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Rezensionen von dorli:
Die Arznei der Könige
Die Arznei der Könige von Sabine Weiß
In ihrem historischen Roman „Die Arznei der Könige“ entführt Sabine Weiß den Leser in das 14. Jahrhundert und erzählt die Geschichte der Heilerin Jakoba Félicie de Almania. Die Autorin hat die wenigen historischen Fakten, die über Jakobas Leben bekannt sind, mit einer spannenden fiktiven Geschichte verknüpft und lässt diesen Roman damit zu einer interessanten, kurzweiligen Zeitreise werden.
Nachdem Jakoba durch ein tragisches Unglück ihren Mann und ihren Sohn verloren hat, hat sie im Kloster Ebbekestorpe ein neues Zuhause gefunden und sich ganz und gar der Heilkunst verschrieben. Doch ihr Leben wird ein weiteres Mal aus der Bahn geworfen – ihr Bruder Anno lässt sie aus dem Kloster entführen und bestimmt, dass sie den gewalttätigen Patrizier Gevehard Reppenstede heiraten muss. Als Jakoba einen von dessen brutalen Übergriffen abwehrt und Gevehard dabei schwer stürzt, flüchtet sie und schließt sich kurze Zeit später dem fahrenden Theriak-Krämer Meister Arnold und dessen Frau Mona an. Mit ihnen reist Jakoba nach Venedig, wo sie lernt, wie Theriak hergestellt wird. Schließlich landet sie in Paris und macht sich als Heilerin einen Namen…
Sabine Weiß hat einen flüssig zu lesenden Schreibstil, der den Leser schnell in das Geschehen hineinzieht. Die Autorin erzählt sehr anschaulich und wartet mit einer Fülle von Details auf, so dass man sich die Schauplätze und die vorherrschenden Gegebenheiten bestens vorstellen kann. Vieles, was die Menschen damals bewegt und beschäftig hat, findet man in der Handlung wieder. Neben wahren Begebenheiten, Alltagsleben, Gepflogenheiten und Mode stehen natürlich die Herstellung von Heiltränken und die Behandlungsmethoden der damaligen Zeit im Mittelpunkt des Geschehens.
Sehr gut gefallen hat mir die Darstellung der Akteure. Sowohl Haupt- wie auch Nebenfiguren bekommen schnell ein Gesicht, alle werden lebendig und ausdrucksvoll präsentiert und wirken in ihrem Tun überzeugend.
Sabine Weiß hat keinen leichten Weg für ihre Protagonistin vorgesehen. Hunger, Erschöpfung, Intrigen, Überfälle – Jakoba hat immer wieder mit herben Niederlagen zu kämpfen. Man hofft und bangt stets mit ihr, dass all die Turbulenzen und Strapazen irgendwann ein Ende haben werden und der Tag kommt, an dem sie einfach nur das machen kann, wovon sie immer geträumt hat: als Heilerin arbeiten.
Überraschungen und Wendungen sorgen im Verlauf der Handlung dafür, dass die Geschichte immer wieder neuen Schwung bekommt und die Sogwirkung bis zur letzten Seite nicht abreißt.
„Die Arznei der Könige“ hat mir sehr gut gefallen. Die mitreißend erzählte Mischung aus Historie, Spannung und Abenteuer hat mir nicht nur kurzweilige Lesestunden beschert, sondern mir auch interessante Einblicke in die frühe Medizingeschichte ermöglicht.
Bräute auf Abwegen
Bräute auf Abwegen von Karen Witemeyer; Regina Jennings; Mary Connealy
„Bräute auf Abwegen“ ist ein Sammelband mit drei Liebesgeschichten aus den Federn von Karen Witemeyer, Regina Jennings und Mary Connealy. Die Geschichten spielen im ausgehenden 19. Jahrhundert und kommen jeweils mit einer guten Portion Wildwest-Romantik daher.
Jede der drei Autorinnen hat einen frischen, lebendigen Schreibstil und wartet mit amüsanten Szenen, humorvollen Dialogen und frechem Geplänkel zwischen den Hauptfiguren auf.
Die jeweiligen Protagonisten haben mit Verwicklungen, Missverständnissen und Herz-Schmerz zu kämpfen und müssen zudem so manch brenzlige Situation meistern.
In „Das Ehemann-Manöver“ versucht Marietta Hawkins ihren Schwarm Daniel Barrett - ehemaliger Kopfgeldjäger und jetzt Vorarbeiter auf der Ranch ihres Vaters - mit raffinierten Taktiken für sich zu gewinnen. Doch Daniel hat seinem Boss das Versprechen geben müssen, Marietta keine Avancen zu machen und blockt daher entgegen seinen Empfindungen jeden Annäherungsversuch der Farmerstochter ab… Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Das Hin und Her zwischen den beiden ist sehr unterhaltsam und hat mich immer wieder schmunzeln lassen.
„Der Bräutigam, der sich nicht traut“ konnte mich dagegen nicht so richtig überzeugen, weil mir die Handlung und auch das Verhalten der Akteure viel zu konstruiert waren - nicht nur, dass Katie Ellens Eltern gerade verreist sind, als heftige Regenfälle den Flusspegel derart ansteigen lassen, dass die Brücke und damit der einzige Zugang zur Farm weggespült wird und sie mit dem Nachbarsohn Josiah abgeschnitten vom Rest der Welt ausharren muss, plötzlich steht auch noch ein zwielichtiger Fremder vor der Tür, dem Josiah kurzerhand erzählt, dass er und Katie verheiratet wären…
„Eine Braut auf der Flucht“ hat mir von den drei Geschichten am besten gefallen, weil sie am spannendsten erzählt wird - Carrie Halsey soll in eine von ihrem Vater arrangierte Ehe mit dem brutalen Damian Kearse gezwungen werden. Um dem zu entgehen, flüchtet sie gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder aus ihrem Elternhaus. Hilfe bekommen die beiden dabei von dem charmanten Texas Ranger John Conroy…
Insgesamt hat mir „Bräute auf Abwegen“ gut gefallen - drei schwungvoll erzählte Kurzgeschichten voller Humor und Romantik. Gute Unterhaltung für alle, die romantische Abenteuer mit Wildwest-Atmosphäre mögen.
Das Spiel der Königsmacher
Das Spiel der Königsmacher von Lo Cascio Priska
In ihrem Roman „Das Spiel der Königsmacher“ nimmt Priska Lo Cascio den Leser mit auf eine kurzweilige Zeitreise in das 10. Jahrhundert und wartet mit einer gut ausbalancierten Mischung aus Historie, Spannung und Romantik auf. Die Autorin hat die historischen Ereignisse zwischen August 911 und dem Jahr 916 mit einer mitreißenden fiktiven Geschichte verknüpft und ein vielschichtiges und vor allen Dingen sehr glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit gezeichnet.
Priska Lo Cascio erzählt sehr unterhaltsam. Jede Szene wirkt lebendig und ist fesselnd, so dass ich ruckzuck mittendrin war in einer Welt aus Lug und Trug, Machtgier, Intrigen und Verrat, aber auch aus Liebe und Leidenschaft. Dank der farbenfrohen Beschreibungen und detailreichen Schilderungen konnte ich mir die Schauplätze und die vorherrschenden Gegebenheiten bestens vorstellen. Man erlebt im Verlauf der Handlung viele aufregende und einschneidende Momente intensiv mit und kann sich daher bestens in die Zeit und die Lage der Menschen einfühlen.
Die Figuren bekommen allesamt schnell ein Gesicht, sie wirken echt, sind ausdrucksstark und haben Persönlichkeit, sie zeigen Emotionen und handeln entsprechend ihren Eigenheiten. Historische und fiktive Figuren werden geschickt miteinander kombiniert, das Zusammenspiel aller Akteure ist ausgeklügelt und funktioniert bestens.
Im Mittelpunkt dieser Geschichte stehen der 26-jährige Liuthar - Krieger und Gefolgsmann des sächsischen Herzogssohn Heinrich - und die 21-jährige Fränkin Sarhild von Babenberch, die im Zuge einer Fehde um die Macht im Frankenland ihren Vater, ihren Rang und ihre Heimat verloren hat. Die beiden Protagonisten begegnen sich kurz in Frankfurt und lernen sich dann später besser kennen, als Sarhild zu ihrem Oheim Otto nach Sachsen flüchtet, um einer arrangierten Ehe mit dem barbarischen Manhard von Baiern zu entkommen.
Liuthar und Sarhild geraten hinein in das Gerangel um die Vorherrschaft im Ostfränkischen Reich und müssen während der Machtkämpfe und Ränkespiele der einflussreichen Landesfürsten und hochrangigen Kirchenvertreter viele Höhen und Tiefen durchleben. Es war äußerst spannend für mich, ihre Wege zu verfolgen und es hat Spaß gemacht, das Miteinander und Gegeneinander aller zu beobachten. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Autorin die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und Sarhild und Liuthar abwechselnd zu Wort kommen lässt. So bekommt man einen guten Einblick in die Ansichten, Beweggründe und Gefühle beider Akteure.
Dass Priska Lo Cascio ein gutes Händchen für Figuren hat, zeigt sich auch bei den zahlreichen Nebendarstellern. Dazu gehören zum Beispiel Heinrichs quirliger Sohn Thankmar, der mich mit seinen herrlich altklugen Äußerungen begeistert hat. Und der Mönch Frodebert, der nicht nur den Schalk im Nacken hat, sondern zudem einen überaus wichtigen Part in dem Intrigenspiel einnimmt. Oder auch die durchsetzungskräftige Herzogsmutter Kunigunde, die weiß, welche Fäden sie ziehen muss, um die Dinge in die von ihr gewünschte Richtung zu lenken. Jeder Einzelne von ihnen spielt die ihm zugedachte Rolle ausgezeichnet und bereichert die Handlung außerordentlich.
„Das Spiel der Königsmacher“ hat mich rundum begeistert – eine sehr gelungene Verknüpfung von historischen Fakten, Spannung und Unterhaltung, die mit viel Pep und Schwung erzählt wird und mir nicht nur kurzweilige Lesestunden beschert, sondern mich auch lebensnah an einem Stückchen mitteleuropäischer Geschichte teilhaben lassen hat. Absolute Leseempfehlung!
Grado im Nebel
Grado im Nebel von Andrea Nagele
Grado. Der kleine Ort an der Nordküste der Adria wird erneut von einem Mord erschüttert. Die Spurenlage dieses neuen Falls ähnelt einer Mordserie, die als abgeschlossen galt, da der geistig behinderte Toto Merluzzi alle Taten gestanden hatte. Obwohl Toto spurlos aus der psychiatrischen Klinik, in der er auf seine Verhandlung warten sollte, verschwunden ist, werden Zweifel an seiner Täterschaft laut und Commissaria Maddalena Degrassi und ihr Team ermitteln entgegen der Anweisung von Commandante Scaramuzza auch in andere Richtungen…
„Grado im Nebel“ ist der dritte Fall für Maddalena Degrassi und eine unmittelbare Fortsetzung der Ereignisse aus dem zweiten Teil der Reihe.
Auch wenn Vorkenntnisse aus „Grado im Dunkeln“ für das Verständnis dieses Krimis nicht unbedingt vonnöten sind, halte ich es für ratsam, die Fälle in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da das Wissen über die vorherigen Ereignisse den Lesegenuss dieser spannend erzählten Geschichte noch erhöht.
Andrea Nagele hat einen flüssig zu lesenden, sehr mitreißenden Schreibstil - schnell ist man mittendrin im Geschehen und erlebt nicht nur die Ermittlungen, sondern auch die persönlichen Probleme sowie das Miteinander und Gegeneinander der Akteure hautnah mit.
Die Autorin stellt ihre Figuren interessant und vielschichtig dar. Es gelingt ihr ganz hervorragend, dem Leser die Gedanken und Gefühle ihrer Akteure zu vermitteln. Indem sie den Krimi nicht nur aus Sicht der Ermittler erzählt, sondern die Handlung aus vielen unterschiedlichen Perspektiven präsentiert, bekommt man einen guten Einblick in die Ansichten und Beweggründe aller Mitwirkenden.
Der Kriminalfall ist durchweg fesselnd. Unvorhergesehene Ereignisse - wie Maddalenas schwerer Unfall mit ihrer Moto Guzzi oder der fast mit einer Katastrophe endende Alleingang ihres Kollegen Arturo Fanetti - lassen die Handlung immer dramatischer werden und halten die Spannung auf einem hohen Level.
„Grado im Nebel“ hat mir sehr gut gefallen – ein abwechslungsreicher, gut durchdachter Krimi, der von der ersten bis zur letzten Seite kurzweilige, spannende Unterhaltung bietet.





