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Rezensionen von LEXI:

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Ein Herz erwärmender, zutiefst emotionaler Roman

Nur zusammen ist man nicht allein von Mike Gayle

„Bevor ich ging, sagte ich noch, sie solle sich von den beiden nicht ärgern lassen, gab ihr einen letzten Kuss und sprang ins Auto, ohne mich noch einmal umzudrehen. Und ohne den Hauch einer Ahnung, dass ich sie nie wedersehen würde.“

Als ein Autounfall die achtunddreißigjährige Laura Hope völlig abrupt aus dem Leben reißt, wirft dieses schockierende und völlig unfassbare Ereignis nicht nur ihren Ehemann Tom aus der Bahn.

Laura hinterlässt auch zwei Mädchen im Alter von acht und dreizehn Jahren sowie eine Mutter, die Laura ebenso sehr geliebt hat, wie ihren Ehemann Tom und die beiden Kinder. Da Tom völlig paralysiert ist und sich in seiner großen Trauer vollständig in die Arbeit vergräbt, ist Linda nun gefordert, die Starke zu sein. Sie muss ihren eigenen Schmerz um den Verlust der geliebten Tochter beiseiteschieben und sich um ihren Schwiegersohn und die Enkelkinder kümmern. Da Tom jedoch trotz ihres selbstlosen Einsatzes immer mehr in seiner Trauer gefangen scheint, entschließt Linda sich zu einem radikalen Schritt. Sie sieht nur eine einzige Möglichkeit, Tom mit seinem Selbstmitleid und seinem Egoismus, der sich in seiner permanenten Abwesenheit von Zuhause und in der Vernachlässigung seiner Töchter äußert, zu konfrontieren. Linda beschließt, ihre selbstgewählte Rolle als Mutterersatz, Haushälterin von Tom und beste Freundin und Großmutter von Lola und Evie für einige Zeit aufzugeben und das Land zu verlassen. Sie nimmt die Einladung zu einem sechsmonatigen Aufenthalt bei ihrer besten Freundin Moira aus Melbourne an und stellt Tom vor vollendete Tatsachen. Einem ersten Ausbruch von Ungläubigkeit und Erstaunen folgen Entrüstung, Wut, und letztendlich Hilflosigkeit und Angst. Wird Tom seiner Vaterrolle gerecht werden und es schaffen, sich ganz alleine um sich und seine beiden Töchter zu kümmern?

Das Thema, das Mike Gayle in diesem Buch aufgreift, ist nicht neu: der plötzliche Tod einer geliebten Ehefrau und Mutter, die tiefen Emotionen und Schwierigkeiten, die mit einem solchen Schicksalsschlag einhergehen, und die Bewältigung einer neuen, unerwarteten Lebenssituation durch den zurückbleibenden Partner. Der Autor schreibt sehr einfühlsam und als Leser darf man die gesamte Bandbreite der Gefühle miterleben: zunächst die friedliche Idylle des gemeinsamen Alltags einer kleinen, glücklichen Familie, dann der schier unbegreifliche Moment des Unfalls, die Angst und Verzweiflung im Wartezimmer des Krankenhauses, und schließlich der völlige Schock, als Laura stirbt. Ich finde die behutsame und eindringliche Erzählweise des Autors hervorragend. Indem er stets zwischen den beiden Protagonisten Tom und Linda wechselt und sie jeweils aus deren Sicht erzählen lässt, erhält man als Leser einen umfassenden Eindruck von ihrem Innenleben, ihren Gedanken und Gefühlen. Er gibt jedem seiner handelnden Figuren Raum in diesem Buch, konzentriert sich abwechselnd auf Tom, auf Linda, und auf die beiden Töchter Lola und Evie. Äußerst sympathische Nebenfiguren begleiten die Protagonisten auf ihrem Weg durch die Trauer, und speziell durch einen exzentrischen alten Herrn namens Clive Maynard kommen frischer Wind und eine gehörige Portion Humor ins Buch. Nach und nach kämpft Tom sich einen Weg zurück in die Herzen seiner Kinder, und lenkt sein Leben wieder in die richtigen Bahnen. Dass es hierbei natürlich einige Hürden zu bewältigen gibt, ist vorprogrammiert.

Fazit: „Nur zusammen ist man nicht allein“ stellte für meinen Geschmack ein richtiges Lese-Highlight dar, das mich nachdenklich stimmte, zugleich jedoch auch ausgezeichnet unterhalten hat. Dieser Roman ist ein wunderschönes Epos an die Familie, es behandelt den schmerzlichen Umgang mit dem Tod eines geliebten Familienmitglieds und hält Werte wie Zusammenhalt, Liebe und Vergebung hoch. „Manchmal ist Liebe mehr eine Entscheidung als ein Gefühl. Und manchmal muss man eben die Entscheidung treffen, sich an die guten Zeiten zu erinnern und den Rest zu vergessen.“

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Ein Herz erwärmender, zutiefst emotionaler Roman
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Der Fluch des Wahrsager-Spiegels

Die Schatten von Ashdown House von Nicola Cornick

Das rätselhafte plötzliche Verschwinden von Hollys Ansells älterem Bruder während des Aufenthalts in seinem Ferienhaus „Ashdown Mill“ bringt Unruhe in den Alltag der jungen Glasgraveurin. Sie bricht mitten in der Nacht auf und fährt nach Oxfordshire zu ihrer sechsjährigen Nichte Florence, die durch einen telefonischen Hilferuf ihre geliebte Tante auf mobilisierte und nun alleine und verängstigt auf sie wartet.

Holly bleibt bei dem Kind, bis Bens Ehefrau Natascha von ihrem beruflichen Auslandseinsatz zurückkommt, um Florence abzuholen. Da ihre Eltern sehr früh gestorben sind, stehen Holly und ihr Bruder Ben sich sehr nahe. Umso eigenartiger erscheint ihr sein unangekündigtes und spurloses Verschwinden, zumal er seine kleine Tochter niemals alleine zurücklassen würde. Da die polizeilichen Untersuchungen nur zaghaft vonstattengehen, stellt Holly auf eigene Faust Nachforschungen an. Bens Verschwinden ist und bleibt jedoch merkwürdig und unerklärlich. Durch ein rätselhaftes Telefonat erfährt Holly vom ungewöhnlichen Interesse ihres Bruders an der so genannten „Sistrin-Perle“, einem legendären Juwel von beträchtlichem Wert, die einst Königin Elizabeth von Böhmen gehörte und als verschollen gilt. Als Holly nun auch noch auf den attraktiven Bauingenieur Mark Warner trifft, stellt dies für sie einen weiteren Grund dar, ihren Aufenthalt in der Wassermühle in Ashdown zu verlängern. Durch den Fund eines alten ledergebundenen Buches, welches die Memoiren einer gewissen Lavinia Flyte enthält, kommt plötzlich Schwung in die Handlung – und Holly taucht tief in den Sog der Geschichte um die legendäre Sistrin-Perle und ihre ehemalige Besitzerin ein.

Nicola Cornick ist Historikerin und Autorin, ihre fundierten Recherchen für dieses Buch geben mir als Leser einen höchst interessanten Einblick in die Geschicke der englischen Stuartprinzessin Elizabeth und Kurfürst Friedrich von der Pfalz, die durch ihre kurze Regentschaft in Böhmen vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges als „Winterkönig und Winterkönigin“ in die Geschichte eingingen. Nicola Cornick erzählt ihre Geschichte in zwei verschiedenen Handlungssträngen, die zugleich auch auf zwei verschiedenen zeitlichen Ebenen stattfinden. In der gegenwärtigen Handlung fungieren Holly Ansell und Mark Warner als Protagonisten, während die Autorin sich in den Ereignissen der Vergangenheit auf Friedrich und Elizabeth von Böhmen sowie deren ergebenen Höfling Lord William Craven konzentriert. Zentrum der Aufmerksamkeit sind hierbei stets die legendäre Sistrin-Perle und ein mit Diamanten besetzter Spiegel – ein Taufgeschenk Elizabeths, und zugleich ein Fluch für all jene, die im Besitz dieser beiden Gegenstände sind. Zwar handelt es sich bei den Tagebucheinträgen der abgeklärten Kurtisane Lavinia Jane Flyte nicht um einen dritten Handlungsstrang, die Ausführungen nehmen jedoch großen Raum ein und heben sich durch kursive Schrift vom Rest des Buches ab.

Nicola Cornicks Figuren wurden detailliert und glaubwürdig dargestellt, sie setzt auch etliche Nebenfiguren in ihrer Handlung ein. Mein ganz persönlicher Favorit war - abgesehen vom böhmischen Königspaar Elizabeth und Friedrich – der loyale Bote und ergebene Höfling William Craven, der zudem in diesem Roman auch eine sehr wichtige Schlüsselfigur darstellt. Ich möchte generell anmerken, dass mir der Handlungsstrang in der Vergangenheit weitaus mehr zusagte, als die Schilderung der Ereignisse in der Gegenwart.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und einnehmend, sie hat ein gutes Gespür dafür, Geschichte lebendig erscheinen zu lassen und nimmt den Leser mit auf eine interessante Reise in die Vergangenheit.

Was mich persönlich jedoch an diesem Buch gestört hat und was im Grunde auch meine Kritikpunkte darstellen waren einerseits die detailliert beschriebenen ausschweifenden sexuellen Exzesse, anhand derer ich dieses Buch für mich bereits in Richtung erotische Literatur einordne. Zum anderen störte mich die Gewichtung auf die Themenbereiche Okkultismus, Visionen, Zeitreisen und Reinkarnation. Leider war dies anhand des Klappentextes und der Leseprobe für mich nicht ersichtlich und ich muss zugeben, dass hier daher wohl das falsche Buch zum falschen Leser kam.

Ich kann dieses Buch aufgrund der darin enthaltenen, zu einem Roman verwobenen historischen Fakten jedem ans Herz legen, der sich für die Geschicke rund um die „Winterkönigin“ Elizabeth von Böhmen interessiert. Leider entsprachen jedoch die bereits erwähnten Themenbereiche sowie der erotische Inhalt mit teilweise detailliert beschriebenen sexuellen Ausschweifungen, was aus meiner Sicht bereits stark in Richtung trivialer Liebesroman geht, überhaupt nicht meinem Lesegeschmack.

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Der Fluch des Wahrsager-Spiegels
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Eine Liebeserklärung an die Katzen

Ich wünsche dir ... von Evelyne Ruth Herren

Als eines schönen Tages ein kleines, verletztes Kätzchen namens Lumi in den Garten und in die Herzen der Hobbyfotografin Evelyne Ruth Herren und ihres Katers Blacky spazierte, wurde der Grundstein für das vorliegende Büchlein „Ich wünsche dir…“ gelegt. In diesem Bildband in Kleinformat mit weichem Buchcover dominieren ausgezeichnete Portraits dieses kleinen und lebensfrohen Kätzchens, dem man trotz aller Schmerzen und Einschränkungen aufgrund der Verletzung die Lebensfreude anmerkt.

Die Autorin stellte ihrer Protagonistin Lumi zudem zwei bezaubernde Nebenfiguren zur Seite – ihre beiden Kater Mutzli und Blacky.

Die Fotografien sind von ausgezeichneter Qualität, und als Dosenöffnerin und Mitbewohnerin von zwei Katzen kann ich bestätigen, dass es Evelyne Ruth Herren gelungen ist, absolut typische Posen festzuhalten. Die bestechend schönen und aussagekräftigen Bilder befinden sich jeweils auf der rechten Seite dieses Buches und werden von lieben Wünschen „ich wünsche dir…“ auf der linken Seite kommentiert. Die farbliche Gestaltung und der schlicht gehaltene Text harmonieren perfekt und es war eine Freude, die einzelnen Bilder und Gedanken zu betrachten.

„Ich wünsche dir…“ ist ein harmonisches, angesichts Lumis Tapferkeit und Lebensfreude überaus berührendes kleines Kunstwerk, das besonders aufgrund der frappierenden Ähnlichkeit der Protagonistin mit einer meiner Fellnasen ganz zielstrebig den Weg in mein Herz gefunden hat. Diese kleine „Perle“ wird einen Ehrenplatz in meinem Regal erhalten und ich bin überzeugt, dass ich es noch sehr oft zur Hand nehmen und mich daran erfreuen werde.

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Ein aufregendes und gefährliches Abenteuer auf Formosa

Die schöne Insel von Tereza Vanek

„Ihr Fremden könnt euch vieles nicht vorstellen. Die Menschen hier ertragen ihr Schicksal, weil sie es nicht anders kennen und glauben, es müsse so sein.“

Ich durfte Tereza Vanek als bekannte Autorin historischer Romane kennenlernen und war nun äußerst gespannt auf ihre Neuerscheinung „Die schöne Insel“.

Bereits der Klappentext klingt vielversprechend, der Schauplatz der Handlung ist diesmal Shanghai im Jahre 1900.

Gleich zu Beginn stellt die Autorin ihre Protagonistin Anastassia Gregorowa Nikitina vor, eine in Russland geborene Jüdin, deren Eltern jedoch nach der Geburt mit ihrer Tochter emigrierten. Tereza Vanek berichtet von Anastassias Familie, die einen Laden in der internationalen Siedlung in Shanghai führt. Der Tod ihres geliebten Vaters Gregor Ephraimowitsch Nikitin bedeutet für Anastassia einen zutiefst schmerzlichen Verlust – er hatte seine Tochter stets auf Händen getragen, ihr galt seine ganze Liebe. Anastassias Mutter möchte ohne ihren Ehemann nicht mehr in Shanghai bleiben und beschließt, mit ihrem sechzehnjährigen Sohn Aron zurück nach Russland zu gehen. Seine Schwester soll jedoch mit einem stets betrunkenen Iren verheirate und in Shanghai zurückgelassen werden. Anastassia ist tief getroffen, kann jedoch mithilfe der Unterstützung ihres Bruders Aron dieser Zwangsheirat entgehen. Als Anastassia eine bezaubernde junge Chinesin namens Ming Chun Ke aus einer gefährlichen Situation rettet, gewinnt sie in dem zerbrechlichen zarten Wesen eine sehr gute Freundin, die sie schließlich in deren Heimat Formosa – die Insel Taiwan - begleitet. Clio, wie Ming Chun Ke sich fortan nennt, möchte ihren ehemaligen Verlobten Nobu wiedersehen, den sie niemals vergessen konnte. Tatkräftige und selbstlose Unterstützung finden die beiden Frauen in dem gutherzigen und hilfsbereiten deutschen Geschäftsmann Felix Hoffmann. Doch weder Clio, noch Anastassia haben auch nur die geringste Ahnung, worauf sie sich durch ihre Reise nach Formosa eingelassen haben. Ein spannendes, und zugleich sehr gefährliches Abenteuer beginnt…

Tereza Vanek hat mich mit ihrem wunderbaren Schreibstil begeistert. Ihre lebendigen Erzählungen, ihre bildhafte Beschreibung von Schauplätzen und Ereignissen sowie die ausgezeichnet dargestellten Figuren dieser Handlung trugen zu einem unvergesslichen Lese-Erlebnis bei. Die Autorin versteht es geschickt, historische Begebenheiten mit einer spannenden Geschichte zu verbinden, die den Leser mit auf eine abenteuerliche Reise nimmt. Man erfährt sehr viel über die asiatische Lebensart, liest über die Unterschiede zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen, und anhand der traditionell erzogenen Chinesin Clio auch über die Praxis des Füßebindens, der so genannten „Lotusfüße“. Tereza Vanek erzählt von einer für westliche Menschen vermutlich ziemlich unverständlichen Tradition sowie einer der Asiaten eigenen stoischen Wesensart, bei der große Gefühlsausbrüche in der Öffentlichkeit ebenso ein Tabu darstellen wie körperliche Berührungen, und sei es nur eine banale freundschaftliche Umarmung. Man tritt zudem in eine Welt ein, die geprägt ist von großem Respekt und Pflichtgefühl gegenüber den Eltern, zugunsten derer sogar auf das eigene persönliche Glück verzichtet wird.

Durch eine längere Episode während eines Aufenthalts bei dem kanadischen Missionar George Mackay und dessen Familie erlebt Anastassia ein Dasein abseits vorgegebener Normen. Tereza Vanek schreibt hier über den ersten Missionar der Presbyterianischen Kirche Kanadas, der in Tamsui eine Missionsstation betrieb, Schulen und Krankenhäuser bauen ließ und sich immer wieder aufmachte, um die Ureinwohner zu missionieren. In einem Nachwort der Autorin am Ende des Buches gibt es ausführliche Details zum historischen Hintergrund und Erläuterungen dazu, welche Ereignisse fiktiv, welche jedoch auf tatsächlichen Begebenheiten basieren.

Dem Leser werden auf sehr eindringliche Art und Weise die Schwierigkeiten zwischen den Chinesen, den Japanern und den Einheimischen-Stämmen wie beispielsweise der Ami oder der Paiwan vor Augen geführt. Letztendlich gibt es, wie bereits im Klappentext angedeutet, in die Handlung eingebaute Liebesgeschichten, die den romantischen Part im Buch darstellen.

Fazit: „Die schöne Insel“ stellte für mich ein interessantes und intensives Lese-Erlebnis dar, das mich tief in die Geschichte eintauchen ließ. Besonders die Szenen auf Formosa, deren Landkarte auf der ersten Buchseite abgebildet ist, bilden einen aufregenden und spannenden Part dieses Buches. Die einzelnen Charaktere sind mir innerhalb kürzester Zeit ans Herz gewachsen und ich bedauerte es beinahe, mich nach der letzten Seite von ihnen verabschieden zu müssen. „Die schöne Insel“ ist eine hervorragende Geschichte, die ich Fans von spannenden Liebesromanen mit historischem Hintergrund ans Herz legen kann.

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Ein aufregendes und gefährliches Abenteuer auf Formosa
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Schloss aus Glas

Schloss aus Glas, 5 Audio-CDs von Walls Jeanette

Dieses Hörbuch, in dem Jeanette Walls ihre Kindheit Revue passieren lässt, ließ mich sehr nachdenklich und zwiegespalten zurück. Einerseits schockiert angesichts der Verantwortungslosigkeit der Eltern, den tragischen Lebensumständen, in denen diese Kinder aufwachsen mussten und der bitteren Armut, in der sie lebten, empfand ich auch große Bewunderung für die Autorin, die es schaffte, dieses Buch zu schreiben, ohne dabei anzuklagen oder Schuldzuweisungen zu geben.

Einerseits beschreibt sie das freidenkerische Ehepaar Rex und Rose Mary Walls, das regelmäßige Arbeit verabscheute, umtriebig stets von einem Ort zum anderen zog, ihre Kinder meist sich selbst überließ und sie nicht davon bewahrte, frieren und hungern zu müssen. Andererseits legt Jeanette Walls mit diesem Buch auch Zeugnis der großen Liebe ihres Vaters ab, der ihnen buchstäblich „die Sterne vom Himmel versprach“, ihnen ein „Schloss aus Glas“ bauen wollte, und ihnen auf seine Weise beizubringen versuchte, sich im Leben durchzuschlagen. Die Mutter, ausgebildete Lehrerin, bemühte sich, ihren Kindern Bildung zu vermitteln und brachte ihnen bereits in frühesten Kindheitstagen die Liebe zum gedruckten Wort nahe. Die Walls-Kinder lasen bereits im Alter von fünf Jahren, und die Tradition des „gemeinsamen Lesens“ mit ihren Eltern wurde über viele Jahre beibehalten. Meine Emotionen hinsichtlich dieses beeindruckenden Inhalts wechselten in beinahe schon rasantem Tempo. Über die sozialen Missstände und die unfassbaren Lebensumstände war ich grenzenlos schockiert. Betreffend die Anhänglichkeit der Kinder und die Liebe zu ihren Eltern hatte ich bei dieser Lektüre einen Kloß im Hals. Angesichts einiger Eskapaden des Vaters wurde ich wütend. Und über bestimmte Ereignisse war ich tief betrübt…
Jeanette Walls spielt in ihrer Biografie mit den Gefühlen ihrer Leser, wühlt sie auf und bringt sie dazu, mit einem großen Fragezeichen im Kopf weiter zu lesen, begierig darauf zu warten, ob und wie es letztendlich zu einem happy end kommen mag. „Schloss aus Glas“ ist eine Lektüre, die noch lange in mir nachgewirkt, mich nachdenklich gemacht und mich mit großer Dankbarkeit hinsichtlich meiner eigenen Kindheit erfüllt hat. Ein beeindruckendes Buch, dem ich lediglich aufgrund der Vertonung durch Ulrike Grote, mit der ich absolut nicht zurechtkam, einen Punkteabzug gab.

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Du kannst niemandem vertrauen

Schloss aus Glas, 5 Audio-CDs von Walls Jeanette

„… es gibt niemanden, dem ich diese Dinge sonst anvertrauen könnte. Und wenn Du erst alles weißt, wirst Du genau wie ich begreifen, dass die Öffentlichkeit davon erfahren muss.“

Diese in fliegender Hast zu Papier gebrachten Zeilen an die Journalistin Vera Lessing waren das Vermächtnis ihres Kollegen Jonathan Jacobsen.

Als erstklassiger Mitarbeiter des linksgerichteten Zeitungsmagazins „Echo“ wusste der geradlinige und entschlossene Endzwanziger ganz genau, auf welch gefährliche Recherchen er sich eingelassen hatte – Recherchen, die ihm letztendlich das Leben kosteten. Veras schockierte Fassungslosigkeit weicht nach der Lektüre dieses Briefes sehr rasch einer zielstrebigen Entschlossenheit, sich dieser Aufgabe zu stellen und Jonathans Arbeit fortzusetzen. Das einzige Ziel der mutigen jungen Frau besteht nun darin, herauszufinden, weshalb ihr bester Freund aus Kindheitstagen sterben musste. Unter dem Vorwand, eine Reportage über ein vermisstes deutsches Mädchen zu schreiben, folgt sie den Spuren Jonathans, wird über eine Fluchtroute nach Italien eingeschleust und ermittelt in Südtirol. Sie merkt sehr rasch, dass sie dabei in ein Wespennest sticht – und sehr bald in allerhöchster Gefahr schwebt.

Claire Winter erzählt ihren Roman in zwei Zeit- und Handlungsebenen. Während die Ereignisse um Vera Lessings Ermittlungen im Jahr 1949 in Berlin ihren Anfang nehmen, startet der Handlungsstrang der Vergangenheit in Bonn im Jahre 1948, wo eine Tochter aus gut situiertem Elternhaus ihre neue Stelle als Sekretärin im Stab Adenauers antritt. Marie Weißenburg ist ein wunderbarer, mitfühlender Mensch, wirkt naiv und unbescholten, besitzt jedoch eine große innere Stärke und Ehrlichkeit. Die Grundfesten ihres gesamten Lebens werden bis ins Innerste erschüttert, als sie erfährt, dass ihre Familie mit einer schrecklichen Lüge lebt.

Der bildhafte Schreibstil der Autorin und die hoch interessante Thematik dieses Buches haben mich auf der Stelle eingenommen. Durch den abwechselnden Fokus der Erzählung und die wechselseitige Konzentration auf Vera Lessing in der Gegenwart sowie Marie Weißenburg in der Vergangenheit wurde der Spannungsbogen permanent hochgehalten und steigerte sich gegen Ende des Buches drastisch. Die historischen Fakten zur Nazi-Vergangenheit Deutschlands wurden ausgezeichnet recherchiert und zeichnen ein erschütterndes Bild von politischen Schachzügen und der Beteiligung der Kirche hinsichtlich der Rehabilitierung und dem Schutz von Kriegsverbrechern.

Die Autorin bediente sich einer großen Anzahl handelnder Figuren, die vielschichtig und überzeugend ausgearbeitet wurden. Sie stellt ihren beiden weiblichen Protagonisten viele Nebenfiguren zur Seite, die zwar ebenso detailliert charakterisiert wurden, deren eigentliche Gesinnung und Rolle in dieser Handlung jedoch zum Teil erst allmählich offenbart wird.

Ich möchte auch die optische Aufmachung und Gestaltung hervorheben. Auf den beiden Buchinnenseiten befinden sich farbige Landkarten mit der aktuellen politischen Länderaufteilung zum Zeitpunkt der Handlung. Ein Personenregister am Ende des Buches ermöglicht dem Leser einen steten Überblick über die große Anzahl der handelnden Figuren. Ein ganz besonderes aufklappbares Lesezeichen mit Personenverzeichnis wurde dem Roman beigelegt. Der Wechsel der Handlungs- und Zeitebenen geht stets aus der jeweiligen Kapitelüberschrift durch Angabe von Ort, Zeit und jeweiliger handelnder Person sehr gut hervor und ermöglicht einen ungestörten Lesefluss und eine gute Orientierung im Buch.

Fazit: Dies war mein erster Roman von Claire Winter, der mich mit seinem brisanten Thema und den erstklassig recherchierten historischen Fakten tief beeindruckte. Ich mochte den mitreißenden Schreibstil, der mein Interesse für dieses Buch auf Anhieb weckte. Die hochgradige Spannung und die authentischen Charaktere machen dieses Buch zu einem wahren Pageturner. „Die geliehene Schuld“ hat mir ausgezeichnet gefallen – ich empfand es als richtiges „Lese-Highlight“ und freue mich bereits auf weitere Werke aus der Feder dieser Autorin.

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„Er sagte, Sie seien anders.“ - „Ist das gut?“ - „Oh ja, Ma’am. Das ist sehr gut!“

Bis wir uns wieder begegnen von Catherine Ryan Hyde

„Er sagte, Sie seien anders.“
„Ist das gut?“
„Oh ja, Ma’am. Das ist sehr gut!“

„Was bedeutet Freundschaft in einer Welt, in der nur das gemeinsame Gehen auf der Straße dazu führen konnte, dass jemand zusammengeschlagen wurde?“

Was eine solche Freundschaft bedeutet, dürfen die beiden elf und zwölf Jahre alten Jungen namens Pete Solomon und Justin Bell am eigenen Leib erfahren.

Pete ist unterwegs zum Angeln, als er auf dem Fahrbahnrand einen verletzten Hund entdeckt. Allen Widerständen zum Trotz findet er einen Weg, ihn zur abgeschieden lebenden Ärztin Dr. Lucy Armstrong zu bringen und bittet sie, das Leben des Tieres zu retten. Unterwegs trifft er auf einen dunkelhäutigen Jungen namens Justin, der neu in der Gegend ist und Anschluss sucht. Der große, schwerfällige und charakterstarke Pete und der zarte kleine Justin werden sehr rasch die allerbesten Freunde, was den Menschen in ihrem Umfeld hinsichtlich Justins Hautfarbe ein Dorn im Auge ist. Als Justins Vater Calvin und Dr. Lucy sich ineinander verlieben, scheint es im Ort zu brodeln – und bevor die Situation eskaliert, müssen sich die beiden zwischen ihrer Sicherheit und ihrem Glück entscheiden.

„Bis wir uns wieder begegnen“ wartet mit ernsten, tiefgründigen Themen und großartig dargestellten Emotionen auf. Dem wunderschönen Schreibstil der Autorin ist es geschuldet, dass man als Leser gefühlsmäßig unverzüglich in diese Geschichte hineingezogen wird. Die Protagonisten vermitteln durch ihre ausgezeichnete Charakterisierung höchste Authentizität und wuchsen mir im Verlauf der Seiten ans Herz. Der Stellenwert einer alleinstehenden gebildeten Frau im Jahre 1959 wurde ebenso detailliert geschildert wie die Auswüchse des Rassenhasses in dieser Zeit. Lucille Armstrong wird als starke, unnahbar und distanziert wirkende kompetente Ärztin dargestellt, die nicht gerne über ihre Vergangenheit, und schon gar nicht über ihre Gefühle spricht. Der anhängliche Pete Solomon und der sanfte und intelligente Calvin Bell schaffen es jedoch, ihren Schutzwall zu durchdringen und Lucy kann langsam wieder die Nähe und Freundschaft anderer Menschen zulassen.

Abgesehen von den eindrucksvoll gezeichneten Figuren dieses Buches hat mich auch die Beziehung des zwölfjährigen Pete Solomon mit dem verletzten Wolfshund zutiefst berührt. Die fachliche Kompetenz und die klugen Ratschläge der Ärztin helfen bei dessen Genesung und sie vermag es auch, Petes Herz zu erreichen und zu heilen. Es gibt in diesem Buch zahlreiche beeindruckende Passagen, wie beispielsweise folgende Aussage von Lucy Armstrong: „Hunde bereuen nie im Nachhinein, etwas nicht schon früher gemacht zu haben. Hunde sind immer genau dort, wo sie gerade sind, in diesem Augenblick und nirgendwo sonst. Was der Grund dafür ist, dass ich die Gesellschaft von Hunden normalerweise vorziehe.“

In diesem Buch geht es vorrangig um Menschlichkeit, um Freundschaft, Zusammenhalt, gegenseitige Wertschätzung und die Fähigkeit, die Andersartigkeit seines Nächsten anzuerkennen. Durch die sich zart anbahnende Liebesgeschichte zwischen Lucy und Calvin spielen Rassismus und Mischehen eine zentrale Rolle in diesem Buch. Catherine Ryan Hyde versteht es zudem auf sehr einfühlsame Art und Weise, seelische und körperliche Verletzungen und den Weg zu deren Heilung zu thematisieren.

„Ich wünschte, ich könnte dir die Welt erklären. Ich wünschte, ich könnte dir sagen, warum solche Sachen passieren, wenn wir alle wissen, dass sie nicht passieren sollten. Aber in Wahrheit… offengesagt… verstehe ich die Welt selbst nicht.“

Mit dem Roman „Bis wir uns wieder begegnen“ durfte ich mein erstes Buch aus der Feder von Catherine Ryan Hyde kennenlernen. Diese Geschichte hat meinem Lesegeschmack zu hundert Prozent entsprochen und ich wage bereits zu diesem Zeitpunkt zu behaupten, dass es ein Lesehighlight des Jahres 2018 darstellt.

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DIE VON DER TANKSTELLE

Bis wir uns wieder begegnen von Catherine Ryan Hyde

„Ich bin nur ein Pünktchen und verschwinde in der unermesslichen Zeit. Ich möchte so gerne glauben, dass ich eine Spur in der Welt hinterlasse.“ (Pia)

Die fünfundvierzigjährige Ich-Erzählerin Pia ist Inhaberin einer Tankstelle. Diese Tankstelle, das dazu gehörende Haus, ein Laden und eine kleine Werkstatt, die einst von ihrem Vater gegründet wurden, stellen ihre ganze Welt dar.

Von ihrem Vater lernte Pia alles, was sie in ihrer Eigenschaft als Tankwartin und Geschäftsfrau wissen musste. Er brachte ihr zudem bei, jeden einzelnen Tag ganz bewusst zu leben, das tägliche kleine Glück zu erkennen und sich mit den erreichten Zielen zu bescheiden. Doch obgleich die Tankstelle infolge ihrer guten Lage und Pias aufmerksamer und freundlicher Bedienung eine Goldgrube war, änderten sich die Zeiten. Die Kunden blieben aus und Pia muss nun überlegen, wie sie ihr kleines Unternehmen erhalten kann. Die Einrichtung einer Autowaschanlage scheint die Lösung ihrer Probleme zu sein, doch es gilt zuvor noch Hindernisse aus dem Weg zu schaffen.

Ich durfte Margrit Schriber durch ihre exzellent recherchierten historischen Romane kennenlernen und schätze seither ihren wundervollen Schreibstil über alle Maßen. Die Autorin versteht es auf beeindruckende Art und Weise, eine große Tiefe in ihren Geschichten zu erzeugen und Werte zu vermitteln. Wie bereits in etlichen vorherigen Büchern zog mich auch bei dieser Lektüre die wunderschöne gewählte Sprache augenblicklich wieder in ihren Bann. Ich war gefangen von der bildhaften Beschreibung der Handlungen und der Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonistin. Ich möchte auch die Charakterisierung der handelnden Figuren hervorheben, die Frau Schriber ebenfalls ausgezeichnet gelungen ist. Der Protagonistin wurde die größte Aufmerksamkeit zuteil, und Pia war es auch, die sehr rasch zu meiner favorisierten Figur avancierte. Ihre Fähigkeit, das Beste aus ihrem Leben zu machen und stets die positiven Aspekte hervorzuheben, haben mich tief beeindruckt. Pias einzige und beste Freundin Luisa hingegen besitzt eine völlig konträre Lebenseinstellung. Erst nach und nach offenbart sich, wie sehr die beiden Frauen sich trotz der enormen Unterschiedlichkeit ihres Wesens ergänzen. Luisa ist Versicherungsangestellte und eine perfekte Organisatorin. Die attraktive Frau mit ihrer zarten, mädchenhaften Art umgibt sich gerne mit vielen Menschen, mit ihr an der Seite wird es niemals langweilig. Als Antagonist fungiert Pias ehemaliger Liebhaber Luc. Der arrogante Bonvivant macht der Tankstellenbesitzerin das Leben schwer und sorgte dafür, dass ich bereits nach seinen ersten Auftritten im Buch eine gewaltige Aversion gegen ihn entwickelte. Eine nicht unbedeutende Rolle wird auch Pias Nachbar, einem Gebrauchtwagenhändler namens Gigi, zuteil.

Wie bereits erwähnt bereitete mir der hervorragende Schreibstil allergrößtes Lesevergnügen. Inhaltlich wartet der Roman mit tiefsinnigen Erkenntnissen und klugen Lebensweisheiten auf. Durch den kriminell veranlagten Luc wurde zudem auch ein gewisser Spannungsbogen aufgebaut, der konstant bis zum Ende des Buches gehalten wird. Mein einziger Kritikpunkt waren die sexuellen Handlungen zu Dritt im Inneren des Autos beim Testen der Waschanlage, die lesbischen Bestrebungen der freizügigen Luisa sowie ihr unmoralischer Lebenswandel als Ehebrecherin. Da diese Inhalte jedoch nur sehr behutsam und zart angedeutet wurden und die Autorin zudem stets ihre gehobene Sprache beibehalten hat, möchte ich dieser moralischen Verwerflichkeit, die gegen all meine Prinzipien und Grundsätze verstößt, keine allzu große Gewichtung in meiner abschließenden Bewertung verleihen.

FAZIT: Durch die Lektüre „Glänzende Aussichten“ durfte ich mir einen weiteren niveauvollen Roman aus der Feder dieser großartigen Schweizer Autorin zu Gemüte führen, der mich sehr gut unterhalten und mir ein außerordentliches Lesevergnügen bereitet hat. Obgleich ich ganz verliebt in die erstklassigen historischen Romanen Margrit Schribers bin und diese definitiv mein favorisiertes Genre darstellen, kann ich auch die vorliegende Neuerscheinung uneingeschränkt weiterempfehlen

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Die Töchter unserer Mutter sind hart im Nehmen… notgedrungen

Die andere Schwester von Kristin Hannah

„Sie hatte längst aufgegeben, sich eine andere Mutter zu wünschen. Wie auch den Traum von einer Schwester, die ihre beste Freundin war. Manche Dinge entwickelten sich eben nicht so, wie man es sich ersehnte, selbst wenn man darüber lange Jahre bittere Tränen vergoss.“

Meghann Dontess und Claire Cavenaugh sind Schwester, haben allerdings ziemlich konträre Vorstellungen vom Leben.

Ihr Kontakt beschränkt sich auf wenige, meist kurze und unpersönliche Telefonate. Die beiden haben jedoch eines gemein: eine trostlose Kindheit mit einer oberflächlichen und narzisstischen Mutter, die ihnen unmissverständlich klarmachte, dass Liebe nicht von Dauer ist. Während Meghann zu einer erfolgreichen und unnahbaren Karrierefrau wurde und ein Luxusleben in Seattle führt, unzählige Männer in ihr Bett, aber keinen einzigen in ihr Herz lässt, lebt Claire bei ihrem leiblichen Vater im River’s Edge Resort. Sie liebt ihre Arbeit im Familienunternehmen und ist alleinerziehende Mutter einer fünfjährigen Tochter. Sowohl Meghann, als auch Claire leiden unter ihrer Entfremdung, doch die zaghaften und teilweise ziemlich unbeholfenen Versuche, aufeinander zuzugehen, führen lediglich zu gegenseitigen Missverständnissen und emotionalen Verletzungen. Als Claire der großen Liebe ihres Lebens begegnet und Meghann zur Hochzeit einlädt, läuten bei der ehrgeizigen Scheidungsanwältin sämtliche Alarmglocken. Sie wähnt ihre kleine Schwester in Gefahr und macht sich sofort auf den Weg, um sie vor dem größten Fehler ihres Lebens zu bewahren. Etliche Turbulenzen und eine längst fällige Aussprache scheinen nun unausweichlich…

Kristin Hannah befasst sich in diesem Roman mit tiefen und schmerzhaften Verletzungen aus der Vergangenheit. Ihre großen Themen sind Verdrängung, Bitterkeit, Konfrontation und letztendlich Vergebung, die sie in einem wunderschönen und einfühlsamen Schreibstil meisterhaft umgesetzt hat. Bei der Charakterisierung von Meghann zeigt sie deren harte Fassade als unabhängige Single-Frau, erlaubt jedoch nach und nach immer tiefere Einblicke in deren Innerstes, wo ein kleines, verängstigtes Mädchen sich aller bitteren Erfahrungen und Zweifel zum Trotz immer noch nach Liebe sehnt. Die Autorin lässt ihre Protagonistin eine große Wandlung durchleben und im Verlauf der Handlung beginnt Meghanns schroffe und autoritäre Fassade schließlich zu bröckeln. Mit Claire hat Kristin Hannah eine sehr sympathische zweite Hauptfigur in ihren Roman eingebracht. Die liebevolle und sanfte Frau leidet zwar ebenfalls unter den traumatischen Kindheitserlebnissen, darf sich jedoch dank ihrer kleinen Tochter Alison, ihres fürsorglichen Vaters Sam und ihrer treuen Freundinnen aufgefangen und geliebt wissen. Mit dem einsamen und ziellos von Ort zu Ort ziehenden Joe Wyatt tritt eine interessante Nebenfigur in Erscheinung. Hinter seinem vernachlässigten und ungepflegten Äußeren verbirgt sich ein hoch intelligenter, jedoch von tiefen Schuldgefühlen gequälter Mann, den eine tragische Begebenheit vollkommen aus der Bahn geworfen hat. Auch die Figur des attraktiven Sängers und Songschreibers Bobby Austin, der von einer Karriere als Country- und Western Star träumt, spielt eine bedeutende Rolle in diesem Buch. Als Antagonistin tritt Meghanns und Claires Mutter Eliana Sullivan in Erscheinung. Neben ihren inszenierten Auftritten und ihrem kalten, abweisenden, zutiefst egoistischen Verhalten gelingt es Kristin Hannah, dem Leser auch einen Blick auf Elianas Verletzlichkeit und ihre eigenen seelischen Wunden zu vermitteln.

Kristin Hannah hat mir mit diesem außergewöhnlichen Roman ein tief berührendes und lange nachwirkendes Leseerlebnis beschert. Der einnehmende Schreibstil, eine riesengroße Palette von Gefühlen sowie ein erhöhter Spannungsbogen ab dem letzten Drittel dieses Buches sorgten dafür, dass ich es kaum noch aus der Hand zu legen vermochte. „Die andere Schwester“ hat mir ausgezeichnet gefallen und ich durfte die Autorin wieder einmal als großartige Erzählerin und eindrucksvolle Vermittlerin von Emotionen erleben.

Obgleich der Untertitel dies bereits verrät, möchte ich dennoch darauf hinweisen, dass es sich bei dem vorliegenden Roman um keine Neuerscheinung handelt, sondern um das Buch „Wer zu lieben wagt“ aus dem Jahr 2003, welches nun unter dem Titel „Die andere Schwester“ veröffentlicht wurde.

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Die Töchter unserer Mutter sind hart im Nehmen… notgedrungen
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Wirf dein Herz voraus, und spring hinterher!

Küstenträume von Marlies Folkens

„Ich lege dir ans Herz, was mir außer dir am wichtigsten ist: meinen Hof und meine Tanja, und ich weiß, dass beides bei dir in guten Händen ist. Ich umarme dich in Liebe, dein Onkel Henry.“

Der unvermutete Tod ihres geliebten Onkels Henry ist ein Schock für Judith Reimann. Die schlimme Nachricht erreicht die alleinerziehende Mutter einer achtjährigen naseweisen Tochter noch dazu in einer tristen Situation.

Judith hat nicht nur ihre Anstellung in einem Biomarkt verloren, ihr wurde auch der Mietvertrag für die kleine Wohnung in Hannover gekündigt. Nach dem Erhalt eines Schreibens, in dem sie um ihre Anwesenheit bei der Testamentseröffnung aufgefordert wird, entschließt sie sich kurzerhand, nach Nordenham zu fahren.

Zur gleichen Zeit entdeckt die taffe Karrierefrau Tanja Merker, dass ihr Lebensgefährte sie schmählich hintergangen hat. Die Juristin kündigt ihren Job in einem Versicherungskonzern, zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus und bucht kurzentschlossen einen Urlaub auf Sylt. Dort erreicht sie eine Briefnachsendung – auch Tanja wird zur Eröffnung von Heinrich Reimanns Testament geladen.

Durch die Testamentseröffnung wird das Leben der beiden Frauen vollständig auf den Kopf gestellt. Der gute Onkel Henry hinterlässt seinen Hof in Bördiek zu gleichen Teilen Judith und Tanja. Er macht jedoch zur Bedingung, dass die beiden mindestens vier Wochen lang auf dem Hof leben, und ihr Erbe ein Jahr lang nicht verkaufen dürfen. Was für die beiden Städterinnen zunächst unvorstellbar scheint, wird nach genauerer Betrachtung vorsichtig in Erwägung gezogen – und schließlich entscheiden Judith und Tanja sich für das vierwöchige Abenteuer in dem idyllischen kleinen Dorf mit seinen schrulligen und liebenswerten Bewohnern.

Marlies Folkens erzählt in ihrem Roman die wunderschöne und herzerwärmende Geschichte eines alten Mannes, der seinen Traum leben durfte und nach seinem Tod dazu beitragen möchte, dass sich auch die Träume jener Menschen erfüllen, die ihm am meisten am Herzen lagen. Die Protagonisten dieses Buches wurden sehr überzeugend dargestellt. Judith Reimanns ruhige, besonnene Art, ihr unscheinbares Äußeres und ihre Zurückhaltung stellen einen ziemlichen Kontrast zur ehrgeizigen und sportlichen Juristin Tanja dar. Tanja ist spontan, selbstbewusst und fühlt sich bereits ihr ganzes Leben lang als „Getriebene“. Die Person des liebevollen und herzlichen Heinrich Reimann wird dem Leser in Form von Rückblenden vorgestellt, während die anderen Nebenfiguren dieses Buches nach und nach auf dem Schauplatz der Handlung erscheinen. Marlies Folkens hat sich mit deren Charakterisierung ebenfalls große Mühe gegeben und ich war besonders der achtjährigen kleinen Tochter von Judith zugetan. Das eigensinnige und selbstbewusste kleine Mädchen mit dem feuerroten Haar, das vor nichts und niemanden Angst hat, zeigt einen für ihr Alter ungewöhnlichen Scharfsinn und übergroßes Einfühlungsvermögen - im Grunde war Anna meine ganz persönliche Protagonistin in diesem Buch. Gertrud Köhler ist eine typische liebenswerte Bewohnerin des kleinen Ortes Bördieks, ihr Tante-Emma-Laden stellt einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt dar. Der Inhaber des benachbarten Hofes namens Jürgen Peters und der attraktive Christoph Janssen fungieren nicht selten als Retter in der Not, und letztendlich schaffte die Autorin es sogar, meine Sympathie für die redselige Plaudertasche Annegret durch ihre Hilfsbereitschaft und ihr riesengroßes Herz zu erwecken.

Der locker-leichte Schreibstil und der interessante Inhalt machten die Lektüre dieses Buches zu einem reinen Vergnügen, einzig der vermehrte Einsatz von Kraftausdrücken in diesem Buch hat mich gestört und stellt einen kleinen Kritikpunkt meinerseits dar.

Fazit: Der Roman „Küstenträume“ hält, was das verlockende Coverfoto mit dem idyllischen Haus vor einer malerischen Landschaft verspricht: der Leser taucht in eine Geschichte ein, in der es um die Erfüllung von Träumen geht, wo Menschen sich an Wegkreuzungen ihres Lebens befinden, und Entscheidungen getroffen werden müssen. Die Autorin fragt zu Recht: „Was ist mit den Wünschen, die man sich nicht mit Geld erfüllen kann?“ Eine wunderschöne Geschichte, die mir große Freude bereitet hat und die ich sehr gerne weiterempfehle.

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