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Rezensionen von dorli:
Die Maske der Gewalt
Die Maske der Gewalt von Jennifer B. Wind
Jennifer B. Wind beginnt den ersten Band ihrer neuen Thrillerserie mit einem Prolog, der traurig und wütend macht – ein schwer verletzter Junge muss mitansehen, wie seine Mutter von einem Freier getötet wird.
Zeitsprung. Nach den schrecklichen Erlebnissen ist Richard als Pflegekind in einer Zirkusfamilie aufgewachsen und hat seine Bestimmung gefunden.
Als geheimnisvoller Mister Domino begeistert er auch heute noch ab und an die Fans; um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet Richard allerdings als Abteilungsinspektor beim LKA Wien.
Richard ist wieder einmal in München und hilft im Zirkus seiner Ziehschwester Sarah aus, als ihn ein Anruf nach Wien zurückbeordert – ein neuer Mordfall erfordert dringend seine Anwesenheit. Gerichtspsychiaterin Theres Lend hat aus der Zeitung von dem Mordfall erfahren und glaubt zu wissen, wer der Mörder ist. Diese Vermutung will sie Richard mitteilen, doch der hat plötzlich ganz andere Sorgen: Während seiner Ermittlungen in Wien hat er ein Video erhalten, dass seine gefesselte, verletzte Schwester zeigt – Sarah wurde entführt! Richard alarmiert einen Kollegen in München und eilt dann aus Sorge um Sarah und ihre Familie zurück nach Deutschland…
Jennifer B. Wind versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser ruckzuck in den Bann ihres Thrillers zu ziehen. Neben dem fesselnden Schreibstil hat mir der vielschichtige Handlungsaufbau besonders gut gefallen. Mehrere Handlungsstränge, unterschiedliche Schauplätze und häufige Perspektivewechsel sorgen für ein lebhaftes und abwechslungsreiches Geschehen. Zusätzlich zur Ermittlungsarbeit gibt es mehrere Intermezzi, in denen der Täter zu Wort kommt und auch die entführte Sarah berichtet in einigen Abschnitten, was sie erdulden muss. Außerdem werden die persönlichen Hintergründe der Akteure beleuchtet und es gibt ein paar Rückblenden, die dem Leser Einblick in Richards Vergangenheit gewähren.
Die Kriminalfälle sind sehr spannend. Themen wie Computerspielsucht, häusliche Gewalt und Drogenmissbrauch spielen darin eine Rolle. Die Morde in Wien und Sarahs Entführung in München werfen im Handlungsverlauf immer neue Fragen auf, die nicht nur reichlich Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln über Motive, mögliche Zusammenhänge und die Identität der Täter bieten, sondern zudem dafür sorgen, dass die Sogwirkung der Geschichte bis zur letzten Seite nicht abreißt.
Obwohl die aktuellen Fälle am Ende des Buches gelöst sind, gibt es einige Hinweise, die die Spekulation anheizen, dass es im Hintergrund doch noch ein paar lose Fäden gibt. Außerdem hat Richard sein Ziel, den Mörder seiner Mutter zu finden, noch nicht erreicht. Zwei Aspekte, die mich mit Spannung die weiteren Bände der Richard-Schwarz-Serie erwarten lassen.
„Die Maske der Gewalt“ hat mir sehr gut gefallen - ein Thriller, der mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß.
Zwei Handvoll Leben
Die Maske der Gewalt von Jennifer B. Wind
In ihrem Roman „Zwei Handvoll Leben“ erzählt Katharina Fuchs aus den Leben ihrer Großmütter Anna Tannenberg und Charlotte Feltin, beide geboren im Oktober 1899. Anna und Charlotte wachsen in ganz unterschiedlichen Verhältnissen auf - Anna mit fünf Geschwistern in einem ärmlichen Haushalt inmitten des Spreewalds; Charlotte als einziges Kind eines Gutbesitzers auf einem Gut in der Nähe von Chemnitz.
Schon nach wenigen Seiten zeigt sich, dass Katharina Fuchs nicht nur intensiv in ihrer Familiengeschichte recherchiert hat, sondern auch in der Lage ist, ihr gesammeltes Wissen mitreißend an den Leser weiterzugeben. Die Autorin schildert die Erlebnisse ihrer beiden Protagonistinnen so echt und wie aus dem Leben gegriffen, dass ich beim Lesen oft die Stimmen meiner eigenen Großmütter im Ohr hatte, die damals zwar andere, aber doch irgendwie ähnliche Dinge erlebt haben.
Im stetigen Wechsel begleitet man Anna und Charlotte zu den wichtigen Stationen in ihrem Leben und erfährt in den zahlreichen Episoden, wie sie ihren Alltag meistern. Anna, die zunächst eine Schneiderlehre macht und dann in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten das große Glück hat, eine Stelle als Verkäuferin im Berliner Kaufhaus KaDeWe zu ergattern; und Charlotte, die sich darauf vorbereitet, einmal das väterliche Gut zu übernehmen und in die Leipziger Gesellschaft eingeführt wird. Unzählige Details sorgen nicht nur für Authentizität, sondern vor allen Dingen für eine lebhafte Handlung und lassen damit ein sehr vielschichtiges Bild der damaligen Zeit vor den Augen des Lesers entstehen.
Im Verlauf der Handlung erfährt man, wie die beiden Frauen Weltkriege, Wirtschaftskrise und Inflation überstanden haben. Was sie erreicht haben. Welche Fehler sie gemacht haben. Welches Leid sie erdulden mussten. Wie sie mit Veränderungen umgegangen und an Herausforderungen gewachsen sind. Und wie sie ihre große Liebe verloren und dennoch ihr persönliches Glück gefunden haben.
Anna und Charlotte begegnen sich am Ende des Buches im Nachkriegs-Berlin anlässlich der Hochzeit ihrer Kinder zum ersten Mal – zwei ungleiche Frauen, die so viel Unterschiedliches erlebt haben und doch durch ein ähnliches Schicksal miteinander verbunden sind.
„Zwei Handvoll Leben“ hat mich durchweg begeistert. Es war interessant und mitreißend, Anna und Charlotte kennenzulernen, sie auf ihren Wegen durch eine ereignisreiche, aufwühlende Zeit zu begleiten und Kummer und Furcht, aber auch Glück und Freude mit ihnen zu teilen.
Area 3
Die Maske der Gewalt von Jennifer B. Wind
In seinem Jugendthriller „Area 3“ entführt Thomas Franke den Leser ungefähr 30 Jahre in die Zukunft. Die Welt, wie wir sie heute kennen, hat sich im technischen Bereich auf eine realistische Weise kontinuierlich weiterentwickelt. Mitte des 21. Jahrhunderts ist jeder mit jedem vernetzt, digitale Assistenten regeln persönliche Belange und den Haushalt, der Straßenverkehr wurde automatisiert.
Berlin. Der 16-jährige Tad ist begeisterter VR-Gamer. Ausgerüstet mit einem Cyberhelm und einem Anzug, der virtuelle Welten auch fühlbar macht, ist er mit seinen Freunden Thor, JB und der geheimnisvollen Ms Violet in dem Onlinegame „Area 3“ unterwegs. Eines Tages führt eine Aufgabe im Spiel Tad durch ein Tor in eine Welt, die nicht nur um ein Vielfaches realer wirkt, als alle virtuellen Welten, die Tad bisher kennengelernt hat, sondern die auch auf eine erschreckende Art und Weise mit der realen Welt verknüpft zu sein scheint. Gleichzeitig kommt es auch in Tads realem Leben zu merkwürdigen Ereignissen – Menschen sind plötzlich nicht mehr erreichbar und die intelligente Haustechnik spielt verrückt. Tad und seine Freunde wollen herausfinden, was hinter allem steckt und bekommen es dabei mit einem mächtigen Gegner zu tun…
Thomas Franke hat einen flüssig zu lesenden Schreibstil und versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser in den Bann seiner Geschichte zu ziehen. Schon nach wenigen Seiten war ich mittendrin in einer Welt, in der intelligente Software in vielen Bereichen des Lebens die Regie übernommen hat und habe gespannt das Geschehen verfolgt und mit den Akteuren mitgefiebert.
Besonders gut gefallen hat mir, dass Tad und seine Freunde nicht nur actionreiche Abenteuer und rasante Verfolgungsjagden erleben und dabei mit den Gefahren und Problemen, die mit der Digitalisierung des Alltags einhergehen, konfrontiert werden, sondern dass sie darüber hinaus im Verlauf der Handlung auch interessante Gespräche über Unrecht, Schuld und Gerechtigkeit führen und erkennen, wie wichtig es ist, Menschlichkeit und Nächstenliebe nicht aus den Augen zu verlieren.
Auch der Humor kommt in diesem Buch nicht zu kurz. Besonders amüsiert habe ich mich über Tinkerbell. Tinkerbell ist Tads Assistenzsoftware, die als kleines Elfen-Hologramm aufpoppt und ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Sie hat einen etwas eigenwilligen Charakter und sorgt mit frechen Sprüchen und ihrer manchmal etwas schnippischen Art für gute Unterhaltung.
Unvorhersehbare Ereignisse und Wendungen sorgen zudem dafür, dass die Spannung in diesem so realitätsnahen Zukunftsszenario auf einem hohen Niveau bleibt und die Sogwirkung bis zur letzten Seite nicht abreißt.
„Area 3“ hat mir sehr gut gefallen. Ein großartiges Leseerlebnis – spannend, unterhaltsam und mit einem Thema, über das man aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung unseres Alltags unbedingt nachdenken sollte.
Die Zarin und der Philosoph
Die Zarin und der Philosoph von Jennifer B. Wind
In ihrem historischen Roman „Die Zarin und der Philosoph“ nimmt Martina Sahler den Leser mit auf eine spannende Reise in das 18. Jahrhundert nach St. Petersburg und erzählt aus dem Leben von Katharina der Großen.
Für diesen zweiten Teil ihrer St. Petersburg-Reihe - der auch ohne Kenntnis des ersten Bandes bestens verständlich ist - hat Martina Sahler die historischen Ereignisse zwischen 1762 und dem Jahr 1775 mit einer spannenden fiktiven Geschichte verknüpft und ein vielschichtiges und glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit gezeichnet.
Die ausführlichen Beschreibungen der Schauplätze und die detaillierten Schilderungen der Ereignisse haben mich eine Welt aus Lug und Trug, Intrigen und Verrat aber auch aus Liebe und Leidenschaft miterleben lassen.
Katharina II. ist eine intelligente, temperamentvolle Frau, die sich nach einem Staatsstreich im Juli 1762 zur Zarin ausrufen lässt. Sie will ihrem Land eine neue Struktur geben und das Reich nach Westen öffnen. Ihr fortschrittliches Denken setzt sie allerdings nicht in allen Bereichen konsequent um, die Leibeigenschaft bleibt Bestandteil der gesellschaftlichen Ordnung. Widerstand und Rebellion lassen nicht lange auf sich warten…
Der Philosoph Stephan Mervier reist gemeinsam mit seiner Frau Johanna im Auftrag Friedrich des Großen nach St. Petersburg. Er soll Katharinas Vertrauen gewinnen und dem preußischen König über ihre Pläne und Vorhaben berichten. In St. Petersburg lernt Stephan den Journalisten Lorenz Hermann kennen und lässt sich von dessen Absicht, für die Freiheit und Selbstbestimmung aller Menschen zu kämpfen, mitreißen…
Martina Sahler hat einen angenehm flott zu lesenden Schreibstil und erzählt sehr anschaulich von Katharinas Art zu leben und zu herrschen. Das St. Petersburg des 18. Jahrhunderts wird facettenreich und farbenprächtig dargestellt - alles, was die Menschen damals beschäftigt und bewegt hat, findet man in der Handlung wieder. Alltag, Politik und gesellschaftliche Gepflogenheiten fließen genauso in die Handlung ein, wie die Privilegien des Adels und das Elend der Armen.
„Die Zarin und der Philosoph“ hat mir sehr gut gefallen - eine spannende, mit vielen historischen Fakten verwobene Geschichte. Es war interessant, das vielfältige Miteinander und Gegeneinander der Akteure zu beobachten und damit einen Einblick in die Historie Russlands zu bekommen.
Die Alpen sehen und sterben
Die Alpen sehen und sterben von Isabella Archan
Maria „Mitzi“ Schlager macht ein paar Tage Urlaub in Kufstein. Während eines nächtlichen Spaziergangs wird sie Zeugin eines Mordes – ein Mann wird über ein Brückengeländer in den Inn geworfen. Der Täter bemerkt Mitzi und verschwindet. Doch schon am nächsten Tag begegnen die beiden sich wieder…
„Die Alpen sehen und sterben“ ist ein Kriminalroman der besonderen Art, denn der Mörder wird dem Leser bereits auf den ersten Seiten vorgestellt.
Über Täter und Motiv miträtseln und mitgrübeln - ein Detail, das mir bei Krimis eigentlich sehr wichtig ist - fällt hier also weg. Dennoch hat mich MörderMitzis erster Fall durchweg gefesselt. Grund dafür war zum einen die ungewöhnliche Hauptfigur und zum anderen das eigentümliche Zusammenspiel der Akteure.
Mitzi ist seit einem tragischen Ereignis in ihrer Kindheit traumatisiert und wirkt auf den ersten Blick naiv und verträumt. Wenn sie etwas erzählt, schweift sie oft ab und vermischt Realität und Fantasie. Mit ihrer Andersartigkeit hat sie nicht nur mich schnell in ihren Bann gezogen, auch der Auftragskiller Sam ist von ihrer Erscheinung hingerissen. Nach ihrer ersten Begegnung auf der Brücke provoziert er weitere Treffen und schon bald entwickelt sich zwischen den beiden eine seltsame Vertrautheit. Mitzi fühlt sich mehr und mehr zu Sam hingezogen, sie ist fasziniert von dem Mann, hat aber gleichzeitig Angst vor ihm und ist entsetzt, wie kaltblütig er seine Aufträge ausführt.
Während die ehrgeizige Agnes Kirschnagel von der Polizeiinspektion Kufstein und der vorübergehend dienstuntauglich geschriebene Frankfurter Hauptkommissar Heinz Baldur versuchen, den Mörder zur Strecke zu bringen, begreift Mitzi, dass Sam ein Serientäter ist und gestoppt werden muss. Dennoch kann sie sich nicht dazu durchringen, den polizeilichen Ermittlern den entscheidenden Hinweis zu geben. Ihre Gefühle fahren immer schneller Achterbahn – um die rasante Fahrt zu stoppen, entschließt sie sich zu einer dramatischen Aktion…
„Die Alpen sehen und sterben“ hat mir sehr gut gefallen – ein spannender, tiefgründiger Krimi, der mit einer originellen Protagonistin und einer guten Prise Humor punkten kann.
Voll aufs Maul
Die Alpen sehen und sterben von Isabella Archan
In seinem Erstlingswerk „Voll aufs Maul“ schickt Florian Göttler den Jung-Literaten Paul Schmerz hinaus in die weite Welt – Geschichtenerzähler Paul geht auf Lesereise und macht u. a. halt in Zwickau, Greifswald, Paderborn und Tuttlingen und hat mit seinen Texten tatsächlich so etwas wie Erfolg.
Neue Geschichten müssen her und auf der Suche nach Inspiration urlaubt Paul in Ägypten, reist nach Thailand und verbringt einige Zeit im indischen Goa. Göttler hat dabei wenig Mitleid mit seinem Protagonisten und lässt Paul von einer vertrackten Situation in die nächste stolpern…
Florian Göttler wartet in diesem Büchlein mit allerlei skurrilen Kurzgeschichten auf, die er in eine unterhaltsame Rahmenhandlung eingebettet hat. Die ganz unterschiedlichen Episoden lassen den Leser immer wieder Schmunzeln, ab und an den Kopf schütteln und manchmal auch nachdenklich werden, denn hinter derben Sprüchen, kuriosen Begebenheiten und reichlich Situationskomik versteckt sich eine große Portion Gesellschaftskritik.
Es hat Spaß gemacht, Paul auf seinen Reisen zu begleiten und die vielfältigen Erlebnisse und Erfahrungen mit ihm zu teilen – also, auf zu neuen Abenteuern Paul Schmerz! Auf nach Brooklyn! Es gibt sicherlich noch viele schräge Geschichten, die erzählt werden wollen.
Das Handelshaus
Das Handelshaus von Axel S. Meyer
In seinem historischen Roman „Das Handelshaus“ entführt Axel S. Meyer den Leser in die 1560er Jahre und erzählt die Geschichte vom Untergang des Handelshauses der Familie Loytz – eine im 15. und 16. Jahrhundert in Stettin ansässige Kaufmannsfamilie, deren Mitglieder es mit dem Herings-, Getreide- und Salzhandel und ihren Bankgeschäften zu großem Reichtum gebracht hatten und zeitweise sogar als „Fugger des Nordens“ bezeichnet wurden.
Axel S. Meyer hat die historischen Ereignisse der Region und die Fakten, die über das Leben der Loytz bekannt sind, mit einer spannenden fiktiven Handlung verknüpft und diesen Roman damit zu einer interessanten, kurzweiligen Zeitreise werden lassen.
Axel S. Meyer hat einen flüssig zu lesenden Schreibstil und versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser in den Bann seiner Geschichte zu ziehen. Schon nach wenigen Seiten war ich mittendrin in einem Gerangel um Geld und Macht und habe gespannt das umtriebige Geschehen verfolgt.
Während Michael Loytz als ältester dreier Brüder nach dem Tod des Familienpatriarchen die Leitung des Handelshauses übernommen hat, hat Stephan einige Jahre in Italien studiert und strebt jetzt eine Beteiligung im Familienunternehmen an. Simon hat die tragischen Umstände rund um den Tod seines Vaters nie verarbeiten können und ist dem Alkohol verfallen. Zwischen Michael und Stephan kommt es zu einigen Zwistigkeiten – neben dem Kampf um die Führung des Handelshauses und dem Umgang mit Simons Schicksal entzweit auch die Liebe zu der Kaufmannstochter Leni die beiden Brüder.
Die Akteure wirken allesamt echt und glaubwürdig, sie haben Ausstrahlung, zeigen Emotionen und handeln entsprechend ihren Eigenarten. Besonders gut gefallen hat mir das Zusammenspiel von fiktiven und historischen Figuren. Das Leben und Wirken der historischen Persönlichkeiten wird einleuchtend mit der Romanhandlung verwoben, so dass ein sehr authentisches Bild der damaligen Zeit entsteht. Vor allem der für seine verschwenderische Hofhaltung bekannte Kurfürst Joachim II. von Brandenburg agiert überzeugend und bereichert mit seinen Machenschaften die Szenerie.
„Das Handelshaus“ hat mir sehr gut gefallen. Die lebendig erzählte Geschichte rund um den Niedergang einer Kaufmannsdynastie hat mir nicht nur kurzweilige Lesestunden beschert, sondern mir auch interessante Einblicke in ein Stückchen nordeuropäischer Historie ermöglicht.
Rache am Ammersee
Rache am Ammersee von Inga Persson
Dießen am Ammersee. Carola Witt – Mitarbeiterin im Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Johannes Ludwig - hat eine im Gasthaus Sailerwirt stattfindende Bürgerversammlung organisiert. Grund der Veranstaltung ist der Neubau einer Gastronomie in Seenähe. Wer Pächter der neuen Wirtschaft wird, soll durch einen Wettbewerb entschieden werden.
Die während der Zusammenkunft aufbrandende Diskussion über diese Neuigkeit findet ein jähes Ende, als bekannt wird, dass das Gemeinderatsmitglied Ruprecht Prestel mit seinem Gleitschirm abgestürzt ist…
„Rache am Ammersee“ ist bereits der zweite Fall für die aus Schleswig-Holstein stammende Carola Witt - dieser Krimi ist aber auch ohne Kenntnis des vorherigen Bandes verständlich.
Inga Persson hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil und wartet mit einer großen Portion Lokalkolorit auf. Neben intensiven Landschaftsbeschreibungen steht vor allen Dingen die lokale Politik im Mittelpunkt des Geschehens, denn das geplante Gastronomieprojekt schlägt hohe Wellen und sorgt für reichlich Unmut in der Bevölkerung.
Die eigentliche Krimihandlung will allerdings nicht in Schwung kommen. Dabei ist der Start noch recht vielversprechend, denn man ist als Leser dabei, als der Täter seinen mörderischen Plan umsetzt und Ruprecht Pretzel auf raffinierte Art und Weise den Garaus macht. Danach gibt es jedoch keine wirklichen Höhen und Tiefen mehr, keine Überraschungen oder unvorhersehbaren Wendungen und irgendwie auch keine Ermittlungen, da der stets übellaunige Kommissar Meisinger und sein Kollege Pollinger fast bis zum Schluss von einem tragischen Unglück ausgehen und Carola, die laut Klappentext das kriminalistische Tun des Mörders aufdecken will, meist mit anderen Dingen beschäftigt ist. Zu allem Überfluss ist dann auch die Identität des Mörders am Ende keine Überraschung mehr, da man sich schon früh zusammenreimen kann, wer hier der Bösewicht ist.
„Rache am Ammersee“ konnte meine Erwartungen nicht erfüllen. Zuviel Drumherum drängt das Krimigeschehen in den Hintergrund, so dass einfach keine Spannung aufkommen will.
Am Ende nur ein kalter Hauch
Am Ende nur ein kalter Hauch von Lena Avanzini
Carla Bukowski, Gruppeninspektorin beim LKA Wien, steckt mitten in einem Mordfall mit einer Leiche, die dem Aussehen nach ihre Doppelgängerin hätte sein können, als sie die Nachricht vom Tod ihrer geliebten Großmutter Rosalba erhält. Auch wenn Carla eigentlich nicht der Sinn nach einem Zusammentreffen mit ihrer leidigen Verwandtschaft steht, fährt die Ermittlerin unverzüglich in ihr Heimatdorf Prumbach.
Als sie sich zwei Tage später auf dem Rückweg nach Wien befindet, erreicht sie ein Anruf ihres Bruders Sebastian – er bittet Carla um Hilfe, denn sein 20-jähriger Sohn Daniel wurde entführt…
„Am Ende nur ein kalter Hauch“ ist bereits der dritte Fall für Carla Bukowski - dieser Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände bestens verständlich.
Lena Avanzini versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser in den Bann ihres Kriminalromans zu ziehen. Schnell ist man mittendrin im Geschehen und erlebt nicht nur Carlas Ermittlungen hautnah mit, sondern erfährt zudem in mehreren Rückblenden einiges aus ihrer Vergangenheit - dramatische Ereignisse, die während ihrer Teenagerzeit stattgefunden haben und die in dem aktuellen Fall eine nicht unerhebliche Rolle spielen.
Falsche Fährten, mehrere Verdächtige sowie immer neue Hinweise, Indizien und Ereignisse halten das Geschehen lebendig und haben mir genauso wie die zahlreichen im Handlungsverlauf auftauchenden Fragen viel Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln über Motiv und Identität des Täters gegeben. Überraschungen und Wendungen sorgen zudem dafür, dass die Sogwirkung des Krimis bis zur letzten Seite nicht abreißt.
„Am Ende nur ein kalter Hauch“ hat mir sehr gut gefallen – ein kurzweiliger Krimi, der neben einer fesselnden Handlung ganz besonders mit einer eigenwilligen Ermittlerin punkten kann.
Das Weingut - Aufbruch in ein neues Leben
Das Weingut. Aufbruch in ein neues Leben von Marie Lacrosse
In ihrem historischen Roman „Das Weingut - Aufbruch in ein neues Leben“ entführt Marie Lacrosse den Leser in die 1870er Jahre in die Pfalz und ins Elsass und zeichnet ein eindrucksvolles Bild der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Zahlreiche historische Fakten und Gegebenheiten wurden mit einer spannenden fiktiven Handlung verwoben und ermöglichen dem Leser einen umfassenden und facettenreichen Blick auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen zur damaligen Zeit.
„Aufbruch in ein neues Leben“ ist der zweite Band der mitreißenden Familiensaga rund um die Weinhändler-Familie Gerban und knüpft direkt an die Geschehnisse des ersten Teils an. Ich halte es für ratsam, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da das Wissen über die vorherigen Ereignisse den Lesegenuss dieser spannenden Fortsetzung noch erhöht.
Marie Lacrosse hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil und versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen. Schon nach wenigen Seiten war ich wieder mit den Akteuren vertraut und habe gespannt das Geschehen verfolgt. Die Geschichte beginnt im Februar 1871 und wird in mehreren Handlungssträngen erzählt.
Der Krieg ist zu Ende und Franz Gerban versucht, seinen Platz im Leben zu finden. Gar nicht so leicht für den beinamputierten knapp 21-Jährigen, denn sein Vater Wilhelm versucht ihn mit hinterhältigen Machenschaften zu gängeln. Franz Mutter Pauline – sie wurde auf Wilhelms Veranlassung wegen ihrer Laudanum-Sucht in die Irrenanstalt Klingenmünster eingewiesen – verweigert mittlerweile jeglichen Kontakt zu ihm. Außerdem ist seine große Liebe Irene spurlos verschwunden.
Pauline erholt sich zunächst und versucht einen Ausweg aus ihrer Verwahrung zu finden, wird aber mit Medikamenten ruhiggestellt. Erst als in der Anstalt eine Pocken-Epidemie ausbricht, wendet sich das Blatt für sie.
Irene ist mittlerweile Mutter eines Sohnes und versucht, den Lebensunterhalt für sich und den kleinen Fränzel als Textilarbeiterin in einer Tuchfabrik zu verdienen. Sie arbeitet bis zur völligen Erschöpfung und hat dennoch kaum genug zum Leben. Als sie den Arbeiterführer Josef kennenlernt, hofft sie auf eine bessere Zukunft.
Marie Lacrosse wartet mit einer Fülle spannender Themen auf, die die Menschen damals bewegt und beschäftigt haben. Neben der Produktion von Wein geht es um die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Fabriken und die ersten Versuche der Arbeiter, die Zustände zu verbessern. Es geht um Kinderarbeit, Unfallschutz und gerechtere Löhne. Außerdem werden die unwürdigen Verhältnisse in der Psychiatrie sowie damals anerkannte Heilmethoden beleuchtet. Und auch die Probleme bezüglich der politischen Zugehörigkeit Elsass-Lothringens nach dem Deutsch-Französischen-Krieg spart die Autorin nicht aus.
„Das Weingut - Aufbruch in ein neues Leben“ hat mir sehr gut gefallen – eine spannende, mit vielen historischen Fakten verwobene Familiengeschichte, die anschaulich und lebendig erzählt wird.








