genannt, was der Junge gar nicht mag.
Doch dann kann er sich der Wirkung des Älteren nicht entziehen. Nach und nach tut er Dinge, die noch vor wenigen Tagen für ihn nicht in Frage gekommen wären. Dass auch noch sein Vater auftaucht, wird es kompliziert. Schließlich wird Frankie im Lauf eines Roadtrips mit einem Schlag zum Rebell, der alles Bisherige hinter sich lassen will.
Gewohnt flüssig, plastisch, farbig führt uns Köhlmeier linear durch seinen neuesten Roman. Sehr vieles spielt sich unterwegs zwischen Wien und Niederösterreich ab, zu Fuß, mit dem Zug, der Straßenbahn, in Autos. Ebenso nimmt die Handlung laufend Fahrt auf, wird immer spannender. Der Autor lässt keinen Zweifel daran, was der Junge denkt, empfindet, was ihn zum Handeln antreibt.
Doch so abenteuerlich der Fortgang sich auch entwickelt, immer bleibt der Erzählton ruhig, gelassen, wie außerhalb der Szene stehend und beobachtend. Da ich Köhlmeiers Hörbücher besonders schätze, habe ich während des Lesens die raunende Stimme des Autors stets im Hintergrund gehört.
Was mich an seinen Werken so fasziniert und was mich jeweils so gespannt auf sein nächstes Buch warten lässt, ist die Vielseitigkeit des Autors. Angefangen von antiken Sagen bis zu außergewöhnlichen Tiergeschichten sind Spektrum und Themenumfang enorm. Wie erwähnt, schreibt der Autor nicht nur, sondern bespricht seine Hörbücher selbst – ein ganz besonderes Erlebnis! So ist es auch kein Wunder, dass er seit seinem 25. Lebensjahr haufenweise Preise einfährt.
Ein Generationen- und Entwicklungsroman, Roadtrip, fast ein Krimi. Es gibt keinen Leser, dem ich den Roman nicht empfehlen würde.











