Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Furbaby_Mom:
Netter Regencyroman für Zwischendurch - mit kleinen Schwächen
Eine Liebe in Blackmoore von Julianne Donaldson
Ich muss zugeben: Beinahe hätte mich das Cover abgeschreckt. Selbst mir (als Fan von Romanzen, in denen es gerne mal übertrieben kitschig zugehen darf) war die Gestaltung einen Hauch too much. Zum Vergleich: Das Cover vom ebenfalls bei Piper erschienenen Regencyroman "Ashington - Verliebt in einen Earl" gefällt mir wesentlich besser.
Letztlich siegte meine Neugier, denn der Klappentext klang vielversprechend … und weckte eine gewisse Erwartungshaltung.
Was ich mir erhoffte: Flirts, Herzklopfen, tiefe Gefühle, Romantik eben - nicht zwingend heiße Szenen à la Bridgerton, aber zumindest humorvolle Leichtigkeit. Das Werk hatte in meinen Augen unheimlich viel Potential: vom Friends-to-Lovers-Trope über herrlich nervige Nebenfiguren, die einen zur Weißglut treiben, bis hin zur großen Frage, wie die Autorin das scheinbar unabwendbare Unglück in ein Happy End verwandeln wird (von dem ich aufgrund des Genres und der Covergestaltung ganz selbstverständlich ausgegangen bin). Doch abgesehen vom wundervoll angenehmen Schreibstil, welcher sich durch einige bezaubernde Gedanken-Formulierungen und eine glaubwürdige Wortwahl in den Dialogen auszeichnet, fällt mir spontan nur ein einziger positiver Fakt zur Story an sich ein: die glaubwürdige Beschreibung der Freundschafts-Dynamik zwischen Kate und Sylvia.
Blackmoore, das Setting dieses klassisch anmutenden, in einer für Frauen ziemlich restriktiven Epoche spielenden Romans, erinnerte mich entfernt an Jane Austens "Northanger Abbey" (wenn auch leider weniger atmosphärisch beschrieben): ein altes englisches Herrenhaus/Landschloss mitten in der Natur, voller Geheimnisse - und Geheimgänge, in denen man sich unbeobachtet näherkommen kann ... Bei solch einer interessanten Location wäre das quasi schon die halbe Miete gewesen.
Ich hätte mir eine andere Fokus-Aufteilung gewünscht: intensivere Beschreibungen des Settings, mehr Flair, und stattdessen einen Hauch weniger Drama und Gemeinheiten. All die Intrigen waren mir schlichtweg zu viel, ich hatte permanent Mitleid mit der weiblichen Hauptfigur, deren Umfeld (bis auf Henry) sich konsequent weigert, sie mit dem Namen "Kate" anzusprechen. (Spoiler: Kitty weist gefühlt auf jeder dritten Seite jemanden darauf hin, dass sie lieber "Kate" genannt werden möchte.)
Eigentlich war Kitty/Kate, so naiv und stur sie manchmal auch war, mir sympathisch; an ihrer Figur lag es also nicht, dass das Werk mich nicht 100%ig packen konnte. Sie träumt davon, mit ihrer Tante nach Indien zu reisen (mutig, vor allem zur damaligen Zeit), ihre Frau Mama (- die zu Kates Blamage regelmäßig mit allem flirtet, was männlich und NICHT Kates Vater ist -) möchte sie lieber vorteilhaft verheiraten - nicht etwa im Sinne von 'mein geliebtes Kind soll finanziell abgesichert sein', sondern 'wenn du dir keinen reichen Kerl schnappst, habe ich all die Jahre umsonst mit dir vergeudet'. Charming, oder?! Glückliche Kindheit: Fehlanzeige. Kates einziger Lichtblick sind ihre Freunde, die Geschwister Sylvia und Henry Delafield. Abgesehen davon, dass das Verhalten von Mama Worthington taktlos und peinlich ist, ruiniert es Kates Aussichten auf eine lohnenswerte Verbindung, zumal auch Kates älterer Schwester Eleanor ein zweifelhafter Ruf nacheilt.
Kennt ihr das Gefühl von hilfloser Wut? Man möchte aus der Haut fahren, weiß aber, dass jede Reaktion dieser Art die Situation noch verschlimmern würde, also beißt man die Zähne zusammen, obwohl man innerlich brodelt. Genauso fühlt die Heldin sich sehr, sehr oft in diesem Roman. An ihrer Stelle hätte ich mindestens in zwei Situationen die Contenance verloren: zu Beginn der Handlung, als ihre Mutter ihr die Reise nach Blackmoore verbieten möchte, sowie im Umgang mit Sylvias neuer BFF. (Stichwort: als Mitgefühl getarntes herablassendes Verhalten - geht gar nicht!) Kein Wunder, dass Kate gerne mal durchs Fenster flüchtet, um in Ruhe durchatmen zu können.
????????????????????: 3 ½ ✰ ✰ ✰
Eine plottechnisch überschaubare Regency-Romanze, die mich aufgrund kleiner Schwächen nicht gänzlich überzeugen konnte, aber dennoch insgesamt gut unterhalten hat. Was Mozart, Faust und stumme Vögel mit der Geschichte zu tun haben, müsst ihr selbst herausfinden!
Der Titel Ist Programm - leider
Some Mistakes Were Made von Kristin Dwyer
Es sollte nicht sein. Dieses Buch und ich haben nicht zusammengefunden. Ich wollte es lieben, ehrlich - das Cover ist traumhaft schön, der Klappentext las sich spannend und die ersten paar Seiten reichten aus, um mich für den poetisch schönen, tiefgründigen, emotionalen Schreibstil zu begeistern.
Aber all dies konnte letztlich nicht das Gefühl der Enttäuschung verdrängen, das mich während der Lektüre befiel.
Mit den Hauptfiguren wurde ich partout nicht warm, konnte lange nicht nachvollziehen, was genau an Easton so toll sein sollte, war dafür allerdings sehr bald genervt von Ellis und ihrer egoistisch-schnippischen Art. Ich empfand sie als unreif, uneinsichtig, zu impulsiv und ich-bezogen - null Selbstreflexion. Sie sieht sich durchgehend als Opfer, in ihren Augen sind immer alle anderen schuld.
Leider verlor auch der ursprünglich faszinierende Schreibstil mit Fortgang der Handlung an Strahlkraft:
Die Geschichte pendelte ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her, was an sich nichts Schlimmes ist, doch die Übergänge erschienen mir oft holprig, unpassend gesetzt, und störten meinen Lesefluss. Mir kam das Ganze wie eine kunterbunte Zusammenwürfelung vor - Instagram-Captions, Briefe, Gedichte, jede Menge Textnachrichten … es war zu viel Unruhe. Gegen Ende wechselte die hauptsächlich aus Ellis' Perspektive geschriebene Story plötzlich zu Eastons Sichtweise, es folgte ein Brief (von Ellis), der Epilog war dann wieder aus Eastons Perspektive … kurzum: ein einziges Kuddelmuddel.
Selbiges gilt für die Dialoge: Es wird zwar geredet, aber wenig gesagt. Klärende Gespräche suchte ich vergebens (genauso wie Romantik und Herzklopfen-Momente), stattdessen wird mit gegenseitigen Beschuldigungen und Beleidigungen um sich geworfen. Wut, Enttäuschung und Frustration dominieren.
Am schlimmsten war die Tatsache, dass man Eeeeeeewigkeiten nicht erfährt, welche Ereignisse zur aktuellen Situation geführt hatten. Bei jedem neuen Kapitel dachte ich: Okay, JETZT wird sicher mal ein Hinweis kommen. Aber nein, Fehlanzeige. Vielleicht sollte dies die Spannung erhöhen, einen anderen Grund kann ich mir kaum vorstellen; bei mir führte dieser Aufbau jedenfalls dazu, dass ich keiner der Figuren traute, weil ich sie nicht einschätzen konnte. Folglich konnte ich keine Bindung zu ihnen aufbauen. Irgendwann machte das Lesen einfach gar keinen Spaß mehr, weil sich das Drama weiter und weiter und weiter in die Länge zog, ohne dass man irgendwelche Hintergründe kannte. Die Auflösung fand ich relativ seicht, da hätte ich mir etwas Bedeutenderes erhofft - nach DEM Aufbau.
Meine einzigen Lichtblicke waren Eastons Brüder Tucker und Dixon sowie die Entwicklung, die Ellis im Hinblick auf ihren Vater durchlebt (auch wenn der Groschen erst seeeehr spät fällt).
????????????????????: 2 ✰ ✰
Die Story ist nichts fürs Herz, nichts zum Entspannen und Wohlfühlen. Viel Drama um nichts, gepaart mit größtenteils unsympathischen Figuren. Der Buchtitel ist leider wahrlich zutreffend. Was genau sollte nun die Message dieses Werkes sein? Ich konnte keine entdecken.
Süße Young-Adult-Romance
Tweet Cute von Emma Lord
Eigentlich hätte diese süße Young-Adult-Romance, deren Story-Grundlage (Haters-to-Lovers + Online-Flirt mit einer anonymen Person) mich entfernt an den Film "e-m@il für Dich" erinnert hat, durchaus das Zeug zum 5-Sterne-Read gehabt; insbesondere der Einstieg in die Handlung war mehr als vielversprechend - ein flotter, humorvoller Schreibstil, der nicht zu übertrieben mit vermeintlichem Jugend-Slang zu punkten versucht, sympathische Hauptfiguren und eine kreative Hintergrundgeschichte.
Kurzum: Zunächst war ich sehr happy mit dem Buch.
Mit voranschreitender Handlung offenbarten sich jedoch ein, zwei kleine Schwächen.
Die Glaubwürdigkeit hat etwas gelitten. Natürlich kommen bei Unterhaltungsliteratur Fiktion und Fantasie ins Spiel, das ist mir bewusst und auch völlig okay (mehr als das sogar, ansonsten würde ich statt Romanen schlichtweg die Tageszeitung lesen und das Fantasy-Genre hätte gar keine Daseinsberechtigung). Es geht mir nicht darum, dass die Handlung eines Werkes 1:1 realistisch sein soll. Aber das Verhalten der Figuren sollte - im Hinblick auf die Welt, in der sie leben, und die Umstände, mit denen sie dort konfrontiert werden - Sinn ergeben. Dass Peppers nicht unfreundliche, doch toughe, gewinnorientierte Mutter (Typ ehrgeizige Boss-Lady) all about Business und Unternehmenserfolg ist, aber gleichzeitig Angestellte (wie z.B. Taffy) beschäftigt, die nicht fähig sind, eigenständig die mit ihrem Job einhergehenden Aufgaben zu erfüllen, und dass sie deren kontinuierliche, offensichtliche Überforderung lieber als gegeben hinnimmt, anstatt sie durch qualifiziertere Mitarbeiter:innen zu ersetzen oder ihnen zumindest professionelle Unterstützung ins Team zu holen, war in meinen Augen enorm unglaubwürdig. Stattdessen überträgt sie elementare Marketing-Aufgaben des Großunternehmens an ihre Teenager-Tochter - ist klar. (Jene Tochter, die eigentlich rund um die Uhr in Prüfungsvorbereitungen und Hausaufgaben vertieft sein sollte, weil sie auf eine knallharte Eliteschule geht, wo Bestleistungen vorausgesetzt werden.) Pepper wird im Minutentakt mit Nachrichten und Anrufen bombardiert, denn die PR-Abteilung von Big League Burger ist scheinbar komplett aufgeschmissen ohne die Ideen des jungen Mädchens. … - I don’t think so. Da es sich um einen Jugendroman handelt, sehe ich darüber hinweg, die Heldin braucht immerhin eine wichtige Rolle. ABER: Es wäre nicht nötig gewesen, dermaßen dick aufzutragen. Pepper schläft angeblich seit Monaten maximal 5 Stunden am Tag, ist allerdings fit genug für regelmäßigen Hochleistungssport und brilliert im Unterricht. - Als frischgebackene Mama, die selbst höchstens 5 Stunden Schlaf am Stück bekommt, habe ich mich bei dieser putzig-weltfremden Behauptung vor Lachen fast am Kaffee verschluckt.
Ich mag es nicht, wenn Figuren nicht mit den Folgen ihres Handelns konfrontiert werden. Jacks allseits beliebter Zwillingsbruder Ethan macht ständig Versprechungen, deren Einhaltung er Jack überlässt, drückt sich konsequent vor der Arbeit im Familienunternehmen und kommt permanent ohne Konsequenzen davon. Über das elterliche Verhalten konnte ich nur den Kopf schütteln; wenn ich mehrere Kinder habe, behandele ich sie alle gleich, Punkt. Auch Jack hätte ich gerne mal ins Gewissen geredet, damit er seinem Bruder nicht andauernd zur Rettung eilt, sondern auch mal an sich selbst denkt. So was ärgert mich einfach.
Gut gefallen hingegen haben mir der Aspekt des modernen Romeo-und-Julia-Hintergrundes (die Familien der beiden Hauptfiguren sind zwar verfeindet, allerdings nur auf geschäftlicher Ebene, nicht auf tragische "Westwell"-Weise), die Weazel-App, das NYC-Setting sowie die eingestreuten Tweets und Chatverläufe. Peppers legendären Monster-Cake hätte ich außerdem zu gerne mal probiert.
????????????????????: 4 ✰ ✰ ✰ ✰
Von wegen 'alles Käse' - spannungstechnisch wartet das Werk mit einigen Überraschungsmomenten auf. Da ich 5 Sterne ausschließlich für Herzensbücher/absolute Highlights vergebe (= Bücher, bei denen inhaltlich alles für mich passt und die mich zudem auf emotionaler Ebene besonders intensiv ansprechen), sind es hier nur 4 Sterne geworden - aufgerundet aufgrund des nett gestalteten Covers und des zur Zielgruppe passenden, leicht verständlichen Schreibstils. Gerne spreche ich eine Empfehlung für alle Fans von lockeren Jugendromanen aus (Altersempfehlung des Verlags: ab 14 Jahren).
Mega Idee, Umsetzung hat noch Luft nach oben
Tokyo ever after - Prinzessin auf Probe von Emiko Jean
Ich hatte mich riesig auf dieses international gefeierte und auf Bookstagram gehypte Buch gefreut! Eine moderne Cinderella Story mitten in Japan - wie cool ist das denn?! Allein diese kreative Story-Idee verdient 5 Sterne!
Warum mein Fazit nach der Lektüre nicht mehr ganz so euphorisch ausfiel und welche Elemente mir dennoch gut gefallen haben, möchte ich hier kurz zusammenfassen.
Was ich gerne mochte:
Auch wenn es nichts Neues ist: Das Thema "Plötzlich Prinzessin" gefiel mir super, solche Geschichten liebe ich einfach und lese sie immer wieder gerne.
Der Hof der japanischen kaiserlichen Familie war eine äußerst clevere Setting-Wahl. Zum einen übt die japanische Kultur ohnehin eine Faszination auf mich aus und ich fand es total spannend, mehr darüber zu erfahren. Zum anderen bin ich ein Fan von royalen Settings, wo es neben all dem Prunk und Protz stets auch Intrigen und jede Menge Geheimnisse gibt, die für Spannung sorgen.
Ich mag es, wenn kleine Extras wie z.B. Karten, Rezepte oder Personenregister in einem Werk inkludiert sind, und war daher sehr happy über den übersichtlichen Stammbaum, der mir noch vor Beginn der Handlung Aufschluss über das Who is Who der japanischen Royals gab. Die vielen aus unserer Sicht ungewöhnlich klingenden, langen Namen haben mich zwar zunächst etwas erschlagen, aber da die weibliche Hauptprotagonistin diese Figuren auch erst nach und nach kennenlernte, konnte ich dem Ganzen letztlich doch prima folgen.
Izzy bzw. Kronprinzessin Izumi, aus deren Perspektive in der Ich-Form erzählt wird, hatte mich von Anfang an auf ihrer Seite, noch ehe überhaupt die Rede war von dem ihr unbekannten Vater, Japan oder dem Adels-Background: Als Hundemama ging mir das Herz auf, als ich las, wie sehr sie ihren Terriermischling 'Tamagotchi' vergöttert, der unter einer Zwangsstörung leidet (er knabbert an seinen Pfötchen) und aufgrund einer seltenen Drüsenerkrankung streng müffelt.
"Ich bin mir sicher, dass es meine vom Schicksal auferlegte Lebensaufgabe ist, diesen Hund zu lieben."
Die Zerrissenheit und Identitätssuche Izumis wurde von der Autorin gut hervorgehoben. Im sehr weißen amerikanischen Kaff Mount Shasta passt Izzy optisch nicht ins Bild; sie sieht eben anders aus als die Mehrheit der Kids, ist aufgrund ihres asiatischen Backgrounds eine Außenseiterin. In Japan gilt sie wiederum als kulturfremde Amerikanerin, deren westliche Lebensart absolut nicht zu den teilweise jahrtausendealten Traditionen des Adelshofes sowie generell zur japanischen gesellschaftlichen Haltung passt. Kein Wunder, dass sie sich verloren fühlt und eine besonders enge Bindung zu ihrer aufopferungsvollen Mutter hat, die das Wohl ihres Kindes über das eigene potentielle (Liebes-)Glück gestellt hatte, als sie sich vor vielen Jahren dazu entschloss, Izzy vor einer Kindheit im goldenen Käfig des japanischen Kaiserhofes zu bewahren. Neben Izzys Mutter gibt es außerdem drei gute Freundinnen, auf die unsere Heldin immer zählen kann, allen voran die quirlig-sympathische Noora.
Der humorvolle und teilweise stark von Jugendslang geprägte Schreibstil eignet sich hervorragend für einen lockeren Teenieroman. Auch bei der Covergestaltung wurde im Hinblick auf das Genre und die zu erwartende Zielgruppe alles richtig gemacht: eine Comiczeichnung in kräftig-knalligen Farben.
Die regelmäßig eingestreuten Artikel eines japanischen Klatschmagazins sorgten für Abwechslung und trieben die Handlung voran, ebenso die zahlreichen Nebenfiguren (wie die auf gruselige Weise unterkühlten Shining-Zwillinge, Izzys Cousin Yoshi oder ihre Zofe).
Was mir nicht so gut gefallen hat:
Der romantische Aspekt fiel in meinen Augen viel zu flach aus. Izzys Leibwächter Akio war solch ein charismatischer, vielversprechender Charakter; hier wäre deutlich mehr Herzklopfen möglich gewesen, wenn man der Story mehr Raum zum Entfalten (und ca. 50-100 zusätzliche Seiten) gegeben hätte.
Der Erzählton war mir oft einen Hauch zu seicht, wodurch viele (als wichtig angelegte) Szenen oberflächlich wirkten und den Roman insgesamt mehr und mehr in die Kategorie 'ganz nett für Zwischendurch' rutschen ließen (im Gegensatz zum Lesehighlight, welches die Geschichte durchaus hätte werden können).
Izumi hat das Herz am rechten Fleck (Stichwort: Krankenhaus-Szene), dennoch störte mich ihr unreifes, kindisches Verhalten oft. Sicher, je tollpatschiger und unbeholfener sie anfangs wirkt, desto größer die Entwicklungsmöglichkeit, das leuchtet mir schon ein, trotzdem … mir war es zu viel des Guten. Es verlieh ihrer Figur etwas Aufgezwungenes, Überzogenes, das eher verkrampft als liebenswert rüberkam - und inhaltlich zudem nicht zur klugen, weltoffenen Erziehung passte, die ihre fortschrittliche Akademiker-Mutter ihr hatte angedeihen lassen.
Fazit: größtenteils zufriedene 3.5 Sterne
Ich fand es unterm Strich ganz okay. So eine tolle Storyidee, solch ein ausgefallenes Setting - da wäre eigentlich mehr drin gewesen. Als unterhaltsame, leichte Romance ideal geeignet für Japan-Fans und jugendliche Leser:innen (Altersempfehlung: 13 Jahre).
Ein weiteres Jahreshighlight!
Catching up with the Carters - In your eyes von Fam Schaper
"Er ist mein Ex-Vielleicht. Mein Ex-Fast. Wir waren nie wirklich. Nur fast. Nur vielleicht. Aber wieso fühlt es sich dann so verdammt furchtbar an, ihn mit ihr zu sehen? Weil fast ein so grausames Wort ist. Es folgt direkt hinter Was wäre, wenn in der Liste der Phrasen, die einen bis in alle Ewigkeit verfolgen.
"
Dieses Buch … just wow.
Was war ich gespannt gewesen auf diesen Trilogie-Auftakt! (…der gleichzeitig auch das erste Werk aus der Feder von Fam Schaper für mich darstellte.) Das Setting reizte mich total, Reality TV ist mein guilty pleasure - und n a t ü r l i c h musste ich aufgrund des Titels und des Themas dieser Buchreihe direkt an eine gewisse berühmte Familie und ihr eigenes TV-Format denken, welches für viele Fans als DAS Reality-Programm schlechthin gilt: "Keeping Up with the Kardashians".
Im Hinblick auf den Schreibstil hatte ich keine Ahnung, was mich erwarten würde, und auch bezüglich der Parallelen zum Kardashian-Universum war ich gänzlich neutral unterwegs, da ironischerweise KUWTK zu den wenigen Shows gehört, die ich zwar vom Namen her kenne, aber nicht selbst verfolge.
Noch während ich die Anfangspassage las, setzte dieses vertraute, wohlige Kribbeln ein, das mich jedes Mal erfasst, wenn ich ein Buchschätzchen in den Händen halte, das mit ziemlicher Sicherheit ein Highlight für mich werden wird. Kennt ihr dieses Gefühl? Es ist diese beglückende Ahnung von 'Ohhhh, das wird richtig, richtig gut', die sich mit jedem weiteren gelesenen Wort nach und nach zur seligen Gewissheit wandelt.
Mein Instinkt hat mich nicht getäuscht; die Story von Aphrodite und Garrett - in ein schickes Cover gehüllt, das mit angenehmen Farben und Glitzerelementen punktet - hat sich ihren Platz in meinem ausschließlich für 5-Sterne-Reads reservierten Regal so was von verdient! Ich liebe es!
Kaum hatte ich die letzte Seite umgeblättert, ratterten die Gedanken in meinem Kopf los: so gut, so gut, so gut …! Gefolgt von: Hilfe, wie soll ich all diese unbedingt erwähnenswerten Punkte in eine einzige Rezension quetschen?!
♥ Tiefgründig ausgearbeitete, facettenreiche Charaktere: Ob Main Protas oder Nebenfiguren (Kat! Henry! Thomas! Lin! Chloe und Esme …), ich hatte sie vor Augen. Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive von Aphrodite und Garett, die ich beide so sehr ins Herz geschlossen habe. Ich glaubte ihnen jedes Gefühl, jeden Gedanken.
♥ Der Schreibstil! Sprecht mir nach: "Sen-sa-tio-nell!" Emotional, lebendig, anschaulich, mitreißend! Realistische Wortwahl in den Dialogen, authentische Darstellung des Alltags an einem TV-Set, clever gesetzte Übergänge, gelungene Wechsel zwischen Gegenwart und Rückblenden, herrlicher Spannungsaufbau - ich war und bin restlos begeistert! Teilweise wurde es schon beinahe poetisch schön:
"Auf einmal kommt es mir so vor, als wäre ich nostalgisch wegen einer Zeit, die es nie gegeben hat. Kann man etwas vermissen, was man nie erlebt hat?"
♥ Das Setting - wer schon immer mal bei einem TV-Dreh Mäuschen spielen wollte, wird hier seine wahre Freude haben. Nach der Lektüre hatte ich das Gefühl, gerade tatsächlich eine ganze Staffel von 'Celebrities in Love' angeschaut zu haben.
♥ Die wichtigen Botschaften, z.B. im Hinblick auf
»»» Selbstachtung, Akzeptanz, Toleranz
(von der Gesellschaft, aber auch innerhalb der Familie):
"»Wir werden vielleicht mit einer Familie geboren. Doch wenn diese uns nicht akzeptieren und lieben kann für die Person, die wir sind, dann verlieren sie das Recht, unsere Familie zu sein. Dann sind sie diejenigen, die unsere Liebe nicht verdient haben und nicht andersherum.«"
»»» Selbstreflexion - im Sinne von 'Was für ein Mensch möchte ich sein? Wie gehe ich mit anderen Menschen um? Welche Werte vertrete ich?':
"Wenn man jeden verletzen muss, der einem wichtig ist, um erfolgreich zu sein, kann man das überhaupt noch Erfolg nennen?"
»»» Kindness. Am meisten berührt hat mich die Message, dass wir niemals vergessen dürfen, dass hinter jeder im Rampenlicht stehenden Figur, ob TV-Legende oder Möchtegern-Star, eine reale Person steckt. Ein echter Mensch mit Familie, mit Freunden, mit Menschen, die ihn/sie lieben. Presse und Hater bzw. Trolle vergessen das. Nein, falsch - sie ignorieren es, ganz bewusst. (Schließlich kennt man die Person ja nicht 'persönlich'. Bei einem guten Freund, einer besten Freundin, lieben Verwandten, kurzum - Leuten, zu denen man eine bedingungslose Loyalität hat, auch wenn sie mal heftig ins Fettnäpfchen treten oder sich einen Fauxpas leisten - sieht das anders aus. Würde man ihnen auch bei jeder Gelegenheit hassvolle Nachrichten hinterlassen, für alle Welt sichtbar? Sie in reißerischen Schlagzeilen bloßstellen? Private Bilder gegen ihren Willen veröffentlichen? Wohl kaum.) Allein im Umfeld von Love Island (UK) gab es in den vergangenen Jahren 3 Selbstmorde, weil die Betroffenen u.a. mit dem auf ihnen lastenden Druck nicht mehr fertiggeworden sind. Deshalb kann man es gar nicht oft genug sagen: Be kind.
Im Showbusiness rangieren Höflichkeit und Respekt ganz weit unten, weit hinter Einschaltquoten, (finanziellem) Erfolg, einem perfekten Image/dem schönen Schein, dem Ego. Wie extrem sich das für jemanden anfühlen muss, der mittendrin steckt, womöglich gar in diesem Umfeld aufgewachsen ist und nie etwas anderes kennengelernt hat, zeigt uns die Autorin hier eindringlich auf. Speziell Aphrodites Perspektive ging mir nahe.
♥ Die Background-Stories zu Kat und Henry haben sich nicht auf die Darstellung ihrer Wesensart ausgewirkt (was in vielen anderen Büchern leider häufig der Fall ist und sich in unerträglich übertriebenem Verhalten und aufgesetzt wirkender Wortwahl äußert), das fand ich ganz wundervoll.
Abschließend noch ein paar Worte zum Erzählton dieses traumhaften Romans: Ja, es kommen ernste Themen vor. Nein, es ist absolut und ausdrücklich KEINE traurige, deprimierende Geschichte, die einen runterzieht, sondern eine fesselnde, in vielerlei Hinsicht inspirierende New-Adult-Romance mit liebenswerten Figuren.
????????????????????: 5 ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Klare Empfehlung für alle NA-Leser:innen sowie für Fans von Reality TV. Ich freue mich schon jetzt riesig auf Band 2, der am 23.08.2022 erscheint und von Aphrodites Bruder Hadrian handeln wird.
Entzückendes Babybuch
Glücksfisch: Meine liebste Mama von
Dieses niedliche Pappbilderbuch ist ein großer Hit bei uns daheim - wann immer unser Spatz es entdeckt, strahlt er vor Begeisterung und streckt seine kleinen Händchen danach aus.
Bereits das Cover lädt mit seiner Drehscheibe am Seitenrand zum aktiven Begutachten ein (Herzchen und Blümchen wechseln ihre Farbe, auf der Rückseite krabbeln Käfer und Würmchen, es fliegen Schmetterlinge …), und es ist offensichtlich, dass sehr viel Liebe fürs Detail in diesem hochwertig verarbeiteten Werk steckt.
Natürlich sind die Tier-Illustrationen der verschiedenen Mama-Kind(er)-Gespanne absolut entzückend (ein Muss bei Bilderbüchern, speziell bei jenen für die Allerkleinsten), aber auch die jeweiligen kurzen Vorlese-Reime lassen mich schmunzeln.
Dank des größeren Formats (ca. 21 x 21 cm) und der dicken Papierstärke können selbst Babys die Seiten problemlos alleine umblättern. Wenn das Buch mal runterfällt, ist das gar nicht tragisch, das robuste Material übersteht locker jeden Sturz (oder Wurf).
Was mir ausgezeichnet gefällt: angenehme Farben (bunt, aber nicht quietschbunt-grell), klare Linien und Konturen, und realistische Darstellungen (nicht zu künstlerisch, aber auch nicht verkitscht, also ohne große, comicartige Kulleraugen etc.).
Die Altersempfehlung des Verlags für "Meine liebste Mama" (Originaltitel "Mummy I love you") lautet 12 Monate, vermutlich aufgrund der Tatsache, dass einige der Mitmach-Elemente wie Klapp- oder Ziehlaschen/Schieber ansonsten von jüngeren Kindern beherzt herausgerupft werden könnten, aber da wir es ohnehin immer gemeinsam lesen und ich notfalls eingreifen könnte, ehe ein Entenflügel oder ein Känguru-Baby einer zu wilden Entdeckungsfreude zum Opfer fällt, hat unser Spatz es schon etwas früher geschenkt bekommen.
Apropos: Nicht nur zu 'typischen' Anlässen (wie zum Muttertag oder zur Geburt eines Babys), auch als liebes Geschenk zwischendurch eignet sich das Werk hervorragend.
????????????????????: 5 ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Ein wunderbares Babybuch über die einzigartige Bindung zwischen Mutter und Kind! Das Highlight sind ausnahmsweise mal nicht die süßen Zeichnungen oder die dezenten Glitzerelemente, sondern die vielen Interaktionsmöglichkeiten, die es während der kuscheligen Vorlesezeit bietet.
Winterliche Feel-Good-Story
Winter im kleinen Cafe in den Highlands von Birgit Loistl
Theoretisch bringt "Winter im kleinen Café in den Highlands" die idealen Voraussetzungen mit, um ein 5-Sterne-Read für mich zu zu werden.
♥ Traumhaft schönes Cover, das mir eine kuschelige Feel-Good-Story verspricht: Check. (In diesem Café möchte man es sich gleich mit einer Tasse heißer Schokolade gemütlich machen.
)
♥ Setting, das ein Wunschreiseziel von mir ist: Check. (Die Highlands! Dank Charlotte McGregor und ihrer Kirkby-Reihe möchte ich unbedingt mal nach Schottland reisen.)
♥ Winter-/Weihnachtszeitraum: Check. (Ich liebe Weihnachtsromane und verschlinge sie das ganze Jahr über, weil ich einfach nie genug davon bekommen kann!)
♥ Fake-Romance-Trope: Check. (Aus vorgetäuscht wird echt - immer wieder aufs Neue unterhaltsam!)
♥ Schauspiel-/Theater-Element: Check. (Dieses Thema reizt mich generell total.)
… dennoch konnte mich dieser romantische Wohlfühlroman trotz tiefgründiger Inhalte, interessanter Figuren und locker-umgangssprachlicher, realistischer Dialoge nicht gaaaanz so begeistern, wie ich es mir gewünscht hatte.
Zum einen zog sich der Einstieg in die Handlung, war für meinen Geschmack zu überladen mit erklärenden Formulierungen. Unabhängig von den zahlreichen Farbbezeichnung innerhalb der ersten zwei, drei Seiten (- pinkfarben, schwarz, zimtbraun, zitronengelb, himbeerfarben, weiß, mintgrün, … gefühlt wurde alles farblich beschrieben: Aussehen der Figuren, Kleidungsstücke, etc. -) waren es vor allem die vielen (etwas holprig eingefügten) Hintergrundinfos, wer in welchem Verhältnis zu wem steht, wer wie heißt und woher kommt, etc., die sich anstrengend lasen und den Beginn nicht nur etwas zäh wirken ließen, sondern mir auch das Gefühl vermittelten, a) enorm viel verpasst zu haben und b) dass ich mir die zig Namen und Zusammenhänge eventuell besser notieren sollte, bis ich die Figuren kennengelernt habe/mir einprägen konnte. Natürlich macht es Sinn, im zweiten Band einer Reihe (insbesondere für Reihen-Neueinsteiger:innen wie mich) nochmal die wichtigsten Eckdaten à la "was bisher geschah" grob zusammenzufassen, sodass jede:r on the same page ist. Allerdings habe ich schon etliche Folgebände gelesen, bei denen derlei Details deutlich geschmeidiger in die 'neue' Handlung eingepflegt worden waren. (Alternativ gab es sogar einen Roman, der auf der ersten Seite eine stichwortartige Zusammenfassung von Band 1 enthielt und sich anschließend ganz auf die neue Story konzentrierte, was ebenfalls absolut in Ordnung war.)
Zum anderen fielen Weihnachtsfeeling und Schottland-Flair recht flach aus, was ich so schade fand, denn beides hätte ein Highlight des Werkes werden können. Vielleicht wäre dies mit der Ergänzung von ein paar zusätzlichen Seiten (- welche der Story auch im Hinblick auf die Annäherung der beiden Hauptfiguren gutgetan hätte -) anders verlaufen.
Die kurvige, warmherzige, im kleinen schottischen Dörfchen Duncan lebende Marcelyn Shark (aka Marcy aka Pinkie Pie) träumt von einer Karriere als Schauspielerin und würde gerne eine entsprechende Schule besuchen. Leider funkt ihr zunächst ausgerechnet das Eintreffen eines TV-Teams dazwischen. Marcy ist die Hilfsbereitschaft in Person, was an sich nichts Schlechtes ist; dabei ignoriert sie jedoch ihre eigenen Wünsche und stellt ihre Bedürfnisse - obwohl sie durchaus exakte Vorstellungen hat - ständig zurück. Was niemand ahnt: Sie wird von schweren Schuldgefühlen geplagt.
Der geschiedene, zu Unrecht als arrogant geltende "War of Kingdoms"-Serienstar Henry Lucas (Game of Thrones-Vibes!) fühlt sich längst unwohl mit der ihm zugeschriebenen Rolle, und muss eine Schmutzkampagne seiner (bildschönen, aber berechnenden) Ex Olivia abwehren, die sich von den vernichtenden Schlagzeilen über ihn einen eigenen Karriereschub erhofft. Livs und Henrys kleiner Sohn Theo wird dabei zum Spielball zwischen den Eltern.
Beide Hauptfiguren sind angenehme Charaktere und verfügen über die berühmten 'Ecken und Kanten'. Manchmal erschienen mir die Dialoge strukturell leicht zusammengestückelt und wiederholend (ER sagt X, Sie denkt Y. ER sagt dies, Sie denkt jenes. …), aber abgesehen davon gefielen mir die Gespräche zwischen Henry (der mir insgesamt am sympathischsten war) und Marcy sehr.
Abschließend noch ein kleiner Hinweis an alle Naschkatzen: Im Anhang erwartet euch ein süßes Schmankerl (ein Rezept für Cronuts).
????????????????????: 4 ✰ ✰ ✰ ✰
Kaum Weihnachten, wenig Schottland, aber trotzdem ein netter Liebesroman. Nach dem etwas zähen Start wird es richtig schön, daher vergebe ich solide 3 ½ bis 4 Sterne.
Wundervoller Reihenabschluss!
The Feeling Of Forever von Yvy Kazi
Hat Yvy Kazi aka die unumstrittene New-Adult-Queen es mit ihrem aktuellen Werk, dem 3. Band ihrer St.-Clair-Campus-Reihe, mal wieder geschafft, mich zu begeistern? Um es in den Worten meiner zweiten Lieblingsautorin - Jane Austen - zu sagen: "Yes. A thousand times yes". Die eigentliche Preisfrage müsste allerdings lauten: Bin ich mental schon bereit, all die lieb gewonnenen Figuren für immer zu verlassen (schließlich handelt es sich bei "The Feeling of Forever" um den Abschlussband der Trilogie)? Absolutely not.
Falls Penny in "The Dream of Us" noch für viele Leser:innen eine polarisierende Figur - oder wie ihre beste Freundin July es ausdrücken würde "ein zielloser, zickiger Zombie" - war, wird die leider in toxischen Familienverhältnissen aufgewachsene junge Frau spätestens jetzt alle Skeptiker für sich einnehmen. Sie ist intelligent, aufrichtig, herzensgut, loyal, humorvoll, talentiert… und dennoch voller Selbstzweifel. Lob, liebevolles Verhalten und Verständnis sind nämlich Fremdworte in der Casa Perez, dort hat man lediglich zu 'funktionieren'. Mit tough love hat dieser von Oberflächlichkeiten geprägte Erziehungsstil nichts zu tun, emotionale Erpressung und Unterdrückung treffen es schon eher.
"[… was soll ich denn tun? Weitere Jahre die Kleider tragen, die ihnen gefallen? Männer daten, die sie aussuchen? Auf Partys gehen, die sie organisieren? Bin ich ihnen das schuldig? Muss ich mein Leben ihren Wünschen unterordnen […]? Ist es das, was sie als Gegenleistung für ihre Liebe erwarten?"
Wie gerne hätte ich Penelopes Eltern mal gehörig die Meinung gegeigt! Obwohl sie sich abrackert ohne Ende, in einem Studienfach Erfolg hat, das sie in Wirklichkeit nicht die Bohne interessiert, und ihnen gegenüber jedes Wort auf die Goldwaage legt, geben sie ihr das Gefühl, eine wandelnde Enttäuschung zu sein. My humble opinion: Eltern, denen das Familienimage in der Öffentlichkeit und die Meinung anderer Leute wichtiger sind als das Lebensglück des eigenen Kindes (Westwell-Vibes! - Die LYX-Fans unter euch wissen, was ich meine.), verdienen es nicht, sich überhaupt so nennen zu dürfen, sondern sollten lieber auf die Bezeichnung 'Erzeuger:in' und/oder 'Versorger:in' zurückgreifen, denn sie erfüllen gerade mal die Mindestvoraussetzung, dickes Bankkonto hin oder her. Das Wichtigste für ein Kind ist Liebe, Punkt. … wie der männliche Hauptprotagonist (Cameron) hier eindeutig beweist.
Pennys Eltern geben nichts, verlangen im Gegenzug aber viel von ihr: Die Anforderungen, die sie an ihre Tochter stellen - ihr einziges Kind, wie sie immer bedeutungsschwer betonen -, sind unrealistisch hoch. Von Penny wird Perfektion erwartet, eine Perez macht keine Fehler.
"Klug und hübsch. Strebsam und belesen. Weltoffen und technisch interessiert. Ich kann nicht all das sein, was meine Eltern sich gewünscht haben. Ich bin nur eine Person. Und das ist nicht genug. Ich bin nicht genug."
Dies ist jedoch keine 08/15-Geschichte vom 'armen reichen Mädchen', das ein paar Alltagsprobleme hat. Vielmehr brilliert die Autorin wie gewohnt darin, lebensnahe Themen auf unheimlich packende, tiefgründige Weise aufzugreifen und so gekonnt zu einer stimmungsvollen Handlung zu verflechten, dass man am Ende der Lektüre davon überzeugt ist, die Charaktere persönlich zu kennen und sie nur ungern ziehen lässt.
So sehr ich mich gefreut habe, den aus ärmlicheren Verhältnissen stammenden "Muffin Man" Cameron (aufopferungsvoller Vater, aufmerksamer Zuhörer, eher Realist statt Tagträumer) und seine kleine Tochter Lucy kennenzulernen - die mich mit ihrer Storch-Erklärung über 'petzende Vögel' herrlich zum Lachen gebracht hat, so wundervoll war auch das Wiedersehen mit July, Drew, Haley, Mateo, Bo und Joshua.
Yvy Kazi ist eine meisterhafte Erzählerin - niemand zeichnet so glaubwürdige Figuren wie sie, mit jedem Buch von ihr wird mein Herz weiter, mein Leben bereicherter, meine Inspiration, die ich aus ihren Geschichten und ihrer Schreibkunst ziehe, größer. Noch ehe der erste Satz gelesen war, hatte sie mich schon wieder vollkommen gecatched, nämlich mit ihrer besonderen Widmung, die so berührend und vollkommen passend war für die Story über "ein Einzelkind […], dass nie eins hätte sein sollen".
Es gibt so viele Passagen voller bedeutsamer, wunderschön formulierter Aussagen - Worte, die schlicht daherkommen und uns dennoch verzaubern, z.B.:
"Sollte Liebe nicht bedingungslos sein?" - (Amen to that!)
oder
"»Jemandem etwas zu verdanken ist nicht dasselbe, wie ihm etwas zu schulden.«"
(So wahr.)
Ich hasse es, das zugeben zu müssen - da ich sowohl Autorin als auch Verlag mit meinem Flehen um ein, zwei zusätzliche Bände in Ohren liege und eine Fortsetzung so feiern würde -, aber es ist ein runder, würdiger Abschluss meiner Herzensreihe.
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Kurz und knackig: Ich lieb's.
Gefühlvoller NA-Roman
Lost-Moments-Reihe, Band 1 - The Moment I Lost You von Rebekka Weiler
Normalerweise mache ich reflexartig einen großen Bogen um Bücher, deren Klappentext eine Andeutung (bzw. einen klaren Hinweis) enthält, dass in der betreffenden Geschichte die Themen Trauer(-bewältigung) und Verlust eine Rolle spielen. Damit meine ich keinesfalls, dass diese Themen es nicht wert wären, dass man über die schreibt; im Gegenteil.
Nur ich persönlich lese solche Stories einfach nicht gerne, völlig unabhängig vom Genre - wie gesagt, normalerweise. Hier habe ich jedoch eine Ausnahme gemacht, da ich aus Neugier in die Leseprobe hineingeschnuppert hatte und diese mich aufgrund des ansprechenden, nicht over-the-top-auf-die-Tränendrüse-drückenden Schreibstils so positiv überrascht hat, dass ich unbedingt weiterlesen wollte.
Erzählt wird zu 99% aus Mias Perspektive, ganz am Ende der Handlung erhalten wir jedoch auch einen Einblick in Nathans Gedanken (jeweils in der Ich-Form). Diese Struktur erinnerte mich an Tami Fischers NA-Roman "Burning Bridges", den ich sehr geliebt habe, und passt auch hier perfekt zur Geschichte. Ich fand es großartig, dass ich beim Lesen quasi gemeinsam mit Mia nach und nach den wahren Nathan kennenlernen durfte und erst mit ihr zusammen erfuhr, wie sich Brants Tod tatsächlich ereignet hat. (Diesbezüglich hätte ich mir übrigens einen anderen, kreativeren Hintergrund gewünscht.) Dadurch, dass man ihr (durch das anfängliche Ausbleiben von Nathans Sichtweise) wissenstechnisch nicht voraus ist, wird man viel intensiver an ihre Figur und allgemein an die Story gebunden, erlebt Mias Gefühlschaos, ihre Neugier, ihre Unsicherheit darüber, was und wem sie glauben soll, in allen Einzelheiten. Überhaupt ist ihr Innenleben schlüssig ausgearbeitet worden - glaubwürdig, kitschfrei, absolut nachvollziehbar.
Ich spürte Mias tiefe Trauer um Brant, ihre Abneigung gegenüber Nathan, ihre Fassungslosigkeit und hilflose Wut darüber, dass er frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden ist, ihre innere Zerrissenheit zwischen gänzlich unerwarteten Gefühlen und den Schuldgefühlen, die diese auslösen, ihren Frust über die allgemeine Erwartungshaltung ihres Umfelds, wie und was sie fühlen sollte …
Die Authentizität setzt sich fort in der Dynamik zwischen Mia und ihrem Bruder, zwischen ihr und ihren Freunden, ihr und ihrer Chefin. Besonders erfrischend fand ich die Tatsache, dass die Autorin letztlich auf gewisse Entwicklungen nach Schema F verzichtet hat (Stichwort: bester Freund).
Neben der emotionalen, sich langsam entfaltenden Romanze zwischen Mia und Nathan werden zahlreiche ernste Themen angesprochen - Trauer, Panikattacken, psychologische Betreuung, Familienzerwürfnisse, Neuanfänge, Schuld, Vergebung, aber auch Hoffnung sowie der Mut, den es braucht, eine nicht populäre Meinung zu vertreten und konsequent dafür einzustehen. Mias Stärke und Selbstreflexion waren beeindruckend. Was Nathan betrifft: Ich mochte ihn, ABER … Unabhängig davon, dass wir ihn hauptsächlich aus Mias Sicht erleben, blieb mir seine Figur insgesamt zu passiv. Er ist als tiefgründig und mysteriös angelegt worden, wirkte jedoch trotz all der ihn umgebenden Tragik etwas blass und nicht wie eine Hauptfigur, sondern eher wie ein Nebencharakter. Zudem wurde sein Suizidversuch in meinen Augen zu oberflächlich abgehandelt.
Der Roman regt definitiv zum Nachdenken an. Mehrfach fragte ich mich, wie ich selbst wohl an Mias Stelle empfinden und handeln würde. Bis auf die Tatsache, dass mir ihr Umschwenken einen Hauch zu früh kam (was der Handlung im Mittelteil etwas an Spannung rausnahm, da Reibungspunkte wegfielen bzw. zu früh abgeschwächt wurden), ging ich meist d'accord mit ihr.
Der angenehm einfühlsame Schreibstil war ein Genuss. Mein Herz brach mehrfach - für Brants Eltern, Mia, aber auch und vor allem für Nathan. Apropos Herz: Ich spürte in jeder Zeile, wie viel Herzblut die Autorin in dieses Buch gesteckt hat.
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Ein ruhiger New-Adult-Roman mit tragischen Elementen, der in Sachen Tiefgründigkeit noch etwas Luft nach oben hat. Der Auftakt der Lost-Moments-Reihe besticht durch glaubwürdige Dialoge, die gelungene Balance zwischen ernsten Themen und Romantik sowie einen gefühlvollen Schreibstil. Von mir gibt es eine solide Empfehlung für alle NA-Fans.
Anders als erwartet...
Die Liebenden von Bloomsbury – Virginia und die neue Zeit von Stefanie H. Martin
Seit ich das erste Mal ihren experimentellen Roman "Mrs Dalloway" gelesen habe, bewundere ich die feministische Autorin Virginia Woolf; ihr für die damalige Zeit revolutionärer Schreibstil ist einzigartig, und ob man sich nun für die von häufigen Perspektivwechseln geprägte Komposition begeistern kann oder nicht, der Roman ist und bleibt ein Klassiker der Weltliteratur.
Im Rahmen meines Studiums bin ich immer mal wieder über Details aus Virginias Woolfs Lebenslauf gestolpert, wusste daher bereits von dem ihr widerfahrenen familiären Missbrauch sowie ihrer Bipolaren Störung, die sich in manischen Episoden und Depressionen bemerkbar machte, von ihrer Ehe mit Leonard Woolf und ihrem Freitod. Viele dieser Themen begegnen uns auch im vorliegenden Roman bzw. werfen ihre Schatten voraus.
Vom Auftakt der Bloomsbury-Saga, einer historischen Trilogie aus der Feder von Stefanie H. Martin, hatte ich mir eine fesselnde, emotionale Romanbiografie über das Leben und Schaffen von Woolf, gebürtige Stephen, erhofft, die mir die große Erzählerin auf menschlicher Ebene näherbringen würde - ein liebevoll gezeichnetes Porträt. Leider ließ mich das in ein wunderschönes, passend zum Genre gestaltetes Cover gehüllte Werk diesbezüglich jedoch enttäuscht zurück.
Mindestens die Hälfte der Story handelt nicht von Virginia, sondern von ihrer für die Malerei schwärmenden Schwester Vanessa – deren Eheschließung, bzw. deren Eheproblemen mit Clive, deren Mutterschaft, deren Kunst etc.
Erzählt wird aus mehreren Perspektiven. Wir lesen von der Gründung der Bloomsbury Group, einem Grüppchen junger Intellektueller, deren Zusammenschluss von Virginias und Vanessas Bruder Thoby (der bald an Typhus verstirbt) initiiert wird. Die beiden fortschrittlich denkenden, freiheitsliebenden Schwestern trotzen den gesellschaftlichen Konventionen; normalerweise war es keinesfalls üblich, als Frau (obendrein als unverheiratete), an solchen von 'undamenhafter' Wortwahl und 'unweiblichen' Themen geprägten Diskussionen teilzunehmen, wie sie in der ungewöhnlichen Wohngemeinschaft gang und gäbe sind. So gehört beispielsweise die homophobe Bezeichnung A****f***er "[…] in ihrem Kreis zum guten Ton".
Obgleich sie einander lieben, herrscht zwischen Virginia und Vanessa in gewisser Hinsicht eine unschöne, von Missgunst geprägte Rivalität. Überhaupt ist die Dynamik in der Familie recht komplex. Leider wirkte Virginia - ihr Verhalten, ihre Gedanken - in diesem Roman, der doch eigentlich hauptsächlich von ihr handeln sollte, recht unsympathisch auf mich.
"Vanessa presste die Lippen zusammen und blickte zur Seite. Dann hob sie das Kinn und sah Virginia wieder an. »Für dich gibt es nur Schwarz und Weiß. Tinte und Papier. Ich aber bin Malerin, und ich werde alle Farben nutzen. In der Kunst die im Leben.«"
Mit Vanessa konnte ich mich noch eher anfreunden, auch wenn ich bis zum Schluss zu keiner der Figuren, die durchaus authentisch wirken und über Ecken und Kanten verfügen, eine Bindung aufbauen konnte.
Der Fokus lag für mich zu sehr auf dem Privatleben der Stephen'schen Familie, Virginias literarisches Schaffen wurde in meinen Augen zu nebensächlich behandelt. Erzähltechnisch überwiegt trotz umgangssprachlicher Dialoge ein nüchterner, emotional entrückter Ton; der gesamte Roman hatte irgendwie eine schwermütige, deprimierende Aura - was sicherlich zum melodramatischen Verhalten Virginias passt, aber nicht meine Art von bevorzugter Lektüre ist. Tiefgründig darf (und soll) es gerne sein, langatmig-zäh aufgrund unsympathischer Figuren und unterschwellig düsterer Grundstimmung (wie es hier in einigen Passagen der Fall war) bitte nicht. Für etwas Abwechslung sorgen allerdings diverse eingeflochtene Briefe.
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Es wird deutlich, dass dem Werk eine gründliche Recherche zugrunde liegt, insbesondere die damals vorherrschende, noch von veralteten Moralvorstellungen geprägte Gesellschaftsordnung ist glaubwürdig dargestellt worden; doch insgesamt war das Buch nicht so mitreißend wie erhofft und inhaltlich anders als erwartet: Ich war davon ausgegangen, dass jeder Band der Reihe von einer anderen Bloomsbury-Dame handeln würde, beginnend mit Virginias Geschichte in Band 1, welche sich jedoch stattdessen über die gesamte Trilogie zu erstrecken scheint. Von mir gibt es eine bedingte Leseempfehlung für eingefleischte Woolf-Fans.











