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Rezensionen von Gertie G.:

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Hier ist wenig, wie es scheint

Der tiefe Grund von Anna Johannsen

In ihrem zweiten Fall in der neuen Dienststelle in Wittmund, Ostfriesland, muss sich Oberkommissarin Lena Nielsen nicht nur weiteren beruflichen Herausforderungen stellen, sondern auch jenen ihres Privatlebens. Zu diesen zählt, dass ihr Ex-Freund Ben ein Jahr nach der Trennung unvermutet auftaucht und ihr Vater, der immer mehr in die Demenz abgleitet.

Dazu kommt, dass der Unfalltod von Lisa Uhlen, die sichtlich von einem Auto gerammt und schwerst verletzt, liegen gelassen worden ist, ihren Argwohn erregt. Die akribische Untersuchung des Unfallortes, weist zahlreiche Ungereimtheiten auf. Zunächst deutet einiges auf ihren Ex-Freund hin, doch als bekannt wird, dass der Unfallwagen gestohlen worden ist, scheint es in eine völlig andere Richtung zu gehen.

Lena ist bekannt dafür, eigenmächtig zu ermitteln, was ihren Vorgesetzten Robert Petersen und Kollegen Lars wenig freut, vor allem, wenn sie Ressourcen anderer Dienststellen in Anspruch nimmt.

Wie sich der Tod von Lisa Uhler, der zunächst als Unfall klassifiziert worden ist, zu einer kniffligen Mordermittlung mit weitreichenden Folgen entwickelt, müsst ihr selbst lesen.

Meine Meinung:

Wie schon im ersten Fall (Das erkaufte Glück) spielt auch diesmal Lena Nielsens Privatleben eine nicht unbeträchtliche Rolle und die Hoffnung, einen etwas ruhigeren Arbeitsalltag als beim LKA Hannover zu haben, hat sich nicht erfüllt. Lena bemüht sich, wie eine alleinerziehende Mutter, Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Statt eines Kindes muss sie für ihren demenzkranken Vater sorgen. Noch hält das Netzwerk, doch ist absehbar, dass es dichter gespannt werden muss.
Durch das unvermutete Erscheinen von ihrem Ex, erfahren wir, wovor Lena noch aus Hannover geflüchtet ist. Denn es ist klar, dass der demente Vater nur vorgeschoben ist.

Anna Johannsen versteht es, den Spannungsbogen hoch zu halten, bis er sich in einem Showdown entlädt. Für die Leser ist genug Platz, eigene Ideen zu entwickeln, wer der oder die Täter sein könnten. Ich hatte ja recht bald eine Hypothese, die sich als richtig herausgestellt hat, wenn auch das gesamte Ausmaß, zu Beginn nicht ersichtlich war.

So muss ein fesselnder Krimi sein! Protagonisten, die Ecken und Kanten haben, hohes Tempo, Spuren und Hinweise, die zunächst vielversprechend erscheinen, um dann in einer Sackgasse zu enden. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall.

Fazit:

Ein scheinbarer Verkehrsunfall, der tiefe Abgründe enthüllt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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Hier ist wenig, wie es scheint
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Geht unter die Haut!

Starfish von Lisa Fipps

Dieser Debütroman von Lisa Fipps geht unter die Haut. Warum?

Die elfjährige Ellie ist ein schwergewichtiges Mädchen, das von allen Seiten verspottet und gemobbt wird. Ihre Geschwister nennen sie Platschi und die Mitschüler Wal. Besonders Marissa und Kortnee entpuppen sich als besonders fies, Feindin Nr.

1 und Nr. 2.

Die einzige, die Ellie so nimmt, wie sie ist, ist Viv. Doch dann muss Viv übersiedeln und Ellie scheint ganz alleine zu sein, bis Catalina mit ihrer Familie in der Nachbarschaft einzieht, die als Neue in der Schule und auf Grund ihrer Herkunft ebenfalls mit Vorurteilen zu kämpfen hat.

Nur im Swimmingpool fühlt sie sich leicht und wohl. Hier kann sie als „Seestern“ den Raum für sich einnehmen, der ihr zusteht.

Der Vater, selbst Psychiater, erkennt das Leid seiner Tochter und bringt sie zu einer Therapeutin, der es gelingt, Ellie Mut zu machen. In kleinen Schritten beginnt Ellie Selbstvertrauen aufzubauen und sich zu wehren, zumal sie entdeckt, dass sie nicht die Einzige ist, die in der Schule gemobbt wird. So hat auch ihr Feind Nr. 3 ein Geheimnis, das er hinter seinen Angriffen auf Ellie krampfhaft zu verbergen sucht.

Wie geschickt Ellie mit Worten umgehen kann, fällt einer Lehrkraft auf, die sie ermuntert, diese Gabe zu nutzen, um sich zu wehren ohne selbst beleidigend zu werden.

Doch erst als Ellie in der Schule auch körperlich verletzt wird, reagieren Lehrkräfte und die Familie. Doch zunächst nicht ganz so, wie man es Ellie wünschen würde. Der Bruder tritt die schulische Aktion unter lautem Lachen beim Abendessen breit und die Mutter erklärt, dass Ellie selbst schuld am Mobbing ist, weil sie so fett ist, während der Vater in der Schule anrufen will, um das Mobbing zu unterbinden. Nur Ellies Schwester fasst sich ein Herz und versucht, ihr Verhalten Ellie gegenüber zu ändern. Aber auch nur deswegen, weil Ellie wegen der blauen Flecken sichtbare Verletzungen davon getragen hat. Die seelischen sind ja unsichtbar.

Meine Meinung:

Dieser Jugendroman, den ich auch Eltern empfehle, hat mich sehr berührt, weil ich selbst zu jenen gehöre, die nicht untergewichtig sind. Den Sportunterricht habe ich ähnlich in Erinnerung, zumal wir Leistungsturnerinnen in der Klasse hatten, die uns als Vorbilder vor die Nase gesetzt worden sind. Mein persönliches großes Plus war letztlich, dass ich ungefähr mit zwölf Jahren, quasi über Nacht, einen großen Busen bekommen habe, um den mich alle beneidet haben. Diäten waren kein Thema zu Hause, weil meine Eltern im Zweiten Weltkrieg aufgewachsen sind und häufig gehungert haben.

Doch zurück zu Buch:

Das eigentliche Tragische und ziemlich Verstörende ist hier, dass es vor allem Ellies Mutter ist, die sie durch ihre dauernden Maßregelungen, Dicke-Mädchen-Regeln und Diäten sowie zahlreiche Übergriffe, diejenige ist, die Ellie am meisten verletzt. Statt ihr angeschlagenes Selbstvertrauen aufzurichten und zu stärken, fällt der Mutter nichts anderes ein, als ihr eine Operation zur Magenverkleinerung anzudrohen und damit auch ihren Ehemann zu hintergehen, der einen solchen Eingriff ablehnt, vor allem auch deswegen, weil Ellies Tante bei einer solchen Operation beinahe gestorben wäre. Echt, dass in den USA Magenverkleinerungen auch schon bei Kindern durchgeführt werden dürfen? Das ist für mich Kindesmisshandlung! Mit ihrem Diät-Wahn für Ellie merkt sie nicht, wie sehr sie die anderen Familienmitglieder verletzt. Liam und Anaïs lassen ihre Wut, die aus Ohnmacht ihrer Mutter gegenüber entsteht, an Ellie aus. Einzig Ellies Vater ergreift, spät aber doch, ein.

Eigentlich gehört Ellies Mutter therapiert, die mit ihrem schon manischen Bestreben, Ellies Gewicht zu reduzieren.
Catalina spricht das aus, als sie erfährt, dass Ellie zu einer Therapie muss und Ellie kommen erste Zweifel an ihrer Mutter.

“Ob Catalina recht hat? Ist es möglich, dass Mams Denken in Ordnung gebracht werden muss - und nicht ich?“

Das Buch, das sich sehr gut lesen lässt, ist ein wichtiges Buch für junge Leserinnen und Leser sowie für deren Eltern und Lehrkräfte. Es vermittelt die Botschaft, welchem Druck Kinder und junge Erwachsene durch Mobbing und Bodyshaming ausgesetzt sind.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem emotionalen und mutigen Buch 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Geht unter die Haut!
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Nichts für Zartbesaitete!

Therapie einer Mörderin: Psychothriller | Je tiefer du in ihre Seele blickst, desto mehr verlierst du deine eigene von H.M. Connally

Dieser Thriller, der in Irland spielt, ist nichts für Zartbesaitete. Die Triggerwarnung zu Beginn ist daher gerechtfertigt und sollte beachtet werden.

Dr. Ava Murphy leitet die neu gegründete Abteilung am Dubliner Central Mental Hospital. Sie ist forensische Psychiaterin und kümmert sich um jene Mädchen und Frauen, die nach jahrelangem Martyrium zur Selbsthilfe gegriffen und ihre Peiniger getötet haben.

Während für Polizei und Gericht die Vorgeschichten, die zu solch einer Tat geführt haben, nur Nebensache sind, versucht Dr. Murphy, die Hintergründe zu beleuchten, um eine geeignete Therapie für die Frauen zu erarbeiten.

Als dann die junge Grace in ihre Abteilung verlegt wird, löst sie bei Ava Murphy eine Rückblende in ihre eigen Kindheit aus, denn auch Ava wurde als Kind in einem Kinderheim missbraucht ....

Meine Meinung:

Dass es in Kinderheimen zu sexuellen Missbrauch und Gewalt durch das Personal gekommen ist, kann nicht geleugnet werden. Zum einem sprechen die Baby-Gräber in den Gärten irischer Klöster Bände und zum anderen wurde erst kürzlich ein Missbrauchsskandal in einigen SOS-Kinderdörfern, an denen auch der Gründer. dieser Einrichtung, Hermann Gmeiner (1919-1986) beteiligt gewesen sein soll, aufgedeckt. Sich an der vulnerabelsten Gruppe zu vergreifen, ist wohl das schlimmste Verbrechen.

Daher können die in diesem Buch beschrieben Frauen durchaus mit Sympathie und Verständnis der Leserschaft rechnen. Doch Recht ist nicht gleich Gerechtigkeit, weshalb ein Happy End selten in Frage kommt.

Für mich sind zwar nicht alle Fragen um Ava Murphy beantwortet worden, dennoch ist sie die Heldin dieser Geschichte.

Dieses Buch macht die Grenzen unseres Rechtssystem sichtbar, weil die Grenzen zwischen Täter und Opfer in solchen Fällen verschwimmen lässt.

Wie im Nachwort zu lesen ist, ist hier wenig erfunden.

Fazit:

Dieser Psychothriller ist schwere Kost und sollte mit entsprechender Vorsicht gelesen werden. Gerne gebe ich diesem aufwühlenden Buch 5 Sterne.

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Nichts für Zartbesaitete!
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Eine Leseempfehlung

Kann KI die Natur retten? von Frauke Fischer; Hilke Oberhansberg

„KI ist wahrscheinlich das Beste oder das Schlimmste, was der Menschheit passieren kann.“ (Stephen Hawking)

In drei Abschnitten, die wiederum in insgesamt in neun Kapiteln unterteilt sind, legen die Autorinnen dar, was KI in Bezug auf die Rettung der Natur kann oder eben nicht kann:

Teil I - Eine kurze Geschichte der Intelligenz
Kap.

1: Wissensvorsprung?
Kap. 2: Natürlich genial
Kap. 3: Künstlich intelligent

Teil II - Technischer Support für die Natur
Kap. 4: Wo liegt das Problem?
Kap. 5: Was kann KI?
Kap. 6: Schöne neue Welt

Teil III - Der Haken an der Sache
Kap. 7: Der Blick auf die Stromrechnung
Kap. 8: Früher war mehr
Kap. 9: Schwierige Datenlage

Ein Plädoyer zum Schluss fasst das Wichtigste noch einmal zusammen.

Das KI Texte schreiben und Bilder generieren sowie selbständig lernen kann, hat sich schon herumgesprochen. Dass sie Supercomputer Unmengen an Energie, Rohstoffen und Wasser zur Kühlung (!) benötigt, haben noch nicht alle verinnerlicht.

Das ist erstaunlich, lehrreich und enthält eine gute Portion Humor. Damit können sowohl alle jene, die die Natur lieben, als auch jene die von Technik fasziniert sind, Fragen beantwortet bekommen und neue Ideen gefunden werden

Die wichtigste Erkenntnis und Essenz dieses wichtigen und durchaus auch humorvoll geschriebenen Buches (sonst würde es niemand lesen) ist folgendes:

„KI kann die Natur nicht retten. Das müssen wir schon selbst tun. Aber KI kann eine der mächtigsten Helferinnen sein, die wir haben werden. Wir sollten sie mit Intelligenz nutzen.“

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.

Fazit:

Diesem Buch, mit dem uns Biologin Frauke Fischer und Wirtschaftswissenschaftlerin Hilke Oberhansberg auf eine unterhaltsame Weise in jene Welt entführen, die Hightech und Natur verbindet, gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Eine Leseempfehlung
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Very British!

Mrs Potts' Mordclub und der Tote in der Themse von Robert Thorogood

Die Marlower Schauspieltruppe sowie der Gast, Hollywoodschauspielerin Lizzie Jenkins, amüsieren sich zunächst bei Prosecco und Büffet, auf der Bootsfahrt auf der Themse, die Regisseur Oliver Beresfeld organisiert hat. Dass Oliver beim Ausschiffen nicht mehr dabei ist, fällt weiter nicht auf. Erst als er nicht nach Hause kommt, macht sich Ehefrau Verity Sorgen.

Nachdem Verity bei der Polizei abgeblitzt ist, bittet sie Judith Potts um Hilfe. Wenig später findet man Oliver tot Ufer: augenscheinlich erschossen. Jetzt übernimmt die Polizei doch noch.

Doch wer könnte der Täter oder die Täterin sein? Alle an Bord scheinen ein Alibi zu haben. Obwohl sie der ermittelnden Kriminalbeamtin hoch und heilig versprechen, nicht zu „ermitteln“, steckt das wackere Trio seine Nasen nicht nur in die Theatergruppe sondern auch in das Privatleben des Toten.

Dabei fördern sie sowohl da wie dort neu Erkenntnisse zu Tage, die blöderweise mehr Fragen aufwerfen, als beantworten. Nach und nach lüften Judith, Becks und Suzie die größeren und kleineren Geheimnisse, die jedes Mitglied der Theatergruppe, der Schiffseigner und sogar der Schleusenwärter verbergen. Was sie dabei alles entdecken, verrate ich natürlich nicht ...

Meine Meinung:

Dieser Fall ist der 4. Fall für Mrs. Potts und ihre Damenrunde, Band 2 und 3 habe ich irgendwie verpasst. Nun, kann ja nachgeholt werden.

Der Tote scheint ein ziemliches Ekelpaket gewesen zu sein. Zumindest berichten alle einstimmig über sein überdimensioniertes Ego. Er glaubt von sich, der Nabel der Welt zu sein. Nein, falsch, er ist der Überzeugung, selbst die Sonne müsse sich um ihn drehen. Oliver ist ein Mann, der über Leichen geht, selbst wenn es seine eigen ist.

Das Cover passt gut zur Reihe, weshalb es einen hohen Wiedererkennungswert hat. Der Schreibstil ist flüssig. Wie es sich für einen englischen Krimi gehört, sind zahlreiche schrullige Personen im sprichwörtlichen Spiel. Schmunzeln musste ich über Judiths Auftritt im Garricks Club, in dem Frauen ja keinen Zutritt hat. Sie überrumpelt den Türsteher und erfährt von Rob Hooker einiges, was die Reihung der Verdächtigen wieder durcheinander würfelt.

Die Charaktere sind sympathisch, charmant, teils etwas schrullig, was die Geschichte sehr amüsant macht. Der Autor schafft es zudem, eine durchgängige Spannung aufzubauen – jeder scheint ein Motiv zu haben und somit verdächtig zu sein.

Das Finale, ist gelungen. Ich hatte eine etwas andere Möglichkeit ins Auge gefasst. Gemein ist der fiese Cliffhanger!

Fazit:

Ein gelungener Krimi, der very british daherkommt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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Very British!
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Abfahrt in den Tod

Am Hang des Todes von Lenz Koppelstätter

Commissario Grauner hat es wirklich getan: Um seine Ehe zu retten, hat er mit seiner Frau Alba eine mehrmonatige Weltreise unternommen, die seine Sicht auf die Welt im allgemeinen und auf jene hier in der Heimat Südtirol verändert hat. Noch völlig unter den Reiseeindrücken will er es bis zu seiner Pensionierung etwas ruhiger angehen, zudem muss er sich wieder erst wieder zurechtfinden, hat doch seine Tochter die Calm Alm in ein besonderes Urlaubsdomizil umbauen lassen.

Allerdings wird s nichts mit dem langsamen Wiedereinstieg in den Beruf, denn der Schiweltcup gastiert in Gröden und der junge Lokalmatador Philipp Ungerer stürzt bei seiner Fahrt über die knapp 3,5 Kilometer lange Saslongpiste. Dass auch arrivierte Rennläufer bei ihrem wilden Ritt über die Kamelbuckel stürzen, ist nicht ungewöhnlich. Außergewöhnlich ist diesmal, dass Ungerer nicht mehr aufsteht, weil er in voller Fahrt erschossen worden ist. Erste Spuren führen zu einem Hochstand und zu einem ungewöhnlichen Kaliber der Schusswaffe, die wegen der großen Distanz zwischen Opfer und Schützen eine Präzisionswaffe sein muss.

Recht bald entdecken Ispettore Claudio Saltapepe und Silvia Tappeiner, dass der Tote Teil eines lange schwärenden Streit zwischen seiner Familie und jener seines besten Freundes Armin Waldsteiner, war. Und just dieser Armin ist seit Monaten verschwunden. Zufall? Doch was hat es mit den 250.000 Euro, die neben einem begonnenen Kündigungsschreiben im Hotelzimmer des Toten liegen, auf sich?

„Jetzt hat er ihn also umgebracht!“
Tappeiner schaute überrascht: „Er? Wer er? Wer hat ihn umgebracht?“
„Na, der Rummel. Dieser Zirkus. Das ist doch alles viel zu viel für so einen Jungen aus den Bergen. Glauben Sie mir das! Das alles, das Chaos, das ist zu viel für uns.“

Das Team um Grauner hat es nicht ganz leicht mit ihm, der ja schon seit je her als eigenbrötlerisch gilt. Es scheint, die Weltreise hat ihn in andere Sphären katapultiert, denn er zitiert regelmäßig den Philosophen Sophokles. Doch dann scheint er wieder ganz der Alte zu sein und ermittelt auf den steilen eisigen Pisten, um diesen komplexen Fall zu lösen, der noch einen dramatischen Schwenk in die Vergangenheit birgt.

Und wie schon in den letzten beiden Krimis, liebäugelt Grauner mit dem Ruhestand, trifft eine Entscheidung und ...

Meine Meinung:

Commissario Grauner, Saltapepe und Tappeiner tauchen gemeinsam mit dem Team der Kriminaltechnik in das Milliardengeschäft des alpinen Schisports ein, in dem skrupellose Sportfunktionäre junge Talente rücksichtslos verheizen und Sponsoren, Hoteliers. Liftbetreiber und andere Geschäftsleute viel Geld daran verdienen. Nicht zu vergessen die Sensationsgier der Zuschauer vor Ort oder jener Millionen Fans an den Bildschirmen, die ihre Favoriten anfeuern und jubeln, wenn ein Fahrer einer anderen Nation stürzt.

Autor Lenz Koppelsteiner spricht hier mehrere heiße Eisen an: zum einen die Geldmaschine Schiweltcup, die wenig Rücksicht auf die Natur, die Einheimischen und die Sportler nimmt, und zum anderen das omnipräsente Thema Doping im Sport sowie Alkohol auf Schipisten, der jede Saison Tote und Schwerverletzte fordert.

Ob wir noch einen Band mit Commissario Grauner lesen werden? Ein letzten, 12. um das Dutzend voll zu machen? Und wird Ispettore Claudio Saltapepe, der fanatische Fußballfan aus Neapel, der der Liebe zu Silvia Tappeiner wegen nun auch Schi fahren und klettern geht, Grauners Nachfolge antreten?

Er wäre nicht der erste Ermittler, der sich aus eine bestehenden Reihe emanzipiert. Elisabeth Florin hat aus ihrer Meran-Krimi-Reihe, Ispettore Emenegger, den jungen Kollegen von Commissario Pavarotti als dessen Nachfolger entwickelt.

Ich schätze in der Vorschau 2027 werden wir Fans von Commissario Grauner wissen, wie es weiter geht. Bis dahin heißt es, sich in Geduld üben und die Monate mit dem neuen Fall für Gianna Pitti überbrücken.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem komplexen Krimi, der im Umfeld des Schiweltcups spielt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Abfahrt in den Tod
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Schwere Kost

Ich kämpfe für die Wahrheit von Caroline Darian

In ihrem zweiten Buch, das wie ein Tagebuch aufgebaut ist, berichtet Caroline Darian, Tochter des Vergewaltigungsopfers Gisèle und des Täters Dominique Pelicot, wie sie und ihre Familie den Prozess gegen ihren Vater erlebt hat.
Dabei muss sie erleben, dass es Lücken im Ermittlungsverfahren gegeben hat, denn es stellt sich heraus, dass auch sie, Caroline, und ein Neffe von Dominique Pelicot wahrscheinlich missbraucht worden sind.

Es gibt von Caroline ähnliche Fotos wie von ihrer Mutter. Dass ihr Vater zu den Vorwürfen schweigt, erscheint nur logisch, denn er gibt nur das zu, was man ihm eindeutig nachweisen kann. Das Schweigen der Mutter, das mitunter böswillig als „wegschauen“ interpretiert werden könnte, hat vermutlich andere Gründe.

Caroline spricht ihrer Mutter ausdrücklich Hochachtung aus, diesen Prozess durchgestanden zu haben, gleichzeitig ist sie wütend, dass sie selbst keine Unterstützung durch Gisèle erfährt, denn sowohl Mutter als auch Vater schweigen. Ich kann sowohl Mutter als auch Tochter verstehen. Die eine, Gisèle braucht ihre ganze Kraft, um den eigenen Prozess durchzustehen und Caroline fühlt sich von der Mutter in Stich gelassen.

Caroline Darian erzählt in diesem Buch über ihren Kampf, gegen die sogenannte chemische Unterwerfung fort, damit all die Opfer ohne Beweise oder Erinnerungen nicht vergessen werden.

Doch das Kapitel Dominique Pelicot ist noch nicht abgeschlossen. In zwei, schon länger zurück liegendenen Mordfällen an jungen Frauen haben sich DNA-Spuren von Pelicot gefunden. Eine dritte Frau hat dessen Überfall überlebt. Nun müssen zahlreiche ungeklärte Frauenmorde neu aufgerollt werden.

Fazit:

Diesem Buch, das den weiteren Kampf von Caroline Darian gegen die chemische Unterwerfung schildert, gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung, auch wenn das Buch schwere Kost ist.

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Schwere Kost
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Eine klare Leseempfehlung!

Die Galerie des Wahnsinns von Edward Brooke-Hitching

Sowohl der deutsche als auch der englische Original-Titel „The Madman‘s Gallery“ suggerieren, dass hier Werke gezeigt und beschrieben werden, die unter kognitiven Einschränkungen entstanden sind.

Doch weit gefehlt!

Edward Brooke-Hitching, dessen Atlanten ich im Regal stehen habe, zeigt uns hier über 100 un- und außergewöhnliche Kunstwerke, die im Laufe der Geschichte entstanden sind.

Er spannt dabei den Bogen von prähistorischen Fruchtbarkeitssymbolen bis hin zu einem Bild, das KI-generiert ist, und für über 400.000 Euro verkauft worden ist.

Die Liste der Kunstwerke ist chronologisch geordnet, so dass der interessierte Betrachter die Entwicklung der Kunst beobachten kann. In vielen Kunstwerken spiegelt sich die Zeit der Entstehung wieder, andererseits gibt es wie bei erwecken die aus (gemaltem) Obst und Gemüse „zusammengesetzten Bilder“ des Renaissancemalers Giuseppe Arcimboldo (ca. 1526-1593) eine Art Vorgriff auf jene Kunst, die beispielsweise unter Salavdor Dalí (1904-1989) als Surrealismus bezeichnet wird. Doch wie man aus den Lebensdaten sieht, haben sich die Surrealisten von Arcimboldo inspirieren lassen.

Ich glaube auch nicht, dass die Darstellung der kleinen Steinstatuetten (S. 16 ff.) wie die Venus von Willendorf (die hier nur kurz genannt, aber nicht gezeigt wird), die vermutlich Fruchtbarkeitssymbole dargestell(t)en, dem „Wahnsinn“ der prähistorischen KünstlerInnen entsprungen sind, sondern ein Meisterleistung dieser Epoche sind. Auch die „Himmelsscheibe von Nebra“ (S.23) ist kein Objekt geistiger Umnachtung, sondern diente einem bestimmten Zweck, der sich uns nach wie vor nicht gänzlich erschließt.

Die einzelnen Kunstwerke sind mit viel Wissen und ebenso viel Humor beschrieben. Zudem gibt es, wo es geboten ist, Querverweise in andere (spätere) Kulturen. So stellt er die kolossalen Steinköpfe der Tolmeken jene der US-amerikanischen Präsidenten gegenüber.

Ich finde die Darstellung „Der Wundmann“ aus dem Jahr 1420 sehr interessant.

Den Zyklus „Der Triumphzug von Kaiser Maximilian I.“ (S. 83), von Hans Burgkmair dem Älteren und anderen Künstlern, der aus 139 (nach anderen Quellen 147) einzelnen Holzschnitttafeln besteht und die gigantische Länge von 54 Metern umfasst, habe ich in einer Ausstellung in der Albertiina in Wien gesehen. Dieses imposante Gemälde ist wohl mehr dem Größenwahn des Auftraggebers Kaiser Maximilian I. als den Ausführenden zuzuschreiben.

Auffallend ist, dass nur wenige Künstlerinnen Aufnahme in dieses Buch gefunden haben. Immerhin ist mit Artemisia Gentileschi (1593-1653) die wohl bekannteste Barockmalerin vertreten, sowie mit Frida Kahlo (1907-1954) und Marina Abramović Vertreterinnen der Moderne.

Neben Klassikern wie Vermeer begegnen wir sakraler Kunst sowie Auftragsarbeiten, die berühmte Persönlichkeiten wie Herrscher oder Kaufleute darstellen, den unglaublich lebensecht wirken die Charakterköpfe von Franz Xaver Messerschmidt (1736-1783) sowie den während der NS-Zeit als „entartete Kunst“ bezeichneten Werken von Franz Marc (1880-1916) oder den Dadaisten.

Der Exkurs in die Gegenwart bietet Einblick u.a. in die Arbeiten der Performancekünstlerin Marina Abramović. Das eingangs erwähnte KI-generierte Werk überrascht ein wenig.

Meine Meinung:

Mit seinem Streifzug durch die Kunstgeschichte, der auch einige skurrile Werke beleuchtet, macht Edward Brooke-Hitching Lust, das eine oder andere Museum zu besuchen. An dieser Stelle muss ich eine kleine Kritik anbringen: Mir fehlen bei einigen Kunstwerken Hinweise ob und in welchen Museen sie zu sehen sind. Aber, das ist wieder einmal jammern auf hohem Niveau.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch, das mit exzentrischen Kunstwerken, die unterhaltsam dargeboten werden, visuell beeindruckt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Eine klare Leseempfehlung!
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Eine Leseempfehlung

Ökonomie der Angst von Oliver Rathkolb

Oliver Rathkolb, Historiker, Jurist und Autor, betrachtet die aktuelle Situation der Welt und sieht Parallelen zu den Jahren vor dem ersten Weltkrieg. Besonders die „erste und zweite Turboglobalisierung“, wie er die wirtschaftlichen Umwälzungen nennt, die mit Radikalisierung, Autoritarismus, Kriegstreiberei, Xenophobie und Kontrollverlust einhergehen, scheinen für die aktuelle Schieflage verantwortlich zu sein.

Zahlreiche Fehlentscheidungen der Politik, damals wie heute, bedrohen scheinbar die Beschaulichkeit des Einzelnen, der aktuell gewohnt ist, dass seine persönliche Behaglichkeit, ohne wenn und aber, vom Staat garantiert wird. Wenn es, auf Grund ökonomischer Krisen, zu Änderungen der gewohnten Bequemlichkeit kommt, werden recht schnell Schuldige gesucht. Dabei wird eigene Anteil allerdings meist gerne übersehen. Es wird nur die „Bedrohung“ durch andere gesehen, die die Sehnsucht nach einem „starken Mann“ weckt. Hört man jenen Politikern, die vorgeben, eine einfache Lösung für komplexe Probleme zu haben, zu, so steckt oft eine Gewalt dahinter, die zunächst die „richtige“ Gruppe trifft, um wenig später auf die gesamte Bevölkerung angewendet werden könnte.

Dazu arbeitet Oliver Rathkolb in dreizehn Kapiteln Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen damals und heute aus, um seine Thesen zu veranschaulichen:

Der Ausgangspunkt: Überforderung
Überall Angst, Angst, Angst: Globaphobia
Gleichzeitigkeit der Extreme: Von der ersten bis zur zweiten Moderne
Fultons Monster, das I-Phone und KI
Von Robber Barons und Cyber Barons
Bringt Bildung Innovation?
Innovationsturbos vor 1900
Putin, Xi und die Politik der Aggression
Wegbereiter und Pionier der digitalen Revolution
Europa hinkt hinterher
Ein Perpetuum Mobile: Die Triggerpunkte eines nervösen Zeitalters
Rufe nach dem starken Führer: Symptome einer Überforderung
Wertemuseum oder autoritär geprägte Wirtschaftsgemeinschaft: Untergangsszenarien und Zukunftsoptionen Europas

Und was ist von einem Präsidenten zu halten, der seine Präsidentschaft dazu benützt, persönliche Eitelkeiten zu befriedigen, „Deals“ abzuschließen, die vorrangig ihm und seinem Clan dienlich sind und einerseits eigenmächtig Länder kaufen oder notfalls mit Gewalt annektieren will, um „seinem“ Land zu vergangener Größe verhelfen will, andererseits aber gleichzeitig anderen Staaten mit militärischer Intervention droht, wenn sie ähnliches vorhaben?

Oliver Rathkolb glaubt nicht an den Ausbruch eines Dritten Weltkrieges. Es ist zu hoffen, dass er Recht behält.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch, das die Weltlage um 1914 mit der aktuellen vergleicht, Ähnlichkeiten und Unterschiede herausarbeitet, 5 Sterne.

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Schwere Kost

Babyn Jar von Anatoli Kusnezow

Anatoli Wassiljewitsch Kusnezow (1929-1979) war ein ukrainischer Schriftsteller, der als Zwölfjähriger Zeuge des Massakers von Babyn Jar war, bei dem mehr als 33.000 Juden von der deutschen Wehrmacht ermordet worden sind. Dieses Buch ist ein dokumentarischer Roman, der nicht nur die Ereignisse vom 29.

und 30. September 1941 wiedergibt, sondern auch die beiden Jahre der deutschen Besatzung inklusive Widerstand gegen dieselbe, Vergeltungsmaßnahmen mit Erschießung von Geiseln sowie Hunger und Not.

Die vorliegende Neuauflage aus dem Jahr 2026 enthält neben dem ursprünglichen Text auch Anmerkungen, die der Autor in späteren Jahren hinzugefügt hat. Beides ist im vorliegenden Buch durch eckige Klammern und kursive Schrift deutlich erkennbar, was das Lesen - zusätzlich zum Grauen - nicht immer einfach macht.

Babyn Jar steht nicht nur für den Genozid an der jüdischen Bevölkerung der Ukraine sondern auch für den Zwiespalt, in dem sich zahlreiche Familien befinden, wenn ein Elternteil russisch und der andere ukrainisch, polnisch, finnisch oder jüdisch im Pass eingetragen hat. Insgesamt sollen in der zwei-jährigen deutschen Besatzungszeit 100.000 Menschen ermordet worden sein, darunter Tausende sowjetische Kriegsgefangene sowie willkürlich ausgesuchte Zivilisten.

Das Buch ist erstmals 1966 in stark zensurierter Form in der UdSSR erschienen. Man hat jeden Hinweis auf die jüdische Identität der Opfer entfernt, weil man sonst zugeben hätte müssen, dass es in der UdSSR jüdische Bewohner gab, die auch von der Sowjetregierung verfolgt worden sind. Wie weit die Unterdrückung der Wahrheit durch die Sowjetunion geht, lässt sich daran ermessen, dass es bis zum Zerfall der UdSSR keinen Erinnerungsort für die jüdischen Opfer des Massakers geben durfte. Erst ab 1991 werden die ersten Memorials errichtet.

Doch das erlebt Anatoli Wassiljewitsch Kusnezow nicht mehr. Er wird 1979 Opfer eines mysteriösen Autounfalls, der bis dato nicht aufgeklärt werden konnte. Der geneigte Leser kann sich hierzu seine eigenen Gedanken machen.

Kusnezow war nicht der einzige, der über diesen Massenmord berichtet hat. Wassili Grossmann hat dies auch getan. Das Rattern der Maschinengewehrsalven wird Anatoli Kusnezow sein Leben lang begleiten, umso bedeutsamer ist es, dass er diese Ereignisse aufgeschrieben hat.

Fazit:

Dieses Buch ist schwere Kost, auch wegen des aktuellen Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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Schwere Kost