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Rezensionen von rewareni:
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TENTAKEL DES HIMMELS von Heike Vullriede
Jan Torberg ist ein rebellischer junger Mann, der niemanden an sich ran lässt und für den Freundschaft ein Fremdwort ist. Als ihm der unerwartete Selbstmord seines Vaters viel Geld und ein Marketing Unternehmen beschert, ist es mit seinem freiheitsliebenden Leben zu Ende. Mehr aus Neugierde als aus wirklichem Interesse lässt er sich auf den ,,Padre“ ein, der der Gründer ,, Der Kirche des Lichts ´´ ist, bei denen seine Eltern Mitglieder waren.
Obwohl Jan zu Beginn skeptisch ist und sich dem Padre überlegen fühlt,wird er immer tiefer in einen Sog aus psychischer
und physischer Gewalt hinein gezogen aus der es scheinbar auch für ihn kein Entrinnen mehr gibt.
,,Tentakel des Himmels“ ist der spannungsgeladene Roman von Heike Vullriede, wo der Leser einen beängstigenden Einblick in das Sekten Leben rund um den gottähnlichen Padre erhält, der von seinen Mitgliedern angehimmelt und vergöttert wird.
Dabei zeigt die Autorin ein beängstigendes Bild auf, wie leicht sich Menschen manipulieren lassen und dabei bereit sind ihr ganzes Leben einer Person zu widmen und dieser wie willige Schafe, die zur Schlachtbank geführt werden, zu folgen.
Der charismatische Padre wirkt im Grunde sympathisch, er gibt Menschen die desillusioniert vom Leben sind einen Rettungsanker in Form einer Gemeinschaft, wo jeder für den anderen da ist ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Dass sie dafür aber ihr ganzes Geld an ihn ,,spenden“ sollen, damit er ihre Gemeinschaft gut führen kann, nehmen sie dabei willig in Kauf.
Aber auch die Ausnützung von verzweifelten Menschen wird gut dargestellt, wenn er als ,,Heiler“ schwer kranken Menschen hilft, selbst wenn sie, leider, trotzdem sterben, aber zumindest ist ihre Geldspende gut bei ihm aufgehoben.
Der Protagonist Jan erlebt in dem Roman eine große Wandlung, wo man als Leser auch um ihn bangt. Obwohl er zu Beginn eine große Arroganz ausstrahlt und alles andere als wirklich sympathisch ist, merkt man im Laufe der Geschichte, dass er im Grunde ein verletzlicher und einsamer Mensch ist, wo sich die Tentakeln des Padres immer fester um ihn schlingen.
Auch die anderen Protagonisten wie Anna, die schon seit Jahren für den Padre arbeitet und Dinge dabei erlebt, die sie zum Umdenken bewegen oder Kemal, der schon für Jans Vater gearbeitet hat und nun für Jan arbeitet, passen gut in die Geschichte hinein. Dass es zwischen Jan und Kemal immer wieder kracht und dabei ein feiner, zynischer Humor erkennbar ist, macht die Geschichte noch interessanter.
In dem Roman ist man als Leser oft erschüttert, wie brutal im Geheimen mit unerwünschten Personen umgegangen wird. Der Einblick in das Sekten Leben ist der Autorin wunderbar gelungen wo man oft nur den Kopf schütteln kann ob der Naivität der Menschen, die sich der Gemeinschaft angeschlossen haben. Sie leben zwar scheinbar in Frieden und vollkommenen Glück merken aber nicht, dass die unsichtbare Hand des Padres jeden ihrer Schritte leitet und ihnen ihr eigenes Leben schon lange weggenommen hat.
Dass es eine Fortsetzung des Romans gibt ist gut, denn die Geschichte ist wohl noch nicht zu Ende.
Eine abenteuerliche Reise beginnt
Herzogs Höhenflüge von Wolfgang Sréter
Konstantin Herzog ist ein eher unauffälliger und ruhiger Mann, was seinem ,,Beruf“ als Taschendieb und selbsternannter ,,Kunstzieher“ sehr entgegen kommt. Sein beschauliches Leben gerät aber eines Tages völlig außer Kontrolle, als er seinen ehemaligen Schulfreund ,,Fliege“ erhängt in dessen Wohnung auffindet.
Als ihn auch noch Flieges Ex Frau Alina beauftragt mehr über den Mord heraus zu finden, landet Herzog ungewollt in einen Strudel aus illegalen Geschäften und weiteren Morden. Dass ihm seine resolute Freundin Margret noch eine wertvolle Hilfe sein wird, ahnt er zu Beginn noch nicht. Und so beginnt eine abenteuerliche und gefährliche Reise durch mehrere Länder.
,, Herzogs Höhenflüge“ ist der spannende Krimi von Wolfgang Sréter, wo der Autor seine Leser auf eine abenteuerliche Reise von München über Bangkok, Hué und Jerusalem bis nach Prag mit nimmt und den Show down am Gardasee findet.
Kleine in schwarz- weiß gehaltene Fotos leiten immer die neuen Kapitel ein und passen gut zu der Geschichte dazu.
Herzog ist in dem Roman der tragische Held, der unvermutet in dubiose und gefährliche Geschäfte verwickelt wird, mit denen er überhaupt nichts zu tun hat. Er ist ein richtiger Anti Held, der lieber in Ruhe seiner ,,Arbeit“ nachgehen würde, als durch mehrere Länder gehetzt zu werden und dabei immer wieder Zeuge von neuen Morden wird.
Dabei hat der Autor gut recherchiert und hat Plätze und Städte beschrieben, die es wirklich gibt. Er zeigt sich dabei als guter Beobachter der die Stimmung von Land und Leute sehr bildhaft beschreibt. Dabei hatte ich manchmal das Gefühl mehr einen Reisebericht, als einen Krimi vor mir zu haben.
Die Geschichte wird gut erzählt und die Zusammenhänge zwischen den ganzen Morden wird am Ende aufgeklärt.
Ein feiner und gut platzierter Humor an den richtigen Stellen, lockert die Geschichte immer wieder auf.
Auch wenn Herzog und Margret ein sehr unterschiedliches Paar sind, passen sie gut zusammen und beide sind immer wieder für Überraschungen gut.
Der Titel ,,Herzogs Höhenflüge“ ist gut gewählt und der Leser wird dabei gut unterhalten.
Kriegsverbrechen
Herzogs Höhenflüge von Wolfgang Sréter
Zuerst beginnen bei Michael furchtbare Träume, die ihn in grausame Kriegsverbrechen verwickeln, bis es auch seinen Freund Flocke erwischt und sich beide mit SS Offizieren, Judenverfolgung und einem besonderen Geheimnis herumschlagen müssen. Gemeinsam versuchen sie nun herauszufinden, was es mit der Taschenuhr und dem Zigarettenetui auf sich hat, die beide immer wieder in ihren Träumen vorkommen.
Als sie herausfinden, dass sie überwacht werden und ihre Träume immer lebhafter werden wissen Michael und Flocke, dass sie wohl immer näher an die Lösung des Geheimnisses heran kommen und ihnen nicht mehr viel Zeit dafür bleibt.
Aus der mehrteiligen ,, Fluch der Träume“ Reihe beginnt der erste Teil ,, Vernichtung“ , in dem der Autor Stephan Fölske seine Leser auf eine spannende und fiktive Reise in die Vergangenheit der NS Zeit mit nimmt. Die Mischung zwischen Fiktion und zum Teil dokumentierten Geschichte lassen den Roman stellenweise recht heftig und auch grausam rüber kommen.
Zu Beginn wird man als Leser auf eine harte Probe gestellt, weil der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit recht oft vorkommt bis man zu verstehen beginnt, dass sich Michael und auch Flocke sich sowohl in die Opfer, als auch in die Offiziere hinein versetzen in ihren Träumen und sie somit die ganzen Erlebnisse hautnah miterleben.
Am Anfang kommen auch immer wieder Textpassagen fast wortwörtlich zweifach vor, wo man etwas verwirrt ist, weil man sie zwei mal liest, bis man versteht, dass sie einmal aus der Sicht des Opfers und dann aus der Sicht des Täters beschrieben wird.
Diese doppelten Textstellen kommen nur zu Beginn vor und danach ist man in der Geschichte gefangen und genauso gespannt wie die beiden Protagonisten , was damals im Krieg passiert ist.
Das Geheimnis der Taschenuhr zu lüften ist nicht leicht und Michael und Flocke bekommen auch einen gefährlichen Gegenspieler, der selbst vor Entführung und Mord nicht zurück schreckt.
Auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte ein wenig den Überblick über die Geschichte zu verlieren, hat sie mir trotzdem gut gefallen, weil es eine interessante Idee des Autors ist und die Geschichte flott und spannend geschrieben ist.
Dass am Ende die Träume wieder beginnen macht schon neugierig auf den nächsten Band, wo ich hoffe, dem Geheimnis wieder ein Stück näher zu kommen.
Hilde und Karl
Es ist schon fast halb zwölf von Zdenka Becker
Für Hilde und ihren Demenz kranken Mann Karl steht der unvermeidbare Umzug in ein Altersheim bevor. Obwohl sich Hilde dagegen lange gewehrt hat spürt sie, dass dieser Weg sein muss. Als sie eines Tages am Dachboden eine Kiste mit alten Briefen findet, die sie und Karl sich zwischen 1938 und 1945 geschrieben haben, kommen viele Erinnerungen in ihr hoch.
Zwischen ihrer Verlobung, ihr getrenntes Leben wegen Karls Arbeit in Berlin und dem beginnenden Krieg, sind viele Dinge geschehen, die sie heute noch belasten und Hilde weiß, dass sie nur dann in Frieden leben kann, wenn sie die Schatten der Vergangenheit endlich hinter sich lassen kann.
In dem Roman ,,Es ist schon halb zwölf“ hat die Autorin Zdenka Becker über 500 Briefe, die sie auf ihrem Dachboden gefunden hat literarisch aufgearbeitet und den Leser auf eine spannende Zeitreise mitgenommen.
Die beiden Protagonisten Hilde und Karl haben sich in den vielen Jahren der Trennung mit ihren Briefen und Karten gegenseitig auf dem Laufenden gehalten und versucht ein kleines Stück Nähe und Verbundenheit auf diese Art zu bewahren.
Da beide aus einfachen Verhältnissen stammen wirken gerade zu Beginn die Inhalte nicht sehr abwechslungsreich. Es wird über alltägliche und banale Dinge geschrieben und der Wunsch endlich heiraten zu können. Gerade diese Einfachheit hat aber seinen besonderen Reiz und zeigt, dass es ihnen einfach nur darum gegangen ist, dass sie voneinander hören und wissen, dass es dem anderen gut geht.
Man merkt auch als Leser, wie sich bei beiden das Stimmungsbild gegenüber des Krieges geändert hat. Besonders Karl macht dabei eine große Entwicklung durch, wo ihm die Erlebnisse und Ereignisse des Krieges noch viele Jahre nach Kriegsende , nicht los lassen.
Aber auch Hilde erlebt dabei Dinge, die sie verdrängt hat und die sie nicht einmal Karl erzählt hat.
Die Geschichte wechselt dabei immer wieder zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, wo die Autorin sehr behutsam und liebevoll den Umgang zwischen der betagten Hilde und ihrem kranken Mann erzählt hat.
Der Titel ,,Es ist schon halb zwölf“ findet sich immer wieder in den Briefen, die Karl an Hilde geschrieben hat und er passt wunderbar zu der Geschichte.
Tatsächliche geschichtliche Ereignisse, menschliche Tragödien und die Hoffnung, auf ein friedliches Leben bilden den Rahmen des berührende Romans, wo der Leser eintauchen kann in eine Jahrzehntelange Ehe, die geprägt war von Entbehrungen, Selbstzweifel, Angst, aber auch von Hoffnung und Willenskraft, dass man gemeinsam vieles schaffen kann.
Gustav
Halterberg von Mart Schreiber
Für Gustav kommen viele schlimme Kindheitserinnerungen hoch als er erfährt, dass die verhasste Nachbarin von früher in das gleiche Pflegeheim einzieht in der nun seine Mutter lebt. Er erinnert sich an Dinge, die er bisher versucht hat zu verdrängen, aber die Vergangenheit holt ihn unaufhaltsam ein.
Und so muss er sich wohl oder übel mit Erinnerungen auseinander setzen die geprägt sind von einem herzlosen Elternhaus, Mobbing der Nachbarskinder und erstes sexuelles Erwachen zu Vera der Nachbarstochter, die eines Tages spurlos verschwindet und er verdächtigt wird etwas damit zu tun zu haben.
Der Roman ,,Halterberg“ ist eine spannende und sehr emotionale Reise in die 60er- und 70er Jahre wo der Autor Mart Schreiber es exzellent schafft, speziell die älteren Leser in ihre eigene Kindheit zurück zu versetzen. Gerade das ,,einfache“ Leben von damals wird dabei gut beschrieben und die bildhafte Sprache lässt den Leser wunderbar in die Welt von Gustav eintauchen.
Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen, die sich ständig vermischen und somit einen wunderbaren Einblick in die Gefühlswelt von Gustav bieten.
Es ist interessant zu lesen, wie die Erinnerungen der verschiedenen Protagonisten sich voneinander unterscheiden. Gustav ist dabei der tragische Held, der vieles erdulden und erleiden musste und mit all seinen Problemen, Sorgen und Ängsten immer alleine war.
Selbst im Erwachsenen Alter haben es nicht einmal die Geschwister von Gustav geschafft, dass sie sich Halt und Unterstützung geben. Viele widersprüchliche Erinnerungen von damals haben es nie wirklich zugelassen geschwisterliche Nähe und Zuneigung aufkommen zu lassen.
Die Geschichte ist von viel Tragik, Boshaftigkeit und Hoffnungslosigkeit geprägt, die die Handlung sehr spannend und vor allem sehr lebhaft gemacht hat.
Auch als Erwachsener schafft es Gustav nicht wirklich die Schatten seiner Vergangenheit abzuschütteln. Seine traumatischen Erlebnisse von Früher lassen auch ihn immer wieder anders handeln, als er im tiefsten Inneren eigentlich will.
Das unerwartete Ende hat mich traurig gemacht, aber so soll ja ein guter Roman sein, dass man bis zum Schluss nicht weiß, wie die Geschichte enden wird.
Unerfüllte Liebe
Blinder Spiegel von Salih Jamal
Zwei Menschen, die sich in Paris begegnen und eine kurze, aber heftige Affäre beginnen. Das ist Lui, der als Fluglotse ständig unterwegs ist und es nie schafft sich länger zu binden. Und Elle, deren Mann als Unternehmer sie in einen goldenen Käfig sperrt und seine masochistischen Triebe brutal an ihr auslebt.
Beide wissen, dass es für sie keine gemeinsame Zukunft geben kann und wird und das Schicksal hat schon längst die Karten für sie gemischt.
,, Blinder Spiegel“ ist ein Roman in 5 Akten, in der der Autor Salih Jamal seine Protagonisten lieben und leiden lässt. Eine tragische Liebesgeschichte, die in Paris spielt und man dank der bildhaften Beschreibung vom Leben der Menschen mit ihren alltäglichen Handlungen ein schönes Stimmungsbild präsentiert bekommt. Man spürt das besondere Flair, das diese Stadt umgibt und passt gut zu der Geschichte rund um Lui und Elle.
Wie immer verzaubert der Autor seine Leser mit einer poetischen, berührenden und tiefsinnigen Gedankenweise. Da kommt es dann ganz unvermutet wenn man einen ,,Stilbruch“ vorgesetzt bekommt, in dem fast schon ordinäre Wörter die Geschichte ausfüllen. Da Lui und Elle ,,krank“ in ihrer Seele sind, da es das Schicksal mit beiden nicht gut gemeint hat, ist es wohl passend, wenn die Ausdrucksweise sich immer wieder ändert. Aber auch heftige Sexszenen kommen unvermutet und trüben ein wenig das Stimmungsbild.
Lui und Elle sind problematische Charaktere, da sie sich auf verschiedenste Art und Weise Schmerzen zufügen, sowohl psychisch, als auch physisch. Manche Szenen waren mir zu schnell abgehakt, vielleicht liegt es daran, dass der Roman nur knapp über 100 Seiten hat. Trotz tragischer Liebe und Hoffnungslosigkeit der Protagonisten ist es mir nicht gelungen einen Zugang zu ihnen zu finden. Beide sind Suchende, die es aber nicht schaffen an ein Ziel zu kommen und manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie es im Grunde auch gar nicht wollen.
Salih Jamal ist ein Jongleur mit Worten, wo er seine Leser verzaubern und gleichzeitig auch erschüttern kann. Auch wenn mich dieses Mal der Roman nicht so überzeugen konnte wie die anderen, so ist er alleine wegen der Sprachgewaltigkeit und Tiefsinnigkeit ein Leseerlebnis.
Mutter und ich
SIMULATION von Matthias Clostermann
Alex Stein, Computerspiele Entwickler scheint es tatsächlich geschafft zu haben. Sein Projekt, dass er mithilfe einer künstlichen Intelligenz und der Steuerung des menschlichen Nervensystems, eine virtuelle Realität erschaffen kann, wo man das Gefühl hat alles tatsächlich zu erleben, scheint Erfolg zu haben.
Seine Begeisterung treibt ihn immer öfter selbst in diese Simulation, wo er bald schon nicht mehr weiß, was real und Fantasie ist. Doch bald muss er erkennen, dass er etwas erschaffen hat, das sich selbst weiterentwickelt und sein bisheriges Leben auf den Kopf stellt. Was er in der künstlichen Welt erlebt, ist nicht das, was er sich vorgestellt hat und ihm wird klar, dass das Wohl der gesamte Menschheit auf dem Spiel steht.
Der Roman ,, Simulation“ von Matthias Clostermann ist eine spannende Mischung zwischen SF und dystopischen Elementen. Alleine schon das kunstvolle Cover verspricht schon eine ungewöhnliche Geschichte, in der künstlich erzeugte Illusionen eine große Rolle spielen. Die Spannung beginnt gleich von Beginn weg und steigert sich von Seite zu Seite. Man ist als Leser, so wie Alex sofort gefangen in seiner Simulation, die ganz harmlos beginnt. Alles scheint problemlos zu funktionieren. Dabei lässt der Autor tolle Bilder entstehen und wie sich das Projekt weiterentwickelt wird gut beschrieben. Man ist gebannt von der Geschichte und merkt erst im Laufe der Zeit, was Alex hierbei erschaffen hat. Es war auch für mich als Leser ein besonderes Gefühl, wo ich mir gut vorstellen konnte wie es ist in eine Art Traumwelt einzutauchen, wo man all das erleben kann, was man sich wünscht und wonach man sich sehnt. Dass solche Simulationen auch eine gefährliche Droge sein können, hat Matthias Clostermann beängstigend beschrieben. Es ist vor allem ein Roman wo man selber zum Nachdenken beginnt, wie weit man selber gehen würde um in eine virtuelle Welt einzutauchen und man darin so gefangen ist, dass man sein wirkliches Leben um sich herum vergisst. Die Geschichte rund um die KI hat mich fasziniert und ich habe bis zum Schluss mit Alex mitgelitten. Ein interessanter und auch unheimlicher Roman der mir sehr gut gefallen hat.
Ein neues Leben
connect von Thea Mengeler
Ava erledigt ihren Job in einer Werbeagentur nur mehr widerwillig. Da kommt es ihr gerade recht, dass ihre Freundin Lisa sie zu connect mit nimmt. Wo sie auf Menschen trifft die sich von Computer, Smartphone und sonstigen digitalen Medien abgewendet haben und sich lieber in einer Gemeinschaft mit gleichgesinnten treffen wo alle eng miteinander verbunden sind.
Auch wenn Ava zu Beginn noch skeptisch ist merkt sie mit der Zeit, dass sie sich immer glücklicher dabei fühlt und plötzlich erscheint ihr ihr bisheriges Leben als sinnlos und nicht ausgefüllt. Schließlich bricht sie zum Leidwesen ihrer Familie und Freundinnen alle Brücken zu ihrem alten Leben ab und schließt sich connect und dem charismatischen Dev, dem Gründer von connect, an.
Der Roman ,,connect“ von Thea Mengeler erzählt eine beängstigende Geschichte, die durchaus aus dem realen Leben stammen könnte. Nämlich, wie leicht es sein kann einen Menschen ohne körperlicher Gewalt so zu beeinflussen, dass dieser bereit ist sein bisheriges Leben aufzugeben um in eine sektenähnliche Gemeinschaft einzutreten. Man begleitet die Protagonistin und merkt eigentlich selbst nicht, wie geschickt der Verein rund um Dev die Menschen mit Worten und Gedankengängen beeinflusst. Das besondere daran ist immer wieder, dass Devs Beweggründe so eine Gemeinschaft zu gründen gar nicht einmal so abwegig oder schlecht sind. Der Gedanke, dass man sich mehr um sich selbst kümmern soll und man echte Freunde und nicht ,,unechte“ auf Facebook und Co haben soll, werden einem sicherlich auch selbst zu denken geben. Die Menschen leben scheinbar glücklich und zufrieden bei connect. Jeder ist für jeden da, jeder beteiligt sich an den Arbeiten, die im täglichen Leben anfallen mit. Es wird dabei so geschickt manipuliert, dass es mir selbst beim Lesen kaum aufgefallen ist. Im Grunde macht connect dabei sogar einen sympathischen Eindruck, dem auch Ava verfällt. Sie lässt sich dabei relativ schnell vom Gedankengut der Gemeinschaft vereinnahmen und es ist dabei erschütternd, wie sie sich immer mehr von ihrem Leben und ihrer Familie und Freunden entfernt. Fast wirkt sie dabei richtig naiv und ihre Gedanken kreisen nur mehr um Dev und seinen Ansichten. Die Autorin hat dabei sehr gut die Empfindungen von den Menschen bei connect dargestellt und beschrieben. Wie diese dabei systematisch immer mehr abhängig gemacht werden erfährt man im Laufe des Romans, wo man sieht, dass es auch dunkle Seiten dabei gibt. Ein spannender Roman der zeigt, dass wohl niemand davor gefeit ist sich jemanden anzuschließen der geschickt die richtigen Knöpfe drückt und so andere beeinflussen kann, dass sie in einem Strudel gefangen sind, aus dem sie nicht mehr heraus können.
Meine Mutter und ich
Irmas Vormund von Bodo Krüger
Pastor Arno Breslauer hat schon lange seine Vergangenheit hinter sich gelassen,bis zu dem Tag, als ein Brief aus dem Landeskrankenhaus für Psychiatrie bei ihm eintrifft mit der Bitte, dass er seine Mutter wieder einmal besuchen möchte. Gestresst von seiner Arbeit kommt ihm diese Nachricht nicht gerade gelegen und plötzlich reißen wieder alte Wunden auf und seine Erinnerungen an seine schwere Kindheit kommen wieder hoch.
Doch er weiß, dass er sich diesen stellen muss und ein Besuch bei seiner psychisch kranken Mutter deren Vormund er schon seit vielen Jahren ist, ist somit unausweichlich.
,, Irmas Vormund“ ist der autobiographische Roman des Autors Bodo Krüger, der hier sehr intensiv und auch nichts beschönigend seine eigene Lebensgeschichte erzählt. Die Geschichte, dass er bis zu seinem 14. Lebensjahr auf einem Binnenschiff mit seinen Eltern gelebt hat, dass er vom Jugendamt geholt in einem Heim gelandet ist und er später seinen Schulabschluss gemacht hat, bis er als Pastor seinen persönlichen Lebenshafen gefunden hat, wird von Bodo Krüger immer wieder sehr emotional erzählt. An manchen Stellen wiederum hat man eine Distanz gespürt zwischen ihm und seinem Protagonisten, wenn er von Arno als der Vormund gesprochen hat, der sich sogar als Kind schon seiner Mutter gegenüber so bezeichnet hat. Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt und so empfand ich es manchmal etwas störend wenn von der Gegenwart gleich in die Vergangenheit und wieder zurück gewechselt wurde, ohne, dass es klar zu erkennen war. Der Autor hat in dem Roman seine eigene Geschichte aufgearbeitet, wo es bewundernswert ist, dass er trotz Alkoholsucht seines Vaters, der immer wieder Schulden gemacht hat und seiner immer mehr psychisch erkrankten Mutter, die er fast schon als Kind betreut hat, dass er sich selbst aus diesem Sumpf heraus gezogen hat und noch vieles im Leben erreicht hat. Einen richtigen Zugang zu Arno Breslauer konnte ich aber leider nicht finden, da der Erzählstil doch nüchtern war und für mich der Protagonist vor allem seiner eigenen Familie gegenüber wenig Empathie gezeigt hat. Vielleicht liegt das auch daran, dass der Autor selbst unter einer ,,kalten“ Beziehung seiner Eltern gegenüber gelitten hat und somit echte Gefühle schwer zu zeigen sind.
,,Irmis Vormund“ ist ein Roman, wo die Ausdrucksweise und der Erzählstil eher einfach gehalten ist. Der Autor hat dabei so gut es geht all seine Erinnerungen egal ob sie schlecht oder traurig waren, erzählt. Dabei hat er aber auch nie die kleinen schönen Dinge vergessen, die ihm dabei widerfahren sind. Seine Verantwortung, die er bereits als Kind für seine Mutter übernommen hat, haben ihn sein ganzes Leben lang geprägt und dass es ein steiniger Weg bis ins Erwachsenenalter war hat er dabei in dem Roman sehr persönlich erzählt.
Schuld
Irmas Vormund von Bodo Krüger
Obwohl Xenia nicht begeistert davon ist, ihre beiden kleinen Kinder Linus 7 Jahre und Meret 4 Jahre, eine Station mit der S- Bahn alleine fahren zu lassen, stimmt sie den Vorschlag von ihrem Mann Klaas widerwillig zu. Was soll schon passieren, wenn die Eltern eine Bahn später nehmen und die Kinder wie versprochen auf sie warten werden? Doch eine Störung im Fahrbetrieb verzögert die Abfahrt der Eltern und als sie an der nächsten Station ihre Kinder suchen, sind diese verschwunden.
Ein Albtraum beginnt und für viele Stunden bangen Xenia und Klaas um das Leben ihrer Kinder.
,,Aulaskimo“ ist ein spannender und vor allem sehr emotionaler Roman von Arne Ulbricht, der hier wohl mit den Urängsten von Eltern spielt, die ihre Kinder vermissen und nicht wissen, ob sie diese gesund wieder sehen werden. Die Geschichte beginnt ganz harmlos und steigert sich von Seite zu Seite, wo man Zeuge davon wird, wie sich Gefühle und Gedanken im Laufe der Handlung dramatisch verändern. Es war interessant zu lesen wie sich Klaas und Xenia in den paar Stunden der Suche verändern. Waren sie zu Beginn noch bemüht sich gegenseitig Halt und Zuversicht zu geben, so haben sich später Schuldzuweisungen, Hass und auch Aggressivität dazu gesellt. Die Entwicklung die die beiden dabei durchgemacht haben, waren sehr intensiv beschrieben und selbst die beiden Protagonisten waren dabei immer wieder selbst entsetzt, welch negative Gedanken in ihren Köpfen aufgetaucht sind. Es war spannend zu lesen, wie dieses schlimme Ereignis die beiden verändert hat. In dieser Zeit haben aber auch Klaas und Xenia einiges über sich selbst erfahren und haben bemerkt, dass viele ihrer Wünsche und Bedürfnisse im Laufe ihrer Ehe auf der Strecke geblieben sind. Man weiß als Außenstehender nicht, wie man sich selbst in so einer Situation verhalten würde und es war als Leser ein ständiges Auf und Ab der eigenen Gefühle. Besonders gut hat mir dabei auch im Epilog gefallen, dass man die Kinder begleiten konnte, wie sie die vielen Stunden ohne ihre Eltern verbracht haben. Da hat der Autor einen wirklich schönen und emotionalen Abschluss gefunden. Eine Berliner Prise an Lokalkolorit lässt die Atmosphäre noch intensiver erscheinen und passt gut in die Geschichte hinein. ,,Aulaskimo“ von Arne Ulbricht ist ein spannendes Lesevergnügen, das ich gerne weiterempfehle.









