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Rezensionen von Christina P.:

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Von der (In)-Stabilität digitaler Systeme

Systemfehler von Wolf Harlander

In mehreren europäischen Ländern kommt es zu digitalen Aussetzern, welche sich kontinuierlich steigern. Zunächst beginnt es mit kleinen Ausfällen in der Stromversorgung, dem folgen schon bald Internet und Mobilfunk. Die Steuerung des Verkehrswesens sowie weite Bereiche der Infrastruktur brechen zusammen, Verletzte und Todesopfer sind die Folge.

Natürlich läuft dadurch auch die Versorgung mit Wasser, Energie und Lebensmitteln nicht mehr reibungslos. Zunächst hat Teenager Ben noch Sorge, er sei für den ganzen Schlamassel verantwortlich, da er heimlich ein Online-Videospiel gespielt hat, welches genau solche Szenarien beinhaltet. Durch seine Fehler gerät zunächst sein Vater als IT-Experte ins Visier des BND, an dessen Schuld der zuständige Ermittler jedoch schnell zweifelt. Dann überschlagen sich die Ereignisse und das Chaos in Europa bricht aus.
Sowohl Idee als auch Umsetzung des Romans empfand ich als sehr gelungen. Hauptsächlich geht es um den IT-Experten Daniel Faber, der auf eigene Faust versucht, die Drahtzieher der Cyberangriffe ausfindig zu machen, um seine Unschuld zu beweisen. Ihm gegenüber steht Nelson Carius, der als neuer Mitarbeiter des BND auf die zunächst noch harmlos wirkenden digitalen Ausfälle angesetzt wird. Entsprechend wechseln die Perspektiven, zu denen noch weitere anderer Charaktere hinzukommen, wodurch die Handlung sehr abwechslungsreich ist. Auch ist das Szenario selbst, wie nach und nach immer mehr digitale Systeme ausfallen mitsamt den Auswirkungen auf mehreren Ebenen, realistisch und verständlich aufgebaut. Kritik muss ich hierbei leider anbringen: Einigen Charakteren hat der Autor ein unnötig naives Handeln angedichtet wie z. B., dass eine intelligente Frau bei Stromaussetzern dennoch in einen Aufzug steigt - der natürlich prompt ausfällt, oder dass eine andere Frau sich beim Ausfall des Internet als erstes Sorgen macht, nicht mehr die Supermarktangebote online durchstöbern zu können. Ebenso fielen mir zu früh manche männliche Personen zu aggressiv aus. Ohne so manches Klischee-Verhalten wär der Roman perfekt gewesen. Davon abgesehen bietet der Roman eine angenehme Spannung, die Jagd nach den Drahtziehern des Cyberwar gestaltet sich immer umfangreicher und endet in einem kleinen Showdown, nicht ohne auf dem Weg dahin einigen Menschen das Leben zu kosten.
Ein spannendes „was wäre, wenn“-Szenario, welches verdeutlicht, wie abhängig bereits viele Systeme von einer funktionierenden digitalen Infrastruktur sind und wie instabil dieses System in Wirklichkeit ist.

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Von der (In)-Stabilität digitaler Systeme
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Amazonen und der Trojanische Krieg

Die Götter müssen sterben von Nora Bendzko

Die Amazonen, Töchter des Kriegsgottes Ares, werden von Göttin Artemis in den Krieg gegen Troja geführt, auf dass sie sich beim Niedergang Trojas an ihren Feinden rächen können. Von Artemis für dieses Vorhaben mit besonderen Fähigkeiten gesegnet wird ausgerechnet die Nicht-Amazone Areto, welche sich den Kämpferinnen nach einem Überfall auf den Palast des Theseus anschloss.

Ein faszinierendes Epos der Dark Fantasy, welches die Amazonen frei von maskulinen Vorurteilen zeichnet. Weder sind sie männerhassende Emanzen noch Bikiniathletinnen mit niedrigem IQ, wie in manch anderen Werken dargestellt. Sie sind ein Volk des Kampfes, welches sich ebenso Sklaven und Huren hält wie die Griechen, wenn auch mit deutlich mehr Toleranz. Eine freie Wahl des Geschlechts sowie der sexuellen Neigungen ist hier normal, mit expliziten Szenen muss ebenso gerechnet werden wie mit Kampfhandlungen.
Sehr gefielen mir die umfangreichen Darstellungen der unterschiedlichen Charaktere, von denen viele in der bekannten Sagen- und Götterwelt wiederzufinden sind. Die Stärke des Romans ist jedoch zugleich auch dessen Schwäche: Die Autorin hat sich die Mühe gemacht, viele Charaktere äusserst komplex zu gestalten, zeigt Träume und Erinnerungen an frühere Szenen, wechselt zu vielen Nebenschauplätzen. Dadurch bekommt man ein umfangreiches Gefühl für die Personen und warum sie wie handeln und entscheiden, gleichzeitig fühlte ich mich jedoch beim Lesen durch noch einen und noch einen Einschub vor lauter Input manchmal wie erschlagen. Ebenso geht die Haupthandlung dadurch nur äusserst langsam voran. Erfrischend waren die Götter und Halbgötter, die wiederholt in die Handlung eingriffen, wobei deren Kämpfer manchmal vor brutaler und sexueller Gewalt ebenso wenig zurückschreckten wie die Soldaten Griechenlands, diese gefühlt sogar noch überboten.
Ein durchaus beeindruckender und bildgewaltiger, stellenweise recht brutaler Roman, dem anzumerken ist, wieviel Arbeit darin steckt. Besonders lobenswert ist die Darstellung der Amazonen, endlich nicht durch Ängste und Sexualfantasien männlicher Erzähler verklärt. Die Erzählung gestaltet sich als äusserst komplex und vielschichtig, was die Haupthandlung ein wenig ausbremst, dafür wiederum ein komplettes Eintauchen in eine götterdurchzogene Zeit rund um den Trojanischen Krieg bietet. (4,5/5 Sternen)

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Amazonen und der Trojanische Krieg
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Aufregend, spannend und voller Überraschungen

Flüsterwald - Durch das Portal der Zeit von Andreas Suchanek

Sehnsüchtigst erwartet und sofort im Abenteuer versunken: In Band 3 der Flüsterwald-Reihe reisen die Kinder Lukas und Ella gemeinsam mit Elfe Felicitas, Beschützerkatze Punchy und Menok Rani in die Vergangenheit der Stadt Winterstein zu einer früheren Ausgabe von Ellas Großvater, Professor Archibald von Thun.

Nur durch dessen Blut können sie den Entdecker des Flüsterpulvers in der Gegenwart aus dem Baumgefängnis befreien. Natürlich läuft von vorn bis hinten alles anders als geplant. Diesmal ist es aber nicht Felicitas‘ Schuld - Ehrenwort!
Auch der dritte Band steckt voller Abenteuer, spannender und lustiger Szenen und jeder Menge Überraschungen. Neben neuen magischen Details und Wesen darf diesmal auch der Dunkle Magier ein wenig mitmischen und lädt zum Spekulieren ein, wer wohl hinter dem gefährlichen Feind des Flüsterwaldes stecken könnte. Auch erfährt man ein Geheimnis um Felicitas, welches sie selbst noch nicht wusste. Und Rani darf wieder ein wenig ganz aus seiner Perspektive erzählen, in der er natürlich der absolute Oberheld ist. Schmunzler sind da garantiert.
Ein gelungener dritter Band eines fantastischen Abenteuers, wieder mit vielen liebevollen Details, Überraschungen, Action und Humor. Die Illustrationen zu Beginn eines jeden Kapitels machen das Buch auch optisch wieder zu einem Highlight. Absolute Leseempfehlung, kann ich euch flüstern.

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Fängt stark an, lässt stark nach

Der dunkle Schwarm von Marie Graßhoff

Programmiererin Atlas alias Oracle verdient sich im Jahr 2100 illegal ein wenig Geld durch den Diebstahl und Verkauf von Erinnerungen dazu, bevorzugt Industriespionage. Eine Besonderheit ihres Mindchip-Implantats macht es möglich, dass sie mehr Zugriffsmöglichkeiten in den Hives, so eine Art Gedanken-Gruppenchats, hat als normalerweise üblich.

An ihrer Seite arbeitet Julien, ein ehemaliger Kampfandroide und für Atlas Beschützer und Familie in einem. Ihr neuester Auftrag stellt jedoch alle bisherigen Aufträge in den Schatten: Noah bittet sie, den Mord an seiner Schwester aufzuklären, welche bei einem Anschlag auf einen gesamten Hive getötet wurde. Zufall? Ökoterrorismus? Oder steckt einer der Großkonzerne dahinter?
Was zunächst wie ein Kriminalfalll in einer dystopischen Zukunft wirkt, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem gesellschaftskritischen Science-Fiction-Thriller. Der Erdball ist ausgebeutet und mit 11 Milliarden Menschen restlos überbevölkert, die Schere zwischen arm und reich klafft weit auseinander. Echte Lebensmittel und schulische Bildung sind den Reichen vorbehalten, während in den unteren Bereichen der Megacities im ewigen Schatten die Armen ums Überleben kämpfen. Eine Vereinigung names „The Cell“ macht im Kampf für die Umwelt seit langem radikal Stimmung gegen die Konzerne. Zudem lassen sich einige interessante Zukunftstechnologien im Roman entdecken.
Atlas mogelt sich in dieser Welt durch - woher sie ihre aussergewöhnlichen Fähigkeiten hat, weiß sie nicht. Als Charakter ist sie eine durchaus interessante Figur: Tough, intelligent, aber leider auch recht distanziert und einsam. Zwar entwickelt sie sich im Laufe des Romans weiter, allerdings wird dies enttäuschenderweise nur erwähnt, statt diese Charakterentwicklungen richtig miterleben zu können. Ebenso missfiel mir, dass sie mit der Zeit „from zero to hero“-Eigenschaften entwickelte, ihre Fähigkeiten auf unerklärliche Weise passend zur Handlung immer umfangreicher wurden, bis es ab einem gewissen Punkt auf mich nur noch unglaubwürdig wirkte. Neben der angedeuteten Gesellschaftskritik vermisste ich eine ethische Auseinandersetzung mit den Androiden, die mal dem Menschen gleichgestellt wirkten, dann aber plötzlich nur wie „Dinge“ behandelt wurden. Das blieb im Roman leider genauso undeutlich wie das Setting selbst, welches ich mir anhand einiger eingeworfener Details doch größtenteils selbst zurechtfantasieren musste. Hintergründe zur Entwicklung der ADICs (wofür steht diese Abkürzung?), der implantierten Hive-Chips, finden sich leider auch nicht im Buch. Der Spannungsbogen, welcher zunächst vielversprechend aussah, nahm zum Ende hin leider auch rapide ab, da es statt überraschender Twists nur noch eine vorhersehbare, gradlinige Handlung ohne viel Tiefgang gab.
Auch wenn die Idee faszinierend ist, hat mich doch der diesmal recht detailarme Stil nicht überzeugen können. Zuviel blieb oberflächlich oder wurde nicht ausreichend erläutert, manches driftete zum Ende hin in den Superlativ ab, blieb oberflächlich und vorhersehbar. Gelungene SF war das leider nicht, sorry.

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Aussergewöhnliches Eiszeit-Abenteuer mit wunderschönen Illustrationen

Die Legende von Frostherz 1. Die Reise beginnt von Jamie Littler

In einem Land nach unserer Zeit: Die Welt ist bedeckt von ewigem Eis und Schnee, selbst im Sommer. Unter der Schneedecke verborgen liegen nicht nur die Erfindungen früherer Völker, sondern auch gefährliche Monster, Leviathane, welche Jagd auf Mensch und Tier machen. In einem kleinen Dorf hoch im Norden wohnt der kleine Junge Ash.

Als herauskommt, dass er die verbotene Magie des Klangwebens beherrscht, wird er zusammen mit Jäger Tobu verbannt, einem Yeti, der den kleinen Ash um alles in der Welt beschützen will. Zusammen mit der Crew des Eisschiffs Frostherz erleben sie fortan gefährliche Abenteuer.
Inhaltlich sowie optisch ein absolutes Lese-Highlight! Neben einer umfangreichen Karte der Welt beinhaltet das Buch unzählige Illustrationen rund um die Abenteuer von Ash, Tobu und der Crew der Frostherz. Neben Menschen und Yetis gibt es noch Charaktere, die an Walrosse und Polarfüchse erinnern. Durch seine besondere Magie sind Ash gegenüber einige Leute feindlich gesinnt, während er in der aufgeweckten und mutigen Lunah eine neue beste Freundin findet. Und auch mit dem wortkargen Yeti Tobu muss Ash sich erstmal zusammenraufen, die beiden sind doch sehr verschieden. Hervorragend ist der Zusammenhalt der Schiffscrew dargestellt, selbst in gefährlichsten Situationen halten alle zusammen und sind füreinander da. Zudem sind die beiden Kinder Ash und Lunah so gestaltet, dass die jungen Leser sich problemlos mit ihnen identifizieren können.
Eine aussergewöhnliche, frostige Welt mit magischen Elementen und faszinierenden Charakteren, die gemeinsam höchst spannende Abenteuer erleben.

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Ermittler wird Opfer eines perfiden Spiels

Die Verlorenen von Simon Beckett

Mit „Die Verlorenen“ bietet Simon Beckett einen neuen Ermittler: Jonah Colley, Mitglied einer Spezialeinheit der Londoner Polizei. Eben noch hat Jonah sich einen gemütlichen Abend mit seinen Kollegen gegönnt, als ihn sein ehemals bester Freund nach zehn Jahren überraschend anruft und ihn um ein nächtliches Treffen bittet.

Dort angekommen, findet Noah seinen Freund jedoch nur noch tot vor, neben ihm drei weitere Mordopfer. Bevor er Verstärkung rufen kann, wird er selbst aufs Übelste angegriffen, überlebt nur schwerverletzt. Nach seinem Erwachen gehen die Probleme jedoch erst richtig los, als er erfährt, dass ein gewisser Owen Stokes ins Visier der Ermittler geraten ist - ebendieser wurde vor zehn Jahren verdächtigt, Jonahs Sohn entführt zu haben, der nie gefunden wurde. Obwohl die Beweise damals gegen Owen Stokes sprachen, kochen die Erinnerungen in Jonah erneut hoch. Regelrecht auf Stokes fixiert ermittelt Jonah von nun an auf eigene Faust - bis plötzlich die Indizien gegen ihn selbst sprechen.
Tatsächlich entwickelt sich der Roman nach und nach in ein perfides Katz- und Maus-Spiel, welches sowohl für Jonah wie auch für den Leser undurchsichtig bleibt und zuletzt für eine unvorhersehbare Überraschung sorgt. Jonahs Selbstvorwürfe der Mitschuld am Verschwinden seines Sohnes spielen eine nicht unwichtige Rolle, sorgen jedoch leider dafür, dass er während seiner Ermittlungen einen Anfängerfehler macht, der mich beim Lesen arg störte: Statt Indizien zu sammeln und daraus Schlüsse zu ziehen, hat Jonah den Schuldigen für sich bereits längst gekennzeichnet und interpretiert sämtliche Geschehnisse so, dass sie seinen Verdacht bestätigen. Wobei der reguläre Ermittler in dem Fall auch gerne hier und da voreilige Schlüsse zieht.
Der Fall selbst ist wohldurchdacht und komplex gestaltet, so dass der Roman bis zum Schluss spannend bleibt. Schade ist, dass Jonah Colley sowie der offizielle Ermittler nicht miteinander, sondern gegeneinander arbeiten und beide zu vorschnellen Schlüssen neigen. Dennoch ein gelungener Start in eine neue Ermittler-Reihe.

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Eiskalte Leichen und Zimtgebäck

Eis. Kalt. Tot. von Anne Nordby

Bei -15°C wird in Kopenhagen eine kopflose Leiche aus dem Wasser gefischt. Weitere bizarr arrangierte Opfer folgen. Eine große Herausforderung für die Kollegen von der Mordkommission, ein gefundenes Fressen für die Presse. Dank der Hilfe der Super-Recognizerin Marit Rauch Iversen ergibt sich schon bald eine erste Spur.

Ein hervorragender Nordic-Noir-Thriller. Nicht nur die Temperaturen laden beim Lesen zum Frösteln ein, sondern auch die Art und Weise, wie die Opfer der Mordserie arrangiert werden. Getragen wird der Roman primär von drei Hauptcharakteren, wobei auch die Täterseite ein paar Seiten abbekommt. Kommissarin Kirsten Vinther als Leiterin der Ermittlergruppe ist intelligent und zielstrebig, steht allerdings auch ziemlich unter Druck, Erfolge zu liefern. Jesper Bæk als Neuling in Kopenhagen muss sich zunächst noch etwas einleben und obwohl er einiges auf dem Kasten hat, stört sich Kirsten Vinther daran, ihn nicht komplett durchschauen zu können, was zu einigem Misstrauen zwischen den beiden führt. Meine Favoritin Super-Recognizerin Marit Rauch Iversen bringt nicht nur dank ihrer aussergewöhnlichen Fähigkeiten viel Spannung in den Roman. Neben ihrer direkten Art sind es vor allem ihre Hintergründe sowie ihre frühere Kindheit in Grönland, welche den Thriller abwechslungsreich gestalten und gewissermaßen zielführend in dem Fall sind.
Die Atmosphäre sämtlicher Szenen wurde mithilfe der passenden Details von der Autorin gut dargestellt, selbst das typische Zimtgebäck bei den Teambesprechungen durfte da nicht fehlen. Die Charaktere sind vielschichtig gestaltet, der Kriminalfall höchst komplex und bis zum Schluss undurchsichtig. Ein Thriller, der eiskalte Spannung bis zur letzten Seite bietet!

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Eiskalte Leichen und Zimtgebäck
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Kriminalroman, der eine gelungene literarische Zeitreise in die Weimarer Republik bietet

Zum Sterben zu viel von Lotte Kinskofer

Wer zu diesem Roman greift, begibt sich auf eine gelungene Zeitreise rund 100 Jahre zurück nach München und Umgebung. Anschaulich beschreibt die Autorin das damalige 1922, eine Zeit, in welcher das gestern verdiente Geld heute bereits viel weniger Wert ist, wo die Menschen in den Städten finanziell ums Überleben kämpfen und lange für Lebensmittel anstehen.

Als in einem Münchener Vorort ein Dichter erstochen aufgefunden wird, muss die Polizei schnell einen Täter liefern, um das Volk zu beruhigen. Obwohl keine Beweise gegen ihn vorliegen, wird ein Schreiner unschuldig für die Tat inhaftiert - was das für seine Frau und den Handwerksbetrieb bedeutet, interessiert die Polizei nicht. Selbst, als ein weiterer Mord nach demselben Muster geschieht, bleibt die Polizei stur, wenn auch Oberkommissar Benedikt Wurzer seine Zweifel an der Inhaftierung des Schreiners hegt. Ebenso versucht Agnes, die Frau des Handwerkers, um die Freiheit ihres Mannes sowie um ihre Zukunft zu kämpfen.
Sehr schön zeichnet die Autorin die damaligen Gegebenheiten auf, die Probleme und Missstände, mit welchen das Volk zu kämpfen hatte. Mit Agnes wird insbesondere die Rolle der Frau etwas eingehender beleuchtet, was mir sehr gefiel, da viele Romane sich primär auf die Männer dieser Zeit konzentrieren. Vor allem die Angst vor übergriffigen Männern, welche nach damaligem Rechtssystem anschließend weiterhin gut dagestanden hätten, wird hier einfühlsam thematisiert. Kritisch wird ebenfalls die Einstellung einiger Ermittler beleuchtet, für die systembedingt einzig die Quote zählt - ob der richtige Täter inhaftiert wurde, ist so manchen Polizisten egal. Der Kriminalfall selbst fügt sich gekonnt in das gezeichnete Gesellschaftsbild der damaligen Zeit ein, die Anzahl der beteiligten Personen bleibt angenehm überschaubar. Der Schreibstil ist abwechslungsreich und die Charaktere werden emotional sehr gut dargestellt.
Ein überzeugender und unterhaltsamer Kriminalroman, der sehr gut Einblicke ins damalige Leben sowie die Probleme der Bevölkerung, insbesondere der Frauen, bietet.

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Escape-Room-Kartenspiel, welches intakt bleibt zum Mehrfachspielen

Klüpfel Kobr: Kluftinger in Gefahr! von Jens Schumacher; Michael Kobr; Volker Klüpfel

Bei diesem Krimi-Spiel erhält man von Kommissar Kluftinger den Auftrag, einen Maulwurf bei der Polizei ausfindig zu machen. Hierfür hat man die Gelegenheit, sich eine Stunde lang unerkannt durchs Polizeipräsidium zu schleichen, in Computern zu stöbern und diverse Räume zu inspizieren. Wobei die Stunde als fiktive Zeit gezählt wird, während man sich in Wirklichkeit nicht zeitlich durch das Spiel hetzen muss, sondern auch mal länger an Rätseln knobeln oder Pausen einlegen kann.

Aufgebaut ist das Spiel in Form von durchnummerierten Karten, von denen immer bestimmte Karten offenliegen, je nach Spielstatus. Zum Vorankommen können auf den Karten abgebildete Gegenstände miteinander kombiniert werden, ebenso müssen Rätsel gelöst und Räume aufgesucht werden. Es gibt ein Codebuch, welches den Spieler bei richtig gewählten Kombinationen voranbringt. Manchmal muss man ein wenig rumprobieren oder auf gewisse Details achten, zu ausgiebige Stöberei kann unnötige Spielzeit kosten.
Die Spielregeln sind unkompliziert und schnell zu verstehen. Durch das Aufdecken und Ablegen der Karten bleiben die Karten intakt, es muss nichts am Spiel selbst zerstört oder beschriftet werden, so dass das Spiel mehrfach gespielt werden kann. Einige Rätsel sind etwas kniffliger gestaltet als andere, hier habe ich ein Lösungsbuch vermisst, welches dem Spieler verrät, wie ein ungelöstes Rätsel hätte gelöst werden können. Ansonsten ist das Spiel recht unterhaltsam und optisch ansprechend gestaltet, einige Rätsel sind etwas tricky. Ein großer Pluspunkt ist definitiv, dass das Spiel mehrfach gespielt werden kann und man weder Stift noch Stoppuhr benötigt. Ein Lösungsbuch zum Erklären unbekannter Rätsel wäre dennoch sinnvoll gewesen, insbesondere für Rätselneulinge, weswegen ich einen Stern in der Bewertung abziehe.

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Spannendes Abenteuer für Tierliebhaber

Evie und die Macht der Tiere von Matt Haig

In diesem Buch erfüllt Matt Haig der Protagonistin Evie den Traum vieler Kinder: Evie kann mit Tieren denk-sprechen. Auch wenn es bereits eine Fülle ähnlicher Bücher gibt, ist dieses doch etwas ganz Besonderes. So erfährt man z. B., warum es wahnsinnig gefährlich werden kann, wenn jemand anders davon erfährt.

Warum man aufpassen sollte, wenn man sich mit Schnecken unterhält. Und warum Evies Gabe bei Plato, der Bartagame von Granny Flora, nicht funktioniert.

„Manche Menschen sprechen mit Tieren. Aber es gibt nicht viele, die ihnen auch zuhören.“ (Zitat S. 7, A. A. Milne)

Überhaupt ist Evie ein sehr aufgewecktes und cleveres Mädchen. Sie interessiert sich stark für Tiere und die Natur, entsprechend erfährt man als Leser so manch spannende Details aus der Tierwelt. Dass die beste Freundin sich immer mehr für Schmink-Tutorials und Youtube-Likes interessiert und sich irgendwann von Evie abwendet, ist ebenfalls ein Thema, welches Matt Haig einfühlsam eingebaut hat. Wer nicht der breiten Masse angehört, hat es manchmal nicht leicht, wie Evie erfahren muss.
Tatsächlich ruht sich der Autor nicht darauf aus, Evie mit den Tieren sprechen zu lassen, sondern lässt sie in ein lebensgefährliches Abenteuer stolpern, welches sie dank Freundschaft und Hilfsbereitschaft mutig meistert. Wunderschön sind hierzu auch die vielen Illustrationen im Buch, von denen mich besonders die Vermisstenplakate begeistert haben.
Ein spannendes und aussergewöhnliches Abenteuer rund um die Themen Freundschaft und Liebe zur Natur, das ein paar interessante Details rund um die Tierwelt bietet und mit wunderschönen Illustrationen versehen ist.

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Spannendes Abenteuer für Tierliebhaber