Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Marie aus E.:
Für mich nicht nachvollziehbar, wie die Charaktere handeln
Dschungel von Friedemann Karig
Ich habe mich auf Anhieb in das Cover verliebt und der Klappentext hat mich auch angesprochen, ein Reiseroman, der in Kambodscha spielt, ein Abenteuer voller Fern- und Heimweh, ja, das klang gut.
Nur leider konnte ich dann mit dem Buch so gar nichts anfangen. Der namenlose Ich-Erzähler sucht seinen besten Freund, der in Kambodscha verschwunden ist.
Schon nach wenigen Kapiteln war mir der Freund Felix extrem unsympathisch. Nun muss man die Charaktere eines Buches nicht lieben, aber ich konnte die Freundschaft der beiden ungleichen Jungs (und späteren Männer) so gar nicht nachvollziehen. Aber auch den Ich-Erzähler in seiner Unterwerfung fand ich fürchterlich.
Alle Figuren blieben für mich blass und ihr Handeln unglaubwürdig.
Die Reise durch Kambodscha hat kritisch mit den Backpacker-Reisen abgerechnet ("es ist doch Wahnsinn, dass es ausgerechnet die weitgereisten Menschen sind, die nicht merken, wie sehr ihr Lebensstil dem Planeten schadet, die Flüge, die Devisen, die sie in arme Länder bringen, die ihretwegen erschlossen und versaut werden"), den Vergleich "Bulimie des Reisens, die uns Orte, Menschen, Eindrücke, Sonnenuntergänge fressen lässt, ohne sie zu verdauen" fand ich sehr treffend. Das waren die für mich starken Seiten des Buches. Von Kambodscha an sich erfährt man hingegen kaum etwas.
Und die Auflösung? Tja, auch diese hat mir nicht gefallen.
Auch wenn Geschlechterzuweisungen nicht gut sind, vielleicht ist dieses Buch einfach kein Frauen-Buch? Diese spezielle Männerfreundschaft ist aus meiner weiblichen Perspektive einfach nicht nachvollziehbar. Aber man muss ja nicht jedes Buch lieben.
Für tierliebe Abenteuerkinder
Die wilde Baumhausschule: Raubtierzähmen für Anfänger von Allert Judith
Greta ist neu in dem kleine Dörfchen und ausgerechnet an ihrem ersten Schultag fällt die Schule zusammen. Was nun?
Greta hat eine hervorragende Idee. Schließlich lebt sie mit ihren Eltern seit Kurzem in einem bislang von der Öffentlichkeit verborgenem Zoo, dort könnten sie doch alle zusammen Unterricht haben.
Doch kaum dort angekommen häufen sich merkwürdige Ereignisse. Werden sie das Rätsel lösen?
Für alle tierlieben Kinder ist das ein wunderbares Kinderbuch. Es gibt ganz viele Tiere, auch solche, die man nicht unbedingt schon kennt. Sofort in unser Herz geschlossen haben wir das stets müde Wasserschweinchen Wusel, von Greta auch liebevoll moppeliges Schnarchmonster genannt. Aber wenn es darauf ankommt, ist Wusel hellwach und absolut hilfsbereit.
Und natürlich kommt es darauf an, es ist schließlich eine Abenteuergeschichte.
Das Buch wird ab acht Jahren empfohlen. Das passt gut, kurze Kapitel und wunderschöne schwarz-weiß Illus machen das Lesen zum Vergnügen. Zum Vorlesen geht das Buch schon deutlich früher, allerdings geht es schon auch um Schulalltag, insofern ist es für Kindergartenkinder vielleicht noch nicht so alltagsnah.
Ein empfehlenswertes Kinderbuch, das auch optisch überzeugt und für Jungs und Mädchen gleichermaßen ansprechend und spannend ist.
Rafik Schami goes Krimi
Die geheime Mission des Kardinals von Rafik Schami
Ich bin großer Fan von Rafik Schamis Erzählweise.
Sein neuer Roman ist anhand eines Kriminalfalls aufgebaut, ist aber kein echter Krimi, reine Krimilesende könnten also enttäuscht werden, falls das das Hauptlesemotiv sein sollte.
Kommissar Barudi steht kurz vor dem Renteneintritt und hat noch einen letzten, sehr verzwickten Fall zu lösen.
Zur Seite steht im ein Kollege aus Italien und sein bewährtes Ermittlerteam.
Durch den Einblick in Barudis Alltags- und Berufsleben kann man Syrien vor dem Krieg kennenlernen, den Glauben und den Aberglauben, die kulinarische Köstlichkeiten, Beziehungsgeflechte, die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, die Stellung der Frau in der Gesellschaft, die stets allgegenwärtigen Gefälligkeiten und auch Islamisten und Geheimdienst spielen eine Rolle.
Mit der gewohnten Erzählkunst, kritisch und doch mit einem Augenwinkern ("hier gehörten anscheinend sogar die Vögel der Upperclass an"), allerdings manchmal für meinen Geschmack auch etwas zäh und zu detailverliebt.
Das Ermittlerduo ist sehr sympathisch und wenn man von gelegentlichen Längen absieht, ein aufschlussreiches und etwas anderes Schami-Werk mit vielen weisen Sätzen.
"Fanatiker kennen keinen Zweifel, deshalb sollte man Kindern in der Schule von der ersten Klasse an die Philosophie des Zweifelns beibringen".
Nicht uninteressant, braucht aber etwas Anlaufzeit
Harte Landung von Simon Tanner
Rein optisch hat mir das Buch schon mal sehr gut gefallen, das Titelmotiv des Schutzumschlags ist auch vereinfacht auf dem Buch selbst - das ist ungewöhnlich und macht mit der Farbwahl wirklich etwas her.
Die Story spielt in zwei Zeitebenen, die eigentliche Handlung spielt in der Vergangenheit und mittels Tagebucheinträgen aus der Gegenwart switcht man hin und her.
Ein ungewöhnlicher Perspektivenwechsel, meist wird es ja umgekehrt verwendet, das hat mir gut gefallen.
Allerdings hat für mich die Handlung deutlich zu lange gebraucht, bis sie an Fahrt aufgenommen hat, die ersten zwei Drittel des Buches empfand ich als sehr langatmig und ich habe auch recht lange gebraucht, bis ich im Buch angekommen bin.
Im letzten Drittel hat es dann deutlich an Dynamik gewonnen, ab dann habe ich gerne weitergelesen. Allerdings bin ich mit den Charakteren nicht wirklich warm geworden.
Mein Fazit: Die Handlung war nicht uninteressant, den Vergleich mit Grisham (wie auf dem Buchrücken) hätte ich jetzt aber nicht gezogen.





